Rezension: Hinter den drei Kiefern von Louise Penny (Gamache #13)

Hinter den drei Kiefern Penny GamacheIn den Wäldern Kanadas liegt das kleine, gemütliche Dorf Three Pines. Dort scheinen die verschiedenen, teils schrulligen Dorfbewohner ganz normal zu sein. Auf  der traditionellen Halloween Party taucht eine in schwarz gehüllte Gestalt, die aussieht wie der Tod. Keiner kann herausfinden, wer sich so verkleidet hat. Am nächsten Morgen steht diese Gestalt dann in der Mitte des Dorfes und rührt sich nicht vom Fleck. Die Dorfbewohner werden mit der Zeit immer unruhiger. Keiner weiß, was das Ganze soll. Dann kommt die Theorie vom Cobrador auf, einem spanischen Schuldeneintreiber. Das Gewissen, welches die Schuld eines Dorfbewohners hervorhebt. Die Unheilvolle Stimmung ist noch da, als die Gestalt plötzlich verschwunden ist. Kein Wunder, denn kurz darauf wird in der alten Kirche eine Person tot im Gewand des Cobradors gefunden. Was diese Person der Cobrador, hat der Cobrador sie getötet oder was geht da vor? Der Mordfall jedenfalls führt zu einer Gerichtsverhandlung, von deren Ausgang auch der Erfolg eines riesigen Plans abhängt. Denn der Mordfall im kleinen Dorf ist der Schlüssel zu einem gewaltigen Drogenkartell. Und der Polizeichef von Québec, Gamache,  ist einer der Dorfbewohner.

Stil, Machart, Meinung

Sofort wird der Leser mitten ins Geschehen katapultiert. Mit der Zeugenaussage von Armand Gamache beginnt das Buch. Der Mordfall wird parallel einmal in der Gerichtsverhandlung und zwichendurch immer von Anfang an geschildert. Da hat die Autorin wirklich ganze Arbeit geleistet. Durch den Wechsel der Perspektiven und der Zeit hat der Leser einige Rätsel zu lösen und es wird nicht langweilig. Beispielsweise wird die Angeklagte Person nicht weiter genannt sodass der Leser auch trotz dem Anfang am Ende der Geschichte raten kann, wer es denn ist und was da überhaupt los ist.

Zunächst hatte ich leider Probleme, die verschiedenen Dorfbewohner und deren Namen im Gedächtnis zu behalten. Als ich dann herausfand, dass dieser Band Teil 13 der Inspector Gamache – Reihe ist, wurde mir auch klar warum es mir so ging. Sie waren zwar gut beschrieben, aber doch irgendwie recht kurz. Zu der Reihe später mehr.

Das Buch verspricht auf dem Cover: „Die Nr. 1 – Krimireihe aus Kanada“. Das Genre Krimi wird hier auch größtenteils bedient. Es gibt jedoch 2 Fälle in einem: Der Mordfall im Dorf hat alles, was dem Agatha Christie – Fan bekannt vorkommen dürfte. Ein kleines Dorf, ein rätselhafter Mord, ein geschlossener Raum, mehrere Verdächtige und ein Rätsel für den Leser. Diese Seite der Geschichte ist auf jeden Fall ganz typisch „Cosy Crime“ und „Whodunnit“.  Dieser Fall ist jedoch mit einem ganz anderen Fall verwoben. Man merkt schnell, dass bei der Gerichtsverhandlung so einiges vom Ausgang des Verfahrens abhängt. Ich möchte hier nicht spoilern, ich möchte nur sagen: Der Mordfall tritt etwas in den Hintergrund angesichts eines riesigen Drogenkartells. Beim furiosen Showdown ist dann so einiges los, und der Mordfall ist nicht mehr so wichtig.

Diese beiden Handlungen hat die Autorin geschickt miteinander verbunden, der Leser wird gut durch die Handlung geführt und es mangelt nicht an Abwechslung. Der Schreibstil ist angenehm, anspruchsvoll, abwechslungsreich und es liest sich sehr gut. Manche Sätze sind zum schmunzeln, andere wieder recht literarisch anspruchsvoll. Es sind ziemlich viele Gegensätze, die in der Geschichte die Vielfältigkeit ausmachen. Der Dorfbewohner ist auch Polizeichef  von Quebec, Cosy Crime wird zum Thriller – Showdown und die Geschichte beginnt kurz vorm Ende. Das ist gut gemacht, nur mir kam der Mordfall einfach zu kurz.

Ein großes Plus gibt es für den Schauplatz. Ich habe bis jetzt selten etwas mit dem Schauplatz Kanada gelesen und fand die Atmosphäre toll.

Die Reihe

Dieser Fall hier ist der 13. Fall von Gamache. Ich habe das Buch gelesen und mir war schnell klar, dass es nicht das erste Buch der Reihe ist. Ich meinte auch, von Inspector Gamache schon einmal gehört zu haben. Schnell ließ sich rausfinden, dass schon viele Fälle vor diesem Fall veröffentlicht wurden. Dass erklärt dann auch, wieso die Personen aus dem Dorf so schnell erklärt werden und ich als Neueinsteier Probleme damit hatte, sie mir zu merken. Was es aber nicht klärt: Wieso der Kampa Verlag diesen Fall zuerst veröffentlicht. Man hätte diese Reihenfolge auch kenntlich machen können. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den verschiedenen Personen ging es dann aber und ich muss sagen: Man kann diesen Fall auch als Neueinsteiger ohne Vorwissen lesen – wenn man es denn möchte.

Was lernen wir daraus?

Ich habe mal wieder gelernt, dass man in Reihen auch mittendrin einsteigen kann – es aber vielleicht nicht möchte. Wenn das Buch der absolute Hammer ist, dann wird man den Mangel an Informationen schnell verzeihen. Vielleicht fängt man dann sogar nochmal bei Band 1 an und geht ab da chronologisch vor.  Hier hat die Autorin wirklich keine Fehler gemacht, mit denen Neueinsteiger verschreckt werden können. Und doch hätte ich es viel besser gefunden, wenn ich gewusst hätte worauf ich mich einlasse. „Ein Fall für Gamache“, steht auf dem Cover. Hätte ich gewusst, dass es der 13. Ist, hätte ich es wahrscheinlich nicht gelesen. Somit wurde in Sachen Marketing alles richtig gemacht.

Außerdem habe ich wieder etwas in Sachen Stilmix gelernt. Ein sogenannter Landhauskrimi darf auch mal vom Beschaulichen ins Gegenteil kippen. Wenn der Autor sein Handwerk beherrscht wirkt das sogar sehr abwechslungsreich und vielfältig. Dann ist da allerdings noch die Sache mit den Erwartungen des Lesers:  Wenn ich nach dem Cover einen beschaulichen Krimi erwarte und eigentlich nur raten möchte, wer denn der Mörder ist – und mich auf einmal mitten im brutalen Drogenkrieg widerfinde, dann gefällt einigen die Überraschung und andere sind enttäuscht.

Fazit

Von mir gibt es 3 Sterne. Fast wären es 4 geworden, aber ich hatte doch einige Schwierigkeiten mit der ansonsten sehr gut angelegten Reihe und den Charakteren. Die Personen und deren Beziehungen zueinander sind für mich das wahre Juwel des Buches – und auch die Verknüpfung der verschiedenen Perspektiven und Zeiten war tatsächlich meisterhaft. Der späte Einstieg in diese Krimiserie wurde technisch relativ gut gemeistert, nur die vielen Personen im Dorf Three Pines haben mich anfangs einigermaßen verwirrt. Der Mordfall, der mich als Agatha Christie Liebhaberin natürlich gleich an die Queen of Crime erinnerte, ließ mich schon frohlocken. Doch dann war der Fall an sich gar nicht so grandios wie der andere Fall, der sich dahinter verbarg. Ich wäre nicht abgeneigt, der Reihe noch eine Chance zu geben, bin jedoch ratlos: Fange ich da jetzt ganz vorne an oder warte ich auf den nächsten Band?

 

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