Rezension: Tiefe Stiche von Simone van der Vlugt

Tiefe Stiche van der Vlugt.jpgIn der niederländischen Stadt Alkmaar werden mehrere Menschen hinterrücks niedergestochen. Die Opfer haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam, die Polizei hat keine brauchbare Spur und die Bevölkerung wird unruhig. Ermittlerin Lois Elzinga steht mit ihrem Team vor einem großen Rätsel. Als sie selbst ins Fadenkreuz des Täters gerät, wird es ernst.
Stil, Machart, Meinung
Dieser „Thriller“ ist für mich irgendwie kein richtiger Thriller. Klar, wir haben einen Messerstecher, der definitiv gefasst werden muss bevor er ein weiteres Opfer erwischt. Aber die Perspektive konzentriert sich doch sehr auf die Ermittlerin und ihr Privatleben, sodass dieses für mich typische Thriller-Gefühl nicht aufkommt. Damit meine ich, dass man aufgeregt die Seiten umblättert und auch ein wenig mit dem Kampf gegen die Zeit mitfiebert. Es ist also ein eher seichter Thriller, vielleicht ein Cosy Thriller, falls es das als Genre irgendwie gibt.
Ein besonders gelungenes Stilmittel ist für mich die Perspektive des jeweiligen Opfers, kurz bevor es attackiert wird. So bekommt jedes Opfer seine 2 Seiten Ruhm und wir können kurz in die alltäglichen Gedanken eintauchen, bevor der Täter zuschlägt. Auch die Perspektive des Täters wird gelegentlich erwähnt, sodass der Leser nach und nach begreift warum er das tut –aber trotzdem nicht alles weiß. So ist das Opfer nicht nur Opfer sondern dem Leser näher. Und der Täter ist zwar immer noch Täter, aber auch ein Opfer (von was, verrate ich natürlich nicht).
Das Privatleben der Ermittlerin steht für mich etwas zu sehr im Fokus, und es ist leider nicht so richtig aufregend und konnte mich nicht dauerhaft fesseln. Am Schluss versteht man dann schon, warum das Privatleben von Kommissarin Elzinga so wichtig war, aber trotzdem nimmt es dem Fall irgendwie die Spannung und ich hätte lieber andere Perspektiven intensiver verfolgt als diese.
Der Plot ist solide und am Ende macht alles Sinn. Viele von der Autorin geplanten „Überraschungen“ waren für mich jetzt eher wenig überraschend, die Zusammenhänge werden beim dramatischen Ende jedoch gut und sinnig ausgelöst.
Was lernen wir daraus?
Ich habe (erneut) gelernt, dass die Perspektive der Opfer vor dem Tod ein gutes Stilmittel ist, um den Ermordeten doch etwas mehr Charakter zu verleihen als nur durch die Darstellung der Leiche. Auch die Täterperspektive mag ich immer sehr gern, wenn sie gut gemacht ist. Man muss etwas verraten, aber nicht zu viel. Genau so muss man auch mit dem Leser spielen, indem man Informationen langsam durchsickern lässt – und den Wissensvorsprung vor den Ermittlern in guter Balance hält. Das muss natürlich nicht sein, der Ermittler kann auch mehr wissen als der Leser (ich sage nur: Hercule Poirot!). Egal wie, Hauptsache es ist gut gemacht und die Perspektiven sind in einer spannenden Balance.

Zielgruppe
So richtig hartgesottene Thriller-Leser werden hier vielleicht etwas gelangweilt sein, deshalb eignet sich dieses Buch wohl eher als Einstieg. Für die eingefleischten Krimi-Fans könnte der Rate-Effekt in Bezug auf den Täter und die Geschehnisse vielleicht etwas zu kurz kommen. Deshalb fällt es mir hier etwas schwer, eine genaue Zielgruppe zu benennen. Vorher müsste man sicher auch noch genau die Genres Krimi und Thriller voneinander trennen und definieren – und allein da scheiden sich ja schon die Geister und die Grenzen verwischen sehr oft. Ich mag diese sich verwischenden Grenzen und lese sehr gerne Geschichten mit allen Elementen, wenn es gut gemacht ist. Vielleicht ist es auch einfach eine Geschichte um eine niederländische Ermittlerin, die die Leser einfach mal in eine niederländische Stadt entführen – denn das war mein erstes Buch, welches in den Niederlanden spielt.
Fazit
Dieser Cosy-Thriller-Krimi-Roman ist nichts für die eingefleischten Thrillerfans, die auch gern mal brutale Schilderungen von Tötungen lesen möchten oder die wie wahnsinnig im Bann des Buches eine Seite nach der anderen umblättern wollen, obwohl sie eigentlich schon längst schlafen sollten. Es ist eher etwas gemütlicher und durch den großen Raum für die private Perspektive der eher gewöhnlichen Ermittlerin auch nicht so ganz spannend. Trotzdem ist der Plot gut gemacht und das gesamte Werk solide. Ich vergebe drei Sterne und werde diese Autorin/Ermittlerin wohl eher nicht weiter verfolgen –dazu bin ich zu wenig überzeugt und dafür gibt es auch zu viele Autoren, die mich sehr überzeugt haben und nun einen Stein im Brett meiner Leseliste haben. Enttäuscht bin ich aber auch nicht, es war vollkommen ok, gut geschrieben und mit gutem Ende.

Details zum Buch gibts hier:

Verlagsseite zu Tiefe Stiche

Rezension: Ethan Cross – Ich bin die Nacht

Ethan Cross Ich bin die NachtDieser Thriller beginnt mit einer grausamen Szene, in der Francis Ackermann junior, einer er gefährlichsten Serienkiller überhaupt, eines seiner heißgeliebten Spiele mit zwei Polizisten spielt. Wie bei all seinen Spielchen geht es um Leben und Tod –wobei der Tod wohl eher im Vordergrund steht.. So muss sich bei diesem Spiel zunächst ein Officer entscheiden, ob er seinem Partner versucht zu helfen und einen qualvollen Tod zu riskieren oder wegzulaufen. Der gewissenhafte Partner nimmt Option 1 und findet sich bald in einem viel schlimmeren Spiel wieder, indem er gefesselt seiner Frau und seiner Tochter gegenübersitzt und entscheiden „darf“, welche Person seiner dreiköpfigen Familie überlebt, indem er die anderen Beiden erschießt..
Und dann ist da noch Markus, der ehemalige Polizist mit einem dunklen Geheimnis. Er macht zufällig an einem Tatort Bekanntschaft mit Francis Ackermann junior und findet sich auf einmal in einem eigenen Spiel um Leben und Tod mit einem ganz anderen Feind wieder. Er ha alle Hände voll zu tun und ist auf der Flucht. Wem kann er trauen? Und wieso beschließt Ackermann ausgerechnet, dass Markus sein perfektes Gegenstück ist? Und was ist eigentlich mit dem Sheriff los?

Stil, Machart, Meinung
Zunächst mal die ganz klare Ansage: Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven – und Gemüter. Grausame Szenen gibt es hier einige, eine ganze Menge Gewalt und auch seelische Grausamkeit kommt auf den Leser zu. Dennoch ist dieses Buch sehr gut geschrieben, die Szenen sind interessant und die Brutalität ist nicht so platt und unnütz wie in manch anderen Büchern und Filmen, die nach dem Motto „Hauptsache eine Menge Blutvergießen“ vorgehen zu scheinen.
Besonders interessant finde ich die teilweise schon philosophischen Fragen, die sich Killer Ackermann beim Ausüben seines „Berufs“ so stellt. Er hat recht philosophische und auch intelligente Ansätze auf Lager, die er auch oft seinen Opfern mitteilt. Genau so faszinierend sind die Szenen mit den oben schon angerissenen Spielchen, denn hier muss sich der unfreiwillige Spielgefährte dramatisch zwischen Menschenleben entscheiden – das Eigene inbegriffen.
Die verschiedenen Perspektiven sind hervorragend aufeinander abgestimmt und haben auch die richtige Länge. Einerseits der Killer mit den Spielchen, dann der ehemalige Polizist Markus mit den Dämonen der Vergangenheit und seinem aktuellen Problem, dann gibt’s da noch den Sheriff, der irgendwie Dreck am Stecken hat und dessen Tochter..
Ich habe angefangen, dieses Buch zu lesen. Und dann war ich auch schon fertig. Mit wahrscheinlich teilweise offenem Mund saß ich in der Sonne und blätterte fix die Seiten um. Es war spannend, sehr gut geschrieben, mit gutem Plot und einem sehr überraschenden Ende. Und der zweite Teil liegt schon ganz oben auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher).

Die Reihe
Dieses Buch, in Deutschland 2013 erschienen, ist Teil 1 der Reihe von Ethan Cross, indem Francis Ackermann junior und sein Gegenspieler Markus anscheinend die Hauptfiguren werden. Die Bücher haben allesamt ein sehr interessantes Design, wie mein Foto oben zeigt sind die Cover fast nur in einer Farbe gehalten und auch die Seitenränder sind in dem Design. Das erste Buch „Ich bin die Nacht“ ist schwarz, „ich bin die Angst“ ist rot und der dritte Teil „ich bin der Schmerz „ ist in weiß gehalten. Das ist mal ein tolles, einfaches Design mit hohem Wiedererkennungswert –und die Reihe wird im Regal echt schick aussehen. Der Autor legt außerdem ein schnelles Tempo vor, denn Band 2 und 3 gibt es ja auch schon. Ob es danach weitergeht? Keine Ahnung! Denn ich möchte mir die Reihe nicht verderben, indem ich jetzt für euch auf Wikipedia recherchiere und da dann wahrscheinlich Spoiler vor die Augen bekomme. Hier müsst ihr genauso unwissend bleiben wie ich – mir aber vertrauen und das erste Buch schon einmal lesen!

Zielgruppe
Leute, die gern Thriller und Krimis lesen. Idealerweise vielleicht lieber keine Einsteiger, sondern Leser die in dem Genre schon etwas belesen sind und die von mir erwähnte Grausamkeit ertragen können. Für schwache Nerven ist diese Geschichte nichts. Wer sonst nur Konsalik, Rosamunde Pilcher oder Nora Roberts liest (nichts für ungut!), der sollte vielleicht doch eher die Finger davon lassen und einen seichteren Einstieg in Sachen Krimi und Thriller wählen..

Was lernen wir daraus?

Ein Bösewicht in einem Krimi muss nicht nur böse und brutal sein. Natürlich sollte er schon etwas Böses an sich haben, sonst wäre er als Bösewicht wohl nicht geeignet. Er kann jedoch zur Abwechslung auch mal philosophische Fragen stellen und schlaue Dinge sagen. Er kann sogar Gefühle und Schwäche zeigen. Das ist in diesem Thriller sehr gelungen, und ich denke gerade dadurch ist diese Thriller – Reihe in aller Munde und so erfolgreich.

Fazit
Ich habe nichts auszusetzen, denn es stimmt alles. Der Thriller ist sehr spannend, gut und flüssig geschrieben und mit einem guten Plot. Es passiert eine Menge, und das in kurzer Zeit (denn man liest sehr schnell weiter, weil es so spannend ist). Der Serienkiller Ackermann ist ein sehr interessanter Bösewicht, denn er zeigt auch Schwächen. Es gab einen Punkt, an dem dachte ich „nun wird es aber ein bisschen viel“ – aber das Ende erklärt diesen Gedanken, und dadurch bringe ich ihn nicht als Negativpunkt an. Bleibt abschließend die Frage: 4 oder 5 Sterne? Ich vergebe knappe 5 Sterne, denn mir fällt einfach kein Makel ein, für den ich einen Punkt abziehen könnte. Diese 5 Sterne gehen mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung einher, die (nur) für die oben genannte Zielgruppe uneingeschränkt gilt. Einige Szenen in diesem Buch werden einem lange und lebhaft im Gedächtnis bleiben und Band 2 steht schon in meinem Regal.

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Rezension: Die Eisheilige von Susanne Mischke

Die EisheiligeIm Mittelpunkt dieser außergewöhnlichen Geschichte steht Sophie. Sie ist eine nach außen hin eher farblose Person, die unter den Pantoffeln ihres unsympathischen Gatten steht. Aber stille Wasser sind tief, und auf Sophie trifft das besonders zu. Denn sie hat eine Gabe: Sie kann ganz wunderbare Kleider nähen, durch die die Frauen der Nachbarschaft zu einem ganz neuen Lebensgefühl gelangen. Bald stellt sich allerdings die Frage, ob es nur an den unglaublichen Kleidern liegt, oder ob Sophie für ihre Kundinnen direkt auch Auftragsmorde telepathisch erledigt. Und schon geht’s los, mit dem nachbarschaftlichen Klatsch in der spießigen Vorstadt und Sophie gerät ins Visier der Polizei. Ach ja, und wo ist eigentlich der Ehemann geblieben?

Stil, Machart, Meinung
Das wir es hier mit einer ganz besonderen Perle unter den Kriminalromanen zu tun haben, wurde mir schnell klar. Der fluffige und humorvolle Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Ich saß oft schmunzelnd vor dem Buch, denn so kleine alltägliche Beobachtungen, manchmal auch nur unterschwellig im Nebensatz angedeutet, waren nur allzu wahr und perfekt beschrieben. Grundsätzlich ist man sehr oft sehr amüsiert über die Charaktere, ihre Eigenarten, die Entstehung von Gerüchten und Gedanken, die aus einer Mücke einen Elefanten machen.
Dann gibt es noch die dunkle Seite, die in mehreren Kapiteln ans Licht kommt. Es sind ja dann irgendwie schon ganz schön viele Todesfälle in der Umgebung passiert. Der Leser tappt, beschäftigt mit den niedlichen Beobachtungen des Alltages und der fehlenden Sympathie gegenüber den Todesopfern, bis zum Ende im Dunkeln darüber, ob es überhaupt um Mord geht – und wenn ja, wer der Mörder ist. Und so kommt auch die boshafte Seite einiger Charaktere sehr gut rüber, während sich sogar der Leser dabei ertappt fühlen dürfte, wenig Mitleid mit den Opfern zu empfinden.
Das Buch liest sich so weg, die Mischung aus Krimi und lustigem Roman ist sehr gelungen und die Lektüre macht großen Spaß. Zu schnell ist alles vorbei, und ich habe wirklich überhaupt nichts zu meckern.

Die Geschichte
Die Originalausgabe „Die Eisheilige“ wurde schon 1998 veröffentlicht. Der Erfolg muss groß gewesen sein, denn das ZdF hat das Buch bereits verfilmt. Den Film werde ich mir bei Gelegenheit mal anschauen, glaube ich. Nun jedenfalls hat der Berlin Verlag im März 2016 die Geschichte ganz neu verlegt, und so bin ich auf diese alte Perle gestoßen.

Die Zielgruppe
Seien wir ehrlich; Kleider nähen, Nachbarschaftsgeschwätz und die alltägliche Boshaftigheit, irgendwie kann ich mir das Buch nur für Frauen als richtiges Vergnügen vorstellen. Ein Mann dürfte zum besseren Einblick und Verständnis der Frauenwelt oder aber wegen dem tollen Schreibstil und dem tollen Humor natürlich gern in die Geschichte eintauchen – aber ob er es genauso genießt wie die Frauenwelt? Ich würde mal sagen, Frauen die gern Krimis, Romane oder Lustiges werden hier alle ihre helle Freude haben.

Was lernen wir daraus?
-Man kann einen Krimi auch mit Humor ausstatten, und wenn man es gut macht dann schadet auch eine Menge Humor dem Krimi überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil kann man die Geschichte zu etwas ganz Besonderem machen, wenn man die Elemente gekonnt mischen kann.
-Den Leser im Dunkel tappen zu lassen, erhöht die Spannung und zieht ihn tiefer ins Geschehen, weil er selbst drüber nachdenkt, was denn da nun los ist. Ein paar falsche Fährten und mysteriöse Situationen, und der Fisch ist am Haken.
-Die Idee zu der Story ist wohl eine von diesen großen Ideen, die lange und bei vielen Menschen funktionieren. Eine Frau, die durch das Nähen von Kleidern mit mentalen Kräften Leute um die Ecke bringt, und trotzdem das Opfer ihres Ehemannes ist, das ist einfach gut. So eine Idee müsste man haben!

Fazit
Dieser Kriminalroman ist lustig, mysteriös und unvergesslich. Das Lesevergnügen ist schnell vorbei, weil der lockere Schreibstil mit den kleinen, aber feinen Beobachtungen des Alltags einen sehr fesselt und das Lesen unglaublich viel Spaß macht. Es ist wohl mehr was für Frauen, und es ist definitiv kein typischer Krimi. Ich kann es nur empfehlen und komme um 5 Sterne einfach nicht herum, da mir wirklich kein Kritikpunkt einfällt.

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