Rezension: Bruderlüge von Kristina Ohlsson (Benner #2)

Brüderlüge„Bruderlüge“ ist der zweite Teil der zweiteiligen Serie um Martin Benner und schließt in der Handlung direkt an Teil 1 „Schwesterherz“ an. Wer den ersten Teil nicht kennt, sollte auch bei meinen Rezensionen chronologisch vorgehen und zunächst die erste Rezension lesen:

Worum es  in Teil 1 ging, erzähle ich HIER. 

Im zweiten Teil, welcher kurze Zeit nach dem Ende vom ersten Teil ansetzt, hat Martin Benner einen neuen Gesprächspartner für sein Interview, welches als Rahmen für die Handlung dient. Denn der erste Interviewpartner ist schon nicht mehr am Leben – in dieser Geschichte pflastern einige Leichen den Weg der Hauptperson.

In dieser Geschichte muss er nun herausfinden, wo der verschollene Mio ist. Dieser ist der Sohn der inzwischen verstorbenen Sarah Texas, die als Mörderin verurteilt wurde und deren Schuld der Anwalt Benner in Teil 1 posthum noch „zurückbeweisen“ sollte. Zunächst widerwillig aber zunehmend fasziniert befasste sich Martin Benner mit der Geschichte von Sarah Texas und bemerkte bald einige Ungereimtheiten. Je weiter er sich in den Fall verstricken ließ, desto mehr ruhte der Fokus auf einmal auf ihn selbst. Menschen, die ihm von Sarah Texas Unschuld berichteten, waren auf einmal tot, und er selbst war der Mordverdächtige. Immer tiefer im Schlamassel reiste er nach Texas, musste um seine Liebsten fürchten und bekam am Ende des ersten Bandes ein paar Antworten und noch mehr neue Fragen. Diese werden nun in diesem Band geklärt, die Geschichte wird hier abgeschlossen.

Stil, Machart, Meinung

Wie man sieht, sind bei diesem Zweiteiler die Bände und die Geschichte eng verstrickt. Es ist schwierig, hier zu viel zur Handlung zu sagen ohne für Interessierte zu spoilern, denn sonst ist Band 1 ja nicht mehr interessant –  und bei dem sollte man hier auch zwingend anfangen.

Die Schreibweise der Autorin ist wie immer fluffig, gut ausbalanciert und macht die Sache spannend. Im Vergleich zu Teil 1 muss ich hier jedoch ein anderes Tempo feststellen: Im ersten Band werden viele Personen detailliert beschrieben, die Geschichte nimmt sich Zeit, um angemessen in die Tiefe zu gehen. Mit diesem Vorwissen geht’s dann in diesem zweiten Teil alles etwas schneller. Die vielen Personen, Verbindungen und Schicksale vom ersten Teil werden nun etwas eiliger abgehandelt. Es kommt mir fast so vor, als hätte die Autorin erst 3 Bände für die Geschichte eingeplant und dann doch auf 2 verkürzen müssen. Denn die vielen angefangenen Sachen werden meiner Meinung nach etwas schnell abgehakt. Es ist zwar alles sinnig aufgelöst, aber die Motive der Personen und einige Antworten kamen mir etwas zu kurz.

Dazu muss man jedoch sagen, dass die Autorin ihrer Taktik vom ersten Buch treu geblieben ist: Der Leser hat selbst einiges zu tun, er muss raten wie es nun wirklich ist und wird das eine ums andere Mal in die Irre geführt. Das ist auch im zweiten Teil gut gelungen.

Was lernen wir daraus?

Reihen stellen den Autor immer vor ein paar grundlegende Fragen: Wie gestalte ich den Cliffhanger und wo steige ich im nächsten Band wieder ein? Muss ich im nächsten Band noch einmal genau erklären, was im ersten Band passiert ist, damit auch Quereinsteiger etwas mit der Handlung anfangen können? Behalte ich den Stil, das Tempo etc. bei oder mache ich es dann doch anders?

In dieser Reihe herrscht im ersten Teil ein anderes Tempo vor als im Zweiten. Natürlich muss der erste Band hier eine Menge Personen, Verstrickungen und Schicksale vorstellen. Im zweiten Band hat der chronologisch vorgehende Leser dann schon das Vorwissen und das Tempo kann angezogen werden. Ganz klar ist: Ein Einstieg in die Geschichte mit dem letzten Band bringt wenig bis Garnichts. Diese Reihe macht nur Sinn, wenn zuerst Band 1 und dann Band 2 gelesen wird. Band 1 ohne Band 2 lässt zu viele Fragen offen und so bedingt ein Lesen von Band 1 auch ein weitergehendes Lesen von Band 2. Band 2 ohne das Vorwissen aus Band 1 bringt auch nichts, weil die Handlung einfach zu eng verstrickt und zu komplex ist. Wer also mit dieser Reihe beginnen möchte, muss bei 1 anfangen und 2 mit einplanen.

Für den Verkauf gut: Der erste Band ist (meiner Ansicht nach) besser und wer alle Fragen klären möchte, muss dann auch Band 2 kaufen. Wer spontan Band 2 kauft, wird schnell merken, dass er sich auch noch Band 1 anschaffen muss. 🙂

Für den Verkauf schlecht: Band 2 ist für den Leser, der Band 1 nicht kennt, wohl sehr unbefriedigend. Ein unwissender Spontankauf ist hier nicht gut – der Leser wird das buch nicht weiterempfehlen.

Fazit

Diese Reihe hat mir an sich gefallen, wobei ich mir nach dem ersten Band etwas mehr vom zweiten Band versprochen hatte und es zwischenzeitlich dann doch etwas „an den Haaren herbeigezogen“ war (ich darf hier nicht spoilern..) . Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich dabei auf hohem Niveau nörgele. Kristina Ohlsson trifft mit ihrer Schreibe und ihren Geschichten grundsätzlich meinen Geschmack, Thriller mit Krimi, ich darf mir meine eigenen Gedanken machen, spannend und nicht ausschweifend mit einigen humorvollen Elementen geschrieben und einfach gut. Im Vergleich zur Reihe um Alex Recht und Co. Muss ich jedoch sagen, dass diese Reihe nicht an rankommt. Ich wollte diesem zweiten Band zunächst 3 Sterne geben, bleibe aber nun für diesen Band und die gesamte Reihe bei 4 Sternen, weil im Vergleich zu anderen Autoren diese Autorin einfach ihr Handwerk versteht und meinen grundsätzlichen Geschmack trifft. Sie hat auch schon 5 Sterne von mir abgestaubt, aber dafür reicht es dann doch nicht. Wer ihre Bücher mag, wird auch dieses mögen. Wer Thriller mit Tiefgang und Krimi- Elementen mag, die sich nicht in belanglosen Details verzetteln, der dürfte hier genau richtig sein. Die andere Reihe ist trotzdem besser.

Hier meiner anderen Rezensionen von Kristina Ohlsson – Büchern, beide 5 Sterne:

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson

Rezension: Himmelschlüssel von Kristina Ohlsson

Hier der Link zu der Verlagsseite für mehr Details:

Bruderlüge bei Randomhouse

Rezension: Schwesterherz von Kristina Ohlsson

Schwesterherz Bild OhlssonMartin Benner ist ein erfolgreicher Anwalt, der um seine Wirkung auf Frauen weiß. Nebenbei hat er eine kleine Tochter, die eigentlich seine Nichte ist. Er hat sie adoptiert, nachdem seine Schwester und ihr Mann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Seine Ex und Affäre Lucy ist in seinem Leben auch allgegenwärtig, denn die beiden teilen sich auch eine Kanzlei. Als dann, wie in einem alten Detektivroman, ein merkwürdiger Kerl in sein Büro kommt und einen ebenso merkwürdigen Auftrag hat, geht es für Martin immer tiefer hinunter  in den persönlichen Abgrund.  Er soll die berühmte Serienkillerin Sarah Texas rehabilitieren  – aber die ist seit einigen Monaten tot. Entgegen aller Bedenken zieht der Fall ihn in seinen Bann und er beginnt zu ermitteln. Bis er selbst im Fokus einer aktuellen Ermittlung steht – als Mordverdächtiger.

Die Reihe

Dieses Buch ist der erste Teil einer zweiteiligen Serie um Martin Benner.  Um die Spannung in der Reihe auch nach Ende des ersten Buches aufrecht zu erhalten, werden natürlich nicht alle Fragen in diesem Buch geklärt – nein, am Ende stellen sich dann auch noch ein paar neue Fragen. Damit der Leser nach dem ersten Buch nicht enttäuscht ist, dass es mittendrin aufhört, hat die Autorin eine große Frage dann doch geklärt. Das finde ich für so eine Reihe einen guten Kompromiss.

Ich hatte mal das erste Buch der zweiteiligen Reihe „Post Mortem“ gelesen, war da nach Band 1 allerdings nicht sehr motiviert, Band 2 überhaupt zu lesen. Bei diesem Buch hier ist der Cliffhanger einfach besser, eine Kleinigkeit wurde schon aufgeklärt, aber der Rest liegt noch im Dunkeln. Schwesterherz ist von der Handlung her auch wesentlich besser geeignet, weil Personen, Geschichten und Rätsel doch von anderer Qualität und Komplexität sind.

Stil, Machart, Meinung

Wie immer schreibt Kristina Ohlsson sehr spannend, fluffig und gut. Es holpert nicht, man langweilt sich nicht und sie beschränkt sich auf das Wesentliche, ohne knapp zu klingen und mit einigen wohlgewählten Details. Die Geschichte wird übrigens direkt von der Hauptperson Martin Benner erzählt, und das eingebettet in ein Interview mit einem Journalisten. So hat man vor neuen Kapiteln ein kurzes Gespräch, in dem sich doch immer schon etwas Unheil ankündigt bzw. ein kleiner Hinweis auf die Zukunft auftaucht.

Besonders gut finde ich die Hauptperson und die dazugehörige Familienkonstellation. Martin Benner ist ein gut aussehender Anwalt, der schon etwas oberflächlich und arrogant klingt, wenn er so redet oder denkt. Aber wie es so ist im Leben, ist nicht alles schwarz – und weiß. Die Abneigung schwindet recht schnell, wenn der Leser davon erfährt, dass er seine Nichte adoptiert hat. Obwohl sie so überhaupt nicht in sein Leben passt, konnte er nach dem Tod seiner Schwester einfach nicht zulassen, dass die Kleine ins Heim kommt. Die Beziehung zwischen den Beiden ist sehr interessant und doch etwas unüblich.  Und wo das ganze eh schon ungewöhnlich ist, darf auch die Ex-Freundin Lucy nicht fehlen. Sie ist nämlich nicht nur die Ex, sondern auch der Mutterersatz für die adoptierte Tochter, die Arbeitskollegin und die aktuelle Affäre. Dann gibt’s da auch noch einen großen Gangster, der Martin einen Gefallen schuldet. Der Kriminelle ist allerdings auch ziemlich nett. Das ist mal was Neues. Irgendwie finde ich es auch sehr erfrischend, dass man nicht alle Gedanken und Aktionen der Hauptcharaktere nachvollziehen- oder mögen kann.  Ein Hoch auf kreative Graustufen!

Um es mit den Worten der Hauptperson selbst zu sagen: „Sie haben noch nie so eine klischeehafte Geschichte gehört. (..) Sie enthält alle notwendigen Zutaten. Unaufgeklärte Morde. Einen übermächtigen Drogenboss. Einen erfolgreichen sexsüchtigen Anwalt. Und – Trommelwirbel! – ein süßes Kleinkind. Mit anderen Worten: großes Kino! Wenn da nicht dieses eine Detail wäre..“ (S. 8)

Was mir auch gefällt, ist die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In der Gegenwart gibt es einen Auftrag, der Martin und Lucy in der Vergangenheit forschen lässt. Es passieren aber auch Verbrechen in der Gegenwart, die damit zu tun haben. Während des Buches gibt es keinerlei Gedanken von der Schlüsselperson, der verurteilten Mörderin Sarah Texas. Man liest eigentlich nur die Gedanken von Martin Benner und in der Gegenwart –so macht sich nur durch seine Augen ein Bild der Lage. Ein paar Andeutungen führen den Leser auch gern mal in die Irre, trotzdem hat man genug Stoff für eigene Spekulationen, aber auch nicht zu viel davon.

Die Handlung spielt übrigens nicht nur in Stockholm, sondern auch in Texas. So gibt’s gleich 2 Regionalthriller in Einem.

Was lernen wir daraus?

Besonders erwähnenswert finde ich die Graustufen bei den Hauptpersonen. Ein arroganter Kerl mit einem guten Herz, eine Geliebte die mehr will aber doch alles mit sich machen lässt, ein netter Gangster und noch mehr solcher Gegensätze begegnen dem Leser in diesem Buch.  Die Konstellation ist ebenso interessant gestaltet. Und allein das macht dieses Buch in meinen Augen besonders und das Geschehen verhältnismäßig unvorhergesehen.

Außerdem  finde ich die kleinen, unheilvollen Hinweise gelungen, die dem Leser von der Autorin hingeworfen werden. Wie schon in der Reihe um Alex Recht gelingt es Kristina Ohlsson, den Leser immer schon ahnen zu lassen, das gegen Ende der Story eine große Gefahr lauert. Hier hat sie es in der Form eines Interviews gemacht, da kommen dann beispielsweise gleich am Anfang Begriffe wie Komplott, Anklagebank und „Nichts war so, wie es zunächst den Anschein hatte“(s.8) zur Sprache.

Fazit

Ich werde jetzt mit Teil 2 der Reihe anfangen. Schwesterherz ist nicht wirklich dafür gemacht, ohne den zweiten Teil „Bruderlüge“ konsumiert zu werden. Es bleiben einfach Fragen offen und die Neugier ist nach dem Ende des ersten Buches nach wie vor groß. Bruderlüge sollte man ebenso auf keinen Fall lesen, ohne Schwesterherz gelesen zu haben.

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass mich ein Thriller von Kristina Ohlsson immer gut unterhalten wird. Der Stil dieser Autorin ist einfach genau meins. Die besonderen Hauptpersonen mit ihrem Graustufen und die unheilvollen Andeutungen sind die besondere Würze des Buches, der Fall an sich erblasst daneben fast ein wenig – lässt aber viele Fragen für den zweiten Band offen. Ich vergebe 4 Sterne und mache mich jetzt an Band 2. Die Rezension folgt.

PS hoch 1: Sorry für die Funkstille, es war etwas chaotisch bei mir. Ich bin umgezogen, hatte aber leider durch einen Fehler des alten Internetanbieters schon einen Monat vorher kein Internet mehr. Und bis dann der neue Anschluss geschaltet war (jetzt!!), gingen dann noch einmal zwei Wochen ins Land. Also: Asche auf mein Haupt und das Versprechen: Es kommt wieder mehr!

PS hoch 2: Hier geht´s zum Buch Schwesterherz auf der Verlagsseite

PS hoch 3: Hier habe ich noch Links zu anderen Rezensionen von mir zu Büchern von Kristina Ohlsson:

Rezension: Himmelschlüssel von Kristina Ohlsson

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson (Bergman #5)

UPDATE: Mittlerweile ist die Rezension zu Band 2 online! Bei Interesse hier klicken. 

 

Rezension: UNDER GROUND von S. L. Grey

under-ground-sl-greyEin tödliches Virus scheint sich auf der Erde auszubreiten. 5 Familien machen sich schnell auf den Weg ins „Sanctum“, einen unterirdischen Luxus -Bunker für das Überleben von Kathastrophen. Problematisch ist dabei nicht nur, dass der Bunker noch nicht so ganz fertig ist. Als der Betreiber tot aufgefunden wird, sind die Bunker-Insassen von der Welt abgeschnitten und eingeschlossen, denn nur der Tote wusste den Code für die Ausgangsluke. Mindestens genau so tödlich wie das Virus draußen, ist es jedoch sich im Sanctum aufzuhalten. Denn es bleibt nicht bei einem Toten und die Menschen im Bunker wissen nicht, wem sie trauen können. Als dann die Wasservorräte knapp werden, geht’s eh nur noch ums nackte Überleben..

Stil, Machart, Meinung

Ich lese gern klassische Krimis und Thriller, habe zwischendurch aber auch immer mal Lust auf was Neues. Und genau so ist dieser Thriller, der gleichzeitig aber auch ein Krimi und ein Roman ist. Die klassischen Krimi –Elemente werden durch eine abgeschlossene Wohneinheit und eine Leiche nach der anderen perfekt bedient. Nur einer der Bewohner kann der Mörder sein. Die Thriller – Elemente sind natürlich besonders im Kampf ums Überleben verankert, einerseits durch die endlichen Ressourcen und andererseits durch die Überlebensstrategien der einzelnen Bewohner. Trotzdem kommen die Geschichten der Bewohner nicht zu kurz, denn da hat jeder so das eine oder andere Problem –welches mehr und mehr entweder in den Vorder- oder Hintergrund gerät. Einige drehen durch, andere helfen, wieder andere werden egoistisch. Ein interessantes Beziehungsgeflecht entwickelt sich.

Die Erzählweise ist meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Der Leser erfährt durch verschiedene Perspektiven, was in dem Bunker so vorfällt. Eine Person jeder Wohneinheit berichtet aus ihrer Sicht über den Lauf der Dinge. Dadurch ist der Leser irgendwie immer mittendrin, nach und nach offenbaren sich einige Erklärungen zu dem Verhalten einzelner Bewohner.  Dinge kommen ans Licht, Menschen sterben und der Leser hat exklusive Einblicke, die sich mehr und mehr zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Wer ist der Killer? Werden die Bewohner überleben?

Bei vielen Leuten, die man sich im Laufe einer Geschichte merken muss, ist es ja immer schwierig den Überblick zu behalten. Hilfe kommt anfangs von einer Grafik, die das Sanktum mit den verschiedenen Wohneinheiten und deren Bewohnern aufschlüsselt. Die verschiedenen Perspektiven aus den einzelnen Wohneinheiten und die anfangs auch recht stereotypen Darstellungen der Bewohner helfen auch weiter, sodass man schnell in die Geschichte hinein findet und keinerlei Probleme bei der Identifizierung der Personen hat. Merkwürdig fand ich, dass manche Perspektiven aus der ICH-Perspektive geschrieben sind und andere nicht. Die Autoren werden sich etwas dabei gedacht haben..

Ein weiterer interessanter Aspekt war für mich grundlegend die Entscheidung, in einen Luxus – Bunker für den Ernstfall zu investieren. „Prepper“ sind ja im Moment irgendwie im Trend. Das sind Leute, die sich intensiv auf Katastrophen vorbereiten. Hier mehr zum Thema, falls es interessiert: Wikipedia zum Thema Prepper

Es gibt Leute, die sich fast schon auf den eingetretenen Ernstfall zu freuen scheinen, einfach weil sie so gut vorbereitet sind. Dann sind in dem Bunker aber auch Menschen, die einfach zu viel Geld übrig hatten und in den Bunker investiert hatten, wobei die Familienangehörigen meist eher wenig Begeistert von der Idee sind. Und niemand hat seinen restlichen Angehörigen erzählt, wo die Familie ist..

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man Genres sehr gut mischen kann – wenn man es kann. Ich denke, dass nicht jede Idee sich dazu eignet, diese Idee hier allerdings wie geschaffen für die unterschiedlichen Elemente ist. Einige meiner Leser dürften eventuell schon gemerkt haben, dass die klassischen Krimimerkmale wie ein eingeschränkter Kreis von Verdächtigen und die eigene Chance zum rätseln, wer denn nun der Mörder ist, genau mein Geschmack sind. Das hat hier perfekt geklappt, dazu kam noch die verrinnende Zeit und die gut beschriebenen Gefühle und Motive der Bewohner, die nach und nach klarer werden.

Und im Ernstfall werde ich mich nicht mit Fremden in einen Luxus Bunker einschließen lassen. Diese Lektion ist auch wichtig..

Autoreninfo

UNDER GROUND ist das erste gemeinsame Buch von den südafrikanischen Autoren Sarah Lotz und Louis Greenburg. Mehr Info`s gibt es auf der Verlagsseite: hier klicken

Fazit

Ich vergebe 4 Sterne. Für 5 Sterne fehlt mir noch eine Kleinigkeit, die ich aber nicht ausmachen kann. Diese spannende Geschichte mit dem gewissen Hauch von Endzeitstimmung hat mich auf jeden Fall gefesselt. Die drei gemischten Genres und das eher neue und ungewohnte Thema eines tödlichen Virus, der wohlhabende Familien in einen Luxus Bunker treibt, finde ich super. Der Plot gefällt mir, die Bewohner mit ihren Problemen, Beziehungen und Ängsten sowie die mysteriösen Entwicklungen sind auch sehr gut gelungen. Ich kann die Lektüre dieses Buches sehr empfehlen, wenn man sich auf etwas Neues einlassen möchte und nicht nur auf ein Genre festgelegt ist. Leseempfehlung!

Hier gibt es Informationen zu den Autoren und weitere Details zum Buch!

Rezension: Versiegelt – Alex Kava (Creed #2)

alex-kave-versiegelt-ryder-creed-maggie-odellRyder Creed, Hundeführer, bekommt einen neuen Auftrag. Er soll nach einem großen Erdrutsch mit seinem Spürhund  Menschen finden – tot oder lebendig. Und auch FBI- Agentin Maggie O`Dell wird in dieses Katastrophengebiet geschickt, ohne genau zu wissen was dort ihre tatsächliche Aufgabe ist. Als dann die erste Leiche geborgen wird, wird beiden Ermittlern klar, dass hier noch etwas anderes hinter dem Einsatz stecken muss. Denn das Erdrutsche ihre Opfer mit einem Kopfschuss erledigen, ist eine ganz neue Erfahrung. Schnell stellt sich außerdem die Frage, was in der verschütteten, streng geheimen Forschungseinrichtung der Regierung vor sich ging und ob Gefahr durch die zerstörten Labore droht..

Stil, Machart, Meinung

Der zweite Teil der Serie setzt zeitlich recht schnell nach den Geschehnissen aus Band 1 an. Die Personen aus Band 1 finden sich schnell auch in Band 2 wieder, nach der Lesepause sind die schnellen Erinnerungen hilfreich, um sich gut einzufinden. Man braucht Teil 1 nicht vorher zu lesen, sollte es aber nach Möglichkeit tun.

Alex Kava schreibt wie immer fluffig und – zu meiner großen Freude – ohne sich in großem Geschwafel zu verlieren. Ich mag ihre schnelle Schreibweise und die kurzen Kapitel sowie die Perspektivenwechsel.

Thriller steht drauf, Thriller ist drin. Laut Wikipedia schreibt Frau Kava psychologische Suspense – Romane. Das klingt auch passend. Wir haben typisches Thrillermaterial inklusive politischem Skandal, hochbegabten Hunden und der nebenbei erwähnten Gefühlswelt einer emotional etwas kaputten FBI- Agentin, die auf den ebenfalls etwas kaputten, heißen Hundeführer steht. Während die Geschichte vielleicht ein bisschen interessanter für die männlichen Leser sein könnte, ist die emotionale Entwicklung wohl doch mehr etwas für die weiblichen Leser. Die Mischung macht’s.

Die Länge der Geschichte und die Entwicklung des ganzen haben mich ein wenig verwirrt. Während das Buch sofort mitten in der Panik vor dem drohenden Erdrutsch beginnt, bekommt der Leser mit wie die beiden Ermittler zu ihrem Auftrag kommen. In einem Nebenstrang sitzt eine Senatorin, ebenfalls aus dem vorherigen Band bekannt, in einem Ausschuss zu einem benachbarten Thema mit Bezug zum aktuellen Fall. Vor Ort gibt es dann ein paar Leichen, die beim Erdrutsch wohl schon tot waren. Auf einmal gibt’s dann schon „den Showdown“ , man kennt zwar die Bösewichte, aber die Geschichte ist ganz offensichtlich noch nicht vorbei.

Und da kommen wir zu einem Thema, dass mir schon bei der Besprechung von „Wintergäste von Sybil Volks“ einiges an Kritik einbrachte. Ein Buch endet, aber die Geschichte nicht. Kann man machen, ist für den Leser allerdings recht unbefriedigend. In Reihen um Ermittler tauchen ja immer mal wieder alte Bekannte (Bösewichte) auf, und das kann auch sehr gut sein. Dann gibt es Reihen, zum Beispiel die „Post Mortem – Reihe“, bei der weiß man vorher, dass die Handlung in Buch 2 ihr Ende finden wird. Ich fand die Balance hier etwas merkwürdig, das Buch las sich schnell weg – und man hätte die weiteren Geschehnisse gern mit in diesen Band packen können. Ich werde mir den nächsten Band wohl zulegen, weil ich die Autorin schon aus einigen Büchern kenne und noch nie komplett enttäuscht wurde. Trotzdem mag ich es einfach, wenn mit dem Ende des Buches auch ein Fall abgeschlossen ist und ich nicht auf diese Art zum Kauf des nächsten Bandes genötigt werde.

Die Reihe

Dieses Buch ist der zweite Teil der Reihe um Maggie O´Dell und Ryder Creed. Natürlich macht es Sinn, mit Teil 1 anzufangen. Hier gibt’s meine Rezension:  Todesflehen – Alex Kava  #1

Maggie O`Dell kennt man vielleicht noch aus der Vorgängerserie der Autorin, in der die FBI Agentin die Hauptrolle spielt. Von 2002 – 2014 erschien diese Serie in insgesamt 11 Büchern. Ich habe diese Serie gern gelesen, allerdings irgendwo bei Band 7 oder 8 das ganze aus den Augen verloren. Ryder Creed hilft ihr dort im letzten Band anscheinend auch schon bei einem Fall, zwischen den beiden knistert es immer so hin und her, diese Zusammenarbeit hat eine Menge Potential und scheint deshalb nun auch in der neuen Serie um die beiden fortgesetzt werden.

Was lernen wir daraus?

Es gibt da diesen Spruch, ich habe das auch schon mal erwähnt und kam da glaube ich auch nicht auf die vollständige Redewendung. Wichtig am Ende jedenfalls: „…das Ende eines Buches verkauft das nächste Buch“.  Ich werde mir beispielsweise nie wieder ein Buch von Sybil Volks kaufen, weil das Ende von „Wintergäste“ das schlimmste Ende in meiner Leselaufbahn war.  Hier ist es nicht ganz so dramatisch, ein Teil des Falles ist abgeschlossen und man weiß, worum es im nächsten Teil höchstwahrscheinlich gehen wird (vielleicht aber auch im Teil 4 oder 7, man weiß es ja nie). Ich finde trotzdem, man sollte seinen Leser das irgendwie vorher wissen lassen. Bei den Hunger Games wusste ich auch, dass der Kinobesuch von Teil 1 wohl zwei weitere Kinobesuche nach sich zieht;  das letzte Buch der Serie wurde sogar in zwei Kinofilme unterteilt. Das machte mir allerdings nichts, weil ich diese Filme echt gut gemacht und interessant fand (obwohl die Handlung  parallel zum Fortschritt der Geschichte in meinen Augen qualitativ abnahm).

Also ich finde, entweder man hat eine in sich geschlossene Handlung, einen geschlossen Fall und ein gutes Ende – oder man sagt gleich, wie viele Bücher die Reihe umfassen wird. Dabei meine ich, Krimi- und Thrillerleser, nicht die gesamte Reihe oder die Entwicklung der Charaktere, sondern den Fall des jeweiligen Buches. Ich mag ansonsten sehr gern gute Krimi- und Thrillerreihen, in denen sich die Ermittler weiterentwickeln, mal alte Bekannte auftauchen und beispielsweise das gerettete Opfer aus Band 1 in Band 2 eine andere Rolle spielt oder der Gastermittler aus Band 3 im vierten Band dann tatsächlich zum Team stößt.. Solche Dinge finde ich gut, wenn sie auch dem Quereinsteiger zur Einführung der Figur sinnig erklärt werden können.

Aber, wie so oft – oder in der Literatur eigentlich immer: Die Geschmäcker sind einfach verschieden..

Fazit

Ich mag den schnellen und spannenden Schreibstil der Autorin Alex Kava, bei dem trotzdem interessante Details auftauchen. Das Thema der Story war nicht so hundertprozentig meins, aber trotzdem interessant. Das besondere an der Reihe sind die Hunde, mit denen Ryder Creed arbeitet. Das finde ich auch im zweiten Band sehr interessant gemacht, ich habe einiges gelernt. Die Beziehung der beiden Ermittler zueinander hat definitiv noch immer Potential. Wer an der Reihe interessiert ist, kann mit diesem Band anfangen – sollte es aber nach Möglichkeit mit dem ersten Band auch zuerst versuchen.  Den dritten Band werde ich auch lesen, dieser hier bekommt 3 von 5 Sternen. Denn das Thema und die Balance der Geschichte mit dem abrupten Ende machen diesen zweiten Band in meinen Augen etwas schlechter als den ersten. Trotzdem las ich das Buch schnell durch, war nie gelangweilt und wollte die ganze Zeit wissen, wie es denn weitergeht.

Hier gehts zur Verlagsseite, für die Details zum Buch!

Rezension: Das Kind im Wald von Sarah Graves

Von der Bostoner Mordkommission ins kleine, hinterwäldlerische Bearkill (was ein Name!) als Vermittlungsbeamtin. Ddas-kind-im-wald-sarah-gravesas ist das Gegenteil einer Beförderung. Und doch macht Polizistin Lizzy es aus eigenem Antrieb, denn sie hat einen wichtigen Tipp bekommen: Ihre Nichte, die nach der Ermordung ihrer Schwester vor wenigen Jahren spurlos verschwand, soll dort gesehen worden sein. Aber auch ihr Boss hat sie nicht ohne Hintergedanken eingestellt, er ist an einem Fall dran, bei dem er die Hilfe einer erfahrenen Ermittlerin braucht. Denn mehrere pensionierte Polizeibeamte haben in der Gegend in einer zu kurzen Zeitspanne angeblich Selbstmord begangen. Das kann kein Zufall sein..

Während Lizzy sich also an das ganz neue Leben in einem kleinen Dorf gewöhnen muss, hat sie alle Hände voll zu tun. Und gleich zwei Männer werben noch dazu um ihre Gunst.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Kriminalroman bietet gute Grundvoraussetzungen, mir zu Gefallen: ein abgelegener Ort, eine eingeschworene Dorfgemeinschaft, eine clevere und toughe Ermittlerin mit Herz und gleich zwei ungeklärte Umstände: ein verschwundenes Kind und potentielle Serienmorde an pensionierten Polizisten.

Die Schreibweise ist sehr gut, flüssig, spannend und auch in den eher unspektakulären Szenen nicht langweilend. Humor blitzt oft durch und die Hauptperson Lizzy Snow gefällt mir sehr. Auch die Wechsel der Perspektiven sind gelungen, ebenso die Entwicklung und die Klärung, wie es denn alles zusammenhängt, gefallen mir.

Das Buch beginnt mit einer spannenden Szene und führt den Leser dann eher gemächlich an die Sache ran. Nach der längeren Phase der Vorstellung und dem Ankommen der Hauptperson folgt dann plötzlich Action und eine Menge auf einmal. Und gerade da liegt mein Problem: die Ansätze sind alle gut, aber ich glaube es ist zu viel. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber in einem vergleichsweise dünnen Buch findet sich die Suche nach einem Kind bei der ich gern mehr von der Vorgeschichte erfahren hätte. Dann gibt’s diese toten alten Cops, von denen man schon mehr erfährt, bei der die Ermittlung allerdings viel mehr Raum hätte finden können. Nebenbei wird anderen Dingen, welche dann nicht unbedingt so viel Bedeutung haben, viel Platz  gegeben. Und die Frage, ob man den einzelnen, sympathisch rüberkommenden Dorfbewohnern wirklich trauen kann, fand ich sehr interessant und etwas kurz. Ich denke, die Autorin hat sich auf zu wenig Raum viel zu viel Handlung vorgenommen und dabei die Balance nicht nach meinem Geschmack eingerichtet.

Was lernen wir daraus?

Ich weiß nicht, wie oft ich es schon aus einem Buch gelernt habe, aber hier wird es wieder unglaublich deutlich: Die Balance muss stimmen! Wie schon vorab geschrieben, muss man den wichtigen Dingen einfach mehr Raum geben als den nicht ganz so wichtigen. Wir haben zum Beispiel eine Szene, in der Lizzy Snow ein Schwein sucht und findet. Die ist ganz lustig, aber den Platz hätte man dann auch für den Mord an ihrer Schwester und das Verschwinden der Nichte abgeben können – denn das treibt die Ermittlerin ja nun in die Einöde und immer mehr auch in große Gefahr. Es gibt zu viele Perspektiven und Handlungsstränge. Ich finde es immer gut, wenn es davon viel gibt – aber es muss gut miteinander verwoben sein und die Balance muss stimmen. Vielleicht ist der Hauptstrang dann auch noch eine ganz andere Perspektive eines Jungen aus dem Dorf.. ich war mir zwischenzeitlich nicht sicher. Verwoben sind die Erzählstränge gut, nur die Balance stimmt hinten und vorne nicht – jedenfalls für mich. Auch hier ist es ja wieder einmal sehr subjektiv und schwer.

Fazit

Das Buch habe ich sehr schnell gelesen, aber ich liege auch krank im Bett und das Buch ist jetzt nicht gerade ein Wälzer. Es las sich trotzdem gut weg und hatte am Ende auch eine Menge Action zu bieten, hätte an einigen Stellen aber definitiv in die Tiefe gehen müssen. Ich vergebe „nur“ 3 Sterne, da ich im Vergleich vieler anderer Bücher denen ich 4 oder 5 Sterne verliehen habe noch sehr viel mehr Luft nach oben habe. Trotzdem sehe ich eine Menge Potential für die Reihe um Lizzy Snow, wenn die Autorin sich denn besser aufs Wesentliche konzentrieren kann. Auch wenn die Note eher mittelmäßig ist und ich oft nach 3 Sternen den Autor von meiner Leseliste streiche: Ich werde mit Sicherheit den zweiten Teil lesen, denn die Ermittlerin und die anderen vorgestellten Charaktere sowie das Mysterium um ihre Nichte sind sehr vielversprechend. Ein Kriminalroman mit guten VOrraussetzungen auch für Folgebände und vielen offenen Fragen, und auch sehr vielen Thriller- Elementen und Action.

Hier gibt es die Details
zum Buch auf der Verlagsseite!