Rezension: Seelenkinder von Sarah Hilary

Seelenkinder Sarah Hilary ThrillerDer Familienvater Terry findet bei Gartenarbeiten einen Bunker in seinem Karten. In dem Bunker verbirgt sich ein düsteres Geheimnis: 2 Kinderleichen sind dort verborgen, schon länger tot und damals anscheinend mit ihren Kindersachen und einer großen Ration Dosenpfirsiche dort eingesperrt und allein gestorben. Marnie Rome und ihr Team sind vom Schicksal der beiden Kinder erschüttert, wollen in diesem „Cold Case“ aber unbedingt vorankommen, damit alle Beteiligten ihren Frieden finden können. Dafür müssen sie zunächst herausfinden, wer von dem Bunker wusste und was in der Vergangenheit in der Gegend los war. Und auch die Gegenwart hält einige Überraschungen und Gefahren bereit.

Stil, Machart, Meinung

Sarah Hilary schreibt gut. Fluffig und meist ohne ausufernde Beschreibungen konzentriert sie sich auch auf das Gefühlsleben vieler Personen, ohne dabei zu langweilen. Der letzte Pfiff hat mir irgendwie gefehlt, aber es las sich gut weg.

Eingangs kam ich sehr schnell rein, der Leser wird direkt in den Bunker mit den beiden Kindern vor 5 Jahren gesteckt und kann das traurige Schicksal der Beiden fast hautnah miterleben. Die Hauptermittler werden auch gut dargestellt und sind sehr interessante Charaktere. Zur Mitte hin hat mich das Buch dann nicht mehr so ganz mitgerissen, und auch am Ende hatte ich stellenweise Interesse an der Auflösung, war aber auch nicht vollständig gebannt. So richtig Thriller ist dieses Buch meiner Meinung nach nur die Hälfte der Geschichte, wenn schon Thriller dann vielleicht eher Psychothriller als passendere Beschreibung.

Ich kann gar nicht so genau beschreiben, was man hätte besser machen können. Es ist eine solide Geschichte mit den zwei Ebenen Vergangenheit und Zukunft, ein paar Überraschungen und Rätsel sowie interessante Ermittler. Mir waren einige spätere Überraschungen zu schnell klar, manche Aktionen der Ermittler zu zufällig aber der Plot an sich war trotzdem stimmig.

Was lobend zu erwähnen ist, ist das die Autorin sich anscheinend sehr mit einer psychischen Erkrankung beschäftigt hat und sie auch sehr gut darstellt. Hier möchte ich jedoch nicht spoilern.

Es ist nicht das erste Mal, und ich werde niemals müde werden es gegebenenfalls zu widerholen: Ich wüsste so gern auf den ersten Blick auf den Buchumschlag oder die kurze Inhaltsangabe online, dass es sich um den Band einer Reihe handelt! In diesem Fall ist es anscheinend der zweite Fall, aber er kann auch ohne den ersten gelesen werden.

Was lernen wir daraus?

Hier möchte ich noch einmal an den letzten Punkt des vorherigen Abschnitts anknüpfen: Bitte liebe Verlage und Autoren, macht doch einfach die Bände einer Reihe kurz kenntlich. Ich hatte hier zwar nicht das Gefühl etwas zu verpassen, hätte es aber trotzdem gern gewusst. Klar, wahrscheinlich verkaufen die Verlage so mit dem ersten Impuls des Lesers mehr Bücher, aber wenn dann die Erkenntnis und damit die Enttäuschung kommt schneidet ein Nachfolgeband eventuell schlechter ab oder der Leser ist enttäuscht und hat ein schlechtes Bild von der Reihe oder dem Verlag. Hätte ich hier jetzt gelesen „Band 2 der Thriller-Reihe um Marnie Rome und ihr Ermittlerteam“ oder Ähnliches, dann hätte ich mir halt den ersten Band angeschaut..

Fazit

Ich kann nicht genau fassen was mir fehlt, komme hier aber nur auf 3 Sterne und bin an Band 1 oder Band 3 der Reihe nicht so wirklich interessiert. Es ist ein solider Thriller, mit etwas wenig Thriller und etwas viel Psychothriller / Roman und meine Erwartungen waren vielleicht etwas anders. Der Plot, die Ermittler und auch die Schreibe sind nicht schlecht, aber als Highlight wird dieses Buch nicht in die Geschichte meiner Leseerlebnisse eingehen.

Hier gibt es die Details auf der Verlagsseite, bitte draufklicken 🙂

Falls andere Blogger eine andere Meinung oder eine weitere Rezension dieses Buches veröffentlicht haben: Verlinkt euch gern in den Kommentaren oder sagt kurz Bescheid, dann verlinke ich euch im Beitrag. Ansonsten freue ich mich natürlich auch über Kommentare von Lesern, die ihre Erfahrung zum Besten geben.

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Rezension: Der Todeszauberer -Vincent Kliesch

todeszauberer-klieschDer Todeszauberer verblüfft seine Opfer schon sehr lange mit einem Zaubertrick, der –wie der Name Todeszauberer es vermuten lässt- tödliche Folgen hat. Bereits 17 Frauen hat er brutal verzaubert, die Gemeinsamkeit der Morde ist ein Schlag gegen die Schläfe. Doch dann macht der Killer einen Fehler: Er schlägt in Berlin zu und gerät an den Ermittler Julius Kern und seinen Erzfeind Tassilo Michaelis, ein Massenmörder den Kern nicht hinter Gittern bringen konnte und der ihm danach auch mal das Leben gerettet hat.. Und dann ist da noch die Ermittlerin aus München, die eine Gefahr auf privater Ebene darstellt.

Stil, Machart, Meinung
Dieses Buch ist mein drittes Buch von Vincent Kliesch und das zweite in der Serie um Julius Kern und seinem Widersacher Tassilo Michaelis. Es gibt stilistisch wenig Überraschungen im Vergleich zu den Vorgängern: Rasantes Tempo, flüssiger Schreibstil, gut balanciertes Berliner Lokalkolorit, gruselige Bilder im Kopf, langsam heranwachsende Zusammenhänge und ein furioses Finale. Meine Rezension zu dem ersten Band gibts hier:

Die Reinheit des Todes (Kern #1)
Trotzdem muss ich sagen, dass mich diese Geschichte irgendwie nicht ganz so begeistert hat wie die beiden anderen Bücher von Kliesch. Woran es liegt, weiß ich nicht. Ich kann nur vermuten, dass es etwas zu viel des Guten war, vielleicht auch ein paar Zufälle zu viel.
Jeder Thriller-Liebhaber dürfte mit diesem Buch trotzdem etwas anfangen können und ich kann mir nicht vorstellen, dass es da jemandem gibt dem es so gar nicht gefallen wird. Besonders gut ist, wie auch schon im Band davor, der Widersacher Tassilo. Seine Hilfe wird benötigt, er möchte einen Deal rausschlagen, was hat er vor? Ist er Hilfe oder Gefahr? Oder Beides? Ich mag diese dunkle Seite, mit der sich die Ermittler rumschlagen müssen, und bin gespannt wie das weitergeht. Genau deshalb werde ich auch das nächste Buch dieser Reihe lesen.

Was lernen wir daraus?
Wenn man so eine gute Konstellation wie Ermittler Kern und den Bösewicht Tassilo hat, dann ist das anscheinend schon die halbe Miete. Wie schon im ersten Band angesprochen, ist das eine Besonderheit die dem Leser lange im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr macht. Tassilo hat eine wirklich unglaublich schlimme Tat begangen, und das sehr brutal an mehreren Menschen gleichzeitig. Kern hat ihn überführt, aber nicht hinter Gittern bringen können. Seitdem macht Tassilo sogar noch eine Menge Geld mit seiner zweifelhaften Berühmtheit. Irgendwie ist er sehr interessiert an Kern, und hilft ihm in jedem Band – wenn teilweise auch eigennützig – bei der Ergreifung eines Serienmörders. Das ist einfach eine gute Ausgangslage und die merkwürdige Beziehung zwischen den beiden ist merkwürdig und gibt einiges her. Das braucht ja jetzt nicht jeder genauso machen, dann ist es schnell ein alter Hut. Bei Ethan Cross hat das Prinzip aber ja auch ähnlich geklappt.

Vielleicht findet man ja etwas ähnlich Merkwürdiges mit viel Potential.
Lokalkolorit ist nicht nur in den extra ausgewiesenen Regionalkrimis zu finden, sondern bereichert mit der richtigen Balance auch jeden anderen Krimi oder Thriller. Hier ist die Sache gut gelöst: Niemand stört sich an zu detaillierten regionalen Beschreibungen. Aber für Leute, die schon einmal in Berlin waren, gibt es manchmal so Aha-Momente wie „ach, da war ich schon!“ oder „typisch Berlin“. Dann bringt der Autor in diesem Band auch noch eine Münchenerin in die Szenerie, das frischt auf. Wer lesen will, wie man das Regionale gekonnt einbringt, der kann diesen Thriller zu Studienzwecken und Unterhaltung gleichzeitig lesen.

Fazit
Ein guter Thriller, der so fluffig und gut geschrieben ist, das man schnell durch ist und nie Langeweile aufkommt. Die Entwicklung des Entwicklers Kern und seinem Widersacher Tassilo und deren Beziehung zueinander sowie die Auswirkungen auf andere Beziehungen ist schon seit Band 1 super gemacht, und da muss man dann diesen zweiten Band auch lesen. Im Moment spielen viele gute Thriller in Berlin, und auch dieser hier greift die lokalen Gegebenheiten gut auf. Man kann also eigentlich nicht viel falsch machen, auch wenn mich die Story dieses Bandes+ die Aufklärung irgendwie nicht so 100% überzeugt haben. Trotzdem gibt´s knappe 4 Sterne und die Empfehlung, unbedingt mit Band 1 anzufangen!
Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

Hier gibt’s weitere gute Berlin – Thriller mit Leseempfehlung:

Der Augenblick des Todes – Vincent Kliesch

Endgültig – Andreas Pflüger

Bullet Schach – Ben Bauhaus (#1) und Killerverse von Ben Bauhaus (#2)

 

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson (Bergman #5)

Papierjunge Kristina OhlssonIn einer jüdischen Gemeinde in Stockholm passieren an einem Tag zwei unfassbare Verbrechen: Zuerst wird eine Erzieherin vor den Augen von Kindern und Eltern erschossen, wenige Stunden später verschwinden zwei Jungen auf dem Weg zum Tennistraining. Fredrika Bergmann und Alex Recht werden mit der Aufklärung der Verbrechen beauftragt, zeitgleich ist der neue Sicherheitschef der Gemeinde und ehemalige Kollege, Peder Rydh, hilfreich bei den Ermittlungen. Bald stoßen die Ermittler auf die israelische Legende des Papierjungen, der sich in der Dunkelheit Kinder holt. Als die beiden Jungen tot aufgefunden werden, sieht es so aus als sei der Papierjunge zum Leben erwacht.
Stil, Machart, Meinung
Dieser Thriller hier ist ein echter Thriller. Man bekommt genau das, was man erwartet. Dabei sind die Thrillerelemente gut verstrickt mit einer tiefgründigen Geschichte und den Perspektiven vieler Beteiligter. Ermittler, Opfer, Täter und viele in die Sache Verwickelte bekommen Raum für ihre Perspektive. Der Schreibstil ist nach meinem Empfinden genau richtig, nicht schnörkelig mit unnützen Informationen aber trotzdem tiefgründig und informativ, ohne zu langweilen. Die besonderen Perspektiven zeigen, wie ein Ereignis viele Menschen beeinflussen kann und macht dem Leser auch das Motiv des Papierjungen verständlich.
Es kommt von Anfang an Spannung auf und ich mochte das Buch zu keiner Zeit aus der Hand legen. Dazu tragen einerseits die Kapitel bei, die eine perfekte Länge (nicht zu lang) haben und mit fiesen Cliffhangern sowie düsteren Andeutungen enden. Andererseits spielt die Autorin unglaublich gekonnt mit dem Leser, indem sie die perfekte Balance zwischen den Informationen gefunden hat, die sie den Lesern häppchenweise hinwirft.
Eine für mich ganz neue Taktik der Autorin wirkt für mich unglaublich gut: Bereits zu Beginn des Buches kommt ein Teil vom Schluss. Im zweiten Kapitel, „Schluss. Fragment 1“ erfährt der Leser von einer Frau, die gleich ihre Familie tot zuhause auffinden wird. Immer mal wieder wird dem Leser zwischendurch ein Fragment des Schlusses schon vorher serviert, und von diesem kleinen Kapitel gingen eine Menge Emotionen aus – zumindest war es bei mir so. Man bekommt in den anderen Kapiteln Hinweise und hat bald zwei Frauen im Sinn, von denen es wohl eine schwer treffen wird. Wer von beiden, das weiß man dann erst am Schluss.. dem richtigen Schluss dieses Mal. Und allein dieser Teil der Geschichte hat mich so unglaublich gefesselt und mit den kleinen Hinweisen zwischendurch auch wirklich beschäftigt. Eine neue, tolle Idee. Gekonnt umgesetzt.
Gefallen hat mir auch der Bezug zu Israel, das war eine für mich recht neue Welt und sehr interessant. Denn als drei Menschen einer jüdischen Gemeinde in Stockholm an einem Tag sterben, stellt sich die Frage ob es ein Hate Crime (Verbrechen aus Fremdenhass) oder etwas Persönliches war.
Die Reihe
Wie so oft in letzter Zeit ließ ich mich bei der Wahl des Buches von den „äußeren Faktoren“ (Cover, Teaser) leiten und musste dieses Buch einfach lesen. Als ich dann feststellte, dass dieser Band der 5. Band der Reihe um Fredrika Bergmann ist, war ich nicht abgeschreckt. Das Buch ist natürlich am besten, wenn man es auch wirklich nach den Vorgängern liest – da besteht kein Zweifel. Bei Reihen geht es ja immer auch um die Entwicklung der Charaktere, und bei so verschiedenen, vielschichtigen Ermittlerin ist Vorwissen sicher interessant. Trotzdem kann man dieses Buch problemlos auch ohne jegliches Vorwissen lesen. Gewisse Ereignisse aus der Vergangenheit werden angedeutet, und es klingt definitiv sehr interessant. Ich überlege, die anderen Teile nun auch zu lesen.
Was lernen wir daraus?
Ich habe diese neue, unglaublich gute Idee kennengelernt, die ich schon oben angesprochen habe. In Ansätzen war mir das schon über den Weg gelaufen, manchmal ist es einfach sehr gut für die Geschichte, wenn der Leser schon ganz am Anfang einen kleinen Vorgeschmack auf den Schluss bekommt. Ich erinnere mich da beispielsweise an „Totenhaus“, dort erfährt man gleich am Anfang das die Hauptperson irgendwann im Laufe der Geschichte mal irgendwo eingesperrt wird und zu verdursten droht. Hier ist das allerdings noch viel beser umgesetzt. Man nehme eines der grausamsten Szenarios, das man sich so vorstellen kann und lasse eine glückliche Frau auf dem Weg nach Hause sein, wo sie in genau das Szenario geraten wird. Und man gebe dem rätselnden Leser zwei Frauen, die diese Frau sein können. Dann werfe man über das (dicke) Buch hin immer mal wieder ein paar Hinweise in die Szenen herein.. schon hat man den Leser gefesselt. Natürlich ist das nicht so einfach, denn die beiden Frauen und das Schicksal der Familie wurden hier sehr gut in die Handlung eingebunden. Dieser Kniff hat mich als Leserin wirklich gekriegt und als Schreibende sehr beeindruckt. Es lässt sich allerdings nicht mal eben so in Geschichten einbinden, da muss schon alles passen.
Fazit
Ich vergebe, man ahnte es wohl schon, 5 Sterne. Ein fluffiger Schreibstil, ein zu jeder Zeit spannender Thriller mit Elementen eines Romans. Stockholm, Israel, Gegenwart, Vergangenheit, viele Betroffene Familien, viele Ermittler mit unterschiedlichen Hintergründen, viele Wendungen, ein gut zusammengesponnener Plot, Überraschungen und Kniffe. Ich bin begeistert, werde mir den Namen Kristina Ohlsson weit oben auf meiner To-Read-List notieren und empfehle sie sehr gern weiter!

PS: Hier gibt´s die Infos zum Buch auf der Verlagsseite, inklusive Informationen zu der Reihe (und Reihenfolge) und weiteren interessanten Sachen.

Rezension: Zeit zum Sterben von Mark Billingham (Tom Thorne #13)

Mark Billingham Zeit zum SterbenMark Billingham, Tom Thorne.. ich hatte diese Namen wohl schon einmal gehört, aber noch nie etwas von Mark Billingham und über Tom Thorne gelesen. Mal wieder versuchte ich mich spontan an einem Quereinstieg an diese schon sehr etablierte Reihe, die laut Wikipedia mit „Zeit zum Sterben“ in die 13. Runde geht und mehrfach ausgezeichnet und von BBC verfilmt wurde.

Der Inhalt
Tom Thorne und seine Freundin Helen sind eigentlich gerade im Urlaub, als Helen in den Nachrichten über 2 vermisste Mädchen in einem kleinen englischen Dorf ihre Jugendfreundin als die Frau des mutmaßlichen Täters erkennt. Thorne hat wenig Lust, fährt aber mit. Helen steht sofort ihrer Jugendfreundin bei, die nach der dramatischen Festnahme ihres Mannes mit ihren zwei Kindern aus erster Ehe von der Polizei in einem Haus vor dem großen öffentlichen Interesse geschützt wird. Während seine Freundin sich um ihre alte Schulfreundin kümmert, muss Thorne die Zeit totschlagen und sucht den Mörder auf eigene Faust. Dabei kommt er der örtlichen Polizei in die Quere, die von seiner Hilfe nicht so begeistert ist. Als dann eine Leiche gefunden wird, sinkt die Hoffnung auf das Überleben des zweiten vermissten Mädchens – und die Zeit rennt..

Stil, Machart, Meinung
Zunächst einmal: Dieses Buch ist mit seinen 556 Seiten ein echter Schinken. Die Handlung an sich könnte man mit Sicherheit auch wesentlich kürzer erzählen, einiges ist etwas langatmig und es fließen viele Erzählstänge, Perspektiven und auch gesellschaftskritische Passagen mit ein. Der Erzählstil ist definitiv ausschmückend, aber nicht nervig oder überdramatisiert. Es passt im Gesamtbild alles gut zusammen, aber man muss sich auf dieses weit gesponnene Netz mit all ihren Perspektiven einlassen können. Ich hatte am Anfang etwas Probleme mit dem Einstieg und hätte auf einige Dinge verzichten können, fand den Plot am Ende jedoch sehr unterhaltsam, interessant und die Geschehnisse dann auch fesselnd.
Was das jetzt ein Thriller? Jein. Für mich ist ein Thriller zwar wie genau hier unter anderem auch eine Jagd nach einem Täter im Wettlauf gegen die Zeit, aber diese Geschichte hier kann auch ganz gut als Kriminalroman durchgehen. Ich als Agatha Christie- Fan freute mich besonders über das kleine Dorf, in dem die Geschichte spielt. Denn man hat hier eine kleine Gemeinschaft an Menschen, die einander kennen, gern tratschen und natürlich auch jeder ihre eigenen kleinen Probleme haben. Schnell wird klar, dass – sollte der Mann von Helens Freundin nicht der Täter sein- eine andere Person aus dem Umfeld des Dorfes für die Entführungen und den Mord verantwortlich sein muss. Whodunnit steht auf der Tagesordnung des Lesers, es geht also auch locker als Krimi durch. Noch dazu schimmert eine Menge Gesellschaftskritik durch die Zeilen und die intensive Beschäftigung mit vielen Charakteren verleiht dem ganzen auch etwas von einem Roman..
Der Autor hat sich Zeit gelassen, seine Figuren und den Plot wirken zu lassen. Er beschreibt viele Kleinigkeiten, von denen Einige wichtig sind und eine nur der intensiveren Beschreibung dienen. Besonders gelungen finde ich die verschiedenen Perspektiven, aus deren Sicht der Leser die Handlung aus mehreren wichtigen Blickwinkeln erfährt. Es gibt natürlich hauptsächlich Tom Thorne und Freundin Helen, aber auch das Opfer, den Täter und beispielsweise die zwei Stiefkinder des Verdächtigen als Perspektive. Billingham hat das gut gelöst und ausgewogen berichtet, der Leser tappt bis zum Ende im Dunkeln und kann sich selbst doch einiges zusammenreimen und hat am Ende sicherlich einige Verdächtige Dorfbewohner genauer im Visier..

Die Reihe
Wie schon berichtet ist „Zeit zum Sterben“ Teil 13 der weltweit etablierten Reihe. Natürlich empfiehlt es sich bei Reihen immer, am Anfang zu beginnen und so die Entwicklung der Personen etc. zu verfolgen. Trotzdem hat es mich hier nicht gestört, diese Geschichte unabhängig von der Reihe zu lesen. Man erfährt schon, dass es in der Vergangenheit ein schlimmes Ereignis auf einer Insel gegeben haben muss, ist als Quereinsteiger allerdings nicht voll informiert und wird so wohl zu den vorherigen Bänden gelockt. Trotzdem ist es für die eigentliche Geschichte unerheblich, ob man die Vergangenheit der Ermittler kennt. Einzig und allein die Person Helen wirkt hier relativ launisch und unsympathisch und ist sicherlich im Gesamtzusammenhang der Reihe netter als gedacht..

Was lernen wir daraus?
Man kann ein Buch sehr ausschmückend und detailliert schreiben, ohne Leser bis zum Ende hin zu verlieren. Dafür braucht man natürlich einen interessanten Fall mit vielen offenen Fragen und interessanten Personen, eine gute Schreibe und eventuell auch eine treue Fangemeinde. Trotzdem muss man sich als Autor auch überlegen, ob all die vielen Details zur Beschreibung von Personen und Geschehen auch wirklich notwendig sind. Ich lese ja lieber kurz und knackig, und so schreibe ich auch. Agatha Christie beispielsweise kommt bei ihren Verbrechen bei dem gleichen aufwendigen Plot und vielen Verdächtigen auf 1/5 der Seiten – und ich kann mir als Leser bei ihr jederzeit alles hervorragend vorstellen, weil sie einfach sehr treffend und anschaulich beschreiben konnte.
Perspektiven. Wie schon so oft aus der Lektüre gelernt, können verschiedene Perspektiven in der Erzählung bei der richtigen Anwendung unheimlich gut wirken. Dabei muss der Autor genau wissen, womit er den Leser fesselt und auf welchem Wissensstand er ihn gelangen lässt. Hier ist es gut gelungen.

Fazit

Ich gebe dem Buch noch knappe 4 Sterne. Für einen Thriller, der mir ja auf dem Cover versprochen wird, fand ich es zu langsam und zu vielschichtig erzählt. Als Krimiliebhaber war ich mit dem Dorf und verschiedenen Verdächtigen gut bedient, hätte es jedoch etwas wenig ausführlicher noch besser gefunden. Gelungen fand ich das zusätzliche Element der Kritik an einigen Facetten der menschlichen Natur (ich sage nur: Sensationsgeilheit..). Man ist gut unterhalten, wenn man sich auf die vielen Personen einlässt und sich auch eigene Gedanken macht, und am Ende hat man dann auch noch ein paar Muskeln mehr um die Handgelenke, weil man das schwere Buch dann doch ganz schön lange gehalten hat. Wer allerdings nur auf Action, Blutrünstiges und Leichenberge steht, der ist hier wohl an der falschen Stelle.

Informationen über den Autor und Details zum Buch gibt’s auf der Verlagsseite, einfach auf diesen Link klicken.

Rezension: Dark Memories – Nichts ist je vergessen von Wendy Walker

Dark MemoriesDas Buch beginnt mit der unvorstellbar brutalen Vergewaltigung von Jenny. Als sie danach ins Krankenhaus kommt, müssen die schockierten Eltern eine wichtige Entscheidung treffen: Soll Jennys Erinnerung an die Vergewaltigung mit einem Medikament ausgelöscht werden?
Die beiden Eltern gehen sehr unterschiedlich mit der Situation um, entscheiden sich dann jedoch gemeinsam dafür, die Erinnerung ihrer Tochter an die wohl schlimmste Nacht ihres Lebens zu löschen. Die Folgen der Vergewaltigung machen nicht nur Jennys Leben zur Hölle, sondern auch das Leben ihrer Familie. Als klar wird, dass Jenny nur mit der Erinnerung an die schlimmen Dinge ihre Gefühle verarbeiten kann, begibt sich die Familie in die Behandlung von Doktor Alan Forrester. Dieser gerät selbst immer tiefer in die Therapie und steht bald vor einer wichtigen Entscheidung..

Stil, Machart, Meinung
Zunächst möchte ich die wichtige Frage klären, was man von diesem Buch erwarten kann. Denn die angepriesenen Genres haben mich und einige andere Leser etwas getäuscht. Auf dem Taschenbuch selbst findet sich die Bezeichnung „Roman“. Das mitgelieferte Lesezeichen spricht vom „Thriller des Jahres“ und auch ein gelber Sticker auf einer Abbildung des Covers im Internet versprach „Thriller“. Schon vor dem Lesen fand ich das etwas merkwürdig. Als dann die erste Hälfte des Buches auch wirklich nur auf der Couch des Therapeuten stattfand und nur die Auswirkungen der Vergewaltigung auf die gesamte Familie und sogar die Stadt beschrieb, war ich schon recht gelangweilt. Thriller war das überhaupt nicht. Und dann passierte etwas, was alles änderte. Auf einmal wurde es sehr spannend, einfach nur auf Grund einer Entdeckung die den Therapeuten in eine heikle Lage bringt. Nun wird es interessant, eine neue Dynamik kommt in die Geschichte. Es wird etwas mehr Thriller, Psychothriller. Alle Informationen die mich am Anfang langweilten, machten jetzt Sinn und wurden irgendwie gebraucht. Daher an alle, die mit dem Gedanken spielen, dieses Buch abzubrechen: die zweite Hälfte wird super, durchhalten!
Die Erzählweise ist sehr interessant. Der Ich-Erzähler ist der Therapeut Alan, der auch einfach eine sehr gute Perspektive in der Geschichte einnimmt. Er erfährt in seinen Sitzungen von Jenny, ihren Eltern und auch einem weiteren Patienten mit ähnlichem Problem alles, was man wissen muss. Nebenbei hat er einen guten Draht zu dem ermittelnden Detective und sein Privatleben spielt auch eine Rolle. Ich mag diese Idee, dass ein Problem von verschiedenen Personen ganz unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet wird. Die haben dann auch alle noch ihre eigenen Probleme.
Interessant ist auch die Aufmachung der Dialoge. Davon gibt es natürlich verhältnismäßig viel, denn die Handlung spielt, wie schon gesagt, zu 90% auf der Couch des Therapeuten. Ein Großteil der Geschehnisse wird dem Leser über die Dialoge vermittelt. Und so gibt es kein ständiges „er sagte“ und „sie sagte“, sondern einmal die Erzählung des Therapeuten und dann die Erzählungen bzw. Aussagen in den Dialogen der anderen Personen in kursiv. Ich finde das mal was neues, musste mich nur kurz dran gewöhnen und finde diese Lösung für den großen Anteil von Dialogen an der Geschichte eine sehr gute Idee. Die Umsetzung gefällt mir , wobei ich mir auch vorstellen kann das einige Leser sich daran vielleicht stören werden.
Der Thriller, der nicht so ganz einer ist, bekommt durch die Geschehnisse noch ein paar Krimi-Elemente dazu (wer ist der Vergewaltiger?) und beschreibt wie ein Roman anschaulich und (zu?) ausführlich die Auswirkungen einer Vergewaltigung auf eine Familie. Ab der Hälfte ist es dann ein Psychothriller..

Was lernen wir daraus?
Ich lese schon lange und auch recht viel, und ich muss sagen das mir in letzter Zeit  auffällt, wie mich eine Genrebezeichnung in die Irre führen kann. Daher möchte ich noch einmal betonen, dass man ein Buch so gestalten und betiteln sollte, dass der Leser weiß, was ihn beim Lesen erwartet. Cover, Genrebezeichnung, Klappentext, alles sollte natürlich neugierig machen und verkauft ein Buch. Aber es sollte auch realistische Erwartungen schüren. Denn wenn ein passionierter Thriller-Leser in einem ausführlichen Gewirr aus Gesprächen das Interesse verliert, dann bricht er vielleicht ab. Oder er hat eine schlechte Meinung vom Buch. Vielleicht gibt es schlechte Bewertungen und sicherlich keine positiven Empfehlungen an andere potentielle Leser. Manche lesen vielleicht gern seichte Romane und sind dann schon bei der brutalen Vergewaltigung am Anfang abgeschreckt. Ich als Leser möchte durch Titel, Cover und Klappentext herausfinden, ob das Buch etwas für mich ist. Ich war in der ersten Hälfte auch kurz davor, abzubrechen. Aber ein paar unheilvolle Andeutungen hier und da und tatsächlich auch die positive Kritik von Karin Slaughter auf der Rückseite haben mich bei der Stange gehalten, da ja noch etwas grandioses kommen musste..
Eine weitere Lektion: Man kann ruhig auch mal mit den traditionellen Regeln brechen, wenn es der Geschichte förderlich ist. Hier gibt es so viele Dialoge, dass ständige wörtliche Rede meiner Meinung nach sehr ermüdend wäre. Und die oben schon beschriebene Lösung der Autorin finde ich genial gewählt. Natürlich wird es aber immer Leser geben, die mit einer so neuen Beschreibung von Dialogen ihre Probleme haben werden. Hier muss man noch einmal über die Zielgruppe nachdenken, ich finde neue Ideen in dieser Beziehung erfrischend.

Fazit
Dark Memories scheint erfolgreich zu sein bzw gemacht werden sollen. Es wird anscheinend in 17 Ländern erscheinen und von Hollywood sogar verfilmt. Ich habe mich zwar durch die langweilige erste Hälfte gekämpft, war aber ab circa der Hälfte des Buches von einer ganz neuen Entwicklung total gefesselt und fand die weiteren Handlungen sehr spannend und interessant. Ein Buch, welches zur Hälfte langweilt, finde ich jedoch nicht gut. Hier muss ich jedoch anmerken, dass alle Informationen aus der ersten Hälfte die Handlungen und Gefühle der Personen in der zweiten Hälfte erklären. Die Einführung ist irgendwie nötig, um die sich überschlagenden Ereignisse so dramatisch einzuleiten. Da ich neben Krimi und Thriller gern auch mal einen Roman lese und die Schreibweise und der Plot mir gefielen, so vergebe ich dann doch noch knappe 4 Sterne. Als Hollywood – Film wird sich die Geschichte sicherlich auch gut machen, da muss sie ja von Anfang an Fahrt aufnehmen..
Wer knallharte Action, ein ab der ersten Seite fesselndes Buch oder auch eine Menge Mord und Totschlag erwartet, der sollte vielleicht ein anderes Buch zur Hand nehmen. Wer gern Psychothriller, Krimi, und Romane liest und sich auf die Geschwindigkeiten der Geschichte einstellen kann, der wird hier eine interessante Geschichte lesen, die wirklich auch mal etwas anderes ist.

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Rezension: Die Falle von Melanie Raabe

Die Falle Melanie RaabeZu schreiben, dass die Bestsellerautorin Linda Conrads zurückgezogen lebt, wäre untertrieben. Denn seit vor 11 Jahren ihre Schwester ermordet wurde, hat sie ihr Haus nicht mehr verlassen. Linda schreibt Liebesromane und hat sich ihr Leben in ihrem netten Gefängnis mit ihrem Hund und einer Haushaltshilfe so nett wie möglich eingerichtet. Bis sie dann eines Tages im Fernsehen den Mann sieht, der ihre Schwester ermordet hat. Denn in der Tatnacht hatte sie den Mörder direkt nach dem Mord in der Wohnung der Schwester überrascht und das Gesicht natürlich nie vergessen.
Nach dem großen Schock macht sie sich nun daran, eine gut durchdachte und für sie sichere Falle zu stellen. Und der Köder ist sie selbst. Denn sie beschließt, ein Buch über den Mord zu schreiben, damit sie den Täter überführen kann. Ob alles genau so klappt wie geplant, ob der Mann wirklich der Mörder ist, ob ihre Erinnerung an die Tatnacht sie in die Irre führt und ob sie vielleicht doch ihr Haus verlassen muss, dass verrät das Buch und wird hier selbstverständlich nicht gespoilert!

Stil, Machart, Meinung
Melanie Raabe schreibt zwar fluffig, lässt aber auch viele Details einfließen. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen sicherlich, dass ich kein großer Fan von Gelaber und gewollt kunstvollen und literarisch anspruchsvollem Schreibstil bin (man siehe nur eine der letzten Rezensionen: Friedrich Ani – der namenlose Tag). Dieser Schreibstil hier ist zwar ausführlich, stört mich aber nicht. Denn auch die Sätze, die nicht zwingend die Handlung vorantreiben, haben das gewisse Etwas. Ich mag die Schreibweise, denn sie ist frisch, schön und interessant.
Neben der Schreibweise ist für diese Geschichte wichtig, wie die Autorin auch den Leser in die Falle lockt und so Fragen aufwirft, die nach und nach beantwortet werden. Es ist nicht so, dass man jetzt vor Spannung umkommt oder dass die Welt untergeht, wenn der Killer nicht schnellstmöglich gefasst wird. Aber mit der intensiven Perspektive der Hauptdarstellerin wird der Plan zur Überführung des Mörders natürlich wichtig, und es wird psychologisch auch wirklich interessant und spannend.
Erwähnenswert ist auch, dass es in diesem Buch ein „Buch im Buch“ gibt. Denn die Hauptperson ist ja Autorin und versucht, den Killer mit ihrem neusten Buch in die Falle zu locken. Dafür schreibt sie „mal eben“ ein Buch und schildert darin den Mord, beschreibt ihre Schwester und man erfährt auch, wie sie selbst versuchte zu ermitteln und dann in ihrem Haus endete und nie mehr rauskam. Das Buch im Buch ist nicht komplett im Buch, sondern nur wichtige Ausschnitte.
Mir stellt sich die Frage, in welches Genre man diese Geschichte einordnen kann. Merkwürdigerweise steht auf dem Cover der gebundenen Ausgabe (s. hier) Roman, auf meiner Taschenbuchausgabe (s. Foto oben) jedoch Thriller. Was davon eher zutrifft, vermag ich nicht zu sagen. Für einen Roman geht es zu sehr in Richtung Krimi und Thriller. Ein Krimi hat für mich vor allem das Hauptthema „wer ist denn nun der Täter?“ und ein Thriller eher „wir jagen den Täter und es ist ein Wettlauf mit der Zeit“. Da mir die Unterscheidung sehr oft schwer fällt, einfach weil sie für mich auch sehr oft verwischt, möchte ich mich hier nicht festlegen. Es ist zunächst einmal ein Roman, indem eine Autorin ein Buch schreibt und ihre Erinnerung verarbeitet, von der sie sich auch nicht so 100%ig sicher ist. Dann wird es aber auch etwas Krimi und etwas Thriller, denn die Frage nach dem Mörder steht ebenso im Vordergrund wie das Katz- und Maus- Spiel. Wenn Thriller auf dem Buch steht, würde ich allerdings sagen, dass „Psychothriller“ es doch eher trifft. Mir ist es im Endeffekt egal, denn ich mag die Geschichte und ihre vielschichtigen Komponenten – auch ohne einen exakten Stempel aufdrücken zu können (und zu wollen).

Was lernen wir daraus? 
Man braucht nicht viel Action und eine Verfolgungsjagd nach der anderen – ein guter Thriller kann, wenn man es drauf hat, auch mit einem guten Plot und einer Hauptperson und ihrem Gegenspieler super auskommen. Es sind nicht mal viele Schauplätze nötig, in dieser Geschichte reicht eine Autorin aus, die ihr Haus nicht verlässt. Hier geht es um einen Mord in der Vergangenheit, den Auswirkungen dieses Mordes und einen perfiden Plan zur Ergreifung des Mörders.
Dieses Buch hat wieder einmal eines gezeigt: Wenn eine Person etwas wahrnimmt, dann ist das manchmal trotzdem ganz anders. Die subjektive Wahrnehmung der einen Person muss nicht der Realität entsprechen. Wenn ein Autor aus der Perspektive einer Person den Leser allerdings dazu bekommt, dieser Wahrnehmung zu glauben, dann kann der Leser hervorragend aufs Glatteis geführt werden..

Fazit 
Dieser Thriller kommt mit einem minimalistischen Setting aus und lässt besonders der Hauptperson und der Falle für den Mörder ihrer Schwester sehr viel Raum. Die Schreibe ist etwas ausschweifend aber sehr schön, es gibt Überraschungen, Wendungen und ich wollte zu jeder Zeit wissen, was denn da nun los ist. Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Sternen und kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Hier der Link zu Amazon, da gibts dann die Details zum Buch!

Rezension: Das Böse in euch – Rhena Weiss

Das Böse in euchDie Wiener Kommissarin Michaela Baltzer hat einiges zu tun. Ein neuer Mordfall verlangt von der alleinlebenden LKA-Ermittlerin einiges ab, denn die Leiche einer 16-jährigen wirft deutlich mehr Fragen auf als sie beantwortet. Als DNA-Spuren weiterer vermisster Mädchen an der Leiche gefunden werden, wird der Fall noch dramatischer. Und als wäre das nicht genug, zieht Michaelas Nichte Valerie für ein Jahr lang bei ihr ein, da die Eltern im Ausland sind. Während sich beide an den neuen Alltag gewöhnen müssen, ist auch die Neugier von Valerie in Sachen Mädchenmorde geweckt. Sie will selbst in der Sache ermitteln, und passt leider auch genau ins Beuteschema des Killers..

Stil, Machart, Meinung
Ein klassischer Thriller, schnell umgeblätterte Seiten und einige Überraschungen warten in diesem Buch auf den Leser. Gekonnte Wechsel der Perspektiven zogen mich gekonnt in den Bann der Geschichte. Durch die zwei Seiten hat der Leser einen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern und erfährt auch viel darüber, wieso der Täter junge Mädchen festhält und was er mit ihnen anstellt. Anschaulich und interessant wird die Täterperspektive beschrieben.
Die Ermittlerin ist eine interessante Persönlichkeit. Sie ist nicht, wie einige andere Hauptpersonen, mit dramatischen Eigenheiten und Macken verziert, sondern als eine recht normale –aber nicht langweilige – Kommissarin dargestellt. Die Besonderheit ist, dass ihre Nichte bei ihr einzieht und sie in der Ersatzmutterrolle so gar keine Erfahrung hat. Als die Nichte dann auch noch unbedingt Polizistin werden will und so gern auf eigene Faust ermitteln möchte, wird es natürlich nicht langweiliger. Man kann sowohl die Nichte als auch die Kommissarin gut verstehen und mag sie.
Ich würde so gern noch mehr schreiben, aber dann würde ich spoilern..

Die Reihe
Dieses Buch ist der Auftakt einer neuen Reihe von Rhena Weiss im Goldmann Verlag. Weitere Bände sind laut Verlagsseite in Arbeit. Siehe Hier!
Die Hauptperson Michaela Baltzer und ihr Ermittler-Team bieten meiner Ansicht nach eine Menge Potential. Verschiedene interessante Persönlichkeiten in und um das Team bieten gute Möglichkeiten für Entwicklungen und Verwicklungen. Außerdem hoffe ich, dass auch die Nichte noch eine Weile bei der Ermittlerin wohnt. Der private Einblick in die chaotische Situation war erfrischend und nicht langweilig, die Ermittlungsambitionen des Teenagers bieten auch weiterhin interessante Möglichkeiten.
Ich würde auf jeden Fall sehr gern den nächsten Band dieser Reihe lesen!

Was lernen wir daraus?
Nicht viel neues, aber doch erneut 2 wichtige Dinge:
Der Wechsel der Perspektiven, in diesem Fall besonders zwischen Ermittler und Täter, machen diese Geschichte gut, spannend und erklären auch die Motive des Täters. Der Wissensvorsprung des Lesers gegenüber den Ermittlern ist geschickt eingesetzt und gibt der Geschichte die richtige Würze.
Und wie schon erwähnt ist die Darstellung der Ermittlerin gut gelungen. Man sollte keinen langweiligen Ermittler haben, der den Lesern nicht im Gedächtnis bleibt. Aber man sollte seiner Hauptperson auch keine zu dramatischen Eigenheiten andichten, die dann am Ende zu unrealistisch und gewollt rüberkommen. Die simple Tatsache, dass die Single- Ermittlerin auf einmal die Verantwortung für einen Teenager trägt und sich Gedanken um Essen und Ausgehzeiten machen muss, ist hier sehr gut gewählt und in sehr guter Balance in die Geschichte eingesponnen.

Fazit

Ich vergebe gute 4 Sterne und würde auch gern das nächste Buch dieser Reihe lesen. Es war spannend, ständig wurden Fragen aufgeworfen und auch beantwortet. Man war schnell in der Geschichte drin, zu keiner Zeit gelangweilt und blätterte immer „noch eine letzte Seite“ um, für die man eigentlich keine Zeit mehr hatte. So soll es sein! Für diesen wirklich gelungenen Einstieg in die Reihe gibt es keine 5 Sterne, weil so ein gewisser Super- Wow- Faktor gefehlt hat. Trotzdem empfehle ich die Lektüre dieses Thrillers. Fans von Thrillern dürften den Kauf nicht bereuen, auch Einsteiger mit normalen Nerven können ihre Thriller- Karriere mit dieser Geschichte beginnen, denn es ist nicht so grausam wie manch anderer Thriller der letzten Jahre – und mit Sicherheit spannend.

Details zum Buch und der Autorin gibt es auf der Verlagsseite, einfach hier klicken!

Rezension: Ethan Cross – Ich bin die Nacht

Ethan Cross Ich bin die NachtDieser Thriller beginnt mit einer grausamen Szene, in der Francis Ackermann junior, einer er gefährlichsten Serienkiller überhaupt, eines seiner heißgeliebten Spiele mit zwei Polizisten spielt. Wie bei all seinen Spielchen geht es um Leben und Tod –wobei der Tod wohl eher im Vordergrund steht.. So muss sich bei diesem Spiel zunächst ein Officer entscheiden, ob er seinem Partner versucht zu helfen und einen qualvollen Tod zu riskieren oder wegzulaufen. Der gewissenhafte Partner nimmt Option 1 und findet sich bald in einem viel schlimmeren Spiel wieder, indem er gefesselt seiner Frau und seiner Tochter gegenübersitzt und entscheiden „darf“, welche Person seiner dreiköpfigen Familie überlebt, indem er die anderen Beiden erschießt..
Und dann ist da noch Markus, der ehemalige Polizist mit einem dunklen Geheimnis. Er macht zufällig an einem Tatort Bekanntschaft mit Francis Ackermann junior und findet sich auf einmal in einem eigenen Spiel um Leben und Tod mit einem ganz anderen Feind wieder. Er ha alle Hände voll zu tun und ist auf der Flucht. Wem kann er trauen? Und wieso beschließt Ackermann ausgerechnet, dass Markus sein perfektes Gegenstück ist? Und was ist eigentlich mit dem Sheriff los?

Stil, Machart, Meinung
Zunächst mal die ganz klare Ansage: Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven – und Gemüter. Grausame Szenen gibt es hier einige, eine ganze Menge Gewalt und auch seelische Grausamkeit kommt auf den Leser zu. Dennoch ist dieses Buch sehr gut geschrieben, die Szenen sind interessant und die Brutalität ist nicht so platt und unnütz wie in manch anderen Büchern und Filmen, die nach dem Motto „Hauptsache eine Menge Blutvergießen“ vorgehen zu scheinen.
Besonders interessant finde ich die teilweise schon philosophischen Fragen, die sich Killer Ackermann beim Ausüben seines „Berufs“ so stellt. Er hat recht philosophische und auch intelligente Ansätze auf Lager, die er auch oft seinen Opfern mitteilt. Genau so faszinierend sind die Szenen mit den oben schon angerissenen Spielchen, denn hier muss sich der unfreiwillige Spielgefährte dramatisch zwischen Menschenleben entscheiden – das Eigene inbegriffen.
Die verschiedenen Perspektiven sind hervorragend aufeinander abgestimmt und haben auch die richtige Länge. Einerseits der Killer mit den Spielchen, dann der ehemalige Polizist Markus mit den Dämonen der Vergangenheit und seinem aktuellen Problem, dann gibt’s da noch den Sheriff, der irgendwie Dreck am Stecken hat und dessen Tochter..
Ich habe angefangen, dieses Buch zu lesen. Und dann war ich auch schon fertig. Mit wahrscheinlich teilweise offenem Mund saß ich in der Sonne und blätterte fix die Seiten um. Es war spannend, sehr gut geschrieben, mit gutem Plot und einem sehr überraschenden Ende. Und der zweite Teil liegt schon ganz oben auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher).

Die Reihe
Dieses Buch, in Deutschland 2013 erschienen, ist Teil 1 der Reihe von Ethan Cross, indem Francis Ackermann junior und sein Gegenspieler Markus anscheinend die Hauptfiguren werden. Die Bücher haben allesamt ein sehr interessantes Design, wie mein Foto oben zeigt sind die Cover fast nur in einer Farbe gehalten und auch die Seitenränder sind in dem Design. Das erste Buch „Ich bin die Nacht“ ist schwarz, „ich bin die Angst“ ist rot und der dritte Teil „ich bin der Schmerz „ ist in weiß gehalten. Das ist mal ein tolles, einfaches Design mit hohem Wiedererkennungswert –und die Reihe wird im Regal echt schick aussehen. Der Autor legt außerdem ein schnelles Tempo vor, denn Band 2 und 3 gibt es ja auch schon. Ob es danach weitergeht? Keine Ahnung! Denn ich möchte mir die Reihe nicht verderben, indem ich jetzt für euch auf Wikipedia recherchiere und da dann wahrscheinlich Spoiler vor die Augen bekomme. Hier müsst ihr genauso unwissend bleiben wie ich – mir aber vertrauen und das erste Buch schon einmal lesen!

Zielgruppe
Leute, die gern Thriller und Krimis lesen. Idealerweise vielleicht lieber keine Einsteiger, sondern Leser die in dem Genre schon etwas belesen sind und die von mir erwähnte Grausamkeit ertragen können. Für schwache Nerven ist diese Geschichte nichts. Wer sonst nur Konsalik, Rosamunde Pilcher oder Nora Roberts liest (nichts für ungut!), der sollte vielleicht doch eher die Finger davon lassen und einen seichteren Einstieg in Sachen Krimi und Thriller wählen..

Was lernen wir daraus?

Ein Bösewicht in einem Krimi muss nicht nur böse und brutal sein. Natürlich sollte er schon etwas Böses an sich haben, sonst wäre er als Bösewicht wohl nicht geeignet. Er kann jedoch zur Abwechslung auch mal philosophische Fragen stellen und schlaue Dinge sagen. Er kann sogar Gefühle und Schwäche zeigen. Das ist in diesem Thriller sehr gelungen, und ich denke gerade dadurch ist diese Thriller – Reihe in aller Munde und so erfolgreich.

Fazit
Ich habe nichts auszusetzen, denn es stimmt alles. Der Thriller ist sehr spannend, gut und flüssig geschrieben und mit einem guten Plot. Es passiert eine Menge, und das in kurzer Zeit (denn man liest sehr schnell weiter, weil es so spannend ist). Der Serienkiller Ackermann ist ein sehr interessanter Bösewicht, denn er zeigt auch Schwächen. Es gab einen Punkt, an dem dachte ich „nun wird es aber ein bisschen viel“ – aber das Ende erklärt diesen Gedanken, und dadurch bringe ich ihn nicht als Negativpunkt an. Bleibt abschließend die Frage: 4 oder 5 Sterne? Ich vergebe knappe 5 Sterne, denn mir fällt einfach kein Makel ein, für den ich einen Punkt abziehen könnte. Diese 5 Sterne gehen mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung einher, die (nur) für die oben genannte Zielgruppe uneingeschränkt gilt. Einige Szenen in diesem Buch werden einem lange und lebhaft im Gedächtnis bleiben und Band 2 steht schon in meinem Regal.

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Thriller – Rezension: Todesurteil von Andreas Gruber

TodesurteilZum einen geht es in „Todesurteil“ von Andreas Gruber um die Perspektive von Sabine Nemez in Wiesbaden an der Akademie des BKA. Ganz neu an der Akademie hat sich für Sabine Nemez ein Traum erfüllt, wie sie zu dieser Ehre kommt weiß sie allerdings auch noch nicht so recht. Als sie dort ankommt, erfährt sie zunächst von ihrem schwerverletzten Exfreund, welcher nach einem Mordversuch auf der Intensivstation um sein Leben kämpft. Im doch etwas gewöhnungsbedürftigen Unterricht des ebenso gewöhnungsbedürftigen Maarten S. Sneijder es um mehrere ungelöste Mordfälle, in denen sie eine Verbindung zu erkennen glaubt.
Die andere Geschichte handelt von einem Mädchen, welches in Wien nach langer Gefangenschaft entkommen konnte und nun sehr verstört ist. Ihr gesamter Rücken ist mit Motiven aus Dantes „Inferno“ tätowiert. Nur zu dem Hund von Staatsanwältin Melanie Dietz fasst sie Vertrauen und die Staatsanwältin setzt sich nun intensiv für das arme Mädchen ein. Sie stellt eigene Ermittlungen in der Sache an, wobei sie (wie auch Sabine Nemez in Wiesbaden) nicht immer im Rahmen des Gesetzes handelt, um zum Ziel zu kommen.
Und wie das Leben bzw. Bücher so spielen, gibt es zwischen den beiden Geschichten dann irgendwann auch eine Verbindung..
Stil, Machart, Meinung 

Ich muss zunächst sagen, dass dieses Buch Band 2 der Reihe um den niederländischen Profiler Sneijder und die junge Polizistin Nemez ist. Band 1 habe ich nicht gelesen, aber das machte auch nichts. Für die Leser und auch die Nicht-Leser des ersten Falls hat Gruber eine perfekte Balance gefunden, die beide Gruppen zufriedenstellen sollte.
Ich mag, wie schon bei „Racheherbst“ (für die Rezension hier klicken!), den Schreibstil von Gruber sehr. Geschichte, Plot, Wendungen, Überraschungen und interessante Charaktere sind in zwar ausführlicher, aber nicht ausschweifender Art und Weise, spannend geschrieben. Man möchte das Buch nicht aus der Hand legen und muss unbedingt wissen, was als nächstes passieren wird. Das Hin- und Her zwischen den beiden Erzählsträngen ist auch an genau den richtigen Stellen unterbrochen, sodass man immer unbedingt noch ein letztes (oder auch nicht..) Kapitel lesen möchte.
Durch den Teaser zum Buch hatte ich irgendwie ein größeres Gewicht auf die Sache mit den Motiven aus Dantes Inferno erwartet, war aber trotzdem nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil fand ich die Geschehnisse an der BKA- Akademie sehr interessant und die Arbeitsweise der Profiler spannend.
Sowohl Krimi- als auch Thrillerfans werden hier auf ihre Kosten kommen. Es ist  an einigen Stellen schon recht brutal und nichts für ganz schwache Gemüter, manchmal auch rasant. Andererseits muss man auch kombinieren, denken, raten und Verdächtige finden. Eine gute Mischung aus beidem. Wo Thriller drauf steht, ist Thriller und Krimi drin..

Die Reihe

Nur noch kurz für den Überblick: Wie gesagt ist Todesurteil das 2. Buch in der Reihe um Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder. Band 1 heißt Todesfrist, das scheint von einem Märchenkiller zu handeln, welcher die Ermittler innerhalb einer Frist herausfinden lässt, warum da jeweilige Opfer dran glauben muss. Band 3 heißt Todesmärchen.

Teil 2 hier kann wie gesagt auch sehr gut unabhängig von Band 1 und Band 3 gelesen werden, die Handlung ist in sich geschlossen. Natürlich gibt es Rückblicke und Erläuterungen, woher sich die beiden Hauptermittler kennen (nämlich Band 1) und ich bin nach der Lektüre auch gespannt, wie es mit den beiden weiter geht (zunächst in Band 3).

Fazit 

Da ich bei dieser Lektüre keine neuen Erkenntnisse zum Thema „was lernen wir daraus“ erlangt habe, fällt dieser Punkt heute mangels Inhalt aus. Trotzdem gebe ich dem Buch 4,5 Sterne, habe keine erwähnenswerten Kritikpunkte und kann jedem nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Vielleicht sollte man mit dem ersten Band anfangen, aber das muss man nicht unbedingt. Ich überlege, ob ich nun noch das erste Band lese, das dritte Buch werde ich aber sicherlich irgendwann verschlingen. Todesurteil jedenfalls las sich sehr schnell, ich war total in der Geschichte drin und wurde von vielen Wendungen überrascht. Der Plot ist in sich schlüssig und sehr gut.
Das war mein zweites Buch von Andreas Gruber, und ich muss schon sagen: Bald erscheint er auf der Liste meiner Lieblingsautoren. Eventuell schon jetzt..

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Rezension: Killerverse von Ben Bauhaus

KillerverseKillerverse ist der zweite Band um den etwas anderen Berliner Ermittler Johannes „Johnny“ Thiebeck. Band 1 hatte ich gelesen und für gut befunden, da durfte Band 2 nicht fehlen. Denn die Schreibe von Ben Bauhaus, ich sagte es schon in der ersten Rezension und sage es jetzt nochmal: die ist super! Wer zunächst mit Band 1 anfangen möchte, kann direkt hier klicken und kommt zu meiner Bullet Schach –Rezension.

Nun erst mal zum Inhalt von Killerverse:
Nachdem Thiebeck Band 1 ja recht ramponiert überstanden hat, sitzt eingangs plötzlich eine neue Mitarbeiterin seines alten Teams im LKA in seiner Küche und bittet ihn um Hilfe. Denn ein Bekannter ihrer Schwester wurde ermordet und die Schwester verhält sich seitdem merkwürdig. Und so gerät Thiebeck in die nicht ganz offizielle Suche nach einem Serienkiller, der seine Opfer gern Mund und Nase mit Klebstoff zuklebt und dabei zuschaut, wie sie elendig ersticken. Bald stellt sich heraus, dass der Grund für die Morde seinen Ursprung in Irland haben muss. Eine Berliner Reisegruppe begab sich vor Jahren nach Irland und alle kamen verändert zurück. Und nun hinterlässt der Killer bei jedem Opfer, alles Mitglieder der Reisegruppe, eine Zeile eines irischen Kinderreims und eine tödliche Menge Kleber. Einer nach dem anderen muss dran glauben, Thiebeck ermittelt natürlich auf eigene Faust und es wird spannend.

Stil, Machart, Meinung
Wie schon in Band 1 „Bullet Schach“ mag ich die Schreibe von Ben Bauhaus sehr. Er schreibt fluffig, gut zu lesen, manchmal lustig und gut beobachtet. Die Geschichte spielt aus Sicht vom recht eigenen Ermittler Johnny Thiebeck, er ist der Ich-Erzähler. Und das ist auch gut so, denn seine Gedanken machen Spaß. Er ist direkt, das Gegenteil von Bürokratisch, brutal wenn es sein muss aber doch einfach ein Pfundskerl, denn man liebhaben muss.
Diese Geschichte ist eine Mischung aus Krimi und Thriller, es gibt außerdem eine Nebenhandlung. Grundsätzlich konzentriert sich der Kern auf die Reisegruppe, von der einer nach dem anderen das Zeitliche segnen muss. Die Nebenhandlung handelt davon, dass einer von Thiebecks Kumpels aus dem Box-Gym (dort spielte die Handlung im ersten Band) Probleme mit Geldeintreibern hat. Auf diese Nebenhandlung kann ich, ehrlich gesagt, verzichten. Klar, sie verspricht Action und zeigt dem Leser genau, was der Thiebeck so für einer ist. Aber sie nimmt der Hauptgeschichte Raum und unterbricht sie. Wenn auch in der Hauptgeschichte Spannung aufkommt und man am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte, so kam zumindest mir immer die andere Handlung in den Weg. Das muss nicht jedem so gehen und die Nebenhandlung ist auch nicht schlecht –sie ist halt nur nicht meins und ich habe sie aufgrund des Klappentextes auch nicht erwartet (und gewollt..).
Die eigentliche Geschichte könnte bei der Beschreibung der einzelnen Gruppenmitglieder der Reisegruppe, immerhin sind viele von ihnen Opfer und einer wahrscheinlich auch der Killer, genau die Seitenanzahl zusätzlich vertragen, die die Nebenhandlung für sich beansprucht. Thriller, steht auf dem Cover. Das ist soweit auch richtig, immerhin jagen Polizei und Thiebeck auf unterschiedlichen Wegen einen Serienkiller, und das auch auf internationalem Gebiet. Durch die Reisegruppe und der ewigen Fragen „wer von ihnen ist der Killer?“ „Was ist in Irland passiert?“ und „wer stirbt als nächstes?“ bekommt es allerdings einen Touch von Krimi. Für mich als Agatha Christie- Fan ist das ganz hervorragend und ich begrüße diese Verbindung sehr. Denn so gibts das gute alte Whodunnit in modern. Ich hätte mir allerdings mehr Raum für die Personen, die Verbindung untereinander, mögliche Motive etc. gewünscht. Durch die eher oberflächliche Beschreibung musste ich an manchen Stellen überlegen, wer diese Person denn überhaupt war. Und ich hatte nicht genug Input, um selbst zu erraten wer der Killer sein könnte.
Am Ende löst sich die Geschichte jedoch gut auf, es ist wirklich spannend und man wird mehrmals in die Irre geführt.

Die Reihe um Thiebeck
Killerverse ist Band zwei, der erste Band heißt Bullet Schach. Man kann beide Bücher problemlos ohne das jeweils andere Buch lesen – aber man sollte es nicht tun. Klar, in Band 1 ist die Geschichte um den schachspielenden Killer abgeschlossen. Aber man möchte doch trotzdem wissen, wie es mit Thiebeck weitergeht. Er muss viel durchmachen in Band 1, denn der Killer hat es da auf ihn abgesehen und spielt virtuell gegen ihn Schach – für jede verlorene Spielfigur muss ein Bekannter Thiebecks dran glauben und am Ende auch fast er selbst. In diesem zweiten Band macht sich das Vorwissen gut, aber es ist nicht zwingend notwendig. Sehr ausgewogen schafft es Ben Bauhaus, die Neulinge mit dem nötigen Wissen aus band 1 zu versorgen, ohne das es für die alten Hasen langweilig wird. Die Entwicklung von Thiebeck jedoch ist es wert, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Die guten Storys und der tolle Schreibstil machen es sowieso unbedingt notwendig, beide Bände zu lesen..
Band 3 ist auch in Arbeit, im Sommer kommt mit „Puppenruhe“ der 3. Band um den Berliner Ermittler Thiebeck raus. Hier muss ich allerdings mal kurz Kritik üben: die beiden ersten Bücher haben ein in meinen Augen unglaublich gelungenes Cover, Puppenruhe hat auf einmal ein anderes Design. Das finde ich doof, wie sieht denn das im Regal aus? Also da hätte man dem Corporate Design wirklich treu bleiben können, allein schön für den Wiedererkennungswert.. Hier könnt ihr die Cover im Vergleich sehen und die Bücher bei Gefallen auch direkt bestellen..

Was lernen wir daraus?
-die richtige Schreibe macht eine Menge aus. Manche stehen vielleicht auf kunstvolle und komplizierte Wörter und verschachtelte Sätze die langwierig studiert werden müssen – ich jedoch nicht. Kurz, knackig und so, dass man sie einfach so weg lesen kann und sie trotzdem gut sind. So manches Mal musste ich wegen lustiger und kreativer Beschreibungen oder Gedankengängen schmunzeln, der Lesefluss und die Spannung wurden nicht durch komplizierte oder unnötige Dinge gestört.
-Nebenhandlungen können gut sein, aber auch stören. Ich weiß leider nicht genau, warum mir die Nebenhandlung hier nicht gefallen hat. Grundsätzlich stehe ich einfach nicht so auf diese Themen und brauche auch keine Action, man sollte also bei einer Nebenhandlung genau gucken ob die Zielgruppe der Haupthandlung auch die Nebenhandlung mögen würde. Und man sollte genau nachdenken, ob die Nebenhandlung es wert ist, die Haupthandlung zu stören. Dazu muss sie wirklich sehr gut oder speziell sein. Ich möchte für dieses Buch ja nicht zu viel verraten, aber als Fazit zu diesem Thema würde ich mal sagen: Wenn eine Nebenhandlung vorkommt, dann muss sie der absolute Hammer sein.

-Wie auch bei meinem Krimi (mehr dazu hier) steht der Autor vor der großen Herausforderung, eine rcht große Gruppe an Verdächtigen/Opfern (die Reisegruppe halt) so vorzustellen, dass der Leser sich an die einzelnen Gruppenmitglieder erinnert und direkt weiß, wer gemeint ist. Hier ist die Gruppe recht groß und die Perpektive des Ich-Erzählers schränkt es auch irgendwie ein. Optimalerweise sollte man also mit einer kleineren Gruppe arbeiten oder mehrere Morde an den Anfang stellen, damit am Schluss dann noch wenige Verdächtige verbleiben. Wenn dem nicht so sein soll, und so ist es ja auch bei mir, dann muss man sich eventuell sehr gute Beschreibungen und ungewöhnliche Anekdoten oder Besonderheiten ausdenken, die dann sofort mit der PErson verknüpft werden. Ich habe dann beispielsweise einmal den jungen Wilden Kerl, dann den der nie redet, den anderen der alles abschleppt was bei drei nicht auf dem Baum ist usw. Ob mir das geglückt ist, werde ich nach weiterem Feedback meiner Testleser und dann eventuell (endlich mal) auch echter Leser (!) wissen..

Fazit
Wie schon im Fazit meiner Rezension zu Band 1 geschrieben: Ben Bauhaus, den Namen muss man sich merken. Und das habe ich gemacht. Band 2 ist auf jeden Fall etwas für alle, die schon Band 1 mochten. Thriller- und Krimi-Fans werden ihren Spaß haben. Wie gesagt, die Nebenhandlung war nicht meins und ich wäre ohne sie glücklicher gewesen. Dadurch wurden die Spannung und der Lesefluss bei mir irgendwie gestört, aber sie ist immerhin sehr actionreich und hat eigentlich auch eine spannende Story. Besonders gut finde ich, dass wir hier einen modernen deutschen Thriller haben. Hacker und Soziale Netzwerke, ein hippes Berlin und ein Thiebeck der alten Schule sind eine tolle Mischung, auch der Exkurs in Richtung Irland war gelungen. Von mir gibt´s 4 Sterne und eine Leseempfehlung. Ich würde auf jeden Fall mit Band 1 anfangen, aber es ist nicht zwingend notwendig. Hier geht´s noch einmal zu meiner Rezension von Bullet Schach, falls ihr das Buch noch nicht kennt.