Krimi: Whodunnit, Whodunit oder „wer hats getan“?

..mit Tipps für Leser und Autor sowie Leseempfehlungen.

Heute geht’s um mein Lieblings-Genre im Bereich der Krimis. Das in Fachkreisen entweder Whodunit oder whodunnit genannte Genre. Es ist die Kurzform von: Who has done it?“, also übersetzt: „wer hat es getan?“ Mein eigener Krimi ist genau so angelegt, einfach weil ich dieses Konzept für den Leser sehr spannend finde.


Wikipedia definiert das Konzept ganz einfach:

„ Whodunit (auch whodunnit) beschreibt das häufig in Krimis und Fernsehserien verwendete abduktive Konzept der allmählichen Aufklärung eines Verbrechens und der Suche nach dem oder den Tätern.“

Hier der Link zu dem kompletten Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Whodunnit

Jetzt wirds genauer, in meinen Worten:
Der Autor schreibt den Krimi so, dass der Leser in die Jagd auf den Mörder involviert wird. Involviert bedeutet nicht, dass der Leser sich auf einmal im Krimi wiederfindet und dem dort ermittelnden Detektiv hilfreich zur Seite steht. Die Handlung wird durchaus auch ohne einen bestimmten Leser abgeschlossen. Das wichtige ist, dass der Leser eine Chance zum Rätseln hat. Er soll genauso wie der ermittelnde Polizist, Detektiv etc. mit den gegebenen Informationen erraten, wer der Mörder ist.

Hierbei ist es wichtig, dass:
-am Anfang ein schweres Verbrechen steht (meistens Mord..)
-der Schauplatz des verbrechens irgendwie begrenzt ist
-dadurch die Anzahl der Verdächtigen begrenzt ist
-Am Ende der Fall vollständig aufgeklärt wird.

Eine besondere Richtung des Whodunit: der geschlossene Raum. Dazu gibt’s demnächst nochmal einen interessanten Artikel!

Die wichtigsten Vertreter dieses Genres sind meiner Meinung nach:

-Agatha Christie mit ihren Detektivfiguren Hercule Poirot und Miss Marple sowie ihre anderen Geschichten.
-Arthur Conan Doyle mit Sherlock Holmes und Doctor Watson.
-Im Fernsehen die alten Serien wie “Der Alte” oder “Derrick”, aber auch die neuen Serien wie Csi Miami oder ähnliches.

Ein Beispiel, das meistverkaufte Buch von Agatha Christie:

Agatha Christie schickt in ihrem Krimi „Und dann gabs keines mehr“ (früher: zehn kleine Negerlein) 10 Unbekannte auf eine einsame Insel. Jeder von ihnen war in der Vergangenheit irgendwie in ein Verbrechen verwickelt und wurde nun auf die Insel eingeladen. Ganz im Sinne eines ziemlich anschaulichen Kinderreimes (Zehn kleine Negerlein) wird einer nach dem anderen Sterben. Es beginnt also mit einem ersten Mord, der nach Aufklärung verlangt. Zunächst sieht es so aus als wäre eine weitere Person auf der Insel, die aus dem Hinterhalt zuschlägt. Bald ist klar: es kann nur einer der 10 Personen in der Gruppe sein. Der Schauplatz ist offensichtlich durch Wasser begrenzt, es befindet sich niemand auf der Insel außer den Opfern/Verdächtigten und es ist keine Kommunikation aufs Festland möglich. Die Anzahl der Verdächtigen ist gleichermaßen begrenzt: Man weiß genau, dass einer der Menschen auf der Insel der Mörder sein muss. Der Leser wird nun so durchs Buch geführt, dass er mit raten muss. Meistens stirbt immer der als Nächstes, auf den der Leser tippt und am Ende ist man sehr überrascht. Da in dieser Geschichte kein Detektiv involviert ist, löst sich die Geschichte am Ende durch das Geständnis des Mörders auf.

Übrigens: Der Film Mindhunters aus dem Jahre 2004 ist eine Art Remake dieser Handlung: Angehende Profiler sind zu einem Übungswochenende auf eine einsame Insel eingeladen, die ansonsten eine Militärbasis ist. Einer nach dem anderen stirbt.. Den Film kann ich wärmstens empfehlen!

Für den Leser:
Der Leser ist gefordert. Ihm werden ein Problem und ein Haufen Verdächtiger vorgesetzt, und er muss langsam aber sicher, meist in Begleitung des Detektivs etc., das Verbrechen aufklären. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass der Mörder wieder zuschlägt. Der Leser muss mitdenken. Er kann gar nicht anders, er muss sich seine eigenen Gedanken darüber machen, wer der Mörder sein könnte.

Der Leser wird manchmal ärgerlich. Vielleicht denkt er, er hat den Mörder ganz sicher überführt. Dann ist ebendiese Person leider in der nächsten Szene auch schon tot und damit von der Liste der Verdächtigen gestrichen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass der Leser vom Autor ein wenig in die Irre geführt wird. Sonst wäre es ja auch zu einfach..

Der Leser wird verblüfft sein. Denn die Auflösung ist in den meisten Fällen wirklich überraschend. Nur weil man in Kapitel zwei den verschwundenen Handschuh übersehen hat, ist einem alles entgangen. Nur weil mein der Aussage von Person X geglaubt hat, hat man einen Sachverhalt nicht hinterfragt und den Mörder nicht selbst entwischt.

Die Auflösung schlüsselt das Verbrechen zumeist genau auf. Der Ermittler zeigt auf, wo die Hinweise waren. Man erfährt genau, was passiert ist. Warum es passiert ist, wie es passiert ist.. und einfach alles was man über das Verbrechen und die anderen Umstände wissen muss.

Für den Autor:
..ist diese Art des Krimis anscheinend ein echter Horror. Da ich ein großer Fan dieser Krimigattung bin, wollte ich natürlich meinen eigenen Krimi auf die gleiche Art gestalten. So schön, so gut. Neben den ganzen anderen Problemen des ersten Buches kam nun zusätzlich etwas, was ich komplett unterschützt hatte:

So einfach sich so ein Krimi auch liest, so einfach wird er nicht geschrieben. Man möchte den Leser wach und aufmerksam halten. Leider bedeutet das auch, dass jedes Detail stimmen muss. Man muss vor dem Schreiben schon sehr viel wissen. Möglichst die gesamte Handlung. Man muss eine Verdächtigen Liste haben, die auch etwas hergibt. Denn wenn nur einer der Verdächtigen ohne Alibi und mit Motiv ist, dann ist der Ratespaß nicht existent. Die gesamte Handlung muss stimmen, man muss sich selbst alles merken. Ich habe da nach einigen Startschwierigkeiten das Schreibjournal angelegt (s. mein Artikel zum Thema), damit ich jederzeit alle Kleinigkeiten nachschlagen kann.

Ich wusste von Anfang an, wer der Mörder sein soll. Aber ehrlich gesagt, wusste ich noch nicht alle Details. Manche habe ich vorher geplant, manche im Laufe der Geschichte entwickelt. Manche hatte ich geplant, ohne genau zu wissen wie sie sich am Schluss auflösen. Es ist so unglaublich anspruchsvoll, alle Details im Blick zu behalten und sich nicht zu verzetteln. Es muss bei der Auflösung Sinn machen. Alles. Sonst ist man als Leser enttäuscht. Da mein Buch noch nicht fertig ist, weiß ich von der Enttäuschung nur als Leser. Aber wenn man aufmerksam das Geschehen von Seite 1 bis zur vorletzten Seite verfolgt und sich Gedanken macht, nur um den Mörder zu entlarven, dann ist das ein Input, mit dem Erwartungen einhergehen. Wenn dann auf der letzten Seite ganz zufällig mit an den Haaren herbeigezogenen Gründen auf einmal jemand der Mörder ist, denn man überhaupt nicht kannte.. nun ja. Dann ist man enttäuscht. Wer so etwas machen will, sollte es richtig machen. Denn ich glaube nicht, dass enttäuschte Leser sich mit dem nächsten Buch beschäftigen werden..

Ein guter Rat kommt von der Queen of Crime, Agatha Christie selbst: Der Detektiv darf niemals mehr wissen als der Leser. Der Ermittler, wer auch immer das ist, sollte genau den gleichen Wissensstand haben wie der Leser. Wenn der Leser nicht die gleichen Chancen hat, ist er auch enttäuscht.

Beispiel: Der Leser rätselt sich das Hirn in Schieflage, und dann kommt die Auflösung: „ Der Mörder ist XY, denn wie ich in einem Telefongespräch erfuhr, welches ich leider vergessen habe zu erwähnen, ist er der Alleinerbe von Opfer Y und X.“ Dieses Telefongespräch sollte es lieber nicht geben, oder der Leser bekommt es auch mit. Sonst gibt’s Ärger!

WHODUNNIT

Das ein Detektiv besser ist als der Leser, ist dadurch nicht ausgeschlossen. Christies berühmte Figur Hercule Poirot beispielsweise ist ein scharfsinniger, eigener und auch arroganter Detektiv. Sein Gehilfe ist eher von schlichter und gutgläubiger Natur. Der Gehilfe (die Bücher sind aus seiner Perspektive geschrieben) ist also exakt auf dem Stand des Lesers, kann die Hinweise und Aussagen nur nicht so gut einordnen wie der große Meister Poirot. So ist der Detektiv zwar viel besser als der Leser, aber trotzdem erreicht er es mit dem gleichen Wissensstand. Das ist eine gute Sache! :yes:

Fazit: Ich liebe Krimis, in denen man aktiv an der Suche nach dem Mörder beteiligt wird. Es hält die kleinen grauen Zellen, wie Poirot sagen würde, einfach fit. Man lernt mit jeder Story dazu, man lässt sich bald nicht mehr so täuschen, man hinterfragt Dinge selbstständig. Man denkt drüber nach, nachdem man das Buch weggelegt hat und auch während man liest. Es ist einfach aktiv. Natürlich wird man in die Irre geführt, aber wenn man dann mal was richtig geraten hat, dann ist die Freude groß. Auch wenn man nicht richtig geraten hat, dann ist die Freude über die gut konstruierte Geschichte groß- wenn diese gut gemacht ist. Wie gesagt, es liest sich leichter als es sich schreibt. Ich frage mich gerade jetzt, wo ich es selbst versuche nur eins: Wie hat Agatha Christie es geschafft, so viele so gut konstruierte Kriminalgeschichten aufs Papier zu bringen, wenn es doch so mühselig ist so etwas a) im Kopf zu erfinden und b) dann wirklich logisch und ohne Fehler niederzuschreiben?
Ich denke ich kann gar nicht so gut werden, wie meine Inspiration/ Idol Agatha Christie. Aber ich muss es versuchen. Denn Agatha Christie ist tot, Hercule Poirot auch.. Solche richtigen, klassischen whodunnit- Geschichten kommen einem heutzutage selten unters Auge.

Ein paar Leseempfehlungen von mir zu diesem Thema:

ALLES von Agatha Christie, besonders: Alibi, Und dann gabs keines mehr, Morphium, Tod in den Wolken. Sherlock Holmes (nicht komplett abgegrenztes Gebiet + Verdächtige, aber sehr gute Kombinationsgabe! Auch in den neuen Verfilmungen/der neuen Serie sehr sehenswert!

Dann beispielsweise auch noch eher unbekannte Werke: Silvia Roth; Blut von deinem Blute oder Elizabeth Becka; Verletzt. Bei beiden Büchern gibt es sehr wenige Verdächtige, diese Charaktere sind aber sehr gut gezeichnet und es ist wirklich spannend.

Ich hoffe ich habe geholfen, oder euch eine neue Art des Krimis nähergebracht. Wer soetwas noch nie gelesen hat, sollte es einmal versuchen! Ich freue mich über Feedback, vor allem auch Leseempfehlungen oder sonstige Ideen.

Danke fürs Lesen und viel Spaß beim Schreiben und/oder Lesen,
Eure Tipperin