Rezension: Todesmärchen von Andreas Gruber

todesmarchenIm dritten gemeinsamen Fall ermitteln Sabine Nemez und ihr Mentor Maarten S. Sneijder nun als Team. Und da kommt es gleich ganz Dicke: Zunächst geht es nach Bern, denn dort wurde eine alte Bekannte von Sneijder brutal ermordet und den Ermittlern kunstvoll und bizarr präsentiert. Und das war nicht der einzige Mord in dieser Serie, bald können sich die beiden Profiler vor Arbeit nicht mehr retten.
Zur gleichen Zeit folgt der Leser der jungen Psychologin Hannah, die in einem Gefängnis für abnorme Rechtsbrecher auf ein tödliches Geheimnis stößt. Auch ihre Vorgängerin scheint hinter das Geheimnis gekommen zu sein, denn sie konnte die von der Außenwelt abgeschiedene Insel nur im Leichensack verlassen. Was geht in dem Gefängnis vor? Und was ist eigentlich mit dem hochintelligenten „Patienten“ Piet van Loon los? Maarten S. Sneijder brachte ihn einst hinter Gittern, und schon bald gibt es eine Verbindung des Falles van Loon und der aktuellen Serie..

Stil, Machart, Meinung
Andreas Gruber hat sich bei mir im letzten Jahr tatsächlich ganz nach oben auf die Liste meiner Lieblingsautoren geschrieben. Ganz platt gesagt: Er hat es einfach drauf! Der Schreibstil ist fluffig und spannend gleichzeitig. Die Balance für Szenenwechsel, Beschreibungen und Spannung ist hervorragend und ich hatte noch nie den Wunsch, einen Thriller von ihm zur Seite zu legen. Auch der Wechsel zwischen Szenen aus der Vergangenheit und Gegenwart sowie der Ortswechsel ist immer gut gemacht und nicht verwirrend. Klar, die Thriller sind definitiv nichts für schwache Nerven und es gibt einige Bilder im Kopf, die man sich so eigentlich nie vorstellen wollte. Auch der Plot und die Auflösung sind super gelungen.
Eine besondere Erwähnung müssen die beiden Hauptpersonen dieser Reihe finden: Sabine Nemez, talentierte, mutige Anfängerin und wohl eine der wenigen Menschen, die ihren sehr speziellen Ausbilder halbwegs ertragen kann. Besagter Ausbilder Sneijder, nun sogar ihr Partner, ist eine sehr interessante Person. Von den meisten verhasst, oft unhöflich und direkt, sieht man ihn durch die Augen seines „Eichkätzchens“ Sabine Nemez doch als guten und genialen Menschen. Diese Kombination ist sehr gelungen!
Wie man liest bin ich voller Lob für diesen Thriller, ich habe nur ein klitzekleines Manko: Die Verbindung der Morde untereinander wird für den Leser viel zu schnell klar, da Titel und Cover ja plakativ mit dem Zaunpfahl winken.. Ich finde beides gelungen und vielleicht war das ja auch so gedacht, aber irgendwie habe ich in keine andere Richtung mehr gedacht, weil es ja von Anfang an irgendwie klar war.

Die Reihe
Dieses Buch ist das dritte Buch der Reihe um Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez. Ich habe den ersten Teil versäumt und war problemlos bei Band 2 „Todesurteil“ eingestiegen. Der erste Band heißt übrigens Todesfrist, ein gewisses Schema ist also zu erkennen. Wer noch nichts aus dieser Reihe gelesen hat und nach meiner Lobhudelei ganz heiß auf das Buch ist, der sollte unbedingt am Anfang beginnen und in der Reihenfolge Todesfrist, Todesurteil, Todesmärchen vorgehen. Man kann natürlich auch bei dem dritten Teil anfangen, versäumt aber einige Entwicklungen in den Beziehungen zueinander. Den zweiten Band konnte ich wie gesagt problemlos auch ohne das Vorwissen des ersten Bandes lesen. Beim dritten Band war ich trotzdem froh, das zweite vorher gelesen zu haben.

Fazit
Heute fällt mir nichts Neues ein, was ich aus der Lektüre des Buches gelernt habe. Wer lernen will, wie ein richtig guter Thriller geht, der kommt um die Lektüre dieser Reihe jedoch nicht herum. Ich gebe, mal wieder, begeisterte 5 Sterne. Mir fällt beim besten Willen kein Grund ein, warum ich einen Stern abziehen sollte und ich werde auch den vierten Band mit Begeisterung erwarten.

Hier gibts die Details zu Buch und Autor auf der Verlagsseite!

Eine weitere Rezension zur Reihe Pulaski/Meyers gibts hier

Rezension: Jules von Didier van Cauwelaert

julesIn diesem Roman geht es um Jules. Jules ist ein ganz besonderer Hund, denn er kümmert sich aufopferungsvoll um sein blindes Frauchen. Die Geschichte spielt in Frankreich. Als Hund und Frauchen am Flughafen die Bekanntschaft eines netten, genialen Verkäufers am Macarons-Stand machen, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Denn als das Frauchen plötzlich wieder sehen kann, ist Jules arbeitslos und wird depressiv. Als letzter Ausweg bleibt dann der nette Macaronsverkäufer, der überhaupt nicht begreift wie ihm geschieht, nach der Begegnung mit dem Frauchen allerdings nachhaltig angetan von ihr ist und sich so auf eine unglaublich lustige und interessante Reise mit dem Hund begibt.

Stil, Machart, Meinung
So heitere Liebesromane sind ja eigentlich nicht mein liebstes Genre. Ab und zu, wenn eine Story besonders außergewöhnlich, toll und vielversprechend klingt, dann lese ich jedoch sehr gern auch einmal so etwas „Seichtes“. Diese Story hier fand ich gleich super, denn ein arbeitsloser Blindenhund der depressiv wird und dann ganz clever in den Problemlösungs-Modus schaltet, das ist doch mal was! Eine gute Story gewinnt also schon einmal Leser, jetzt muss die Umsetzung auch passen..
..und die Umsetzung ist gelungen. Dieser Roman ist gleichzeitig schön, unterhaltsam, lustig und manchmal auch traurig. Die Handlung geht schnell voran, beschreibt oft ungewöhnliche und lustige Dinge und hält sich nie unnötig mit Geschwafel oder Beschreibungen auf. Man rast durch die Handlung, ist schnell durch und bleibt nach dem Lesen immer mit einem wohligen Gefühl zurück. Es gibt mehrere interessante Verbindungen von Menschen und viele Wendungen bzw. Entscheidungen überraschen. Die Botschaft der Geschichte ist brauchbar und positiv, es geht so in die Richtung „nicht aufgeben, anstrengen, und dann wird’s gut“ (da möchte ich jetzt nicht zu viel verraten, und keine Angst, auch das Ende überrascht).
Diese nette und lustige Geschichte informiert nebenbei sogar noch. Ich hatte vorher wenig Ahnung von Blindenhunden, ihrer Ausbildung und die daraus resultierenden Fähigkeiten. Auch die Forschungsgebiete des genialen aber abgebrannten Macarons- Verkäufers sind ganz interessant und waren Neuland für mich.
Ein Manko für mich sind tatsächlich manche Entscheidungen bzw. Entwicklungen, die irgendwie zu schnell gehen und im wahren Leben wohl eher nicht mal eben so spontan getroffen werden. Da war ich allerdings nachsichtig, denn davon lebt diese Geschichte, und die ist gut.Die zwei Hauptfiguren und ihre Probleme bzw. Lebensinhalte sind allerdings vergleichsweise vielfältig und man sollte vielleicht ein paar eigene Gedanken in die Geschichte investieren, damit manche Handlungen auch verständlich sind. Ein bisschen Empathie ist erforderlich, denn ich kann mir vorstellen, dass einige eine Hauptperson eventuell unsympathisch finden könnten oder Probleme mit einigen Verhaltensweisen haben. Ich finde das aber eigentlich ganz gut, denn ewig stereotype Charaktere ohne Ecken und Kanten sind ja auch langweilig..

Was lernen wir daraus?
Wenn man eine gute und außergewöhnliche Story hat, dann spricht man Leser an. Das ist nicht gerade die neueste Erkenntnis, aber ich möchte es mal erwähnt haben. Mich als Krimi- und Thrillerleser hat genau diese Story dazu getrieben, mal wieder einen Roman in die Hand zu nehmen, und die Entscheidung war goldrichtig. Wichtig ist dann natürlich auch die Umsetzung, und man sollte mit der Geschichte dann die geweckten Erwartungen auch erfüllen. Wenn das Buch mit Cover und Klappentext Humor verspricht und eine gähnend langweilige Geschichte ganz staubtrocken rübergebracht wird, dann hat man das Buch erst mal verkauft, aber für das zweite Buch keinen Leser gefunden oder viele schlechte Bewertungen im Netz der Netze.. Diese Erkenntnis ist natürlich auch nicht neu, genreunabhängig und doch so wichtig, dass man es nicht oft genug erwähnen kann.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der im realen Leben so natürlich aufkommende Humor beim Schreiben eines Buches oft unter großer Mühe aufkommen kann. Ich habe in meinem Krimi (und ja, da bin ich immer noch beim Selbstlektorat..) eine lustige Randfigur eingebaut und hatte viele tolle Ideen, an der Umsetzung haperte es aber gewaltig. Wenn man bemüht am PC sitzt und an der Geschichte schreibt, dann gibt’s diese unabsichtliche, zwanglose Komik nämlich nicht mal eben so am Fließband, finde ich. In diesem Buch klappt es ganz hervorragend, denn die Verständigung zwischen Hund und Mann auf ihrem Abenteuer hat so einige Tücken und oft grinst man beim Lesen so vor sich hin..

Zielgruppe
Wie es bei Liebesromanen so ist, sind es zunächst einmal Frauen. Es ist eine recht universelle Geschichte, die eigentlich überall gut ankommen sollte und auch mehrere Leserschichten ansprechen dürfte. Im Besonderen eignet sich dieses Buch aber natürlich, man ahnt es schon, für Hundebesitzer. Falls in naher Zukunft also eine Hundebesitzerin beschenkt werden sollte, ist diese Geschichte ein ganz heißer Geheimtipp.

Fazit
Locker, fluffig, rührend und mit keinen unnötigen Beschreibungen bietet dieses Buch ein schnelles und heiteres Abenteuer von einem Mann und einem Hund, die eine ehemals blinde Frau suchen die sie beide begehren.. Es gibt einige Überraschungen und das Lesen lohnt sich. Diese Geschichte bleibt einem auch nach dem Lesen irgendwie im Kopf und bringt einem auch einige neue Themen nahe. Ich habe oft geschmunzelt und hatte das Buch fix durch.Ich gebe „Jules“ 4 Sterne und empfehle diesen Roman gern weiter.
Hier gibt’s die Details zu Buch und Autor auf der Verlangsseite.

Rezension: Der Todeszauberer -Vincent Kliesch

todeszauberer-klieschDer Todeszauberer verblüfft seine Opfer schon sehr lange mit einem Zaubertrick, der –wie der Name Todeszauberer es vermuten lässt- tödliche Folgen hat. Bereits 17 Frauen hat er brutal verzaubert, die Gemeinsamkeit der Morde ist ein Schlag gegen die Schläfe. Doch dann macht der Killer einen Fehler: Er schlägt in Berlin zu und gerät an den Ermittler Julius Kern und seinen Erzfeind Tassilo Michaelis, ein Massenmörder den Kern nicht hinter Gittern bringen konnte und der ihm danach auch mal das Leben gerettet hat.. Und dann ist da noch die Ermittlerin aus München, die eine Gefahr auf privater Ebene darstellt.

Stil, Machart, Meinung
Dieses Buch ist mein drittes Buch von Vincent Kliesch und das zweite in der Serie um Julius Kern und seinem Widersacher Tassilo Michaelis. Es gibt stilistisch wenig Überraschungen im Vergleich zu den Vorgängern: Rasantes Tempo, flüssiger Schreibstil, gut balanciertes Berliner Lokalkolorit, gruselige Bilder im Kopf, langsam heranwachsende Zusammenhänge und ein furioses Finale. Meine Rezension zu dem ersten Band gibts hier:

Die Reinheit des Todes (Kern #1)
Trotzdem muss ich sagen, dass mich diese Geschichte irgendwie nicht ganz so begeistert hat wie die beiden anderen Bücher von Kliesch. Woran es liegt, weiß ich nicht. Ich kann nur vermuten, dass es etwas zu viel des Guten war, vielleicht auch ein paar Zufälle zu viel.
Jeder Thriller-Liebhaber dürfte mit diesem Buch trotzdem etwas anfangen können und ich kann mir nicht vorstellen, dass es da jemandem gibt dem es so gar nicht gefallen wird. Besonders gut ist, wie auch schon im Band davor, der Widersacher Tassilo. Seine Hilfe wird benötigt, er möchte einen Deal rausschlagen, was hat er vor? Ist er Hilfe oder Gefahr? Oder Beides? Ich mag diese dunkle Seite, mit der sich die Ermittler rumschlagen müssen, und bin gespannt wie das weitergeht. Genau deshalb werde ich auch das nächste Buch dieser Reihe lesen.

Was lernen wir daraus?
Wenn man so eine gute Konstellation wie Ermittler Kern und den Bösewicht Tassilo hat, dann ist das anscheinend schon die halbe Miete. Wie schon im ersten Band angesprochen, ist das eine Besonderheit die dem Leser lange im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr macht. Tassilo hat eine wirklich unglaublich schlimme Tat begangen, und das sehr brutal an mehreren Menschen gleichzeitig. Kern hat ihn überführt, aber nicht hinter Gittern bringen können. Seitdem macht Tassilo sogar noch eine Menge Geld mit seiner zweifelhaften Berühmtheit. Irgendwie ist er sehr interessiert an Kern, und hilft ihm in jedem Band – wenn teilweise auch eigennützig – bei der Ergreifung eines Serienmörders. Das ist einfach eine gute Ausgangslage und die merkwürdige Beziehung zwischen den beiden ist merkwürdig und gibt einiges her. Das braucht ja jetzt nicht jeder genauso machen, dann ist es schnell ein alter Hut. Bei Ethan Cross hat das Prinzip aber ja auch ähnlich geklappt.

Vielleicht findet man ja etwas ähnlich Merkwürdiges mit viel Potential.
Lokalkolorit ist nicht nur in den extra ausgewiesenen Regionalkrimis zu finden, sondern bereichert mit der richtigen Balance auch jeden anderen Krimi oder Thriller. Hier ist die Sache gut gelöst: Niemand stört sich an zu detaillierten regionalen Beschreibungen. Aber für Leute, die schon einmal in Berlin waren, gibt es manchmal so Aha-Momente wie „ach, da war ich schon!“ oder „typisch Berlin“. Dann bringt der Autor in diesem Band auch noch eine Münchenerin in die Szenerie, das frischt auf. Wer lesen will, wie man das Regionale gekonnt einbringt, der kann diesen Thriller zu Studienzwecken und Unterhaltung gleichzeitig lesen.

Fazit
Ein guter Thriller, der so fluffig und gut geschrieben ist, das man schnell durch ist und nie Langeweile aufkommt. Die Entwicklung des Entwicklers Kern und seinem Widersacher Tassilo und deren Beziehung zueinander sowie die Auswirkungen auf andere Beziehungen ist schon seit Band 1 super gemacht, und da muss man dann diesen zweiten Band auch lesen. Im Moment spielen viele gute Thriller in Berlin, und auch dieser hier greift die lokalen Gegebenheiten gut auf. Man kann also eigentlich nicht viel falsch machen, auch wenn mich die Story dieses Bandes+ die Aufklärung irgendwie nicht so 100% überzeugt haben. Trotzdem gibt´s knappe 4 Sterne und die Empfehlung, unbedingt mit Band 1 anzufangen!
Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

Hier gibt’s weitere gute Berlin – Thriller mit Leseempfehlung:

Der Augenblick des Todes – Vincent Kliesch

Endgültig – Andreas Pflüger

Bullet Schach – Ben Bauhaus (#1) und Killerverse von Ben Bauhaus (#2)

 

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson (Bergman #5)

Papierjunge Kristina OhlssonIn einer jüdischen Gemeinde in Stockholm passieren an einem Tag zwei unfassbare Verbrechen: Zuerst wird eine Erzieherin vor den Augen von Kindern und Eltern erschossen, wenige Stunden später verschwinden zwei Jungen auf dem Weg zum Tennistraining. Fredrika Bergmann und Alex Recht werden mit der Aufklärung der Verbrechen beauftragt, zeitgleich ist der neue Sicherheitschef der Gemeinde und ehemalige Kollege, Peder Rydh, hilfreich bei den Ermittlungen. Bald stoßen die Ermittler auf die israelische Legende des Papierjungen, der sich in der Dunkelheit Kinder holt. Als die beiden Jungen tot aufgefunden werden, sieht es so aus als sei der Papierjunge zum Leben erwacht.
Stil, Machart, Meinung
Dieser Thriller hier ist ein echter Thriller. Man bekommt genau das, was man erwartet. Dabei sind die Thrillerelemente gut verstrickt mit einer tiefgründigen Geschichte und den Perspektiven vieler Beteiligter. Ermittler, Opfer, Täter und viele in die Sache Verwickelte bekommen Raum für ihre Perspektive. Der Schreibstil ist nach meinem Empfinden genau richtig, nicht schnörkelig mit unnützen Informationen aber trotzdem tiefgründig und informativ, ohne zu langweilen. Die besonderen Perspektiven zeigen, wie ein Ereignis viele Menschen beeinflussen kann und macht dem Leser auch das Motiv des Papierjungen verständlich.
Es kommt von Anfang an Spannung auf und ich mochte das Buch zu keiner Zeit aus der Hand legen. Dazu tragen einerseits die Kapitel bei, die eine perfekte Länge (nicht zu lang) haben und mit fiesen Cliffhangern sowie düsteren Andeutungen enden. Andererseits spielt die Autorin unglaublich gekonnt mit dem Leser, indem sie die perfekte Balance zwischen den Informationen gefunden hat, die sie den Lesern häppchenweise hinwirft.
Eine für mich ganz neue Taktik der Autorin wirkt für mich unglaublich gut: Bereits zu Beginn des Buches kommt ein Teil vom Schluss. Im zweiten Kapitel, „Schluss. Fragment 1“ erfährt der Leser von einer Frau, die gleich ihre Familie tot zuhause auffinden wird. Immer mal wieder wird dem Leser zwischendurch ein Fragment des Schlusses schon vorher serviert, und von diesem kleinen Kapitel gingen eine Menge Emotionen aus – zumindest war es bei mir so. Man bekommt in den anderen Kapiteln Hinweise und hat bald zwei Frauen im Sinn, von denen es wohl eine schwer treffen wird. Wer von beiden, das weiß man dann erst am Schluss.. dem richtigen Schluss dieses Mal. Und allein dieser Teil der Geschichte hat mich so unglaublich gefesselt und mit den kleinen Hinweisen zwischendurch auch wirklich beschäftigt. Eine neue, tolle Idee. Gekonnt umgesetzt.
Gefallen hat mir auch der Bezug zu Israel, das war eine für mich recht neue Welt und sehr interessant. Denn als drei Menschen einer jüdischen Gemeinde in Stockholm an einem Tag sterben, stellt sich die Frage ob es ein Hate Crime (Verbrechen aus Fremdenhass) oder etwas Persönliches war.
Die Reihe
Wie so oft in letzter Zeit ließ ich mich bei der Wahl des Buches von den „äußeren Faktoren“ (Cover, Teaser) leiten und musste dieses Buch einfach lesen. Als ich dann feststellte, dass dieser Band der 5. Band der Reihe um Fredrika Bergmann ist, war ich nicht abgeschreckt. Das Buch ist natürlich am besten, wenn man es auch wirklich nach den Vorgängern liest – da besteht kein Zweifel. Bei Reihen geht es ja immer auch um die Entwicklung der Charaktere, und bei so verschiedenen, vielschichtigen Ermittlerin ist Vorwissen sicher interessant. Trotzdem kann man dieses Buch problemlos auch ohne jegliches Vorwissen lesen. Gewisse Ereignisse aus der Vergangenheit werden angedeutet, und es klingt definitiv sehr interessant. Ich überlege, die anderen Teile nun auch zu lesen.
Was lernen wir daraus?
Ich habe diese neue, unglaublich gute Idee kennengelernt, die ich schon oben angesprochen habe. In Ansätzen war mir das schon über den Weg gelaufen, manchmal ist es einfach sehr gut für die Geschichte, wenn der Leser schon ganz am Anfang einen kleinen Vorgeschmack auf den Schluss bekommt. Ich erinnere mich da beispielsweise an „Totenhaus“, dort erfährt man gleich am Anfang das die Hauptperson irgendwann im Laufe der Geschichte mal irgendwo eingesperrt wird und zu verdursten droht. Hier ist das allerdings noch viel beser umgesetzt. Man nehme eines der grausamsten Szenarios, das man sich so vorstellen kann und lasse eine glückliche Frau auf dem Weg nach Hause sein, wo sie in genau das Szenario geraten wird. Und man gebe dem rätselnden Leser zwei Frauen, die diese Frau sein können. Dann werfe man über das (dicke) Buch hin immer mal wieder ein paar Hinweise in die Szenen herein.. schon hat man den Leser gefesselt. Natürlich ist das nicht so einfach, denn die beiden Frauen und das Schicksal der Familie wurden hier sehr gut in die Handlung eingebunden. Dieser Kniff hat mich als Leserin wirklich gekriegt und als Schreibende sehr beeindruckt. Es lässt sich allerdings nicht mal eben so in Geschichten einbinden, da muss schon alles passen.
Fazit
Ich vergebe, man ahnte es wohl schon, 5 Sterne. Ein fluffiger Schreibstil, ein zu jeder Zeit spannender Thriller mit Elementen eines Romans. Stockholm, Israel, Gegenwart, Vergangenheit, viele Betroffene Familien, viele Ermittler mit unterschiedlichen Hintergründen, viele Wendungen, ein gut zusammengesponnener Plot, Überraschungen und Kniffe. Ich bin begeistert, werde mir den Namen Kristina Ohlsson weit oben auf meiner To-Read-List notieren und empfehle sie sehr gern weiter!

PS: Hier gibt´s die Infos zum Buch auf der Verlagsseite, inklusive Informationen zu der Reihe (und Reihenfolge) und weiteren interessanten Sachen.

Rezension: Die Schattenbucht von Eric Berg (2016)

Schattenbucht Eric BergEine Frau springt ohne ersichtlichen Grund vom Balkon ihres Hauses. Der Selbstmordversuch misslingt und so kommt Psychologin Ina Bartholdy ins Spiel. Sie ist die behandelnde Ärztin der Bäckereiinhaberin und kann sich das Verhalten ihrer Patientin nicht erklären. Als sie die entlassene Frau zu Hause besucht, kommt ihr das Verhalten des Ehemannes stutzig. Sie beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Diese werden durch ihre Tochter erschwert, die sich nach Jahren beim Exmann auf einmal bei der Mutter einquartiert und die Schule abbrechen will.
Ziemlich schnell wird klar, dass dramatische Vorfälle 14 Monate vor dem Selbstmordversuch nicht nur die Bäckerin sondern auch viele andere Leute in eine sehr heikle Situation gebracht haben. Denn es hatte sich eine Gruppe Menschen zusammengeschlossen, um etwas Kriminelles durchzuziehen..

Stil, Machart, Meinung
Wie man schon an meiner Inhaltsangabe erkennen kann, haben wir hier zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart ab dem Selbstmordversuch der Bäckersfrau, ab der dem Leser aus Sicht von Psychologin Ina Bartholdy die Ereignisse geschildert werden. Dann gibt es abwechselnd die Zeitebene „vor 14 Monaten“, die dem Leser nicht nur einen Wissensvorsprung gibt sondern auch viele Dinge schon erklärt.
Trotz der zwei Ebenen und dem Wissensvorsprung fragt man sich dann trotzdem immer noch so einiges, denn viele Fragen bleiben bis zum Schluss unbeantwortet. Die Mischung finde ich gelungen, es wird nicht neugierig und man gewinnt immer wieder neue Erkenntnisse und Zusammenhänge werden klar. Geschickte Cliffhanger am Ende und ein immer unheilvolleres Geschehen sorgen dafür, dass man das Buch schnell – und ohne Langeweile- gelesen hat.
Die Fragen, die sich aus dem Teaser auf der Buchrückseite ergeben, werden übrigens recht schnell geklärt. Deshalb kann ich hier mit weiterem Inhalt nicht spoilern, es würde einfach zu viel verraten..
Die Erzählweise ist erfrischend fluffig und locker, einige Gedankengänge und Dialoge sind humorvoll und die Mischung finde ich insgesamt sehr gelungen. Es gibt auch sehr schöne Sätze die ganz allgemeine Beobachtungen sehr schön umschreiben und das Potential zu erfolgreichen Zitaten haben, die im Zeitalter des Internets ja auf vielen Plattformen gern geteilt werden. Beispielsweise mein Favorit:

„Für den Bäcker war Literatur etwas Ähnliches wie ein Opossum: zwar wusste er, dass es existierte, aber er hatte weder je eines zu Gesicht bekommen noch die geringste Ahnung, wozu es überhaupt gut war“(S. 42)

Eine weitere Besonderheit ist, dass in diesem Buch irgendwie so ganz herrlich normale Charaktere in der genau richtigen Intensität gezeichnet wurden. Kein grandioser Gegenspieler gegen einen hochintelligenten oder höchstmerkwürdigen Kommissar, sondern einfach eine Geschichte mit vielen Menschen die blöde Fehler begehen, Probleme haben und überhaupt die Erkenntnis: Man sollte kriminelle Ideen wohl eher nicht in einer größeren Gruppe umsetzen, denn da kann an jeder Ecke etwas schiefgehen. Der Autor wirft hier auch einige moralische Fragen auf, ich habe an mehreren Stellen gedacht: „Was hätte ich da jetzt gemacht?“.

Fazit
Nachdem mir kein neuer Punkt zum Thema „was lernen wir daraus?“ einfällt und ich mich auch nicht wiederholen möchte, geht’s gleich zum Fazit. Ich vergebe gute 4 von 5 Sternen und werde mit Sicherheit ein weiteres Buch von Eric Berg lesen, der mich besonders mit der Schreibweise und dem Plot überzeugt hat. Die Schattenbucht ist das dritte Buch von Eric Berg, es scheint sich nicht um eine Reihe zu handeln und kann ohne Vorkenntnisse als ganze Geschichte gelesen werden. Ich empfehle es vor allem Fans von Kriminalromanen und Psychothrillern, kann es auf Grund der moralischen Fragestellungen und der vielen liebevoll gestalteten Charaktere aber auch einem Großteil von Romanlesern empfehlen, wenn das Thema denn Interesse weckt.

Details zum Buch gibt es hier!

Rezension: Zeit zum Sterben von Mark Billingham (Tom Thorne #13)

Mark Billingham Zeit zum SterbenMark Billingham, Tom Thorne.. ich hatte diese Namen wohl schon einmal gehört, aber noch nie etwas von Mark Billingham und über Tom Thorne gelesen. Mal wieder versuchte ich mich spontan an einem Quereinstieg an diese schon sehr etablierte Reihe, die laut Wikipedia mit „Zeit zum Sterben“ in die 13. Runde geht und mehrfach ausgezeichnet und von BBC verfilmt wurde.

Der Inhalt
Tom Thorne und seine Freundin Helen sind eigentlich gerade im Urlaub, als Helen in den Nachrichten über 2 vermisste Mädchen in einem kleinen englischen Dorf ihre Jugendfreundin als die Frau des mutmaßlichen Täters erkennt. Thorne hat wenig Lust, fährt aber mit. Helen steht sofort ihrer Jugendfreundin bei, die nach der dramatischen Festnahme ihres Mannes mit ihren zwei Kindern aus erster Ehe von der Polizei in einem Haus vor dem großen öffentlichen Interesse geschützt wird. Während seine Freundin sich um ihre alte Schulfreundin kümmert, muss Thorne die Zeit totschlagen und sucht den Mörder auf eigene Faust. Dabei kommt er der örtlichen Polizei in die Quere, die von seiner Hilfe nicht so begeistert ist. Als dann eine Leiche gefunden wird, sinkt die Hoffnung auf das Überleben des zweiten vermissten Mädchens – und die Zeit rennt..

Stil, Machart, Meinung
Zunächst einmal: Dieses Buch ist mit seinen 556 Seiten ein echter Schinken. Die Handlung an sich könnte man mit Sicherheit auch wesentlich kürzer erzählen, einiges ist etwas langatmig und es fließen viele Erzählstänge, Perspektiven und auch gesellschaftskritische Passagen mit ein. Der Erzählstil ist definitiv ausschmückend, aber nicht nervig oder überdramatisiert. Es passt im Gesamtbild alles gut zusammen, aber man muss sich auf dieses weit gesponnene Netz mit all ihren Perspektiven einlassen können. Ich hatte am Anfang etwas Probleme mit dem Einstieg und hätte auf einige Dinge verzichten können, fand den Plot am Ende jedoch sehr unterhaltsam, interessant und die Geschehnisse dann auch fesselnd.
Was das jetzt ein Thriller? Jein. Für mich ist ein Thriller zwar wie genau hier unter anderem auch eine Jagd nach einem Täter im Wettlauf gegen die Zeit, aber diese Geschichte hier kann auch ganz gut als Kriminalroman durchgehen. Ich als Agatha Christie- Fan freute mich besonders über das kleine Dorf, in dem die Geschichte spielt. Denn man hat hier eine kleine Gemeinschaft an Menschen, die einander kennen, gern tratschen und natürlich auch jeder ihre eigenen kleinen Probleme haben. Schnell wird klar, dass – sollte der Mann von Helens Freundin nicht der Täter sein- eine andere Person aus dem Umfeld des Dorfes für die Entführungen und den Mord verantwortlich sein muss. Whodunnit steht auf der Tagesordnung des Lesers, es geht also auch locker als Krimi durch. Noch dazu schimmert eine Menge Gesellschaftskritik durch die Zeilen und die intensive Beschäftigung mit vielen Charakteren verleiht dem ganzen auch etwas von einem Roman..
Der Autor hat sich Zeit gelassen, seine Figuren und den Plot wirken zu lassen. Er beschreibt viele Kleinigkeiten, von denen Einige wichtig sind und eine nur der intensiveren Beschreibung dienen. Besonders gelungen finde ich die verschiedenen Perspektiven, aus deren Sicht der Leser die Handlung aus mehreren wichtigen Blickwinkeln erfährt. Es gibt natürlich hauptsächlich Tom Thorne und Freundin Helen, aber auch das Opfer, den Täter und beispielsweise die zwei Stiefkinder des Verdächtigen als Perspektive. Billingham hat das gut gelöst und ausgewogen berichtet, der Leser tappt bis zum Ende im Dunkeln und kann sich selbst doch einiges zusammenreimen und hat am Ende sicherlich einige Verdächtige Dorfbewohner genauer im Visier..

Die Reihe
Wie schon berichtet ist „Zeit zum Sterben“ Teil 13 der weltweit etablierten Reihe. Natürlich empfiehlt es sich bei Reihen immer, am Anfang zu beginnen und so die Entwicklung der Personen etc. zu verfolgen. Trotzdem hat es mich hier nicht gestört, diese Geschichte unabhängig von der Reihe zu lesen. Man erfährt schon, dass es in der Vergangenheit ein schlimmes Ereignis auf einer Insel gegeben haben muss, ist als Quereinsteiger allerdings nicht voll informiert und wird so wohl zu den vorherigen Bänden gelockt. Trotzdem ist es für die eigentliche Geschichte unerheblich, ob man die Vergangenheit der Ermittler kennt. Einzig und allein die Person Helen wirkt hier relativ launisch und unsympathisch und ist sicherlich im Gesamtzusammenhang der Reihe netter als gedacht..

Was lernen wir daraus?
Man kann ein Buch sehr ausschmückend und detailliert schreiben, ohne Leser bis zum Ende hin zu verlieren. Dafür braucht man natürlich einen interessanten Fall mit vielen offenen Fragen und interessanten Personen, eine gute Schreibe und eventuell auch eine treue Fangemeinde. Trotzdem muss man sich als Autor auch überlegen, ob all die vielen Details zur Beschreibung von Personen und Geschehen auch wirklich notwendig sind. Ich lese ja lieber kurz und knackig, und so schreibe ich auch. Agatha Christie beispielsweise kommt bei ihren Verbrechen bei dem gleichen aufwendigen Plot und vielen Verdächtigen auf 1/5 der Seiten – und ich kann mir als Leser bei ihr jederzeit alles hervorragend vorstellen, weil sie einfach sehr treffend und anschaulich beschreiben konnte.
Perspektiven. Wie schon so oft aus der Lektüre gelernt, können verschiedene Perspektiven in der Erzählung bei der richtigen Anwendung unheimlich gut wirken. Dabei muss der Autor genau wissen, womit er den Leser fesselt und auf welchem Wissensstand er ihn gelangen lässt. Hier ist es gut gelungen.

Fazit

Ich gebe dem Buch noch knappe 4 Sterne. Für einen Thriller, der mir ja auf dem Cover versprochen wird, fand ich es zu langsam und zu vielschichtig erzählt. Als Krimiliebhaber war ich mit dem Dorf und verschiedenen Verdächtigen gut bedient, hätte es jedoch etwas wenig ausführlicher noch besser gefunden. Gelungen fand ich das zusätzliche Element der Kritik an einigen Facetten der menschlichen Natur (ich sage nur: Sensationsgeilheit..). Man ist gut unterhalten, wenn man sich auf die vielen Personen einlässt und sich auch eigene Gedanken macht, und am Ende hat man dann auch noch ein paar Muskeln mehr um die Handgelenke, weil man das schwere Buch dann doch ganz schön lange gehalten hat. Wer allerdings nur auf Action, Blutrünstiges und Leichenberge steht, der ist hier wohl an der falschen Stelle.

Informationen über den Autor und Details zum Buch gibt’s auf der Verlagsseite, einfach auf diesen Link klicken.

Rezension: Dark Memories – Nichts ist je vergessen von Wendy Walker

Dark MemoriesDas Buch beginnt mit der unvorstellbar brutalen Vergewaltigung von Jenny. Als sie danach ins Krankenhaus kommt, müssen die schockierten Eltern eine wichtige Entscheidung treffen: Soll Jennys Erinnerung an die Vergewaltigung mit einem Medikament ausgelöscht werden?
Die beiden Eltern gehen sehr unterschiedlich mit der Situation um, entscheiden sich dann jedoch gemeinsam dafür, die Erinnerung ihrer Tochter an die wohl schlimmste Nacht ihres Lebens zu löschen. Die Folgen der Vergewaltigung machen nicht nur Jennys Leben zur Hölle, sondern auch das Leben ihrer Familie. Als klar wird, dass Jenny nur mit der Erinnerung an die schlimmen Dinge ihre Gefühle verarbeiten kann, begibt sich die Familie in die Behandlung von Doktor Alan Forrester. Dieser gerät selbst immer tiefer in die Therapie und steht bald vor einer wichtigen Entscheidung..

Stil, Machart, Meinung
Zunächst möchte ich die wichtige Frage klären, was man von diesem Buch erwarten kann. Denn die angepriesenen Genres haben mich und einige andere Leser etwas getäuscht. Auf dem Taschenbuch selbst findet sich die Bezeichnung „Roman“. Das mitgelieferte Lesezeichen spricht vom „Thriller des Jahres“ und auch ein gelber Sticker auf einer Abbildung des Covers im Internet versprach „Thriller“. Schon vor dem Lesen fand ich das etwas merkwürdig. Als dann die erste Hälfte des Buches auch wirklich nur auf der Couch des Therapeuten stattfand und nur die Auswirkungen der Vergewaltigung auf die gesamte Familie und sogar die Stadt beschrieb, war ich schon recht gelangweilt. Thriller war das überhaupt nicht. Und dann passierte etwas, was alles änderte. Auf einmal wurde es sehr spannend, einfach nur auf Grund einer Entdeckung die den Therapeuten in eine heikle Lage bringt. Nun wird es interessant, eine neue Dynamik kommt in die Geschichte. Es wird etwas mehr Thriller, Psychothriller. Alle Informationen die mich am Anfang langweilten, machten jetzt Sinn und wurden irgendwie gebraucht. Daher an alle, die mit dem Gedanken spielen, dieses Buch abzubrechen: die zweite Hälfte wird super, durchhalten!
Die Erzählweise ist sehr interessant. Der Ich-Erzähler ist der Therapeut Alan, der auch einfach eine sehr gute Perspektive in der Geschichte einnimmt. Er erfährt in seinen Sitzungen von Jenny, ihren Eltern und auch einem weiteren Patienten mit ähnlichem Problem alles, was man wissen muss. Nebenbei hat er einen guten Draht zu dem ermittelnden Detective und sein Privatleben spielt auch eine Rolle. Ich mag diese Idee, dass ein Problem von verschiedenen Personen ganz unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet wird. Die haben dann auch alle noch ihre eigenen Probleme.
Interessant ist auch die Aufmachung der Dialoge. Davon gibt es natürlich verhältnismäßig viel, denn die Handlung spielt, wie schon gesagt, zu 90% auf der Couch des Therapeuten. Ein Großteil der Geschehnisse wird dem Leser über die Dialoge vermittelt. Und so gibt es kein ständiges „er sagte“ und „sie sagte“, sondern einmal die Erzählung des Therapeuten und dann die Erzählungen bzw. Aussagen in den Dialogen der anderen Personen in kursiv. Ich finde das mal was neues, musste mich nur kurz dran gewöhnen und finde diese Lösung für den großen Anteil von Dialogen an der Geschichte eine sehr gute Idee. Die Umsetzung gefällt mir , wobei ich mir auch vorstellen kann das einige Leser sich daran vielleicht stören werden.
Der Thriller, der nicht so ganz einer ist, bekommt durch die Geschehnisse noch ein paar Krimi-Elemente dazu (wer ist der Vergewaltiger?) und beschreibt wie ein Roman anschaulich und (zu?) ausführlich die Auswirkungen einer Vergewaltigung auf eine Familie. Ab der Hälfte ist es dann ein Psychothriller..

Was lernen wir daraus?
Ich lese schon lange und auch recht viel, und ich muss sagen das mir in letzter Zeit  auffällt, wie mich eine Genrebezeichnung in die Irre führen kann. Daher möchte ich noch einmal betonen, dass man ein Buch so gestalten und betiteln sollte, dass der Leser weiß, was ihn beim Lesen erwartet. Cover, Genrebezeichnung, Klappentext, alles sollte natürlich neugierig machen und verkauft ein Buch. Aber es sollte auch realistische Erwartungen schüren. Denn wenn ein passionierter Thriller-Leser in einem ausführlichen Gewirr aus Gesprächen das Interesse verliert, dann bricht er vielleicht ab. Oder er hat eine schlechte Meinung vom Buch. Vielleicht gibt es schlechte Bewertungen und sicherlich keine positiven Empfehlungen an andere potentielle Leser. Manche lesen vielleicht gern seichte Romane und sind dann schon bei der brutalen Vergewaltigung am Anfang abgeschreckt. Ich als Leser möchte durch Titel, Cover und Klappentext herausfinden, ob das Buch etwas für mich ist. Ich war in der ersten Hälfte auch kurz davor, abzubrechen. Aber ein paar unheilvolle Andeutungen hier und da und tatsächlich auch die positive Kritik von Karin Slaughter auf der Rückseite haben mich bei der Stange gehalten, da ja noch etwas grandioses kommen musste..
Eine weitere Lektion: Man kann ruhig auch mal mit den traditionellen Regeln brechen, wenn es der Geschichte förderlich ist. Hier gibt es so viele Dialoge, dass ständige wörtliche Rede meiner Meinung nach sehr ermüdend wäre. Und die oben schon beschriebene Lösung der Autorin finde ich genial gewählt. Natürlich wird es aber immer Leser geben, die mit einer so neuen Beschreibung von Dialogen ihre Probleme haben werden. Hier muss man noch einmal über die Zielgruppe nachdenken, ich finde neue Ideen in dieser Beziehung erfrischend.

Fazit
Dark Memories scheint erfolgreich zu sein bzw gemacht werden sollen. Es wird anscheinend in 17 Ländern erscheinen und von Hollywood sogar verfilmt. Ich habe mich zwar durch die langweilige erste Hälfte gekämpft, war aber ab circa der Hälfte des Buches von einer ganz neuen Entwicklung total gefesselt und fand die weiteren Handlungen sehr spannend und interessant. Ein Buch, welches zur Hälfte langweilt, finde ich jedoch nicht gut. Hier muss ich jedoch anmerken, dass alle Informationen aus der ersten Hälfte die Handlungen und Gefühle der Personen in der zweiten Hälfte erklären. Die Einführung ist irgendwie nötig, um die sich überschlagenden Ereignisse so dramatisch einzuleiten. Da ich neben Krimi und Thriller gern auch mal einen Roman lese und die Schreibweise und der Plot mir gefielen, so vergebe ich dann doch noch knappe 4 Sterne. Als Hollywood – Film wird sich die Geschichte sicherlich auch gut machen, da muss sie ja von Anfang an Fahrt aufnehmen..
Wer knallharte Action, ein ab der ersten Seite fesselndes Buch oder auch eine Menge Mord und Totschlag erwartet, der sollte vielleicht ein anderes Buch zur Hand nehmen. Wer gern Psychothriller, Krimi, und Romane liest und sich auf die Geschwindigkeiten der Geschichte einstellen kann, der wird hier eine interessante Geschichte lesen, die wirklich auch mal etwas anderes ist.

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Rezension: Die Falle von Melanie Raabe

Die Falle Melanie RaabeZu schreiben, dass die Bestsellerautorin Linda Conrads zurückgezogen lebt, wäre untertrieben. Denn seit vor 11 Jahren ihre Schwester ermordet wurde, hat sie ihr Haus nicht mehr verlassen. Linda schreibt Liebesromane und hat sich ihr Leben in ihrem netten Gefängnis mit ihrem Hund und einer Haushaltshilfe so nett wie möglich eingerichtet. Bis sie dann eines Tages im Fernsehen den Mann sieht, der ihre Schwester ermordet hat. Denn in der Tatnacht hatte sie den Mörder direkt nach dem Mord in der Wohnung der Schwester überrascht und das Gesicht natürlich nie vergessen.
Nach dem großen Schock macht sie sich nun daran, eine gut durchdachte und für sie sichere Falle zu stellen. Und der Köder ist sie selbst. Denn sie beschließt, ein Buch über den Mord zu schreiben, damit sie den Täter überführen kann. Ob alles genau so klappt wie geplant, ob der Mann wirklich der Mörder ist, ob ihre Erinnerung an die Tatnacht sie in die Irre führt und ob sie vielleicht doch ihr Haus verlassen muss, dass verrät das Buch und wird hier selbstverständlich nicht gespoilert!

Stil, Machart, Meinung
Melanie Raabe schreibt zwar fluffig, lässt aber auch viele Details einfließen. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen sicherlich, dass ich kein großer Fan von Gelaber und gewollt kunstvollen und literarisch anspruchsvollem Schreibstil bin (man siehe nur eine der letzten Rezensionen: Friedrich Ani – der namenlose Tag). Dieser Schreibstil hier ist zwar ausführlich, stört mich aber nicht. Denn auch die Sätze, die nicht zwingend die Handlung vorantreiben, haben das gewisse Etwas. Ich mag die Schreibweise, denn sie ist frisch, schön und interessant.
Neben der Schreibweise ist für diese Geschichte wichtig, wie die Autorin auch den Leser in die Falle lockt und so Fragen aufwirft, die nach und nach beantwortet werden. Es ist nicht so, dass man jetzt vor Spannung umkommt oder dass die Welt untergeht, wenn der Killer nicht schnellstmöglich gefasst wird. Aber mit der intensiven Perspektive der Hauptdarstellerin wird der Plan zur Überführung des Mörders natürlich wichtig, und es wird psychologisch auch wirklich interessant und spannend.
Erwähnenswert ist auch, dass es in diesem Buch ein „Buch im Buch“ gibt. Denn die Hauptperson ist ja Autorin und versucht, den Killer mit ihrem neusten Buch in die Falle zu locken. Dafür schreibt sie „mal eben“ ein Buch und schildert darin den Mord, beschreibt ihre Schwester und man erfährt auch, wie sie selbst versuchte zu ermitteln und dann in ihrem Haus endete und nie mehr rauskam. Das Buch im Buch ist nicht komplett im Buch, sondern nur wichtige Ausschnitte.
Mir stellt sich die Frage, in welches Genre man diese Geschichte einordnen kann. Merkwürdigerweise steht auf dem Cover der gebundenen Ausgabe (s. hier) Roman, auf meiner Taschenbuchausgabe (s. Foto oben) jedoch Thriller. Was davon eher zutrifft, vermag ich nicht zu sagen. Für einen Roman geht es zu sehr in Richtung Krimi und Thriller. Ein Krimi hat für mich vor allem das Hauptthema „wer ist denn nun der Täter?“ und ein Thriller eher „wir jagen den Täter und es ist ein Wettlauf mit der Zeit“. Da mir die Unterscheidung sehr oft schwer fällt, einfach weil sie für mich auch sehr oft verwischt, möchte ich mich hier nicht festlegen. Es ist zunächst einmal ein Roman, indem eine Autorin ein Buch schreibt und ihre Erinnerung verarbeitet, von der sie sich auch nicht so 100%ig sicher ist. Dann wird es aber auch etwas Krimi und etwas Thriller, denn die Frage nach dem Mörder steht ebenso im Vordergrund wie das Katz- und Maus- Spiel. Wenn Thriller auf dem Buch steht, würde ich allerdings sagen, dass „Psychothriller“ es doch eher trifft. Mir ist es im Endeffekt egal, denn ich mag die Geschichte und ihre vielschichtigen Komponenten – auch ohne einen exakten Stempel aufdrücken zu können (und zu wollen).

Was lernen wir daraus? 
Man braucht nicht viel Action und eine Verfolgungsjagd nach der anderen – ein guter Thriller kann, wenn man es drauf hat, auch mit einem guten Plot und einer Hauptperson und ihrem Gegenspieler super auskommen. Es sind nicht mal viele Schauplätze nötig, in dieser Geschichte reicht eine Autorin aus, die ihr Haus nicht verlässt. Hier geht es um einen Mord in der Vergangenheit, den Auswirkungen dieses Mordes und einen perfiden Plan zur Ergreifung des Mörders.
Dieses Buch hat wieder einmal eines gezeigt: Wenn eine Person etwas wahrnimmt, dann ist das manchmal trotzdem ganz anders. Die subjektive Wahrnehmung der einen Person muss nicht der Realität entsprechen. Wenn ein Autor aus der Perspektive einer Person den Leser allerdings dazu bekommt, dieser Wahrnehmung zu glauben, dann kann der Leser hervorragend aufs Glatteis geführt werden..

Fazit 
Dieser Thriller kommt mit einem minimalistischen Setting aus und lässt besonders der Hauptperson und der Falle für den Mörder ihrer Schwester sehr viel Raum. Die Schreibe ist etwas ausschweifend aber sehr schön, es gibt Überraschungen, Wendungen und ich wollte zu jeder Zeit wissen, was denn da nun los ist. Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Sternen und kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

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Rezension: Die Reinheit des Todes – Vincent Kliesch (Kern #1)

Die reinheit des Todes Vincent KlieschDer Putzteufel geht um! Leider nicht in meiner Wohnung, aber wenn man die mörderischen Nebenwirkungen der von ihm geschaffenen Reinheit bedenkt, dann ist das wohl auch ganz gut so. Denn der Kerl fängt erst an zu putzen, wenn er sein Opfer in der eigenen Wohnung getötet und nach eigenem Geschmack eingekleidet hat. Dann scheint er wirklich die ganze Nacht zu putzen. Und genau deshalb tappen die Ermittler schon länger im Dunkeln, es gibt einfach keinerlei verwertbare Spuren. Kommissar Kern wird ins Team gerufen, um frischen Wind in die Ermittlung zu bringen. Er hat allerdings auch einen kleinen Knacks von seiner letzten großen Ermittlung davon getragen, in der er einen fünffachen Mörder zwar aufspüren konnte – eine Verurteilung aber nicht gelang. Nun muss er zu alter Form zurückfinden und den Putzteufel finden. Nebenbei muss er sich dann auch noch seinem Gegenspieler stellen..

Stil, Machart, Meinung
Dieser Thriller steigt nicht bei Mord Nummer 1 ein, sondern gleich beim Dritten. Sofort befindet sich der Leser ohne weitere Umschweife am Tatort und erfährt geschickt alles, was er über den aktuellen Stand der Ermittlung wissen muss. Sofort erlebt man das Geschehen aus der Perspektive von Kommissar Kern, der Hauptperson.
Aber da gibt es noch andere Perspektiven, so wird man beispielsweise sehr früh aus der Perspektive des Mörders darüber informiert, was hinter den Taten steckt. Zunächst tappt man in äußerster Dunkelheit, nach und nach wird diese durch kleine Häppchen mit Informationen erhellt. Die Perspektive der Mutter des Mörders erklärt zusätzlich, dass der Täter ein Täter ist, weil er vorher Opfer war. Das finde ich sehr gelungen. Die Perspektiven vom guten und bösen Kerl sind bekannt und bewährt, aber diese weitere Ebene finde ich sehr gelungen!
Eine weitere Verwicklung, die noch mehr Würze in die Sache bringt, ist die Vergangenheit des Kommissars, die wieder ganz aktuell wird. Denn sein ehemaliger Widersacher, der 5fach-Mörder Tassilo, plant eine Buchveröffentlichung und möchte Kontakt mit Kommissar Kern aufnehmen. Der hat immer noch dran zu knabbern, dass der Mörder nicht hinter Gittern sitzt und hat deshalb schon seine Frau und seine Tochter verloren (sie sind ausgezogen). Nun muss er sich den vielen Presseanfragen stellen..
Ansonsten ist dieser Thriller sehr fluffig geschrieben. Der Plot ist sehr gut, die Personen sind allesamt sehr gut und lebhaft dargestellt und der Wettlauf gegen die Zeit schraubt die Spannung in die Höhe. Ich war fix durch und auch das Ende hat mich nicht enttäuscht.

Die Reihe
Dieses Buch ist das Thriller-Debüt von Vincent Kliesch aus dem Jahre 2010. Mittlerweile sind schon zwei weitere Bände der nun abgeschlossenen Trilogie erschienen, und zwar 2011 „Der Todeszauberer“ und 2012 „Der Prophet des Todes“. Damit ist die Reihe, in der es um Kommissar Kern und seinen Gegenspieler Tassilo geht, dann abgeschlossen.
Ich hatte übrigens zuvor schon den zweiten Band der nächsten Reihe um Severin Boesherz gelesen (hier die Rezension dazu!) und war begeistert, obwohl ich später eingestiegen war. Der Autor trifft meinen Geschmack und dieses Buch hier ist nicht das Ende meiner Lesebeziehung zu Vincent Kliesch..

Was lernen wir daraus?
Ich bin ein Fan von der Perspektive des bösen Buben, denn so erfährt man einiges über die Beweggründe und ist den Ermittlern gefühlt irgendwie einen Schritt voraus. Der Autor muss allerdings vorsichtig sein: Diese Perspektive darf nicht zu viel verraten! Vincent Kliesch hat sich hier entschieden, den Killer namentlich sofort zu nennen. Bei Krimis, in denen der Leser mit dem Ermittler den Killer aus einem abgegrenzten Personenkreis erraten muss oder bei Geschichten, in denen der Mörder gleichzeitig irgendwie bekannt ist, muss man das natürlich ganz vorsichtig machen: interessante Informationen geben, ohne die Identität zu verraten. In diesem Thriller hier finde ich besonders gelungen, dass die Perspektive der Mutter manchmal erwähnt wird. Denn dadurch sieht der Leser den Täter als Opfer, und es erschließt sich einiges.
Eine weitere Lektion erteilt dieser Thriller in Sachen „Gegenspieler“. Natürlich hat ein Ermittler in einem Thriller meist den Mörder als Gegenspieler, hier hat der Kommissar direkt mal zwei. Und das geht auch sehr gut, denn der eine Killer ist aus dem vergangenen Fall und der andere ist neu. Hier möchte ich nicht zu viel Spoilern, aber ich muss sagen: Ich bin gespannt, wie es mit dem Gegenspieler über die gesamte dreiteilige Reihe weitergeht, denn dieser ist sehr gekonnt in die Geschichte eingewoben und, sagen wir es mal so, nicht nur unsympathisch. Diese Graustufe ist gut ausbalanciert und bietet großes Potential.

Fazit
Ich gebe 4 Sterne und empfehle das Buch uneingeschränkt weiter. 5 Sterne hätten noch irgendwie einen ganz kleinen Tick mehr gebraucht, damit ich in absolute Begeisterung verfalle. Ein toller Thriller, super geschrieben, spannend, lebendige Figuren, gut gestalteter Plot und als Debütroman wirklich absolut vielversprechend. Kleine Anekdote am Rand: Nach dem ersten Viertel war ich tatsächlich inspiriert und habe erst einmal Küche und Badezimmer geschrubbt. Ein guter Nebeneffekt..!

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Rezension: Der namenlose Tag – Friedrich Ani

Der namenlose Tag - Friedrich AniJakob Franck, pensionierter Kommissar, ist ziemlich einsam. Seine neue Freizeit als Rentner vertreibt er sich ohne Frau mit Online- Poker und dem einen oder anderen Bier. Als dann der Witwer einer Frau bei ihm klingelt, die sich vor fast 20 Jahren umgebracht hat, hat er wieder eine Aufgabe. Denn als Kommissar war er vor allem auch für das Überbringen der Todesnachrichten verantwortlich. Als er der Frau damals mitteilen musste, dass ihre Tochter sich im Park erhängt hat, hatte er die ganze Nacht bei ihr verbracht und eine ziemlich starke Verbindung geknüpft(nicht sexuell). Kurz danach brachte sich auch die Frau um, und nun kommt der Vater mit einem unglaublichen Verdacht zum ehemaligen Kommissar. Kommissar Franck trifft sich nun mit Freunden, Nachbarn und Verwandten, um diese alte Geschichte doch noch zu klären. Hat sich die Tochter wirklich selbst erhängt oder hat doch jemand nachgeholfen? Hat der Vater sie vorher missbraucht? Oder der Zahnarzt von nebenan?
Stil, Machart, Meinung
So, hier wird es schwierig, denn ich werde mich in meinem Urteil weit von dem einschlägigen Urteil der Fachwelt entfernen. Vorab sage ich daher: Dieses Buch ist hochgelobt und hat unter anderem den Deutschen Krimipreis gewonnen. Das mir diese Geschichte nicht gefällt, liegt wohl an mir.
Was ist diese Geschichte? Ein Roman, laut Klappentext. Die Bezeichnung Psychokrimi habe ich auch schon gelesen, und das Buch hat den Krimipreis gewonnen. Die Mischung fand ich interessant, und ich lese wirklich nicht nur Krimis und Thriller sondern gern auch mal einen Roman. Dieses Buch ist ein Roman, definitiv kein Krimi. Klar, es geht um einen Selbstmord der eventuell ein Mord war und die Aufklärung des Geschehens. Aber irgendwie rückt diese Tatsache vor den Details über so viele verlorene Leute total in den Hintergrund und ist auch nicht durch eine grandiose Konstruktion eines Verbrechens am Ende in Richtung Krimi zu rücken. Es ist schon komisch, das man selbst nach den vielen Gesprächen über das verstorbene Mädchen gar nicht so viel über das Mädchen selbst weiß. Über die Befragten Leute weiß man mehr – und vieles davon ist wenig interessant.
Ich bin einfach erleichtert, dass ich endlich mit diesem Buch durch bin. So viele Seiten habe ich mich durch gequält und hatte überhaupt keine Lust, weiterzulesen. Ich habe zwischen Start und Ende dieser Geschichte mehrere Bücher angefangen und beendet und war jedes Mal etwas bedrückt darüber, dass ich dieses Buch ja auch noch beenden muss. Glücklicherweise hatte ich das Buch bei einer sehr langen Wartezeit im Wartezimmer bei mir, das hat etwas gebracht.
Warum hatte ich keine Lust auf die Lektüre? –Weil es anstrengend und deprimierend war. Lange, gewollt (manchmal zu gewollt) kunstvolle Sätze voller Melancholie und Figuren, die allesamt sehr deprimiert und auch nicht spannend waren. Es gibt da so Ausdrücke, die finde ich einfach zu hochgegriffen. Diese Sätze scheinen mir nur für ein literarisch anspruchsvolles Publikum gewählt zu sein, welches anscheinend keinen Spaß beim Lesen eines Buches erwartet. Manche Sätze hingegen sind mittendrin einfach sehr schön und ich dachte: WOW! Aber die Anzahl dieser Sätze im Vergleich zu den schwülstigen, langen, unnützen Sätzen, das ist nix für mich. Es gab auch ein paar nette Details und Kleinigkeiten, die ganz nett waren. Aber dann gibt es auch so unnötige und langgezogene Beschreibungen, die für die Geschichte überhaupt nicht bedeutend .
Der Ermittler ist einsam, schräg, versucht durch Gedankenfühligkeit das Verbrechen zu lösen (und ich weiß auch nach dem Lesen noch nicht, was das überhaupt genau ist!) und wohl auch gern Alkohol. Dann setzen sich Geister der vergangenen Dienstjahre in seine Küche und leisten ihm Gesellschaft. Wenn er Menschen befragt, dann macht er das manchmal schon sehr geschickt, manchmal denke ich mir aber auch: wieso reden die mit dem überhaupt?
Der Plot und die Charaktere sind gar nicht schlecht, aber man hätte die Geschichte auch fluffig und interessant erzählen können, ohne vollkommen unnötige Details einzuflechten die bei mir die Augenlider in Richtung Süden lenkten. Ich bin froh, dass mich dieses Buch in keine Depression gestürzt hat. Die letzten 30-40 Seiten waren ganz erfrischend, endlich gab es mal einen positiven Charakter inmitten der verlorenen, depressiven Seelen. Da mir vorher ganz hervorragende Lobeshymnen für diese Geschichte untergekommen waren, hatte ich auch an den Schluss hohe Erwartungen und habe nur wegen der Auflösung weitergelesen. Ich dachte mir, da muss es eine wahnsinnig grandiose Auflösung geben. Nun ja.. ging so.
Gut finde ich den Ansatz, hier größtenteils ohne körperliche Gewalt auszukommen. Es ist ja auch kein Krimi, sondern ein Roman. Aber es geht um ein lange zurückliegendes Geschehnis mit dem Tod als Ausgang, und durch die Befragung verschiedener ehemaliger Freunde und Bekannte soll alles aufgeklärt werden. Kein Blut, kein Gemetzel sondern ein Fokus auf die Figuren. Leider nur überhaupt nicht nach meinem Geschmack..

Die Reihe
Dieser Fall ist Teil 1 des neuen Friedrich Ani – Ermittlers Jakob Franck. Ich werde definitiv nie wieder ein Buch von diesem Autor oder auch Ermittler in die Hand nehmen, habe aber gehört und gelesen das die Reihe um Vermisstenfahnder Tabor Süden sehr gut sein soll.

Was lernen wir daraus?
Geschmäcker sind definitiv verschieden, und der Anspruch ist auch nicht immer der gleiche. Ich lese in meiner Freizeit, es ist mein Hobby, ich möchte Spaß, Spannung und einfach tief in eine Geschichte – und damit eine andere Welt – eintauchen. Ich möchte mich nicht durch ein Buch quälen, weil es so kunstvoll und anspruchsvoll ist. Ich habe schon anspruchsvolle Bücher gelesen die gut waren und Spaß gemacht haben, aber ich werde die literarische Kunst auf dem hohen Niveau, welches dann Krimipreise gewinnt, wohl eher nicht lieben lernen. Dieses Buch hier deprimierte mich und ich hatte überhaupt keine Lust, weiterzulesen. Vielleicht muss man solch ein Werk erschaffen, um Krimipreise zu gewinnen. Aber ob die Leute das wirklich mit Spaß lesen? Ich kann es mir nicht vorstellen und es ist einfach nix für mich. Hier muss man sich wohl entscheiden, welche Leserschaft man anspricht. Diese Geschichte ist für mich eher so einer der „Klassiker“, den jeder lobt aber keiner gern liest. Und es gibt auch Klassiker, die ich gern lese, weil es eine interessante Idee und Umsetzung gibt. Da fällt mir jetzt zum Beispiel Faust ein, oder „Wer die Nachtigal stört“. Man kann also auch interessante Klassiker schreiben, aber man muss sich eventuell entscheiden was man schreiben möchte. Ich finde, jedes Buch, jede Geschichte ist Kunst. Ich habe nun also immerhin die Erkenntnis erlangt, dass ich so etwas nie schreiben möchte, und dann lieber gut unterhaltene Leser und keine Preise habe.

Darf ein Buchblogger ein Buch so bewerten?
Ich bin ein einfacher Buchblogger und bewerte jedes Buch so, wie es mir wirklich gefällt. Natürlich sind meine Buchbewertungen überwiegend positiv – einfach weil ich mir jedes Buch danach aussuche, wie gern ich es lesen würde. Wenn eine Inhaltsangabe mir offenbart, dass das Buch nix für mich ist, dann lese ich es auch nicht. Dieses Buch hier hat mich angesprochen; Roman mit Krimi, toll konstruierte Geschichte, ein Verbrechen aus der Vergangenheit, Krimipreis – das klang wirklich gut.
Da ich einfach aus Freude am Lesen lese, muss mir ein Buch Spaß machen. In meiner Freizeit möchte ich nicht deprimiert und gequält von einer Seite zur Anderen blättern, denn dazu habe ich keine Lust. Ich nehme dann bei meiner Bewertung auch kein Blatt vor den Mund. Die Abonnenten und Leser meines Blogs können von mir erwarten, dass ich meine richtige Meinung schreibe und mich nicht anpasse. Und regelmäßige Leser haben meinen Geschmack wahrscheinlich schon erkannt und folgen mir sicherlich auch, weil sie einen ähnlichen Geschmack haben und daher meine Buchbewertungen als Inspiration bzw. Warnung gebrauchen können.
Über die Bewertung habe ich lange nachgedacht, mehr als 2 Sterne werden es auf keinen Fall. Wenn ich beispielsweise den Roman „Im Himmel gibt es Coca Cola“ im Vergleich sehe, hatte ich hier viel mehr Spaß beim Lesen. Auch hier gab es Längen, an denen ich keine Lust mehr hatte. Hier gab es noch mehr so schöne Sätze und einfach eine naive Weltsicht die in jedem Satz durchgehalten wurde, mal fröhlich und lustig und mal sehr deprimierend. Und dafür habe ich „nur“ 3 Sterne hergegeben, obwohl das Buch doch viel mehr Spaß machte und auch viel mehr interessantes Wissen vermittelte als Der namenlose Tag.

Fazit
Dieses Buch ist sehr kunstvoll, literarisch hochanspruchsvoll und wird von der Fachwelt in den Himmel gelobt. Von mir leider nicht, denn ich hatte beim Lesen ungefähr so viel Spaß wie beim jährlichen Zahnarzt-Besuch. Lange, manchmal sehr schöne aber oft sehr unnötige Sätze. Eine unglaublich deprimierende Stimmung, detailliert dargestellte, nicht sehr aufregende Charaktere. Keine Spannung aber doch die Hoffnung auf einen Paukenschlag am Ende –der kam leider nicht.
Wer wirklich gern graue, langatmige Romane liest und den Fokus auf meist unnötige Details und viele Szenen legt, die für die Auflösung nicht interessant sind, der ist hier genau richtig. Man kann sich sicherlich an der Andersartigkeit vieler Sätze erfreuen und die Kunst der dramatischen Sätze zelebrieren – ich kann es nicht und vergebe 2 Sterne. Eigentlich hatte ich so wenig Spaß, dass es auch ein Stern hätte werden können. Aber manche Sätze waren dann doch sehr schön. Die letzten 40 Seiten waren übrigens viel besser als alle Seiten davor, es gab auch mal einen positiven Charakter und die Sätze machten mehr Spaß. Warum konnte der Autor das denn nicht das ganze Buch über? Oder war ich am Ende nur so geschafft, dass es mir nur so toll vorkam?
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