Rezension: Der Jungfrauenmacher von Derek Meister

Der Jungfrauenmacher Derek MeisterKleinstadtcowboy Knut steht vor seinem ersten großen Fall als Polizeichef von Valandsiel. Denn an dem beschaulichen kleinen Küstenort an der Nordsee wird eine Leiche an den Strand gespielt, die äußerst ungewöhnliche Merkmale aufweist. Blöd nur, dass es ihm Niemand zutraut, diesen Fall lösen zu können. Als er die ehemalige Profilerin Helen Henning kennenlernt, die nach einem schlimmen Dienstunfall mit einer Beimprothese, einem angekratzten Selbstbewusstsein und Angst nach Valandsiel zurückkehrt, bringt er sie dazu, ihm bei der Ermittlung zu helfen. Die Ermittlung hat zwar schon das LKA übernommen, aber Knut möchte sich unbedingt beweisen und seinen Kritikern zeigen, dass er nicht nur im Schatten seines Vaters arbeiten kann. Und dann kommt die nächste Leiche..

Stil, Machart, Meinung

Ich muss gestehen, bei diesem Thriller kam ich zunächst etwas schwer rein. Woran genau das lag, kann ich gar nicht benennen. Bald hat mich aber die zwar etwas klischeehafte, aber doch sehr gut konstruierte Situation gepackt, dass Dorfpolizisten das erste Mal im Leben einen großen Fall haben und wie sie sich dabei verhalten. Und dann hab ich das Buch ganz fix gelesen.

Mit Polizeichef Knut wurde ich auch erst nach einigen Seiten warm, aber der junge, unerfahrene Polizeichef im Schatten seines pensionierten Vaters, der sich erst einmal die Verhaltensregeln bei einem Mordfall heraussuchen lassen muss, hat dann doch ungeahnte Talente. Ihm zur Seite gestellt ist Helen Henning, die als Profilerin Erfahrung hat und ihm und dem Leser viel über Körpersprache erzählt. Sie ist eine interessante Figur, denn sie ist heiß, selbstbewusst und erfahren – aber auch traumatisiert, ängstlich und mit Beinprothese ausgestattet. Ich mag, dass sie wegen letzterer Sache keinerlei Mitleid bekommt oder erwartet, sondern tatsächlich gleich zwei Verehrer an Land zieht und auch sonst wenig beeinträchtigt wirkt.

Neben diesen beiden Hauptfiguren haben wir noch einige andere Nebendarsteller, die erst etwas klischeehaft wirken, dann aber im Laufe des Buches immer mehr Graustufen auftauchen. Und genau das mag ich an diesem Buch: die Graustufen. Der blöde Dorfpolizist ist am Ende gar nicht mehr so blöd, der arrogante LKA – Mann entpuppt sich als ganz netter Zeitgenosse und sogar der Killer kann in seinen kleinen Kapiteln zwischendurch einigermaßen erklären, was ihm widerfahren ist und warum er das alles macht.

Der Plot ist gut. Ermittlungen finden in der Vergangenheit und der Gegenwart statt, dem Leser werden nach und nach genau so viele Häppchen hingeworfen wie auch den Ermittlern und es macht alles Sinn. Was mir etwas gefehlt hat waren mehrere Verdächtige. Wiederum gefallen hat mir, dass trotzdem einige Wendungen eingebaut wurden und der Autor nicht das „Thriller-Schema 0815“ angewendet hat, sondern sich auch mal etwas getraut hat, um den Leser zu überraschen. Ich würde natürlich gern spoilern um das näher zu erklären, aber das verbietet die Bloggerehre.

Reihe

Knut und Helen haben mich in diesem Auftakt der Reihe begeistert und absolutes Potential für mehrere Bücher. Ich werde auf jeden Fall demnächst mal meine Nase in den zweiten Band stecken, frage mich allerdings jetzt schon ganz unvoreingenommen: Nachdem in Valandsiel ewig nichts Großes passiert ist, was soll dort im nächsten Fall denn wieder stattfinden? Ich denke nicht, dass sich der kleine Küstenort nun direkt in einen Tummelplatz für Serienkiller  verwandeln kann. Aber ich denke auch nicht, dass das Ermittlerduo nun Kneipenschlägereien oder Kleinkriminellen widmen wird. Ich bin gespannt. Es gibt bereits Teil 2 und 3, dass sind diese hier:

  1. Die Sandwitwe
  2. Blutebbe

Was lernen wir daraus?

Ich habe es im vorherigen Abschnitt noch nicht angesprochen, aber ich werde es hier ansprechen. Denn lernen werden daraus weniger die Schreiberlinge, sondern hoffentlich die Klappentexter. Auf der Buchrückseite gibt es bereits Hinweise, die dem Ermittlerduo  dann erst nach der Hälfte des Buches klar werden. Das finde ich ziemlich besch***en, denn das ist doch nicht Sinn und Zweck der Sache, oder? Wer jetzt meine Rezension liest und Interesse an dem Buch hat, der sollte es kaufen und nicht auf die Rückseite gucken. Ich hab das natürlich in meiner Inhaltsangabe weggelassen.

Fazit

Ich finde den Auftakt dieser Reihe sehr vielversprechend. Gute Figuren mit Graustufen, ein schlüssiger Pllot, fluffige Schreibe und angenehme Kapitelaufteilung sowie einige Überraschungen für den Leser.  Den zweiten Teil werde ich auch lesen. Ich bin gespannt was da noch kommt. Es gibt von mir 4 Sterne, es ist in einigen Sachen noch etwas Luft nach oben, aber ich finde es gut.

Hier gibt´s Details zum Buch auf der Verlagsseite

 

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Rezension: Die Schatten von Edinburgh – Oscar de Muriel

Die Schatten von EdinburghWir schreiben (in diesem Buch) das Jahr 1888. Während in London Jack the Ripper sein Unwesen treibt, wird Inspector Ian Frey sowohl privat als auch beruflich zwangsversetzt. Er soll in Scottland einen Fall aufklären, dabei aber im Geheimen arbeiten damit die Engländer nicht durch die Nachricht von einem zweiten Ripper in Panik versetzt werden.

Der kultivierte Engländer Frey, aus gutem Hause und mit einem gesunden Hass auf die Schotten erzogen, macht in Schottland Bekanntschaft mit einer ganz neuen Welt.  Sein neuer Vorgesetzter ist ein ungehobelter, abergläubischer und ungepflegter Schotte – und bei dem soll er auch noch wohnen. Das neue Heim lässt ebenso zu wünschen übrig wie die Spelunke, in der er essen soll.  Auch der Fall hat es in sich: Ein Violinist wird in seinem Arbeitszimmer ermordet.  Das Dienstmädchen schwört, dass sie mindestens 3 Geiger in dem Musikzimmer gehört haben will, bevor die Musik verstummte. Und Niemand anderes hatte einen Schlüssel für den von innen verschlossenen Raum, in dem der tote Musiker liegt. Wo ist der Mörder hin? Was soll das Zeichen des Teufels auf dem Teppich? Und lastet wirklich ein Fluch auf den Violinen, die nach dem Tod des Musikers weitervererbt werden?

Stil, Machart, Meinung

Zunächst muss ich sagen, dass mich historische Bücher eher wenig interessieren. Dann muss ich einschränkend gestehen, dass ich sämtliche Werke von Agatha Christie oder Edgar Wallace liebe – und die sind mittlerweile ja auch schon als historisch zu betrachten.  Bei dem Jahr 1888 dachte ich auch gleich an Jack the Ripper. Vor einigen Jahren hatte es mir die Serie Ripper Street angetan, die in der gleichen Zeit spielte – und so klappte die zeitliche Einordnung bei mir super.

Beim Anblick des Covers fiel mir auf, dass keine Zuordnung der Geschichte als Kriminalroman oder Thriller erfolgte.  Im Inneren steht dann „Roman“.  Wenn ich auf der Buchrückseite Wörter wie „grausame Mordserie“ und „Ermittler“ lese, würde ich schon eher Krimi oder Thriller erwarten. Das schon dort versprochene Konzept des geschlossenen Raumes deutet dann stark in Richtung Krimi. Nachdem ich die Geschichte gelesen habe, wurde ich auch eher Krimi als Thriller sagen. Roman finde ich etwas unpassend, macht aber ein bisschen Sinn da natürlich auch Wert auf die historischen Details gelegt wird.

Die Story an sich knüpft mit dem Konzept des geschlossenen Raums an einige klassische Kriminalromane an, die von Mordhandlungen in geschlossenen Räumen berichten, zu denen kein anderer – oder viele andere- einen Schlüssel haben. Dazu hier (auf Wikipedia) mehr.

Die Hauptattraktion der Geschichte ist sicherlich der kultivierte, reiche Engländer, der ins raue Schottland versetzt wird.  Während ihm vor lauter Dreck bald die feinen Anzüge ausgehen und er die Annehmlichkeiten seines Lebens vermisst, muss er sich mit dem kompletten Gegenteil seiner selbst auseinandersetzen: seinem Vorgesetzten McGray.  Von Sympathie kann man bei den beiden Zwangskumpanen nicht sprechen, aber ihre Charaktere ergänzen sich für die Aufklärung des Falles optimal. Lustige Situationen aber auch interessante Details der damaligen Zeit werden anhand der Figuren erzählt.

Trotzdem bleibt die Geschichte düster und blutig, ist teilweise nichts für schwache Nerven.  Die Story mutet bis zum Ende wie ein halbherziges Whodunnit-Rätsel an, den Mörder erraten kann man aber nicht wirklich. Nüchtern betrachtet hat die Story eine tolle Idee als Ausgangssituation (geschlossener Raum, vererbte Geigen mit Fluch) –doch  je mehr es zum Ende geht, desto weniger bleibt davon übrig. Da machen eher die Charaktere, das Zusammenspiel einiger Charaktere und die interessanten historischen Details den Zauber des Buches aus –die Story rückt irgendwie im Laufe des Buches in den Hintergrund.

Was lernen wir daraus?

Mal wieder lebt die Story von dem Zusammenspiel sehr unterschiedlicher Ermittler. Dieses Rezept ist nicht neu aber auch nicht weniger erfolgreich als zuvor. Einen gelackmeierten Ermittler in feinen Anzügen mit einem verwahrlosten Haudegen zusammenzubringen, war eine gute Idee. Der besonders zwischen den Beiden aufblitzende Humor ist nett, und auch einige Nebenfiguren machten mir Freude.

Jedes Buch muss den Leser erreichen, um ihn zu begeistern. Je weiter die Story zeitlich vom Leser weg ist, desto universeller und interessanter muss sie geschrieben sein, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Story lässt sich zwar nicht wirklich in die heutige Zeit beamen, aber die Charaktere und deren Probleme sind so universell, dass das Konzept aufgeht. Ein bisschen Humor und Menschlichkeit helfen auch.

Roman, Krimi, Thriller.. Bei manchen Geschichten verschwimmen die Genres.  Es ist ein Roman, weil viel Wert auf die Charaktere und deren Geschichten gelegt wird. Es ist ein Krimi, weil ein Mörder gefasst werden muss, in dem mehrere Indizien und Gegebenheiten analysiert und eingeordnet werden. Und am Ende wird es auch ein bisschen Thriller, denn man konnte den Mörder nicht erraten und es gab eine wilder Verfolgungsjagd.

Fazit

Ich vergebe 3 Sterne. Es wären fast 4 geworden, aber wenn ich diese Geschichte mit anderen 4-Sterne-Büchern vergleiche, da ist geht das nicht. Ich habe die Geschichte zügig durchgelesen, es war stets interessant und ich hatte nicht nur meinen Spaß sondern habe auch einiges gelernt. Jedoch hat die sehr verheißungsvolle Story mich dann am Ende etwas enttäuscht. Dem Ermittlerduo würde ich jedoch noch eine weitere Chance geben, der Auftakt war -besonders als Erstlingswerk- vielversprechend. Dann erwarte ich aber etwas mehr Krimi und ein besser konstruiertes Verbrechen.

Hier gibt´s Details zum Buch und zum Autor auf der Verlagsseite:

Die Schatten von Edinburgh -Verlagsseite mit Details

 

Rezension: Schwesterherz von Kristina Ohlsson

Schwesterherz Bild OhlssonMartin Benner ist ein erfolgreicher Anwalt, der um seine Wirkung auf Frauen weiß. Nebenbei hat er eine kleine Tochter, die eigentlich seine Nichte ist. Er hat sie adoptiert, nachdem seine Schwester und ihr Mann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Seine Ex und Affäre Lucy ist in seinem Leben auch allgegenwärtig, denn die beiden teilen sich auch eine Kanzlei. Als dann, wie in einem alten Detektivroman, ein merkwürdiger Kerl in sein Büro kommt und einen ebenso merkwürdigen Auftrag hat, geht es für Martin immer tiefer hinunter  in den persönlichen Abgrund.  Er soll die berühmte Serienkillerin Sarah Texas rehabilitieren  – aber die ist seit einigen Monaten tot. Entgegen aller Bedenken zieht der Fall ihn in seinen Bann und er beginnt zu ermitteln. Bis er selbst im Fokus einer aktuellen Ermittlung steht – als Mordverdächtiger.

Die Reihe

Dieses Buch ist der erste Teil einer zweiteiligen Serie um Martin Benner.  Um die Spannung in der Reihe auch nach Ende des ersten Buches aufrecht zu erhalten, werden natürlich nicht alle Fragen in diesem Buch geklärt – nein, am Ende stellen sich dann auch noch ein paar neue Fragen. Damit der Leser nach dem ersten Buch nicht enttäuscht ist, dass es mittendrin aufhört, hat die Autorin eine große Frage dann doch geklärt. Das finde ich für so eine Reihe einen guten Kompromiss.

Ich hatte mal das erste Buch der zweiteiligen Reihe „Post Mortem“ gelesen, war da nach Band 1 allerdings nicht sehr motiviert, Band 2 überhaupt zu lesen. Bei diesem Buch hier ist der Cliffhanger einfach besser, eine Kleinigkeit wurde schon aufgeklärt, aber der Rest liegt noch im Dunkeln. Schwesterherz ist von der Handlung her auch wesentlich besser geeignet, weil Personen, Geschichten und Rätsel doch von anderer Qualität und Komplexität sind.

Stil, Machart, Meinung

Wie immer schreibt Kristina Ohlsson sehr spannend, fluffig und gut. Es holpert nicht, man langweilt sich nicht und sie beschränkt sich auf das Wesentliche, ohne knapp zu klingen und mit einigen wohlgewählten Details. Die Geschichte wird übrigens direkt von der Hauptperson Martin Benner erzählt, und das eingebettet in ein Interview mit einem Journalisten. So hat man vor neuen Kapiteln ein kurzes Gespräch, in dem sich doch immer schon etwas Unheil ankündigt bzw. ein kleiner Hinweis auf die Zukunft auftaucht.

Besonders gut finde ich die Hauptperson und die dazugehörige Familienkonstellation. Martin Benner ist ein gut aussehender Anwalt, der schon etwas oberflächlich und arrogant klingt, wenn er so redet oder denkt. Aber wie es so ist im Leben, ist nicht alles schwarz – und weiß. Die Abneigung schwindet recht schnell, wenn der Leser davon erfährt, dass er seine Nichte adoptiert hat. Obwohl sie so überhaupt nicht in sein Leben passt, konnte er nach dem Tod seiner Schwester einfach nicht zulassen, dass die Kleine ins Heim kommt. Die Beziehung zwischen den Beiden ist sehr interessant und doch etwas unüblich.  Und wo das ganze eh schon ungewöhnlich ist, darf auch die Ex-Freundin Lucy nicht fehlen. Sie ist nämlich nicht nur die Ex, sondern auch der Mutterersatz für die adoptierte Tochter, die Arbeitskollegin und die aktuelle Affäre. Dann gibt’s da auch noch einen großen Gangster, der Martin einen Gefallen schuldet. Der Kriminelle ist allerdings auch ziemlich nett. Das ist mal was Neues. Irgendwie finde ich es auch sehr erfrischend, dass man nicht alle Gedanken und Aktionen der Hauptcharaktere nachvollziehen- oder mögen kann.  Ein Hoch auf kreative Graustufen!

Um es mit den Worten der Hauptperson selbst zu sagen: „Sie haben noch nie so eine klischeehafte Geschichte gehört. (..) Sie enthält alle notwendigen Zutaten. Unaufgeklärte Morde. Einen übermächtigen Drogenboss. Einen erfolgreichen sexsüchtigen Anwalt. Und – Trommelwirbel! – ein süßes Kleinkind. Mit anderen Worten: großes Kino! Wenn da nicht dieses eine Detail wäre..“ (S. 8)

Was mir auch gefällt, ist die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In der Gegenwart gibt es einen Auftrag, der Martin und Lucy in der Vergangenheit forschen lässt. Es passieren aber auch Verbrechen in der Gegenwart, die damit zu tun haben. Während des Buches gibt es keinerlei Gedanken von der Schlüsselperson, der verurteilten Mörderin Sarah Texas. Man liest eigentlich nur die Gedanken von Martin Benner und in der Gegenwart –so macht sich nur durch seine Augen ein Bild der Lage. Ein paar Andeutungen führen den Leser auch gern mal in die Irre, trotzdem hat man genug Stoff für eigene Spekulationen, aber auch nicht zu viel davon.

Die Handlung spielt übrigens nicht nur in Stockholm, sondern auch in Texas. So gibt’s gleich 2 Regionalthriller in Einem.

Was lernen wir daraus?

Besonders erwähnenswert finde ich die Graustufen bei den Hauptpersonen. Ein arroganter Kerl mit einem guten Herz, eine Geliebte die mehr will aber doch alles mit sich machen lässt, ein netter Gangster und noch mehr solcher Gegensätze begegnen dem Leser in diesem Buch.  Die Konstellation ist ebenso interessant gestaltet. Und allein das macht dieses Buch in meinen Augen besonders und das Geschehen verhältnismäßig unvorhergesehen.

Außerdem  finde ich die kleinen, unheilvollen Hinweise gelungen, die dem Leser von der Autorin hingeworfen werden. Wie schon in der Reihe um Alex Recht gelingt es Kristina Ohlsson, den Leser immer schon ahnen zu lassen, das gegen Ende der Story eine große Gefahr lauert. Hier hat sie es in der Form eines Interviews gemacht, da kommen dann beispielsweise gleich am Anfang Begriffe wie Komplott, Anklagebank und „Nichts war so, wie es zunächst den Anschein hatte“(s.8) zur Sprache.

Fazit

Ich werde jetzt mit Teil 2 der Reihe anfangen. Schwesterherz ist nicht wirklich dafür gemacht, ohne den zweiten Teil „Bruderlüge“ konsumiert zu werden. Es bleiben einfach Fragen offen und die Neugier ist nach dem Ende des ersten Buches nach wie vor groß. Bruderlüge sollte man ebenso auf keinen Fall lesen, ohne Schwesterherz gelesen zu haben.

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass mich ein Thriller von Kristina Ohlsson immer gut unterhalten wird. Der Stil dieser Autorin ist einfach genau meins. Die besonderen Hauptpersonen mit ihrem Graustufen und die unheilvollen Andeutungen sind die besondere Würze des Buches, der Fall an sich erblasst daneben fast ein wenig – lässt aber viele Fragen für den zweiten Band offen. Ich vergebe 4 Sterne und mache mich jetzt an Band 2. Die Rezension folgt.

PS hoch 1: Sorry für die Funkstille, es war etwas chaotisch bei mir. Ich bin umgezogen, hatte aber leider durch einen Fehler des alten Internetanbieters schon einen Monat vorher kein Internet mehr. Und bis dann der neue Anschluss geschaltet war (jetzt!!), gingen dann noch einmal zwei Wochen ins Land. Also: Asche auf mein Haupt und das Versprechen: Es kommt wieder mehr!

PS hoch 2: Hier geht´s zum Buch Schwesterherz auf der Verlagsseite

PS hoch 3: Hier habe ich noch Links zu anderen Rezensionen von mir zu Büchern von Kristina Ohlsson:

Rezension: Himmelschlüssel von Kristina Ohlsson

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson (Bergman #5)

UPDATE: Mittlerweile ist die Rezension zu Band 2 online! Bei Interesse hier klicken. 

 

Rezension: Der Tod so kalt von Luca D`Andrea

Der Tod so kalt Luca D AndreaJeremiah Salinger, ein amerikanischer Drehbuchautor, produziert eine erfolgreiche Fernsehserie. Als er mit seiner Frau in ihr Heimatdorf in Südtirol zieht, ist er dort trotzdem nur ein Fremder. Er gehört nicht zur Dorfgemeinschaft, da er kein Einheimischer ist. Nachdem er eine neue Idee für eine Fernsehserie in Südtirol in die Tat umsetzt, passiert eine schreckliche Tragödie. Davon traumatisiert, schwört er sich und seiner Frau, Urlaub zu nehmen. Aber dann fesselt ihn ein brutaler Mord an drei jungen Leuten, welche 1985 an der Bletterbachschlucht brutal hingerichtet wurden. Nur durch diese Geschichte fühlt er sich wieder lebendig, aber nur durch diese Geschichte schweben er und seine Familie auch in Gefahr. Er kann trotzdem nicht mit der Ermittlung aufhören, bevor er das Rätsel gelöst hat. Und das Schicksal der drei Toten ist auch das Schicksal vieler anderer, die dran zerbrochen sind.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller ist ausschließlich in der Ich – Perspektive erzählt und bekommt so einen sehr persönlichen und realistischen Beigeschmack. Man fühlte sich tatsächlich mittendrin. Es tickt nicht –wie bei den meisten Thrillern – direkt eine Uhr durch die Seiten, es muss kein Täter gefasst werden um weitere Opfer zu retten. Es gibt einfach einen Mann in einem Dorf, der seine Neugier und Faszination nicht zügeln kann und so zu vielen Leuten zu viele Fragen über schlimme Dinge in der Vergangenheit stellt. Ich dachte oft: „Mein Gott Salinger, hör bloß auf, Fragen zu stellen“ und genau so oft „was ist damals bloß passiert?“.  Damit hatte mich der Autor wohl genau dort, wo er mich auch haben wollte.

Dieser Thriller ist recht dick und langatmig, aber trotzdem nicht detailüberladen und langweilend. Das Buch ist auch ein wenig Roman, welcher zwei Hauptstränge hat und dadurch viele Nebenhandlungen und Charaktere entwickelt. Einmal der Ich –Erzähler mit Frau, Tochter und Schwiegervater in der Gegenwart und dann die drei ermordeten Leute im Jahre 1985 und deren Leben, Probleme, Feinde sowie die Auswirkungen auf einige Zeitzeugen. Die Schreibweise des Autors ist fluffig und es gibt auch viele lustige und ironische Bemerkungen.

Ich hatte vor Jahren mal einen „Krimi“ aus Südtirol gelesen, der mehr einem begeisterten Reiseführer sowie einer Ötzi – Dokumentation glich als einem spannungsgeladenen Krimi. Dieser Thriller hier offenbart auch interessante Details aus dem Leben in Südtirol sowie der Landschaft, jedoch ist es interessant und geschickt in die Geschichte eingebaut. Auch Ötzi kommt kurz wieder vor, ohne Ötzi geht ein in Südtirol spielendes Buch wohl nicht. Aber hier stören mich die interessanten landestypischen, geologischen und historischen Fakten nicht – ganz im Gegenteil: Sie machen die Geschichte sehr realistisch.

Der Plot und die einzelnen Charaktere konnten mich überzeugen, auch das Ende war schlüssig und konnte sowohl überraschen als auch Action bieten.

Was lernen wir daraus?

Der Unterschied zwischen einem Reiseführer mit ein bisschen Krimi, der dann die Krimileser sehr enttäuscht und die am Reiseführer Interessierten niemals erreicht und einem spannenden Thriller, eingebettet in eine interessante Region ist definitiv nicht fließend. Wer einen Reiseführer schreiben möchte, kann das gern machen – darf den aber nicht Regionalkrimi nennen. In diesem Buch hier war die Geschichte wichtig, der Autor gab der Geschichte viel Raum, hatte einen tollen Plot und hat nebenbei Details der Umgebung geschickt eingebaut, damit die Geschichte einen realistischen Rahmen hat. Die Umgebung half der Geschichte – und nicht andersrum. Wer einen guten Regionalkrimi- oder Thriller schreiben möchte, sollte sich fragen ob Details der Geschichte helfen oder ob die Geschichte nur die regionstypischen Aspekte präsentieren soll. Oder ob er lieber einen Reiseführer schreiben sollte, denn das ist ja auch nicht schlecht. Dieses Buch hier zeigt, wie man viele lokale Dinge in eine spannende Geschichte einbaut, sodass man der Geschichte nicht die Spannung nimmt und trotzdem ein interessantes Setting erschafft.

Fazit

Ich vergebe fast 5 Sterne, sagen wir mal 4,5. Der Thriller hat alles, um mich zu fesseln. Ich habe nichts entdeckt, was mir nicht gefällt und sogar das etwas Langatmige gemocht, weil es interessant war und die Athmosphäre des Buches befeuerte. Für die Höchstpunktzahl fehlt noch das ganz Besondere, das Geniale.

Für Thriller- und auch Krimifans ist dieses Buch sicher eine gute Sache. Auch Südtirol – Fans oder Südtiroler dürften ihre Freude an der Geschichte haben, da viele regionale Aspekte gut in die Geschichte eingewoben sind. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Hier gibt es Details zu Buch und Autor auf der Verlagsseite!

Rezension: Der dunkle Grund des Sees von Stefanie Kasper

der-dunkle-grund-des-sees-stefanie-kasperAm Ufer des Forggensees wohnen die Adoptiveltern von Isabel Radspieler. Als Elisa, Isabels Adoptivmutter, im Sterben liegt, soll die Tochter unbedingt nach Hause kommen. Sie schafft es leider nur zur Beerdigung rechtzeitig, zieht dann allerdings wieder in ihr altes Kinderzimmer, um sich um den Vater zu kümmern. Dort findet sie in ihrem alten Versteck ein mysteriöses Erbe, versteckt von ihrer Mutter vor dem Tod. Sie soll herausfinden, was mit den Eltern und der Schwester von Elisa 1954 passiert ist. Diese waren spurlos verschwunden, nachdem der Forggensee aufgestaut und das Dort geflutet wurde. Und so macht sich Isabel auf die Suche und stößt bei ihren Recherchen auf Familiengeheimnisse, Zeitzeugen und Gefahren.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Kriminalroman ist mehr Roman als Krimi. Es liegt zwar zu jeder Zeit etwas Bedrohliches über der Erzählung, in erster Linie hält die Autorin sich jedoch mit den regionalen Besonderheiten rund um den Forggensee in Gegenwart und Vergangenheit auf und legt einen großen Fokus auf die emotional arg gebeutelte Hauptperson. Zunächst kam ich genau deshalb schlecht in die Erzählung hinein. Ich muss dazu sagen, dass ich- Nordlicht- keinen Schimmer hatte, dass es überhaupt einen Forggensee gibt oder was da historisch so los war. Ich denke mir, das die bayrischen Leser auf Grund der Bekanntheit des Forggensees wahrscheinlich sofort Feuer und Flamme sein werden.

Trotzdem war ich zunächst ziemlich ernüchtert von der Lektüre und hatte wenig Lust, diese überhaupt fortzusetzen. Ich hatte den Teaser auf der Rückseite des Buches gelesen und es dauerte zunächst ziemlich lange, bis die Handlung überhaupt über die Ankündigungen hinausging. Das ist natürlich recht ernüchternd, wenn man hohe Erwartungen an die Ermittlungen und Familiengeheimnisse der Vergangenheit hegt.

Die Hauptperson ist einem nicht gerade sympathisch. Mitleid hat man mit ihr, da ihre Zwangsstörung sie an so ziemlich allem hindert. Da ich mir nun eher eine Ermittlung in Sachen Krimi erhofft hatte, war mir die Perspektive der zumeist handlungsunfähigen Isabel doch viel zu lang. Andererseits ist das auch mal etwas anderes und man bekommt einen wahrscheinlich ganz realistischen Einblick in Angststörüngen, die mir auch gut recherchiert erschienen (ich habe aber keine Ahnung, kann das deshalb nur mutmaßen). Die Recherchen zum Thema Forggensee und dessen Vergangenheit schienen mir auch sehr fundiert, ich habe zunächst auf Wikipedia nachschauen müssen, wo genau der liegt und was es damit auf sich hat. Nach meiner kurzen Lektüre würde ich sagen, die Autorin hat mit großer Leidenschaft zu dem Thema gut recherchiert.

Meine anfängliche Trägheit und Frustration hat sich dann mit dem letzten Drittel der Geschichte gelegt. Endlich wurde es spannend, die Familiengeheimnisse und Verkettungen in der Vergangenheit hatten es doch in sich und der Plot war im Nachhinein auch sehr gut. Ehrlich gesagt hätte ich das Buch jedoch nach einer Zeit abgebrochen, würde ich meine Verpflichtung als Buchblogger nicht ernst nehmen. Ich lese nicht jedes schlechte Buch bis zum bitteren Ende, aber dieses hier hatte noch Potential genug, sodass ich nicht aufgeben wollte. Das wurde dann auch belohnt. Ich mag gerne Krimis, die sich mit Geschehnissen in der Vergangenheit beschäftigen und einen guten Plot und eine gute Auflösung haben. Hier war es mir jedoch ein sehr zäher Einstieg.

Dieses Buch ist eine eigenständige Erzählung ohne Potential für eine Fortsetzung.

Was lernen wir daraus?

Zunächst habe ich erneut gelernt, dass ein Klappentext enorm wichtig ist. Wenn die Vorankündigung schon die Handlung bis zur Mitte des Buches vorwegnimmt, dann ist der Einstieg äußerst zäh und die Überraschungen und Spannung sind bis zu der Stelle gleich 0. Einzig die Bedrohliche Stimmung und ein verstricktes Familiengeheimnis konnten mich als Leser einigermaßen bei der Stange halten.

Gute Recherche zahlt sich aus. Man merkt, dass die Autorin ein persönliches Interesse an dem Forggensee und dessen Geschichte hat. Sie weiß, wovon sie spricht und hat die reale Geschichte des Sees geschickt mit ihrer Fantasie verknüpft. Auch zu Angststörungen scheint sie gut recherchiert zu haben. Und der Leser, in dem Fall bin das ich und hatte vorher keine Ahnung, hat auch etwas gelernt.

Fazit

Ich hatte bis zur Hälfte des Buches mehrmals überhaupt keine Lust, weiterzulesen. Es hat mich wenig gepackt, der Fokus auf den regionalen Begebenheiten und der gelähmten Hauptperson haben mich gelangweilt.  Dann wurde meine Geduld doch noch belohnt und es offenbarte sich ein guter Plot mit mehreren Versionen der Vergangenheit und einer realen Gefahr in der Gegenwart. Wer auf Regionalkrimis, historisches und eine langsam in Gang kommende Geschichte mit vielen Details und anfangs wenig Spannung steht, für den ist dieses Buch genau richtig. Wer aus der Gegend um den Forggensee kommt oder dort Urlaub machen möchte oder gemacht hat, für den ist das Buch quasi ein Muss. So ein richtiger Krimi mit Spannung und der Jagd nach dem Mörder, das ist für mich im Idealfall noch etwas anderes. Ich vergebe noch 3 Sterne, da ich am Ende des Buches auf einmal doch gefesselt war und ich etwas neues gelernt habe.

Hier gibt es die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

Rezension: Wer nicht das Dunkel kennt – Sabine Klewe

wer-nicht-das-dunkel-kennt-sabine-kleveEin Unfall mit Fahrerflucht und ein verletzter Anwalt. Als Kriminalhauptkommissarin Lydia Louis mit ihrem Partner Chris Salomon im Krankenhaus zur Befragung des Opfers eintrifft, erwartet sie ein Schock. Das Opfer ist ein alter Bekannter aus der Vergangenheit, mit dem etwas schlimmes vorgefallen sein muss. Sie schafft es, sich selbst schnell aus der Angelegenheit rauszuhalten, bis an einem See eine weibliche Leiche gefunden wird. Viel ist von der Leiche nicht mehr zu erkennen, aber ihr letzter Anrufer war tatsächlich der Anwalt, der angefahren im Krankenhaus liegt. Nun kommt Lydia um eine Ermittlung, in der der Anwalt vorkommt, nicht mehr herum. Während mehrere Frauen unauffindbar sind und ein alter Mord an einem Professor irgendwie mit den Ermittlungen verstrickt zu sein scheint, hat die Kommissarin selbst jedoch noch ganz andere Probleme. Es scheint ein Video zu existieren, welches ihre Karriere zerstören könnte. Und jemand aus ihrem Team scheint es auf sie abgesehen zu haben..

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller ist vergleichsweise dünn, der Plot vergleichsweise umfangreich. Daher ahnt man schon, dass die Autorin nicht lange fackelt und sich nicht mit unnötigen Beschreibungen aufhält. Das finde ich sehr gut, denn damit hab ich es meistens auch nicht so. Man ist schnell in der Geschichte drin und hat zwei miteinander zusammenhängende Fälle mit einer Verbindung in die Vergangenheit. Diese bringen auch einige Personen auf die Bildfläche, die als Opfer, Zeuge oder mutmaßlicher Täter auftreten. Auf der anderen Seite hat man die internen Abläufe im Kommissariat, die nicht nur die Ermittlungen sondern ein paar Probleme innerhalb des Teams thematisieren. Dann gibt es mehrere Perspektiven, wobei die Hauptperson ganz klar Lydia Louis ist.

Die Spannung ist, wohl auch durch die Knappheit, unbedingt gegeben. Es war zu keiner Zeit langweilig und ich war sehr fix mit dem Buch fertig.

Zunächst hatte ich ein paar Probleme, mich bei den vielen Personen immer sofort zurechtzufinden. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich mit Teil 3 ganz uninformiert mitten in die Reihe rein gelesen habe. Hätte ich bei eins angefangen, wären mir die vielen Ermittler ja schon bekannt gewesen. Eine weitere Empfindung von mir ist es, dass etwas viel auf zu wenig Seiten passiert. Wie schon gesagt mag ich einen wenig ausschweifenden Erzählstil, hier wurde jedoch ein sehr umfangreicher Plot recht kurz abgehandelt. Ich möchte jetzt nicht spoilern, aber es gibt nicht nur den Anwalt mit der Verbindung zu dem Mordopfer, sondern auch einen Mordfall in der Vergangenheit und einen Serientäter. Die Frage ist in der Geschichte dann, was davon womit zu tun hat. Das finde ich gut! Aber es gibt viele Ansätze in kurzer Zeit, man hätte viele Dinge noch etwas ausbauen können. Dann gibt’s noch die vielseitigen Probleme der Ermittlerin dazu.

Zunächst war mir die Ermittlerin ja gänzlich unsympathisch. Ihr Partner hingegen war sehr sympathisch. Rückblickend sind die beiden, auch im Zusammenspiel mit den anderen Kollegen, ein sehr gutes Team – auch für eine gesamte Reihe. Die Ermittlerin ist zwar im Auftreten recht unsympathisch, aber trotzdem gut im Job und nicht irgendwie böse, falsch oder ungerecht. Am Ende erschließt sich auch, woher das kommt. Daumen hoch für das gesamte Ermittlerteam, die Autorin hat es gut zusammengestellt!

Die Reihe

Dieses Band hier ist die Nummer 3 in der Thriller- Serie um Lydia Louis und Chris Salomon. Man merkt beim unvoreingenommenen Lesen, dass man schon einiges in den zwei Bänden davor verpasst hat. Trotzdem kommt man auch ohne das Vorwissen aus den Vorgängern problemlos in die Geschichte rein. Trotzdem muss ich ganz klar sagen: Es wäre wohl richtig und wichtig, hier bei Band 1 anzufangen.

Was lernen wir daraus?

Ein umfangreicher Plot mit vielen Perspektiven, Verbindungen und Fragen braucht einfach seinen Platz. In einer Perspektive geht es ordentlich und mit viel Raum in die Tiefe, die anderen Charaktere kratzen nur seicht an der Oberfläche. Der Plot hier ist super durchdacht, mit mehreren Verdächtigen und mehreren Erklärungen für die ursprüngliche Tat. Jedoch bräuchten die meisten Stränge etwas mehr Raum, um sich noch besser zu entfalten.

Andererseits können so manche Schwafler unter den Schreiberlingen sich hier in Punkto „Konzentration aufs Wesentliche“ eine riesige Scheibe abschneiden. Obwohl ich finde, dass mehr Raum für viele Stränge gut wäre, hat die Autorin hier doch eine umfangreiche Geschichte sinnig aufs Papier gebracht, ohne dass ich in Sachen Logik, Lösung und Sinn etwas zu bemängeln hätte.

Fazit

Ich vergebe 3 von 5 Sternen. Der Plot und die Schreibe waren gut, auch das Ermittlerteam ist mit reichlich Konfliktpotential für eine größere Reihe gut zusammengestellt. Der Fall war auch nicht schlecht. Trotzdem war dieser Thriller für mich eher Durchschnitt und ich habe schon besseres gelesen. Ich denke trotzdem, dass ich den nächsten Band bei Gelegenheit austesten werde, um der Reihe eine Chance zu geben. Es war nichts schlechtes an der Sache, nur nicht genügend Grandioses..

Hier gibt es Details zum Buch, der Reihe und der Autorin auf der Verlagsseite.

 

 

Rezension: Mainschatten von Anja Mäderer

mainschatten-anja-maderer-emonsEin Tanzlehrer liegt tot im Kostümkeller der Tanzschule. Offensichtlich ist der Diabetiker die Treppe heruntergefallen, nachdem er Probleme bei der Dosierung seiner Medikamente hatte. So lautet die offizielle Version, bis der Gerichtsmediziner sich wundert. Anfängliche Befragungen verhärten den Verdacht auf Mord, denn der sportliche Tanzlehrer hatte seine Krankheit im Griff und noch nie Probleme mit der Dosierung seiner Spritzen..

Um herauszufinden, wer etwas gegen den Tanzlehrer gehabt haben könnte, muss das Würzburger K1 um die Kommissare Nadja und Peter ungewöhnliche Methoden anwenden. Denn die Tür zur Tanzschule war nach dem Mord abgeschlossen und 10 Personen haben einen Schlüssel. Um herauszufinden, welcher Schlüsselbesitzer der Mörder ist, begibt sich die Kommissarin auf eine Undercover – Mission und beginnt einen Intensivkurs, um sich Zugang zum  Kreis der Tanzschul-Mitarbeiter zu verschaffen.

Die Reihe

Der zweite „Franken Krimi“ von Anja Mäderer ist auch Teil 2 um das Ermittlerduo Nadja und Peter, kann allerdings auch problemlos ohne das Vorwissen aus Band 1 „Mainleid“ konsumiert werden. Natürlich ist es immer etwas schöner, eine Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen..

Ich habe dem ersten Krimi begeisterte 5 Sterne verliehen. Für die Rezension einfach hier klicken!

Stil, Machart, Meinung

Zunächst: Wie schon angeklungen ist, handelt es sich bei diesem Buch um einen Krimi. Ein Regionalkrimi; noch genauer:  Franken Krimi. Einerseits haben wir hier einen Regionalkrimi, der anscheinend auch sehr viele Würzburger Orte originalgetreu beschreibt. Andererseits haben wir hier die moderne Version der klassischen Whodunnit – Krimis, wie man sie beispielsweise von Agatha Christie oder Arthur Conan Doyle kennt. Der Leser muss selbst auch auf Mörderjagd gehen und die kleinen grauen Zellen anstrengen..

Die Autorin schreibt, wie schon in Band 1, fluffig, mit Humor und liebevoll gezeichneten Charakteren. Einzig die kleinen kursiven Abschnitte aus Sicht einer zunächst unbekannten Person sind nicht ganz so mein Fall, da sie mir etwas zu hochgestochen auch nicht unglaublich wichtig erscheinen. Aber diese Abschnitte sind auch nicht sehr zahlreich und wie schon gesagt: kurz!

Der guten Beschreibung und Darstellung der vielen Charaktere ist es zu verdanken, dass man sich die 10 Verdächtigen und Kollegen in der Mordkommission schnell und gut einprägen kann. Das möchte ich noch mal hervorheben, denn das ist bei so vielen Personen auf vergleichsweise kleinem Raum nicht selbstverständlich.

Das Konzept des geschlossenen Raumes ist in der Kriminalliteratur kein Unbekanntes. Schon Edgar Allan Poe oder meine Lieblingskrimiautorin Agatha Christie haben sich bei diesem Element bedient, um den Leser an dem Rätsel um den Mörder teilhaben zu lassen. Ein geschlossener Raum ist meist der Tatort, und es werden so Rätsel in Sachen Tatzeit, Tathergang und Täter aufgeworfen. Hier mal der Link zu Wikipedia, falls Interesse an der Sache besteht.  In diesem Krimi ist die Sache einfach gelöst, es ist nicht der geschlossene Raum sondern die abgeschlossene Tanzschule. 10 Leute haben einen Schlüssel, einer von ihnen muss es gewesen sein.

Was lernen wir daraus?

-Ich für mich habe mal wieder gelernt, dass die klassischen Whodunnit – Krimis einfach genau das richtige für mich sind. Da die Altmeister des Genres mittlerweile nicht mehr unter uns weilen (im eigentlichen Wortsinn eigentlich ja schon, weil unter der Erde..) , freue ich mich immer besonders, wenn man dieses klassische Konzept auch in der heutigen Zeit anwenden kann. Hier ist das besonders gut gelungen, da auch der Schreibstil und die Charaktere sehr gut sind. Bei meinem eigenen Krimi versuche ich genau das gleiche, denn der erste Mord findet auch in einem geschlossenen Raum statt. Ich hadere allerdings mit der Personenbeschreibung. Man muss den Leser schnell an viele Verdächtige heranführen, sodass er sich diese Personen auch halbwegs merken kann. Man braucht eventuell besondere Charaktere, in diesem Krimi hier beispielsweise der „Pater“, der nicht so verklemmt ist wie erwartet oder der total gut aussehende Tanzlehrer, der reihenweise Frauen abschleppt. Sowas merkt man sich!

Fazit

Ich vergebe diesem Krimi, genau wie auch dem Vorgänger „Mainleid“, 5 Sterne. Ich habe einfach nichts auszusetzen und möchte auch das dritte Buch der Reihe unbedingt lesen. Das klassische Krimi-Prinzip (Whodunnit, geschlossener Raum) wurde gut in die heutige Zeit übertragen. Der Schreibstil, die liebevoll und gut beschriebenen Personen sowie das Beziehungsgeflecht und die Auflösung sind logisch und zwischendurch hat man auch lustiges, trauriges und gefährliches erlebt. Das Buch liest sich schnell weg und ich kann es wirklich nur empfehlen. Die Regionalkrimi- Reihe um das Würzburger Kommissariat sind in meinen Augen ein echter Geheimtipp für Fans von klassischen Krimis, mit vielen interessanten Persönlichkeiten und spannenden Rätseln.

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Rezension: Scherbenkind von Britt Reißmann

scherbenkind-britta-reismannDer anonyme Anruf eines Kindes geht beim Polizeipräsidium in Stuttgart ein. Der Fall geht an Hauptkommissarin Verena Sander, die durch einen ähnlichen Anruf eine Verbindung zu einem alten Mordfall herstellen kann. Bald ist ein unbekannter Toter aus einer Kleingartensiedlung identifiziert, Spuren führen zu einer regional bekannten Rockband. Das Kind ist zwar immer noch nicht gefunden, aber der Fall wird zunehmend mysteriös. Nebenbei verliebt sich die Kommissarin in einen der Musiker und stößt auf das merkwürdige Verhalten von Sina – ihre Stimme passt zwar nicht zu den Anrufen, aber sie wohnt dort wo der Anruf abgesetzt wurde und bringt die Kommissarin bald auf eine Idee..

Stil, Machart, Meinung

Bei diesem Buch fiel mir die Zusammenfassung etwas schwer, denn die Entwicklungen der Geschichte hätte ich nach der Inhaltsangabe auf dem Buchrücken nicht erwartet. Ehrlich gesagt, hätte ich das Buch dann wahrscheinlich auch nicht gelesen, aber man muss ja auch neue Dinge entdecken. So habe ich versucht, hier auch ein wenig die Richtung anzugeben in die es führt, und trotzdem nicht zu viel verraten.

Die Themen dieses Krimis sind vielfältig. Neben der detailliert geschilderten Arbeitsweise in einem Polizeipräsidium, lustigen Situationen und Dialogen geht es dann doch vor allem um einen schwierigen Fall für Psychologen und die Heavy Metal oder Death Metal Szene (bin da wenig bewandert) und satanische Entgleisungen. Der Arbeitsalltag von Kommissaren und besonders die humorvollen Szenen und Dialoge muss ich hier besonders loben, denn einige Krimis heutzutage wollen unglaublich düster oder literarisch anspruchsvoll sein, sodass das Lesen manchmal auch deprimiert. Hier finde ich die Mischung gelungen. Das psychologische Thema, ich kann hier schlecht mehr verraten, ist auch sehr interessant – meiner Meinung nach nimmt es allerdings zu viel Raum ein. Das Thema mit Band, Groupies und Satanismus ist auch nicht so recht meins, eröffnet jedoch einige Möglichkeiten.

Genau meinen Nerv trifft die Autorin wiederum mit mehreren Verdächtigen und Nachforschungen in der Vergangenheit. Das Ende ist auch gut aufgelöst, kommt für mich im Vergleich zu dem eher ausführlichen Anfang und Mittelteil dann doch etwas zu kurz.

Wir haben hier also einen Kriminalroman, bei dem der Fokus auf der Ermittlungsarbeit und einem interessanten psychologischen Fall liegt.

Die Reihe

Erstaunlich wenige Informationen habe ich über die Reihe um Verena Sander gefunden. So war mir beim Aussuchen des Buches nicht klar, dass es sich um Teil 2 einer Serie handelt. Das machte aber auch nichts, ich kam gut rein und konnte mir die Personen schnell merken. Es gibt viele interessante Andeutungen zum letzten Buch und die sympathischen Kollegen sowie der herrlich blöde Staatsanwalt sind gute Figuren für eine Reihe. Man kann dieses Buch also durchaus so lesen, wer vorne anfangen sollte der muss mit dem Titel „Blutopfer“ beginnen.

Was lernen wir daraus?

-Die Autorin arbeitet bei der Polizei. Das ist ein Vorteil, den sie nicht groß raushängen lässt. Sie geht nicht angeberisch in die Details, aber man merkt genau, dass sie weiß wovon sie schreibt. Das finde ich sehr gelungen, denn man bekommt einen realistischeren Einblick in die Polizeiarbeit. Wenn man schreibt, dann also bestenfalls über ein Gebiet, in dem man sich auskennt. Oder mit hervorragender Recherchearbeit. Dass muss aber natürlich auch nicht sein, wenn man es durch andere Dinge wieder wettmachen kann oder die Realität gerade nicht abbilden möchte.

-Humor. Ich bin ein lustiger und humorvoller Mensch und ich liebe Krimis und Thriller. Manchmal passt das ja augenscheinlich eher weniger zusammen, aber wenn man beides miteinander verbinden kann ist es umso besser. Ermittler müssen nicht auf jeder Seite todernst rumlaufen, denn für sie ist es ja auch Alltag. Die Krimis von Agatha Christie zum Beispiel sind für mich die besten Krimis, und auch dort gibt es viel Humor, ohne das dem Verbrechen und dem Rätseln etwas genommen wird – ganz im Gegenteil. Ich mag die Kombination, wenn sie gut gelungen ist.

Fazit

Dem Krimi „Scherbenkind“ gebe ich 3 Sterne. Es ist eine solide und interessante Story mit einem Verbrechen, welches gut aufgelöst wird. Am Anfang war ich sehr begeistert, der Mittelteil war mir dann allerdings zu lang und ausführlich, sodass mir die Lust zum Lesen irgendwie etwas abhanden gekommen ist. Der Schluss kam etwas kurz. Im allgemeinen driftete die Geschichte in zwei Themenbereiche ab, die nicht so ganz nach meinem Geschmack waren und mir auch nicht angekündigt wurden (gut, wie auch, ohne zu viel zu verraten…). Für einige wird es genau das Richtige sein, für mich war es solide und macht nicht unbedingt Lust auf mehr. Aber viel zu meckern habe ich auch nicht, manchmal fehlt einfach der gewisse Funke.

Hier gibt’s die Details zum Buch und zur Autorin

Rezension: Lügengrab – Hendrik Berg (Krumme #2)

lugengrab-hendrik-bergDer Berliner Kommissar Theo Krumme sucht im Urlaub endlich mal Ruhe.  Und deshalb zieht es ihn auf die Hallig Hooge, auf der es ja –vom Wind mal abgesehen- eigentlich unschlagbar ruhig sein soll. Schon auf der Fähre auf die Hallig lernt er Swantje kennen. Die junge Frau stammt von der Hallig, war ihr aber jahrelang fern geblieben. Denn dort ist einen Tag vor der Hochzeit ihr Verlobter spurlos verschwunden. Alle auf der Hallig sind sich sicher, dass der Verlobte kalte Füße bekommen hat. Nur Swantje, die kommt über ihn nicht hinweg und ist sich sicher, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Als sie den Kommissar mit ihrer Vermutung konfrontiert, werden unter den Bewohnern von Hooge alte Wunden aufgerissen. Und das ist vielleicht auch ganz gut so, denn auf der Hallig lauert das Böse..

Stil, Machart, Meinung.

Zunächst muss ich sagen: Die Atmosphäre, die dieser Krimi rüber bringt, ist sehr gelungen. Eine ruhige Hallig mit ein paar Touristen, Einheimische, Geheimnisse, die einzigartige Landschaft und natürlich Kälte, Wind, Sturm, Sturmflut. All das kommt sehr gut rüber, ist sehr ausgewogen beschrieben und sorgte dafür, dass ich mich beim Lesen mit einer Tasse Tee unter die Decke kuschelte. Für diese Jahreszeit ist es genau das richtige.

Ich muss ehrlich sagen, ich hatte mich mit Halligen noch nie wirklich beschäftigt. Gut, man kennt den Schimmelreiter, dann hört es allerdings schon auf. Ich bin ja sonst immer eher ein vehementer Gegner von zu viel Beschreibung der Landschaft, hier war es aber tatsächlich sehr interessant und hat mir eine ganz neue Perspektive eröffnet. Ich glaube, ich muss auch mal ein paar Tage auf die Hallig. Auf Google Maps habe ich mir die Hallig Hooge sogar mal angeschaut, die Beschreibung des Autors erscheint mir sehr realistisch und so hatte ich ein genaues Bild der Hallig vor Augen.

Und dann haben wir hier endlich mal wieder einen richtig guten Krimi. Man merkt schon an den ersten Szenen, dass sich auf dieser Hallig ein sehr Böser Mann vor der Welt versteckt. Denn es geht sofort auf den ersten Seiten richtig zur Sache. Die drohende Gefahr ist von Anfang an spürbar.  Und manchmal zwischendrin erfährt man auch kurz erschreckendes aus dem Kopf des Täters. Schnell wird klar, dass die sehr nette Swantje das nächste Opfer werden dürfte, und auch der Kommissar ist ihm ein Dorn im Auge. Welchem Inselbewohner kann man vertrauen? Wurde Swantjes Verlobter ermordet? Wer ist der Mörder, der schon ein paar Menschen auf dem Gewissen hat?  So wird sehr viel Spannung aufgebaut, die dann am Ende im dramatischen Finale mündet. Alles ist logisch, die Personen sind gut und liebevoll beschrieben, es macht alles Sinn. Und obwohl ich mit meiner Vermutung schon länger richtig lag, konnte ich am Ende auch überrascht werden. Mehr wird nicht verraten.

Die Reihe

Theo Krumme scheint schon in einem ersten Teil ermittelt zu haben, Lügengrab ist die Fortsetzung. Das wurde mir erst beim Lesen klar, und die Verknüpfung war trotzdem gelungen. Problemlos fand ich in die Geschichte, zwei aus dem ersten Teil bekannte Personen tauchen gelegentlich als Randfiguren auf. Die Balance ist gelungen, Leser von Teil 1 und Quereinsteiger wie ich dürften nichts auszusetzen haben. Ich überlege jetzt, auch Teil 1 „Deichmörder“ zu lesen. Teil 3 werde ich auf jeden Fall lesen, das ist schon klar.

Was lernen wir daraus?

Besonders lehrreich finde ich, wie der Autor den Ort, an dem die Geschichte spielt, auch irgendwie zum Mittelpunkt der Handlung macht. Viele Handlungen und Empfindungen der Geschichte sind unmittelbar mit dem besonderen Ort verknüpft. Diese Geschichte hätte nicht in einer Großstadt spielen können. Dabei hat Hendrik Berg die Stimmung auf einer Hallig sowie die Natur dort auch mir als Unwissende sehr gut und authentisch vermittelt. Und so bleibt diese Geschichte besonders im Gedächtnis, der Leser hat eine interessante Erfahrung gemacht, auch über die Krimihandlung hinaus.

Natürlich muss jetzt nicht jede Geschichte auf einer Hallig spielen, damit ich begeistert bin. Es geht eher darum, einen interessanten Ort oder ein interessantes Milieu geschickt mit der Handlung zu verknüpfen, sodass die Geschichte etwas Besonderes wird. Für viele kann sowas eine neue und besondere Erfahrung sein. Für die „Kenner“ des Ortes oder der Szene könnte es natürlich ein Grund mehr sein, das Buch zu kaufen, zu lesen – und, wenn es gut gemacht ist- auch zu mögen.  So kann ich mir vorstellen, dass die Touristen und Einheimischen auf Hooge und in der Region sicher gern diesen Krimi lesen würden, einfach weil er auf der Hallig spielt.

Fazit

Krimileser kommen hier voll auf ihre Kosten, ich vergebe begeisterte  5 Sterne und werde mir den Namen Hendrik Berg merken. Wir haben einen abgeschiedenen Ort, am Ende sogar von der Außenwelt getrennt, mit mehreren Verdächtigen, mehreren ungeklärten Fragen, einen sympathischen Ermittler und die Spannung fesselt den Leser ab Seite 1. Trotz mehrerer Szenen, die nichts für schwache Nerven sein dürften, plätschert das Geschehen seicht, interessant und in einer für viele sicher unbekannten Landschaft zeitweise nett vor sich hin, während doch immer die Bedrohung über den Hauptpersonen schwebt und es zu keiner Zeit langweilig werden lässt. Am Ende gibt´s auch eine ordentliche Portion Action. Die Handlung wird logisch aufgelöst, die zuvor rätselhaften Szenen machen Sinn. Besonders begeistert bin ich von der neuen Perspektive einer Hallig, ich habe einiges gelernt, ein neues Lebensgefühl kennengelernt und werde mich noch lange an diese Geschichte erinnern.

Wer Krimis mag, wird diesen lieben..

Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

Rezension: Die Schattenbucht von Eric Berg (2016)

Schattenbucht Eric BergEine Frau springt ohne ersichtlichen Grund vom Balkon ihres Hauses. Der Selbstmordversuch misslingt und so kommt Psychologin Ina Bartholdy ins Spiel. Sie ist die behandelnde Ärztin der Bäckereiinhaberin und kann sich das Verhalten ihrer Patientin nicht erklären. Als sie die entlassene Frau zu Hause besucht, kommt ihr das Verhalten des Ehemannes stutzig. Sie beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Diese werden durch ihre Tochter erschwert, die sich nach Jahren beim Exmann auf einmal bei der Mutter einquartiert und die Schule abbrechen will.
Ziemlich schnell wird klar, dass dramatische Vorfälle 14 Monate vor dem Selbstmordversuch nicht nur die Bäckerin sondern auch viele andere Leute in eine sehr heikle Situation gebracht haben. Denn es hatte sich eine Gruppe Menschen zusammengeschlossen, um etwas Kriminelles durchzuziehen..

Stil, Machart, Meinung
Wie man schon an meiner Inhaltsangabe erkennen kann, haben wir hier zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart ab dem Selbstmordversuch der Bäckersfrau, ab der dem Leser aus Sicht von Psychologin Ina Bartholdy die Ereignisse geschildert werden. Dann gibt es abwechselnd die Zeitebene „vor 14 Monaten“, die dem Leser nicht nur einen Wissensvorsprung gibt sondern auch viele Dinge schon erklärt.
Trotz der zwei Ebenen und dem Wissensvorsprung fragt man sich dann trotzdem immer noch so einiges, denn viele Fragen bleiben bis zum Schluss unbeantwortet. Die Mischung finde ich gelungen, es wird nicht neugierig und man gewinnt immer wieder neue Erkenntnisse und Zusammenhänge werden klar. Geschickte Cliffhanger am Ende und ein immer unheilvolleres Geschehen sorgen dafür, dass man das Buch schnell – und ohne Langeweile- gelesen hat.
Die Fragen, die sich aus dem Teaser auf der Buchrückseite ergeben, werden übrigens recht schnell geklärt. Deshalb kann ich hier mit weiterem Inhalt nicht spoilern, es würde einfach zu viel verraten..
Die Erzählweise ist erfrischend fluffig und locker, einige Gedankengänge und Dialoge sind humorvoll und die Mischung finde ich insgesamt sehr gelungen. Es gibt auch sehr schöne Sätze die ganz allgemeine Beobachtungen sehr schön umschreiben und das Potential zu erfolgreichen Zitaten haben, die im Zeitalter des Internets ja auf vielen Plattformen gern geteilt werden. Beispielsweise mein Favorit:

„Für den Bäcker war Literatur etwas Ähnliches wie ein Opossum: zwar wusste er, dass es existierte, aber er hatte weder je eines zu Gesicht bekommen noch die geringste Ahnung, wozu es überhaupt gut war“(S. 42)

Eine weitere Besonderheit ist, dass in diesem Buch irgendwie so ganz herrlich normale Charaktere in der genau richtigen Intensität gezeichnet wurden. Kein grandioser Gegenspieler gegen einen hochintelligenten oder höchstmerkwürdigen Kommissar, sondern einfach eine Geschichte mit vielen Menschen die blöde Fehler begehen, Probleme haben und überhaupt die Erkenntnis: Man sollte kriminelle Ideen wohl eher nicht in einer größeren Gruppe umsetzen, denn da kann an jeder Ecke etwas schiefgehen. Der Autor wirft hier auch einige moralische Fragen auf, ich habe an mehreren Stellen gedacht: „Was hätte ich da jetzt gemacht?“.

Fazit
Nachdem mir kein neuer Punkt zum Thema „was lernen wir daraus?“ einfällt und ich mich auch nicht wiederholen möchte, geht’s gleich zum Fazit. Ich vergebe gute 4 von 5 Sternen und werde mit Sicherheit ein weiteres Buch von Eric Berg lesen, der mich besonders mit der Schreibweise und dem Plot überzeugt hat. Die Schattenbucht ist das dritte Buch von Eric Berg, es scheint sich nicht um eine Reihe zu handeln und kann ohne Vorkenntnisse als ganze Geschichte gelesen werden. Ich empfehle es vor allem Fans von Kriminalromanen und Psychothrillern, kann es auf Grund der moralischen Fragestellungen und der vielen liebevoll gestalteten Charaktere aber auch einem Großteil von Romanlesern empfehlen, wenn das Thema denn Interesse weckt.

Details zum Buch gibt es hier!