Rezension: Die Tote in der Sommerfrische von Elsa Dix

1912, die Titanic ist gerade gesunken. Christian hat eine Stelle als Journalist bei einer Frauenzeitschrift erhalten und soll auf Norderney Eindrücke über die Sommerfrische und die gut betuchten Gäste am feinsten Hotel der Insel sammeln. Zunächst sammelt er jedoch die Leiche einer jungen Frau aus dem Wasser und trifft dabei auf die reiche, aber sehr unkonventionelle und abentuerlustige Viktoria.Sie kannte die Tote. Die Polizei tut den Tod des Mädchens als Selbstmord ab, Viktoria und Christian jedoch sind sich sicher, dass es Mord war. Und so beginnen sie, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen..

Stil, Machart, Meinung

Dieser historische Küstenkrimi hat mehrere gut funktionierende Elemente. Kurz beschrieben würde ich sagen: Agatha Christie meets Downtown Abbey. Da beides sehr erfolgreich ist, klingt das gut umgesetzt doch nach einer hervorragenden Mischung. Und es ist gut umgesetzt! Der Schreibstil ist locker, unterhaltsam und oft auch humorvoll.

Das Norderney im Jahre 1912 ist natürlich anders gewesen, als es heute ist – und ich glaube, da hat die Autorin sehr gewissenhaft recherchiert, um auch in dieser fiktiven Geschichte möglichst detailgetreu zu berichten. Ich habe dadurch eine gute Vorstellung von dem Ort und den Personen zu der Zeit bekommen, ohne gelangweilt zu sein. Als besonderes Plus gibt es immer mal etwas Plattdeutsch zwischendurch(keine Angst, es tut nicht weh!) und ich als Nordlicht fühle mich da ganz wie zuhause..

Neben den interessanten historischen Details gibt es viele sozialkritische Elemente. Es gibt verschiedene Schichten, die in dem Hotel aufeinandertreffen und natürlich eine Menge vorgefertigter Meinungen und „es schickt sich nicht“. Man erfährt Dinge aus dem Leben der Superreichen, Adeligen und Dienstboten. Dabei gibt es gut angelegte Graustufen und eine zwischen den Zeilen gut angelegte Aussage, dass irgendwie dann doch alle gleich sind.

Last, but not least: der Plot! Auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Irgendwann am Anfang habe ich mal gedacht „hoffentlich wird das jetzt nicht zu viel historische Details und zu wenig Mordfall“. Glückllicherweise war das nicht der Fall. Die vielen historischen Details und der Mordfall standen sich nicht im weg, und es kam das Whodunnit – Feeling wie bei Agatha Christie auf. Immer wieder beschäftigen Gespräche, Beobachtungen, Fundstücke und Handlungen die beiden zivilen Ermittler und den Leser, am Ende fügt sich alles schlüssig zusammen. Und ein bisschen Liebesgeschichte darf auch nicht fehlen.

Was lernen wir daraus?

Eigentlich schreckt mich das Wort „historisch“ ja immer etwas ab. Ein „historischer Roman“ konnte mich noch nie überzeugen. Aber die Klassiker von Jane Austen habe ich gern gelesen, und Agatha Christie am allerliebsten. Da Agatha Christie nun nichts mehr schreiben wird, bin ich immer auf der Suche nach etwas ähnlichem, dabei aber offen für neues. Im Laufe der Jahre wurde ich auf der Suche oftmals enttäuscht, habe aber auch einige Perlen entdeckt. Wenn alles super gemacht ist, dann stört das „historische“ nicht – ganz im Gegenteil kann es noch ein Plus sein.

Fazit

Dieser historische Küstenkrimi bekommt von mir 5 Sterne. Ein Krimi ganz nach meinem Geschmack; gut geschrieben, nie langweilig, spannend, guter Plot, amüsante Dialoge und einfach eine runde Sache. Ich konnte mir meine eigenen Gedanken machen, um  das Rätsel zu lösen und wurde nicht enttäuscht. Die historischen Details waren hier nicht nervig, sondern interessant und gut eingebaut. Wahrscheinlich ist die Geschichte eher etwas für Frauen als für Männer. Aber wer Whodunnit mag, der wird dieses Buch auch als Mann sehr mögen. Her mit Band 2!

Hier gibt es die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

Hier ist die Homepage der Autorin, sehr interessant sind die alten Fotos von Norderney aus der Zeit, in der der Krimi spielt.

2 Kommentare zu „Rezension: Die Tote in der Sommerfrische von Elsa Dix

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