Rezension: Der Tod so kalt von Luca D`Andrea

Der Tod so kalt Luca D AndreaJeremiah Salinger, ein amerikanischer Drehbuchautor, produziert eine erfolgreiche Fernsehserie. Als er mit seiner Frau in ihr Heimatdorf in Südtirol zieht, ist er dort trotzdem nur ein Fremder. Er gehört nicht zur Dorfgemeinschaft, da er kein Einheimischer ist. Nachdem er eine neue Idee für eine Fernsehserie in Südtirol in die Tat umsetzt, passiert eine schreckliche Tragödie. Davon traumatisiert, schwört er sich und seiner Frau, Urlaub zu nehmen. Aber dann fesselt ihn ein brutaler Mord an drei jungen Leuten, welche 1985 an der Bletterbachschlucht brutal hingerichtet wurden. Nur durch diese Geschichte fühlt er sich wieder lebendig, aber nur durch diese Geschichte schweben er und seine Familie auch in Gefahr. Er kann trotzdem nicht mit der Ermittlung aufhören, bevor er das Rätsel gelöst hat. Und das Schicksal der drei Toten ist auch das Schicksal vieler anderer, die dran zerbrochen sind.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller ist ausschließlich in der Ich – Perspektive erzählt und bekommt so einen sehr persönlichen und realistischen Beigeschmack. Man fühlte sich tatsächlich mittendrin. Es tickt nicht –wie bei den meisten Thrillern – direkt eine Uhr durch die Seiten, es muss kein Täter gefasst werden um weitere Opfer zu retten. Es gibt einfach einen Mann in einem Dorf, der seine Neugier und Faszination nicht zügeln kann und so zu vielen Leuten zu viele Fragen über schlimme Dinge in der Vergangenheit stellt. Ich dachte oft: „Mein Gott Salinger, hör bloß auf, Fragen zu stellen“ und genau so oft „was ist damals bloß passiert?“.  Damit hatte mich der Autor wohl genau dort, wo er mich auch haben wollte.

Dieser Thriller ist recht dick und langatmig, aber trotzdem nicht detailüberladen und langweilend. Das Buch ist auch ein wenig Roman, welcher zwei Hauptstränge hat und dadurch viele Nebenhandlungen und Charaktere entwickelt. Einmal der Ich –Erzähler mit Frau, Tochter und Schwiegervater in der Gegenwart und dann die drei ermordeten Leute im Jahre 1985 und deren Leben, Probleme, Feinde sowie die Auswirkungen auf einige Zeitzeugen. Die Schreibweise des Autors ist fluffig und es gibt auch viele lustige und ironische Bemerkungen.

Ich hatte vor Jahren mal einen „Krimi“ aus Südtirol gelesen, der mehr einem begeisterten Reiseführer sowie einer Ötzi – Dokumentation glich als einem spannungsgeladenen Krimi. Dieser Thriller hier offenbart auch interessante Details aus dem Leben in Südtirol sowie der Landschaft, jedoch ist es interessant und geschickt in die Geschichte eingebaut. Auch Ötzi kommt kurz wieder vor, ohne Ötzi geht ein in Südtirol spielendes Buch wohl nicht. Aber hier stören mich die interessanten landestypischen, geologischen und historischen Fakten nicht – ganz im Gegenteil: Sie machen die Geschichte sehr realistisch.

Der Plot und die einzelnen Charaktere konnten mich überzeugen, auch das Ende war schlüssig und konnte sowohl überraschen als auch Action bieten.

Was lernen wir daraus?

Der Unterschied zwischen einem Reiseführer mit ein bisschen Krimi, der dann die Krimileser sehr enttäuscht und die am Reiseführer Interessierten niemals erreicht und einem spannenden Thriller, eingebettet in eine interessante Region ist definitiv nicht fließend. Wer einen Reiseführer schreiben möchte, kann das gern machen – darf den aber nicht Regionalkrimi nennen. In diesem Buch hier war die Geschichte wichtig, der Autor gab der Geschichte viel Raum, hatte einen tollen Plot und hat nebenbei Details der Umgebung geschickt eingebaut, damit die Geschichte einen realistischen Rahmen hat. Die Umgebung half der Geschichte – und nicht andersrum. Wer einen guten Regionalkrimi- oder Thriller schreiben möchte, sollte sich fragen ob Details der Geschichte helfen oder ob die Geschichte nur die regionstypischen Aspekte präsentieren soll. Oder ob er lieber einen Reiseführer schreiben sollte, denn das ist ja auch nicht schlecht. Dieses Buch hier zeigt, wie man viele lokale Dinge in eine spannende Geschichte einbaut, sodass man der Geschichte nicht die Spannung nimmt und trotzdem ein interessantes Setting erschafft.

Fazit

Ich vergebe fast 5 Sterne, sagen wir mal 4,5. Der Thriller hat alles, um mich zu fesseln. Ich habe nichts entdeckt, was mir nicht gefällt und sogar das etwas Langatmige gemocht, weil es interessant war und die Athmosphäre des Buches befeuerte. Für die Höchstpunktzahl fehlt noch das ganz Besondere, das Geniale.

Für Thriller- und auch Krimifans ist dieses Buch sicher eine gute Sache. Auch Südtirol – Fans oder Südtiroler dürften ihre Freude an der Geschichte haben, da viele regionale Aspekte gut in die Geschichte eingewoben sind. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Hier gibt es Details zu Buch und Autor auf der Verlagsseite!

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Rezension: Im Zeichen des Todes von Sam Wilson

Sam Wilson im Zeichen des TodesIn der Welt, in der dieser Thriller spielt, entscheidet das Geburtsdatum eigentlich über das ganze Leben. Denn in diesem System, hier die Stadt San Celeste,  bedeutet das Sternzeichen, wie der Mensch ist, wo er lebt und welche Chancen er im Leben hat. Die Sternzeichen, so wie wir sie auch kennen, unterteilen die Menschen in Gruppen. Es gibt beispielsweise die privilegierte Oberschicht der Steinböcke, die gewalttätige Unterschicht der Widder, die loyalen und bodenständigen Stiere oder liberale Hipstertypen wie die Wassermänner..

Als der Polizeichef Williams von seiner Putzfrau tot im Garten entdeckt wird und die Putzfrau nach dem Notruf verschwindet, wird Detective Jerome Burton auf den Fall angesetzt. Da am Tatort Spuren in die Richtung der gewalttätigen Widder deuten, wird eine „astrologische Profilerin“ hinzugezogen. Während der Detective nicht an die Macht der Sterne glaubt, ist diese für Lindi Childs der Schlüssel zu Allem. Und dann geschieht ein weiterer Mord..

Stil, Machart, Meinung

Die Stadt, in der die Handlung spielt, und das System der Sternzeichen finde ich faszinierend. Die Idee ist super. Eigentlich weiß der Leser, dass die Einteilung der Sternzeichen und die riesige Bedeutung für das Leben in San Celeste absoluter Humbug ist. Aber die Leute in diesem Buch sind in diesem System so verwurzelt, dass sich alles nach der Einteilung ausrichtet.

Was ist, wenn bei einem privilegierten Steinbock – Paar das Kind durch Komplikationen zu früh auf die Welt kommt? Oder wenn sich ein Widder in ein Stier verliebt? Wie mögen sich die einzelnen Gruppen untereinander und wie gehen sie miteinander um? Tatsächlich sprechen die einzelnen Zeichen unterschiedliche Dialekte, nicht wie bei uns je nach Region sondern tatsächlich nach dem Zeitraum der Geburt. Es gibt Stadtteile, die nur von bestimmten Sternzeichen bewohnt werden. Genau geplante Verhütung und Befruchtung ist alles. Die Idee zieht eine Menge Fragen und Gegebenheiten nach sich, und das ist definitiv ein spannender Rahmen für einen Thriller.

Und genau dieser Thriller ist für mich als Thriller – Leser doch etwas dünn ausgefallen. Auf der Rückseite des Buches wird von „einer Mordserie von unvergleichlicher Brutalität“ gesprochen, die den routinierten Thriller-Fan nicht mal ansatzweise von der Couch hauen wird. Noch dazu ist einem der Täter die meiste Zeit auch sympathischer als die Opfer. Einzig die Fragen, wer von der Polizei mit in der Sache drin steckt, ob das Ermittlerteam noch was ermittelt und ob das nächste Opfer im Visier des Killers auch noch zur Strecke gebracht wird, halten den Thriller-Leser bei der Stange.

Das Ermittlerteam ist für diese geschaffene Welt natürlich gut gewählt. Der Detektive, der nicht an die Sache mit den Zeichen glaubt, bekommt Hilfe von einer überzeugten, astrologischen Profilerin. Der Detective erwartet gerade selbst ein Kind und hofft inständig, dass es nicht zu früh kommt. Und die lesbische Profilerin erstellt halt ein paar Diagramme auf Grund des Geburtsdatums und scheint stellenweise selbst nicht so extrem an das System zu glauben wie andere. Grundsätzlich eine gute Zusammenstellung, nur was mir zwischenzeitlich mal auffiel: so richtig viel Ermittlung mit Ermittlungsergebnis hat dieses Gespann nicht zu Tage gebracht. Sie sind ganz klar die Guten, aber irgendwie sind ihnen auch die Hände gebunden. Hier hätte ich mir deutlich mehr Tiefgang bei den Hauptpersonen gewünscht. Der Konflikt mit den Zeichen war grundsätzlich ja ganz gut herausgearbeitet, bot aber gerade bei den Ermittlerin noch wesentlich mehr Potential.

Am Ende wird’s dann dramatisch, es passiert nach langem Dahinplätschern plötzlich eine Menge, der Showdown ist dramatisch und viele Menschen sind in Lebensgefahr. Die letzten Seiten konnten mich dann zur Hälfte mit der Handlung versöhnen, aber die andere Hälfte besteht aus vielen offenen Fragen.

Was lernen wir daraus?

Die Idee mit der Welt, in der sich alles nach dem Geburtsdatum und damit Sternzeichen ausrichtet, ist der absolute Hammer. Deshalb habe ich das Buch unbedingt lesen wollen, gerade weil zur Abwechslung mal ein Thriller mit Mordserie in einer interessanten erdachten Welt spielt. So eine Idee möchte ich auch mal haben, ich arbeite dran. Diese Idee bietet ein großes Potential für ein Buch oder auch eine ganze Serie. Dieses Buch sehe ich schon in der nächsten großen Serie, entweder von Amazon oder Netflix produziert oder nach einem riesigen Erfolg in den USA dann auch am Mittwoch um 20.15 auf Pro7..

Die Schattenseite einer so grandiosen Idee sind dann auch immer das Potential der Idee und die Erwartungen der Leser. Als ich den Teaser las, war ich Feuer und Flamme. Die Idee hatte mich gepackt. Aber da ich auch gern Thriller lese, konnte mich der Thriller in dieser Idee irgendwie nicht so packen und gerade im Mittelteil plätscherte die Story so dahin.

Fazit

Eine grandiose Idee einer fiktiven Welt mit einem unglaublichen System. Und gleichzeitig ein Thriller, in dem eine Mordserie in genau dieser Welt spielt und in der auch die Handlung mit diesem System sehr eng verbunden ist.  Diese Kombination ergab eine aufgeregte 5 – Sterne – Erwartung meinerseits. Ich vergebe jedoch nach der Lektüre, wieder auf dem Boden der Tatsachen, 3 Sterne. Es steht Thriller drauf, und es ist auch Thriller drin. Würde dieser Thriller jedoch nur als Thriller bewertet in einer normalen Welt spielen, wäre meine Bewertung unterirdisch. Denn die wichtigen Personen mit ihren Motiven und Hintergründen sind, bis auf eine Ausnahme zu der ich nichts verraten kann, sehr blass geblieben. Die Morde sind so lala, einzig die Vergangenheit dahinter ist interessant. Die Stadt und die Aufteilung ihrer Bewohner in die Sternzeichen ist super und die Balance zwischen dieser fiktiven Welt und den Verbrechen ist auch sehr gut gelungen. Nur das ungenutzte Potential, die blassen Personen und die zeitweise eher zähe Handlung sind nicht so meins. Trotzdem eine gute Idee, die wahrscheinlich tatsächlich irgendwie verfilmt werden wird.

Hier gibt’s die Details zum Buch auf der Verlagsseite.