Rezension: Tod in der Hofburg von Beate Maxian ( Wien – Krimi )

Beate Maxian, Wien - Krimi

Beate Maxian, Wien – Krimi

Der Inhalt
In Wien ist einiges los. Erst sprengt sich eine Frau mit einer Handgranate im Sissi-Museum in die Luft und dann schießt ein Heckenschütze auf die Besucher des weltberühmten Neujahrskonzert der Philharmoniker. Journalistin Sarah Pauli schreibt für den Wiener Boten eigentlich nur eine Kolumne über Aberglauben, ist aber durch ihre Anwesenheit am Tatort wie gefesselt von dem Fall. Gefesselt ist auch die mysteriöse Cellistin, die vor dem Attentat etwas beobachtet zu haben scheint und nun gesucht wird.

Stil, Machart, Besonderheiten und meine Meinung
Das Buch ist ein Regionalkrimi und ich bin sicher, dass die Wiener, Österreicher, Wien-Fans und Touristen großen Gefallen an diesem Buch finden werden. Es beschreibt mit Liebe zum Detail die Wiener Orte, sodass sich schon dagewesene sicherlich wohlig und heimatlich fühlen. Für mich, ich stehe ja nicht so auf Geschwafel, war es etwas zu viel. Grundsätzlich kann ich damit jedoch leben, nur an manchen Stellen ufert die Heimatverbundenheit bzw. die detaillierte Beschreibung etwas zu sehr aus. Aber hier sind die Geschmäcker sicherlich verschieden.

Die Journalistin Sarah Pauli ist ganz gut getroffen und scheint in Band 1-4 dieser Reihe schon einiges erlebt zu haben. Sie ist die Hauptperson im Buch und durch ihre Augen erfahren die Leser alles. Warum sie ermittelt, also quasi die Motivation, wird mir gut klar. Sie war selbst beim Attentat zugegen und ist dem Tod demnach knapp entkommen. Klar, da ist man persönlich betroffen und möchte Licht ins Dunkel bringen. Gut finde ich auch, dass sie ihre Ermittlung aus der Sicht einer Journalistin und auch mit der Priorität auf die nächste Berichterstattung unternimmt, das ist mal was anderes. Manchmal bekommt sie von einem Kommissar einen Wink in die richtige Richtung. Störend ist für mich jedoch, dass ihre Ermittlungserfolge allesamt eher dem altbekannten „Kommissar Zufall“ zugeschrieben werden können und sie das gesamte Buch hindurch zufällig immer gerade da ist, wo sich etwas Wichtiges abspielt. Auch, dass Angehörige und Zeugen ihr relativ bereitwillig alles sofort berichten, kommt mir etwas unrealistisch vor. Klar, die Hauptperson der Reihe soll sympathisch bleiben und zu keiner Zeit miese Tricks zur Beschaffung von Informationen anwenden – aber realistisch ist es nicht so recht.

Toll finde ich die ausbalancierte Sprache, in der für mich (als deutsches Nordlicht) so manche Österreichische Begriffe vorkommen, von denen ich noch nie gehört habe aber die ich trotzdem gut einordnen kann. Das finde ich sehr gelungen.

Die Spannung blieb bei mir leider zumeist auf der Strecke. Klar, man will wissen wer da geschossen hat, was die beiden Fälle miteinander zu tun haben und noch vieles mehr. Der Plot an sich ist eigentlich wirklich gut, aber viele Zufälle und viele Ausschweifungen (Mythologie, Lokales) haben meinen Lesefluss nicht so wie gewünscht entstehen lassen. Der Leser wird gekonnt im Unklaren gelassen und es gibt viele mysteriöse Personen und Verstrickungen, aber so richtig mitraten kann man anhand der Informationen dann auch wieder nicht. Bei mir war es leider nicht so, dass ich das Buch vor lauter Aufregung nicht aus der Hand legen konnte. Es war für mich eher so, dass ich das Buch endlich beenden wollte. Gelangweilt wiederum war ich auch nur auf kurzen Strecken, ich denke also es hat mich einfach nicht so richtig gepackt.

Die extra Kategorie „was lernen wir daraus?“ ist dieses Mal nicht von der Partie, da ich die Besonderheiten schon in diese Richtung beschrieben habe und weiterhin keinen Punkt in diese Richtung festmachen kann. Wir wollen es ja nicht erzwingen..

Zielgruppe
Natürlich sind die lokal am nächsten Stehenden auch die Hauptzielgruppe, würde ich sagen. Für den Österreicher, den Wiener und den Wiener Touristen oder ehemaligen Wiener ist dieses Buch sicherlich ein Muss. Die Handlung spielt teilweise an den Hotspots von Wien und die Autorin beschreibt diese Orte liebevoll. Ansonsten einfach erwachsene Krimileser, vielleicht etwas mehr Frauen als Männer.

Informationen
Die Autorin Beate Maxian ist Österreicherin und scheint eine Menge im Bereich von Film, Medien und Literatur auf die Beine zu stellen. Ihre Wien Krimis sind laut der Autorenbeschreibung im Buch Bestseller in Österreich. Dieser Krimi ist ihr fünfter Krimi und auch Band 5 in der Reihe um die Journalistin Sarah Pauli. Außerdem ist sie Initiatorin und Organisatorin des ersten österreichischen Krimifestivals. Mehr auf ihrer Homepage: http://www.maxian.at

Fazit
Die Krimireihe um Sarah Pauli ist von der Idee her gut und ich bin sicher, in Wien/Österreich ist sie wirklich ein Renner. Auch, da sie neben den liebevoll beschriebenen realen Örtlichkeiten zusätzlich aktuelle Themen aufgreift. Aber all das hatte ich eher nicht im Sinn, als ich auf der Rückseite des Buches von Doppelmord, Heckenschütze usw. las. Ich hatte mir das wohl etwas anders vorgestellt, hätte damit aber auch noch gut leben können. Wenn Kommissar Zufall nicht die Ermittlungen geleitet hätte..

Ich kann dieses Buch wirklich allen empfehlen, die aus der Gegend kommen, schon einmal da waren oder sonst einen Bezug haben. Für mich war das ganze eher nichts und nicht spannend genug, weil der eigentlich ganz gute Plot irgendwie nicht immer zu richtig zur Geltung kam. Ich werde kein weiteres Buch der Reihe lesen, aber die von mir umschriebene Zielgruppe sollte es unbedingt tun!Von mir gibts 3 Sterne.

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Das Karen Rose – Rezept oder auch: Never change a winning story

Das Karen Rose - RezeptKaren Rose, eine Thriller- Autorin aus den USA, hat bisher 16 Bücher veröffentlicht (habe gerade auf Wikipedia gezählt). Dabei scheint ihr Rezept für ein erfolgreiches Buch sich bis heute nicht geändert zu haben, denn ihr Grundgerüst ist bei allen Büchern , die ich bis jetzt von ihr gelesen habe, immer das gleiche. Ich finde das sehr spannend, denn es scheint noch immer zu funktionieren.

Das Erfolgsrezept
-Man nehme einen Mann und eine Frau. Einer der beiden ist in Not, der andere der Retter. Einer der beiden, meistens der in Not, hatte eine schlimme Kindheit und ist einsam. Der andere ist mit einer riesigen, warmherzigen und unvoreingenommenen Familie gesegnet.
-Man füge einen Serienkiller hinzu, der skrupellos eine Menge Menschen pro Buch abmurkst und es auf die Person (s.oben) abgesehen ist, die durch ihn in Not ist. Er macht weder vor Zivilisten, Polizisten oder Angehörigen der Person in Not halt.
-Nachdem man die oben genannten Zutaten ordentlich vermischt und mit einer guten Story versehen hat, füge man eine Hand voll (ich wollte erst Priese schreiben, aber das wäre definitiv zu wenig) Erotik hinzu. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Person in Not und der Retter ganz ungemein scharf aufeinander sind und dann recht schnell auch im Bett landen, auch wenn um sie herum Mord und Totschlag wütet.
-Pro Rezept werden immer eine Menge Spannung, Drama, Grausamkeit und ein paar Überraschungsmomente benötigt.

Zusatz: Jedes Buch von Karen Rose ist auch irgendwie wie einer dieser Kuchen, die von Hausfrau zu Hausfrau weitergegeben werden, nachdem sie mit Zutaten angefüttert werden die dann wohl auf ewig irgendwie in kleineren Teilen in dem Kuchenteig verrotten und wohl für die besondere (schimmelnde..) Würde sorgen. Denn im einen Buch wird bereits durch das Gewicht auf die Nebenfiguren deutlich, wer denn im folgenden Buch das Hauptpaar bzw. die Hauptperson wird.

Und es schmeckt!

Komischerweise habe ich schon eine Menge Karen-Rose Bücher gelesen –und in der Zukunft werde ich es sicherlich auch noch einmal tun. Warum? Weil das erfolgreiche Grundprinzip von der Autorin jedes Mal erfolgreich mit einem anderen Thema garniert wird. Einmal geht’s um Brandstiftung und der Retter ist ein Feuerwehrmann, dann geht’s um ein Geheimnis aus der Vergangenheit. In einem anderen Buch geht’s um eine Frau, die von ihrem Ehemann brutal misshandelt wird und ihren Tod vortäuscht. Und jede Geschichte funktioniert mit dem Grundrezept! Das Grundrezept ist ebenso wichtig wie mein Grundrezept für Mini-Gugl´s, welches ich immer gern mit unterschiedlichen Extra-Zutaten aufpeppe und welches mir jedes Mal viel Lob einbringt..
Ich muss allerdings sagen, dass ich niemals ein Karen Rose Buch direkt nach dem anderen Lesen könnte. Ich denke es sollte –zumindest bei mir- immer ein Jahr zwischen einem Buch und dem nächsten Buch liegen. Zuviel geht einfach nicht.
Trotz des immer gleichen Prinzips schreibt Karen Rose einfach ganz hervorragend, flüssig, mit einer hervorragenden Balance fürs Geschehen und sehr sehr spannend. Sie weiß genau, wann sie den Leser einweiht und wann sie ihn im Dunkeln lässt. Was mich etwas stört, ist die andauernde sexuelle Anziehungskraft zwischen der Hauptperson in Gefahr und ihrem Retter. Ich warte noch auf die Textstelle, in der die beiden es direkt im Kugelhagel miteinander treiben und das Ganze dann auch wie durch ein Wunder überleben. Wenn jeder um einen herum abgemurkst wird –und, *klopf auf Holz*, das ist mir zum Glück noch nicht passiert daher kann ich es nicht mit Sicherheit sagen –hat man doch keine Lust auf Sex sondern eher aufs Überleben?

Was sagst du dazu?

Rezension von „Apollonia: Schatten der Vergangenheit“ von Verena Rot

Verena RotHeute Berichte ich über ein Buch, welches mit Create Space veröffentlicht wurde. Es ist als Taschenbuch für 7,90€ und als Ebook für 2,99€ bei Amazon erhältlich und der Auftakt einer 4teiligen Krimireihe um die Hauptperson Apollonia. Wie es bei Selfpublisher-Werken so ist, können sie ja tatsächlich ein echter Geheimtipp oder ein ziemlicher Flop sein. Schauen wir mal..

Der Inhalt
In Förde an der Ostsee möchte sich Apollonia Seidel erholen, denn sie hat in der Vergangenheit etwas Grausames erlebt. In der kleinen Pension von Gilla möchte sie Abstand gewinnen und ihre Seele baumeln lassen, nur leider ist das mit den Plänen ja immer so eine Sache. Denn meistens kommt irgendwie das Leben – oder in diesem Fall der Tod- dazwischen.
Der Fischer Knut wird tot aufgefunden und in der kleinen Hafenstadt geht es dann für die Hauptperson drunter und drüber. Denn in der Pension wohnt auch der attraktive Marc, der Apollonia eigentlich nur das Dorf zeigen möchte, als die Leiche geborgen wird. Durch die Freundschaft von Mark und dem örtlichen Dienststellenleiter Pit finden sich Apollonia und Marc auf einmal mitten in den Mordermittlungen und helfen, wo sie können. Und dann geschieht noch mehr..

Der Stil, die Machart
Dieses Buch ist zu meiner Freude sehr flüssig und schnörkellos geschrieben. Glücklicherweise fehlte die zeilenlange Beschreibung des rauschenden Meeres oder sonstiger Naturschauspiele. Manchmal war mir die wörtliche Rede vielleicht etwas prompt und direkt, aber ich habe mich schnell dran gewöhnt und konnte alles erfreulich flüssig lesen.

Die Personen in Förde sind sehr gut beschrieben, nicht zu ausführlich aber doch genau so, dass man sich die einzelnen Akture merken kann und sie auch direkt ein wenig einordnen zu können. Dieses Buch eignet sich in meinen Augen sehr gut für den Lesequickie unterwegs, da die Kapitel eine gute Länge (oder eher Kürze) aufweisen und die Personen halt einfach gut im Gedächtnis bleiben. Ich habe das Buch gern in der Handtasche gehabt und in der Bahn mal eben ein paar Kapitel gelesen. Das Ende war dann so spannend, da habe ich dann den Rest zuhause in einem Rutsch durchgelesen.
Wie der vorherige Absatz schon besagt, war das Buch spannend. Als Leser wird man am Anfang erst einmal mit der Hauptperson bekannt gemacht, aber dann gibt es auch schnell den Leichenfund. Von diesem Zeitpunkt an geht es natürlich darum, wie der Fischer ums Leben kam. Zum Ende hin wird’s dann auch wirklich turbulent.

Dieser Krimi ist ein Cosy-Krimi. Das Wort cosy steht ja für behaglich und gemütlich, dieses Krimi-Genre verspricht ein gemütlicheres Erzähltempo und wenig gruseligem Blutvergießen oder actionreichen Szenen. Dieser Krimi hier passt perfekt in dieses Genre und ist für mich als Agatha-Christie- Fan gut gemacht. Man hat eine Menge Verdächtige und durchschaut im Laufe der Geschichte die Motive und Beziehungen der Dorfbewohner. Am Ende wird die Geschichte gut aufgelöst. Ich hatte schon ab Mitte des Buches eine Ahnung, wer denn da der Mörder ist, und lag richtig. Aber ich bin natürlich auch erfahren auf diesem Gebiet(ja, ich weiß, ich klinge jetzt wie ein Angeber..). Die Auflösung war dennoch überraschend und es fügte sich alles gut zusammen.

Ein bisschen fragwürdig fand ich die Art, wie einfach Apollonia und Marc in die Ermittlung eingebunden waren. Klar, Marc ist wohl Journalist und hat früher auch schon mit seinem Freund ermittelt, aber das ging doch nun sehr plump direkt zur Mitarbeit. Auch das Apollonia, eine Fremde in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft, direkt mit in die Ermittlung eingebunden wird und dann sogar Antworten auf ihre Fragen von den Dorfbewohnern bekommt, fand ich etwas überraschend. Auch an Tatorten dürfen die beiden ein- und ausgehen. Wenn man davon mal absieht, ist das ganze aber gut konstruiert.

Die Reihe
Teil 1 und 2 dieser 4teiligen Krimireihe sind schon veröffentlicht. Dieser erste Teil hier macht Lust auf mehr und hat definitiv Potential zu einer guten Reihe. Ich werde Band 2 auf jeden Fall lesen.

Die Gestaltung
Das mit Create Space gestaltete Buch gefällt mir gut. Da ich selbst überlege, meinen ersten Krimi so zu veröffentlichen, bin ich begeistert über die Qualität und bestärkt in meinem Vorhaben. Die gesamte Gestaltung gefällt mir gut. Das Cover vermittelt die passende Athmosphäre zum Buch und auch sonst sind Kapiteleinteilung und Schrift gelungen.

Was lernen wir daraus?

-ich für meinen Teil habe auf jeden Fall gelernt, dass selbstverlegte Bücher einen sehr guten Eindruck bei der Gestaltung machen können. Und das es unter Selfpublishern eine Menge talentierter Autoren gibt, die eine Chance verdienen.
-Cosy-Krimis kommen, zumindest bei mir, nie aus der Mode. Natürlich, der Trend geht zu immer mehr Blut in immer kürzerer Zeit und teilweise eine verschwenderische Menge an Leichen, die in meinen Augen nicht sein muss. Die Autorin schafft es, mit auf den Punkt gebrachten, dennoch nicht zu detaillierten Beschreibungen der Toten und Tatorte, genug Informationen zu liefern aber niemals anstößige, eklige Szenen zu kreieren. Klar, mal so ein CodyMcFadjen oder Stefan Ahnhem zwischendurch ist auch was feines, aber grundsätzlich kann man das ja nicht oft aushalten..
-Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Diese Geschichte konzentriert sich auf die Basics des Krimis, die einfache Gleichung geht auf:

Leiche + Dorf voller Verdächtige + Ermittler + Verstrickungen + mehr Unheil +schlüssige Auflösung = guter Krimi

Fazit
Diese Autorin und auch diese Krimi-Reihe müssen sich Krimileser einfach merken. Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Schnörkellos und doch treffend beschreibt Verena Rot die Personen und das Geschehen und schafft gleichzeitig Atmosphäre. Auch das Format und die Eignung für den „mobilen Gebrauch“ finde ich gut.

Zum Schluss verweise ich noch auf die nette Internetseite der Autorin, dort kann ja mal gestöbert werden: www.verenarot.de
Details zum Buch gibt’s hier noch einmal mit direktem Link zur Produktseite auf Amazon, ich hoffe ihr gebt dem ersten Krimi von Verena Rot eine Chance:
Apollonia: Schatten der Vergangenheit

Rezension: Zwanzig Zeilen Liebe von Rowan Coleman – 5 Sterne!

Zwanzig Zeilen Liebe Der Roman Zwanzig Zeilen Liebe, eine Tragik-Kömödie, spielt zum größten Teil in einem Hospiz in London. Die Hauptpersonen sind alle miteinander verstrickt. Da ist Stella, die Hospiz-Schwester. Ihr Mann wurde im Krieg verwundet und traumatisiert, die Ehe ist am Ende. Im Hospiz schreibt sie für die Bewohner letzte Worte in Briefe, die sie dann nach dem Tod den Angehörigen übergibt. Im Laufe des Buches werden dem Leser einige dieser Briefe begegnen. Dann ist da ihre Patientin Hope, die ihren Namen äußerst ironisch findet, da sie mit Mukoviszidose auf die Welt kam und nicht gerade die höchste Lebensqualität oder Lebenserwartung hat. Ihr bester Freund Ben kommt jeden Abend zu Besuch und heitert nicht nur sie sondern auch andere Bewohner auf. Jeder weiß, dass die beiden sich mehr als freundschaftlich mögen, nur die beiden nicht. Eine weitere Hauptperson ist Hugh, zunächst ist nicht klar wie er mit dem Hospitz in Verbindung steht, hier werde ich auch nichts verraten. Er lebt allein im Haus seiner verstorbenen Eltern und ist eigentlich ganz glücklich, so ohne zwischenmenschliche Probleme. Bis die Nachbarin mit ihrem 10jährigen Sohn nebenan einzieht und seine Lebensphilosophie etwas durcheinanderwirbelt.

Für die Hauptpersonen, alle in einem eher hoffnungslosen Leben gefangen, bricht nun eine neue Zeitrechnung an. Die eine muss sich entscheiden, ob die Ehe am Ende ist oder neu beginnt. Die Andere, eigentlich von Geburt an mit einer schlimmen Krankheit gebeutelt, ist dem Tod gerade mal so von der Schippe gesprungen und muss sich nun überlegen, was sie daraus macht. Und Hugh, tja der kann endlich mit der Vergangenheit abschließen und eine nette Zukunft in Angriff nehmen.

Stil, Machart, Gefühle

Die Autorin hat ein gutes Gefühl dafür, die einzelnen Hauptpersonen mit ihrem ganz eigenen Leben sehr gut darzustellen. Man versteht sie. Der Schreibstil liest sich äußerst gut, manchmal ein paar sehr schlaue Weisheiten und besonders beim Erzählstrang von Hope auch eine Menge Humor – teilweise auch einfach Galgenhumor. Es gibt viele interessante Beobachtungen von Gefühlen und Menschen im Allgemeinen und auch wirklich glaubwürdige Details aus dem Leben einer Hospizschwester, Hospizpatientin oder auch einem einsamen Mann in seinem Haus. Ich habe mich auf keiner Seite gelangweilt gefühlt, obwohl manchmal ja gar nicht so viel passierte. Denn man muss einfach wissen, wie es für die Personen weitergeht. Man fühlt mit ihnen.

Wie man bei der Geschichte ja schon ahnt, ist das Buch an manchen Stellen traurig. Immerhin ist der Schauplatz ein Hospiz, und da gibt es ja des Öfteren Grund zur Traurigkeit. Diese Traurigkeit ist allerdings nicht das vorherrschende Gefühl beim Lesen dieses Buches. Es geht vor Allem darum, seine Liebsten und sein Leben jeden Tag wertzuschätzen. Und es geht um Hoffnung. Manchmal schmunzelt man auch so vor sich hin, wie schon gesagt vor allem bei den Gedanken oder Gefühlsausbrüchen von Hope. Man hat das ganze Buch über ein gutes Gefühl und wird noch einmal drauf aufmerksam gemacht, wie wertvoll das Leben ist.

Der Lob an die Konstruktion der Geschichte reißt nicht ab: Die Autorin hat nicht nur mit einer hervorragenden Balance die Geschichten der drei Hauptpersonen erzählt, sondern sie auch passend und stellenweise überraschend miteinander verwoben. So hat man in manchen Situationen direkt zwei Sichtweisen auf das Geschehen. Nebenbei bzw. mittendrin gibt es dann immer mal wieder einen Abschiedsbrief eines Verstorbenen. Die meisten davon kennt man gar nicht, und doch erfährt man in den auf höchstens zwei Seiten stehenden Briefen eine Menge über die Person. Das ist super gemacht, manchmal sehr traurig und manchmal auch einfach sehr prakmatisch. So beschreibt eine Frau beispielsweise ihrem Mann noch einmal genau, wie die Waschmaschine funktioniert- denn ohne sie bekommt er das sonst nicht hin. Jemand anderes sagt seinem Nachbarn endlich noch einmal, wie blöd der eigentlich ist. Bei dem einen Brief muss man bedrückt schlucken, bei dem anderen wieder schmunzeln. Sie Brief fügen sich perfekt in die Geschichte ein, obwohl die meisten der Briefe nichts mit den Hauptpersonen zu tun haben.

Zielgruppe

Der Leser dieses Buches sollte schon etwas älter sein, ich sage jetzt einfach mal: ab 16, so nach Gefühl. Machen wir uns nichts vor, die wenigsten Männer würden zugeben, solch ein Buch gelesen zu haben. Die Zielgruppe sind eindeutig Frauen jeden Alters, aber Männer würden sicher auch Gefallen an der Geschichte finden können- wenn sie sich denn trauen würden, ein Buch mit dem Titel „Zwanzig Zeilen Liebe“ und vielen türkisfarbenen Wölkchen auf dem Cover in die Hand zu nehmen.

Was lernen wir daraus?

Gefühle, richtig zu Papier gebracht, können ein Buch sehr gut und sehr bewegend machen. Der Leser kann tatsächlich etwas für sein eigenes Leben aus der Geschichte ziehen und wird vom Buch berührt. Gut, ich schreibe nun eher Krimis, aber auch da kann man sicherlich ein paar traurige und gleichzeitig lebensbejahende Elemente unterbringen um der Geschichte mehr Tiefgang zu geben – so geht sie dem Leser unter die Haut und bleibt in Erinnerung.

Erzählstränge müssen natürlich immer möglichst gut sein, danach strebt wohl jeder. Aber sie so geschickt miteinander zu verweben, das der Leser eine Situation manchmal aus zwei Perspektiven wahrnehmen kann, ist eine große Kunst und äußerst beeindruckend. Ich habe mal ein Buch gelesen, keine Ahnung wie es hieß, da ging es in der ersten Hälfte aus der Sicht der Frau. Dann drehte man das Buch einmal um und las das gesamte Geschehnis noch einmal aus der Sicht des Mannes. Ich meine, es war eine Art Liebeskomödie und man konnte so direkt mitbekommen, welche Missverständnisse in der Überinterpretation der Frau zu einer Menge Unheil führten, die vom Mann nicht beabsichtigt waren.. Das Spiel mit den Perspektiven ist ein interessantes Feld mit einer Menge Möglichkeiten, ich werde mir das jedenfalls im Hinterkopf behalten..

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Fazit

Dieses Buch, es ist ja mal wieder nicht mein Genre Nr. 1 (der Krimi), bekommt von mir 5 Sterne. Weil ich, gerade als Krimileser, auf keiner Seite gelangweilt war. Ich wollte wissen, wie es ausgeht. Und ich habe mitgefühlt, war traurig, fröhlich und habe mal wieder einen kleinen Schubs in die richtige Richtung bekommen. Das Leben kann jederzeit vorbei sein, und jeder weiß das. Und doch verschwenden wir Zeit mit unwichtigen Dingen oder behandeln unsere Liebsten manchmal nicht so, wie sie es verdienen. Das ist einem oftmals, ohne gegebenen Anlass, einfach etwas in Vergessenheit geraten. Und durch so ein Buch, mit traurigen, lustigen und einfach menschlichen Situationen, kann es wieder etwas in den Vordergrund gerückt werden. Ich fühlte mich prächtig unterhalten, mochte Anfang, Mittelteil und Ende gleichermaßen und konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Und das, als Krimileser, wo doch niemand ermordet wird.. Das Buch lässt mich mit einem guten Gefühl zurück, und hat mich berührt. 5 Sterne, ganz klar. Diese Autorin werde ich mir merken.

Rezension: Rennsteig-Schwalben von Klaus Jäger – Ein Thüringen-Krimi.

Rennsteig-SchwalbenHeute berichte ich erneut von einem Regionalkrimi aus dem Emons Verlag, dieses Mal allerdings aus Thüringen. Der Titel Rennsteig-Schwalben sagte mir zunächst wenig, erschließt sich dann aber später.
Zunächst möchte ich den Teaser der Buch-Rückseite zitieren, um den Inhalt zu verdeutlichen:
„Im beschaulichen Riedburg bricht ein Mann nach einer Verfolgungsjagd tot zusammen. Hat die Polizei zu hart zugegriffen? Noch während Polizeireporter Peter Hartmann den ersten Theorien nachgeht, wird die Leiche geraubt – und die beiden Bestatter werden regelrecht hingerichtet. Wenig später findet man im Thüringer Wald einen weiteren Toten. Hartmanns Recherchen führen ihn auf die Spur eines Rudels menschlicher Wölfe..
Realistisch, authentisch, aufrüttelnd: ein mitreißender Kriminalroman aus Thüringen.“
Dann wird noch ein Zitat aus einem anderen Buch des Autors und eine Empfehlung zu diesem Buch aufgeführt – das ist irritierend und irgendwie fehl am Platz.

Meine Inhaltsangabe..
..finde ich hier dennoch angebracht, denn ich denke nicht das der oben zitierte Ausblick aufs Buch dem potentiellen Leser verrät, ob das Buch etwas für ihn ist. Denn das Hauptthema des Buches wird nicht so ganz deutlich und so könnte man in die Irre geführt werden.

Ich würde das ganze so zusammenfassen, ohne zu spoilern:
Direkt zu Beginn des Buches findet sich der Leser in einer Verfolgungsjagd wieder, die für den von der Polizei verfolgten Mann ein tödliches Ende nimmt. Während interne Ermittlungen beginnen, um die Todesursache und die Schuld der Polizisten zu klären, kommt jedoch die Leiche abhanden. Die Bestatter wurden auf dem Weg vom Tatort zur Pathologie überfallen und brutal hingerichtet. Reporter Peter Hartmann war zufällig am ersten Tatort und steht nun unter Druck – um gute Artikel zu präsentieren muss er selbst ermitteln. Dabei stößt er auf ein unglaubliches Netz aus Menschenhandel und Prostitution. Der Leser erfährt schockierende Details über den Weg armer Mädchen von Weißrussland nach Thüringen und in die Prostitution. Was hat das mit der geraubten Leiche zu tun?
Stil, Machart, Besonderheiten
Ich muss sagen, die spannende Situation direkt zu Beginn verspricht so einiges. Der Leser steigt mitten in der Verfolgungsjagd ein, ohne zu wissen worum es geht. Und da ist der Verfolgte auch schon tot. Das finde ich gut.
Dann leider geht der Spannungsbogen zunächst nach unten. Hier kam mir zwischenzeitlich die Lust zum Weiterlesen abhanden, wenn ich ehrlich bin. Zunächst ist man auch noch nicht vollständig drüber im Bilde, das ein Großteil der „Ermittlungsarbeit“ aus der Perspektive von Reporter Hartmann stattfindet und nicht aus Reihen der Polizei. Da manchmal allerdings auch aus der Polizeiperspektive eine Entwicklung geschildert wird, ist das ganze etwas doppelt gemoppelt und keiner der Ermittler wird dem Leser so richtig sympathisch bzw. wächst ans Herz.
Zwischendurch war ich tatsächlich von mehreren Ausschweifungen gelangweilt, beispielsweise gibt es anfangs ein paar Seiten zum Thema „Fahren auf deutschen Autobahnen“, welches wohl jeder schon selbst erlebt hat und noch nicht einmal lustig beschrieben ist. Das hätte ich mir selbst unterhaltsamer erzählt. Solche Ausschweifungen mögen bei manchen Lesern sicherlich gut ankommen. Ich mag so etwas auch, aber nur wenn es lustig, interessant oder für den Fortgang der Geschichte hilfreich ist. So ging es mir wie gesagt an einigen Stellen. Während andere, spannende Stellen durchaus detaillierter hätten sein können, war es bei den unwichtigen Dingen dann manchmal einfach zu lang. Die Balance hat mir irgendwie nicht gefallen – ist aber sicherlich auch Geschmackssache.
Das Thema. Ich wusste zunächst nicht, dass dieser Regionalkrimi in Richtung Prostitution und Menschenhandel gehen wird. Das ist schade! Denn ich glaube nicht, dass mich das Buch mit diesem Thema so sonderlich interessiert hätte. Organisierte Kriminalität ist einfach nicht mein Lieblingsthema in Sachen Krimi. Trotzdem, und das finde ich eine der großen Stärken dieses Krimis, konnte der Autor dieses sensible und erschreckende Thema hervorragend beschreiben und dem Leser näherbringen. Der durchschnittliche Leser dürfte in der Realität eher wenig mit Prostituierten und Menschenhandel in Verbindung gekommen sein, und jeder hat sicherlich so seine Vorurteile in Sachen Rotlichtmilieu. Der Autor schafft es, anhand einer konkreten Situation die unglaubliche Brutalität dieses Geschäftes und den Leidensweg der hoffnungsvollen Mädchen aufzuzeigen, die dann doch nicht wie erwartet in eine bessere Situation gelangen. Die Schilderung ist sehr gut gelungen und interessant sowie bedrückend. Im weiteren Verlauf schafft Klaus Jäger es außerdem, die Prostituierten menschlich und normal erscheinen zu lassen. Sie behalten ihre Würde und das Milieu wird besser dargestellt als sein Ruf. Diesen Einblick möchte ich nicht missen.
So gelungen die Darstellung des Hauptthemas auch ist, richtig spannend wurde es für meinen Geschmack nicht. Man wusste irgendwie immer schon vorher, was passieren wird. Überraschende Wendungen gab es nicht wirklich (na gut, eine, am Ende, aber die war nach der Klärung des Falles..). Irgendwie konnte man sich sehr viel schon vorher ausmalen und war dem ermittelnden Reporter immer eine Nasenlänge voraus. Da fühlte ich mich irgendwie etwas verschaukelt und gelangweilt. Dieses Buch war für mich einfach kein Pageturner, ich musste mich eher zum Weiterlesen zwingen.
Ich denke, es wäre besser gewesen, wenn die Ermittlung nur aus Richtung der Polizei beschrieben wurde, von einem oder zwei Ermittlern. Da hätte man sich besser konzentrieren können und die Hauptperson lieb gewonnen. Aber bei diesem Durcheinander und dem Versuch von der Kombination der polizeilichen und berichterstattenden Perspektiven ist eine Menge Zwischenmenschliches Abhanden gekommen.
Ein paar merkwürdige Bezeichnungen fielen mir auf und manche Sätze ließen mich kurz stocken. Ich denke aber, das liegt vielleicht an dem regionalen Slang. Ansonsten war der Krimi flüssig geschrieben, wenn auch –wie schon geschrieben- die Balance der Darstellung nicht nach meinem Geschmack war.

Der Titel
Zunächst wusste ich mit dem Titel nix anzufangen. Als ich dann beim Lesen irgendwann drauf kam, dass die gefährlichen Wölfe vom Klappentext dann Menschenhändler sind, konnte ich mir auf das Wort „Schwalben“ dann schon einmal einen Reim machen. Dann recherchierte ich, dass „Rennsteig“ folgendes ist: „Vom Mittellauf der Werra bis zum Oberlauf der Saale zieht der Rennsteig als Höhenweg über den Kamm des Thüringer Waldes und des angrenzenden Thüringer Schiefergebirges, bis in den nördlichen Frankenwald.“ (vgl.www.thueringen.info)
Unter diesem Aspekt ist der Titel sehr gelungen, anstatt Bordsteinschwalben (als anderes Wort für Prostituierte) ist mit Rennsteig-Schwalben das Gebiet gemeint, in dem der Krimi spielt.
Zielgruppe
Wie es mit Krimis meistens so ist, sind hier ganz klar Erwachsene die Zielgruppe. Ich würde eher sagen, dass dieser Krimi etwas für Männer ist als für Frauen. Das kann aber auch an mir liegen, für mich als Frau war es thematisch nicht so ganz das richtige. Die zwischenmenschlichen Dinge zwischen Ermittlern usw fehlten mir bzw. waren nicht sehr ausgereift und das Thema hatte grundsätzlich irgendwie eher ein männliches Flair für mich. Natürlich, da bin ich sicher, werden Menschen aus Thüringen das Buch viel interessanter und besser finden als Menschen aus ferneren Regionen.
Was lernen wir daraus?
-Also ich für meinen Teil habe daraus gelernt, dass die Balance der Erzählung wichtig ist. Für die Handlung unwichtige Dinge sollten hochinteressant, lustig oder einfach grandios sein, sonst haben sie für mich wenig in der Geschichte zu suchen. Die Spannung darf nicht auf der Strecke bleiben, für meinen Geschmack allerdings darf das ganze gern humoristisch aufgelockert werden.
-Man sollte dem Leser vorher einen Hinweis geben, in welche Richtung eine Erzählung so geht. Wenn ich im Klappentext lese, dass bei einer Verfolgungsjagd einer stirbt und dann geklaut wird, dann ist das für mich interessant. Darum geht’s ja im Buch tatsächlich auch, aber es hängt eben alles mit Menschenhandel zusammen. Und Menschenhandel, oder weiter organisiertes Verbrechen ist nicht so meins in Sachen Krimi. Ich möchte raten wer der Mörder ist und warum, möchte zwischenmenschliches Zusammenspiel (oder Abgründe) und Spannung, Wendungen und Nervenkitzel.
Fazit
Ich hatte mir wohl was anderes versprochen und das Ganze war nicht so richtig mein Thema. Wer aus Thüringen kommt und Krimis über organisiertes Verbrechen toll findet: Kauft das Buch! Für mich jedoch ist das Buch gerade so 3 von 5 Sterne gut und ich werde sicherlich kein Buch des Autors mehr lesen. Man sollte sich wohl eher auf einen Ermittler konzentrieren, der irgendwie was besonderes ist oder mit dem sich ein Leser identifizieren kann, anstatt zwei Ermittlungsperspektiven so halbwegs zu kombinieren. Positiv war wie bereits erwähnt die Darstellung vom Weg eines Mädchens zur Prostituierten, das war harter Tobak aber einfach gut gemacht. Das ist wie gesagt alles Geschmackssache, und diese Rezension war meine persönliche Meinung.