Rezension: „Die Frau an der Schreibmaschine“ von Suzanne Rindell

Die Frau an der SchreibmaschineDie Frau, die in diesem Buch aus ihrer Perspektive von interessanten Entwicklungen auf einem Polizeirevier erzählt, lebt in den Zwanzigern in New York. Rose Baker wuchs als Waisenkind bei Nonnen auf und kam glücklicherweise in den Genuss einer guten Ausbildung. Deshalb, und hier fragt man sich ob es für alleinlebende Frauen in punkto Gleichstellung im Beruf damals so gut lief, arbeitet sie hart als Stenotypistin auf einem Police Department und kann sich dadurch nur ein halbes Zimmer (mitsamt schrecklicher Zimmergenossin) in einer schäbigen Pension leisten. Ihr Arbeitsalltag ist davon geprägt, dass sie bei den Verhören von Dieben, Mördern und sonstigen Kriminellen Protokoll führt. Sie ist sehr fleißig, genau und gut im Job und hat hohe Moralvorstellungen. Außerdem ist sie wohl vernarrt in den Sergeant.
Ihr normales, ereignisloses Leben ist für die sehr unscheinbare Rose vorbei, als Odalie eingestellt wird. Vom ersten Augenblick an ist die langweilige junge Frau fasziniert von der schillernden Persönlichkeit der neuen Arbeitskollegin. Sie beobachtet sie fortwährend und möchte unbedingt mit ihr befreundet sein, tatsächlich führt sie sogar Buch über die Aktivitäten von Odalie. Bald trifft der Wunsch tatsächlich ein und ihr Leben ändert sich schlagartig. Sie zieht bei Odalie ein und führt nun ein verschwenderisches Leben, welches meistens nicht ihren ursprünglichen Moralvorstellungen entspricht. Mit der neuen Freundin und Mitbewohnerin treibt sie sich zu den Zeiten der Prohibition in den illegalen Flüsterkneipen herum, trinkt, raucht und trägt verboten kurze Röcke. Sie gerät schnell immer tiefer in den dunklen Strudel, der sich um Odalie rankt. Und bald sitzt sie so richtig tief in der Scheisse..

Mein Leseerlebnis, die Machart

Wie eingangs erwähnt, liest der Leser diesen Roman aus der Sicht von Rose Baker. Zunächst ging es für mich etwas zu ereignisreich los, sodass ich ehrlich gesagt nicht gerade vom Buch gepackt war. Trotzdem ist der Reiz der Geschichte von Anfang an da. Denn schon auf den ersten Seiten des Buches breitet sich das bedeutungsschwangere Gefühl aus, dass etwas Schlimmes passieren wird. Geschickt macht die Autorin durch die Perspektive der unscheinbaren Rose klar, dass die Freundschaft zu Odalie die Hauptperson ins Verderben führen wird. Wie das geschieht, wird dem Leser Stück für Stück näher gebracht. Dabei fällt besonders die Liebe zu den Details auf, die die Autorin an den Tag bzw. in die Seiten legt. Durch die detaillierten Beobachtungen, die Rose niederschreibt, wird dem Leser langsam aber sicher klar, was Sache ist. Rose selbst ist dabei in der Erkenntnisfindung nicht so schnell wie der Leser selbst, und gerade diese Stimmung finde ich sehr gelungen konstruiert. Auch, wie sich Rose immer weiter rechtfertigt und ihre Motiv mehr und mehr erläutert –während der Leser noch nicht einmal weiß, was ihr denn am Ende zur Last gelegt wird, ist hervorragend.
Ich hatte an einigen Stellen definitiv das Gefühl, die Erklärungen und die Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit waren etwas zu ausführlich dargestellt. An anderen Stellen fand ich die Sätze und die Beschreibungen ganz allgemeiner Sachverhalte oder Gefühle ganz unglaublich gelungen. Manche Details werden später wieder wichtig, andere hätte man sich dann tatsächlich auch schenken können. Diese Meinung wird sicherlich nicht jeder Leser des Buches mit mir teilen, wer meine bisherigen Rezensionen kennt weiß bereits von meiner Vorliebe für schnörkellose Beschreibungen. Ein Großteil der Details und Gedanken sind der Geschichte dienlich oder auch einfach interessant. Auf einen kleineren Teil hätte ich gern verzichtet –manchmal schweifte ich merklich ab.
Ich bemerkte bereits, wie sich von Anfang an ein dramatisches Ereignis mit ebenso dramatischen Folgen für die Ich-Erzählerin ankündigten. Je weiter man liest, desto weiter wird das Ausmaß klar und desto mehr Ideen bekommt der Leser davon, was wohl passieren wird. Das Ende ist keineswegs enttäuschend (ich erinnere da nur an mein letztes Buch „Wintergäste“, wo das so lang ersehnte Ende dann unglaublich enttäuschte), der Leser ist einerseits befriedigt von der interessant konstruierten Auflösung und wird trotzdem mit einem etwas mulmigen, mysteriösen Gefühl zurückgelassen.
Besonders gelungen ist die Beziehung zwischen Rose und Odalie. Zuerst konnte ich Rose überhaupt nicht verstehen und fand sie schon etwas merkwürdig, wie sie sich so stark für die Arbeitskollegin interessierte. Aber durch die detaillierten Ausführungen, wie Odalie auch auf andere Menschen eine faszinierende Wirkung ausübte einerseits und dem Wunsch von Rose nach einer besten Freundin und Zuneigung andererseits versteht man diese ungleiche Beziehung dann doch. Mehr möchte ich hier nicht verraten, doch es sei gesagt: Menschen werden sterben.

Ein wenig in die Irre geführt fühle ich mich vom Klappentext und den kurzen Empfehlungssätzen. Ich dachte irgendwie, das Buch würde mehr von den Verwicklungen auf dem Polizeirevier handeln. Ich hatte mir vorgestellt, dass Rose beim Mitschreiben der Verhöre etwas ganz raffiniertes einfädelt, aber dem war nicht wirklich so (nur ein bisschen..). In einer Empfehlung von Kirkus Reviews fällt auch das Wort „rasant“, welches ich hier auch nicht angebracht finde. Treffender ist da die Zusammenfassung von Booklist: „Ein raffinierter Thriller über falsche Freunde, Obsession und das Leben der Singlefrauen im New York der Roaring Twenties.“

Was ist das denn jetzt für ein Genre und wer sollte das Buch lesen?

Ich mag die Einteilung nach Genres einerseits sehr, denn nur so kann ich auf Anhieb ein Buch finden, welches meiner Stimmung und meinen Vorlieben gefallen wird. Andererseits gibt es so viele Bücher, bei denen man das garnicht so genau sagen kann. Hinter einem Regionalkrimi kann entweder ein Reiseführer mit etwas Mordhandlung stecken (siehe: Der Tote am Gletscher) oder andererseits ein ganz hervorragend konstruiertes 5-Sterne- Meisterwerk, welches viel mehr beachtet werden sollte als es das Cover hergibt (siehe: Mainleid). Ein Roman kann lustig, langweilig oder traurig sein. Und wo ist ein Thriller ein Thriller und ein Krimi ein Krimi?
„Die Frau an der Schreibmaschine“ ist laut Cover ein Roman, und da stimme ich auch zu. Die sich immer weiter aufbauende Spannung und die besondere Sicht auf „den Täter“ sowie die unheilvolle Stimmung und am Ende dann auch Mord gehen etwas in Richtung Thriller – wobei ein Thriller wahrscheinlich noch etwas furioser und weniger in Richtung Charakterstudie und Beziehungsgeflecht geht. Die besondere Zeit, die Zwanziger in New York, bringen noch einen weiteren schönen Aspekt in die ganze Sache. Ich, 1984 geboren, war dort gedanklich zuvor noch nicht und habe einen guten Einblick in die damaligen Gepflogenheiten erhalten. Das macht dieses Buch zusätzlich interessant.
Als Zielgruppe würde ich in erster Linie Frauen benennen. Ich denke, Männern wären die weitreichenden Aspekte der Frauenfreundschaft und unterschwelligen Details etwas zu langweilig, während Frauen ja auch im realen Leben eher auf genaue Beobachtungen mit unterschwelligen Hinweisen und Interpretationen stehen..
Grundsätzlich sollten die ganz hartgesottenen Fans von blutrünstigen Thrillern und Krimis sich die Lektüre eventuell zweimal überlegen, denn hier geht es einfach mehr um die Beziehung von zwei Frauen, welche unterschiedlich und unausgeglichen ist und ein böses Ende nimmt. Ich lese auch gern die blutigen Krimis und Thriller, fand dieses Spiel mit dem Leser und die unheilvolle Stimmung allerdings gut.

Was lernen wir daraus?

-Unheilvolle Stimmung und mysteriöse Andeutungen halten den Leser auch über etwas langweiligere Strecken bei der Stange. Also unbedingt mal ein paar dahingehende Andeutungen machen, das kann nicht schaden. Das kommt natürlich aufs Buch an..
-Ungleiche Hauptpersonen und der Einfluss oder die Abhängigkeit der Personen sind immer gut. Natürlich muss auch das zum Buch passen. Hier haben wir zwei ungleiche Frauen und eine große Abhängigkeit und Bewunderung. Es kann aber im Krimi oder Thriller auch das Zusammenspiel von Jäger und Gejagtem, Retter und Geretteten, Täter und Opfer usw sein. Wenn man so ein Beziehungsgeflecht glaubwürdig und für die Handlung förderlich aufbaut, macht es das Buch unglaublich interessant.

Fazit

Ich gebe diesem Roman 4 von 5 Sternen. Die Geschichte entspricht nicht meiner „normalen“ Lektüre von Krimis und Thrillern, kommt aber auch gut nur mit der Beschreibung der Beziehung von zwei ungleichen Frauen und unheilvoller Stimmung bis zum furiosen Ende hin aus. Besonders die gelungene Einbettung der Handlung in das New York der „Roaring Twenties“ fand ich interessant und eine Abwechslung zum sonstigen Lesestoff, auch die filigrane Auflösung der Verwicklungen lies mich nach dem Zuklappen des Buches begeistert zurück. Für 5 Sterne und laute Lobhudelei hätte ich dann jedoch noch ein paar Längen weniger und so manche unvorhergesehene Wendung bevorzugt.

Rezension: Wintergäste von Sybil Volks oder auch „Ende nicht gut, alles nicht gut“

WintergästeErst einmal der Inhalt:

Ingo Boysen wurde nach einem Zusammenbruch von der Schwägerin fälschlicherweise für tot erklärt. Während die gewitzte alte Frau noch rätselt, ob sie jetzt wirklich tot ist, alarmiert Schwägerin Kerrin ahnungslos die gesamte Familie. Und so erfahren die 4 Kinder vom Tod der Mutter und machen sich auf den Weg nach Hause –Haus Tide hinter dem Deich auf einer kleinen Insel. Und jeder hat so seine Probleme, Geheimnisse und Verwicklungen, die er mitbringt. Eine Tochter kommt mit Mann und Kindern, ist allerdings hochschwanger vom neuen Liebhaber. Die andere ist etwas eigenbrötlerisch und schreibt gerade an einer Trauerrede für einen Dobermann. Der Erstgeborene wohnt mit seiner Frau eh im Haus, bringt aber nicht weniger Probleme mit ein. Die gemeinsame Tochter kommt von weit her und ist auf einmal ganz in schwarz –und das nicht wegen der zunächst für tot befunden Oma Inge. Und der andere Sohn ist Musiker auf einem Kreuzfahrtschiff, ganz am anderen Ende der Welt. Ob er es überhaupt nach Hause schafft, steht noch in den Sternen. Fast alle Familienmitglieder jedenfalls kommen im Haus Tide an und es passieren eine Menge Verwicklungen, während jeder so seine eigenen Probleme hat. Und dann wird die ganze Familie komplett eingeschneit..

Was ist das für ein Roman?

Tja, das ist die große Frage. Na klar, ich bin hauptsächlich Krimileser. Wenn ich die Worte INSEL und VON DER AUSSENWELT ABGESCHNITTEN lese, dann sind meine Erwartungen an einen Krimi sehr sehr hoch. Wenn ich dieses dann für einen Roman lese, dann bietet es immer noch eine Menge Potential. Der Klappentext verspricht einen „großen Familienroman voller Poesie und Geheimnisse“ und die tolle Situation, dass „im Inneren alte Feindseeligkeiten und neue Sehnsüchte“ hochkochen sowie „Tragik, Komik und Magie“.

Ich hatte am Anfang definitiv Spaß an den Gedankengängen der alten Oma Inge, die plötzlich in ihrem Bett aufmacht, so drapiert als wäre sie tot. Oma Inge hat einfach tolle Gedanken und auch eine Menge Humor und interessante Ansichten. Auch die anderen Figuren, ihre Kinder und deren Kinder, bieten eine Menge Potential. Das Problem ist, dass die Geschichte dann irgendwie doch aus der Perspektive jeder Person in diesem Haushalt erzählt wird. Das ist einerseits wirklich gut, um den Leser in die Gesamtzusammenhänge eintauchen zu lassen – andererseits verheddert sich die Autorin da ein wenig in Nebensächlichkeiten, die der Geschichte zwischenzeitlich oft mal die Luft ausgehen lassen.

Natürlich war mir zu jeder Zeit klar, dass ich keinen Krimi lese. Aber etwas mehr Spannung oder Spannungen hätten dann doch passieren können. Ich wurde nicht wirklich angetrieben, unbedingt umzublättern und habe für dieses Buch recht lange gebraucht. Zum Weiterlesen bewogen hat mich vor allem die Neugier. Denn bei mehreren Personen ist man trotz der grundsätzlich eher mäßigen Spannung interessiert, wie sie sich denn am Ende nun entscheiden bzw. wie es bei ihnen weitergeht (hier will ich nicht vorgreifen). Mehr zu diesem Thema gibt’s gleich beim Punkt „Ende, aus, vorbei“.

Eine Sache, die mir nebenbei aufgefallen ist: unter den 10 Leuten im eingeschneiten Haus sind 6 Personen weiblich, eine davon ist ein Kind. Davon hegen 3 Frauen Gefühle für eine Frau. Das ganze wird kein großes Thema und stört mich auch überhaupt nicht, fällt dann aber doch auf. Ich habe mich über die Autorin nicht weiter informiert und werde es auch jetzt nicht tun, da mich das Ende enttäuscht hat (Erklärung folgt gleich), aber irgendwie ist die Quote doch außergewöhnlich hoch..

Besonders schön finde ich die Weisheiten, die in manchen Sätzen dieses Buches stecken. Die Autorin hat wirklich eine Menge schöner Sätze niedergeschrieben, die mir einzeln als Zitate sicher mal wieder begegnen werden. Weniger gut fand ich allerdings, dass die Beschreibungen manchmal unnötigerweise ausuferten. Das ist so garnix für mich.

Ein interessanter Ansatz ist auch der, dass man im Buch durch die Erzählung der Autorin mitbekommt, wie eine der Figuren in dem Roman das Buch schreibt, während sie dort eingeschneit ist. Das ist gut gemacht, hätte allerdings noch ausgebaut werden können. In diesem Erzählstrang wurde auch mehrmals auf eines der besten Agatha Christie Bücher, Und dann gab´s keines mehr, verwiesen. Da packte mich dann doch die Sehnsucht nach einem richtig guten Krimi und mir wurde klar, wie ungenutzt das Potential dieser Situation einfach blieb.

Lyrics. In diesem Buch gibt es an einigen Stellen Lyrics auf Englisch, vor allem in den Gedankengängen vom Erstgeborenen Enno, der seine Probleme gern mit sich selbst in der angrenzenden Scheune ausmacht. 1-2 mal fand ich das wirklich passend. Der Rest hat mich eher gestört, weil mir nicht auf Anhieb der bekannte Song einfiel und es nun auch nicht wie die Faust aufs Auge zur Situation passte. Für Leser, die mit den alten Gitarren-Songs garnix anfangen können, dürfte es eher nix sein.

Ende, aus, vorbei

Erstmals ein eigenes Kapitel widme ich dem Ende des Buches. Ich werde versuchen, nicht zu spoilern –wenn du dieses Buch nun also unbedingt lesen willst, musst du wissen ob du diesen Abschnitt ab jetzt liest. Wenn du das nicht willst, gehe doch direkt zum nächsten Punkt..

Also, warum widme ich dem Ende einen eigenen Absatz?
-Weil es mich einfach bitterlich enttäuscht hat!

Wie schon im vorherigen Abschnitt erwähnt, hatte mich dieser Roman streckenweise gelangweilt und trotz der liebevoll und vielschichtig gestalteten Figuren so richtig nicht gepackt. „Weiterlesen“, sagte ich mir, denn ich wollte wirklich wissen wie das Ganze für ungefähr 5 der 10 eingeschneiten Familienmitglieder nun enden wird. Es gab zwei Dinge, von denen wusste man eigentlich das ganze Buch über, das sie passieren würden. Da führte kein Weg dran vorbei. Bei den anderen Geschichten war der Ausgang wirklich absolut unklar. Und, wie endet das Buch? Mit den zwei Dingen, von denen ich eh sicher war, dass sie passieren würden. Und was ist mit den anderen Dingen, wegen denen ich weitergelesen hatte? Ja, nix ist! Das Buch ist vorbei, ich werde es nie erfahren. Und auf gut Deutsch gesagt: Ich fühle mich verarscht!

Zielgruppe

Frauen, ganz klar Frauen! Kein Mann würde dieses Buch wohl durchhalten. Das schaffen nur die Neugierigen, aber die sind ja dann enttäuscht. Mehr kann ich zur Zielgruppe nicht sagen, aber ich wage mal zu behaupten das Liebhaber von Krimis und Thrillern die Lektüre dieses Romans lieber lassen sollten –die vielen ungenutzten Möglichkeiten für wirklich Spannende Geschehnisse sind auf Dauer nicht gut fürs Gemüt.

Was lernen wir aus dem Buch?

-Erst einmal, dass die Stichwörter „Insel“ und „eingeschneit“/“von der Aussenwelt abgeschlossen“ immer wieder Interesse wecken und Kaufentscheidungen wie automatisch treffen lassen. Und was diese Situation für ein unglaublich hohes Potential für eine Geschichte bietet. Im Buch kommt immer mal wieder kurz der Bezug zu Agatha Christies „Und dann gabs keines mehr“ (oder auch 10 kleine Negerlein). Das ist nun wirklich ein Buch, was ich jedem Krimiliebhaber uneingeschränkt mit 6 von 5 Sternen empfehlen kann. Denn dort wird mit diesen Faktoren der Abgeschiedenheit von 10 Personen auf einer Insel einfach ganz hervorragend gespielt, ohne dass Langeweile aufkommt. Für Krimiliebhaber ist die Lektüre Pflicht, für andere Leser eigentlich auch..

-Ich habe daraus gelernt, und das ist ganz subjektiv, das man in einer Geschichte dann vielleicht nicht jede Figur auch mit einem eigenen Erzählstrang ausstatten sollte. Klar, wenn auf einer Insel jetzt drei Personen gestrandet sind und dramatische Konflikte untereinander ausbrechen, ist es sicherlich super. Aber bei 10 Personen wird es einfach zu viel, vor allem wenn man die Personen so detailreich beschreibt und sonst nicht viel anderes passiert.

-Man kann seine Leser bei der Stange halten, wenn man große Fragen aufwirft. Ich möchte wie gesagt nicht vorgreifen, aber eine Frage kann ich als Beispiel ja mal nennen: Wird Gesa, die hochschwangere Tochter, wieder mit ihrem Mann zusammenkommen oder bei ihrem Liebhaber bleiben? Das ist eine Frage, die ist ja so schon interessant. Aber in der Geschichte gibt es durch die vielen Gedankengänge auch die Ansichten von Gesa, ihrem Ehemann und ihren Kindern zu dieser Sache. Und das macht den Ausgang dieser einen Geschichte in der Geschichte dann auch trotz fehlender Spannung spannend. Und davon gibt es noch so ein paar Geschichten in diesem Buch, da muss mein einfach wissen wie es ausgeht. Sowas sollte man also, eigentlich egal in was für eine Geschichte, unbedingt einbauen!

-Ich bekomme das Zitat nicht mehr genau zusammen, versuche es aber ungefähr: „Der Anfang eines Buches verkauft das Buch. Das Ende eines Buches verkauft das nächste Buch“. So ist es bei diesem Buch. Der Klappentext und auch der Anfang rund um Oma Inge, die nicht versteht ob sie jetzt tot ist, haben mir dieses Buch verkauft. Das Ende des Buches wird dafür sorgen, dass ich von dieser Autorin sicherlich kein weiteres Buch kaufen werde. Man sollte schon ein richtig gutes Ende finden, dass den Leser verblüfft oder einfach befriedigt oder grundsätzlich zumindest aufgeworfene Fragen beantwortet. Denn der Leser muss das Buch zuklappen und sagen: WOW!

-Noch mal als eigener Punkt, aber in Anlehnung an den vorherigen Punkt: Man sollte den Leser nicht verarschen! Natürlich kann es mal ein stilistisches oder künstlerisches Mittel sein, am Ende auch Fragen des Lesers offen zu lassen. Manchmal hat das für mich in der Vergangenheit zu einem guten Ende einer Geschichte beigetragen. Aber man darf den Leser niemals für dumm verkaufen, denn das passiert dem Leser wahrscheinlich im realen Leben schon oft genug, das braucht er nicht noch in einem Buch, für das er Geld bezahlt hat. Es muss nicht immer so passieren, dass man alle aufgeworfenen Fragen am Ende nicht beantwortet. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen ganz klassischen Krimi lese und währenddessen aufgeregt mit rate, wer denn nun der Killer ist, dann würde ich mir doch sehr verschaukelt vorkommen, wenn es am Ende dann auf einmal Aliens waren oder Zeitmaschinen oder sonstiges –wenn weder im Klappentext noch im gesamten Krimi davor irgendetwas Übernatürliches oder Science Fiction-Elemente jemals ein Thema waren..

Fazit

10 Personen, verwandt, eingeschneit und von der Außenwelt auf einer Insel abgeschlossen. Eine tolle Ausgangslage für alles Mögliche. Die Personen sind wirklich gut gestaltet und bieten Potential, es gibt viele schöne Sätze und Gedankengänge in diesem Buch. Es gibt aber auch viele unnötige Sätze. Es war nicht spannend, hat mich nicht gepackt war aber trotzdem ganz nett. Ich habe bis zum Ende durchgehalten um die Antworten auf einige Fragen zu erfahren. Leider habe ich dise Antworten immer noch nicht und bin vom Ende das erste Mal in meinem Leben so richtig tief enttäuscht. Wie viele Sterne gibt man so einem Buch nun? Die Frage ist sehr gut. Beim Lesen, so bis kurz vor dem Ende, hatte ich noch mit mir gerungen ob es 3 oder 4 Sterne werden. Weil mich da ja schon einiges gestört hatte, habe ich die Punktzahl (Sternezahl) dann vom Ende abhängig gemacht. Und das hat mich so enttäuscht, ich gehe tatsächlich runter auf 2 und streiche diese Autorin tief enttäuscht auch für die Zukunft aus meinem Kopf – schade, denn das Potential aus der Geschichte und die Figuren und Verwicklungen hatten echt Potential.. Wer sich dann am Ende gern sein eigenes Ende vorstellt und nicht auf Spannung steht, für den dürfte das Buch sehr gut geeignet sein..

Wer sich das Buch noch einmal auf Amazon anschauen möchte, kommt direkt durch einen Klick aufs Bild hin:

PS: Eine kleine Frage von mir für dich, vielleicht kommt ja eine interessante Diskussion auf: Welches Buch hat dich mit seinem Ende so richtig enttäuscht? Warum? Und wie viel Einfluss sollte das Ende eines Buches auf die Bewertung haben? (Ich wusste es bis heute auch nicht, aber das Gefühl mit dem man das Buch zuschlägt scheint ja erheblich auf die Punktzahl einzuwirken )

Rezension: Vergoogelt von Julia K. Stein -mal was Lustiges, zur Abwechslung.

Ein schönes Cover!

Ein schönes Cover!

Manchmal muss auch der hartgesottenste Krimileser etwas anderes lesen. In meinem Fall war es Vergoogelt von Julia K. Stein. Mich hat vor allem das witzige Cover angesprochen und die lustige Story am Puls der Zeit war auch super.

Die Story

In dem Buch geht es um Lena, eine Bloggerin. Sie hat sich mit ihrem Blog und ihren Online-Aktivitäten tatsächlich eine Existenz aufgebaut. Zum Leidwesen ihres Freundes Björn ist sie allerdings sehr oft online und kann nicht einmal beim romantischen Wochenende im teuren Hotel ihre Finger vom Blog, Twitter und ihren Emails lassen. Als das Wochenende geschafft ist, steht dann auch noch der Besuch bei den reichen Eltern des Freundes in Hamburg an, die durch ein Missverständnis nicht den besten ersten Eindruck von ihr gewonnen haben. Auch die folgenden Eindrücke machen es nicht besser. Nebenbei muss Lena unbedingt Geld auftreiben, denn ihr Exfreund hat sie um ihr Gespartes gebracht und sie möchte unbedingt ein soziales Projekt finanzieren.

Die Themen

Es geht ganz klar vorrangig um das Online- Leben. Was machen Blogger so? Es gibt anscheinend sehr abstruse Formen des Online- Lebens; zum Beispiel wohnt die Hauptperson gern ganz entspannt auch mal einem Online-Kaffeetrinken bei, wo der eine dem anderen ein virtuelles Stück Kuchen zum probieren herüberschickt. Wie baut man einen Blog auf? Wie kauft man Twitterfollower, und bringt das eigentlich was? Besonders auch die Frage, wie man online Geld verdient, wird sehr amüsant beantwortet und sollte wohl nicht zu ernst genommen werden. Die meisten Ideen sind da eher nicht so hilfreich. Es geht auch darum, wie schnell sich ein Shitstorm über einem zusammenbrauen kann. Aber auch die positiven Aspekte, wie zum Beispiel der Zusammenhalt unter Bloggern, wird ins Spiel gebracht.

Die Aufmachung, der Stil

Dieses Buch ist einfach sehr lustig und gut geschrieben! Die Protagonistin stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste, vor allem da sie immer etwas voreingenommen gegenüber so manchen Dingen oder Leuten ist und natürlich sofort sehr viel in Details hineininterpretiert. Sie lässt wenig Fettnäpfchen aus, und sehr zu meiner Freude wurde ich als Leser darüber durch ihre Gedanken dann auch ganz hervorragend informiert. Ich habe an mehreren Stellen wirklich gelacht.

Das Buch beginnt mit einem Test, wie schlimm es um einen selbst in Sachen Online-Sucht denn so steht. Nach einer kurzen Einführung versteht man, dass das Buch quasi aus Blogeinträgen der Hauptperson besteht. Sie schreibt in ihrem privaten, geheimen Blog über alles und aus tiefstem Herzen. So ist der Leser in der Story und liest durch die einzelnen Blogeinträge über das Leben von Lena. Ich finde diese Form der Erzählung anders und sehr gut gelungen.

Die Autorin kann wirklich gut Szenen im Kopf des Lesers verankern. Die einzelnen Situationen, vor allem die Pannen der Hauptperson, bleiben einfach im Gedächtnis und kommen sehr authentisch rüber. Durch diese sehr persönliche Erzählperspektive der Protagonistin in Form von Blogeinträgen ist man mitten drin und kann trotzdem auch oft kritisch auf ihre Gedanken blicken, da sie gern sehr offensichtlich falsch schlussfolgert..

Und so lustig es alles ist, so steckt doch viel Wahres drin. Einiges ist einfach aus dem Leben gegriffen und man kann sich mit vielen Gedankengängen einfach auch identifizieren. Anderes ist sehr informativ, zum Beispiel übers Bloggen und Marketing. Die Botschaft des Buches, da möchte ich natürlich nicht vorgreifen, ist am Ende auch sehr schön.

Was lernen wir daraus?

-Fürs Schreiben wurde mir noch einmal deutlich, wie man Szenen im Kopf des Lesers gut darstellt. Kleine Details, lustige Pannen und so weiter sorgen dafür, dass der Leser noch länger an diese Szenen denkt oder mal wieder lächelnd zurückblickt – wenn sie gut gemacht sind.

-Grundsätzlich hat mir dieses Buch fürs Schreiben die Perspektive des Ich-Erzählers wieder schmackhaft gemacht. Ich war eigentlich nicht immer so ein großer Freund davon, hier wurde diese Perspektive aber wirklich wundervoll genutzt. Durch Gedankengänge, die müssen ja auch nicht immer Sinn machen, wird es nochmal sehr anschaulich. So lässt man den Leser den Protagonisten besser ins Herz schließen.

-Ich möchte diese bei Punkt 1 dieses Absatzes angesprochenen lustigen Szenen auch unbedingt in meine Krimis reinbringen. Mein erstes Buch ist ja schon fast fertig und hat tatsächlich, so hoffe ich zumindest, solche Szenen mit drin. Es muss ja nicht immer alles so unglaublich düster sein, auch in einem Krimi.

Fazit

Dieses Buch kann ich wirklich empfehlen, ich vergebe 4 von 5 Sternen. Natürlich werden Frauen wohl eher Gefallen an der Story finden als Männer, aber auch für die ist dieses Buch durchaus lesbar. Bloggerinnen, Twittervögelchen und auch alle anderen Frauen am Puls der Zeit sind sicherlich die Hauptzielgruppe und denen dürfte das Ganze auch am besten gefallen. Einen weiteren Roman dieser Reihe oder dieser Autorin werde ich sicherlich lesen, denn ich hatte einfach eine gute Zeit, habe viel gelacht und fühlte mich wirklich super unterhalten.

Ihr könnt euch das Buch auf Amazon anschauen, indem ihr einfach auf das Bild klickt: