Rezension: Die Schatten von Edinburgh – Oscar de Muriel

Die Schatten von EdinburghWir schreiben (in diesem Buch) das Jahr 1888. Während in London Jack the Ripper sein Unwesen treibt, wird Inspector Ian Frey sowohl privat als auch beruflich zwangsversetzt. Er soll in Scottland einen Fall aufklären, dabei aber im Geheimen arbeiten damit die Engländer nicht durch die Nachricht von einem zweiten Ripper in Panik versetzt werden.

Der kultivierte Engländer Frey, aus gutem Hause und mit einem gesunden Hass auf die Schotten erzogen, macht in Schottland Bekanntschaft mit einer ganz neuen Welt.  Sein neuer Vorgesetzter ist ein ungehobelter, abergläubischer und ungepflegter Schotte – und bei dem soll er auch noch wohnen. Das neue Heim lässt ebenso zu wünschen übrig wie die Spelunke, in der er essen soll.  Auch der Fall hat es in sich: Ein Violinist wird in seinem Arbeitszimmer ermordet.  Das Dienstmädchen schwört, dass sie mindestens 3 Geiger in dem Musikzimmer gehört haben will, bevor die Musik verstummte. Und Niemand anderes hatte einen Schlüssel für den von innen verschlossenen Raum, in dem der tote Musiker liegt. Wo ist der Mörder hin? Was soll das Zeichen des Teufels auf dem Teppich? Und lastet wirklich ein Fluch auf den Violinen, die nach dem Tod des Musikers weitervererbt werden?

Stil, Machart, Meinung

Zunächst muss ich sagen, dass mich historische Bücher eher wenig interessieren. Dann muss ich einschränkend gestehen, dass ich sämtliche Werke von Agatha Christie oder Edgar Wallace liebe – und die sind mittlerweile ja auch schon als historisch zu betrachten.  Bei dem Jahr 1888 dachte ich auch gleich an Jack the Ripper. Vor einigen Jahren hatte es mir die Serie Ripper Street angetan, die in der gleichen Zeit spielte – und so klappte die zeitliche Einordnung bei mir super.

Beim Anblick des Covers fiel mir auf, dass keine Zuordnung der Geschichte als Kriminalroman oder Thriller erfolgte.  Im Inneren steht dann „Roman“.  Wenn ich auf der Buchrückseite Wörter wie „grausame Mordserie“ und „Ermittler“ lese, würde ich schon eher Krimi oder Thriller erwarten. Das schon dort versprochene Konzept des geschlossenen Raumes deutet dann stark in Richtung Krimi. Nachdem ich die Geschichte gelesen habe, wurde ich auch eher Krimi als Thriller sagen. Roman finde ich etwas unpassend, macht aber ein bisschen Sinn da natürlich auch Wert auf die historischen Details gelegt wird.

Die Story an sich knüpft mit dem Konzept des geschlossenen Raums an einige klassische Kriminalromane an, die von Mordhandlungen in geschlossenen Räumen berichten, zu denen kein anderer – oder viele andere- einen Schlüssel haben. Dazu hier (auf Wikipedia) mehr.

Die Hauptattraktion der Geschichte ist sicherlich der kultivierte, reiche Engländer, der ins raue Schottland versetzt wird.  Während ihm vor lauter Dreck bald die feinen Anzüge ausgehen und er die Annehmlichkeiten seines Lebens vermisst, muss er sich mit dem kompletten Gegenteil seiner selbst auseinandersetzen: seinem Vorgesetzten McGray.  Von Sympathie kann man bei den beiden Zwangskumpanen nicht sprechen, aber ihre Charaktere ergänzen sich für die Aufklärung des Falles optimal. Lustige Situationen aber auch interessante Details der damaligen Zeit werden anhand der Figuren erzählt.

Trotzdem bleibt die Geschichte düster und blutig, ist teilweise nichts für schwache Nerven.  Die Story mutet bis zum Ende wie ein halbherziges Whodunnit-Rätsel an, den Mörder erraten kann man aber nicht wirklich. Nüchtern betrachtet hat die Story eine tolle Idee als Ausgangssituation (geschlossener Raum, vererbte Geigen mit Fluch) –doch  je mehr es zum Ende geht, desto weniger bleibt davon übrig. Da machen eher die Charaktere, das Zusammenspiel einiger Charaktere und die interessanten historischen Details den Zauber des Buches aus –die Story rückt irgendwie im Laufe des Buches in den Hintergrund.

Was lernen wir daraus?

Mal wieder lebt die Story von dem Zusammenspiel sehr unterschiedlicher Ermittler. Dieses Rezept ist nicht neu aber auch nicht weniger erfolgreich als zuvor. Einen gelackmeierten Ermittler in feinen Anzügen mit einem verwahrlosten Haudegen zusammenzubringen, war eine gute Idee. Der besonders zwischen den Beiden aufblitzende Humor ist nett, und auch einige Nebenfiguren machten mir Freude.

Jedes Buch muss den Leser erreichen, um ihn zu begeistern. Je weiter die Story zeitlich vom Leser weg ist, desto universeller und interessanter muss sie geschrieben sein, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Story lässt sich zwar nicht wirklich in die heutige Zeit beamen, aber die Charaktere und deren Probleme sind so universell, dass das Konzept aufgeht. Ein bisschen Humor und Menschlichkeit helfen auch.

Roman, Krimi, Thriller.. Bei manchen Geschichten verschwimmen die Genres.  Es ist ein Roman, weil viel Wert auf die Charaktere und deren Geschichten gelegt wird. Es ist ein Krimi, weil ein Mörder gefasst werden muss, in dem mehrere Indizien und Gegebenheiten analysiert und eingeordnet werden. Und am Ende wird es auch ein bisschen Thriller, denn man konnte den Mörder nicht erraten und es gab eine wilder Verfolgungsjagd.

Fazit

Ich vergebe 3 Sterne. Es wären fast 4 geworden, aber wenn ich diese Geschichte mit anderen 4-Sterne-Büchern vergleiche, da ist geht das nicht. Ich habe die Geschichte zügig durchgelesen, es war stets interessant und ich hatte nicht nur meinen Spaß sondern habe auch einiges gelernt. Jedoch hat die sehr verheißungsvolle Story mich dann am Ende etwas enttäuscht. Dem Ermittlerduo würde ich jedoch noch eine weitere Chance geben, der Auftakt war -besonders als Erstlingswerk- vielversprechend. Dann erwarte ich aber etwas mehr Krimi und ein besser konstruiertes Verbrechen.

Hier gibt´s Details zum Buch und zum Autor auf der Verlagsseite:

Die Schatten von Edinburgh -Verlagsseite mit Details

 

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Rezension: Bruderlüge von Kristina Ohlsson (Benner #2)

Brüderlüge„Bruderlüge“ ist der zweite Teil der zweiteiligen Serie um Martin Benner und schließt in der Handlung direkt an Teil 1 „Schwesterherz“ an. Wer den ersten Teil nicht kennt, sollte auch bei meinen Rezensionen chronologisch vorgehen und zunächst die erste Rezension lesen:

Worum es  in Teil 1 ging, erzähle ich HIER. 

Im zweiten Teil, welcher kurze Zeit nach dem Ende vom ersten Teil ansetzt, hat Martin Benner einen neuen Gesprächspartner für sein Interview, welches als Rahmen für die Handlung dient. Denn der erste Interviewpartner ist schon nicht mehr am Leben – in dieser Geschichte pflastern einige Leichen den Weg der Hauptperson.

In dieser Geschichte muss er nun herausfinden, wo der verschollene Mio ist. Dieser ist der Sohn der inzwischen verstorbenen Sarah Texas, die als Mörderin verurteilt wurde und deren Schuld der Anwalt Benner in Teil 1 posthum noch „zurückbeweisen“ sollte. Zunächst widerwillig aber zunehmend fasziniert befasste sich Martin Benner mit der Geschichte von Sarah Texas und bemerkte bald einige Ungereimtheiten. Je weiter er sich in den Fall verstricken ließ, desto mehr ruhte der Fokus auf einmal auf ihn selbst. Menschen, die ihm von Sarah Texas Unschuld berichteten, waren auf einmal tot, und er selbst war der Mordverdächtige. Immer tiefer im Schlamassel reiste er nach Texas, musste um seine Liebsten fürchten und bekam am Ende des ersten Bandes ein paar Antworten und noch mehr neue Fragen. Diese werden nun in diesem Band geklärt, die Geschichte wird hier abgeschlossen.

Stil, Machart, Meinung

Wie man sieht, sind bei diesem Zweiteiler die Bände und die Geschichte eng verstrickt. Es ist schwierig, hier zu viel zur Handlung zu sagen ohne für Interessierte zu spoilern, denn sonst ist Band 1 ja nicht mehr interessant –  und bei dem sollte man hier auch zwingend anfangen.

Die Schreibweise der Autorin ist wie immer fluffig, gut ausbalanciert und macht die Sache spannend. Im Vergleich zu Teil 1 muss ich hier jedoch ein anderes Tempo feststellen: Im ersten Band werden viele Personen detailliert beschrieben, die Geschichte nimmt sich Zeit, um angemessen in die Tiefe zu gehen. Mit diesem Vorwissen geht’s dann in diesem zweiten Teil alles etwas schneller. Die vielen Personen, Verbindungen und Schicksale vom ersten Teil werden nun etwas eiliger abgehandelt. Es kommt mir fast so vor, als hätte die Autorin erst 3 Bände für die Geschichte eingeplant und dann doch auf 2 verkürzen müssen. Denn die vielen angefangenen Sachen werden meiner Meinung nach etwas schnell abgehakt. Es ist zwar alles sinnig aufgelöst, aber die Motive der Personen und einige Antworten kamen mir etwas zu kurz.

Dazu muss man jedoch sagen, dass die Autorin ihrer Taktik vom ersten Buch treu geblieben ist: Der Leser hat selbst einiges zu tun, er muss raten wie es nun wirklich ist und wird das eine ums andere Mal in die Irre geführt. Das ist auch im zweiten Teil gut gelungen.

Was lernen wir daraus?

Reihen stellen den Autor immer vor ein paar grundlegende Fragen: Wie gestalte ich den Cliffhanger und wo steige ich im nächsten Band wieder ein? Muss ich im nächsten Band noch einmal genau erklären, was im ersten Band passiert ist, damit auch Quereinsteiger etwas mit der Handlung anfangen können? Behalte ich den Stil, das Tempo etc. bei oder mache ich es dann doch anders?

In dieser Reihe herrscht im ersten Teil ein anderes Tempo vor als im Zweiten. Natürlich muss der erste Band hier eine Menge Personen, Verstrickungen und Schicksale vorstellen. Im zweiten Band hat der chronologisch vorgehende Leser dann schon das Vorwissen und das Tempo kann angezogen werden. Ganz klar ist: Ein Einstieg in die Geschichte mit dem letzten Band bringt wenig bis Garnichts. Diese Reihe macht nur Sinn, wenn zuerst Band 1 und dann Band 2 gelesen wird. Band 1 ohne Band 2 lässt zu viele Fragen offen und so bedingt ein Lesen von Band 1 auch ein weitergehendes Lesen von Band 2. Band 2 ohne das Vorwissen aus Band 1 bringt auch nichts, weil die Handlung einfach zu eng verstrickt und zu komplex ist. Wer also mit dieser Reihe beginnen möchte, muss bei 1 anfangen und 2 mit einplanen.

Für den Verkauf gut: Der erste Band ist (meiner Ansicht nach) besser und wer alle Fragen klären möchte, muss dann auch Band 2 kaufen. Wer spontan Band 2 kauft, wird schnell merken, dass er sich auch noch Band 1 anschaffen muss. 🙂

Für den Verkauf schlecht: Band 2 ist für den Leser, der Band 1 nicht kennt, wohl sehr unbefriedigend. Ein unwissender Spontankauf ist hier nicht gut – der Leser wird das buch nicht weiterempfehlen.

Fazit

Diese Reihe hat mir an sich gefallen, wobei ich mir nach dem ersten Band etwas mehr vom zweiten Band versprochen hatte und es zwischenzeitlich dann doch etwas „an den Haaren herbeigezogen“ war (ich darf hier nicht spoilern..) . Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich dabei auf hohem Niveau nörgele. Kristina Ohlsson trifft mit ihrer Schreibe und ihren Geschichten grundsätzlich meinen Geschmack, Thriller mit Krimi, ich darf mir meine eigenen Gedanken machen, spannend und nicht ausschweifend mit einigen humorvollen Elementen geschrieben und einfach gut. Im Vergleich zur Reihe um Alex Recht und Co. Muss ich jedoch sagen, dass diese Reihe nicht an rankommt. Ich wollte diesem zweiten Band zunächst 3 Sterne geben, bleibe aber nun für diesen Band und die gesamte Reihe bei 4 Sternen, weil im Vergleich zu anderen Autoren diese Autorin einfach ihr Handwerk versteht und meinen grundsätzlichen Geschmack trifft. Sie hat auch schon 5 Sterne von mir abgestaubt, aber dafür reicht es dann doch nicht. Wer ihre Bücher mag, wird auch dieses mögen. Wer Thriller mit Tiefgang und Krimi- Elementen mag, die sich nicht in belanglosen Details verzetteln, der dürfte hier genau richtig sein. Die andere Reihe ist trotzdem besser.

Hier meiner anderen Rezensionen von Kristina Ohlsson – Büchern, beide 5 Sterne:

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson

Rezension: Himmelschlüssel von Kristina Ohlsson

Hier der Link zu der Verlagsseite für mehr Details:

Bruderlüge bei Randomhouse

Rezension: Ragdoll – Dein letzter Tag von Daniel Cole

Ragdoll Daniel Cole Dein letzter TagAls die Detectives der Mordkommission des New Scotland Yard an den Fundort einer Leiche kommen, haben auch die erfahrenen Ermittler mit dem gebotenen Anblick zu kämpfen. Die Leiche besteht nämlich aus 6 Leichen. Die Körperteile verschiedener Opfer wurden zu einer Lebensgroßen Ragdoll, einer Flickenpuppe, zusammengenäht. Als wäre das nicht alles schon schlimm genug, zeigt das makabere Leichengebilde auch noch auf die Wohnung von einem der Ermittler. Und dieser Ermittler, Wolf, hat eine ganz besondere Geschichte: vor Jahren hatte er den „Feuerbestatter“ gejagt. Als der brandgefährliche Serientäter trotz der Ermittlung von Wolf vor Gericht freigesprochen wurde, ging es mit dem Detective durch und er versuchte noch im Gerichtssaal, ihn zu töten. Nun, Jahre später, hat er sich wieder erholt. Aber die Vergangenheit wird ihn mit diesem Fall einholen. Als seine Ex-Frau kurz darauf auch noch eine Todesliste erhält, die das nächste Opfer und den Tag dessen Todes verrät, wird der ganze Fall noch schlimmer. Denn auch Wolf steht drauf..

Stil, Machart, Meinung

Der Thriller ist packend. Auf den ersten Seiten geht’s gleich los, und bis zur letzten Seite möchte man diese Geschichte möglichst nicht mehr aus der Hand legen. Bei mir dauerte es  etwas länger, da ich gerade einen Job habe, eine Wohnung suche und meine Eltern umziehen. Trotzdem habe ich mir zwischendurch immer mal ein Kapitel gegönnt. Denn für einen Kurztrip in die Welt des Ragdoll- Killers ist dieser eher dicke Wälzer gut gemacht: die einzelnen Abschnitte sind angenehm kurz und man weiß im nächsten Abschnitt durch gute Eingangssätze auch sofort wieder, was los ist. Der Schreibstil ist fluffig und konzentriert sich in meinen Augen auf die wichtigen Dinge, ohne kleine amüsante Details zur Abrundung auszulassen. Die Dialoge gefallen mir.

Ein Thriller hat immer irgendwie das Element „Wettlauf gegen die Zeit“ in sich. In diesem hier  ist das ganze durch die Todesliste mit Datum natürlich sehr plakativ und damit auch gut gelungen. Der Detective muss den Killer stoppen, denn wenn er es nicht tut ist er das letzte Opfer auf der Liste seines Widersachers. Trotz des rasanten Tempos gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, den die gegenwärtige Mordserie scheint etwas mit dem vom Detective früher gejagten Feuerbestatter zu tun zu haben. Krimi ist der Thriller (wie so oft) irgendwie auch, der Leser darf selbst raten, Theorien aufstellen und sich so seine Gedanken machen. Diese Mischung ist super, der Plot an sich auch.

Die Hauptfigur, Wolf, ist eher ein Antiheld. Ein Einzelgänger, ein mysteriöses Privatleben und Dinge, die verschwiegen werden. Von Dienstvorschriften scheint er noch nie gehört zu haben. Zielsicher schafft er es jedoch, sie alle zu brechen. Er muss in dieser Geschichte natürlich einiges aushalten, musste es schon in der Vergangenheit und ist eventuell auch noch in wenigen Tagen tot.

Die anderen Mitglieder des Ermittlungsteams sind gut gemacht. Es sind nicht zu viele, sodass man auch alle wiedererkennt. Es gibt die Frau, die irgendwie auch dem Antihelden nahesteht und nach aussen hin einen sehr harten Eindruck macht. Dann gibt es den Vorgesetzten, der lieber ermitteln will, einen lustigen Partner und einen engagierten Neuling im Team, welcher jeden Abend zu spät nach Hause kommt. Das Team ist gut zusammengestellt und macht Lust auf mehr. Ich sehe Potential!

Natürlich gibt es einen dramatischen Showdown, und natürlich werde ich nichts verraten. Um meinen Kritikpunkt zu erklären, muss ich jedoch trotzdem bis ans Ende der Geschichte springen. Während der Geschichte, welche recht lang und vielschichtig ist, stellte ich mir als Leser die ein – oder andere Frage zum Vorgehen und zu den Motiven des Killers. Nach der letzten Seite blieben davon leider einige Fragen offen.

Die Reihe

Zunächst war mir auch etwas unklar, ob dieses Buch in einer Reihe angelegt ist. Der Buchumschlag gab auf diese Frage zunächst keine Antwort. Am Anfang war ich sicher, dass ich einen Vorgänger verpasst haben musste, da der eine große Fall in der Vergangenheit so beschrieben war, als sei es genug Stoff für ein ganzes Buch. Nein, Recherchen ergaben: Dieses Buch ist das Debüt des Autors Daniel Cole. Am Ende des Buches war mir dann auch klar, dass es um dieses Team wohl einen weiteren Band geben wird, denn es cliffhangert. Tatsächlich fand ich auf der Ullstein – Website auch den Zusatz hinter dem Titel „New Scotland Yard Thriller #1“, wodurch sich eine #2 anzukündigen scheint. Schon vor dem Fazit: Ich würde #2 lesen ..

Was lernen wir daraus?

Wieso einen Thriller mit dem Fund einer Leiche beginnen, wenn man direkt mit 6 Leichen in einer anfangen kann? Der allgemeine Trend zu Sonderangeboten wie „buy one, get one free“ oder „6 Produkte in einem“ ist allgemein zu beobachten. Hier haut der Autor frei nach dem Motto „the bigger, the better“ gleich zu Beginn seines Debüts, direkt mal ordentlich auf die Kacke. Und als wären 6 Leichen in einer nicht schon genug, taucht direkt auch schon eine Todesliste mit einigen Kandidaten auf, von denen wohl die meisten auch dran glauben müssen. Und das alles in Verbindung mit einer Mordserie in der Vergangenheit, bei der mehrere Kinder dran glauben mussten. Mord und Totschlag! Trotzdem ist es nicht nur eine Story, die sich selbst mit ihren Leichen und Todesarten zu überbieten versucht. Die Opfer haben alle eine Bedeutung, Verbindungen müssen gefunden werden und der Plot ist in sich schlüssig. Wenn sich dann am Ende die Leichen stapeln, dann geht das in Ordnung. Trotzdem muss es meiner Meinung nach in Krimis oder Thrillern nicht darum gehen, dass möglichst viele Menschen sterben. Es geht für mich mehr um die anderen Elemente, vor allem der Plot, die Auflösung, die Machart und auch der Sinn hinter dem Ganzen.. Oder?

Fazit

Ich habe das Lesen sehr genossen, war von der ersten Seite an gepackt und fand den Schreibstil, die Aufteilung der einzelnen Abschnitte sowie die Personen, die Story, den Plot, die kreativen Ideen und auch die teilweise amüsanten Dialoge mitten im Leichendschungel sehr gelungen. Fast hätte ich 5 Sterne springen lassen, aber einen Kritikpunkt habe ich einfach: Wenn ich mich während des Lesens Frage, wie und warum der Killer etwas gemacht hat, dann möchte ich am Ende auch die Antworten auf diese Fragen haben. Ein paar Fragen sind offen geblieben, leider. Trotzdem kann ich dieses Buch allen Liebhabern von packenden Thrillern wärmstens empfehlen und warte schon gespannt auf das nächste Buch von Daniel Cole. Den Namen werde ich mir merken!

 

Hier gibts die Details auf Amazon

 

Hier gibts die Informationen auf der Verlagsseite

Rezension: Im Zeichen des Todes von Sam Wilson

Sam Wilson im Zeichen des TodesIn der Welt, in der dieser Thriller spielt, entscheidet das Geburtsdatum eigentlich über das ganze Leben. Denn in diesem System, hier die Stadt San Celeste,  bedeutet das Sternzeichen, wie der Mensch ist, wo er lebt und welche Chancen er im Leben hat. Die Sternzeichen, so wie wir sie auch kennen, unterteilen die Menschen in Gruppen. Es gibt beispielsweise die privilegierte Oberschicht der Steinböcke, die gewalttätige Unterschicht der Widder, die loyalen und bodenständigen Stiere oder liberale Hipstertypen wie die Wassermänner..

Als der Polizeichef Williams von seiner Putzfrau tot im Garten entdeckt wird und die Putzfrau nach dem Notruf verschwindet, wird Detective Jerome Burton auf den Fall angesetzt. Da am Tatort Spuren in die Richtung der gewalttätigen Widder deuten, wird eine „astrologische Profilerin“ hinzugezogen. Während der Detective nicht an die Macht der Sterne glaubt, ist diese für Lindi Childs der Schlüssel zu Allem. Und dann geschieht ein weiterer Mord..

Stil, Machart, Meinung

Die Stadt, in der die Handlung spielt, und das System der Sternzeichen finde ich faszinierend. Die Idee ist super. Eigentlich weiß der Leser, dass die Einteilung der Sternzeichen und die riesige Bedeutung für das Leben in San Celeste absoluter Humbug ist. Aber die Leute in diesem Buch sind in diesem System so verwurzelt, dass sich alles nach der Einteilung ausrichtet.

Was ist, wenn bei einem privilegierten Steinbock – Paar das Kind durch Komplikationen zu früh auf die Welt kommt? Oder wenn sich ein Widder in ein Stier verliebt? Wie mögen sich die einzelnen Gruppen untereinander und wie gehen sie miteinander um? Tatsächlich sprechen die einzelnen Zeichen unterschiedliche Dialekte, nicht wie bei uns je nach Region sondern tatsächlich nach dem Zeitraum der Geburt. Es gibt Stadtteile, die nur von bestimmten Sternzeichen bewohnt werden. Genau geplante Verhütung und Befruchtung ist alles. Die Idee zieht eine Menge Fragen und Gegebenheiten nach sich, und das ist definitiv ein spannender Rahmen für einen Thriller.

Und genau dieser Thriller ist für mich als Thriller – Leser doch etwas dünn ausgefallen. Auf der Rückseite des Buches wird von „einer Mordserie von unvergleichlicher Brutalität“ gesprochen, die den routinierten Thriller-Fan nicht mal ansatzweise von der Couch hauen wird. Noch dazu ist einem der Täter die meiste Zeit auch sympathischer als die Opfer. Einzig die Fragen, wer von der Polizei mit in der Sache drin steckt, ob das Ermittlerteam noch was ermittelt und ob das nächste Opfer im Visier des Killers auch noch zur Strecke gebracht wird, halten den Thriller-Leser bei der Stange.

Das Ermittlerteam ist für diese geschaffene Welt natürlich gut gewählt. Der Detektive, der nicht an die Sache mit den Zeichen glaubt, bekommt Hilfe von einer überzeugten, astrologischen Profilerin. Der Detective erwartet gerade selbst ein Kind und hofft inständig, dass es nicht zu früh kommt. Und die lesbische Profilerin erstellt halt ein paar Diagramme auf Grund des Geburtsdatums und scheint stellenweise selbst nicht so extrem an das System zu glauben wie andere. Grundsätzlich eine gute Zusammenstellung, nur was mir zwischenzeitlich mal auffiel: so richtig viel Ermittlung mit Ermittlungsergebnis hat dieses Gespann nicht zu Tage gebracht. Sie sind ganz klar die Guten, aber irgendwie sind ihnen auch die Hände gebunden. Hier hätte ich mir deutlich mehr Tiefgang bei den Hauptpersonen gewünscht. Der Konflikt mit den Zeichen war grundsätzlich ja ganz gut herausgearbeitet, bot aber gerade bei den Ermittlerin noch wesentlich mehr Potential.

Am Ende wird’s dann dramatisch, es passiert nach langem Dahinplätschern plötzlich eine Menge, der Showdown ist dramatisch und viele Menschen sind in Lebensgefahr. Die letzten Seiten konnten mich dann zur Hälfte mit der Handlung versöhnen, aber die andere Hälfte besteht aus vielen offenen Fragen.

Was lernen wir daraus?

Die Idee mit der Welt, in der sich alles nach dem Geburtsdatum und damit Sternzeichen ausrichtet, ist der absolute Hammer. Deshalb habe ich das Buch unbedingt lesen wollen, gerade weil zur Abwechslung mal ein Thriller mit Mordserie in einer interessanten erdachten Welt spielt. So eine Idee möchte ich auch mal haben, ich arbeite dran. Diese Idee bietet ein großes Potential für ein Buch oder auch eine ganze Serie. Dieses Buch sehe ich schon in der nächsten großen Serie, entweder von Amazon oder Netflix produziert oder nach einem riesigen Erfolg in den USA dann auch am Mittwoch um 20.15 auf Pro7..

Die Schattenseite einer so grandiosen Idee sind dann auch immer das Potential der Idee und die Erwartungen der Leser. Als ich den Teaser las, war ich Feuer und Flamme. Die Idee hatte mich gepackt. Aber da ich auch gern Thriller lese, konnte mich der Thriller in dieser Idee irgendwie nicht so packen und gerade im Mittelteil plätscherte die Story so dahin.

Fazit

Eine grandiose Idee einer fiktiven Welt mit einem unglaublichen System. Und gleichzeitig ein Thriller, in dem eine Mordserie in genau dieser Welt spielt und in der auch die Handlung mit diesem System sehr eng verbunden ist.  Diese Kombination ergab eine aufgeregte 5 – Sterne – Erwartung meinerseits. Ich vergebe jedoch nach der Lektüre, wieder auf dem Boden der Tatsachen, 3 Sterne. Es steht Thriller drauf, und es ist auch Thriller drin. Würde dieser Thriller jedoch nur als Thriller bewertet in einer normalen Welt spielen, wäre meine Bewertung unterirdisch. Denn die wichtigen Personen mit ihren Motiven und Hintergründen sind, bis auf eine Ausnahme zu der ich nichts verraten kann, sehr blass geblieben. Die Morde sind so lala, einzig die Vergangenheit dahinter ist interessant. Die Stadt und die Aufteilung ihrer Bewohner in die Sternzeichen ist super und die Balance zwischen dieser fiktiven Welt und den Verbrechen ist auch sehr gut gelungen. Nur das ungenutzte Potential, die blassen Personen und die zeitweise eher zähe Handlung sind nicht so meins. Trotzdem eine gute Idee, die wahrscheinlich tatsächlich irgendwie verfilmt werden wird.

Hier gibt’s die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

Rezension: Schwarzes Netz von Val McDermid

Val McDermid Schwarzes Netz.jpgEine mysteriöse Serie von Selbstmorden zieht die Aufmerksamkeit von Tony Hill auf sich. Zunächst möchte er mit dem Rätsel nur Carol Jordan beschäftigen, die dringend Ablenkung von ihren Problemen braucht. Mehrere Frauen, die mitten im Leben standen und einen starken Eindruck machten, scheinen sich überraschend das Leben genommen zu haben. Es gibt mehrere Gemeinsamkeiten: Jede Frau hatte kurz vor ihrem Tod mit einem Shitstorm im Internet und den üblen Beschimpfungen von Trollen zu kämpfen. Außerdem finden sich in der Nähe der Leiche jedes Mal die Werke von Schriftstellerinnen wie Slyvia Plath oder Virginia Woolf. Als Carol Jordan eine neue Chance mit einer von ihr zusammengestellen Ermittlergruppe bekommt, kann sie viele alte Bekannte in ihr Team holen und diesen Fall als „Probelauf“ für die Ermittlung nutzen. Ob wirklich etwas an der Theorie eines Serienkillers dran ist, wird sich zeigen.

Die Reihe

Diesen Punkt ziehe ich heute vor, denn ich möchte den Lesern, die die Fälle von Tony Hill und Carol Jordan nicht kennen, Zeit sparen. Diese Reihe von Val McDermid und mehrere unabhängige Geschichten von ihr habe ich schon während den letzten Jahren meiner Schulzeit ab Band 1 für mich entdeckt. Irgendwann habe ich jedoch den Faden verloren, warum weiß ich eigentlich nicht. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir Die Erfinder des Todes“ target=“_blank“>„Die Erfinder des Todes“, in diesem Buch ermordet ein Serienkiller Autoren genau so, wie sie es in ihren Thrillern beschrieben haben. Zurück zur Reihe: Das schwarze Netz ist bereits Band 9 der Reihe Hill/Jordan. Ich hatte mindestens 3 Bücher dazwischen verpasst, konnte mich aber gut wieder hinein finden und mich an viele der Charaktere halbwegs erinnern. Durch Andeutungen weiß ich, dass ich viel verpasst habe. Wer von dieser Reihe noch nichts gehört hat, sollte vielleicht bei Band 1 anfangen. Wen es nicht stört, unwissend in genau diese Geschichte um Shitstorms und Internet-Trolle einzutauchen, der hat zumindest den Vorteil , dass sich Carol Jordan ein neues Team zusammenstellt und so jeder vorgestellt wird.

Stil, Machart, Meinung

In gewohnt schwungvollem und spannendem Schreibstil wird ein vergleichsweise kurzer Thriller sehr gut erzählt. Wie schon gesagt, ist für den vollständigen Lesegenuss etwas Vorwissen von den 8 Vorgänger-Bänden wünschenswert, es würde wohl aber auch ohne einigermaßen klappen. In mehreren Perspektiven werden natürlich vor allem die Perspektiven von Tony Hill und Carol Jordan (den Hauptpersonen mit einer sehr verkorksten Beziehung zueinander.. und überhaupt) nicht zu kurz kommen. Auch der Mörder (Überraschung, es gibt einen Mörder..) und die Mitglieder des im Laufe des Buches zusammengestellten Teams berichten dem Leser exklusiv ihre Gedanken. Recht kurze Kapitel und die wechselnden Perspektiven in einem angenehmen Schreibstil, der sich nicht mit detailreichen Ausschweifungen belastet, sind genau nach meinem Geschmack und machen die Geschichte sehr spannend.

Etwas gestört hat mich die Balance der Geschichte, obwohl die Auswahl für meine Vorerfahrung eigentlich perfekt war. Für mich nehmen die Probleme von Carol Jordan und die Lösungsversuche von Tony Hill sowie die Zusammenstellung des Teams eigentlich etwas überhand. Es fühlt sich ziemlich blöd an, das zu schreiben, denn diese Informationen sind gerade für mich, die ich ein paar Bände verpasst habe, sehr wichtig und gut um wieder Fuß zu fassen. Trotzdem ist dieser sehr interessante Fall, mit einer ziemlich genialen Idee für eine Mordserie, in meinen Augen etwas zu kurz gekommen. Hier hätte man noch mehr draus machen können und dem Handlungsstrand mehr Raum zugestehen können. Dafür hätte man wohl eher dem gesamten Buch mehr Seiten zugestehen können und nichts von den anderen Handlungssträngen kürzen brauchen, dann wäre es perfekt gewesen. Ich war jedenfalls etwas überrascht, wie schnell dann die Lösung da war.

Was lernen wir daraus?

Es scheint nicht einfach zu sein, Leser an sehr lange Reihen zu fesseln. Wie schon gesagt, weiß ich nicht warum ich diese gute Reihe dann nicht mehr weiterverfolgt habe. Als ich dieses Buch nun  vor einer Bahnfahrt auf dem Bücherstapel im Bahnhofsbuchhandel liegen sah, war ich jedenfalls voller Vorfreude und musste damit gleich anfangen. Gut gemacht hat die Schriftstellerin die Einführung für Leser, die nicht alle Bände gelesen haben. Man möchte für die Einen nicht zu viel wiederholen, für die Anderen muss man jedoch alle wichtigen Informationen aus den vergangenen Bänden kurz einfließen lassen, damit sie alles verstehen. Auf Grund dieser langen Reihe und doch auch vielen Personen in dem Ermittlerteam nimmt es hier jedoch viel Raum ein – im Vergleich zu der genial ausgetüftelten Mordserie.. denn da muss man erst einmal drauf kommen.

Eigentlich ist es dann aber doch ziemlich clever, wie Val McDermid ihren Figuren treu bleibt, sie aber nun mit einem neuen Ermittlerteam irgendwie neu erfindet. Hill/Jordan 2.0 sozusagen, ein Neustart. Vielleicht kann man damit auch im 9. Band noch neue Leser an die Reihe binden? Ich finde das ziemlich interessant.

Fazit

Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Da ich sehr froh bin, diese Reihe wiederentdeckt zu haben, werde ich sicherlich auch den 10. Fall um das Team gern wieder lesen. Die Schreibweise und die Spannung ist wie für mich gemacht, und nun mit dem neuen Team bin ich bereit für den nächsten Fall. Die geniale Idee um die Mordserie kommt für mich wie schon gesagt etwas zu kurz, deshalb muss der Stern abgezogen werden.

Ich kann diese Reihe/ dieses Buch trotzdem wärmstens an alle Fans schnörkelloser, spannender Thriller mit einem interessanten Ermittlerteam empfehlen. Grundsätzlich würde ich von vorne anfangen, zur Nor geht’s aber auch so..

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Rezension: UNDER GROUND von S. L. Grey

under-ground-sl-greyEin tödliches Virus scheint sich auf der Erde auszubreiten. 5 Familien machen sich schnell auf den Weg ins „Sanctum“, einen unterirdischen Luxus -Bunker für das Überleben von Kathastrophen. Problematisch ist dabei nicht nur, dass der Bunker noch nicht so ganz fertig ist. Als der Betreiber tot aufgefunden wird, sind die Bunker-Insassen von der Welt abgeschnitten und eingeschlossen, denn nur der Tote wusste den Code für die Ausgangsluke. Mindestens genau so tödlich wie das Virus draußen, ist es jedoch sich im Sanctum aufzuhalten. Denn es bleibt nicht bei einem Toten und die Menschen im Bunker wissen nicht, wem sie trauen können. Als dann die Wasservorräte knapp werden, geht’s eh nur noch ums nackte Überleben..

Stil, Machart, Meinung

Ich lese gern klassische Krimis und Thriller, habe zwischendurch aber auch immer mal Lust auf was Neues. Und genau so ist dieser Thriller, der gleichzeitig aber auch ein Krimi und ein Roman ist. Die klassischen Krimi –Elemente werden durch eine abgeschlossene Wohneinheit und eine Leiche nach der anderen perfekt bedient. Nur einer der Bewohner kann der Mörder sein. Die Thriller – Elemente sind natürlich besonders im Kampf ums Überleben verankert, einerseits durch die endlichen Ressourcen und andererseits durch die Überlebensstrategien der einzelnen Bewohner. Trotzdem kommen die Geschichten der Bewohner nicht zu kurz, denn da hat jeder so das eine oder andere Problem –welches mehr und mehr entweder in den Vorder- oder Hintergrund gerät. Einige drehen durch, andere helfen, wieder andere werden egoistisch. Ein interessantes Beziehungsgeflecht entwickelt sich.

Die Erzählweise ist meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Der Leser erfährt durch verschiedene Perspektiven, was in dem Bunker so vorfällt. Eine Person jeder Wohneinheit berichtet aus ihrer Sicht über den Lauf der Dinge. Dadurch ist der Leser irgendwie immer mittendrin, nach und nach offenbaren sich einige Erklärungen zu dem Verhalten einzelner Bewohner.  Dinge kommen ans Licht, Menschen sterben und der Leser hat exklusive Einblicke, die sich mehr und mehr zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Wer ist der Killer? Werden die Bewohner überleben?

Bei vielen Leuten, die man sich im Laufe einer Geschichte merken muss, ist es ja immer schwierig den Überblick zu behalten. Hilfe kommt anfangs von einer Grafik, die das Sanktum mit den verschiedenen Wohneinheiten und deren Bewohnern aufschlüsselt. Die verschiedenen Perspektiven aus den einzelnen Wohneinheiten und die anfangs auch recht stereotypen Darstellungen der Bewohner helfen auch weiter, sodass man schnell in die Geschichte hinein findet und keinerlei Probleme bei der Identifizierung der Personen hat. Merkwürdig fand ich, dass manche Perspektiven aus der ICH-Perspektive geschrieben sind und andere nicht. Die Autoren werden sich etwas dabei gedacht haben..

Ein weiterer interessanter Aspekt war für mich grundlegend die Entscheidung, in einen Luxus – Bunker für den Ernstfall zu investieren. „Prepper“ sind ja im Moment irgendwie im Trend. Das sind Leute, die sich intensiv auf Katastrophen vorbereiten. Hier mehr zum Thema, falls es interessiert: Wikipedia zum Thema Prepper

Es gibt Leute, die sich fast schon auf den eingetretenen Ernstfall zu freuen scheinen, einfach weil sie so gut vorbereitet sind. Dann sind in dem Bunker aber auch Menschen, die einfach zu viel Geld übrig hatten und in den Bunker investiert hatten, wobei die Familienangehörigen meist eher wenig Begeistert von der Idee sind. Und niemand hat seinen restlichen Angehörigen erzählt, wo die Familie ist..

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man Genres sehr gut mischen kann – wenn man es kann. Ich denke, dass nicht jede Idee sich dazu eignet, diese Idee hier allerdings wie geschaffen für die unterschiedlichen Elemente ist. Einige meiner Leser dürften eventuell schon gemerkt haben, dass die klassischen Krimimerkmale wie ein eingeschränkter Kreis von Verdächtigen und die eigene Chance zum rätseln, wer denn nun der Mörder ist, genau mein Geschmack sind. Das hat hier perfekt geklappt, dazu kam noch die verrinnende Zeit und die gut beschriebenen Gefühle und Motive der Bewohner, die nach und nach klarer werden.

Und im Ernstfall werde ich mich nicht mit Fremden in einen Luxus Bunker einschließen lassen. Diese Lektion ist auch wichtig..

Autoreninfo

UNDER GROUND ist das erste gemeinsame Buch von den südafrikanischen Autoren Sarah Lotz und Louis Greenburg. Mehr Info`s gibt es auf der Verlagsseite: hier klicken

Fazit

Ich vergebe 4 Sterne. Für 5 Sterne fehlt mir noch eine Kleinigkeit, die ich aber nicht ausmachen kann. Diese spannende Geschichte mit dem gewissen Hauch von Endzeitstimmung hat mich auf jeden Fall gefesselt. Die drei gemischten Genres und das eher neue und ungewohnte Thema eines tödlichen Virus, der wohlhabende Familien in einen Luxus Bunker treibt, finde ich super. Der Plot gefällt mir, die Bewohner mit ihren Problemen, Beziehungen und Ängsten sowie die mysteriösen Entwicklungen sind auch sehr gut gelungen. Ich kann die Lektüre dieses Buches sehr empfehlen, wenn man sich auf etwas Neues einlassen möchte und nicht nur auf ein Genre festgelegt ist. Leseempfehlung!

Hier gibt es Informationen zu den Autoren und weitere Details zum Buch!

Rezension: DNA von Yrsa Sigurdardóttir

yrsa-sigurdardottir-dnaDie ersten Seiten lassen schon erahnen, warum der Titel des Buches eine große Rolle in der nachfolgenden Mordermittlung spielen wird. Drei Geschwister haben Schlimmes durchgemacht und sollen nun getrennt adoptiert werden. Was das damit zu tun hat, dass ein Killer seine Opfer bestialisch ermordet, ohne dafür großartig einen Finger krumm zu machen, wird sich herausstellen. Jedenfalls ist eine Menge Klebeband im Spiel, und alltägliche Haushaltsgeräte kommen auch zu ihren „5 Minuten Ruhm“, wenn dieser Ruhm auch sehr zweifelhaft ist.

Da beim ersten Mord ein Kind der einzige Zeuge ist, ist die Polizei auf die Hilfe der Kinderpsychologin Freya angewiesen. Der Polizist, der plötzlich und unerwartet  die Ermittlung leiten soll, ist sehr überrascht als er die Psychologin trifft. Denn die beiden hatten einen One Night Stand, bei dem er sich eher unrühmlich verhalten hat..

Stil, Machart, Meinung

Der Thriller ist gut und flüssig geschrieben. Definitiv ist das Buch nichts für schwache Nerven, denn die Morde sind sehr brutal und detailreich geschildert. Auch wenn der Trend zu immer bestialischeren Morden zu gehen scheint, hat die Autorin sich hier kreativ ausgelebt und keine 08/15 Morde inszeniert.

Der normale Thriller mit Morden, deren Aufklärung, Spannung und einem Wettlauf gegen die Zeit wird von Yrsa Sigurdardóttir, wie ich es auch schon in der vorherigen Reihe um die Rechtsanwältin Dora geschätzt habe, um eine Dimension erweitert: Die Vergangenheit. Auch dieses Mal hängt die Mordserie offensichtlich mit Geschehnissen in der Vergangenheit zusammen, die der Leser größtenteils nur durch die Anfangsszene erahnen kann. Während ich mich also immer fragte „wie hängt das zusammen, ist eine der handelnden Personen eines dieser Kinder aus der ersten Szene?“, gab es von der Autorin jedoch bis zur Auflösung nur wenig Hinweise. Trotzdem, oder auch gerade deswegen, mag ich diese Verbindung in die Vergangenheit sehr.

Was mir allerdings nicht ganz so gut gefallen hat wie der Rest, ist die Balance der Perspektiven. Während ich mir mehr Handlung aus der Perspektive der Kinderpsychologin und des Ermittlers und den Ermittlungen gewünscht hätte, waren mir die Perspektiven des Ermittlers mit einem privaten Problems mit einem Kollegen und die eines Amateurfunkers etwas zu ausführlich. Ich kann nicht mehr dazu sagen, ohne zu spoilern. Das ist natürlich nur mein subjektives Empfinden und die Autorin kann auf jeden Fall machen, was sie will. Ich kann nur sagen: es war mir phasenweise etwas lang, während andere interessante Dinge etwas kurz gehalten waren.

Die Reihe

DNA ist der Auftakt der Reihe um die Kinderpsychologin Freya und den Ermittler Huldar. Die Beziehung zwischen den beiden und die verschiedenen Berufe bieten viel Potential für weitere Fälle, daher werde ich mir den zweiten Teil sicherlich auch zulegen..

Fazit

4 von 5 Sternen. Einen Punkt ziehe ich ab, weil mir einige Dinge etwas zu ausführlich waren, während ich mir wieder andere Sachen gern etwas länger gewünscht hatte. Trotzdem kann ich diesen Thriller nur empfehlen, die normalen Zutaten eines guten Thrillers werden durch Geschehnisse in der Vergangenheit zu einem spannenden Rätsel. Ich werde auch den zweiten Teil dieser Reihe gern lesen.

Hier gibt´s die Details zum Buch und der Autorin auf der Verlagsseite

Hier gibt´s meine Rezension zu „das gefrorene Licht“ von Yrsa Sigurdardóttir (aus der Reihe um Rechtsanwältin Dora)

Rezension: Himmelschlüssel von Kristina Ohlsson

kristina-ohlsson-himmelschlusselEin vollbesetztes Flugzeug ist auf dem Weg von Schweden in die USA. Kurz nach dem Abflug geht an Bord eine Bombendrohung ein. Es gibt zwei sehr merkwürdige Forderungen. Nun sind mehrere Behörden in Schweden und den USA in höchster Alarmbereitschaft. Sie müssen herausfinden, wer dahinter steckt. Und sich auf ein Vorgehen einigen. In Schweden ermitteln Fredrika Bergman, Alex Recht und Eden Lundell für unterschiedliche Behörden zusammen, um den Fall zu lösen, bevor das Flugzeug explodiert oder abgeschossen wird. Die Uhr tickt..

Stil, Machart, Meinung

Ein richtig spannender Thriller, bei dem man mit jeder neuen Seite wieder die Uhr ticken hört. Die Geschichte ist durch kurze Kapitel, bei dem jeder neue Abschnitt mit der aktuellen Uhrzeit versehen ist, sehr spannend konstruiert. Durch verschiedene Perspektiven ist der Leser im Flugzeug und bei den verschiedenen Behörden dicht am Geschehen, während die Zeit für die Fluggäste immer weiter abläuft. Diese spannende Jagd nach dem Täter und vor allem nach einer unblutigen Lösung ist sehr gut konstruiert.

Und doch hat die Autorin den Augenmerk nicht ausschließlich auf die tickende Zeitbombe gelegt. Schon von Anfang an befassen sich die verschiedenen Personen wie Beispielsweise der Ermittler oder der Schwedische Ministerpräsident mit ganz aktuellen gesellschaftlichen Problemen.  Denn nach einem Terroranschlag  in Schweden (den gab es wirklich) fordern viele Leute mehr Sicherheit, wollen den Preis dafür aber auch nicht zahlen. Und auf dieser Welle reiten auch die Rechtspopulisten, die durch solcherlei Dinge in Aufwind geraten und eine ganz andere Bedrohung darstellen. Gleich auf den ersten Seiten habe ich gedacht „Mensch, genau so ist es bei uns doch gerade“ und durch die Aktualität und auch der guten Beschreibung der Situation und der Handlungsmöglichkeiten auch diesen anderen Strang der Erzählung mit großem Interesse verfolgt. Auch die Handlungen im Flugzeug, beispielsweise Sicherheitsvorkehrungen wie beispielsweise Cockpittüren oder Security Checks, sind ja leider aktuelle Themen. Diese sicherheitspolitischen Punkte, die Bedrohung von Rechts und die Zusammenarbeit verschiedener Behörden mit ganz eigenen Intensionen finde ich hervorragend herausgearbeitet -und das gibt noch ein Bonus- Sternchen.

Ich kann nicht mehr viel sagen, denn ich möchte nicht spoilern. Ein sehr spannender Thriller mit vielen interessanten Perspektiven, einem guten Plot, einem angenehmen, cleveren Schreibstil, viel Rätselei für die Ermittler und den Leser, einer überraschenden Aufklärung und einen realistischen Einblick in die Denkmuster der Sicherheitspolitik der heutigen Zeit. Es war auf keiner Seite langweilig und ich mochte das Buch zu keinem Zeitpunkt aus der Hand legen.

Die Reihe

Jetzt wird’s merkwürdig. Diese Geschichte ist Band 4 der Reihe um Fredrika Bergmann, Alex Recht und Eden Lundell. Ich hatte zuvor Band 5 „Papierjunge“ gelesen, ohne zu wissen das ich da mitten in eine erfolgreiche Reihe hieinstolpere. Band 5 hatte mir gefallen, und durch Zufall sprachen mich Cover und Story des 4. Bandes an. Als ich herausfand, dass es sich um Band 4 dieser Reihe handelt, habe ich gedacht ich probiere das ganze mal rückwärts. Man kann beide Bände definitiv unabhängig von der Reihe lesen, aber natürlich bin ich sicher das man Dinge verpasst, wenn man nicht chronologisch vorgeht. Ich kann diese Reihe definitiv empfehlen, wer noch keinen Teil kennt sollte es von 1-5 versuchen. Ohne das ich Teil 1-3 kenne, sind die Andeutungen zu vergangenen Fällen in den von mir gelesenen Bänden sehr verlockend. Ich fand aber auch mal die etwas unkonventionelle Leseart von 5 nach 4 interessant, da dramatische Ereignisse auf Band 5 mit beim Lesen von Band 4 wieder bedrohlich im Kopf umherschwirrten und sich auch einige Kleinigkeiten zu den Personen aus Band 5 dann durch die Lektüre von Band 4 erklären ließen. Vielleicht behalte ich dieses Vorgehen bei und lese dann demnächst Band 3.. man muss Dinge auch mal von hinten aufrollen.

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man eine spannende Atmosphäre tatsächlich geschickt durch einfachste Mittel erzielen kann. Grundrezept: Flugzeug mit Bombe, dass solange fliegen kann/muss, bis der Treibstoff leer ist. Man hat also eine Deadline, an der die Kathastrophe geschieht, wenn man das Schicksal/den Bombemleger nicht schon vorher herausfordern möchte. Und ganz simple Stilmittel wie die Nennung der Uhrzeit über jedem neuen Kapitel, die man auch gern in der Bildzeitung bei dramatischer Berichterstattung vorfindet, können stilsicher  eingesetzt werden. Eine Deadline ist also nicht nur gut, wenn ich endlich mal anfangen soll zu arbeiten. Nein, sie hilft auch jedem Thrillerautor, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Eine weitere Lektion ist ein geschickt in die spannende Geschichte eingewobener aktueller Bezug. Viele Länder machen durch drohende Terroranschläge im Moment die selben Diskussionen und Machtverschiebungen durch. Mal abgesehen davon, dass die Autorin genau zu wissen scheint wovon sie da schreibt (habe danach gelesen, dass sie damit auch beruflich zu tun hat), ist das ein zusätzlicher Input, mit dem sich ein Leser im Moment sehr gut identifizieren kann. Auch die Darstellung der Handlungsoptionen verschiedener Behörden und Regierungen, die zusammen eine Lösung finden müssen, ist realistisch und interessant dargestellt (was ich eigentlich gar nicht beurteilen kann, mir aber sehr gut vorstellen kann..). Man muss ja nicht unbedingt das Thema dieser Geschichte wählen (obwohl es viele Ideen bietet), aber ich finde ein aktueller gesellschaftlicher Bezug kann bei richtiger Anwendung einen Thriller sehr bereichern.

Fazit

Ich gebe, man ahnte es eventuell, 5 Sterne! Wenn ich sofort in das Geschehen herein gezogen werde und das Buch nicht beiseitelegen möchte, dann hat der Autor mich einfach gekriegt. Fertig. Der Aufbau des Plots, die durchgehende Spannung und der Einblick in die Entscheidungsprozesse verschiedener Parteien mit aktuellem Bezug ist eine ganz wunderbare Mischung und hat mich komplett abgeholt.

Hier geht’s zu meiner Rezension zu Band 5 der Reihe; Papierjunge

Hier geht’s zu der Verlagsseite mit Details zu Buch, Autorin und Reihe

Rezension: Ein Mord macht noch keinen Sommer – Martha Grimes

martha-grimes-ein-mord-macht-noch-keinen-sommerDer unglaublich unsympathische Literaturagent Hess macht der jungen Autorin Cindy Stella das Leben schwer;  ein Rechtsstreit droht. Aber die Autorin bekommt unerwartet Hilfe von zwei ganz besonderen Auftragskillern, einem Bestsellerautor, einem Verleger, einem Fisch und noch ein paar anderen Personen. Der Literaturagent muss weg, aber ein Mord wäre einfach zu langweilig. Mit einem amüsanten Plan versucht die bunt zusammengewürfelte Gruppe, den ungeliebten Hess ins Exil und in den Wahnsinn zu treiben.

Stil, Machart, Meinung

Ich muss sagen, die Story ist gut. Besonders, dass sie in der Literaturbranche spielt, finde ich natürlich interessant. Nur sie ist mir einfach viel zu lang! Wenn ein so dicker Wälzer so lange braucht, um die Handlung zu entwickeln, dann geht mir auf der Strecke die Luft aus. Ich war zwar irgendwie interessiert, wie es denn weitergeht – aber ich hatte nie wirklich Lust, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen. Nach diesem Gefühl, braucht man zur persönlichen Meinung  eigentlich nicht mehr viel zu sagen.

Trotzdem fühle ich mich, als müsste ich mich dafür rechtfertigen, dass Buch nicht grandios gefunden zu haben. Denn ich hatte große Erwartungen! Martha Grimes ist eine große Nummer im Literaturbusiness, vor langer Zeit habe ich den einen oder anderen Inspector Jury Roman sehr gern gelesen. Wenn diese Martha Grimes dann auch noch über das Literaturbusiness schreibt und einen Literaturagenten von zwei sehr netten Auftragskillern in den Wahnsinn treiben lässt, dann hat bei mir riesige Erwartungen ausgelöst.

Tja, die Story ist gut. Einige Charaktere, besonders die beiden Auftragskiller die eine Person nur töten, wenn sie sie wirklich nicht mögen, sind großartig. Aber dann sind da so viele Leute, sodass ich bei der Mitte des Buches einige Male noch nicht sicher war, wer da nun mit wem redet. Die Charaktere mit Potential kommen zu kurz, weniger Leute mit mehr Raum hätten der Sache gut getan. Es gibt ganz interessante Vorfälle, Szenen, Gespräche – aber das große Ganze dauert mir zu lange. Es ist ja auch ein großer Plan, bei dem viele Rädchen ineinandergreifen müssen, um am Ende den Literaturagenten in die Flucht zu schlagen.

So muss ich denn gestehen, dass ab zwei erwartungsvollen Dritteln dann meine Lust endgültig gegen Null strebte und ich den Rest eher im unentspannten Speedreading mit Mut zur Lücke gelesen habe, damit mir keiner nachsagen kann, dass ich ja ein Buch nicht schlecht bewerten kann, wenn ich es nicht bis zum erlösenden Ende gelesen habe. Wäre ich kein Buchblogger, hätte ich das Buch wahrscheinlich schon nach dem ersten Drittel abgebrochen.

Zielgruppe

Auch wenn ich das Buch nicht so prickelnd fand, wird es vielen Lesern sicherlich anders gehen. Ein Roman, welcher in der Literaturbranche spielt, dürfte natürlich für Leser, Autoren, Agenten usw.  sehr interessant sein. Falls jemand ein Geschenk für den eigenen, verhassten Literaturagenten sucht, dann muss er hier zuschlagen. Ich lese am liebsten Krimis und Thriller und gern auch den einen oder anderen guten Roman. Der Klappentext hatte mir wohl suggeriert, dass es genau das richtige für mich ist, und so hatte ich mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Wer skurile Personen und einen interessanten Plan mit sehr, sehr vielen Komponenten mag, dürfte trotzdem seine Freude haben. Man darf aber keine Action, Aufregung, Spannung etc. erwarten.

Was lernen wir daraus?

Auch die größten Namen der Literaturbranche versprechen nicht unbedingt immer ein grandioses Buch. Ich habe so viele Erstlingswerke von gänzlich unbekannten Autoren viel lieber gelesen als dieses hier. Das gibt doch Hoffnung..

Fazit

Dieses Buch war nicht meins, und mehr als 2 Sterne kann ich nicht geben. Ich mag trotzdem einige der Figuren sehr und sehe, wo die Autorin mit ihrem großen, Plan hinwollte. Den Einblick hinter die Kulissen der großen Verlage und Verleger fand ich interessant. Aber wenn ich ein Buch nicht lesen will, es lag auch schon lange halbgelesen bei mir rum, dann will ich es halt nicht lesen. Vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch, aber nur weil ein großer Name schreibt zwinge ich mich ja nun nicht, ein Buch zu mögen..

Hier gibts die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

Rezension: Versiegelt – Alex Kava (Creed #2)

alex-kave-versiegelt-ryder-creed-maggie-odellRyder Creed, Hundeführer, bekommt einen neuen Auftrag. Er soll nach einem großen Erdrutsch mit seinem Spürhund  Menschen finden – tot oder lebendig. Und auch FBI- Agentin Maggie O`Dell wird in dieses Katastrophengebiet geschickt, ohne genau zu wissen was dort ihre tatsächliche Aufgabe ist. Als dann die erste Leiche geborgen wird, wird beiden Ermittlern klar, dass hier noch etwas anderes hinter dem Einsatz stecken muss. Denn das Erdrutsche ihre Opfer mit einem Kopfschuss erledigen, ist eine ganz neue Erfahrung. Schnell stellt sich außerdem die Frage, was in der verschütteten, streng geheimen Forschungseinrichtung der Regierung vor sich ging und ob Gefahr durch die zerstörten Labore droht..

Stil, Machart, Meinung

Der zweite Teil der Serie setzt zeitlich recht schnell nach den Geschehnissen aus Band 1 an. Die Personen aus Band 1 finden sich schnell auch in Band 2 wieder, nach der Lesepause sind die schnellen Erinnerungen hilfreich, um sich gut einzufinden. Man braucht Teil 1 nicht vorher zu lesen, sollte es aber nach Möglichkeit tun.

Alex Kava schreibt wie immer fluffig und – zu meiner großen Freude – ohne sich in großem Geschwafel zu verlieren. Ich mag ihre schnelle Schreibweise und die kurzen Kapitel sowie die Perspektivenwechsel.

Thriller steht drauf, Thriller ist drin. Laut Wikipedia schreibt Frau Kava psychologische Suspense – Romane. Das klingt auch passend. Wir haben typisches Thrillermaterial inklusive politischem Skandal, hochbegabten Hunden und der nebenbei erwähnten Gefühlswelt einer emotional etwas kaputten FBI- Agentin, die auf den ebenfalls etwas kaputten, heißen Hundeführer steht. Während die Geschichte vielleicht ein bisschen interessanter für die männlichen Leser sein könnte, ist die emotionale Entwicklung wohl doch mehr etwas für die weiblichen Leser. Die Mischung macht’s.

Die Länge der Geschichte und die Entwicklung des ganzen haben mich ein wenig verwirrt. Während das Buch sofort mitten in der Panik vor dem drohenden Erdrutsch beginnt, bekommt der Leser mit wie die beiden Ermittler zu ihrem Auftrag kommen. In einem Nebenstrang sitzt eine Senatorin, ebenfalls aus dem vorherigen Band bekannt, in einem Ausschuss zu einem benachbarten Thema mit Bezug zum aktuellen Fall. Vor Ort gibt es dann ein paar Leichen, die beim Erdrutsch wohl schon tot waren. Auf einmal gibt’s dann schon „den Showdown“ , man kennt zwar die Bösewichte, aber die Geschichte ist ganz offensichtlich noch nicht vorbei.

Und da kommen wir zu einem Thema, dass mir schon bei der Besprechung von „Wintergäste von Sybil Volks“ einiges an Kritik einbrachte. Ein Buch endet, aber die Geschichte nicht. Kann man machen, ist für den Leser allerdings recht unbefriedigend. In Reihen um Ermittler tauchen ja immer mal wieder alte Bekannte (Bösewichte) auf, und das kann auch sehr gut sein. Dann gibt es Reihen, zum Beispiel die „Post Mortem – Reihe“, bei der weiß man vorher, dass die Handlung in Buch 2 ihr Ende finden wird. Ich fand die Balance hier etwas merkwürdig, das Buch las sich schnell weg – und man hätte die weiteren Geschehnisse gern mit in diesen Band packen können. Ich werde mir den nächsten Band wohl zulegen, weil ich die Autorin schon aus einigen Büchern kenne und noch nie komplett enttäuscht wurde. Trotzdem mag ich es einfach, wenn mit dem Ende des Buches auch ein Fall abgeschlossen ist und ich nicht auf diese Art zum Kauf des nächsten Bandes genötigt werde.

Die Reihe

Dieses Buch ist der zweite Teil der Reihe um Maggie O´Dell und Ryder Creed. Natürlich macht es Sinn, mit Teil 1 anzufangen. Hier gibt’s meine Rezension:  Todesflehen – Alex Kava  #1

Maggie O`Dell kennt man vielleicht noch aus der Vorgängerserie der Autorin, in der die FBI Agentin die Hauptrolle spielt. Von 2002 – 2014 erschien diese Serie in insgesamt 11 Büchern. Ich habe diese Serie gern gelesen, allerdings irgendwo bei Band 7 oder 8 das ganze aus den Augen verloren. Ryder Creed hilft ihr dort im letzten Band anscheinend auch schon bei einem Fall, zwischen den beiden knistert es immer so hin und her, diese Zusammenarbeit hat eine Menge Potential und scheint deshalb nun auch in der neuen Serie um die beiden fortgesetzt werden.

Was lernen wir daraus?

Es gibt da diesen Spruch, ich habe das auch schon mal erwähnt und kam da glaube ich auch nicht auf die vollständige Redewendung. Wichtig am Ende jedenfalls: „…das Ende eines Buches verkauft das nächste Buch“.  Ich werde mir beispielsweise nie wieder ein Buch von Sybil Volks kaufen, weil das Ende von „Wintergäste“ das schlimmste Ende in meiner Leselaufbahn war.  Hier ist es nicht ganz so dramatisch, ein Teil des Falles ist abgeschlossen und man weiß, worum es im nächsten Teil höchstwahrscheinlich gehen wird (vielleicht aber auch im Teil 4 oder 7, man weiß es ja nie). Ich finde trotzdem, man sollte seinen Leser das irgendwie vorher wissen lassen. Bei den Hunger Games wusste ich auch, dass der Kinobesuch von Teil 1 wohl zwei weitere Kinobesuche nach sich zieht;  das letzte Buch der Serie wurde sogar in zwei Kinofilme unterteilt. Das machte mir allerdings nichts, weil ich diese Filme echt gut gemacht und interessant fand (obwohl die Handlung  parallel zum Fortschritt der Geschichte in meinen Augen qualitativ abnahm).

Also ich finde, entweder man hat eine in sich geschlossene Handlung, einen geschlossen Fall und ein gutes Ende – oder man sagt gleich, wie viele Bücher die Reihe umfassen wird. Dabei meine ich, Krimi- und Thrillerleser, nicht die gesamte Reihe oder die Entwicklung der Charaktere, sondern den Fall des jeweiligen Buches. Ich mag ansonsten sehr gern gute Krimi- und Thrillerreihen, in denen sich die Ermittler weiterentwickeln, mal alte Bekannte auftauchen und beispielsweise das gerettete Opfer aus Band 1 in Band 2 eine andere Rolle spielt oder der Gastermittler aus Band 3 im vierten Band dann tatsächlich zum Team stößt.. Solche Dinge finde ich gut, wenn sie auch dem Quereinsteiger zur Einführung der Figur sinnig erklärt werden können.

Aber, wie so oft – oder in der Literatur eigentlich immer: Die Geschmäcker sind einfach verschieden..

Fazit

Ich mag den schnellen und spannenden Schreibstil der Autorin Alex Kava, bei dem trotzdem interessante Details auftauchen. Das Thema der Story war nicht so hundertprozentig meins, aber trotzdem interessant. Das besondere an der Reihe sind die Hunde, mit denen Ryder Creed arbeitet. Das finde ich auch im zweiten Band sehr interessant gemacht, ich habe einiges gelernt. Die Beziehung der beiden Ermittler zueinander hat definitiv noch immer Potential. Wer an der Reihe interessiert ist, kann mit diesem Band anfangen – sollte es aber nach Möglichkeit mit dem ersten Band auch zuerst versuchen.  Den dritten Band werde ich auch lesen, dieser hier bekommt 3 von 5 Sternen. Denn das Thema und die Balance der Geschichte mit dem abrupten Ende machen diesen zweiten Band in meinen Augen etwas schlechter als den ersten. Trotzdem las ich das Buch schnell durch, war nie gelangweilt und wollte die ganze Zeit wissen, wie es denn weitergeht.

Hier gehts zur Verlagsseite, für die Details zum Buch!