Rezension: Mord beim Diamanten – Dinner von Eve Lambert (Jackie Dupont #2)

London, 1920. Im Buckingham Palace feiert der berühmt berüchtigte Kronprinz eine seiner ausschweifenden Partys. Als eine wertvolle Krone gestohlen wird, engagiert das Königshaus Jackie Dupont (und ihren treuen Begleiter, den verwöhnten Hund Sargent). Sie ist Privatdetektivin mit recht eigenwilligen Methoden und einem erstaunlichen Selbstbewusstsein, die sich besonders auf Diamantenraub spezialisiert hat. Für ihren Aufenthalt in London quartiert sie sich bei Kit ein, den sie schon von einem vorherigen Fall kennt. Er ist im englischen Hochadel sehr bewandert, da er selbst dazu gehört. Bei einer Zusammenkunft aller verdächtigen Partygäste fällt direkt einer von ihnen tot um. Und dann gibt es da noch den Mayfair-Mörder, der die Stadt in Atem hält..

Stil, Machart, Meinung

Zunächst muss ich erwähnen, dass wir es hier mit dem 2. Fall für Jackie Dupont zu tun haben. Ich habe den ersten Fall nicht gelesen und könnte es dem Buchumschlag nicht entnehmen, es hat mein Lesevergnügen aber nicht geschmälert.

Auf dem Cover steht „Roman“, ich würde aber noch ein Stückchen weitergehen: Es ist ein Kriminalroman. Das London des Jahres 1920 und seine fiktiven Charaktere sind sehr gut dargestellt, jedoch ist nichts Angestaubtes (wie es mich an so manchem historischen Kriminalroman schon oft abschreckte) dabei. Es ist so ein bisschen „Agatha Christie meets Downtown Abbey“ mit einer Prise unüblicher Lovestory (ich wollte erst Chicklit sagen, aber das klingt oft zu abwertend).

Die Schreibe gefällt mir, sie ist fluffig, trotz der Zeit nicht verstaubt und doch angemessen und sehr humorvoll. Besonders gefällt mir das Zusammenspiel der beiden Ermittler. Der gutaussehende Duke ist überzeugt, dass es sich bei seiner Partnerin um seine Ehefrau handelt. Diese war offiziell beim Untergang der Titanic gestorben, er erkennt sie in der selbstbewussten Privatdetektivin jedoch einwandfrei wieder. Jackie Dupont selbst leugnet, seine verstorbene Frau zu sein – findet ihn jedoch auch sehr attraktiv. Der Leser selbst erlebt die Handlung aus beiden Perspektiven abwechselnd und kann so nicht nur selbst rätseln, was Sache ist – nein es ist zusätzlich noch sehr spaßig, die Selbst- und Fremdwahrnehmung des Dukes zu erleben. Diese geht nämlich recht weit auseinander, das ist wirklich charmant gelöst.

Der Fall ist gut angelegt, ein klassisches Whodunnit – Szenario lädt den Leser zum Rätseln ein. Eine Ahnung bezüglich des Mörders hatte ich recht frühzeitig, aber ich war mir nicht sicher und das gesamte Rätsel konnte ich nicht lösen. Es wurde gut aufgelöst, ist jedoch nicht ganz so geschickt gelöst wie bei meiner Lieblingsautorin, der Queen of Crime Agatha Christie.

Einige Kritik wird diese Geschichte sicherlich wegen 2 Aspekten über sich ergehen lassen müssen:

  1. Detektivin Jackie Dupont ist so selbstbewusst und allwissend wie beispielsweise Sherlock Holmes und dürfte nicht bei jedem gut ankommen.
  2. Das in London im Jahre 1920 eine Frau, dann noch eine sehr selbstbewusste Amerikanerin, für eine Ermittlung im Buckingham Palace angeheuert wird scheint recht unwahrscheinlich..

Bei mir hingegen kam es sehr gut an, denn so bringt das ein wenig Schwung in die Sache. Man stelle sich vor, wir die Prinzen, Dukes und überhaupt Männer dieser Zeit von dieser ihnen gänzlich ungewohnten Ermittlerin vollkommen überrascht werden und mit ihren Methoden nicht umzugehen wissen. Ich finde, dass durch diese künstlerische Freiheit die Besonderheit der Geschichte kreiirt wurde.

Was lernen wir daraus?

2 Sachen waren für mich besonders interessant: Einmal die verschiedenen Perspektiven, die den Sachverhalt mit einem ganz unterschiedlichen Blick beschreiben und mich nebenbei auch sehr amüsiert haben. Und dann die 2 möglichen Kritikpunkte, die mich angesprochen haben. Man bringe genau das Element als Hauptperson in die Geschichte, die in der weniger emanzipierten Zeit wohl nicht sehr realistisch wirken. Realistisch ist in einem Roman ja nun auch nicht das Hauptmerkmal, und wenn man mit der Diskrepanz geschickt spielt, dann kann es den Reiz ausmachen und sich abheben. Eine so selbstbewusste Frau, die in der Story und bei den Lesern oft aneckt, ist doch mal was anderes – gerade im Jahre 1920 in englischen Adelskreisen.

Fazit

Die Geschichte hat mir einfach großen Spaß gemacht. Obwohl ich unwissentlich bei Band 2 eingestiegen bin, kam ich gut ins Buch herein und auch sehr schnell wieder heraus – denn ich konnte es nur schwer aus der Hand legen. Das neben dem Hauptfall dann auch noch ein Serienmörder umgeht und das größte Rätsel dennoch ein ganz anders ist (Ist Jackie Dupont denn nun die verstorbene Frau des Dukes oder nicht?) kam bei mir sehr gut an. Ich denke, ich muss auch den ersten Teil „Die Tote mit dem Diamant-Collier“ noch lesen. Und den dritten Teil „Tod am Canal Grande“ (erscheint am 9.8.21) dann natürlich auch. 5 Sterne von mir, es war ganz nach meinem Geschmack.

Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Seite des Verlages.

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