Rezension: Sommernacht von Lucy Foley

Jules und Will sind ein erfolgreiches Paar. Zwar heiraten die beiden recht schnell, trotzdem überlassen sie nichts dem Zufall. Denn die erfolgreiche, perfektionistische Unternehmerin und der charismatische Fernsehstar haben exklusiv für ihre Hochzeit eine Insel vor der Küste Irlands gebucht. Schnell merkt die Hochzeitsgesellschaft, dass sich nicht alles kaufen lässt: Ein Sturm zieht auf und nicht alle werden die Feier überleben.

Stil, Machart, Meinung

Jeder, der schon „Neuschnee“ von Lucy Foley gelesen hat, bekommt hier eigentlich einen ganz ähnlichen Thriller. Klar, es gibt andere Personen mit anderer Vorgeschichte in anderer Location mit anderen Motiven – aber generell ist Foley ihrem Schema treu geblieben. Dabei sind die Bücher nicht zusammenhängend, sondern beide in sich abgeschlossen.

Never change a winning team – dass gilt hier auch für das Handwerkszeug. Wie schon in Neuschnee sind auch hier einige Personen wetterbedingt in der Einsamkeit von der Außenwelt abgeschnitten. Gleich zu Beginn wird der Leser durch gekonnte Zeitsprünge und Perspektivenwechsel drauf vorbereitet, dass mindestens eine der Personen die Feier nicht überleben wird. Durch ganz verschiedene Perspektiven, beispielsweise von Braut, Bräutigam, Jugendfreund, Hochzeitsplanerin, Schwester der Braut oder einer Begleitung erfährt der Leser von vielen verschiedenen Geschichten in Vergangenheit und Gegenwart. Wie auch in „Neuschnee“ ist dieser Thriller nicht nur ein „Whodunnit“ (Wer hats getan?) sondern auch ein -so habe ich es getauft- „Whowilldie“ (Wer wird sterben?), was ich sehr galant finde.

Es kommt, wie man an dem Wort Whodunnit vielleicht schon merkt, etwas Agatha Christie- Feeling auf. Natürlich in der modernen Fassung, dafür aber mit ganz eigenen Tricks. Es gibt einen gut verwobenen Plot, viele Mordverdächtige und viele kleine Geschichten, die irgendwie miteinander zusammenhängen. Einiges habe ich schnell bemerkt, anderes habe ich nur geahnt und manchmal war ich auch total überrascht. Mich hat das ganze total abgeholt, ich fand es an einigen Stellen jedoch etwas langgezogen.

Wie schon bei Neuschnee waren mir nur sehr wenige Personen sympathisch. Und es war mir auch wieder ein Rätsel, wie einige Personen trotz recht ausführlicher Schreibe erstaunlich blass bleiben konnten. Trotzdem reißen der clever verwobene Plot und die Twists das wieder raus.

Was lernen wir daraus?

Ich möchte nochmal auf „Never change a winning team“ zurückkommen. Die Autorin hat ihren Erfolgsthriller einfach nochmal geschrieben, dabei aber auch komplett anders. Sie hat ihr Vorgehen beibehalten, dabei aber natürlich Personen, Ort und Motive ausgetauscht. Und das wurde nicht langweilig, da sie es genauso gut gemacht hat wie beim ersten Mal auch. Agatha Christie selbst hat ihr Erfolgskonzept ja auch in den meisten Fällen beibehalten: Ein raffinierter Mord, eine größere Gruppe an einem Ort, der nur eines der Gruppenmitglieder als Täter in Frage kommen lässt und am Ende: der Detektiv, der sie alle um sich versammelt um den Täter geschickt zu überführen. Ich habe fast alle Bücher von Christie gelesen und es wurde mir nie langweilig – wers kann, der kann es!

Fazit

Der Vergleich zwischen Foley und Christie drängt sich bei diesem Whodunnit – Thriller auf, und da möchte ich auch die Unterschiede ansprechen: Für mich verwebt Foley den Plot ein zweites Mal sehr geschickt, braucht dafür aber länger als Christie. Christie kommt schneller auf den Punkt und kann mit kurzen, prägnanten Beschreibungen oder Dialogen in meinen Augen den Fall noch etwas besser konstruieren. Und dieser Thriller hier ist letztendlich nicht sehr weit weg vom klassischen Whodunnit – nur das durch rasantere Perspektivenwechsel und einen etwas dramatischeren Spannungsaufbau ein kleines bisschen mehr Thriller im Buch steckt. Für Thrillerfans, die gerne actionreiche Szenen und einen Wettlauf mit der Zeit erleben dürfte das hier zu wenig rasant sein.

Ich vergebe 4 Sterne und würde auch ein drittes Buch dieser Art lesen, Neuschnee und Sommernacht sind für mich gleich gut. Wer diesen Cosy-Whodunnit-Thriller übrigens bei einer Hochzeit auf einer Insel verschenkt, der ist genau im Thema – und die Beschenkten lesen das Buch dann ja glücklicherweise erst nach ihrer Hochzeitsfeier…

Hier gibt´s die Details zum Buch.

HIer geht´s zu meiner Rezension von Neuschnee.

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