Rezension: Herzsammler von Stefan Ahnhem

Herzsammler -Stefan AhnhemSoeben habe ich den Kriminalroman „Herzsammler“ zugeklappt, denn ich habe alle 576 Seiten des 2. Buches von Stefan Ahnhem gelesen. Das Taschenbuch ist mit einem außergewöhnlich schönen Cover ausgestattet und macht einen hochwertigen Eindruck, ist allerdings auch ein dickes Ding und wurde daher nur zuhause und nicht unterwegs gelesen. Wie es mir gefallen hat und was ich draus gelernt habe, erfahrt ihr jetzt..

Der Inhalt

Das Buch beginnt mit dem Weg eines Briefes, der von einem Sterbenden aus einem Fahrzeug geworfen wird. Es ist nur ihr Name drauf, und durch eine schöne Geschichte findet er dann zum Adressaten. Aber dann wirds unschön..

Diese Vorgeschichte erschließt sich erst später, denn nach diesem Vorgeplänkel geht es direkt nach Stockholm, Schweden. Dort gerät Ermittler Fabian Risk kurz vor Weihnachten in eine geheime Ermittlung und bekommt vom Chef einen Spezialauftrag. Denn der Justizminister ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Ihm zur Seite steht Kollegin Malin, sie ist hochschwanger mit Zwillingen. Privat hat es dem Ermittler gerade noch gefehlt, denn familiär läuft es bei ihm gerade nicht rund. Als Fabian Risk dann tatsächlich die Leiche des Justizministers findet, ist die Mordermittlung offiziell. Bald gibt es einen Verdächtigen..
Parallel zu den Ereignissen in Schweden geht es auch nebenan in Dänemark heiß her. Dort ermittelt Dunja Hougaard, erstmalig als leitende Ermittlerin, im Fall einer brutal zugerichteten Frau. Es scheint irgendwie eine Verbindung ins Nachbarland zu geben. Nun wäre eine länderübergreifende Zusammenarbeit wichtig.
So, das war der Inhalt – ich habe nicht zu viel gesagt, aber man weiß worum es im Buch geht.

Die Besonderheiten des Kriminalromans

Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir der Anfang des Romans mit dem Weg des Briefes vom Absender zum Empfänger durch große Zufälle sehr gefallen hat. So hätte man den Anfang nach dem Klappentext nie vermutet, und durch den Anfang vermutete man andererseits auch nicht die folgende Geschichte. Am Ende schließt sich der Kreis dann natürlich.

Die Gegenwart des Buches hat dann einen ganz anderen Stil und beginnt eher ein bisschen wie ein Politthriller. Der Justizminister muss anhand modernster Ermittlungsmethoden aufgespürt werden. Als die Leiche dann gefunden wird, ist es eine normale Mordermittlung.

Das Buch ist nichts für schwache Nerven. Der Trend „immer brutaler, immer mehr“ scheint sich weiter fortzusetzen – und ich glaube nach diesem Buch und dem davor brauche ich nun mal wieder etwas Klassisches wie z.B. Agatha Christie. Wir sehen, wie der Titel schon vermuten lässt, entfernte Organe. Und zerhackte Körper. Trotzdem ist es gut und dynamisch geschrieben, sodass ich damit gut klar kam. Am Ende war es mir allerdings doch etwas zu viel, da wäre weniger eventuell doch mehr gewesen.

Eine weitere Besonderheit ist die, dass bei den beiden Hauptermittlern des jeweiligen Landes der Haussegen mehr als schief hängt. Wenn man diesem Buch Glauben schenkt, dann müssten die meisten Polizisten ein schlimmes Privatleben haben.

Wir haben in diesem Buch eine große Menge an Handlungssträngen, und gerade mit den ungewohnten Namen fiel mit die Unterscheidung am Anfang etwas schwer. Wir erfahren Dinge aus der Sicht der verschiedenen Ermittler aus Schweden und Dänemark und aus der Sicht der Opfer wird deutlich, wie der Killer sie in seine Gewalt bringt und was er mit ihnen macht. Am Ende, wenn sich alles zusammenfügt, merkt man wie gut die verschiedenen Perspektiven Sinn machen.

Dieser Krimi ist in ein Regionalkrimi, mit besonderem Schwerpunkt auf Stockholm. Man lernt nebenbei schwedische Eigenarten bzw. Selbstverständlichkeiten kennen, es ist interessant dargestellt und auch charmant in die Handlung eingewoben. Ein Beispiel, und ich werde es bei Gelegenheit ausprobieren:

„Lachend bedienten sich alle bei den Finn Crisps, drückten sich eine Kaviarschlange drauf, sobald die Tube weitergereicht wurde, und tunkten die Knäckebrote in die Schüssel mit der feingehackten roten Zwiebel.“
(vgl. S. 203f)

Aber auch die verschiedenen Ansichten der Dänen auf die Schweden und andersherum werden deutlich, für mich war es Neuland den mit dieser Region hatte ich ehrlich gesagt noch nicht viele Berührungspunkte. Sämtliche Straßennamen und so weiter kannte ich nicht, sie wirkten allerdings real und passten. Ich kontrolliere das jetzt allerdings nicht nach.

So wie man zwischenzeitlich von den Gepflogenheiten der Schweden erfährt, erfährt man nebenbei auch ganz allgemeingültige Aussagen oder Feststellungen. Man hat vielleicht noch nie drüber nachgedacht, aber sie machen Sinn. Beispiele:

„Der Sauerstoff war längst verbraucht, und die Luft bereits so viele Male recycelt worden, dass Fabian gar nicht darüber nachdenken wollte, wo sie sich schon überall befunden hatte.“ (vggl S. 156)

„Es gibt keinen einzigen Teil meines Körpers, dem das Schwangersein gefällt. Ich schwöre dir, wenn er könnte, hätte sich sogar der Mutterkuchen aus dem Staub gemacht.“(vgl. S. 233)

„Während er seine Zungenspitze noch tiefer in ihr Ohr schob, fragte sich Dunja, ob ihm bewusst war, was für ein lautes Rauschen das erzeugte.“(vgl. S.128)

Diese Beispiele fand ich ganz passend, um zu Veranschaulichen was genau ich da meinte. Es kommt nicht oft vor, blitzt aber manchmal durch und ich finde es gut gemacht.
Geschrieben ist das Buch sehr gut. Ein flüssiger Schreibstil mit der richtigen Balance bei den Sätzen und abwechslungsreich. Der für mich einzige Makel in diesem Bereich ist, dass oft in längeren Sätzen mit mehreren Kommas ein „und“ direkt nach dem Komma steht. Ich persönlich finde das nicht so gelungen, aber den Lesefluss stört es nicht.

Was habe ich aus dem Buch gelernt?

Ich habe gelernt, dass weniger manchmal wirklich mehr ist. Und das einerseits in Sachen Brutalität und andererseits in Bezug auf Handlungsstränge. Wenn eine Story gut ist, dann ist sie gut. Dann braucht nicht alles unglaublich brutal zu sein und ausgiebig geschildert zu werden. Ich finde die Schilderungen in dem Buch zwar wirklich brutal, aber irgendwie gut gemacht. Trotzdem wäre die Story auch ohne diese Brutalität ausgekommen, vor allem am Ende war es mir dann doch zu viel- und nicht nötig. Die Handlungsstränge hätten zur besseren Orientierung zwar weniger sein können, aber sie machten am Ende doch auch diese Geschichte aus. Hier muss man also die Handlungsstränge in die Geschichte einweben, die sie voranbringen und Sinn machen (so wie in diesem Buch). Die Geschichte wäre sicherlich auch mit ein paar Absätzen weniger zurechtgekommen, da die Story gut gemacht ist. Aber wäre sie dann auch so gut?

Ein wichtiger Punkt an diesem Buch ist für mich, dass nebenbei durch kleine Erwähnungen ein guter Einblick in die Schwedische Kultur gegeben wird. Ich muss bei meinem Buch vielleicht noch einmal schauen, ob ich da nicht noch etwas hinzufügen kann. Mein Buch spielt ja in Cuxhaven, die Straßennamen usw. werden auch alle erwähnt. Ich habe mich nicht groß mit Beschreibungen der Natur (Strand, Watt) aufgehalten, weil ich so etwas nicht brauche. Aber diese Eigenarten wie bei Herrn Ahnhem finde ich ganz gut, so zwischendurch.

Auch die Erwähnung von generellen Dingen, wie in den Beispielen oben genannt, finde ich interessant. Es darf natürlich auch nicht zu viel werden.

Den Vorspann mit dem Brief finde ich wie schon erwähnt wirklich gut. In mein Buch werde ich es nicht mehr aufnehmen, aber so eine Vorgeschichte finde ich für die Zukunft sehr reizvoll. Es wird jetzt natürlich nicht das gleiche sein, aber vielleicht fällt mir da ja etwas anderes ein.

Fazit

Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Bei 5 Sternen muss wirklich alles stimmen und ich muss so angetan von dem Buch sein, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen kann. Dieses Buch hier war wirklich spannend, die Story gut und aus vielen Perspektiven mit vielen Verwicklungen beschrieben. Der Leser konnte mitraten, sich auch Gedanken machen und wurde trotzdem überrascht. Die Mischung war gut. Man hätte es eventuell auch einen Tick kürzer halten können, ich bereue dennoch keine Seite und werde irgendwann wahrscheinlich auch das erste Buch „Und morgen du“ von Stefan Ahnhem lesen.

Einen Blick ins Buch gibt´s hier!

Advertisements

Rezension: Cody McFadyen – Die Blutlinie (Smoky Barrett #1)

Ich hatte schon viel Gutes über die Smoky Barrett Reihe gehört und gelesen, also wollte ich auch mal einsteigen. Das tat ich natürlich mit Band 1, und den habe ich jetzt durchgelesen. Und das recht schnell, denn das Buch ist spannend und ich hatte das Wochenende über viel Freizeit. Für alle, die selbst gern schreiben gibt es wie immer den Absatz „was lernen wir daraus?“ Wem die Rezension zu lang ist: Es gibt ein knappes Fazit!

Die Blutlinie - Cody McFadyenDer Inhalt
FBI- Agentin Smoky Barrett ist jetzt ein halbes Jahr lang nicht mehr im Einsatz, da ihr Grausames widerfahren ist. Der letzte Serienkiller den sie jagte, hat sie brutal gefoltert und vor ihren Augen Mann und Tochter auf wenig nette Weise getötet. Nun ist sie allein, nicht im Dienst, in Therapie und fest entschlossen sich eine Pistole in den Mund zu stecken.
Diese Einstellung ändert sich jedoch schlagartig, als ihre beste Freundin auf brutalste Weise getötet wird und deren Tochter drei Tage lang an ihre tote Mutter gefesselt daliegt bevor sie gefunden wird. Smoky erwacht aus ihrem Dämmerzustand und setzt fortan alles daran, den Mistkerl zu schnappen. Besagter Mistkerl hingegen setzt alles daran, das Leben von Smoky und ihrem Team zur Hölle zu machen. Denn er hat es auf Smoky abgesehen und will mit ihr ein Spiel spielen. Außerdem behauptet er, er wäre ein direkter Nachfahre von Jack the Ripper (daher der Titel die Blutlinie).
Schnell muss Smoky sich konzentrieren und mit ihrem alten Team in die Ermittlungsarbeit eintauchen. Zum Team gehören: Callie, eine rothaarige Schönheit die immer direkt sagt, was sie denkt. Alan, ein riesiger und furchteinflößender Kerl und nebenbei der netteste Mensch auf dem Planeten. James, ein ziemliches Arschloch –aber gut. Und in seinem ersten Fall der Computerspezialist Leo, der sich an die Brutalität des Jobs erst einmal gewöhnen muss.
Die Figuren
Die Hauptfigur, Smokey, ist einfach am Tiefpunkt ihres Lebens angekommen. Komischerweise reißt da Spiel mit dem Killer sie tatsächlich aus dem Dämmerzustand und vertreibt die Selbstmordgedanken. Von der Folter des Serienkillers, der Mann und Tochter von ihr getötet hat, trägt sie im Gesicht und am Körper auffällige Narben. Als sie sich dann nebenbei um einen Serienkiller, der behauptet er wäre Jack the Rippers Nachfahre und die traumatisierte zehnjährige Tochter ihrer getöteten Schulfreundin kümmern muss ist klar, dass ihr das manchmal auch etwas viel wird. Sie ist sehr tiefgründig dargestellt, da die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird und sämtliche Gedanken von Smokey vor dem Leser ausgebreitet werden.
Und dann ist da ihr Team, welches sie zusammengestellt hat und welches sie wirklich liebt. Callie und Alan sind sehr tolle Menschen und man möchte nicht, dass ihnen irgendetwas zustößt aber auch sie und ihre Familien sind in Gefahr. James, das Arschloch, wird auch nicht verschont und bleibt trotzdem das Arschloch, ist aber auch nicht unsympathisch. Der neue im Team, Leo, scheint dem Autor dazu berufen dem Leser darzustellen, wie krass der Job des Teams ist und wie normale Menschen drauf reagieren. Der direkte Vorgesetzte von Smokey ist auch ein sympathischer Kerl. Man mag das Team irgendwann so, wie auch Smoky. Denn man lernt es ja auch aus ihrer Perspektive kennen.
Dann ist da noch Bonnie, das Mädchen welches drei Tage lang an die tote Mutter gefesselt war. Smoky ist ihre Patentante und die Mutter hat ihr das Kind im Testament hinterlassen. Das Kind spricht nicht und äußert sich im Buch immer nur durch Gestern, Blicke, lächeln, heulen und nicken. Und es gibt auch noch die Frau von Allen, die auf Bonnie aufpasst und ebenso in der Schusslinie steht. Und den alten Freund von Smokey, der auf sie aufpasst.

Was hat der Autor gemacht?
Nun ja, einfach gesagt: Er hat sich die schlimmsten Dinge ausgemalt, die Menschen passieren können. Und dann hat er sie erschreckend detailliert aufgeschrieben und mit weitschweifenden Gedanken über das Leben, den Tod und Dinge im Allgemeinen vermischt. Auf dem Klappentext heißt es:

„Wenn Ihnen dieses Buch keine Angst macht, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.“(New York Times)
Dieser Spruch ist nicht so falsch, ich glaube auch eingefleischte Leser von Krimis und Thrillern werden von der Brutalität in diesem Buch überrascht sein. So ging es mir zumindest, und ich habe wirklich schon viel Grausames gelesen und gesehen – jedoch rein fiktiv. Wenn mir auch nur ein klitzekleines Stückchen davon in der Realität passieren würde, wäre ich wahrscheinlich mindestens reif für die Klapse. Aber deswegen lesen wir ja solche Sachen; weil wir in Sicherheit auf der Couch, im Bett, auf der Gartenliege oder im Zug nicht damit rechnen und froh sind, dass wir verschont bleiben.
Die Geschehnisse in der Vergangenheit der Hauptperson sind das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Mann und Tochter sterben gesehen, selbst gefoltert worden. Dann passiert das Schlimmste, was man sich vorstellen kann ihrer engen Freundin aus der Schulzeit. Und dem Kind passiert ebenfalls das Schlimmste. Dann soll dem gesamten Team etwas Schlimmes passieren. Ich will hier nicht vorgreifen, ich möchte nur sagen: Es passieren echt schlimme Sachen, und diese Sachen passieren liebenswerten Leuten. Als Leser war ich betroffen, an manchen Stellen klopfte mein Herz schneller als üblich und ich dachte immer wieder: Auch das noch? –Das kann ja nicht wahr sein!.
Der Autor hat noch etwas Auffälliges getan: Er hat mitten in diese brutalen Geschehnisse viele Gedankengänge mit Tiefgang eingebaut. Man erfährt durch die Gedanken der Hauptperson nicht nur den aktuellen Ermittlungsstand des Teams und die Nachrichten des Killers als Erster. Man erfährt, wie grausam es ist seine Familie zu verlieren. Detailliert und festgemacht an Kleinigkeiten des Alltags, die einem wirklich das Herz zuschnüren. Wie die Menschen mit ihr umgehen, die von der schlimmen Vergangenheit wissen. Wie sie sich fühlt, mit ihren Narben. Wie sie nachts nicht schläft sondern furchtbare Alpträume hat. Es gibt auch viel tiefsinniges zu Smokys Arbeit und wie Polizisten mit den Sachen umgehen, die sie sehen.
Fazit / Meine Meinung
Die zwei auffälligsten Faktoren des Buches habe ich ja schon genannt: einerseits sehr brutal, andererseits von vielen Gedanken der Hauptperson durchzogen. Ich finde beides grundsätzlich nicht unbedingt gut. Aber ich glaube, dass genau diese Mischung das Buch gut macht. Denn das Buch finde ich gut, auch wenn es mir manchmal zu langatmig ist und zu brutal. Hier gilt wohl der Slogan „die Mischung macht’s!“. Diese Mischung scheint auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen, hilft aber der Balance des Buches und führt dazu, dass es wirklich spannend ist. Man muss sich von den brutalen Szenen erholen, und nach den teilweise tiefsinnigen Gedanken braucht man auch wieder ein bisschen Action. Der Plot ist nicht der grandioseste Plot, den ich je gelesen habe. Aber er ist gut und ich war am Ende überrascht. Ich war mittendrin in der Jagd nach dem Killer und wollte unbedingt, dass er endlich gestoppt wird. Die knapp 500 Seiten, sehr klein geschrieben, habe ich an einem Wochenende verschlungen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Das zweite Buch der Reihe werde ich auch lesen..
Was lernen wir daraus?

  • Wir lernen, dass die Mischung wichtig ist. Man muss natürlich nicht die brutalsten Szenen mit dem langweiligsten Gedankenstrom kombinieren, aber man sollte den Leser sicherlich nicht mit nur einem von beiden Dingen bombardieren. In meinem Krimi, wenn ich so drüber nachdenke, wechseln sich humoristische Elemente mit den Gedanken des Killers und den Auswirkungen der Taten ab, die Atmosphäre ist nach meinem Empfinden zwischen Spannung /Morden und locker, lustig, Ermittlung anzusiedeln. Ich denke das ist ganz gut, aber ich habe keinesfalls die Ausmaße von McFadyen angenommen. Mein Buch ist nicht so brutal und auch nicht mit so tiefsinnigen Gedankensträngen gemacht.
  • Ein Bekannter Name kann helfen. McFadyen benutzt Jack the Ripper. Ein weltberühmter Serienmörder und noch immer sagenumwoben – denn er wurde nicht gefasst. Jeder kann mit Jack the Ripper etwas anfangen –zumindest jeder, der in die Zielgruppe des Autors gehört. Die Behauptung, Jack Junior (so der Name des Killers im Buch) wäre der Nachfahre von Jack the Ripper, hat auch mich für dieses Buch interessiert. So viel Raum nimmt das eigentliche Thema im Buch nicht ein, aber als Rahmenhandlung ist es nicht schlecht. Das wäre eine Idee fürs nächste Buch, ich brauche nur noch etwas Weltbekanntes..
  • Jeder Ermittler braucht ein Team. Ich finde, so ein Team macht die Sache immer so heimelig und man hat konstante Personen in der Geschichte. Das gilt meiner Meinung nach für offizielle Ermittler wie Polizisten, genauso gut aber auch für die „privaten“. Was Wäre Sherlock Holmes ohne Doctor Watson oder Hercule Poirot ohne Captain Hastings? Das Buch die Blutlinie lebt von während der Ermittlungsphasen von den Unterschiedlichen Teammitgliedern und den unterschiedlichen Reaktionen. In meinem Krimi gibt es auch ein Team, und ich finde es ist ein sehr nettes.

Fragen!

Habt ihr dieses Buch schon gelesen, stimmt ihr zu oder seht ihr es ganz anders? Habt ihr schon mehrere Bücher der Reihe gelesen? Wenn ja: wird es besser oder schlechter? Möchtet ihr das Buch nach meiner Rezension lesen oder lieber nicht? Ich freue mich auf Kommentare!

Das Buch bei Amazon anschauen

Die Tipperin

Hallo Welt!

Ich bin gerade umgezogen, virtuell. Von blog.de hat es mich hierher verschlagen und ich muss schon sagen: Hier ist es viel besser! Natürlich muss man sich noch in einige Dinge reinfuchsen, aber das ist ja normal. Kurz möchte ich berichten, warum es diesen Blog überhaupt gibt.

Anfangs hatte ich mir gedacht, ich schreibe parallel zum Schreiben meines ersten Buches (ein Krimi) über meine Erfahrungen. Das habe ich auch getan, damit Leser aus meinen Fehlern lernen- oder von meinem neuen Wissen profitieren können. Als ich dann ein ziemlich Enttäuschendes Buch las, kam mir die Idee davon auch auf meinem Blog zu berichten. Ich stellte mir die Frage: „was lerne ich also daraus?“, ganz nach dem Motto „Auch ein schlechtes Buch ist eine Erfahrung“. Denn aus schlechten Erfahrungen kann man ja gut lernen, besonders bequem ist es wenn nicht das eigene Buch schlecht ist. Und so fand ich Spaß daran, die Krimis oder Thriller die mit in die Hände und unter die Augen kamen zu Rezensieren. Neben der normalen Rezension der Bücher gibt es als Zusatz die Rubrik „was lernen wir daraus?“.

Jeder kann damit umgehen, wie er möchte. Die Leser unter euch können nur die Rezension lesen, die Schreiberlinge unter euch können sich auf den Zusatz konzentrieren und alles darf natürlich auch sehr gern in einem gelesen werden..Trotzdem sind meine das Buch betreffenden Einträge und auch die Tipps (z.B. Guillimets, Charaktere erstellen etc) auch nicht so schlecht!

In einem weiteren Menüpunkt gehts es um meinen ersten Krimi, denn der ist gerade fertig geworden. Endlich! Jetzt sind gerade die Testleser an der Reihe und dann soll es los gehen, mehr dazu unter dem Menüpunkt „Mein Krimi“.

Der dritte Menüpunkt „Tipperins Social Media“ habe ich alle Sozialen Netzwerke sowie Buchcommunities aufgelistet, in denen ich derzeit aktiv bin. Schaut mal rein, vielleicht seid ihr dort auch und wir können uns vernetzen oder ihr entdeckt etwas Neues. Ich kann sie alle empfehlen (sonst wäre ich da ja auch nicht aktiv), aber sie fressen natürlich eine Menge Zeit die man eventuell auch zum Lesen oder Schreiben verwenden könnte.

glückliche Grüße,

die Tipperin

Ein mörderisches Schachspiel in Berlin!

Ich hatte das Glück, bei Lovelybooks das Buch in einer Leserunde mit dem Autor Ben Bauhaus lesen zu dürfen. Das war meine erste Leserunde und meine erste Erfahrung mit Bullet Schach und Schachboxen, aber das machte überhaupt nichts. Denn das Buch ist ein sehr gut geschriebener Krimi, und damit kenne ich mich aus..

Bullet Schach

Zum Inhalt:

Johann Thiebeck wurde vor einiger Zeit suspendiert, schlägt sich seitdem als Berater einer Sicherheitsfirma durch und hat sich voll und ganz dem Schachboxen verschrieben. Das ist ein Wettkampf, bei dem sich eine Runde im Boxring mit einem Zug auf dem Schachbrett abwechselt. Und genau so clever und stark ist auch der Ich-Erzähler, der seit Beginn des Buches einen ihm unbekannten Feind hat. Es beginnt damit, dass ein Bekannter von ihm in seinem Auto tot aufgefunden wird. Nicht einfach nur normal tot, sondern brutal in Lack ertränkt.
Als ihm ausgerechnet seine alte Kollegin Jana mit ihrem neuen Partner Densch die Nachricht des Mordes im eigenen Auto überbringt, ist es nur der Anfang. Weitere Opfer folgen, aber dem möchte ich nicht vorgreifen. Es stellt sich heraus, dass der Killer es auf Thiebeck abgesehen hat. In einem Online-Schachspiel geht es um Leben und Tod. Wie genau der Killer das Spiel geplant hat, müssen die Ermittler herausfinden. Thiebeck darf endlich wieder mitspielen, aber irgendwie nur als Zuschauer. Da er von Regeln aber nicht so viel hält, lässt er sich natürlich nicht davon abhalten den Killer zu jagen.

Stil, Sprache, Aufmachung

Ich kannte den Autor nicht, aber ich glaube man muss ihn sich in Zukunft merken. Ben Bauhaus hat einen Schreibstil, der mir sehr zusagt. Er schreibt fluffig, einfallsreich und interessant. So unbeschwert wie es geschrieben ist, kann der Leser ins Buch eintauchen ohne sich mit ausschweifenden Beschreibungen oder unnützem Geschwafel herumzuärgern. So mag ichs! Besonders erwähnenswert finde ich seine kurze, beiläufige Beschreibung ganz alltäglicher Situationen. So sind viele Sätze nicht von der Stange sondern kreativ durchdacht.

Die Hauptperson erzählt als Ich-Erzähler aus seiner Sicht die Geschehnisse, die ja auch ihn betreffen. Die Perspektive ist gut gewählt, die Umsetzung gut gemacht. So ist der Leser gedanklich immer mit eingebunden und versteht den wichtigsten Mann der Geschehnisse gut. Außerdem ist man dann als Leser beim Miträtseln immer genau so weit wie der Ermittler selbst.
Die Hauptperson sowie die Nebenfiguren sind sehr gut beschrieben. Man kann sich mit den zwei Haupt-Ermittlern, der Geliebten und noch ein paar anderen Leuten sehr gut anfreunden. Sie werden effektiv beschrieben und sind gut getroffen.

Eine Besonderheit in dem Buch ist die Aufteilung der Abschnitte. Das Buch ist in Kapitel gegliedert, die Abschnitte in dem Kapitel sind recht abrupt. So ist die Hauptperson im einen Abschnitt noch zuhause, im nächsten im Polizeipräsidium. Diese Hinweise gibt es erst in den ersten Sätzen des Kapitels, ein Leser der Leserunde hat diese Sache bemängelt und da ist sie mir erst so richtig aufgefallen. Mich hat es nicht groß gestört, aber die Wechsel sind schon recht abrupt und der Leser ist gedanklich gefordert.

Wer wird das Buch mögen?

Also zunächst einmal: Das Buch ist Teil 1 einer Reihe. Das zweite Buch, Killerverse, wird im Dezember diesen Jahres erscheinen. Die Personen und die persönliche Story des Hauptakteurs bieten definitiv Potential dafür!

Das Buch lesen sollten definitiv Erwachsene und keine Kinder. Es ist bei weitem nicht das brutalste, was mir je vor Augen gekommen ist. Aber es ist sicherlich auch kein Zuckerschlecken, wenn man sonst nur auf Friede, Freude und Eierkuchen steht. Männer und Frauen dürften sich gleichermaßen angesprochen fühlen, ich als Frau konnte mich problemlos mit der Perspektive des männlichen Ich-Erzählers anfreunden.

Fans von klassischen „whodunnit“-Krimis sowie der Jagd nach Serienkillern kommen bei diesem Thriller vollständig auf ihre Kosten. Sämtliche Krimileser und Freunde von Thrillern dürften hier genau richtig sein. Auch Schachspieler, Boxer, und Berliner werden in diesem Buch ihre Freude haben.
Bei der Bewerbung zu der Leserunde dachte ich nur: »Was ist Bullet Schach? Was ist Schachboxen?« Genau das hat mich eher neugierig gemacht als abgeschreckt, immerhin kann ich Schachspielen (für den Hausgebrauch). Ich bin sicher, manche potentielle Leser werden sich eventuell doch von dem eher speziellen Rahmen abschrecken lassen, aber das ist überhaupt nicht nötig! Man muss nicht viel davon verstehen, das erklärt sich im Buch alles von selbst. Ich fand es sehr interessant, denn beides gibt es wirklich.

Was lernen wir daraus?

  • 0815 kann jeder. Sätze müssen nicht von der Stange sein sondern können auch einfache Dinge in ein ganz anderes Licht rücken. Der Protagonist trinkt nicht einfach Kaffee, nein die Kanne spuckt es ihm in die Tasse.. Diese Kreativität sollte man natürlich nicht in jedem X-beliebigen Satz ausleben, sondern nur von Seite zu Seite mal aufblitzen lassen.
  • Fluffigkeit! Sind die Sätze locker, luftig oder fluffig (bessere Beschreibung fällt mir nicht ein!) geschrieben, dann liest der Leser auch mit dem entspannten Gefühl. Ich finde es sehr angenehm. Und ja, das kann auf jeden Fall auch bei so spannenden und ernsten Themen gut funktionieren. Spannung und ein fluffiger Schreibstil sind eine sehr gute Kombination und fördern das „pageturnen“..
  • Wie hilft man dem Leser dabei, bei Orts – oder Szenenwechseln zu helfen? Einfach so eine Zeile frei lassen? Datum,Ort und/oder Uhrzeit angeben? Ich überlege bei meinem Erstlingswerk gerade auch und bin im Moment bei einer Datums- und Uhrzeitangabe zu Beginn eines Kapitels (meist ein Tag) und einer Uhrzeitenangabe über einem Szenenwechsel/Zeitsprung. Ist das gut? Was ist besser?

Fazit zum Buch
Allen Krimifans kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Ich werde den zweiten Teil lesen, denn der erste hat mich überzeugt. 4,5 Sterne von mir. Ich hätte gern mehr über den Inhalt erzählt, aber die Spoilergefahr ist zu groß. Wichtig zu wissen ist, dass ein Serienkiller gejagt wird, es spannend ist und die Figuren gut dargestellt sind. Die Geschichte ist gut konstruiert und der Schreibstil ist super! Ich kann das Buch
nur empfehlen.

Bullet Schach bei Amazon kaufen

Habt ihr es auch gelesen? Gibt es Bücher, die dem ähnlich sind? An Antworten wäre ich interessiert..
lesefreudige Schreibgrüße,
die Tipperin


1 Keller. 2 Mädchen. 3 Tote. Die Uhr tickt – "Sag, es tut dir leid" von Michael Robotham

Es gibt mal wieder eine Buchrezension mit dem Zusatz „was lernen wir daraus fürs Schreiben?“ Ob ihr nun an dem Buch interessiert seit oder lieber direkt zu den Schreibtipps scrollen wollt, bleibt euch überlassen. Ihr könnt das aber auch miteinander verbinden.. Viel Spaß beim Lesen:

Der Inhalt
Piper schreibt gern. Und so berichtet sie dem Leser direkt von der ersten Seite an über ihr Leben. Außerdem berichtet sie über ihre Entführung, denn sie berichtet dem Leser direkt aus dem Keller, in dem sie seit drei Jahren gefangen ist. Sie und ihre Freundin Piper verschwanden zusammen und fanden sich seitdem zusammen in dem trostlosen Keller wieder, nur mit dem Allernötigsten zum Leben.
Der Fall hat landesweit für Aufsehen gesorgt, Piper und Tash gelangten als die „Bingham Girls“ zu trauriger Berühmtheit. Jeder kennt die Geschichte und viele denken wohl, die beiden seien weggelaufen. Denn Tash führte ein, nun ja, sagen wir mal aufregendes Leben..

Joe O’Loughlin ist Psychologie. Er scheint schon an vielen großen Kriminalfällen mitgearbeitet haben. Davon hat er aber die Nase voll, denn deswegen ist schon seine Ehe in die Brüche gegangen. So versucht er, ein paar Tage mit einer seiner zwei Töchter zu verbringen. Nebenbei soll er beruflich einen Vortrag halten. Das mit dem ungestörten Wochenende wird dann allerdings nix. Denn ein Ehepaar wird tot in seinem idyllischen Haus gefunden. Erst ermordet, dann in Brand gesteckt. Jemand war sehr brutal am Werk.

Wie auch Piper schon am Anfang berichtet, ist in Bingham eigentlich nie etwas los. Die Entführung der Mädchen steht auch nach über drei Jahren noch auf Platz 1. Also ist dieser brutale Doppelmord natürlich das Ereignis schlecht hin. Und es gibt große Rätsel auf. Als wäre das noch nicht genug, wird auch noch eine Mädchenleiche gefunden. Eingefroren, mitten im Schneesturm hatte es sie erwischt. Wer ist also verantwortlich für den Doppelmord an dem Ehepaar? Wer war bei ihnen zu Besuch? Wer ist das tote Mädchen?

Die örtliche Polizei kommt nicht weiter, deshalb so soll der zufällig anwesende Profiler unbedingt bei der Ermittlung helfen. Denn es gibt schon einen Verdächtigen, aber der scheint nicht wirklich auf das Profil zu fassen. Es könnte so einfach sein, wenn man ihn als den Schuldigen abstempelt. Aber das wäre ja zu einfach..

AB HIER WIRD NIX MEHR VERRATEN!!

Der Schreibstil
ist an manchen Stellen recht ausführlich, aber trotzdem sehr gut. Dieser Autor hier beschreibt seine Figuren auf die etwas langatmigere Art, dafür aber mit Hintergründen und Tiefe. Und so wird diese langatmige Beschreibung an keiner Stelle langweilig, was ich schon ziemlich gelungen finde.
Einzig am Anfang hatte ich in den ersten 2-3 Kapiteln meine Mühe, in die Story reinzukommen bzw. in ihren Bann gezogen zu werden. Rückblickend macht das dann aber auch überhaupt nix.
Eine tolle Lösung ist, die Story aus zwei Perspektiven zu beschreiben. Die eine Perspektive gehört ganz Piper. Kursiv gedruckt findet man ihre Gedanken, niedergeschrieben in ihrem Verließ. Sie schreibt natürlich vieles aus der Vergangenheit, denn so ein Keller ist ja nicht gerade der Höhepunkt der Unterhaltung. Und sie schreibt über den Entführer und seine Taten. Die andere Perspektive gehört dem Profiler Joe, der aus der Ich-Perspektive die Ermittlung in der Gegenwart beschreibt. Diese Perspektiven Wechseln sich in einem guten Rthymus ab.

Die Charaktere
sind, wie schon vorher angedeutet, sehr gut und mit Hintergründen beschrieben. Ich werde ein paar Beispiele nennen:

Der Profiler, Joe, ist keinesfalls der lupenreine Held. Er leidet an Parkinson, seine Ehe ging auf Grund seiner Arbeit in die Brüche und die Beziehung zu seiner Tochter hatte er sich sicherlich auch anders vorgestellt. Bei den Frauen läufts auch nicht gerade rund. Er muss also eine Arbeit machen, die ihm schon sehr viel gekostet hat. Aber er will auch das Rätsel lösen. Er glaubt -wie nur wenige- daran, dass eines der Bingham Girls auf jeden Fall noch am Leben ist. Und dafür setzt er dann sein Weihnachtsfest aufs Spiel, welches ihn seiner Familie näher bringen kann. Er ist durchweg sympathisch, aber bestimmt nicht der klassische Held.

Drury, der Leiter der Ermittlung. Er ist ziemlich schroff, er hat eine Familie und Joe erkennt bei ihm Zeichen einer Geliebten. Er mag den Profiler nicht, er glaubt an anständige, fleißige Polizeiarbeit. Er kommt nicht sympathisch rüber, aber er reißt sich für diesen Fall den Hintern auf. Man lernt an manchen Punkten, was ihn dazu getrieben hat, so zu werden. Er ist kein schlechter Mensch..

Tash, das eine der zwei Bingham Girls. Sie treibt sich viel mit Männern herum, spielt mit ihnen und vertickt Drogen.. Und sie kommt nicht gerade aus einer feinen Familie. Die Eltern von Piper bezeichnen sie als schlechten Umgang. Aber doch tut sie alles für ihre beste Freundin Piper, als die beiden im Keller ums überleben kämpfen. Alles ist eigentlich noch zu wenig gesagt, denn am Ende der Geschichte hat man alle schonungslosen Wahrheiten erfahren, und irgendwie ist sie doch ein Held..

Man versteht durch im laufe der Geschichte auftauchende Details immer mehr über die Hintergründe der Geschichte und der Charaktere. Es gibt halt nicht nur schwarz und weiß, sondern unglaublich viele Graustufen.

So verhält es sich nicht nur mit Personen. Es wird eine Menge passender Sozialkritik verübt. Und manchmal geschieht es nur in Nebensätzen, aber diese sind sehr packend.
Die Ermittler treffen in einer recht schlechten Wohngegend ein. Dieses wird beschrieben, da gibt’s dann einfach zwei Sätze dazu, wie diese meist hart arbeitenden Leute einfach in diese schlechten Wohngegenden abgeschoben werden, weil niemand mit ihnen zu tun haben möchte.

Was lernen wir daraus?

  • Wie schon gesagt, nachdem man erst einmal kurz reinkommen musste, kann man dieses Buch einfach nicht aus der Hand legen. Als ich es dann geschafft hatte, brauchte ich drei Tage für das Buch. Was ich daraus lerne, da bin ich mir nicht sicher. Ist das gut, wenn sich die Handlung und die Spannung steigert und zunächst alles erkärt wird? Oder soll der Leser direkt in eine dramatische Situation geworfen werden und sehen wo er bleibt? Ich denke, hier muss man eine gute Mischung finden und auch am Anfang des Buches schon ein paar Andeutungen machen ohne die Einführung der Figuren zu vernachlässigen. Ich versuche im Moment bei meinem eigenen Buch auch, den Anfang etwas aufzupeppen. Hier habe ich das gleiche Problem: Man muss sich irgendwie manchmal für Spannung oder Einführung der Charaktere entscheiden. Schwierig, aber solche Bücher und Lektionen sind irgendwie hilfreich für die persönliche Balance beim Schreiben.
  • Die Unterteilung in die beiden Perspektiven von der entführten Piper und dem Profiler Joe sind hervorragend angelegt, um Spannung zu erzeugen. Das Mädchen im Keller weiß so vieles nicht, was draußen geschieht oder geschehen ist. Der Profiler weiß die Dinge nicht, die Piper weiß und schon aufgeschrieben hat oder im Laufe der Geschichte aufschreiben wird. Der Leser weiß einmal viel, dann wieder wenig. Es ist einfach super gemacht.
  • Die Abschnitte sind relativ kurz gehalten, sodass man perfekt das Lesen stoppen kann. Durch die Kürze und den Wechsel der Perspektiven erzeugt Robotham wirklich Spannung. Es geht natürlich auch um die Rettung eines Mädchens, die wirklich nicht mehr lange durchhalten wird. Denn das Essen wird knapp und der Entführer immer unberechenbarer. Ich finde also, man sollte die Abschnitte oder Kapitel für den Leser nicht allzu lang ohne Unterbrechung lassen. Natürlich wurde mir durch die tickene Zeit noch einmal bewusst, dass es eine glaubhafte Erklärung dafür geben muss, dass der Killer gefasst werden muss und die Zeit drängt.
  • Ich muss schon sagen, es geschieht in diesem Buch sehr viel sehr zufällig. Es ist nicht dramatisch für die Spannung und die Geschichte, aber ich mag es halt wenn ich mit raten kann. Es gibt so Punkte, an denen ich mich wirklich Frage, wie man da jetzt drauf kommen soll. Zum Beispiel die Entführung der beiden Mädchen, welche bis zum Schluss sehr undurchsichtig ist. Dort hat der angeblich so planende, kontrollierende Kerl schon eher zufällig und wegen Verkettungen mehrerer nicht planbarer Umstände die beiden Mädels eingesackt. Merkwürdig. Klar, für den Autor ist das der richtige Weg und er möchte anderen Dingen mehr Raum geben. Aber für mich wäre es besser, wenn der Leser mit einbezogen wird und nicht Kommissar-Zufall.. Die Geschichte ist so langatmig inszeniert, die Lösung präsentiert sich dann auf einmal zufällig. Ich lerne daraus, mal wieder, den Leser nicht zu unterschätzen und ihn in den Aufklärungsprozess einzubeziehen.
  • Ein weiterer Kritikpunkt ist der, dass der Mord mit dem eigentlich alles anfängt im späteren Verlauf nicht mehr so viel Beachtung findet wie er hätte finden können. Wie ich weiter oben schon berichtet habe, geht es hier oft auch um Hintergründe von Personen, Erklärungen von Handlungen und soziale Schicksale. Der Doppelmord ist ja immerhin ein großes Ereignis, besonders in dem Gebiet. Daraus folgt für mich die Erkenntnis, dass Ereignisse manchmal einfach nach Prioritäten geordnet Erwähnung in einer Geschichte finden sollten. Klar,, man möchte das Leben eines Mädchens in einem Keller nicht gegen das Leben zweier Erwachsener aufwiegen. Ich finde nur, einen Schwenk aus der Vergangenheit der Mädchen, der mit der Sache nichts zu tun hat, den kann man auch einfach mal weglassen. Denn der dramatische Doppelmord, der ja der Auftakt der Ermittlung ist, ist nichts was unter den Tisch fallen sollte..

Fazit
Ich fand eine gute Story und einen guten Personenkreis mit Verdächtigen, Mädchen in Not. Die Zeit tickte. Es musste vorangehen, Rettung musste dringlichst geschehen. Dinge erklärten sich im Laufe des Buches, Beschreibungen hatten einen Grund, Menschen bekamen Tiefe und handelten so, dass ich es nachvollziehen konnte. Ich war super unterhalten, möchte mehr Bücher dieser Art lesen und bin sicher das nicht jeder Autor ein Buch genau so schaffen kann, wie ich es haben möchte. Das wäre ja auch unglaublich langweilig, weil ich dann ja auch wüsste was passieren wird. Auch wenn ich ein paar Mal von Herrn Robotham aufs Glatteis geführt wurde, nehme ich es ihm letztendlich nicht übel. Denn ich hatte tatsächlich die richtige Ahnung, was den Mörder angeht. Kann auch nur Zufall gewesen sein, aber ich fühle mich nicht nur Unterhalten sondern nun auch noch schlau. Auch Tage nachdem ich die letzte Seite ausgelesen habe, muss ich ab und zu an diese Story denken. Sie war irgendwie schon ergreifend und etwas anderes. Man lebt diese Story ja immerhin mit während man das Buch liest..

Das Buch bei Amazon anschauen

Ich würd gern wissen, ob ihr andere Bücher dieses Autors gelesen habt und wie sie denn so waren. Vielleicht kann da ja noch Jemand helfen. Kennt ihr Bücher, die diesem hier etwas ähnlich sind? Da bin ich an Buchtipps auch sehr interessiert! In diesem Sinne: Tschüss!
PS: Robotham, was ein Nachname! Roboterschinken :DD