Rezension: Das Seegrab von Carina Bergfeldt

seegrab-bergfeldtIn Skövde, Schweden: Viktor Hyldgaart wollte nur mal schnell mit seinen Kumpels in die Kneipe. Seitdem wurde er nie wieder gesehen. Die Frau alarmiert die Polizei, die Suche ist erfolglos. Bis ein Kopf in einem See mit dem passenden Namen „Valdemars Grab“ gefunden wird. Ist das Viktor? Was ist das für ein Foto im Rachen der Leiche? Und was ist in den  anderen Müllsäcken, die bei der Suche gefunden werden? Ein Mörder mit mehreren Opfern oder mehrere Mörder? Anne Eiler muss ermitteln, hat aber privat ganz andere Probleme..

Stil, Machart, Meinung

„Das Seegrab“ ist ein laut Cover ein Kriminalroman. Das stimmt soweit auch, da es um die Aufklärung eines (oder mehrerer) Verbrechen geht. Irgendwie hat mir die Balance zwischen der Aufklärung des Verbrechens und der privaten Probleme der Ermittlerin ja so überhaupt nicht gefallen. Vielleicht ist es auch eher ein Roman über eine unglückliche Geliebte, die Nebenbei noch einen Mordfall aufklären muss. Gern können Ermittler ein interessantes Privatleben haben, aber wenn die sehr klischeehafte Affäre der Beamtin mehr Raum einnimmt als die Aufklärung des Verbrechens, dann fühle ich mich, wie die Ehefrau des Geliebten in diesem Fall wohl auch: betrogen. Gut ist immerhin, dass die Beschreibungen nicht ausufern und sich die Geschichte so schnell lesen lässt.

Die Idee an sich ist gut. Ein Mann verschwindet, zwei Leichen werden gefunden. Wie hängt das alles zusammen? Das ist doch schonmal was. Auch das Foto einer Frau im Rachen ist ein interessanter Hinweis. Dann erfahren wir aus den spärlich beschriebenen Gedanken des Mörders, dass es eine Mörderin ist. Und ein interessantes Doppelleben des Opfers wird enthüllt, woraufhin man dem Mörder eigentlich eher beglückwünschen als schnappen möchte – und die Anzahl der Verdächtigen ist sofort recht hoch. Leider wird es aber nicht wirklich spannend.

Zu keiner Zeit war ich so richtig gefesselt. Ich habe das Buch auf einer Zugfahrt begonnen und fand schnell die Natur, die Mitreisenden und einfach alles andere spannender. Das letzte Drittel des Buches habe ich dann auf der Arbeit in der Pause gelesen, da gab es nun wirklich nichts Interessanteres und deshalb bin ich nun fertig. Die Kapitel sind zwar meistens schön kurz gehalten, sodass man in von einer Szene in die nächste springt – obwohl sonst ein gutes Stilmittel für Spannung, hilft das bei der Spannung leider auch irgendwie nicht. Am Anfang hat es mich auch eher verwirrt, weil ich nicht gerade schnell herausfinden konnte, wer denn da nun wer ist.

Ein weiteres Manko ist die Ermittlungsarbeit. Man ist als Leser kaum dabei. Man folgt lediglich der Ermittlerin, die ja gedanklich eher bei ihrer Affäre ist. Die Ermittlungsergebnisse werden nicht durch Ermittlungsarbeit erzielt sondern eher sehr  zufällig und durch die Intuition der Ermittlerin (als sie dann am Ende des Buches noch dachte, sie sollte sich zur Abwechslung mal auf ihr Bauchgefühl verlassen, da war es bei mir ja endgültig vorbei). Einzig die Auflösung fand ich ja noch ganz gelungen, sie kam aber auch irgendwie so plötzlich.

Was lernen wir daraus?

Wie schon so oft, aber auch wieder ein bisschen anders: Balance! Grundsätzlich erwarte ich in Sachen Balance ja mehreres: Die richtige Balance  bei der Aufteilung der Kapitel und Perspektiven, beim Berichten von wichtigen und unwichtigen Dingen, bei der Verständlichkeit des Motivs..  da gibt’s bestimmt auch noch mehr. Hier hat das Privatleben der Ermittlerin einen riesigen Raum eingenommen und war nicht mal interessant – ganz im Gegenteil war es klischeehaft und schon sehr oft erzählt.  Ich habe schon viele gute Krimis gelesen, in dem das Privatleben des Ermittlers viel Raum einnahm – aber das war entweder sehr interessant oder hatte einen Bezug zum aufzuklärenden Verbrechen. Hier ist also Vorsicht geboten, auch wenn das Empfinden wahrscheinlich sehr subjektiv ist. Falls eine Leserin gerade in einer Affäre mit einem verheirateten Mann ist, wird sie wahrscheinlich sagen, es wäre der beste Krimi überhaupt.

Ein weiterer Punkt: Man muss den Leser irgendwie an der Ermittlung teilhaben lassen. Vielleicht kann er was Neues lernen über Ermittlungsarbeit oder sonstige Themen, oder er hat ein paar Verdächtige zur Auswahl und kann selbst Schlüsse aus Dialogen ziehen. Oder er ist einfach hautnah dran und kann die Gedanken der Ermittler und deren Ideen irgendwie miterleben.

Fazit

Dieses Buch ist bei mir durchgefallen. Ich vergebe enttäuschte 2 Sterne und werde wohl kein Buch dieser Autorin jemals wieder in die Hand nehmen. Hier ist jedoch zu beachten, dass mein Empfinden da sicherlich sehr subjektiv ist. Wer mit der privaten Geschichte der Ermittlerin warm werden kann, der findet es eventuell ganz toll. Wenn ich allerdings ein Krimi lese, dann liegt mein Hauptaugenmerk auf der Aufklärung des Verbrechens. Interessante Nebenhandlungen sind herzlich willkommen. Positiv anzumerken ist, dass man als Leser nicht mit unnützen Beschreibungen von Landschaften und sonstigen Dingen genervt wird – aber diese Rolle übernimmt ja etwas anderes. Auch gut ist die Story, 2 Leichen in einem See, an verschiedenen Zeiten getötet. Das ist doch eigentlich eine gute Ausgangslage..

Falls es beim Krimi also nicht um das Verbrechen geht und sie gerade eine Affäre haben, lesen sie dieses Buch und sie werden es wahrscheinlich lieben…

Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite

Rezension: “ Die Wahrheit “ von Melanie Raabe

melanie-raabe-die-wahrheitNachdem Sarahs Ehemann Philipp vor 7 Jahren nach einer Geschäftsreise nicht mehr zurückkehrte, findet die Alleinerziehende gerade wieder etwas ins Leben zurück. Sie fragt sich natürlich immer noch, was mit ihrem Mann passierte und kann die Ungewissheit kaum aushalten. Und dann kommt plötzlich ein Anruf, der alles verändert: Philipp lebt und wird nach jahrelanger Geiselhaft wieder zur Familie zurückkehren. Tja, und dann ist er da. Die Freude ist bei allen groß -nur bei Sarah nicht. Denn dieser Mann ist nicht ihr Ehemann! Was hat er vor? Will er an ihr beträchtliches Vermögen? Warum glaub ihr keiner? Ist sie vielleicht verrückt?

Stil, Machart, Meinung

Tja, zunächst muss ich mal sagen: Wer von Melanie Raabe schon „Die Falle“ gelesen hat und begeistert war, der wird auch an diesem psychologisch raffinierten Verwirrspiel seine helle Freude haben. Denn sie bleibt ihrer Linie größtenteils treu. Ich fand schon beim vorherigen Buch die Schreibweise recht ausschmückend. Daran störte ich mich streckenweise mal kurz, aber die Handlung hatte mich gleich so gepackt, dass ich drüber hinweglesen konnte. In diese Geschichte hier kam ich allerdings nur sehr schlecht rein, gerade wegen dieser ausschmückenden Schreibweise. Ich hatte nach wenigen Minuten  Lust auf Fernsehen, beim nächsten Versuch war ich auf einmal hoch motiviert in Sachen Wohnungsputz – auch Candy Crush war attraktiver. Die ersten Seiten streckten sich für mich so furchtbar zäh in die Länge, dass ich wirklich lange für dieses Buch gebraucht habe. Nach dem ersten Drittel kam ich langsam rein. Sowas passiert mir normalerweise sehr selten. Neben dem ausschweifenden Schreibstil hat sicherlich auch mein Vorwissen mit diesem zähen Anfang zu tun. Ich weiß ja schon vom Klappentext, dass der Mann wieder nach Hause kommen wird und nicht ihr Mann ist, daher werde ich nicht sofort mit einem spannenden Aufhänger konfrontiert. Ja, das muss bei einer Geschichte ja auch nicht unbedingt sein, werden jetzt viele Sagen. Da stimme ich für Geschichten zu, aber nicht für Geschichten mit dem Label „Thriller“ auf dem Cover. Nachdem ich mich nun tagelang in kurzen Intervallen lustlos durch den Anfang gequält hatte, war die Handlung dann  doch sehr interessant. Diese spezielle Situation, dass der tote Ehemann nach 7 Jahren zurückkehrt und nicht der Ehemann ist, ist ja schon sehr bizarr. Wie beweist man dann den Menschen, dass das nicht der Ehemann ist, wenn er ihm wirklich ähnlich ist? Und überhaupt, warum zieht der Kerl das durch? Wie wehrt man sich? Und diese raffinierte Handlung, die mit wenig Orten und Personen auskommt, kombiniert mit Kleinigkeiten, die den Leser in die Irre führen können, macht die Geschichte aus. Trotzdem entspricht das nicht so genau meinen Erwartungen an einen packenden Thriller, vielleicht ist es eher ein Psychothriller oder Roman? Ansonsten bleibt zu erwähnen, dass die Hauptpersonen und auch Nebenpersonen sehr gut angelegt sind. Der Leser erfährt die Handlung größtenteils aus der Perspektive von Sarah, aber auch „Der Fremde“ bekommt seine kleinen Abschnitte mit Gedanken.

Was lernen wir daraus?

Jeder Autor hat natürlich schon einen bestimmten Stil. Wenn ich als Leser einen Autor gefunden habe, der da genau zu mir passt, dann lese ich wahrscheinlich auch noch mehr von ihm. Während es mir eher schnörkellos zusagt, finden viele Leser sicherlich Gefallen an der Erzählweise der Autorin. Zumal da ja auch interessante Gedankengänge dabei sind. Wenn man interessante Nebengedanken in eine Handlung einspinnen kann, dann ist das durchaus gut. Aber ich brauche keine langen Beschreibungen der Natur. Wenn ich beispielsweise „herbstlicher Garten“ lese, dann kann ich mir solch einen Garten gut vorstellen. Wenn ich nun eine Seite lang erfahre, von welchem Buch die Blätter schon ab sind und bei welchem noch ein paar Blätter dranhängen – dann habe ich das Buch wahrscheinlich schon zugeklappt(das ist kein Beispiel aus dem Buch, mir fällt da leider kein konkretes Beispiel mehr ein, weil ich an den Stellen eher so fahrig drübergelesen habe). Man sollte sich also schon überlegen, wie man seine Geschichte aufzieht und ob der Stil auch zum Genre passt. In diesem Buch liegt das sicherlich auch an mir, dass mir der Anfang nicht gefällt. Trotzdem muss ein Autor einen Mittelweg finden oder seinen Weg so unglaublich gut gehen, dass Leser begeistert sind. Das zweite Buch von Melanie Raabe ist sicherlich ein gutes Beispiel dafür, wie man nach seinem großen Durchbruch den Leser nicht enttäuscht. Sie ist der Linie ihres ersten Buches, und das war ja nun ein wirklich großer Erfolg, wirklich treu geblieben. Der Schreibstil wirkt mir hier zwar etwas gezwungener mit den detaillierten Beschreibungen, aber der Plot, die aufgeworfenen Fragen und die kleinen Psychotricks erinnern sehr ans erste Buch – dabei bleibt es spannend und ist eine ganz eigene, nicht abgekupferte Geschichte.

Fazit

Ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Der Einstieg gestaltete sich schwierig, dann wurde es immer besser und die Auflösung fand ich sehr gut (ich verrate nix weiter..). Wer einen blutigen, atemberaubenden und rasanten Thriller erwartet, der ist hier wohl nicht so ganz richtig. Sagen wir es ist ein Psychothriller ohne blutige Szenen, dann passt es meiner Meinung nach etwas besser. Ich vergebe 3 Sterne, die Wertung ist dann so der Durchschnitt aus dem meiner Meinung nach zähen Anfang und dem guten Ende.

Hier geht’s zu meiner Rezension von „Die Falle“ von Melanie Raabe

Hier gibt’s Details zu Buch und Autorin auf der Verlagsseite