Rezension: Tick Tack von Megan Miranda

Tick Tack Megan MirandaNic  hat gerade einen Verlobungsring an den Finger bekommen, da erhält sie eine mysteriöse Nachricht von ihrem Vater: „Dieses Mädchen. Ich habe es gesehen.“ Diese Nachricht weckt unangenehme Erinnerungen an ihre Jugend, denn vor 10 Jahren verschwand in ihrer Heimatstadt ihre beste Freundin – und wurde nie wieder gesehen. Ihr Vater ist in einem Pflegeheim und dement, ein Anruf von ihrem Bruder offenbart, dass es zuhause schlimmer steht als gedacht. Das Haus muss verkauft werden und Nic fährt zurück in ihre Heimatstadt, um alles zu regeln. Und, um dem neuen Hinweis von ihrem Vater nachzugehen. Dort angekommen trifft sie nicht nur auf ihre ehemals große Liebe Tyler, sondern wird auch mit einem weiteren vermissten Mädchen und mehreren Verdächtigen vom früheren und aktuellen Fall konfrontiert.. Tick, Tack.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller ist anders als andere Thriller. Denn nach einer gewissen Einführungszeit in der Gegenwart und einem dramatischen Cliffhanger läuft die Geschichte rückwärts ab. Nachdem eine Seite verkündet „Zwei Wochen später“ geht es mit Tag 15 beginnend bis hin zu Tag 1. So dröselt sich die Geschichte um die Clique der Jugendlichen in ihrem Heimatdorf irgendwo in den USA langsam aber sicher auf und der Leser gelangt mit der Hauptperson Nic zu des Pudels Kern. Da man vor dem Beginn der Rückwärts-Erzählweise einen fiesen Cliffhanger serviert bekommt, ist die Spannung eigentlich eher im Hinterkopf als akut.

Deshalb frage ich mich, ob Thriller das richtige Wort für die Geschichte ist. Mit dem Cliffhanger kommt es der Sache näher, aber ein Kriminalroman wäre eventuell etwas passender. Man hat ein Dorf, ein Verbrechen in der Vergangenheit und mehrere Verdächtige.

Durch die Erzählweise wird die Geschichte von einer erfrischend anderen Perspektive aufgedröselt. Der Leser ist stets mit der Hauptperson gedanklich unterwegs und bekommt an einem Tag beispielsweise das Häppchen „es tut mir Leid, was auf Laura`s Babyshower passiert ist“ hingeworfen. Um dann 2 Tage früher und gleichzeitig 2 Abschnitte später zu erfahren, was da überhaupt  los war.

Dieses Buch scheint nicht Teil einer Reihe zu sein sondern ganz für sich zu stehen, es kann also einfach so losgelesen werden. Ich muss übrigens sagen, dass ich nach diesem Buch jetzt auch 2 Tage lang noch nicht bereit war für ein anderes, sondern das Geschehene erst einmal auf mich wirken lassen musste (auch bevor ich die Rezension schreibe). Es ist anders, es ist gut und spannend, ich war gefesselt und ich würde das nächste Buch der Autorin auf jeden Fall lesen. Es war erfrischend anders, und doch mit einem mir bekannten (und bei mir sehr beliebten) Schema des Whodunnit gemacht.

Am Ende löst sich auf jeden Fall alles gut auf, und meine kleine Kritik zur Auflösung kann ich leider nicht verraten, weil das gleichzeitig ganz fieses spoilern wäre..

Was lernen wir daraus?

Man muss sich auch mal was trauen – und dann muss man es auch durchziehen! Ich finde die Idee, die Geschichte rückwärts aufzuösen, nachdem man dem Leser eine spannende Situation am Ende schon gezeigt hat, sehr gut. Es ist mal was anderes, aber der Leser muss sich natürlich auch drauf einlassen können und ein wenig konzentrieren. Die Autorin hat diese Form gewählt und ist ihr immer treu geblieben. Nebenbei hat sie dieses stilistische Mittel gut genutzt, um den Leser im Dunkeln tappen zu lassen und nach und nach – wie bei chronologischer Erzählweise auch – kleine Hinweise hinzuwerfen.

Fazit

Fazit, der Thriller, der auch irgendwie ein Kriminalroman ist, hat mir sehr gefallen. Ein altes Schema (Whodunnit) wurde mit einer erfrischend anderen und auch anspruchsvollen Erzählweise kombiniert. Ich habe einen Kritikpunkt zum Ende (kann ihn leider nicht verraten..) und gebe davon knapp die Bestnote: 4 Sterne von mir für das Buch und eine Leseempfehlung für alle die Krimis, Thriller und besonders Whodunnit mögen. Müsste ich mich entscheiden, würde ich sagen die Geschichte ist für Frauen vielleicht etwas interessanter als für Männer. Genau belegen kann ich das allerdings auch nicht.

Viel Spaß beim lesen – und ich freue mich auf Kommentare zum Buch, da das Konzept ja wirklich anders ist, denke ich mal das es da eine Menge unterschiedlicher Meinungen gibt.

Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

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Rezension: Sog von Yrsa Sigurdardóttir (Huldar & Freyja #2)

Yrsa Sigurdardottir SogKommissar Huldar ist nach seinem ersten Abenteuer in „DNA“ vom Chefposten ans Ende der Nahrungskette in der Mordkommission geraten und bekommt einen eher kleinen Ermittlungsauftrag. In der Zeitkapsel auf dem Grundstück einer Schule wurden die Aufsätze einer ganzen Klasse ausgegraben, von denen einer eher unüblich ist: Es liest sich wie eine Todesliste mit Initialen von Opfern. Als der Kommissar entdeckt, dass eventuell eine Verbindung zum großen Fall der Mordkommission besteht hat er einen guten Grund, Kinderpsychologin Freyja anzufordern, die nach dem letzten Abenteuer der beiden auch nicht so gut dran ist, in ihrem Job. Die beiden treffen bald das Kind, welches diesen Aufsatz vermutlich verfasst hat und stoßen bald auf ein lange zurückliegendes Verbrechen vom Vater des Jungen: Der Mord an dem kleinen Mädchen Vaka. Während über diesen Fall in den Archiven erstaunlich wenig Informationen zu finden sind, tauchen Hände, Füße, Särge und noch vieles mehr auf..
Stil, Machart, Meinung
Das erste Buch um die Psychologin und den Kommissar hat mich sehr gut unterhalten und ich habe 5 Sterne vergeben. Im zweiten Buch knüpft die Autorin einige Zeit nach dem Band an. Beide Hauptdarsteller haben unter den Folgen gelitten – die verwirrenden Gefühle für einander haben sich jedoch nicht verändert. „Es ist kompliziert“, wie man so schön sagt. Trotz aller Kompliziertheit sind die beiden ein gutes Team für Ermittlungen und auch sonst sehr gute Charaktere, mit denen sich wohl auch so mancher identifizieren kann. Es sind keinesfalls Helden ohne Ecken und Kanten.
Wie man es von der Autorin gewohnt ist, werden Ermittlungen der Gegenwart geschickt mit Vorfällen aus der Vergangenheit verknüpft – die Recherche ist dabei nicht langweilig, sondern ganz im Gegenteil interessant und gut gestaltet. Es ist ganz klar ein Thriller, wie gesagt mit besonderem Augenmerk auf die Vergangenheit und vielen Krimielementen. Der Leser kann einiges erahnen oder rätseln, wird allerdings von Wendungen überrascht. Es ist kein seichter Landhauskrimi sondern lebt auch von der Kreativität der Autorin mit einem Hang zu ..sagen wir mal.. ungewöhnlichen und brutalen Morden. Nichts für schwache Nerven. Der Schreibstil ist gewohnt fluffig, einerseits geht es rasant voran, andererseits gibt der Blick in die Vergangenheit ein seichteres Tempo vor. Ich mag die Balance der Autorin: Keine Ausschmückenden Sätze und Worte die mich langweilen, dafür aber trotzdem vielschichtige Perspektiven und Personen.
Wichtig zu sagen: Dieser Band kann zwar auch solo gelesen werden, ich empfehle bei dieser Serie jedoch auf jeden Fall, chronologisch vorzugehen und bei Band 1 anzufangen. Wie gesagt: Man kann nur die Ermittlungen hier natürlich auch so lesen, aber für die Hauptfiguren und deren Hintergrund wäre das Vorwissen aus „DNA“ schon gut. Da Band 1 total super ist, ist diese Empfehlung ja auch nichts Schlimmes. Dieser Band hier kommt schon fast an den Vorgänger heran, ich finde die erste Geschichte jedoch von den Morden und Recherchen her noch etwas herausragender. Bei diesem Band hatte ich zusätzlich leichte Probleme, sofort in jedem neuen Absatz einzuordnen um wen es sich da grad handelt – an die isländischen Namen muss ich mich wohl noch gewöhnen.
Was lernen wir daraus?
Wer einen grandiosen Auftakt zu einer Reihe schreibt, hat es natürlich mit den Folgebänden schwer. Dieser Band ist für mich wie gesagt nicht ganz so gut wie der erste, meine Erwartungen hingen aber auch sehr hoch. Für sich ist „Sog“ super. Die angespannte Beziehung der Hauptpersonen macht es auch für einen Folgeband spannend, das ist sehr gut angelegt. Die zukünftigen Fälle sind jedoch etwas eingeschränkt in der Wahl der Themen. Da ein Kommissar mit einer Psychologin im Kinderhaus zusammenarbeitet, bleibt ja eigentlich nur das Thema „Kinder als Opfer“ übrig. Da die Autorin jedoch sehr kreativ ist was Morde und Recherchen angeht, bin ich dann aber doch wieder recht sicher, dass sie diese Einschränkung zur guten Unterhaltung umgeht. Falls sich die Fälle dann im Kern allerdings in jedem Folgeband ähnlich sehen und die Hauptpersonen auch immer ein kompliziertes Verhältnis zueinander haben, dann wäre das natürlich etwas schwach.
Fazit
Ich vergebe 4 Sterne, da ich dieses Buch im Vergleich zum Vorgänger etwas schwächer finde. Trotzdem ist das Buch gut, ein rasanter und spannender Thriller für beide Geschlechter – aber nichts für schwache Nerven. Ein besonderes Merkmal ist die gute Verbindung von einer aktuellen Ermittlung mit Geschehnissen in der Vergangenheit. Wie gesagt sollte man mit Band 1 anfangen, bevor man sich in den „Sog“ dieses Buches ziehen lässt. Die Autorin hat auf jeden Fall wieder einmal bewiesen, dass ich sie zu recht auf der Liste meiner Lieblingsautoren habe..

Hier geht es zu meiner Rezension von Band 1 „DNA“

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Rezension: Dunkel Land von Roxann Hill

Dunkel Land Roxann HillVerena Hofer ist mit ihrer Nichte, um die sie sich nach dem Tod ihrer Schwester kümmert, unterwegs zu einem neuen Job. Sie soll sich für 3 Monate um den Neffen ihrer reichen Auftraggeberin kümmern und auch die literarische Bildung im Auge behalten. Sie erwartet einen kleinen Jungen, muss dann aber überrascht feststellen, dass Dr. Carl von Wuthenow ihr Schützling ist. Der geniale, arrogante Kriminalist erholt sich von einem Schuss, der sein Kurzzeitgedächtnis teilweise lahmgelegt hat. Er kann sich jeden Morgen nicht mehr dran erinnern, was ihm in den letzten Tagen passiert ist. Auch wenn der Auftrag nicht so ist wie geplant, Verena braucht das Geld und ihre Nichte fühlt sich auf dem riesigen Anwesen mit Kinderbetreuung sehr wohl. Da sie ihrem Schützling nicht von der Seite weichen darf, muss sie ihn wohl oder übel bei der neuesten Mordermittlung Unterstützungen. Eine ziemlich schlimm zugerichtete Leiche eines Jungen wird gefunden und die Spuren weisen in die rechte Szene. Während Verena noch mit dem Anblick der Leiche zu kämpfen hat und sich fragt, wie sie in diese Situation geraten ist, ist sie auch schon eine wichtige Stütze von Profiler Dr. Carl von Wuthenow, der ohne sie (und damit ohne Kurzzeitgedächtnis) nicht in der besten Verfassung wäre. Und dann will sie ihm auch nicht mehr so wirklich von der Seite weichen…

Stil, Machart, Meinung

Das Cover ordnet dieses Buch als Kriminalroman ein. Das finde ich auch gerechtfertigt, denn auch wenn die Morde und die Geschwindigkeit am Schluss schon eine Menge von einem Thriller haben, nehmen die Geschichten der einzelnen Personen sehr viel Raum ein. Das neue Ermittlerpaar und die jeweiligen Schicksale nehmen genau so viel Raum ein wie die Geschichte einiger anderer Personen der Geschichte sowie andere soziale Gegebenheiten. Manchmal tritt der Mordfall ein wenig in den Hintergrund.

Erfrischend finde ich, dass Verena Hofer total ins kalte Wasser geworfen wird. Wir haben hier einen erfahrenen Experten und einen absoluten Anfänger. In manchen Büchern sind die Anfänger ja gleich so abgewi***t wie ein Kommissar mit 40 Dienstjahren, der schon alles gesehen hat. Das finde ich oft ein wenig unrealistisch. In dieser Geschichte fragt sich die Anfängerin regelmäßig, wie sie eigentlich in die ganze Sache rein geraten ist und die Geschehnisse sind so erschreckend, wie sie im realen Leben auch sind. Auch als erfahrener Krimileser habe ich in meinem Leben noch keine Leiche gesehen und keinen Mordverdächtigen getroffen und bin so auch mal wieder auf den Boden der Tatsachen geholt worden (auch wenn das ein fiktiver Kriminalroman ist..).

Die Schreibe gefällt mir, trotz einer etwas entschleunigten Erzählweise war mir nie langweilig, auch die kleinen Nebensächlichkeiten passten gut ins Bild und haben mich interessiert.

Die Beziehung der beiden Ermittler, die Nebenfiguren auf dem Gut und die Gedächtnisprobleme des Profilers machen unbedingt Lust auf mehr. Ich mag das etwas gemächlichere Tempo, die Wendungen bei der Auflösung des Verbrechens und Sicht der Autorin auf Kleinigkeiten und Probleme durch die Figuren. Einen zweiten Band würde ich mit unbedingt zulegen, ich freue mich schon und frage mich, wie es mit den beiden Hauptpersonen weitergeht.

Was lernen wir daraus?

Hier hat die Autorin ein interessantes Ermittlergespann geschaffen, welches wieder eine neue Perspektive hat und Potential für eine gute Reihe bietet. Ein genialer Profiler, der sich jeden Abend Aufzeichnungen vom Tag macht, weil er sich nach dem Schlaf an nichts davon erinnern wird, ist interessant. Die Anfängerin macht durch gute Intuition und eine interessante persönliche Situation auch was her. Auf die Idee wäre ich auch gern gekommen.

Ansonsten habe ich auch etwas über Entschleunigung gelernt. Man liest als Thriller- und Krimileser manchmal ganz schön harten Tobak und ist – zumindest im Kopf- einiges gewöhnt. Hier wurde man wieder etwas geerdet und wurde sich bewusst, dass man bei einer realen Konfrontation mit einem Verbrechen auf einmal so richtig die Hosen voll hätte…

Fazit

Ich vergebe 4,5 Sterne und möchte unbedingt den nächsten Band dieser Reihe lesen. Als Zielgruppe würde ich vielleicht etwas eher Frauen als Männer sehen, da auch eine romantische Geschichte im Rahmen dieses Kriminalromans erzählt wird. Daumen hoch, die Autorin merke ich mir.

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Rezension:“Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ von Jonas Jonasson

Mörder Anders und seine Freunde Jonas Jonasson

Per Persson arbeitet in einem schäbigen Hotel, ist ständig pleite und hadert mit sich und seinem Schicksal. Zu allem Übel nistet sich dann auch noch Mörder Anders nach einem Gefängnisaufenthalt im Hotel ein. Als wäre das nicht schon schlimm genug, trifft er auf eine Pfarrerin, die wegen ihrer atheistischen Besinnung gerade gefeuert wurde und ihm zunächst Geld abnehmen will, dann nur sein Essen nimmt und schließlich auch in das heruntergekommene Hotel einzieht. Die Pfarrerin ist nicht dumm, Mörder Anders hingegen schon.Zunächst zu ihrem eigenen Schutz und später für einen guten Lebensunterhalt ziehen die drei wenig zusammenpassenden Charaktere dann ein einträgliches Business auf, wobei sie es sich leider mit der gesamten Schwedischen Unterwelt verscherzen. Als der Mörder dann seinen Glauben zu Gott entdeckt, während es den anderen beiden eher um die Liebe zum Geld geht, begibt sich das skurrile Trio auf eine abenteuerliche Flucht in einem Wohnwagen. Bis der Mörder dann zum Pastor wird..

 

 

 

 

Stil, Machart, Meinung

Schon das Buch „Die Analphabetin, die rechnen konnte“, hat mich mit einem ganz speziellen Humor begeistert. Dieses Buch ist schon einerseits ein riesiger Klamauk, andererseits aber auch eine Aneinanderreihung sehr intelligenter Sätze. Während der gesamten Lektüre hatte ich einfach sehr, sehr gute Laune und viel Spaß. Ich möchte nicht wissen, wie oft ich beim Lesen grinste.

Die Mischung machts! Dieses Buch ist nicht albern, sondern voll von einem Humor, der sich erfrischend anders und irgendwie schlau von der Masse abhebt. Neben recht überzeichneten Personen und Situationen fällt einem dann doch auf, wie lebensnah der Autor sein Umfeld beobachtet um es dann in dieser Art darzustellen.  Besonders gefallen hat mir in diesem Buch auch der Umgang mit dem Thema Glauben und Gott. Heute wird das Thema gefühlt viel zu ernst – oder gar nicht ernst genommen, und diese Herangehensweise finde ich ganz hervorragend, um mal ein bisschen Schwung in die Sache zu bringen.

 

 

Der Plot ist tatsächlich auch gut gemacht, viele Verstrickungen lösen sich in der Geschichte schlüssig (bzw lustig..) auf und die Sache ist am Ende rund. Die Personen sind nicht strickt schwarz-weiß gezeichnet. Der Leser erlebt alles aus der Perpektive eines merkwürdigen Gauner- Trios und mag die Personen dann irgendwie doch.

Was lernen wir daraus?

An den Büchern von Jonas Jonasson fällt mir besonders auf, dass er einen ganz eigenen, unvergleichlichen Humor hat. Es gibt in jedem seiner Bücher so viele Sätze und Szenen, die man sich aufschreiben müsste und am liebsten mit vielen Leuten teilen würde. Aus den sehr vielen schlauen, lustigen und interessanten Sätzen wird dann mit einzigartigen Personen und einem amüsanten Plot ein in sich schlüssiges Werk. Das macht gute Laune, regt aber auch bei einigen Themen und Beobachtungen zum Nachdenken an. Ich persönlich lernte darüber hinaus auf jeden Fall, dass ich jedes Buch von Jonas Jonasson lesen werde und mich jetzt schon auf das nächste freue.

 

Fazit

Ich bin eine Krimitante (/Thrillertante) und mir ist selten nach lustigen Romanen. Die Geschichten von Jonas Jonasson sind jedoch besonders. Die Bücher machen bei mir einfach wahnsinnig gute Laune und sind in einem einzigartigen Schreibstil verfasst, in dem jeder Satz irgendwie lustig, intelligent und mit viel Liebe gemacht wirkt. Ich habe zunächst überlegt, diesem Buch nur 4 Sterne zu geben, da „die Analphabetin, die rechnen konnte“ mich irgendwie noch einen kleinen Tick mehr begeistert hat. Dann habe ich mich allerdings unentschieden und vergebe schon wieder 5 Sterne – den dieser Stil und die Geschichte ist schon einzigartig und hebt sich so sehr von anderen Romanen ab, dass ich die Besonderheit einfach herausstellen und würdigen muss. Hach, wie schön..mehr davon!

 

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Rezension: Niemals von Andreas Pflüger (Jenny Aaron #2)

 

Niemals PflügerJenny Aaron war schon immer eine der besten Agenten „der Abteilung“.  Bei einem Einsatz erblindete sie, ist jedoch noch immer eine der Besten. Nachdem sie vor Wochen ihren Erzfeind Holm bekämpft hat, besucht sie ihren alten Vorgesetzten Lissek und seine Frau, um zur Ruhe zu kommen. Als sie dann eine Nachricht vom bereits verstorbenen Holm bekommt, war es das mit der Ruhe. Sie erbt ein riesiges Vermögen, muss dafür aber nach Marrakesch reisen. Zusätzlich zum Vermögen bekommt sie noch ein paar Rätsel, die sie nicht nur zu einem der gefürchtetsten Männer der Welt führen können, sondern auch zum Mörder ihres Vaters.  Und dieser sehr gefährliche Mann ist übrigens auch der Vorbesitzer ihres geerbten Vermögens, und der möchte natürlich sein Geld wieder haben. Jenny Aaron reist also mit Partner Pavlik nach Marrakesch und dort wartet Gefahr.

Die Reihe

„Niemals“ ist der zweite Band der Reihe um Jenny Aaron und „die Abteilung“. Dieses Buch knüpft an den ersten Teil „Endgültig“ an, kann aber trotzdem auch ohne Vorwissen gelesen werden. Für den vollständigen Lesegenuss empfehle ich allerdings doch, bei Band 1 zu beginnen. Endgültig bekam von mir begeisterte 5 Sterne.

Stil, Machart, Meinung

So wie schon der erste Band „Endgültig“ ist „Niemals“ ein ganz besonderer Thriller. Das wohl wichtigste Alleinstellungsmerkmal ist die Perspektive, aus der der Leser eine sehr actionreiche Handlung erfährt: die Protagonistin ist blind. Beschreibungen der Örtlichkeiten und Menschen geschehen aus der Perspektive einer Blinden, daher geht es nicht um Visuelles sondern um Geräusche, Gerüche und vieles mehr – Dinge, die überraschenderweise vollkommen ausreichen um dem Leser die Bilder der Handlung in den Kopf zu pflanzen. Ich finde das wirklich herausragend.

Die blinde Protagonistin ist also sehbehindert, dadurch aber nicht in der Ausführung ihrer Heldentaten behindert. Ich möchte schon fast sagen, dass sie eine Art moderne Superheldin ist. Na klar, es stört zwar das sie nicht sehen kann, aber dafür scheinen ihre anderen Sinne so geschärft, dass sie so gut in ihrem Job ist wie früher. Natürlich sind die Heldentaten wohl etwas dick aufgetragen, aber das finde ich irgendwie gut. Als ich heute Morgen im Halbdunkel erst gegen den Türrahmen gelaufen und dann über die Katze gestolpert bin, musste ich direkt an das Buch denken. Diese Perspektive des Buches bleibt einem auch nach dem Lesen erhalten, man hat eine Erfahrung gemacht die man so schnell nicht vergisst.

Trotz dieser außergewöhnlichen Erfahrung ist dieses Buch ein Thriller voller Action, Spannung und Blutvergießen – und alles andere als ein seichter Erfahrungsbericht über das Leben einer Blinden. Diese Kontraste und die gleichzeitige Schwäche als Stärke ergeben eine ungewöhnliche Protagonistin.

Ein weiterer Punkt ist für mich der äußerst umfangreiche Plot, der bei jedem Aspekt auf eine intensive Recherche schließen lässt. Auch wenn einiges davon nicht existiert, sind die Anspielungen in Bezug auf das Weltgeschehen und die Wechselwirkungen glaubwürdig zusammengemixt.

Die Dialoge sind ungewöhnlich wortkarg und direkt. Ich finde das erfrischend und es beschleunigt die Handlung und die Spannung zusätzlich. Wie auch im ersten Band warten an einigen Stellen Listen der Hauptperson, die tatsächlich sehr interessant (..und lustig, schön, wahr, philosophisch..)sind und mir großen Spaß machten.

Was lernen wir daraus?

Wie auch schon beim ersten Band bin ich fasziniert davon, wie die wichtigste Perspektive eines actiongeladenen Thrillers ganz ohne visuelle Beschreibungen auskommen kann – das ist wahre Kunst. Hätte Andreas Pflüger diese Idee nicht schon gehabt, wünschte ich mir diese Idee gehabt zu haben. Wobei so eine Idee nicht viel ist, ohne die unterhaltsame Umsetzung. Naja, für diese Idee ist es zu spät, ich hoffe mit kommt demnächst eine ähnlich gute Eingebung..

Fazit:

Wie schon bei Band 1 komme ich um die Höchstwertung nicht herum – und ich möchte das auch nicht. 5 verdiente Sterne, eine begeisterte Leseempfehlung und die Hoffnung auf einen ebenso guten dritten Teil von mir. Klar ist die blinde Agentin an einigen Stellen eventuell mit zu vielen Skills ausgestattet bzw. es ist etwas arg auf die Kacke gehauen.. aber diesen Kontrast finde ich gut. Die knappe und doch fluffige Schreibe mit der außergewöhnlichen Perspektive und dem umfangreichen Plot ist wie für mich gemacht und mir fällt bei aller Mühe kein Kritikpunkt ein.

Hier geht’s zu meiner Rezension des ersten Teils „Endgültig“.

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Rezension: Seelenkinder von Sarah Hilary

Seelenkinder Sarah Hilary ThrillerDer Familienvater Terry findet bei Gartenarbeiten einen Bunker in seinem Karten. In dem Bunker verbirgt sich ein düsteres Geheimnis: 2 Kinderleichen sind dort verborgen, schon länger tot und damals anscheinend mit ihren Kindersachen und einer großen Ration Dosenpfirsiche dort eingesperrt und allein gestorben. Marnie Rome und ihr Team sind vom Schicksal der beiden Kinder erschüttert, wollen in diesem „Cold Case“ aber unbedingt vorankommen, damit alle Beteiligten ihren Frieden finden können. Dafür müssen sie zunächst herausfinden, wer von dem Bunker wusste und was in der Vergangenheit in der Gegend los war. Und auch die Gegenwart hält einige Überraschungen und Gefahren bereit.

Stil, Machart, Meinung

Sarah Hilary schreibt gut. Fluffig und meist ohne ausufernde Beschreibungen konzentriert sie sich auch auf das Gefühlsleben vieler Personen, ohne dabei zu langweilen. Der letzte Pfiff hat mir irgendwie gefehlt, aber es las sich gut weg.

Eingangs kam ich sehr schnell rein, der Leser wird direkt in den Bunker mit den beiden Kindern vor 5 Jahren gesteckt und kann das traurige Schicksal der Beiden fast hautnah miterleben. Die Hauptermittler werden auch gut dargestellt und sind sehr interessante Charaktere. Zur Mitte hin hat mich das Buch dann nicht mehr so ganz mitgerissen, und auch am Ende hatte ich stellenweise Interesse an der Auflösung, war aber auch nicht vollständig gebannt. So richtig Thriller ist dieses Buch meiner Meinung nach nur die Hälfte der Geschichte, wenn schon Thriller dann vielleicht eher Psychothriller als passendere Beschreibung.

Ich kann gar nicht so genau beschreiben, was man hätte besser machen können. Es ist eine solide Geschichte mit den zwei Ebenen Vergangenheit und Zukunft, ein paar Überraschungen und Rätsel sowie interessante Ermittler. Mir waren einige spätere Überraschungen zu schnell klar, manche Aktionen der Ermittler zu zufällig aber der Plot an sich war trotzdem stimmig.

Was lobend zu erwähnen ist, ist das die Autorin sich anscheinend sehr mit einer psychischen Erkrankung beschäftigt hat und sie auch sehr gut darstellt. Hier möchte ich jedoch nicht spoilern.

Es ist nicht das erste Mal, und ich werde niemals müde werden es gegebenenfalls zu widerholen: Ich wüsste so gern auf den ersten Blick auf den Buchumschlag oder die kurze Inhaltsangabe online, dass es sich um den Band einer Reihe handelt! In diesem Fall ist es anscheinend der zweite Fall, aber er kann auch ohne den ersten gelesen werden.

Was lernen wir daraus?

Hier möchte ich noch einmal an den letzten Punkt des vorherigen Abschnitts anknüpfen: Bitte liebe Verlage und Autoren, macht doch einfach die Bände einer Reihe kurz kenntlich. Ich hatte hier zwar nicht das Gefühl etwas zu verpassen, hätte es aber trotzdem gern gewusst. Klar, wahrscheinlich verkaufen die Verlage so mit dem ersten Impuls des Lesers mehr Bücher, aber wenn dann die Erkenntnis und damit die Enttäuschung kommt schneidet ein Nachfolgeband eventuell schlechter ab oder der Leser ist enttäuscht und hat ein schlechtes Bild von der Reihe oder dem Verlag. Hätte ich hier jetzt gelesen „Band 2 der Thriller-Reihe um Marnie Rome und ihr Ermittlerteam“ oder Ähnliches, dann hätte ich mir halt den ersten Band angeschaut..

Fazit

Ich kann nicht genau fassen was mir fehlt, komme hier aber nur auf 3 Sterne und bin an Band 1 oder Band 3 der Reihe nicht so wirklich interessiert. Es ist ein solider Thriller, mit etwas wenig Thriller und etwas viel Psychothriller / Roman und meine Erwartungen waren vielleicht etwas anders. Der Plot, die Ermittler und auch die Schreibe sind nicht schlecht, aber als Highlight wird dieses Buch nicht in die Geschichte meiner Leseerlebnisse eingehen.

Hier gibt es die Details auf der Verlagsseite, bitte draufklicken 🙂

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Rezension: Der Jungfrauenmacher von Derek Meister

Der Jungfrauenmacher Derek MeisterKleinstadtcowboy Knut steht vor seinem ersten großen Fall als Polizeichef von Valandsiel. Denn an dem beschaulichen kleinen Küstenort an der Nordsee wird eine Leiche an den Strand gespielt, die äußerst ungewöhnliche Merkmale aufweist. Blöd nur, dass es ihm Niemand zutraut, diesen Fall lösen zu können. Als er die ehemalige Profilerin Helen Henning kennenlernt, die nach einem schlimmen Dienstunfall mit einer Beimprothese, einem angekratzten Selbstbewusstsein und Angst nach Valandsiel zurückkehrt, bringt er sie dazu, ihm bei der Ermittlung zu helfen. Die Ermittlung hat zwar schon das LKA übernommen, aber Knut möchte sich unbedingt beweisen und seinen Kritikern zeigen, dass er nicht nur im Schatten seines Vaters arbeiten kann. Und dann kommt die nächste Leiche..

Stil, Machart, Meinung

Ich muss gestehen, bei diesem Thriller kam ich zunächst etwas schwer rein. Woran genau das lag, kann ich gar nicht benennen. Bald hat mich aber die zwar etwas klischeehafte, aber doch sehr gut konstruierte Situation gepackt, dass Dorfpolizisten das erste Mal im Leben einen großen Fall haben und wie sie sich dabei verhalten. Und dann hab ich das Buch ganz fix gelesen.

Mit Polizeichef Knut wurde ich auch erst nach einigen Seiten warm, aber der junge, unerfahrene Polizeichef im Schatten seines pensionierten Vaters, der sich erst einmal die Verhaltensregeln bei einem Mordfall heraussuchen lassen muss, hat dann doch ungeahnte Talente. Ihm zur Seite gestellt ist Helen Henning, die als Profilerin Erfahrung hat und ihm und dem Leser viel über Körpersprache erzählt. Sie ist eine interessante Figur, denn sie ist heiß, selbstbewusst und erfahren – aber auch traumatisiert, ängstlich und mit Beinprothese ausgestattet. Ich mag, dass sie wegen letzterer Sache keinerlei Mitleid bekommt oder erwartet, sondern tatsächlich gleich zwei Verehrer an Land zieht und auch sonst wenig beeinträchtigt wirkt.

Neben diesen beiden Hauptfiguren haben wir noch einige andere Nebendarsteller, die erst etwas klischeehaft wirken, dann aber im Laufe des Buches immer mehr Graustufen auftauchen. Und genau das mag ich an diesem Buch: die Graustufen. Der blöde Dorfpolizist ist am Ende gar nicht mehr so blöd, der arrogante LKA – Mann entpuppt sich als ganz netter Zeitgenosse und sogar der Killer kann in seinen kleinen Kapiteln zwischendurch einigermaßen erklären, was ihm widerfahren ist und warum er das alles macht.

Der Plot ist gut. Ermittlungen finden in der Vergangenheit und der Gegenwart statt, dem Leser werden nach und nach genau so viele Häppchen hingeworfen wie auch den Ermittlern und es macht alles Sinn. Was mir etwas gefehlt hat waren mehrere Verdächtige. Wiederum gefallen hat mir, dass trotzdem einige Wendungen eingebaut wurden und der Autor nicht das „Thriller-Schema 0815“ angewendet hat, sondern sich auch mal etwas getraut hat, um den Leser zu überraschen. Ich würde natürlich gern spoilern um das näher zu erklären, aber das verbietet die Bloggerehre.

Reihe

Knut und Helen haben mich in diesem Auftakt der Reihe begeistert und absolutes Potential für mehrere Bücher. Ich werde auf jeden Fall demnächst mal meine Nase in den zweiten Band stecken, frage mich allerdings jetzt schon ganz unvoreingenommen: Nachdem in Valandsiel ewig nichts Großes passiert ist, was soll dort im nächsten Fall denn wieder stattfinden? Ich denke nicht, dass sich der kleine Küstenort nun direkt in einen Tummelplatz für Serienkiller  verwandeln kann. Aber ich denke auch nicht, dass das Ermittlerduo nun Kneipenschlägereien oder Kleinkriminellen widmen wird. Ich bin gespannt. Es gibt bereits Teil 2 und 3, dass sind diese hier:

  1. Die Sandwitwe
  2. Blutebbe

Was lernen wir daraus?

Ich habe es im vorherigen Abschnitt noch nicht angesprochen, aber ich werde es hier ansprechen. Denn lernen werden daraus weniger die Schreiberlinge, sondern hoffentlich die Klappentexter. Auf der Buchrückseite gibt es bereits Hinweise, die dem Ermittlerduo  dann erst nach der Hälfte des Buches klar werden. Das finde ich ziemlich besch***en, denn das ist doch nicht Sinn und Zweck der Sache, oder? Wer jetzt meine Rezension liest und Interesse an dem Buch hat, der sollte es kaufen und nicht auf die Rückseite gucken. Ich hab das natürlich in meiner Inhaltsangabe weggelassen.

Fazit

Ich finde den Auftakt dieser Reihe sehr vielversprechend. Gute Figuren mit Graustufen, ein schlüssiger Pllot, fluffige Schreibe und angenehme Kapitelaufteilung sowie einige Überraschungen für den Leser.  Den zweiten Teil werde ich auch lesen. Ich bin gespannt was da noch kommt. Es gibt von mir 4 Sterne, es ist in einigen Sachen noch etwas Luft nach oben, aber ich finde es gut.

Hier gibt´s Details zum Buch auf der Verlagsseite

 

Rezension: Todesreigen von Andreas Gruber (Sneijder/Nemez #4)

Todesreigen Andreas GruberEin Mann begeht Selbstmord auf der Autobahn. 3 Trucker können mit einem mutigen Manöver verhindern, dass unschuldige Autofahrer sterben müssen –für den Selbstmörder, er arbeitete für das BKA,  kommt jedoch jede Hilfe zu spät und zuhause wird die Leiche seines kleinen Sohnes gefunden. Fast zeitgleich kommt die Schwester einer BKA – Beamtin in ihrem Haus um. Sabine Nemez soll den Tod des zweiten Opfers untersuchen und stößt mit Hilfe von Tina Martinelli bald auf die Verbindung zum ersten Toten. Sie wird schnell vom Fall abgezogen, denn sie ist der ominösen  „Gruppe 6“ zu dicht auf der Spur. Zunächst möchte Maarten S. (!) Sneijder nicht helfen, da er nach den Geschehnissen im letzten Band vom Dienst suspendiert ist. Aber dann ist Sabine Nemez in Gefahr. Und dann wäre da noch Hardy, der nach 20 Jahren im Knast auf einem persönlichen Rachefeldzug ist. Er ist äußerst verdächtig.

Stil, Machart, Meinung

Wie immer schreibt Gruber für mich genau richtig. Nicht zu detailliert, nicht zu knapp, fluffig und spannend. Sneijder und Nemez sind, auch wenn einer von beiden suspendiert sind, ein tolles Duo. Da ist meine Meinung genau so, wie bei den 2 von mir zuvor rezensierten Bänden dieser Reihe und ich habe nichts auszusetzen.

Der Plot ist gut gemacht. Im Buch gibt es zwei Hauptstränge, einmal die Ermittlung von Sabine Nemez und dann die Geschehnisse aus Sicht von Hardy, der nach 20 Jahren im Gefängnis seine alten Kumpanen aufsucht, um aufzuklären wie seine Frau und seine Kinder ums Leben gekommen sind. So ist man beiden Seiten teilweise etwas voraus, andererseits rätselt man mit.

Als kleinen Kritikpunkt muss ich anmerken, dass etwas zu schnell klar ist wer gut und wer böse ist – auch wenn es bis zum Ende hin immer noch ein paar Wendungen gibt.  Ich finde es auch etwas dramatisch, wie viele Nebenfiguren mal eben dran glauben müssen (wenn auch gut gemacht..). Hier möchte ich jedoch nicht weiter spoilern.

Die Reihe

Todesreigen ist der 4. Band in der Reihe um Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez beim BKA Wiesbaden. Ich hatte eher unwissend beim 2. Band angefangen und war gleich so angetan von der Reihe, dass ich dann natürlich unbedingt Band 3 und jetzt 4 lesen musste. Ich hatte beim Einstieg mit Band 2 keine Probleme, ich denke aber ab Band 3 und 4 bietet es sich schon an, Teil 1 und 2 gelesen zu haben. Grundsätzlich ist die Reihe ja auch einfach so gut, dass man da getrost chronologisch vorgehen kann, um auch mehr davon zu haben.

Was lernen wir daraus?

Diese Reihe zeigt sehr gut, wie man eine erfolgreiche Reihe kreiert. Man nehme einen sehr verschrobenen (und bekifften..) Profiler mit eher unsympathischer Ausstrahlung, genialem Verstand und doch großem Herz, welches man jedoch erst einmal finden muss. Dann nehme man eine Schülerin von ihm, die sehr verbissen an ihre fälle herangeht und keine Gefahr scheut. So hat man schon einmal ein sehr ungleiches und doch funktionierendes Duo, welches viele Bände lang gute Arbeit leistet. Dann nehme man noch sehr viele nette oder aber auch nicht so nette Nebenfiguren, die schon eine größere Rolle spielen, aber an die sich der Leser auch nicht zu sehr gewöhnen sollte. Denn wenn er sich dran gewöhnt hat, kann es sein das diese Person überraschend und brutal aus dem Leben scheidet. Diese Personen mischt man in einem guten, logischen Plot mit Ursprüngen in der Vergangenheit, einem Rätsel, einer Portion Humor und einigen Wendungen. Wenn es mal so einfach wäre.. 🙂

Fazit

Ich vergebe 4,5 Sterne, weil mir die 2 Bände davor ein kleines bisschen besser gefallen haben. Trotzdem ist diese Reihe unbedingt empfehlenswert und jeder Thriller-Fan wird seine Freude dran haben. Die Hauptpersonen aber auch Nebenpersonen sind sehr gut gezeichnet, der Plot ist gut und die Schreibe von Andreas Gruber mag ich sowieso sehr. Ich kann die Reihe und auch diesen Band aus der Reihe uneingeschränkt empfehlen und warte gespannt auf den nächsten Band.

Hier geht es zu meiner Rezension von Band #2 der Reihe „Todesurteil“.

Hier geht es zu meiner Rezension von Band #3 der Reihe „Todesmärchen“.

Hier gibt es die Details zum Buch und zum Autor auf der Verlagssseite.

 

 

 

Rezension: Es geschah im Dunkeln von Carol O`Connell

es geschah im dunkelnAm New Yorker Broadway wird ein Theaterstück aufgeführt, welches eine recht tödliche Wirkung auf die Zuschauer hat. Am Tag der Premiere und auch am zweiten Tag stirbt in einer Szene mit totaler Dunkelheit einer der Zuschauer. Das wohl eher mittelmäßige Stück sorgt so für eine Sensation, auf einmal ist der Andrang hoch und die Frage nach dem zweiten Teil des Stücks wird lauter. Als Detective Mallory mit ihrem Kollegen Riker am Tatort auftaucht, hat sie es mit vielen merkwürdigen Zeugen zu tun, allen voran die Darsteller selbst. An dem Theater gehen merkwürdige Dinge vor sich.

Stil, Machart, Meinung

Die Idee der Story, die Detectives, spannende Randfiguren, geschickt eingestreuter Humor und eine gruselige Tat aus der Vergangenheit – all das klingt nach einer tollen Idee. Nach einem Buch, wie für mich gemacht. Tja und dann ist dieses tolle Grundgerüst, und es ist so unglaublich zäh und langatmig geschrieben, dass ich es nicht bis zum Ende lesen konnte und wollte. Die Schreibe an sich finde ich nicht mal schlecht, es gibt nur so unglaublich viele unwichtige Dinge, lange Szenen und Überflüssiges.

Ich habe also nach ungefähr einem Drittel abgebrochen, denn der dicke Wälzer mit der kleinen Schrift macht es dem Leser an sich schon nicht leicht – aber der zähe Inhalt tut einfach sein übriges. Ich habe das Buch in der Hoffnung auf eine andere Meinung noch einer Freundin gegeben, die hat es aber leider noch früher abgebrochen.

Interessant finde ich die Idee, die einzelnen Kapitel mit kurzen (wenn auch merkwürdigen..) Dialogen aus dem Theaterstück zu Beginnen. Und wie gesagt: Die Idee, während eines Theaterstückes bei einer bestimmten, dunklen, Szene jemanden zu ermorden und die Suche nach dem Mörder ist eine tolle Idee. Die hat echt viel Potential. Aber dieser Thriller der ist eher zum einschlafen.

Was lernen wir daraus?

Nach dem Abbruch des Buches habe ich noch mal zu diesem Buch recherchiert, ich wollte wissen ob die laut KrimiZeit-Bestenliste „eine der besten Kriminalschriftstellerinnen der Welt“ tatsächlich irgendwie erfolgreich ist. Und was fällt mir da auf? Dieses Buch ist Band 11 der Reihe um Detective Mallory. Band 11! Ich werde keinen Vorgängerband lesen, um zu schauen ob die anderen auch so zäh sind, aber anscheinend finden Leute diese Reihe gut. Vielleicht schwächelt ja nur dieser Band? Ich finde es immer wieder verwirrend, wenn auf Büchern nicht mal eine Anmerkung dazu existiert, dass das Buch Teil einer Reihe ist. Teil 11.. darauf sollte man einem unwissenden Leser vielleicht doch hinweisen. Ich lerne also, mal wieder, dass ich vielleicht doch vor jedem Buchkauf sicher gehen sollte, dass ich nicht inmitten einer weit fortgeschrittenen Reihe einsteige. Viele Autoren schaffen es, für beide Lesergruppen – Quereinsteiger und Fans der ersten Seite – ein gutes Leseerlebnis zu schaffen. Ich denke da zum Beispiel an meinem Einstieg in die Alex Recht-Reihe von Kristina Ohlsson bei Band 5 – das war gar kein Problem und ich habe danach Band 4 gelesen…

Fazit

Wer Probleme mit dem Einschlafen hat, könnte durch dieses Buch eventuell eine Wunderheilung erfahren. Es ist zäh, langatmig und entspricht überhaupt nicht den zuvor geschürten Erwartungen. Story und Personen sind durchaus gut, wobei letztere auch zu zahlreich vertreten sind und man oft keine Ahnung hat, wer das denn nochmal war. Auch die Verbindung in die Vergangenheit ist interessant. Aber leider muss ich tatsächlich einen Stern geben. Wegen der Story hätte ich ja noch 2 gegeben, aber da genau diese auch hohe Erwartungen geschürt hat und diese dann enttäuscht wurden, gibt´s nur einen Stern. Wenn ich ein Buch nicht bis zum Ende durchhalte – und das will schon was heißen – dann ist das wohl die höchstmögliche Wertung.

Hier gibt es die Details zum Buch auf der Seite des Verlags

Rezension: Murder Park von Jonas Winner

Murder Park Jonas Winner12 Menschen finden sich an einem „Pressewochenende“ auf einer abgelegenen Insel ein, um vorab den „Murder Park“ zu testen, welcher kurz darauf seine Pforten öffnen wird. Früher war Zodiac Island ein beliebter Freizeitpark, doch dann trieb dort ein Serienkiller sein Unwesen und der Park wurde geschlossen. Nun, 20 Jahre später, soll der Murder Park natürlich die Sensationsgier rund um die Serienmorde befriedigen. Die Personen auf der Insel scheinen alle eine gewisse Verbindung zur Insel zu haben. Als dann die erste Person stirbt und der Kontakt zur Außenwelt abgerissen ist, wird allen klar: Im Murder Park wird’s buchstäblich ein mörderisches Wochenende. Nun gilt: Überleben, bis die erste Fähre kommt und niemandem vertrauen.

Stil, Machart, Meinung

Klar. Eine Insel, eine Gruppe Menschen, einer nach dem anderen tot, kein Kontakt zur Außenwelt, düstere Szenerie, wer ist der Killer? Ein bewährtes Konzept, angefangen bei Agatha Christies „10 kleine Negerlein“ (da gibt’s mehrere Titel) über den Film Mindhunters oder die Serie „Harpers Island. Das Konzept ist nicht neu, aber ich finde das Konzept – wenn es gut gemacht ist – immer wieder genial.  Alle genannten Storys bekommen von mir übrigens dank einer guten Umsetzung 5 Sterne, und so waren bei diesem Buch Erwartung und Vorfreude schon etwas höher als sonst. Das Cover finde ich auch sehr gelungen, und so konnte ich es gar nicht abwarten, bis das Buch in meinem Briefkasten landete.

Die Handlung auf der Insel konzentriert sich auf 12 Personen in einem Hotel, die alle im weitesten Sinne auch in der Vergangenheit mit der Insel oder gar den Morden verbunden waren. Ich brauchte vergleichsweise lange, um mir alle Personen merken zu können und musste mehrmals zur Übersicht blättern. Unterbrochen wird die aktuelle Handlung auf der Insel durch Interviews, die ein eigens für dieses Projekt hinzugezogener Psychiater vor dem Wochenende als Bewerbungsgespräch führt. So bekommt man einen besseren Einblick in die Gedankenwelt der Personen auf der Insel, die in der aktuellen Handlung eher  flach wirken.

Als Hauptperson fungiert Paul, aus dessen Sicht der Leser die Ereignisse erlebt.  Der ist mir zwar nie wirklich sypathisch geworden, aber seine Vergangenheit in Verbindung mit der Insel ist ziemlich dramatisch und er ist auch ein Opfer der damaligen Ereignisse.

Die Schreibe fand ich größtenteils gut, manchmal gab es allerdings langweilige Abschnitte mit meiner Meinung nach eher unwichtigen Beschreibungen, die mich etwas gelangweilt haben. Dieser Thriller hat sich eventuell etwas viel vorgenommen und dann zu wenig Platz, alles vollständig aufzuarbeiten. Ich finde das Rätselraten darum, wer der 12 Personen nun der Killer sein könnte, natürlich ganz hervorragend., und diese Frage hat mich auch bei der Stange gehalten. Es ist mir jedoch auch zu unsicher, ob es einer der Personen auf der Insel war. Auch die Angst der Personen ist mir irgendwie unrealistisch und zu wenig. Ich war glücklicherweise noch nie in so einer Situation, kann mir aber vorstellen das ich nach spätestens der 2. Leiche nicht mehr an Zufälle glauben würde und mich mit Niemand anderem mehr alleine in einem Raum aufhalten würde.

Die Auflösung ist nun schwierig zu beschreiben, da ich nicht spoilern möchte. Da die Leichen sich am Ende wirklich stapeln und sämtliche Tote irgendie zu wenig Raum bekommen, wurde es dafür dann wirklich höchste Zeit.  Tja und dann war das so eine Auflösung, von der ich enttäuscht war. Hatte ich eine Chance, drauf zu kommen? Und warum?

Was lernen wir daraus?

Zunächst einmal wird hier auch wieder deutlich, dass es bei vielen Büchern, Filmen und Serien Geheimrezepte bzw. Erfolgskonzepte gibt. Diese können bei sehr guter Anwendung natürlich nach wie vor bei Generation um Generation Begeisterungsstürme entfachen. Oder sie können andererseits die Erwartungen in die Höhe treiben und dann eventuell enttäuschen. Ich wurde hier sicherlich aufgrund meiner Erwartungen enttäuscht und hatte einfach einen anderen Fokus bei der Story erwartet. Trotzdem bin ich mir sicher, dass dieser Thriller oft die Höchstwertung abstauben wird, da das altbewährte Konzept nach wie vor funktioniert. Leser, die vielleicht noch nichts in diesem Setting gelesen haben, werden wahrscheinlich begeistert sein.

Eine andere Lektion, die hier –mal wieder- sehr deutlich wird: Geschmäcker sind verschieden. Ich wünschte mir, da mir die anderen Geschichten mit diesem Grundgedanken so gut gefallen hatten, etwas Ähnliches. Viele andere finden diese etwas andere Herangehensweise des Autors aber sicherlich mal erfrischend und innovativ.

Fazit

Ich vergebe 3 von 5 Sternen. Natürlich haben meine hohen Erwartungen aufgrund ähnlicher Konzepte in Buch und Film und meine Begeisterung dafür es diesem Buch nicht gerade leicht gemacht. Wer einen schnellen Thriller mit vielen Opfern und eher wenigen zwischenmenschlichen Tönen und Motiven mag, wird hier seine helle Freude haben. Die Insel als ein gruseliger Ort für eine solche Handlung ist perfekt und auch gut dargestellt – mir ging es jedoch eher um die 12 Personen, deren Verbindungen und das Erraten des Killers. Und da liegt der Fokus nicht auf meiner Wellenlänge. Trotzdem war ich bis zum Ende gespannt auf die Auflösung.

Hier geht’s zur Verlagsseite des Buches für mehr Details!