Rezension: Terror von Ferdinand von Schirach

Terror SchirachEin Flugzeug wird von Terroristen gekapert. Sie drohen, die Maschine in die voll besetzte Allianz – Arena in München zu steuern. Der Kampfpilot Lars Koch handelt im letzten Moment und schießt die Maschine ab. Damit ermordet er entgegen seines Befehls 164 Leute – rettet allerdings 70.000 Menschen in der Arena. Nun steht er wegen Mordes vor Gericht. Und der Leser ist der Richter.

Stil, Machart, Meinung

Dieses Buch ist anders. Es ist nämlich, wie der Untertitel schon sagt „Ein Theaterstück und eine Rede“. Die Gerichtsverhandlung ist wie ein Theaterstück geschrieben. Danach findet sich noch eine Rede zum Thema Charlie Hebdo.

Nun zum Wesentlichen: In prägnanten Sätzen präsentiert Schirach dem Leser den Fall in Form einer Gerichtsverhandlung. Man bekommt Details und Zwischentöne und kommt als Leser keinesfalls umhin, sich ein Urteil zu bilden. Man beschäftigt sich unweigerlich mit der Frage, ob man einige Menschen töten darf, um viele Menschen zu retten. Und damit, was uns im heutigen Zeitalter des Terrors die Sicherheit wert ist. Möchte man dafür die Freiheit opfern? Und welche Bedeutung haben Urteile zu diesem Thema auf die Handlungen der Terroristen?

Auch wenn mir die Entscheidung am Ende nicht leicht fiel, habe ich mich entschieden. Geht es um bloße Paragraphen? Muss man den Menschen dahinter sehen? Wohin führt das? Ich werde zu meiner Entscheidung natürlich nichts sagen, das wäre ja Beeinflussung von Lesern..

Ich mag den Stil des Autors: kurz, knapp, mit Zwischentönen, mit Raum für eigene Gedanken und auch Humor werden schwere Geschehnisse und Entscheidungen serviert.

Egal wie der Leser sich am Ende entscheidet: Nach den Schlussplädoyers gibt es beide möglichen Urteile und der Leser kann dann überlegen, ob er beide liest oder nicht.

Was lernen wir daraus?

Dieses Buch wurde ja auch tatsächlich schon verfilmt und ist weltweit als Theaterstück erfolgreich – und das liegt wohl besonders daran, dass der Zuschauer oder Leser am Ende tatsächlich etwas entscheiden muss! Graustufen, Gewissensfragen und dann tatsächlich aktiv eine Entscheidung treffen – das ist neu und hat was!

Dieses Thema ist noch dazu unglaublich aktuell. Schon in den Kriminologie- und Soziologievorlesungen beschäftigten wir uns oft mit dem Thema „Sicherheit versus Freiheit“und in meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit einem kleinen Teil des Themas beschäftigt. Das sind die klassischen Fragen, die nun im aktuellen Kontext faszinierender sind denn je. Terroristen die Flugzeuge kapern – das können wir uns im Moment wohl leider nur zu gut vorstellen.

Aktualität und Mitarbeit des Lesers können also ganz interessante Aspekte sein, wenn man eine eigene Geschichte schreibt..

Fazit

Ich hatte den Film schon geschaut, und eigentlich geht man ja andersrum vor. Aber ich mochte dieses Buch trotzdem sehr. Man ist aktiv dabei, macht sich Gedanken und kommt so auch nach der Lektüre gedanklich oft zu diesem Thema zurück. Die knappen Sätze, die trotzdem so viel aussagen, sind besonders erwähnenswert. Ich werde mir weitere Bücher von Schirach zulegen, denn das sind nicht nur interessante Themen sondern auch interessante Formen der Darstellung. 5 Sterne von mir!

Für die Kommentare: Schuldig oder Freispruch? 🙂

Hier gibt es für die, die das Stück schon kennen, eine interessante Seite mit den Abstimmungsergebnissen in den verschiedenen Ländern, in denen es aufgeführt wurde. Ein interessantes Ergebnis! Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte davon zunächst die Finger lassen!

Hier gibt es die Details zum Buch auf der Seite des Verlages.

 

 

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Ein Kommentar zu „Rezension: Terror von Ferdinand von Schirach

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