Rezension: „Das Dornenkind“ von Max Bentow (Nils Trojan Teil 5)

 Im fünften Fall wird’s für den Berliner Ermittler Nils Trojan wieder sehr persönlich. Denn sein Widersacher aus Fall 1, der Federmann, ist zurück und sinnt auf Rache.

Ich starte mit einer kurzen Erinnerung daran, was in Fall 1 passierte:

Nils Trojan hat nicht mehr so richtig Lust auf seinen Job und ist in Behandlung bei einer Therapeutin, die er äußerst anziehend findet. Dann erscheint der Federmann auf der Bildfläche, er ermordet Frauen mit wallenden blonden Haaren auf bestialische Art und Weise und hat eine besondere Vorliebe für Vögel (Dompfaffen, genauer gesagt). Noch größer ist allerdings seine Vorliebe für das Haar der Opfer, welches er ihnen abschneidet und dann zu seinem persönlichen Federmantel verarbeitet. Am Schluss entführt er die attraktive Therapeutin, Nils Trojan macht sich auf, sie zu retten. Das funktioniert (natürlich) auch, nach einer Verfolgungsjagd kämpft er mit dem Federmann, welcher übrigens mit der Therapeutin zusammenarbeitete, der Federmann fällt am Ende vom Dach des Hochhauses und wird für tot erklärt.

Nun zu Teil 2:

Ohne zu sehr zu spoilern, denn es steht schon überall auf der Rückseite des Buches: Natürlich ist der Federmann nicht tot! Wieso nicht, erfährt man in diesem Teil. Nils Trojan ahnt noch nix, vom drohenden Unheil. Er merkt jedoch ziemlich schnell, dass die Leichen aus seinem neuen Fall eine persönliche Botschaft für ihn bereithalten. Dann kontaktiert ihn die angebliche Tochter des Federmannes und will ihren Vater mit ihm gemeinsam zur Strecke bringen. Kann man der angeblichen Tochter trauen? Was haben die aktuellen Opfer mit dem Federmann zu tun? Wird die Rache des Federmannes gelingen?

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 ..schon steht der Federmann wieder vor der Tür

Wie bereits erwähnt ist dieses Buch der fünfte Teil der Reihe um Nils Trojan, geschrieben übrigens von Max Bentow. Ich möchte deshalb schon jetzt unbedingt sagen: Wer Teil 1 nicht gelesen hat, der wird an diesem Buch hier zwar auch etwas Freude haben – aber eventuell viele Lücken und dadurch definitiv nicht so viel Lesefreude. Ich alter Adrenalinjunkie bin bei diesem Buch tatsächlich mal von meinem Schema abgewichen, Teile einer Serie unbedingt immer nach der richtigen Reihenfolge zu lesen. Man muss ja auch mal etwas wagen. In diesem Fall erschien es mir durchaus möglich, da ich Teil 1 gelesen hatte. Natürlich fehlt einem die persönliche Entwicklung des Kommissars und der anderen Charaktere, wenn man so vorgeht. Nachdem im ersten Teil aber nun der Psychopath wütet, der dann in Teil 5 zurückkehrt, steckt dann vielleicht doch nicht so viel Adrenalinjunkie in mir, wie ich es mir gern einbilden würde. Meine Vorgehensweise und die damit 3 ausgelassenen Bücher zwischen den Büchern war gut, ich hatte es natürlich mit einer plötzlich älteren Tochter zu tun und der Ermittler und die Therapeutin waren mittlerweile ein Paar, wenn auch mit Problemen. Der Tipp also: Bevor man dieses Buch liest, unbedingt (mindestens) Teil 1 „Der Federmann“ lesen. Die Rezension dazu habe ich auch hier auf meinem Blog, ein Klick genügt: Der Federmann von Max Bentow

Stil, Machart, Meinung

Ich muss schon sagen, Max Bentow ist seinem Rezept für einen erfolgreichen Thriller treu geblieben. Wer den Federmann gelesen hat, wird die Parallelen schnell feststellen, ich möchte hier nicht zu viel verraten. Wir haben eine Mordserie, Nils Trojan ermittelt, Nils Trojan merkt das es um ihn geht, jemand gerät in Gefahr, Nils Trojan rettet diesen Jemand durch zu viel Intuition und Glück. Vermischt mit vielen persönlichen Gedanken des Ermittlers und seinem Privatleben ist die Geschichte für mich am Ende doch recht ausrechenbar. Ein paar Überraschungen hat der Autor jedoch trotzdem versteckt. Grundsätzlich erinnert mich das gleiche Grundrezept mit der neuen Story an Karen Rose, welches ich kürzlich in dem Artikel „Das Karen Rose Rezept oder auch: never change a winning story“ vorstellte und lobte. Es ist also nicht direkt etwas schlechtes, wenn der Autor sein Schema beibehält. Hier ist es meiner Meinung nach leider nicht so gut gelungen wie bei Frau Rose .

Anfangs kam ich schleppend in die Geschichte rein. Ich störte mich besonders an vielen sehr ausschmückenden Beschreibungen. Stammlesern dürfte mittlerweile bekannt sein, dass poetisches Geschwafel und unnütze Adjektive mich überhaupt nicht ansprechen. Eigentlich ist der Einstieg eine sehr gruselige und mysteriöse Situation, die einen auf der Stelle zum weiterlesen zwingen müsste. Ich denke, hier lag es wirklich an der Erzählweise. Sie bremste meinen Lesefluss irgendwie aus. Es tauchen im Laufe der Geschichte jedoch mehrere Fragen auf, die den Leser fesseln und unbedingt beantwortet werden müssen. Also las ich weiter, und irgendwann in der Mitte des Buches hatte mich die Story dann wirklich gepackt. Der Autor baut gekonnt Spannung auf und, wie es doch in Thrillern oft so ist, ist am Ende alles irgendwie ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Wendungen, mysteriösen Motive und fesselnden Fragen sind einfach gut gemacht, der Wettlauf gegen die Zeit beschwingt den Leser zusätzlich zu höherem Lesetempo und lässt das Buch schwer aus der Hand legen. Ob ich mich dann an die Erzählweise gewöhnt habe oder der Autor auf Grund der Spannung dann auch Abstand von den Ausschmückungen genommen hat, weiß ich nicht.

Wie auch schon bei Teil 1 bemängelt, ist mir bei den Motiven einiger (wichtiger!) Personen jedoch noch eine Menge unklar geblieben. Da ist einmal die Tochter, dann Trojan, jemand von dem ich hier noch nicht berichten werde (Spoilergefahr) und zu guter Letzt auch der Federmann selbst. Besonders enttäuschend finde ich auch am Ende wieder, dass Trojan genau wie in Teil 1 durch Eingebungen, Bauchgefühl und mit großer Unterstützung von Kommissar Zufall zum Ziel kommt.

Was lernen wir daraus?

Ich muss ehrlich sagen, dazu fällt mir wenig neues ein. Die gleichen Punkte wie schon in der Rezension von Teil 1 der Reihe sind noch aktuell. Ansonsten ist auch das schon im Artikel über Karen Rose erwähnte „immergleiche Erfolgsrezept“ bei Fortsetzungen nur anzuwenden, wenn es auch wirklich überzeugend umgesetzt werden kann. Wie schön erwähnt, werde ich mich beim Schreiben bemühen, das die Motive und Handlungen Sinn ergeben und Kommissar Zufall den Fall nicht ohne den eigentlichen Kommissar löst..

Fazit

„Das Dornenkind“ ist ein solider Thriller, der am Ende echt spannend ist und einige Fragen aufwirft sowie Überraschungsmomente bietet. Man sollte „Der Federmann“ gelesen haben, bevor man sich an die Lektüre macht, sonst macht es meiner Meinung nach eher wenig Sinn. Die Entwicklung des Kommissars von Teil 1 bis Teil 5 wird deutlich, ist jedoch gemessen an den vielen privaten Gedankengängen in diesem Band recht dünn ausgefallen. Ich denke, wer die Vorgänger mochte der wird auch diese Geschichte nicht schlecht finden. So richtig begeistert und voller Jubelstürme bin ich jedoch auch nicht. Irgendwie sind mehrere Fragen zu den Motiven der einzelnen Personen unbeantwortet geblieben und auch die zufälligen Ereignisse am Ende nicht ganz mein Geschmack. Ich denke daher, dass dieser Teil auch mein letzter Teil in dieser Serie gewesen sein wird. Es gibt gute 3 Sterne und eine (wenn auch eingeschränkte) Leseempfehlung von mir. Denn trotz meiner Kritik war ich nach dem holprigen Einstieg gut unterhalten und konnte das Buch am Ende nicht mehr aus der Hand legen. Als das Ende dann erreicht war, blieben das WOW in meinem Gehirn jedoch aus und noch ein paar Fragen offen.

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Rezension: 5 Sterne für „Pretty Girls“ von Karin Slaughter

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Pretty Girls von Karin Slaughter

Heute erscheint nicht nur dieses Buch, sondern auch meine Rezension dazu. Aber keine Angst, ich habe es wirklich komplett durchgelesen! Ich muss gestehen, dass ich vor diesem Buch erst ein Buch von der Autorin Karin Slaughter gelesen habe, und das ist auch schon recht lange her. Warum ich erst jetzt weitermache, weiß ich nicht. Aber das letzte Buch wird dieses hier sicherlich nicht sein, denn es macht große Lust auf mehr.

Hier der Teaser von der Rückseite des Buches:
„März 1991. Nach einer Party kehrt die 19-jährige Julia nicht nach Hause zurück. Die eher halbherzig geführten Ermittlungen laufen ins Leere. Eine Leiche wird nie gefunden. Weder die Eltern noch die beiden Schwestern der Vermissten werden je mit dem Verlust fertig.
Vierundzwanzig Jahre später erschüttert eine brutale Mordserie den amerikanischen Bundesstaat Georgia. Und die frisch verwitwete Claire ist vollkommen verstört, als sie im Nachlass ihres verstorbenen Mannes brutales Filmmaterial findet, in dem Menschen ganz offensichtlich vor der Kamera auf grausame Weise ermordet werden. Eines der Opfer glaubt sie zu kennen. Doch was hatte Paul damit zu tun? Wer war der Mensch wirklich, den sie über zwanzig Jahre zu kennen glaubte? Claire begibt sich auf eine lebensgefährliche Spurensuche, die sie immer dichter an eine unfassbare Wahrheit führt. Und an den eigenen Abgrund..“

Stil, Machart, Meinung
Erfreulicherweise kommt der von mir zitierte Teaser gut an den Inhalt heran ohne zu viel zu verraten, deshalb habe ich ihn genauso übernommen. Was in dieser kurzen Vorschau jedoch nicht zur Geltung kommt (muss es auch nicht, dafür liest man das Buch ja dann!) ist die Raffinesse, mit der die Autorin den Leser in die Story hineinführt. Die Geschichte startet mit einem Brief oder einem Tagebucheintrag eines Vaters an seine verstorbene Tochter. Dadurch erfährt der Leser direkt sehr subjektiv und mit viel Gefühl, wie die verschwundene Tochter war, mehr über die Umstände ihres Verschwindens und was dieses Verschwinden mit den verbliebenen Familienmitgliedern gemacht hat.Im nächsten Kapitel erlebt der Leser mit, wie Claire auf dramatische Art und Weise mit ansehen muss, wie ihr noch immer heißgeliebter Ehemann Paul umgebracht wird. Eine weitere Szene macht den Leser mit Lydia bekannt, einer unglaublich sympathischen Frau mit denen sich sicherlich viele Leserinnen gut und gern identifizieren werden. Sie schaut sich ein Basketballspiel ihrer Tochter an, als sie von ihrem Lebensgefährten über den Tod von Paul (Claires Ehemann) informiert wird. Und wie all diese Personen miteinander verbunden sind, erfährt man erst danach. Denn Claire und Lydia sind die Schwestern der vermissten Julia. Sie haben eigentlich keinen Kontakt mehr, aber dann entwickelt es sich anders. Denn als Claire auf dem Computer ihres verstorbenen Mannes grausame Mordvideos findet, fragt sie sich erstmals ob ihre Ehe und ihr Mann wirklich so perfekt waren, wie sie dachte. Und ob sie dem Detective trauen kann, weiß sie auch nicht mit Sicherheit. Langsam fügen sich die bereits vorgestellten Personen und das Beziehungsgeflecht für den Leser zusammen, aber ob Ehemann Paul nun wirklich ein ganz netter oder doch ein ganz grausamer Mensch war, das wird erst ganz langsam und im Laufe des Buches klar.
Wie du nun vielleicht schon erahnst, baut die Autorin nicht nur geschickt die Beziehung zwischen den handelnden Personen/Familienmitgliedern auf, sondern verknüpft genauso clever auch das Band zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es geht um Familie, besonders um die Schwestern. Und es geht um die Folgen des Verschwindens bis in die Gegenwart. Psychologisch sehr detailliert und liebevoll wird dieses große Geflecht mit Emotionen und unheilvollen Hinweisen aufgebaut, als Leser konnte man sich jedoch trotz der Ausführlichkeit zu keiner Zeit gelangweilt fühlen. Hier muss ich wirklich den Hut ziehen, denn es ist immer noch ein ziemlich blutiger Thriller mit wirklich gruseligen, brutalen Szenen und einer Menge Blut. So geschickt eingebettet ist die Geschichte einfach noch viel packender, als das ich es von anderen Thrillern gewohnt bin.
Und wie ist nun der Plot? -Gut! Es ist alles sehr schlüssig, es gibt eine Menge Wendungen und der Leser weiß bis zum Ende nie so genau, was denn los ist und wer gut oder böse ist. Lydia und Claire stellen das zivile Ermitterduo dar, ihre Beziehung zueinander ist noch sehr fragil und ungeklärt und sie wissen auch sonst nicht, wem sie trauen können. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt und es kommt immer mehr Unglaubliches ans Licht. Wie gesagt, die Wendungen und die Auflösung sind überraschend und gut gemacht. Mir ist tatsächlich nichts aufgefallen, was mir an diesem Buch nicht gefallen hat. Tiefgründig zu schreiben ohne den Leser zu langweilen ist in meinen Augen zudem eine große Kunst.

Themen
Es geht um sogenannte Snuff-Videos und die Macher und Kunden dieser abscheulichen Kunstform. Um Mord. Es geht aber auch um Familie und die Folgen eines Verbrechens. Und um Schwestern. Es geht um Doppelleben und Geheimnisse in einer Ehe und grundsätzlich ist man schockiert, was Menschen so treiben..

Was lernen wir daraus?
Ich habe auf jeden Fall gelernt, das Karin Slaughter es ziemlich drauf hat und ich mehr Bücher von ihr Lesen sollte. Ich lerne ja gern von den Besten..
Fürs eigene Schreiben habe ich gelernt, was eine geschickte Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ausmachen kann. Für meinen ersten eigenen Krimi kann ich das mit den Zeitebenen jetzt nicht mehr gebrauchen, aber für die Geschichte danach finde ich das sehr spannend. Besonders der Blickwinkel darauf, was ein Verbrechen aus Personen oder Familien machen kann und was sich daraus alles so entwickelt, finde ich sehr interessant.
Gelernt habe ich auch, dass man Leser mit tiefgründigen Personen und Geschichten nicht unbedingt langweilt. Viele Autoren schweifen ja mit dem Seelenleben ihrer Hauptpersonen gern soweit ab, das ich regelmäßig gähnend von der Couch kippe. Aber es ist mit Sicherheit auch eine große Kunst, so eine niemals langweilige und tiefgründige Geschichte zusammenzubauen.

Fazit
Man ahnt es schon, ich bin begeistert und habe nix an dieser fesselnden Geschichte auszusetzen – ganz im Gegenteil. Es gibt seltene 5 von 5 Sternen und eine dicke Leseempfehlung für alle, die auf Thriller stehen und eher tiefsinnigen Personen und Geschehnissen nicht abgeneigt sind. Die Geschichte ist jedoch nichts für schwache Nerven und wird den Herzschlag des Lesers an so mancher Stelle beschleunigen..

Rezension: Der Federmann von Max Bentow. Ein Berlin – Psychothriller

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Endlich habe ich es geschafft, mit der Thriller- Serie um Nils Trojan zu beginnen. Da der Teaser auf der Rückseite des Buches dieses Mal weitestgehend zutrifft, spare ich mir eine eigene Inhaltsangabe und dir Zeit. Hier der Inhalt laut der Buchrückseite:

Er tötet Vögel – und Frauen mit blondem Haar. Niemand kennt sein Gesicht. Außer einem kleinen Mädchen. Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord: Wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der Federmann einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Unterstützt von der Psychologin Jana Michels macht sich Trojan an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele.
Stil, Machart, Meinung
Zunächst einmal das Wichtigste: Das Buch liest sich flüssig weg. Es beginnt spannend und man will jederzeit wissen, wie es denn weitergeht. Am Ende ist es ein spannender Wettkampf gegen die Zeit, und auf einmal ist das Buch auch schon vorüber. Wann immer es mir bei einem Buch so geht, dann war es gut.
Die Geschichte spielt in Berlin und ist durch die vielen Straßenangaben und sonstigen Anhaltspunkte auch eine Art Regionalthriller. Berliner dürften sich an den vielen realen Gegebenheiten sehr erfreuen, Ortsunkundige (wie ich) werden sich davon nicht gestört fühlen.
Der Autor legt den Hauptaugenmerk bei seinen Schilderungen auf den Akt des Tötens und die Art und Weise, wie die Opfer aufgefunden werden. Wer ein zu zartes Gemüt für die detaillierten Beschreibungen der doch recht kranken Art der Morde und die schonungslose Beschreibung der Leichen hat, sollte sich vielleicht eher nicht an dieses Buch heranwagen. Es birgt definitiv einige Elemente für alptraumreiche Nächte. Ich bin nur froh, dass meine Haarpracht nicht blond ist.
Die Auflösung, wie es in Thrillern ja im Vergleich zu Krimis meistens ist, findet eher durch die (rasanten) Geschehnisse statt und nicht durch den Leser. Man kann die Lösung nicht wirklich selbst erraten sondern liest mit, wie Kommissar Trojan durch teilweise gutes Kombinieren und natürlich auch ein paar wirklich gewagte Vermutungen ans Ziel gelangt. Am Ende denkt man dann vielleicht „ach ja, ok, macht Sinn.“ Was man natürlich erahnen kann, sind so manche Szenen. Man ahnt irgendwie, wer noch in Gefahr gerät und in einzelnen Szenen natürlich auch was gleich passieren wird. Grundsätzlich also sehr gut gemacht, der Autor spielt geschickt mit der Angst und Vorahnung des Lesers. Ein bisschen mehr Chance, auf die Lösung selbst auch zu kommen, hätte ich mir vielleicht noch gewünscht. Dieses darf ich allerdings nicht bemängeln, denn wenn das unbedingt sein muss, hätte ich mir wohl eher einen klassischen Krimi aussuchen sollen.
Etwas schade finde ich, dass das Hauptaugenmerk, wie im vorherigen Absatz beschreiben, nicht etwas mehr auf der Psyche des Killers liegt. Die Bezeichnung „Psychothriller“ auf dem Titel finde ich etwas unpassend, denn so viel Psycho ist trotz Therapeutin in der Geschichte nun auch nicht zu finden. Die Motive und damit verbundene Hinweise auf den Thriller hätten mich schon während der Erzählung interessiert, die Aufklärung samt Hintergründe erfolgt dann aus der Sicht des Täters aber erst ganz am Ende. Ehrlich gesagt stört mich dieser Punkt jetzt aber auch nicht sehr stark, denn ich war wie schon gesagt das gesamte Buch über gut unterhalten, blätterte die Seiten in Windeseile um und somit hat das Konzept offensichtlich funktioniert.
Ein weiterer, kleiner Kritikpunkt ist die Beschreibung der „Actionszenen“ am Ende. Ich bin mit reichlich Fantasie gesegnet (sonst hätte ich wohl auch nicht so viel Spaß am Lesen und Schreiben), muss allerdings zugeben das ich am Ende etwas verloren war. Ich möchte nun natürlich nichts vom Ende verraten, deshalb nur so viel: Bei der rasanten Beschreibung hatte ich mehrmals einfach nur Fragezeichen im Kopf, eine Sprechblase von mir lesend in einem Comic hätte einfach nur die ungenau formulierte Frage „Häää?“ erhalten, und das mindestens 5 Mal.

Der Ermittler und die Reihe
Der Ermittler, Nils Trojan, ist eine interessante Figur. Auf der einen Seite entspricht er dem mittlerweile recht gängigen Ermittlertypus des geschiedenen, alleinlebenden Kommissars. Irgendwie sitzt er dann doch jeden Abend allein mit Alkohol in der Wohnung, wenn er nicht gerade an einem Tatort ist. Für seine Tochter hat er auch nicht wirklich viel Zeit. Andererseits geht er regelmäßig zu einer Therapeutin und versucht, seine Probleme zu bekämpfen. Das ist ja eher ungewöhnlich, für so einen harten und einsamen Wolf. Vielleicht liegt es allerdings auch daran, dass die Therapeutin sehr attraktiv ist. In dieser Richtung entwickelt sich natürlich etwas..
Die Gedankengänge des Kommissars, besonders die privaten, nehmen einen großen Raum ein –stören aber nicht. Irgendwie sind die privaten Gedanken auch oft mit dem Fall verknüpft oder erweisen sich als hilfreich, das finde ich durchaus gelungen. Trotzdem muss ich mich wundern, dass am Ende trotz der vielen privaten Empfindungen und auch der Erzählperspektive des Ermittlers nicht so viel Sympathie für Nils Trojan bei mir ankam, wie es wohl vorgesehen war. Er war mir schon sympathisch und ist definitiv ein Held, aber so ganz mein Typ Mensch war er dann vielleicht doch nicht.
Dieses Buch (Originalausgabe erschien 2011) ist das erste Buch, welches ich von Max Bentow gelesen habe und Teil 1 der Thriller-Reihe um Nils Trojan. Die Personen in seinem Leben und seine Person selbst bieten definitiv eine Menge Stoff für weitere Fälle, und da es bis jetzt auch schon weitere Bände gibt hat der Autor das Potential sicherlich gut ausgeschöpft. Neidvoll muss ich anerkennen, dass ich von der Effektivität des Autors begeistert bin. 2011 erschien Teil 1 und nun liegt bereits der 5. Teil auf meinem SuB.
*Achtung, Spoiler!*
Der 5. Teil auf meinem SuB, „Das Dornenkind“, soll davon handeln das der Federmann (also der Killer aus diesem, dem ersten Band) zurückkehrt. Ich wusste es vorher, da es ja groß auf dem 5. Buch steht, und wusste damit auch, dass das Ende dieses Buch noch nicht alles war. Ich werde jetzt, und das ist wirklich untypisch für mich aber auch gleichzeitig mal ein Experiment, vom ersten Band direkt zum fünften Buch springen und mal schauen, wie es sich so macht. Ich werde dann sicherlich einiges im Leben des Ermittlers verpassen, steige dafür aber direkt nach Band 1 ein, was den Federmann betrifft. Da ich sonst immer die Reihenfolge einhalte, will ich mal schauen wie das so klappt. Und wenn das Buch dann genau so gut war, überlege ich mal ob ich nicht Band 2-4 auch noch anschaffe..

Was lernen wir daraus?

Ich würde sagen, erstaunlich und motivierend ist auf jeden Fall die Tatsache, das Max Bentow Band 1 dieser Reihe 2011 veröffentlicht hat und nun, ende 2015, bereits der 5. Band erschienen vor mir liegt. Das ist vorbildliches Arbeiten!

Ausserdem werde ich die Actionszenen in meinem Krimi noch einmal genauer überprüfen und schauen, ob sich die Leser auch wirklich die rasanten Szenen gut vorstellen können – das diese Szenen sehr schwierig sind, habe ich beim Schreiben übrigens auch schon gemerkt. Mein Mann musste eine Szene mit mir vor dem Schlafzimmerspiegel nachstellen, um Klarheit bei der Beschreibung zu schaffen (Nein, es war nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst..).

Fazit
Dieser Thriller hat mir gut gefallen, denn ich wollte zu jedem Zeitpunkt unbedingt weiterlesen und fühlte mich demnach sehr gut unterhalten. Der Plot ist gut, die Ideen von Max Bentow sind gut (und gruselig), es ist flüssig geschrieben und zu keiner Zeit kommt Langeweile auf. Ein bisschen mehr Tiefgang in Sachen Tätermotiv hätte mir gefallen und etwas mehr Hilfe fürs Kopfkino bei den Actionszenen hätte auch nicht geschadet, aber ich vergebe gern 4 Sterne und lese jetzt wie gesagt direkt das nächste Buch von dem Autor. Für zarte Gemüter ist der Thriller vielleicht nicht so geeignet, wenn diese Gemüter dann auch noch blondes Haar und Angst vor Vögeln haben, rate ich vom Lesen eher ab. Ansonsten kann ich es den Lesern von Krimis und Thrillern wärmstens empfehlen und bin sicher, diese Reihe ist mit Recht so erfolgreich und in aller Munde.

PS: Für mehr Informationen schaut doch gern mal auf der Homepage von Max Bentow vorbei, sie ist sehr schön gestaltet und dort gibts auch die Informationen über alle 5 Bände und natürlich den Autor selbst.