Rezension: Es klingelte an der Tür von Rex Stout

Rex Stout es klingelte an der TürEs klingelte an der Tür von Nero Wolfe, und der Privatdetektiv sah sich direkt mit einem lukratien und ungewöhnlichen Auftrag konfrontiert. Die reiche Rachel Bruner hat ein Enthüllungsbuch über das FBI gelesen und fand es so gelungen, dass sie direkt 10000 Exemplare gekauft und an wichtige Leute verschickt hat. Das FBI scheint weniger entzückt von dem Buch und der reichen Frau, woraufhin sie nun von der Behörde überwacht wird. Der Privatdetektiv soll dafür sorgen, dass das FBI damit aufhört und stößt nebenbei auch noch auf einen ungeklärten Mordfall. In Anbetracht des Schecks über 100000 Dollar erklärt er sich damit einverstanden, diesen unlösbaren Fall zu lösen.

Rex Stout, Nero Wolfe und die Reihe

Ich hatte auch vor diesem Buch schon 2 oder 3 Bücher von Rex Stout gelesen, aber das ist auch schon sehr lange her. Es gefiel mir immer, aber Agatha Christie fand ich dann doch immer besser. Nero Wolfe und sein Assistent Archie Goodwin ermitteln in New York, wobei der wohlbeleibte Nero Wolfe es vorzieht dabei möglichst wenig das Haus zu verlassen. Die Erzählungen sind in der Ich- Perspektive aus der Sicht des Assistenten geschrieben. Das Original „The doorbell rang“ wurde 1965 veröffentlicht, in Deutschland erschien es 3 Jahre später als „Per Adresse Mörder X“ und war Buch 28 der Reihe um Nero Wolfe, die insgesamt aus 33 Romanen und 41 Erzählungen besteht.  Als nun diese Neuauflage in meine Hände geriet, hat mich sofort die neue Version des kleinen Büchleins begeistert. Die Retro – Aufmachung finde ich sehr passend und hochwertig. Viele Details und Personen sind dem Quereinsteiger in dieser Reihe komplett unbekannt, daher sollte man wohl chronologisch vorgehen, muss aber auch nicht.

Stil, Machart, Meinung

Auf dem Cover gibt es keinen Hinweis darauf, was dieses Buch denn nun ist. Ich würde es mal Kriminalroman nennen, eine klassische Story über die Ermittlung von 2 Privatdetektiven mit einem Mord in der Nebenhandlung. Da sich die Detektive mit dem FBI anlegen und durch manche Gedankengänge, hat das Ganze auch eine politische Dimension die nicht nur damals, sondern auch heute aktuell ist.

Besonders amüsiert haben mich viele Dialoge und Bemerkungen, die genau mein Humor sind.  Etwas vermisst habe ich einen etwas tiefergehenden Hintergrund der Hauptpersonen dieses Buches. Die Personen Wolfe und Goodwin fand ich hingegen sehr gut dargestellt, mich als Gourmet haben übrigens die auffällig vielen Beschreibungen von Essen (der damaligen Zeit) begeistert. Ich denke, der Autor hat Essen sehr geliebt. So viel Raum das Essen bekommt, so wenig Raum bekommen die Beweggründe der handelnden Personen. Die Erklärungen sind da meiner Meinung doch sehr dünn und nicht so ganz nachvollziehbar. Der Kniff von Nero Wolfe zur Lösung der Fälle ist jedoch wieder gut, und das Nachwort von Jürgen Kaube sowie Fundstücke über Wolfe und Goodwin aus dem Rex – Stout- Archiv am Ende finde ich auch sehr gelungen.

Die Geschichte an sich ist eher kurz, wobei sie mir doch an manchen Punkten zu ausschweifend war, an anderen hätte ich mir ruhig mehr Hintergrundinformationen gewünscht, die die Motive der Personen und damit deren Handlungen besser erklären.

Was haben wir daraus gelernt?

Mal wieder habe ich gelernt, dass gut dargestellte Ermittler den Erfolg einer Reihe garantieren können. Über den Erfolg der Reihe und der Ermittler lässt sich nicht streiten, deshalb möchte ich meine Kritikpunkten vom vorherigen Absatz nicht als Fehler bezeichnen – der Mann hatte einen riesigen Erfolg und das Ganze ist Geschmackssache. Die Ermittler auf jeden Fall sind ganz sicher ein Lottogewinn. Der 140kg schwere Boss, der sich besonders der Zucht von Orchideen, dem Genuss von Essen und der Literatur verschrieben hat. Er möchte (wie Hercule Poirot) den Schreibtisch möglichst nicht verlassen (das Gewächshaus mal ausgenommen!), und dafür hat er seinen Assistenten als Ermittler in der verhassten Außenwelt. Dieser macht einen soliden und zunächst langweiligen Eindruck, gewinnt den Leser dann aber schnell mit seinen ironischen Beobachtungen und besonders auch seiner Leidensfähigkeit gegenüber der Merkwürdigkeiten seines Chefs für sich. Diese Kombination ist super!

Fazit

Ein Kriminalroman der alten Schule, mit wenig Mordfall und keinem Blut. Ein Privatdetektiv, der das FBI überlisten will, ist ja schon eine gute Idee. Ich hätte die Geschichte wesentlich besser gefunden, wenn mir die Motive besser beschrieben worden wären, da gäbe es eine Menge Potential. Das Ermittlerduo, das Leben im Hause Wolfe und das viele Essen fand ich gelungen. Am besten waren aber die humorvollen Dialoge und Beobachtungen. Ich vergebe 3 Sterne und schließe es nicht aus, noch mal ein Buch aus dieser Reihe zu lesen.

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Rezension: Der dunkle Grund des Sees von Stefanie Kasper

der-dunkle-grund-des-sees-stefanie-kasperAm Ufer des Forggensees wohnen die Adoptiveltern von Isabel Radspieler. Als Elisa, Isabels Adoptivmutter, im Sterben liegt, soll die Tochter unbedingt nach Hause kommen. Sie schafft es leider nur zur Beerdigung rechtzeitig, zieht dann allerdings wieder in ihr altes Kinderzimmer, um sich um den Vater zu kümmern. Dort findet sie in ihrem alten Versteck ein mysteriöses Erbe, versteckt von ihrer Mutter vor dem Tod. Sie soll herausfinden, was mit den Eltern und der Schwester von Elisa 1954 passiert ist. Diese waren spurlos verschwunden, nachdem der Forggensee aufgestaut und das Dort geflutet wurde. Und so macht sich Isabel auf die Suche und stößt bei ihren Recherchen auf Familiengeheimnisse, Zeitzeugen und Gefahren.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Kriminalroman ist mehr Roman als Krimi. Es liegt zwar zu jeder Zeit etwas Bedrohliches über der Erzählung, in erster Linie hält die Autorin sich jedoch mit den regionalen Besonderheiten rund um den Forggensee in Gegenwart und Vergangenheit auf und legt einen großen Fokus auf die emotional arg gebeutelte Hauptperson. Zunächst kam ich genau deshalb schlecht in die Erzählung hinein. Ich muss dazu sagen, dass ich- Nordlicht- keinen Schimmer hatte, dass es überhaupt einen Forggensee gibt oder was da historisch so los war. Ich denke mir, das die bayrischen Leser auf Grund der Bekanntheit des Forggensees wahrscheinlich sofort Feuer und Flamme sein werden.

Trotzdem war ich zunächst ziemlich ernüchtert von der Lektüre und hatte wenig Lust, diese überhaupt fortzusetzen. Ich hatte den Teaser auf der Rückseite des Buches gelesen und es dauerte zunächst ziemlich lange, bis die Handlung überhaupt über die Ankündigungen hinausging. Das ist natürlich recht ernüchternd, wenn man hohe Erwartungen an die Ermittlungen und Familiengeheimnisse der Vergangenheit hegt.

Die Hauptperson ist einem nicht gerade sympathisch. Mitleid hat man mit ihr, da ihre Zwangsstörung sie an so ziemlich allem hindert. Da ich mir nun eher eine Ermittlung in Sachen Krimi erhofft hatte, war mir die Perspektive der zumeist handlungsunfähigen Isabel doch viel zu lang. Andererseits ist das auch mal etwas anderes und man bekommt einen wahrscheinlich ganz realistischen Einblick in Angststörüngen, die mir auch gut recherchiert erschienen (ich habe aber keine Ahnung, kann das deshalb nur mutmaßen). Die Recherchen zum Thema Forggensee und dessen Vergangenheit schienen mir auch sehr fundiert, ich habe zunächst auf Wikipedia nachschauen müssen, wo genau der liegt und was es damit auf sich hat. Nach meiner kurzen Lektüre würde ich sagen, die Autorin hat mit großer Leidenschaft zu dem Thema gut recherchiert.

Meine anfängliche Trägheit und Frustration hat sich dann mit dem letzten Drittel der Geschichte gelegt. Endlich wurde es spannend, die Familiengeheimnisse und Verkettungen in der Vergangenheit hatten es doch in sich und der Plot war im Nachhinein auch sehr gut. Ehrlich gesagt hätte ich das Buch jedoch nach einer Zeit abgebrochen, würde ich meine Verpflichtung als Buchblogger nicht ernst nehmen. Ich lese nicht jedes schlechte Buch bis zum bitteren Ende, aber dieses hier hatte noch Potential genug, sodass ich nicht aufgeben wollte. Das wurde dann auch belohnt. Ich mag gerne Krimis, die sich mit Geschehnissen in der Vergangenheit beschäftigen und einen guten Plot und eine gute Auflösung haben. Hier war es mir jedoch ein sehr zäher Einstieg.

Dieses Buch ist eine eigenständige Erzählung ohne Potential für eine Fortsetzung.

Was lernen wir daraus?

Zunächst habe ich erneut gelernt, dass ein Klappentext enorm wichtig ist. Wenn die Vorankündigung schon die Handlung bis zur Mitte des Buches vorwegnimmt, dann ist der Einstieg äußerst zäh und die Überraschungen und Spannung sind bis zu der Stelle gleich 0. Einzig die Bedrohliche Stimmung und ein verstricktes Familiengeheimnis konnten mich als Leser einigermaßen bei der Stange halten.

Gute Recherche zahlt sich aus. Man merkt, dass die Autorin ein persönliches Interesse an dem Forggensee und dessen Geschichte hat. Sie weiß, wovon sie spricht und hat die reale Geschichte des Sees geschickt mit ihrer Fantasie verknüpft. Auch zu Angststörungen scheint sie gut recherchiert zu haben. Und der Leser, in dem Fall bin das ich und hatte vorher keine Ahnung, hat auch etwas gelernt.

Fazit

Ich hatte bis zur Hälfte des Buches mehrmals überhaupt keine Lust, weiterzulesen. Es hat mich wenig gepackt, der Fokus auf den regionalen Begebenheiten und der gelähmten Hauptperson haben mich gelangweilt.  Dann wurde meine Geduld doch noch belohnt und es offenbarte sich ein guter Plot mit mehreren Versionen der Vergangenheit und einer realen Gefahr in der Gegenwart. Wer auf Regionalkrimis, historisches und eine langsam in Gang kommende Geschichte mit vielen Details und anfangs wenig Spannung steht, für den ist dieses Buch genau richtig. Wer aus der Gegend um den Forggensee kommt oder dort Urlaub machen möchte oder gemacht hat, für den ist das Buch quasi ein Muss. So ein richtiger Krimi mit Spannung und der Jagd nach dem Mörder, das ist für mich im Idealfall noch etwas anderes. Ich vergebe noch 3 Sterne, da ich am Ende des Buches auf einmal doch gefesselt war und ich etwas neues gelernt habe.

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Rezension: Das Kind im Wald von Sarah Graves

Von der Bostoner Mordkommission ins kleine, hinterwäldlerische Bearkill (was ein Name!) als Vermittlungsbeamtin. Ddas-kind-im-wald-sarah-gravesas ist das Gegenteil einer Beförderung. Und doch macht Polizistin Lizzy es aus eigenem Antrieb, denn sie hat einen wichtigen Tipp bekommen: Ihre Nichte, die nach der Ermordung ihrer Schwester vor wenigen Jahren spurlos verschwand, soll dort gesehen worden sein. Aber auch ihr Boss hat sie nicht ohne Hintergedanken eingestellt, er ist an einem Fall dran, bei dem er die Hilfe einer erfahrenen Ermittlerin braucht. Denn mehrere pensionierte Polizeibeamte haben in der Gegend in einer zu kurzen Zeitspanne angeblich Selbstmord begangen. Das kann kein Zufall sein..

Während Lizzy sich also an das ganz neue Leben in einem kleinen Dorf gewöhnen muss, hat sie alle Hände voll zu tun. Und gleich zwei Männer werben noch dazu um ihre Gunst.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Kriminalroman bietet gute Grundvoraussetzungen, mir zu Gefallen: ein abgelegener Ort, eine eingeschworene Dorfgemeinschaft, eine clevere und toughe Ermittlerin mit Herz und gleich zwei ungeklärte Umstände: ein verschwundenes Kind und potentielle Serienmorde an pensionierten Polizisten.

Die Schreibweise ist sehr gut, flüssig, spannend und auch in den eher unspektakulären Szenen nicht langweilend. Humor blitzt oft durch und die Hauptperson Lizzy Snow gefällt mir sehr. Auch die Wechsel der Perspektiven sind gelungen, ebenso die Entwicklung und die Klärung, wie es denn alles zusammenhängt, gefallen mir.

Das Buch beginnt mit einer spannenden Szene und führt den Leser dann eher gemächlich an die Sache ran. Nach der längeren Phase der Vorstellung und dem Ankommen der Hauptperson folgt dann plötzlich Action und eine Menge auf einmal. Und gerade da liegt mein Problem: die Ansätze sind alle gut, aber ich glaube es ist zu viel. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber in einem vergleichsweise dünnen Buch findet sich die Suche nach einem Kind bei der ich gern mehr von der Vorgeschichte erfahren hätte. Dann gibt’s diese toten alten Cops, von denen man schon mehr erfährt, bei der die Ermittlung allerdings viel mehr Raum hätte finden können. Nebenbei wird anderen Dingen, welche dann nicht unbedingt so viel Bedeutung haben, viel Platz  gegeben. Und die Frage, ob man den einzelnen, sympathisch rüberkommenden Dorfbewohnern wirklich trauen kann, fand ich sehr interessant und etwas kurz. Ich denke, die Autorin hat sich auf zu wenig Raum viel zu viel Handlung vorgenommen und dabei die Balance nicht nach meinem Geschmack eingerichtet.

Was lernen wir daraus?

Ich weiß nicht, wie oft ich es schon aus einem Buch gelernt habe, aber hier wird es wieder unglaublich deutlich: Die Balance muss stimmen! Wie schon vorab geschrieben, muss man den wichtigen Dingen einfach mehr Raum geben als den nicht ganz so wichtigen. Wir haben zum Beispiel eine Szene, in der Lizzy Snow ein Schwein sucht und findet. Die ist ganz lustig, aber den Platz hätte man dann auch für den Mord an ihrer Schwester und das Verschwinden der Nichte abgeben können – denn das treibt die Ermittlerin ja nun in die Einöde und immer mehr auch in große Gefahr. Es gibt zu viele Perspektiven und Handlungsstränge. Ich finde es immer gut, wenn es davon viel gibt – aber es muss gut miteinander verwoben sein und die Balance muss stimmen. Vielleicht ist der Hauptstrang dann auch noch eine ganz andere Perspektive eines Jungen aus dem Dorf.. ich war mir zwischenzeitlich nicht sicher. Verwoben sind die Erzählstränge gut, nur die Balance stimmt hinten und vorne nicht – jedenfalls für mich. Auch hier ist es ja wieder einmal sehr subjektiv und schwer.

Fazit

Das Buch habe ich sehr schnell gelesen, aber ich liege auch krank im Bett und das Buch ist jetzt nicht gerade ein Wälzer. Es las sich trotzdem gut weg und hatte am Ende auch eine Menge Action zu bieten, hätte an einigen Stellen aber definitiv in die Tiefe gehen müssen. Ich vergebe „nur“ 3 Sterne, da ich im Vergleich vieler anderer Bücher denen ich 4 oder 5 Sterne verliehen habe noch sehr viel mehr Luft nach oben habe. Trotzdem sehe ich eine Menge Potential für die Reihe um Lizzy Snow, wenn die Autorin sich denn besser aufs Wesentliche konzentrieren kann. Auch wenn die Note eher mittelmäßig ist und ich oft nach 3 Sternen den Autor von meiner Leseliste streiche: Ich werde mit Sicherheit den zweiten Teil lesen, denn die Ermittlerin und die anderen vorgestellten Charaktere sowie das Mysterium um ihre Nichte sind sehr vielversprechend. Ein Kriminalroman mit guten VOrraussetzungen auch für Folgebände und vielen offenen Fragen, und auch sehr vielen Thriller- Elementen und Action.

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„Wie man den Schwedenkrimi des Jahrhunderts schreibt“; Rezension außer Konkurrenz

wie-man-den-schwedenkrimi-des-jahrhunderts-schreibtIn „wie sie den Schwedenkrimi des Jahrhunderts schreiben“  geht es  –Überraschung!-  darum, wie man den Schwedenkrimi des Jahrhunderts schreibt. Ob die Lektüre dabei hilft, den Schwedenkrimi des Jahrhunderts zu schreiben? Da bin ich mir allerdings nicht ganz so sicher. Es geht hier um Klischees, gute Beobachtungen, und eventuell auch ein paar kleine Ansätze, die dann für das Schreiben eines Krimis nicht so verkehrt sind. Es geht aber vor allem um Humor! Denn dieses eher in Comic-Form gestaltete Buch nimmt Schwedenkrimis sehr gekonnt auf die Schippe. Die Comics sind so, wie auch auf dem Cover abgebildet und nehmen in der Regel jeweils eine Seite ein. Es geht um die Frage, die schon der Titel beinhaltet. Es werden durch die Zeichnungen vor allem die Eigenarten der schwedischen Kriminalliteratur lustig und treffend hervorgehoben. Allgemeine Tipps wie „erwähnen sie irgendwann ein richtiges Buch, damit der Leser denkt sie hätten richtige Bücher gelesen“ (im Comic ist es Krieg und Frieden) und ein paar „Schwedenkrimi- Klassiker für die ganz Eiligen“ (Klassiker in drei kleinen Bildern zusammengefasst, sehr gelungen!) lockern den normalen Handlungsstrang um eine kleine, typische Krimihandlung wunderbar auf.

Dieses Buch hier läuft außer Konkurrenz zu den normalen Rezensionen, denn es ist einfach eine wunderbar unterhaltsame Lektüre für Zwischendurch, die Krimifans und Krimiautoren gleichermaßen sehr amüsieren wird, wenn man sich denn auf diese spezielle  Form einlassen mag. NAtürlich sollte man auch schon ein paar Schwedenkrimis gelesen haben, sonst macht das ganze ja keinen Sinn. Da Weihnachten in naher Zukunft liegt, wollte ich euch Lesern, von denen ja viele Krimi-Fans sind, einen kleinen Tipp geben. Ich habe das Buch sehr fix gelesen, denn es ist ja eher in Bildform. Dabei habe ich einige Male sehr gelacht und durchgehend geschmunzelt. Zwei meiner Besucher haben beim kurzen Durchblättern auch sehr viel Spaß gehabt. Ob ich durch die Lektüre jetzt den nächsten Schwedenkrimi des Jahrhunderts schreibe?. Wohl eher nicht, denn mein Krimi wird in Deutschland spielen..

Fazit

Der Autor Hendrik Lange scheint durch diese „.. für Eilige“ – Comics groß raus gekommen zu sein, und das im Klappentext erwähnte „Weltliteratur für Eilige“ wird sicher auch bald einen Platz in meinem Bücherregal haben. Es ist ein lustiger Comic über Schwedenkrimis, Satire, gute Beobachtung, treffend gezeichnet, sehr kurzweilig. Der Autor trifft meinen Humor und tatsächlich mit vielen Beobachtungen über Schwedenkrimis auch den Nagel auf den Kopf!

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Rezension: Mainschatten von Anja Mäderer

mainschatten-anja-maderer-emonsEin Tanzlehrer liegt tot im Kostümkeller der Tanzschule. Offensichtlich ist der Diabetiker die Treppe heruntergefallen, nachdem er Probleme bei der Dosierung seiner Medikamente hatte. So lautet die offizielle Version, bis der Gerichtsmediziner sich wundert. Anfängliche Befragungen verhärten den Verdacht auf Mord, denn der sportliche Tanzlehrer hatte seine Krankheit im Griff und noch nie Probleme mit der Dosierung seiner Spritzen..

Um herauszufinden, wer etwas gegen den Tanzlehrer gehabt haben könnte, muss das Würzburger K1 um die Kommissare Nadja und Peter ungewöhnliche Methoden anwenden. Denn die Tür zur Tanzschule war nach dem Mord abgeschlossen und 10 Personen haben einen Schlüssel. Um herauszufinden, welcher Schlüsselbesitzer der Mörder ist, begibt sich die Kommissarin auf eine Undercover – Mission und beginnt einen Intensivkurs, um sich Zugang zum  Kreis der Tanzschul-Mitarbeiter zu verschaffen.

Die Reihe

Der zweite „Franken Krimi“ von Anja Mäderer ist auch Teil 2 um das Ermittlerduo Nadja und Peter, kann allerdings auch problemlos ohne das Vorwissen aus Band 1 „Mainleid“ konsumiert werden. Natürlich ist es immer etwas schöner, eine Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen..

Ich habe dem ersten Krimi begeisterte 5 Sterne verliehen. Für die Rezension einfach hier klicken!

Stil, Machart, Meinung

Zunächst: Wie schon angeklungen ist, handelt es sich bei diesem Buch um einen Krimi. Ein Regionalkrimi; noch genauer:  Franken Krimi. Einerseits haben wir hier einen Regionalkrimi, der anscheinend auch sehr viele Würzburger Orte originalgetreu beschreibt. Andererseits haben wir hier die moderne Version der klassischen Whodunnit – Krimis, wie man sie beispielsweise von Agatha Christie oder Arthur Conan Doyle kennt. Der Leser muss selbst auch auf Mörderjagd gehen und die kleinen grauen Zellen anstrengen..

Die Autorin schreibt, wie schon in Band 1, fluffig, mit Humor und liebevoll gezeichneten Charakteren. Einzig die kleinen kursiven Abschnitte aus Sicht einer zunächst unbekannten Person sind nicht ganz so mein Fall, da sie mir etwas zu hochgestochen auch nicht unglaublich wichtig erscheinen. Aber diese Abschnitte sind auch nicht sehr zahlreich und wie schon gesagt: kurz!

Der guten Beschreibung und Darstellung der vielen Charaktere ist es zu verdanken, dass man sich die 10 Verdächtigen und Kollegen in der Mordkommission schnell und gut einprägen kann. Das möchte ich noch mal hervorheben, denn das ist bei so vielen Personen auf vergleichsweise kleinem Raum nicht selbstverständlich.

Das Konzept des geschlossenen Raumes ist in der Kriminalliteratur kein Unbekanntes. Schon Edgar Allan Poe oder meine Lieblingskrimiautorin Agatha Christie haben sich bei diesem Element bedient, um den Leser an dem Rätsel um den Mörder teilhaben zu lassen. Ein geschlossener Raum ist meist der Tatort, und es werden so Rätsel in Sachen Tatzeit, Tathergang und Täter aufgeworfen. Hier mal der Link zu Wikipedia, falls Interesse an der Sache besteht.  In diesem Krimi ist die Sache einfach gelöst, es ist nicht der geschlossene Raum sondern die abgeschlossene Tanzschule. 10 Leute haben einen Schlüssel, einer von ihnen muss es gewesen sein.

Was lernen wir daraus?

-Ich für mich habe mal wieder gelernt, dass die klassischen Whodunnit – Krimis einfach genau das richtige für mich sind. Da die Altmeister des Genres mittlerweile nicht mehr unter uns weilen (im eigentlichen Wortsinn eigentlich ja schon, weil unter der Erde..) , freue ich mich immer besonders, wenn man dieses klassische Konzept auch in der heutigen Zeit anwenden kann. Hier ist das besonders gut gelungen, da auch der Schreibstil und die Charaktere sehr gut sind. Bei meinem eigenen Krimi versuche ich genau das gleiche, denn der erste Mord findet auch in einem geschlossenen Raum statt. Ich hadere allerdings mit der Personenbeschreibung. Man muss den Leser schnell an viele Verdächtige heranführen, sodass er sich diese Personen auch halbwegs merken kann. Man braucht eventuell besondere Charaktere, in diesem Krimi hier beispielsweise der „Pater“, der nicht so verklemmt ist wie erwartet oder der total gut aussehende Tanzlehrer, der reihenweise Frauen abschleppt. Sowas merkt man sich!

Fazit

Ich vergebe diesem Krimi, genau wie auch dem Vorgänger „Mainleid“, 5 Sterne. Ich habe einfach nichts auszusetzen und möchte auch das dritte Buch der Reihe unbedingt lesen. Das klassische Krimi-Prinzip (Whodunnit, geschlossener Raum) wurde gut in die heutige Zeit übertragen. Der Schreibstil, die liebevoll und gut beschriebenen Personen sowie das Beziehungsgeflecht und die Auflösung sind logisch und zwischendurch hat man auch lustiges, trauriges und gefährliches erlebt. Das Buch liest sich schnell weg und ich kann es wirklich nur empfehlen. Die Regionalkrimi- Reihe um das Würzburger Kommissariat sind in meinen Augen ein echter Geheimtipp für Fans von klassischen Krimis, mit vielen interessanten Persönlichkeiten und spannenden Rätseln.

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Rezension: Scherbenkind von Britt Reißmann

scherbenkind-britta-reismannDer anonyme Anruf eines Kindes geht beim Polizeipräsidium in Stuttgart ein. Der Fall geht an Hauptkommissarin Verena Sander, die durch einen ähnlichen Anruf eine Verbindung zu einem alten Mordfall herstellen kann. Bald ist ein unbekannter Toter aus einer Kleingartensiedlung identifiziert, Spuren führen zu einer regional bekannten Rockband. Das Kind ist zwar immer noch nicht gefunden, aber der Fall wird zunehmend mysteriös. Nebenbei verliebt sich die Kommissarin in einen der Musiker und stößt auf das merkwürdige Verhalten von Sina – ihre Stimme passt zwar nicht zu den Anrufen, aber sie wohnt dort wo der Anruf abgesetzt wurde und bringt die Kommissarin bald auf eine Idee..

Stil, Machart, Meinung

Bei diesem Buch fiel mir die Zusammenfassung etwas schwer, denn die Entwicklungen der Geschichte hätte ich nach der Inhaltsangabe auf dem Buchrücken nicht erwartet. Ehrlich gesagt, hätte ich das Buch dann wahrscheinlich auch nicht gelesen, aber man muss ja auch neue Dinge entdecken. So habe ich versucht, hier auch ein wenig die Richtung anzugeben in die es führt, und trotzdem nicht zu viel verraten.

Die Themen dieses Krimis sind vielfältig. Neben der detailliert geschilderten Arbeitsweise in einem Polizeipräsidium, lustigen Situationen und Dialogen geht es dann doch vor allem um einen schwierigen Fall für Psychologen und die Heavy Metal oder Death Metal Szene (bin da wenig bewandert) und satanische Entgleisungen. Der Arbeitsalltag von Kommissaren und besonders die humorvollen Szenen und Dialoge muss ich hier besonders loben, denn einige Krimis heutzutage wollen unglaublich düster oder literarisch anspruchsvoll sein, sodass das Lesen manchmal auch deprimiert. Hier finde ich die Mischung gelungen. Das psychologische Thema, ich kann hier schlecht mehr verraten, ist auch sehr interessant – meiner Meinung nach nimmt es allerdings zu viel Raum ein. Das Thema mit Band, Groupies und Satanismus ist auch nicht so recht meins, eröffnet jedoch einige Möglichkeiten.

Genau meinen Nerv trifft die Autorin wiederum mit mehreren Verdächtigen und Nachforschungen in der Vergangenheit. Das Ende ist auch gut aufgelöst, kommt für mich im Vergleich zu dem eher ausführlichen Anfang und Mittelteil dann doch etwas zu kurz.

Wir haben hier also einen Kriminalroman, bei dem der Fokus auf der Ermittlungsarbeit und einem interessanten psychologischen Fall liegt.

Die Reihe

Erstaunlich wenige Informationen habe ich über die Reihe um Verena Sander gefunden. So war mir beim Aussuchen des Buches nicht klar, dass es sich um Teil 2 einer Serie handelt. Das machte aber auch nichts, ich kam gut rein und konnte mir die Personen schnell merken. Es gibt viele interessante Andeutungen zum letzten Buch und die sympathischen Kollegen sowie der herrlich blöde Staatsanwalt sind gute Figuren für eine Reihe. Man kann dieses Buch also durchaus so lesen, wer vorne anfangen sollte der muss mit dem Titel „Blutopfer“ beginnen.

Was lernen wir daraus?

-Die Autorin arbeitet bei der Polizei. Das ist ein Vorteil, den sie nicht groß raushängen lässt. Sie geht nicht angeberisch in die Details, aber man merkt genau, dass sie weiß wovon sie schreibt. Das finde ich sehr gelungen, denn man bekommt einen realistischeren Einblick in die Polizeiarbeit. Wenn man schreibt, dann also bestenfalls über ein Gebiet, in dem man sich auskennt. Oder mit hervorragender Recherchearbeit. Dass muss aber natürlich auch nicht sein, wenn man es durch andere Dinge wieder wettmachen kann oder die Realität gerade nicht abbilden möchte.

-Humor. Ich bin ein lustiger und humorvoller Mensch und ich liebe Krimis und Thriller. Manchmal passt das ja augenscheinlich eher weniger zusammen, aber wenn man beides miteinander verbinden kann ist es umso besser. Ermittler müssen nicht auf jeder Seite todernst rumlaufen, denn für sie ist es ja auch Alltag. Die Krimis von Agatha Christie zum Beispiel sind für mich die besten Krimis, und auch dort gibt es viel Humor, ohne das dem Verbrechen und dem Rätseln etwas genommen wird – ganz im Gegenteil. Ich mag die Kombination, wenn sie gut gelungen ist.

Fazit

Dem Krimi „Scherbenkind“ gebe ich 3 Sterne. Es ist eine solide und interessante Story mit einem Verbrechen, welches gut aufgelöst wird. Am Anfang war ich sehr begeistert, der Mittelteil war mir dann allerdings zu lang und ausführlich, sodass mir die Lust zum Lesen irgendwie etwas abhanden gekommen ist. Der Schluss kam etwas kurz. Im allgemeinen driftete die Geschichte in zwei Themenbereiche ab, die nicht so ganz nach meinem Geschmack waren und mir auch nicht angekündigt wurden (gut, wie auch, ohne zu viel zu verraten…). Für einige wird es genau das Richtige sein, für mich war es solide und macht nicht unbedingt Lust auf mehr. Aber viel zu meckern habe ich auch nicht, manchmal fehlt einfach der gewisse Funke.

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Rezension: Lügengrab – Hendrik Berg (Krumme #2)

lugengrab-hendrik-bergDer Berliner Kommissar Theo Krumme sucht im Urlaub endlich mal Ruhe.  Und deshalb zieht es ihn auf die Hallig Hooge, auf der es ja –vom Wind mal abgesehen- eigentlich unschlagbar ruhig sein soll. Schon auf der Fähre auf die Hallig lernt er Swantje kennen. Die junge Frau stammt von der Hallig, war ihr aber jahrelang fern geblieben. Denn dort ist einen Tag vor der Hochzeit ihr Verlobter spurlos verschwunden. Alle auf der Hallig sind sich sicher, dass der Verlobte kalte Füße bekommen hat. Nur Swantje, die kommt über ihn nicht hinweg und ist sich sicher, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Als sie den Kommissar mit ihrer Vermutung konfrontiert, werden unter den Bewohnern von Hooge alte Wunden aufgerissen. Und das ist vielleicht auch ganz gut so, denn auf der Hallig lauert das Böse..

Stil, Machart, Meinung.

Zunächst muss ich sagen: Die Atmosphäre, die dieser Krimi rüber bringt, ist sehr gelungen. Eine ruhige Hallig mit ein paar Touristen, Einheimische, Geheimnisse, die einzigartige Landschaft und natürlich Kälte, Wind, Sturm, Sturmflut. All das kommt sehr gut rüber, ist sehr ausgewogen beschrieben und sorgte dafür, dass ich mich beim Lesen mit einer Tasse Tee unter die Decke kuschelte. Für diese Jahreszeit ist es genau das richtige.

Ich muss ehrlich sagen, ich hatte mich mit Halligen noch nie wirklich beschäftigt. Gut, man kennt den Schimmelreiter, dann hört es allerdings schon auf. Ich bin ja sonst immer eher ein vehementer Gegner von zu viel Beschreibung der Landschaft, hier war es aber tatsächlich sehr interessant und hat mir eine ganz neue Perspektive eröffnet. Ich glaube, ich muss auch mal ein paar Tage auf die Hallig. Auf Google Maps habe ich mir die Hallig Hooge sogar mal angeschaut, die Beschreibung des Autors erscheint mir sehr realistisch und so hatte ich ein genaues Bild der Hallig vor Augen.

Und dann haben wir hier endlich mal wieder einen richtig guten Krimi. Man merkt schon an den ersten Szenen, dass sich auf dieser Hallig ein sehr Böser Mann vor der Welt versteckt. Denn es geht sofort auf den ersten Seiten richtig zur Sache. Die drohende Gefahr ist von Anfang an spürbar.  Und manchmal zwischendrin erfährt man auch kurz erschreckendes aus dem Kopf des Täters. Schnell wird klar, dass die sehr nette Swantje das nächste Opfer werden dürfte, und auch der Kommissar ist ihm ein Dorn im Auge. Welchem Inselbewohner kann man vertrauen? Wurde Swantjes Verlobter ermordet? Wer ist der Mörder, der schon ein paar Menschen auf dem Gewissen hat?  So wird sehr viel Spannung aufgebaut, die dann am Ende im dramatischen Finale mündet. Alles ist logisch, die Personen sind gut und liebevoll beschrieben, es macht alles Sinn. Und obwohl ich mit meiner Vermutung schon länger richtig lag, konnte ich am Ende auch überrascht werden. Mehr wird nicht verraten.

Die Reihe

Theo Krumme scheint schon in einem ersten Teil ermittelt zu haben, Lügengrab ist die Fortsetzung. Das wurde mir erst beim Lesen klar, und die Verknüpfung war trotzdem gelungen. Problemlos fand ich in die Geschichte, zwei aus dem ersten Teil bekannte Personen tauchen gelegentlich als Randfiguren auf. Die Balance ist gelungen, Leser von Teil 1 und Quereinsteiger wie ich dürften nichts auszusetzen haben. Ich überlege jetzt, auch Teil 1 „Deichmörder“ zu lesen. Teil 3 werde ich auf jeden Fall lesen, das ist schon klar.

Was lernen wir daraus?

Besonders lehrreich finde ich, wie der Autor den Ort, an dem die Geschichte spielt, auch irgendwie zum Mittelpunkt der Handlung macht. Viele Handlungen und Empfindungen der Geschichte sind unmittelbar mit dem besonderen Ort verknüpft. Diese Geschichte hätte nicht in einer Großstadt spielen können. Dabei hat Hendrik Berg die Stimmung auf einer Hallig sowie die Natur dort auch mir als Unwissende sehr gut und authentisch vermittelt. Und so bleibt diese Geschichte besonders im Gedächtnis, der Leser hat eine interessante Erfahrung gemacht, auch über die Krimihandlung hinaus.

Natürlich muss jetzt nicht jede Geschichte auf einer Hallig spielen, damit ich begeistert bin. Es geht eher darum, einen interessanten Ort oder ein interessantes Milieu geschickt mit der Handlung zu verknüpfen, sodass die Geschichte etwas Besonderes wird. Für viele kann sowas eine neue und besondere Erfahrung sein. Für die „Kenner“ des Ortes oder der Szene könnte es natürlich ein Grund mehr sein, das Buch zu kaufen, zu lesen – und, wenn es gut gemacht ist- auch zu mögen.  So kann ich mir vorstellen, dass die Touristen und Einheimischen auf Hooge und in der Region sicher gern diesen Krimi lesen würden, einfach weil er auf der Hallig spielt.

Fazit

Krimileser kommen hier voll auf ihre Kosten, ich vergebe begeisterte  5 Sterne und werde mir den Namen Hendrik Berg merken. Wir haben einen abgeschiedenen Ort, am Ende sogar von der Außenwelt getrennt, mit mehreren Verdächtigen, mehreren ungeklärten Fragen, einen sympathischen Ermittler und die Spannung fesselt den Leser ab Seite 1. Trotz mehrerer Szenen, die nichts für schwache Nerven sein dürften, plätschert das Geschehen seicht, interessant und in einer für viele sicher unbekannten Landschaft zeitweise nett vor sich hin, während doch immer die Bedrohung über den Hauptpersonen schwebt und es zu keiner Zeit langweilig werden lässt. Am Ende gibt´s auch eine ordentliche Portion Action. Die Handlung wird logisch aufgelöst, die zuvor rätselhaften Szenen machen Sinn. Besonders begeistert bin ich von der neuen Perspektive einer Hallig, ich habe einiges gelernt, ein neues Lebensgefühl kennengelernt und werde mich noch lange an diese Geschichte erinnern.

Wer Krimis mag, wird diesen lieben..

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Rezension: Das Seegrab von Carina Bergfeldt

seegrab-bergfeldtIn Skövde, Schweden: Viktor Hyldgaart wollte nur mal schnell mit seinen Kumpels in die Kneipe. Seitdem wurde er nie wieder gesehen. Die Frau alarmiert die Polizei, die Suche ist erfolglos. Bis ein Kopf in einem See mit dem passenden Namen „Valdemars Grab“ gefunden wird. Ist das Viktor? Was ist das für ein Foto im Rachen der Leiche? Und was ist in den  anderen Müllsäcken, die bei der Suche gefunden werden? Ein Mörder mit mehreren Opfern oder mehrere Mörder? Anne Eiler muss ermitteln, hat aber privat ganz andere Probleme..

Stil, Machart, Meinung

„Das Seegrab“ ist ein laut Cover ein Kriminalroman. Das stimmt soweit auch, da es um die Aufklärung eines (oder mehrerer) Verbrechen geht. Irgendwie hat mir die Balance zwischen der Aufklärung des Verbrechens und der privaten Probleme der Ermittlerin ja so überhaupt nicht gefallen. Vielleicht ist es auch eher ein Roman über eine unglückliche Geliebte, die Nebenbei noch einen Mordfall aufklären muss. Gern können Ermittler ein interessantes Privatleben haben, aber wenn die sehr klischeehafte Affäre der Beamtin mehr Raum einnimmt als die Aufklärung des Verbrechens, dann fühle ich mich, wie die Ehefrau des Geliebten in diesem Fall wohl auch: betrogen. Gut ist immerhin, dass die Beschreibungen nicht ausufern und sich die Geschichte so schnell lesen lässt.

Die Idee an sich ist gut. Ein Mann verschwindet, zwei Leichen werden gefunden. Wie hängt das alles zusammen? Das ist doch schonmal was. Auch das Foto einer Frau im Rachen ist ein interessanter Hinweis. Dann erfahren wir aus den spärlich beschriebenen Gedanken des Mörders, dass es eine Mörderin ist. Und ein interessantes Doppelleben des Opfers wird enthüllt, woraufhin man dem Mörder eigentlich eher beglückwünschen als schnappen möchte – und die Anzahl der Verdächtigen ist sofort recht hoch. Leider wird es aber nicht wirklich spannend.

Zu keiner Zeit war ich so richtig gefesselt. Ich habe das Buch auf einer Zugfahrt begonnen und fand schnell die Natur, die Mitreisenden und einfach alles andere spannender. Das letzte Drittel des Buches habe ich dann auf der Arbeit in der Pause gelesen, da gab es nun wirklich nichts Interessanteres und deshalb bin ich nun fertig. Die Kapitel sind zwar meistens schön kurz gehalten, sodass man in von einer Szene in die nächste springt – obwohl sonst ein gutes Stilmittel für Spannung, hilft das bei der Spannung leider auch irgendwie nicht. Am Anfang hat es mich auch eher verwirrt, weil ich nicht gerade schnell herausfinden konnte, wer denn da nun wer ist.

Ein weiteres Manko ist die Ermittlungsarbeit. Man ist als Leser kaum dabei. Man folgt lediglich der Ermittlerin, die ja gedanklich eher bei ihrer Affäre ist. Die Ermittlungsergebnisse werden nicht durch Ermittlungsarbeit erzielt sondern eher sehr  zufällig und durch die Intuition der Ermittlerin (als sie dann am Ende des Buches noch dachte, sie sollte sich zur Abwechslung mal auf ihr Bauchgefühl verlassen, da war es bei mir ja endgültig vorbei). Einzig die Auflösung fand ich ja noch ganz gelungen, sie kam aber auch irgendwie so plötzlich.

Was lernen wir daraus?

Wie schon so oft, aber auch wieder ein bisschen anders: Balance! Grundsätzlich erwarte ich in Sachen Balance ja mehreres: Die richtige Balance  bei der Aufteilung der Kapitel und Perspektiven, beim Berichten von wichtigen und unwichtigen Dingen, bei der Verständlichkeit des Motivs..  da gibt’s bestimmt auch noch mehr. Hier hat das Privatleben der Ermittlerin einen riesigen Raum eingenommen und war nicht mal interessant – ganz im Gegenteil war es klischeehaft und schon sehr oft erzählt.  Ich habe schon viele gute Krimis gelesen, in dem das Privatleben des Ermittlers viel Raum einnahm – aber das war entweder sehr interessant oder hatte einen Bezug zum aufzuklärenden Verbrechen. Hier ist also Vorsicht geboten, auch wenn das Empfinden wahrscheinlich sehr subjektiv ist. Falls eine Leserin gerade in einer Affäre mit einem verheirateten Mann ist, wird sie wahrscheinlich sagen, es wäre der beste Krimi überhaupt.

Ein weiterer Punkt: Man muss den Leser irgendwie an der Ermittlung teilhaben lassen. Vielleicht kann er was Neues lernen über Ermittlungsarbeit oder sonstige Themen, oder er hat ein paar Verdächtige zur Auswahl und kann selbst Schlüsse aus Dialogen ziehen. Oder er ist einfach hautnah dran und kann die Gedanken der Ermittler und deren Ideen irgendwie miterleben.

Fazit

Dieses Buch ist bei mir durchgefallen. Ich vergebe enttäuschte 2 Sterne und werde wohl kein Buch dieser Autorin jemals wieder in die Hand nehmen. Hier ist jedoch zu beachten, dass mein Empfinden da sicherlich sehr subjektiv ist. Wer mit der privaten Geschichte der Ermittlerin warm werden kann, der findet es eventuell ganz toll. Wenn ich allerdings ein Krimi lese, dann liegt mein Hauptaugenmerk auf der Aufklärung des Verbrechens. Interessante Nebenhandlungen sind herzlich willkommen. Positiv anzumerken ist, dass man als Leser nicht mit unnützen Beschreibungen von Landschaften und sonstigen Dingen genervt wird – aber diese Rolle übernimmt ja etwas anderes. Auch gut ist die Story, 2 Leichen in einem See, an verschiedenen Zeiten getötet. Das ist doch eigentlich eine gute Ausgangslage..

Falls es beim Krimi also nicht um das Verbrechen geht und sie gerade eine Affäre haben, lesen sie dieses Buch und sie werden es wahrscheinlich lieben…

Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson (Bergman #5)

Papierjunge Kristina OhlssonIn einer jüdischen Gemeinde in Stockholm passieren an einem Tag zwei unfassbare Verbrechen: Zuerst wird eine Erzieherin vor den Augen von Kindern und Eltern erschossen, wenige Stunden später verschwinden zwei Jungen auf dem Weg zum Tennistraining. Fredrika Bergmann und Alex Recht werden mit der Aufklärung der Verbrechen beauftragt, zeitgleich ist der neue Sicherheitschef der Gemeinde und ehemalige Kollege, Peder Rydh, hilfreich bei den Ermittlungen. Bald stoßen die Ermittler auf die israelische Legende des Papierjungen, der sich in der Dunkelheit Kinder holt. Als die beiden Jungen tot aufgefunden werden, sieht es so aus als sei der Papierjunge zum Leben erwacht.
Stil, Machart, Meinung
Dieser Thriller hier ist ein echter Thriller. Man bekommt genau das, was man erwartet. Dabei sind die Thrillerelemente gut verstrickt mit einer tiefgründigen Geschichte und den Perspektiven vieler Beteiligter. Ermittler, Opfer, Täter und viele in die Sache Verwickelte bekommen Raum für ihre Perspektive. Der Schreibstil ist nach meinem Empfinden genau richtig, nicht schnörkelig mit unnützen Informationen aber trotzdem tiefgründig und informativ, ohne zu langweilen. Die besonderen Perspektiven zeigen, wie ein Ereignis viele Menschen beeinflussen kann und macht dem Leser auch das Motiv des Papierjungen verständlich.
Es kommt von Anfang an Spannung auf und ich mochte das Buch zu keiner Zeit aus der Hand legen. Dazu tragen einerseits die Kapitel bei, die eine perfekte Länge (nicht zu lang) haben und mit fiesen Cliffhangern sowie düsteren Andeutungen enden. Andererseits spielt die Autorin unglaublich gekonnt mit dem Leser, indem sie die perfekte Balance zwischen den Informationen gefunden hat, die sie den Lesern häppchenweise hinwirft.
Eine für mich ganz neue Taktik der Autorin wirkt für mich unglaublich gut: Bereits zu Beginn des Buches kommt ein Teil vom Schluss. Im zweiten Kapitel, „Schluss. Fragment 1“ erfährt der Leser von einer Frau, die gleich ihre Familie tot zuhause auffinden wird. Immer mal wieder wird dem Leser zwischendurch ein Fragment des Schlusses schon vorher serviert, und von diesem kleinen Kapitel gingen eine Menge Emotionen aus – zumindest war es bei mir so. Man bekommt in den anderen Kapiteln Hinweise und hat bald zwei Frauen im Sinn, von denen es wohl eine schwer treffen wird. Wer von beiden, das weiß man dann erst am Schluss.. dem richtigen Schluss dieses Mal. Und allein dieser Teil der Geschichte hat mich so unglaublich gefesselt und mit den kleinen Hinweisen zwischendurch auch wirklich beschäftigt. Eine neue, tolle Idee. Gekonnt umgesetzt.
Gefallen hat mir auch der Bezug zu Israel, das war eine für mich recht neue Welt und sehr interessant. Denn als drei Menschen einer jüdischen Gemeinde in Stockholm an einem Tag sterben, stellt sich die Frage ob es ein Hate Crime (Verbrechen aus Fremdenhass) oder etwas Persönliches war.
Die Reihe
Wie so oft in letzter Zeit ließ ich mich bei der Wahl des Buches von den „äußeren Faktoren“ (Cover, Teaser) leiten und musste dieses Buch einfach lesen. Als ich dann feststellte, dass dieser Band der 5. Band der Reihe um Fredrika Bergmann ist, war ich nicht abgeschreckt. Das Buch ist natürlich am besten, wenn man es auch wirklich nach den Vorgängern liest – da besteht kein Zweifel. Bei Reihen geht es ja immer auch um die Entwicklung der Charaktere, und bei so verschiedenen, vielschichtigen Ermittlerin ist Vorwissen sicher interessant. Trotzdem kann man dieses Buch problemlos auch ohne jegliches Vorwissen lesen. Gewisse Ereignisse aus der Vergangenheit werden angedeutet, und es klingt definitiv sehr interessant. Ich überlege, die anderen Teile nun auch zu lesen.
Was lernen wir daraus?
Ich habe diese neue, unglaublich gute Idee kennengelernt, die ich schon oben angesprochen habe. In Ansätzen war mir das schon über den Weg gelaufen, manchmal ist es einfach sehr gut für die Geschichte, wenn der Leser schon ganz am Anfang einen kleinen Vorgeschmack auf den Schluss bekommt. Ich erinnere mich da beispielsweise an „Totenhaus“, dort erfährt man gleich am Anfang das die Hauptperson irgendwann im Laufe der Geschichte mal irgendwo eingesperrt wird und zu verdursten droht. Hier ist das allerdings noch viel beser umgesetzt. Man nehme eines der grausamsten Szenarios, das man sich so vorstellen kann und lasse eine glückliche Frau auf dem Weg nach Hause sein, wo sie in genau das Szenario geraten wird. Und man gebe dem rätselnden Leser zwei Frauen, die diese Frau sein können. Dann werfe man über das (dicke) Buch hin immer mal wieder ein paar Hinweise in die Szenen herein.. schon hat man den Leser gefesselt. Natürlich ist das nicht so einfach, denn die beiden Frauen und das Schicksal der Familie wurden hier sehr gut in die Handlung eingebunden. Dieser Kniff hat mich als Leserin wirklich gekriegt und als Schreibende sehr beeindruckt. Es lässt sich allerdings nicht mal eben so in Geschichten einbinden, da muss schon alles passen.
Fazit
Ich vergebe, man ahnte es wohl schon, 5 Sterne. Ein fluffiger Schreibstil, ein zu jeder Zeit spannender Thriller mit Elementen eines Romans. Stockholm, Israel, Gegenwart, Vergangenheit, viele Betroffene Familien, viele Ermittler mit unterschiedlichen Hintergründen, viele Wendungen, ein gut zusammengesponnener Plot, Überraschungen und Kniffe. Ich bin begeistert, werde mir den Namen Kristina Ohlsson weit oben auf meiner To-Read-List notieren und empfehle sie sehr gern weiter!

PS: Hier gibt´s die Infos zum Buch auf der Verlagsseite, inklusive Informationen zu der Reihe (und Reihenfolge) und weiteren interessanten Sachen.

Rezension: Die Schattenbucht von Eric Berg (2016)

Schattenbucht Eric BergEine Frau springt ohne ersichtlichen Grund vom Balkon ihres Hauses. Der Selbstmordversuch misslingt und so kommt Psychologin Ina Bartholdy ins Spiel. Sie ist die behandelnde Ärztin der Bäckereiinhaberin und kann sich das Verhalten ihrer Patientin nicht erklären. Als sie die entlassene Frau zu Hause besucht, kommt ihr das Verhalten des Ehemannes stutzig. Sie beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Diese werden durch ihre Tochter erschwert, die sich nach Jahren beim Exmann auf einmal bei der Mutter einquartiert und die Schule abbrechen will.
Ziemlich schnell wird klar, dass dramatische Vorfälle 14 Monate vor dem Selbstmordversuch nicht nur die Bäckerin sondern auch viele andere Leute in eine sehr heikle Situation gebracht haben. Denn es hatte sich eine Gruppe Menschen zusammengeschlossen, um etwas Kriminelles durchzuziehen..

Stil, Machart, Meinung
Wie man schon an meiner Inhaltsangabe erkennen kann, haben wir hier zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart ab dem Selbstmordversuch der Bäckersfrau, ab der dem Leser aus Sicht von Psychologin Ina Bartholdy die Ereignisse geschildert werden. Dann gibt es abwechselnd die Zeitebene „vor 14 Monaten“, die dem Leser nicht nur einen Wissensvorsprung gibt sondern auch viele Dinge schon erklärt.
Trotz der zwei Ebenen und dem Wissensvorsprung fragt man sich dann trotzdem immer noch so einiges, denn viele Fragen bleiben bis zum Schluss unbeantwortet. Die Mischung finde ich gelungen, es wird nicht neugierig und man gewinnt immer wieder neue Erkenntnisse und Zusammenhänge werden klar. Geschickte Cliffhanger am Ende und ein immer unheilvolleres Geschehen sorgen dafür, dass man das Buch schnell – und ohne Langeweile- gelesen hat.
Die Fragen, die sich aus dem Teaser auf der Buchrückseite ergeben, werden übrigens recht schnell geklärt. Deshalb kann ich hier mit weiterem Inhalt nicht spoilern, es würde einfach zu viel verraten..
Die Erzählweise ist erfrischend fluffig und locker, einige Gedankengänge und Dialoge sind humorvoll und die Mischung finde ich insgesamt sehr gelungen. Es gibt auch sehr schöne Sätze die ganz allgemeine Beobachtungen sehr schön umschreiben und das Potential zu erfolgreichen Zitaten haben, die im Zeitalter des Internets ja auf vielen Plattformen gern geteilt werden. Beispielsweise mein Favorit:

„Für den Bäcker war Literatur etwas Ähnliches wie ein Opossum: zwar wusste er, dass es existierte, aber er hatte weder je eines zu Gesicht bekommen noch die geringste Ahnung, wozu es überhaupt gut war“(S. 42)

Eine weitere Besonderheit ist, dass in diesem Buch irgendwie so ganz herrlich normale Charaktere in der genau richtigen Intensität gezeichnet wurden. Kein grandioser Gegenspieler gegen einen hochintelligenten oder höchstmerkwürdigen Kommissar, sondern einfach eine Geschichte mit vielen Menschen die blöde Fehler begehen, Probleme haben und überhaupt die Erkenntnis: Man sollte kriminelle Ideen wohl eher nicht in einer größeren Gruppe umsetzen, denn da kann an jeder Ecke etwas schiefgehen. Der Autor wirft hier auch einige moralische Fragen auf, ich habe an mehreren Stellen gedacht: „Was hätte ich da jetzt gemacht?“.

Fazit
Nachdem mir kein neuer Punkt zum Thema „was lernen wir daraus?“ einfällt und ich mich auch nicht wiederholen möchte, geht’s gleich zum Fazit. Ich vergebe gute 4 von 5 Sternen und werde mit Sicherheit ein weiteres Buch von Eric Berg lesen, der mich besonders mit der Schreibweise und dem Plot überzeugt hat. Die Schattenbucht ist das dritte Buch von Eric Berg, es scheint sich nicht um eine Reihe zu handeln und kann ohne Vorkenntnisse als ganze Geschichte gelesen werden. Ich empfehle es vor allem Fans von Kriminalromanen und Psychothrillern, kann es auf Grund der moralischen Fragestellungen und der vielen liebevoll gestalteten Charaktere aber auch einem Großteil von Romanlesern empfehlen, wenn das Thema denn Interesse weckt.

Details zum Buch gibt es hier!