Rezension: Im Augenblick des Todes – Vincent Kliesch

Der Inhalt: Kommissar Boesherz sitzt gerade am Schlachtensee, als ein mysteriöser Mann sich neben ihn setzt und überredet, mit ihm einen kleinen Ausflug zu machen. Man soll ja nicht mit fremden MäIm Augenblick des Todes Vincent Klieschnnern ins Auto steigen, die Neugierde des Kommissars ist jedoch geweckt und er tut es trotzdem. Der Ausflug endet an einem Tatort, an dem ein Arzt brutal ermordet und der Tatort bizarr arrangiert wurde. Sofort bemerkt der Kommissar, dass dieses Verbrechen genau so aussieht wie damals am Anfang seiner Karriere. Sein bislang einziger ungelöster Fall, der ihm nicht nur eine Menge Nerven sondern auch die Beziehung zu seiner großen Liebe gekostet hat. Und Boesherz löst sonst wirklich jeden Fall, da er über ein geniales Gehirn verfügt. Der Täter scheint den Kommissar sehr gut zu kennen. Am Tatort hinterlässt er ein Rätsel. Die Lösung des Rätsels führt dann zum nächsten Tatort, und so hat der Kommissar eine Schnitzeljagd mit Leichen und einen Kampf mit seiner Vergangenheit vor sich. Und dann kommt auch noch sein Doppelleben ans Licht, als Kollegen zufällig auf ein geheimnisvolles Treffen mit einem Jungen aufmerksam werden.

Machart,  Stil und Meinung
Dieser Thriller spielt in Berlin, und das merkt man auch. Der Ort der Handlung ist immer wieder gut beschrieben, es stört aber niemals. Selbst eine Führung durch das Dungeon Berlin ist für den Leser beschrieben, und auch da wird es nicht langweilig.
Besonders auffällig und gelungen finde ich die Länge der einzelnen Szenen/ Kapitel. Sie sind relativ kurz gehalten und enden meist mit kleinen Cliffhangern. Außerdem wechseln sich die Handlungsorte/ Personen gekonnt ab, sodass es nicht langweilig wird. Neben Protagonist Boesherz kommen auch die Perspektiven von Kollegen, dem Killer und dem jungen Freund des Kommissars ins Spiel, nebenbei gibt es immer wieder Rückblenden ins Rheingau vor 16 Jahren. Denn dort hat der einzige ungelöste Fall des Kommissars sich damals abgespielt. Dieser Szenenwechsel macht es einem zwar andererseits jederzeit leicht, das lesen abzubrechen. Andererseits steigert sich dadurch die Spannung und man muss unbedingt weiterlesen. Das typische „och, ein Kapitel geht noch“ führt dann schnell zu „huch, vorbei“. Sehr gelungen, sehr spannend und auch sehr praktisch. Gefördert wird das auch durch den flüssigen Schreibstil. Es gibt kein Geschwafel und keine seitenlangen Beschreibungen und auch sehr oft humoristische Details.
Wie man am vorherigen Absatz schon erahnen kann, ist es zu jeder Zeit spannend. Es werden für den Leser mehr und mehr Fragen aufgeworfen, während er bei einigen Aspekten auch den Ermittlern etwas voraus ist. Man möchte unbedingt herausfinden, was bei diesem Rätsel los ist und wer der Killer ist. Der Leser ist gut mit einbezogen und wird schnell seine eigenen Gedankenspiele und Verdächtigungen entwickeln. Ich als „Fortgeschrittener“ im Bereich des Rätselns in Punkto Krimi und Thriller lag zwar bei einigen Aspekten richtig, bei anderen aber auch wieder total falsch. Ich wurde gut an der Nase herumgeführt, ohne mich am Ende beleidigt zu fühlen. In der Handlung sind keine logischen Fehler aufgefallen.
Der Protagonist ist ein sehr eigener Charakter, und das rundet diesen tollen Plot perfekt ab. Denn er ist zwar mit einer beeindruckenden Kombinationsfähigkeit gesegnet, lässt es allerdings auch gern gegenüber den Kollegen heraushängen. Noch dazu scheint er mindestens zwei Leichen im Keller zu haben, die seine eigene Verwicklung nicht ausschließen lässt. Das kündigt sich bereits in der ersten Szene an, in der der Kommissar festgenommen wird.

Die Reihe
Der Thriller „Im Augenblick des Todes“ ist das fünfte Buch des Autors Vincent Kliesch und das zweite Buch in der Reihe um Kommissar Boesherz. Man kann dieses Buch auch problemlos lesen, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat. So war es bei mir und ich konnte ohne Probleme in die Geschichte reinkommen. Nun, da mich der zweite Teil so überzeugt hat, frage ich mich allerdings schon was denn in Teil 1 so los war..

Was lernen wir daraus?
-kurze Kapitel, Szenenwechsel, Perspektivenwechsel und kleine Cliffhanger am Ende der Kapitel sorgen dafür, dass der Leser schnell in die Handlung hereinkommt –und auch nicht mehr heraus will. Das passt natürlich vor allem bei Krimis und Thrillern, kann aber auch bei anderen Geschichten nicht schaden. Man will ja, dass der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.
-Damit der Leser (so ein Leser wie ich zumindest) das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte, bieten sich auch fluffige, kurze und knackige Beschreibungen und Dialoge an. Selbst Dinge, die interessant sind aber für die Handlung nicht weiter wichtig sind (hier z.B. der Besuch im Dungeon Berlin) können wirkungsvoll eingesetzt werden, wenn der Leser nebenbei über die Personen informiert wird und es nicht langweilig ist.
-Ich liebe es, wenn der Leser mit einbezogen wird. Ich möchte selbst raten und überlegen. Ich möchte nicht unbedingt alles richtig raten, das wäre zu einfach. Aber ich möchte von der logischen Auflösung des Falles überrascht werden und eine Chance gehabt haben, drauf zu kommen. Bei manchen Thrillern oder Krimis ist der gute alte „Kommissar Zufall“ am Ende ja der Held –und der Leser meist enttäuscht.

Fazit
Ich vergebe tatsächlich 5 Sterne, denn wie schon gesagt war ich sofort in der Handlung drin und wollte am liebsten sofort das ganze Buch durchlesen (unglücklicherweise muss man ja nebenbei noch arbeiten, aber ich war trotz allem recht fix fertig). Der fluffige Schreibstil ohne unnötiges Geschwafel und der interessante Plot sind im Zusammenspiel richtig gut. Ich durfte mir meine eigenen Gedanken machen und hatte ein Rätsel vor mir, welches sehr ausgewogen gestaltet war. Das Ende hat nicht enttäuscht und ich möchte unbedingt mehr von Vincent Kliesch lesen! Das war mein erstes Buch des Berliner Autors – aber sicher nicht mein Letztes. Den Namen sollte man sich merken.5 Sterne und eine Leseempfehlung von mir!

Hier gibts Details zum Buch: Im Augenblick des Todes

Mehr über Vincent Kliesch gibts auf Seiner Homepage:Homepage Vincent Kliesch

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Rezension: Helene Tursten – Jagdrevier (Embla Nyström #1)

Jagdrevier

Helene Tursten – Jagdrevier

Urlaub und ein spannendes Buch sind eine gelungene Kombination, und daher habe ich das Buch Jadgrevier von Helene Tursten auch in 2 Tagen verschlungen. Dieses Buch ist der Auftakt einer neuen Krimi- Reihne um die Hauptperson Embla Nytröm und ist beim btb Verlag am 11.01.2016 erschienen.

Der Inhalt:
In Göteborg treffen sich wie jedes Jahr mehrere Freunde zur Elchjagd. Darunter auch Embla Nyström, Polizistin bei einer Spezialeinheit und frischgebackene nordische Meisterin im Halbweltergewicht. Sie geht mit ihrem Onkel schon seit ihrer Kindheit zur Jagd und hat extra Urlaub genommen, um die gut organisierte Jagd nicht zu verpassen. Dieses Jahr läuft jedoch einiges anders als in den Vorjahren. Beispielsweise ist der charismatische, gutaussehende Peter mit von der Partie. Er ist in der Gegend aufgewachsenen und nun wieder hergezogen. Jeder fragt sich, warum er wieder da ist. Und auch sonst ranken sich Geheimnisse um den Mann, in den Embla sich bald verliebt. Als dann jedoch einer der Teilnehmer tot entdeckt wird und ein weiterer verschwindet, ist es mit dem Urlaub von Embla und dem Spaß an der Elchjagd vorbei. Denn nun sind die Jäger wohl die gejagten..

Stil, Machart, Meinung
Die ersten Seiten haben knapp ein Detail verraten, wodurch beim Lesersofort Spannung aufgebaut wurde. Die Ermittler erfahren davon erst wesentlich später im Buch, und das finde ich schon einmal sehr geschickt. Das müsst ihr mir jetzt so glauben, denn ich möchte ja nicht spoilern..
Nach den unheilvollen Szenen am Anfang folgt zunächst eine größere Vorstellungsrunde. Wir lernen aus der Perspektive von Protagonistin Embla die anderen Jagdteilnehmer, die Umgebung und die Details der geplanten Jagd kennen. Dieser Abschnitt fällt auf Grund der vielen Teilnehmer und den verschiedenen Etappen der Jagd recht umfangreich aus, ist aber trotz der vielen Informationen und Namen gut gelungen. Mir wurde dabei nicht wirklich langweilig, obwohl ja nicht viel passierte. Die Vorstellung fand immer in einem lebendigen Rahmen wie ein Abendessen oder einer Jagdbesprechung statt. Ich war nicht gelangweilt, hatte allerdings ein paar Probleme mit den vielen Personen und Namen. Eine Zeit lang beispielsweise hatte ich mental wohl irgendwie einen der Jadghunde mit einem der Teilnehmer verwechselt.. Das dürfte einerseits an den schwedischen Namen liegen, andererseits an der Anzahl der Teilnehmer und am Rande Beteiligten. Ich hätte mir eventuell eine etwas längere Beschreibung der einzelnen Teilnehmer bzw. eine einfachere Umgebung gewünscht. Man hat recht viele Schauplätze, beispielsweise geht es von dem Haus von Emblas Onkel zu einem anderen Haus, von wo die Jagd startet. Von dort geht es in das Jagdlager, dann gibt es irgendwo anders noch ein Jagdschloss… mir sind die Entfernungen irgendwie nicht so ganz klar geworden. Es hat aber auch nicht wirklich gestört, ich habe dadurch nichts wesentliches verpasst.
Die Schreibweise der Autorin finde ich sehr flüssig, sie schweift nicht zu sehr aus und beschreibt dennoch gern die Natur und die Umgebung. Die Perspektive ist gut gewählt, durch die Augen von Embla sieht man die Geschehnisse einerseits als Polizistin und andererseits als Frau im Urlaub, die sich in einen der Teilnehmer verliebt. Wie diese beiden Perspektiven sich ergänzen, abwechseln und manchmal auch im Weg stehen, finde ich sehr interessant.
Den Plot hatte ich mir ja eigentlich etwas anders vorgestellt, ich denke das ist meiner Liebe zu Agatha Christie geschuldet. Wenn ich auf der Rückseite lese „Eine Elchjagd in den schwedischen Wäldern. Ein Toter. Fünf Verdächtige“ , dann geht bei mir automatisch die Erwartung „Einer nach dem anderen stirbt, wer war es?“ an. Grundsätzlich ist diese Erwartung auch irgendwie erfüllt worden, nur anders als gedacht. Zwar geht es nach der Einführung zu den Jagdteilnehmern, den Jagdabläufen dann mit Mord weiter, aber die Gefahr für die Überlebenden ist danach direkt gebannt –nicht wie in meiner Erwartung von der Außenwelt abgeschnitten. Aber meine Erwartungen muss ja die Autorin nicht ahnen und erfüllen, und auch so war die Geschichte gut konstruiert, ließ keine Fragen offen und blieb bis zum Schluss spannend. Ein weiterer Pluspunkt ist für mich, dass die Autorin die Welt nicht strikt nach Schwarz und Weiß trennt. Es gibt definitiv eine Menge Graustufen und sie kann sich gut in die von ihr geschaffenen Charaktere herein denken.
Eine weitere Besonderheit, die mir als Feinschmecker gefallen hat: bei jeder Zusammenkunft von Menschen beim Essen wurde auch das Essen beschrieben. Man bekommt nicht nur einen interessanten Einblick in die schwedische Küche (bei Jägern) sondern auch Appetit..
Embla Nyström
Wie eingangs erwähnt, ist dieser Krimi der Auftakt einer Reihe um die Ermittlerin Embla. Bei Band 1 legt man, wie ich finde, immer den Grundstein für eine erfolgreiche Reihe und zeigt den Lesern auch gleich das Potential um die Ermittler auf. Embla selbst ist schon eine gute Hauptfigur, sie hat eine weibliche Seite, die sich hier in ihrem Interesse an Peter sehr gut zeigt. Grundsätzlich ist sie aber eher eine ganz harte Ermittlerin. Nach der Hälfte des Buches, eventuell auch erst im letzten Drittel, werden ihre zwei männlichen Kollegen in die Ermittlung einbezogen. In dem Trio ist Nebla die einzige Frau – und „die Bulldogge“ des Teams. Der Chef der Spezialeinheit, die in einem bestimmten Gebiet bei schwierigen Fällen zur Unterstützung bei den Ermittlungen herangezogen wird, ist ein netter Kerl und Computerspezialist, der mit dem richtigen Input von süßen Sachen so ziemlich alles herausfinden kann. Der andere Kollege sieht wohl sehr unscheinbar aus, hat es aber auch drauf. Dieses Trio, von dem wir zusammen in diesem Band noch nicht so viel mitbekommen wie von Embla als Einzelgängerin, hat definitiv Potential. Sie haben ihre Stärken und Schwächen, scheinen sich gut zu ergänzen und auch ganz lustig zu sein. Bei Embla selbst ist sehr viel Potential, einerseits privat und andererseits als Ermittlerin.
In der Danksagung der Autorin am Ende des Buches fand ich die Information, dass Embla bereits in einem der Irene Huss- Bücher (Brandhaus) an einer Ermittlung beteiligt war.

Was lernen wir daraus?
-Ich habe gelernt, dass ich mit meinem Problem nicht alleine bin. Denn in meinem Krimi gibt es auch eine große Anzahl an Jagdteilnehmern, allerdings als eine komplette Basketballmannschaft. Ich habe lange an der möglichst kurzen aber doch prägnanten Vorstellung gearbeitet und hoffe, dass der Leser da wirklich gut folgen kann. Wenn man so einen Whodunnit-Krimi schreiben möchte, ist weniger oft einfacher. Ich habe mal einen Krimi gelesen, da gab es eigentlich nur zwei Verdächtige: Mutter und Vater des verschwundenen Kindes. So konnte man sehr detailliert die Charaktere der beiden kennenlernen, das war nicht schlecht. Allerdings ist in meinem Krimi eher das logische Streichen der vielen Verdächtigen der Weg zum Ziel, da wäre man bei 2 Verdächtigen ja schnell fertig..
-Ein abgeschlossenes Gebiet und mehrere Verdächtige, die einem als Person bekannt sind, finde ich immer noch viel besser als der große Unbekannte, der dann ganz am Ende eines Krimis oder Thrillers zufällig mit seinem Motiv aus dem Hut gezaubert wird. Helene Tursten lässt sich bewusst Zeit, alle Jagdteilnehmer vorzustellen und lässt den Leser durch den einen oder anderen Wissensvorsprung und einer geschickt aufgebauten Atmosphäre selbst raten und erkennen, wer denn da nun gut und böse ist.
-Graustufen! Wenn die Guten gegen die Bösen kämpfen, dann ist das ja auch nicht schlecht und kann eine wirklich gute Story geben. Aber wenn ein Autor geschickt Graustufen einbinden kann, ohne eine gewisse Abgrenzung aus dem Auge zu verlieren, dann ist das wie die Prise Salz in der Suppe..
Fazit
Ich gebe dem Kriminalroman Jagdrevier 4 von 5 Sternen. Ein guter Plot, das interessante und mir weitestgehend unbekannte Setting (die Jagd) und die Hauptperson finde ich gelungen. Das ich mir als Leser meine eigenen Gedanken zum Mörder und den Zusammenhängen machen durfte und auch die Graustufen bei den Charakteren sind vorbildlich. Einzig die vielen Teilnehmer-Namen, die mir nicht komplett klaren Ortsverhältnisse- und dass es mich nicht vor Schreck und Überraschung von der Couch gerissen hat, verhindern die 5-Sterne-Bewertung. Für alle Krimiliebhaber ist dieses Buch genau richtig.
Die Details zum Buch gibt’s HIER , schaut doch mal rein !

Mein Problem mit den Testlesern..

Testleser, mit denen ist das ja so eine Sache.
Wie die meisten von euch wissen (oder auch hier auf dem Blog nachlesen können:Mein Krimi ), schreibe ich einen Krimi. Mein Debüt, mein erster Versuch, endlich fertig (geschrieben) nach langer Zeit. Geschrieben neben einem stressigen Job; Nachts oder wenn ich einen Tag Ruhe hatte.
Ich muss jedoch sagen, ich bin enttäuscht und mein gesamtes Projekt stagniert gerade. Eigentlich wollte ich schon längst fertig sein und es als Selfpublisher veröffentlicht haben, aber ich hatte die Testleser zu blauäugig eingeschätzt. Nachdem ich den fertigen Krimi nun wochenlang in der Schublade hatte, um mich gedanklich etwas zu distanzieren, komme ich nun nicht weiter. Denn meine Testleser, eigentlich vertrauenswürdige Leute, kommen einfach nicht zu Potte. 2 Ausnahmen muss ich machen, denn ich bekam 2 gute Feedbacks mit hilfreichen Anregungen und der grundsätzlichen Aussage, dass die Geschichte gut konstruiert ist, sie Spaß beim Lesen hatten und Spannung aufkam. Aber dieser Testleser haben halt wirklich nur testgelesen und nicht über Rechtschreibung und Grammatik geschaut. Meine private Lektorin, einst war sie Feuer und Flamme für den Job, reist andauernd fröhlich durch die Weltgeschichte für Praktika etc. Ich nehme es ihr nicht übel, dass sie da wenig Zeit findet. Aber sie hatte sich doch wirklich für den Job angemeldet und war auch meine beste Wahl. Mein Vater, auch ein perfekter Kandidat für Lektorat und Korrektorat, hat nun seit Monaten meinen Kindle zum Lesen gebunkert, kommt aber auf Grund beruflicher Verpflichtungen zu nix. Auch eine andere Freundin, passionierte Krimi- und Thrillerleserin, die mit mir immer gern über den Plot diskutierte und Anregungen gab, ist irgendwie raus aus der Sache. Sie hat sich getrennt, zieht gerade um und so weiter. Andere Leute waren direkt ganz aufgeregt und drängten sich als Testleser teilweise auf, aber seit dem Schicken des Krimis kommt wenig. Ein Testleser bemängelte nach 2 Kapiteln Dinge, die einfach zeigen, dass er sonst wohl eher Sachbücher liest. Mein Mann, Amerikaner, würde zu gern meinen Krimi lesen und hat es auch schon mit dem Google-Translater versucht, da sein Deutsch nicht ausreichend ist. Interessant war es ja, denn selbst ich hatte nach der Übersetzung keine Ahnung, welcher Satz in meinem Manuskript da gerade übersetzt wurde..

Tja, was mache ich jetzt? Lektorat, so richtig professionell, das wäre schön. Aber dafür kann ich im Moment einfach kein Geld ausgeben. Da meine Zukunft im Moment etwas ungewiss ist und ich in ein paar Wochen eventuell in einem ganz anderen Land neu anfangen muss, spare ich einfach jeden Cent. Beim ersten Werk kann man nur mehr Geld reinstecken als rauskriegen, wenn man es gerade ganz Dicke hat. Den Testlesern in den Arsch treten? Geht auch schlecht, denn ich will ja eine Gefälligkeitsleistung von ihnen. Wahllos irgendwelche Testleser rekrutieren? Nein, das traue ich mich nicht. In der Geschichte stecken mein Herzblut und unglaublich viel Zeit, die schicke ich nicht einfach an Leute, die ich nicht wirklich kenne. Ich muss meinen Testlesern vertrauen, nicht das jemand meine Geschichte einfach kurz ändert und dann selbst veröffentlicht. Oder sonst irgendwas damit macht, man weiß es ja nicht.
Grundsätzlich scheinen also die Testleser, die es drauf haben, einfach keine Zeit zu haben. Die, die es gern machen würden und Zeit hätten, haben anscheinend keine Ahnung und sind wenig hilfreich. Man braucht gute Freunde oder Familienmitglieder, die wirklich gern in dem Genre lesen. Und sie sollten wirklich gut sein, was Rechtschreibung und Grammatik angeht. Vor allem aber sollten sie hochmotiviert sein und sich auch wirklich Zeit nehmen. Das ist wohl in der heutigen Zeit das härteste Kriterium, denn die wirklich guten Leute sind natürlich immer im Stress..
Ich überlege, ob ich mein Manuskript jetzt vielleicht doch an Verlage schicke. Ich war auf Grund der langen Wartezeiten und geringen Erfolgsaussichten ja eher nicht so heiß drauf und wollte es selbst packen, aber jetzt in der Zwischenzeit kann ich ja auch genauso gut mein Glück versuchen, es dauert ja eh alles länger als gedacht. Erst einmal werde ich jetzt erneut meinen Krimi lesen und korrigieren, aber ich weiß bereits eines: meine Betriebsblindheit hat mich bereits so einiges übersehen lassen.
Und dann könnte ich auch noch mit einem neuen Projekt anfangen, für das ich im Job schon seit Monaten recherchiere. Meine Notizen sind zusammengetragen, und es wäre etwas ganz anderes. Aber eigentlich bin ich ja ein Fan davon, erst mal ein Projekt abzuschließen. Nur anscheinend geht es jetzt nicht mehr nach meinem Zeitplan, sondern dem Zeitplan von anderen Leuten..

5 Sterne- Thriller ! Racheherbst von Andreas Gruber

RacheherbstWir schreiben das Jahr 2016, Andreas Gruber schrieb Racheherbst, wir haben jetzt Winter. Und so habe ich bei der neuen Eiseskälte dieser Tage ganz fix diesen Thriller ausgelesen, nachdem ich es über die Weihnachtsfeiertage nicht wie geplant geschafft hatte. Irgendwie bereitet man dann doch so viel vor, isst eine Menge und macht was mit der Familie. Deshalb nun ein neues Jahr und eine neue Rezension:

Der Inhalt
Im Buch Racheherbst (2015), der zweite Teil um die Ermittler Walter Pulaski und Evelyn Meyers, geht es um einen gerissenen und wahnsinnigen Killer. Die Story beginnt in Leipzig bei Pulaski, der die übel zugerichtete Leiche einer 19jährigen Prostituierten aus einem Gewässer fischt. Die weiteren Ermittlungen sind eigentlich gar nicht sein Arbeitsbereich, aber als die wild entschlossene Mutter des Opfers auftaucht, gerät sein geruhsames Leben aus den Fugen. Die jüngere Schwester der Toten wird vermisst und die Mutter der beiden Mädchen will auf eigene Faust ermitteln. Die zuständigen Ermittler hingegen scheinen sich in den Fall nicht besonders reinzuhängen, denn eine tote Prostituierte und Drogenabhängige scheint nicht sehr dringlich. Die Mutter der beiden hat eine sehr direkte und gefährliche Art der Ermittlung und ist selbst auf der Flucht, während Pulaski eher bedacht die Schadensbegrenzung betreibt. Da die Hinweise in mehrere Länder deuten, begeben sich die beiden auf eine internationale Spurensuche.
Zeitgleich bekommt Evelyn Meyers in Wien einen ganz merkwürdigen Fall auf den Tisch. Ihr neuer Klient, Arzt, ist Verdächtiger in einem Mordfall und gerät durch seine kleinen Lügen immer weiter ins Schlamassel. Evelyns Lebensgefährte, Privatdetektiv, scheint noch dazu gegen den Mandanten zu ermitteln und die beiden geraten in einen Interessenskonflikt.

Teil 1 und Teil 2
Ich habe Teil 1 (Rachesommer) nicht gelesen und hatte bei dem Lesen von diesem Buch, es ist Teil 2 und nun bereits Racheherbst, keine Probleme. Evelyn Meyers und Walter Pulaski haben auch schon in Teil 1 zusammengearbeitet und ein paar private Entwicklungen hat es wohl gegeben, aber ich habe in meiner Unwissenheit nichts vermisst. Racheherbst hat mir allerdings so gut gefallen, dass ich Teil 1 wohl doch noch lesen werde. Und auch einen eventuell folgenden Teil 3, ich tippe mal stark drauf das dieser Teil Rachewinter heißen wird, würde ich auch sehr gern lesen.
Stil, Machart, Meinung
Besonders gelungen finde ich schon die Steckbriefe von Meyers und Pulaski ganz am Anfang. Die Steckbriefe verraten ein paar wichtige Fakten und auch ein paar unwichtige, die dennoch ein passendes Bild der beiden Hauptpersonen zeichnen. So richtig gepackt hatte mich das Buch dann auch gleich am Anfang. Denn bereits der Prolog, in dem ein gruseliger Mord geschieht und Fragen aufgeworfen werden, ist spannend. Teil 1 beginnt dann 1 Jahr später, als Walter Pulaski zu einem Tatort gerufen wird. Gepackt war ich ja schon, aber die zynische Art des Ermittlers ist sehr gut beschrieben und macht einfach Spaß. Als dann noch der Handlungsstrand in Wien mit Evelyn Meyers beginnt, ist man auch schon mittendrin im Geschehen und muss unbedingt herausfinden, was da los ist.
Wie schon gesagt, ich mag die Art von Pulaski. Andreas Gruber versteht es, Dialoge lebendig zu machen. Besonders die Gedanken, die manchmal doch auch sehr vom Gesagten abweichen, sind toll. Dass der eher ruhige und bedachte Pulaski dann auf einmal mit der direkten und unerschrockenen Frauenpower einer besorgten Mutter auf Mörderjagd konfrontiert wird, macht die besondere Chemie der Szenen aus. Evelyn Meyers in Wien ist jedoch eher auf sich allein gestellt und muss entscheiden, welche der ihr präsentierten Fakten und Aussagen stimmen und was das genau bedeutet. Es ist eine ganz andere Dynamik in den Kapiteln mit ihr als Hauptperson, und sie ist genau so gut. Natürlich werden sich irgendwann im Verlauf der Geschichte die Wege der Hauptpersonen kreuzen, aber ich möchte ja nicht zu viel verraten.
Andreas Gruber nimmt den Leser mit auf eine Ermittlungsreise, in der viele Perspektiven und Hinweise auftauchen, die sich am Ende sehr gut zusammenfügen. Der Leser weiß mal mehr, mal weniger, mal genau so viel und hat immer offene Fragen und eigene Vorahnungen. Man kann sich berieseln lassen und der teilweise auch rasanten Jagd nach dem Killer folgen, gleichzeitig ist man selbst aktiv dabei und hat seine eigenen Vermutungen. Es wird zu keiner Zeit langweilig, man ist mittendrin (so mittendrin, wie man es mit einem Buch in der Hand sein kann..) und der Plot ist gut ausgearbeitet. Alles macht am Ende Sinn und fügt sich gut zusammen.
Die Balance der Erzählung ist nach meinem Geschmack zu jedem Zeitpunkt sehr ausgeglichen und macht das Leseerlebnis perfekt. Wir haben in Leipzig, Wien und noch ein paar anderen Städten interessante aber auch nicht zu lange Beschreibungen der Umgebung, jedoch hat man auch ein kurzes Sightseeing. Die Eigenarten der jeweiligen Städte/Länder kommen kurz zur Geltung, nehmen der Geschichte jedoch nie die Spannung. Ich bin kein Fan von langen und langweiligen Beschreibungen und bin sehr zufrieden mit dem Erzählstil des Autors. Er beschreibt alles ohne lange Ausschweifungen so gut, dass man mich alles gut vorstellen kann. Und genau so soll es sein.
Was lernen wir daraus?
Besonders lehrreich fand ich die Dynamik zwischen Pulaski und der Mutter der Toten Prostituierten. Sie hatten andere Voraussetzungen, eine andere Motivation und komplett andere Herangehensweisen und haben wahrscheinlich gerade deshalb erfolgreiche und auch Unterhaltsame Ermittlungen geführt. Bei den beiden gibt es nicht nur Sonnenschein in der Zusammenarbeit sondern auch oft Misstrauen und unvorhergesehene Wendungen, aber am Ende arbeiten sie doch gut zusammen. Das finde ich sehr gelungen und ich überlege, wie ich einen Funken davon eventuell auch für mein Schaffen übernehmen kann.
Sehr gut gelungen ist, wie bereits erwähnt, auch das Spiel mit dem Leser. Der Leser erfährt genau die richtige Menge an Informationen um selbst Vermutungen anzustellen und auch überrascht zu werden. Ich kann jetzt nicht sagen „im nächsten Buch werde ich das genau so auch machen“, aber ich werde definitiv vermehrt drauf achten ob der Leser die richtige Menge an Informationen für das bestmögliche Leseerlebnis hat.

Fazit
Irgendwie hat mich meine Rezension jetzt gerade auch ein wenig überrascht. Ich wollte vor dem Schreiben eigentlich 4 Sterne für das Buch geben, nun werden es aber doch 5. Denn ich habe absolut nix zu meckern. Die gute Erzählweise und die Ausgewogenheit in Sachen Information für den Leser, Beschreibungen und Wettlauf gegen die Zeit sind einfach gelungen. Der Plot ist super, alles fügt sich zusammen und man wird nicht mit unlogischen Dingen oder unbeantworteten Fragen zurückgelassen. Auch der am Ende oft so plump auftauchende „Kommissar Zufall“ als zusätzlicher Ermittler ist absolut nicht übertrieben sondern das Ende ist einfach gut gelöst und alle Personen kommen unterschiedlich und individuell zu einem Ergebnis.. (mehr darf ich nicht verraten)
Ich jedenfalls habe Andreas Gruber zwar das erste- aber sicherlich nicht das letzte Mal gelesen und kann ihn nur weiterempfehlen und weitere Bücher auf meine Wunschliste setzen. Chapeau!

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PS: Frohes neues Jahr und viel Erfolg, viele gute Bücher und Erlebnisse fürs Leben in 2016!