Rezension: Himmelschlüssel von Kristina Ohlsson

kristina-ohlsson-himmelschlusselEin vollbesetztes Flugzeug ist auf dem Weg von Schweden in die USA. Kurz nach dem Abflug geht an Bord eine Bombendrohung ein. Es gibt zwei sehr merkwürdige Forderungen. Nun sind mehrere Behörden in Schweden und den USA in höchster Alarmbereitschaft. Sie müssen herausfinden, wer dahinter steckt. Und sich auf ein Vorgehen einigen. In Schweden ermitteln Fredrika Bergman, Alex Recht und Eden Lundell für unterschiedliche Behörden zusammen, um den Fall zu lösen, bevor das Flugzeug explodiert oder abgeschossen wird. Die Uhr tickt..

Stil, Machart, Meinung

Ein richtig spannender Thriller, bei dem man mit jeder neuen Seite wieder die Uhr ticken hört. Die Geschichte ist durch kurze Kapitel, bei dem jeder neue Abschnitt mit der aktuellen Uhrzeit versehen ist, sehr spannend konstruiert. Durch verschiedene Perspektiven ist der Leser im Flugzeug und bei den verschiedenen Behörden dicht am Geschehen, während die Zeit für die Fluggäste immer weiter abläuft. Diese spannende Jagd nach dem Täter und vor allem nach einer unblutigen Lösung ist sehr gut konstruiert.

Und doch hat die Autorin den Augenmerk nicht ausschließlich auf die tickende Zeitbombe gelegt. Schon von Anfang an befassen sich die verschiedenen Personen wie Beispielsweise der Ermittler oder der Schwedische Ministerpräsident mit ganz aktuellen gesellschaftlichen Problemen.  Denn nach einem Terroranschlag  in Schweden (den gab es wirklich) fordern viele Leute mehr Sicherheit, wollen den Preis dafür aber auch nicht zahlen. Und auf dieser Welle reiten auch die Rechtspopulisten, die durch solcherlei Dinge in Aufwind geraten und eine ganz andere Bedrohung darstellen. Gleich auf den ersten Seiten habe ich gedacht „Mensch, genau so ist es bei uns doch gerade“ und durch die Aktualität und auch der guten Beschreibung der Situation und der Handlungsmöglichkeiten auch diesen anderen Strang der Erzählung mit großem Interesse verfolgt. Auch die Handlungen im Flugzeug, beispielsweise Sicherheitsvorkehrungen wie beispielsweise Cockpittüren oder Security Checks, sind ja leider aktuelle Themen. Diese sicherheitspolitischen Punkte, die Bedrohung von Rechts und die Zusammenarbeit verschiedener Behörden mit ganz eigenen Intensionen finde ich hervorragend herausgearbeitet -und das gibt noch ein Bonus- Sternchen.

Ich kann nicht mehr viel sagen, denn ich möchte nicht spoilern. Ein sehr spannender Thriller mit vielen interessanten Perspektiven, einem guten Plot, einem angenehmen, cleveren Schreibstil, viel Rätselei für die Ermittler und den Leser, einer überraschenden Aufklärung und einen realistischen Einblick in die Denkmuster der Sicherheitspolitik der heutigen Zeit. Es war auf keiner Seite langweilig und ich mochte das Buch zu keinem Zeitpunkt aus der Hand legen.

Die Reihe

Jetzt wird’s merkwürdig. Diese Geschichte ist Band 4 der Reihe um Fredrika Bergmann, Alex Recht und Eden Lundell. Ich hatte zuvor Band 5 „Papierjunge“ gelesen, ohne zu wissen das ich da mitten in eine erfolgreiche Reihe hieinstolpere. Band 5 hatte mir gefallen, und durch Zufall sprachen mich Cover und Story des 4. Bandes an. Als ich herausfand, dass es sich um Band 4 dieser Reihe handelt, habe ich gedacht ich probiere das ganze mal rückwärts. Man kann beide Bände definitiv unabhängig von der Reihe lesen, aber natürlich bin ich sicher das man Dinge verpasst, wenn man nicht chronologisch vorgeht. Ich kann diese Reihe definitiv empfehlen, wer noch keinen Teil kennt sollte es von 1-5 versuchen. Ohne das ich Teil 1-3 kenne, sind die Andeutungen zu vergangenen Fällen in den von mir gelesenen Bänden sehr verlockend. Ich fand aber auch mal die etwas unkonventionelle Leseart von 5 nach 4 interessant, da dramatische Ereignisse auf Band 5 mit beim Lesen von Band 4 wieder bedrohlich im Kopf umherschwirrten und sich auch einige Kleinigkeiten zu den Personen aus Band 5 dann durch die Lektüre von Band 4 erklären ließen. Vielleicht behalte ich dieses Vorgehen bei und lese dann demnächst Band 3.. man muss Dinge auch mal von hinten aufrollen.

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man eine spannende Atmosphäre tatsächlich geschickt durch einfachste Mittel erzielen kann. Grundrezept: Flugzeug mit Bombe, dass solange fliegen kann/muss, bis der Treibstoff leer ist. Man hat also eine Deadline, an der die Kathastrophe geschieht, wenn man das Schicksal/den Bombemleger nicht schon vorher herausfordern möchte. Und ganz simple Stilmittel wie die Nennung der Uhrzeit über jedem neuen Kapitel, die man auch gern in der Bildzeitung bei dramatischer Berichterstattung vorfindet, können stilsicher  eingesetzt werden. Eine Deadline ist also nicht nur gut, wenn ich endlich mal anfangen soll zu arbeiten. Nein, sie hilft auch jedem Thrillerautor, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Eine weitere Lektion ist ein geschickt in die spannende Geschichte eingewobener aktueller Bezug. Viele Länder machen durch drohende Terroranschläge im Moment die selben Diskussionen und Machtverschiebungen durch. Mal abgesehen davon, dass die Autorin genau zu wissen scheint wovon sie da schreibt (habe danach gelesen, dass sie damit auch beruflich zu tun hat), ist das ein zusätzlicher Input, mit dem sich ein Leser im Moment sehr gut identifizieren kann. Auch die Darstellung der Handlungsoptionen verschiedener Behörden und Regierungen, die zusammen eine Lösung finden müssen, ist realistisch und interessant dargestellt (was ich eigentlich gar nicht beurteilen kann, mir aber sehr gut vorstellen kann..). Man muss ja nicht unbedingt das Thema dieser Geschichte wählen (obwohl es viele Ideen bietet), aber ich finde ein aktueller gesellschaftlicher Bezug kann bei richtiger Anwendung einen Thriller sehr bereichern.

Fazit

Ich gebe, man ahnte es eventuell, 5 Sterne! Wenn ich sofort in das Geschehen herein gezogen werde und das Buch nicht beiseitelegen möchte, dann hat der Autor mich einfach gekriegt. Fertig. Der Aufbau des Plots, die durchgehende Spannung und der Einblick in die Entscheidungsprozesse verschiedener Parteien mit aktuellem Bezug ist eine ganz wunderbare Mischung und hat mich komplett abgeholt.

Hier geht’s zu meiner Rezension zu Band 5 der Reihe; Papierjunge

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Rezension: Die Analphabetin, die rechnen konnte -Jonas Jonasson

die-analphabetin-die-rechnen-konnteNombeko hat von Geburt an nicht gerade die größten Chancen auf ein gutes Leben. Im größten Slum Südafrikas ist sie schon seit ihrem 5. Lebensjahr als Latrinenträgerin beschäftigt, bald auch noch Waise. Aber ihr Leben nimmt dann doch noch einen ganz anderen Lauf, denn sie kann nicht nur hervorragend rechnen, sondern ist auch noch sehr schlau. Zunächst einmal möchte sie lesen lernen, und dann wird  auch noch von einem betrunkenen Ingeneur angefahren und schuldig gesprochen (weil sie ja schwarz ist) und muss jahrelang für ihn als Putzfrau arbeiten. Nombeko macht wie immer das Beste aus ihrer Situation und ist bald schon Expertin auf mehreren Gebieten und eine mehr oder weniger offizielle Schwedin mit dem Schicksal der gesamten Welt in ihren Händen.

Stil, Machart, Meinung

Von Anfang an machte dieses Buch mir einfach unglaublichen Spaß. Das liegt natürlich auch an der schon vorgestellten Nombeko, die ganz herrliche Ansichten hat und auch in interessante Situationen gerät. Aber vor allem liegt es daran, dass der Autor in die meisten seiner Sätze einfach eine riesige Portion Humor gelegt hat, die genau auf meiner Wellenlänge ist. Und nein, trotz der vor Humor strotzenden Sätze ist diese Geschichte nicht einfach Klamauk, sondern ganz im Gegenteil ein intelligentes Abenteuer. Denn der Inhalt ist vielfältig, es geht oft um bunt zusammengemischtes Weltgeschehen und macht sich über einiges lustig.

Neben dem Spaß gibt es natürlich auch einen weitläufigen Blick auf die Missstände dieser Welt. Dass beispielsweise ein schwarzes Mädchen daran schuld sein soll, dass ein betrunkener Weißer sie anfährt und dann bei ihm Putzdienste verrichten muss.. das ist wohl Südafrika zu Zeiten der Apartheid ..

Ich möchte nicht zu viel spoilern, aber erwähnen dass zwischen den Kapiteln um Nombeko Kapitel über einen komplett verrückten Schweden auftauchen, der den König abgrundtief hasst und dann überraschenderweise gleich zwei Söhne auf einen Schlag bekommt und sie Holger 1 und Holger 2 tauft. Wie sich die Wege von Nombeko und den Schweden kreuzen und wie das Schlamassel um Massenvernichtungswaffen seinen Lauf nimmt, müsst ihr nun selbst herausfinden.

Die Geschichte ist laut Cover ein Roman. Das stimmt auch, aber es ist irgendwie auch noch so viel mehr. Ein Abenteuer, lehrreich, unglaublich lustig und doch auch ernst, für mich auf jeden Fall einer der besten Romane, die ich jemals gelesen habe.

Genug des Lobes, sonst würde ich wohl zu viel verraten. Dieses Taschenbuch hat 463 Seiten, und im Vergleich zu anderen Taschenbüchern ist auf Grund kleinerer Schriftart und kleineren Rändern mehr Geschichte drin, als das es zunächst den Anschein hat. Bei anderer Formatierung könnte es wohl auch ein dicker Wälzer werden. Für Leute, die Sehprobleme haben, ist diese Ausgabe wohl daher nichts, für mich war es gut das vielfältige Geschehen so in komprimierter Form in der Hand und auch Handtasche zu haben. Es hat ziemlich lange gedauert, aber immer Spaß gemacht.

Zielgruppe

Die Zielgruppe hier dürfte sehr, sehr vielfältig sein. Während ich es jedem Geschlecht und einer breitgefächerten Altersgruppe uneingeschränkt empfehlen kann, muss bedacht werden das die Lektüre tatsächlich den richtigen Humor und etwas Allgemeinbildung voraussetzt. Wer mit den vielen politischen Gegebenheiten nun überhaupt nichts anfangen kann und auch nicht interessiert ist,  dem könnte die Geschichte teilweise sehr langweilig erscheinen. Auf Grund der kleinen Schrift würde ich, wie gesagt,  genau dieses Taschenbuch-Format auch nicht für Menschen mit eingeschränkter Sehkraft empfehlen. Ansonsten dürfte wirklich jeder begeistert sein.

Was lernen wir daraus?

Ich als eingefleischter Krimi- und Thrillerleser schiebe ja unheimlich gern auch mal einen Roman ein. Aber dieser Roman hier ist nicht irgendein Roman, sondern etwas ganz besonderes. Wie man so viel Humor in eine Geschichte mit so ernstem und abenteuerlichem Hintergrund einbauen kann, ist mir ein Rätsel. Ich weiß noch, wie meine sonst so schlagfertigen und lustigen Gedanken dann nach der Kreation einer lustigen Nebenperson in meinem Krimi plötzlich einfach weg waren, obwohl die Idee doch so gut war. Im wahren Leben lustig sein und es dann noch allgemein zu Papier zu bringen, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Aber dieses Buch hat mir einen Einblick gegeben, wie es genial umgesetzt werden kann.

Ich habe zusätzlich gelernt, dass einzelne Sätze in einem Buch voll mit Humor oder schlauen Erkenntnissen sein können, sodass einzelne Sätze unglaublich Spaß machen können. Wenn man dann noch ein ganzes (und umfangreiches) Buch voll mit solchen Sätzen schreiben kann, hat man es meiner Meinung nach einfach geschafft.

Ich zeige euch mal einen der nüchternen Sätze mit einer interessanten, zusammengefassten Beobachtung, welcher den unterschwelligen Humor gleich noch dazu zeigt:

 „In Südafrika trug es sich zu, dass ein Mann, der einst als Terrorist verurteilt worden war, nach siebenundzwanzig Jahren freikam, den Friedensnobelpreis erhielt und zum Präsidenten des Landes gewählt wurde. Auf Sjölida geschah zu ungefähr derselben Zeit umso weniger“ (S.309)

Ich hab mir den Satz beim Lesen markiert, weil er kann ganz gut zusammenfassen, was er Leser mitbringen sollte und wie er dann seinen Spaß an dem Roman haben wird..

Fazit

Ich vergebe, man ahnte es wohl schon, 5 Sterne und ernenne diesen Roman zu einem der besten Romane meines bisherigen Lebens. Eventuell wird nicht jeder seinen Spaß dran haben, aber in Sachen Humor passte es zu mir einfach perfekt. Dieses Buch verspürt einen ganz eigenen Charme, verzichtet auf tiefgründige Gefühle und die Bewertung von fragwürdigen Ereignissen und ist einfach wunderbar. Klar, die Geschichte ist umfangreich, etwas länger und holt auch oft ein wenig aus – aber die Ausschweifungen sind jedes Mal so interessant und lustig, dass ich auch daran Spaß hatte. Die Story ist außergewöhnlich, hoffentlich in einigen Punkten nicht ganz so realistisch und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Hier gibt’s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

„Wie man den Schwedenkrimi des Jahrhunderts schreibt“; Rezension außer Konkurrenz

wie-man-den-schwedenkrimi-des-jahrhunderts-schreibtIn „wie sie den Schwedenkrimi des Jahrhunderts schreiben“  geht es  –Überraschung!-  darum, wie man den Schwedenkrimi des Jahrhunderts schreibt. Ob die Lektüre dabei hilft, den Schwedenkrimi des Jahrhunderts zu schreiben? Da bin ich mir allerdings nicht ganz so sicher. Es geht hier um Klischees, gute Beobachtungen, und eventuell auch ein paar kleine Ansätze, die dann für das Schreiben eines Krimis nicht so verkehrt sind. Es geht aber vor allem um Humor! Denn dieses eher in Comic-Form gestaltete Buch nimmt Schwedenkrimis sehr gekonnt auf die Schippe. Die Comics sind so, wie auch auf dem Cover abgebildet und nehmen in der Regel jeweils eine Seite ein. Es geht um die Frage, die schon der Titel beinhaltet. Es werden durch die Zeichnungen vor allem die Eigenarten der schwedischen Kriminalliteratur lustig und treffend hervorgehoben. Allgemeine Tipps wie „erwähnen sie irgendwann ein richtiges Buch, damit der Leser denkt sie hätten richtige Bücher gelesen“ (im Comic ist es Krieg und Frieden) und ein paar „Schwedenkrimi- Klassiker für die ganz Eiligen“ (Klassiker in drei kleinen Bildern zusammengefasst, sehr gelungen!) lockern den normalen Handlungsstrang um eine kleine, typische Krimihandlung wunderbar auf.

Dieses Buch hier läuft außer Konkurrenz zu den normalen Rezensionen, denn es ist einfach eine wunderbar unterhaltsame Lektüre für Zwischendurch, die Krimifans und Krimiautoren gleichermaßen sehr amüsieren wird, wenn man sich denn auf diese spezielle  Form einlassen mag. NAtürlich sollte man auch schon ein paar Schwedenkrimis gelesen haben, sonst macht das ganze ja keinen Sinn. Da Weihnachten in naher Zukunft liegt, wollte ich euch Lesern, von denen ja viele Krimi-Fans sind, einen kleinen Tipp geben. Ich habe das Buch sehr fix gelesen, denn es ist ja eher in Bildform. Dabei habe ich einige Male sehr gelacht und durchgehend geschmunzelt. Zwei meiner Besucher haben beim kurzen Durchblättern auch sehr viel Spaß gehabt. Ob ich durch die Lektüre jetzt den nächsten Schwedenkrimi des Jahrhunderts schreibe?. Wohl eher nicht, denn mein Krimi wird in Deutschland spielen..

Fazit

Der Autor Hendrik Lange scheint durch diese „.. für Eilige“ – Comics groß raus gekommen zu sein, und das im Klappentext erwähnte „Weltliteratur für Eilige“ wird sicher auch bald einen Platz in meinem Bücherregal haben. Es ist ein lustiger Comic über Schwedenkrimis, Satire, gute Beobachtung, treffend gezeichnet, sehr kurzweilig. Der Autor trifft meinen Humor und tatsächlich mit vielen Beobachtungen über Schwedenkrimis auch den Nagel auf den Kopf!

Details zum Buch gibt’s auf der Verlagsseite, einfach hier klicken!

Rezension: Das Seegrab von Carina Bergfeldt

seegrab-bergfeldtIn Skövde, Schweden: Viktor Hyldgaart wollte nur mal schnell mit seinen Kumpels in die Kneipe. Seitdem wurde er nie wieder gesehen. Die Frau alarmiert die Polizei, die Suche ist erfolglos. Bis ein Kopf in einem See mit dem passenden Namen „Valdemars Grab“ gefunden wird. Ist das Viktor? Was ist das für ein Foto im Rachen der Leiche? Und was ist in den  anderen Müllsäcken, die bei der Suche gefunden werden? Ein Mörder mit mehreren Opfern oder mehrere Mörder? Anne Eiler muss ermitteln, hat aber privat ganz andere Probleme..

Stil, Machart, Meinung

„Das Seegrab“ ist ein laut Cover ein Kriminalroman. Das stimmt soweit auch, da es um die Aufklärung eines (oder mehrerer) Verbrechen geht. Irgendwie hat mir die Balance zwischen der Aufklärung des Verbrechens und der privaten Probleme der Ermittlerin ja so überhaupt nicht gefallen. Vielleicht ist es auch eher ein Roman über eine unglückliche Geliebte, die Nebenbei noch einen Mordfall aufklären muss. Gern können Ermittler ein interessantes Privatleben haben, aber wenn die sehr klischeehafte Affäre der Beamtin mehr Raum einnimmt als die Aufklärung des Verbrechens, dann fühle ich mich, wie die Ehefrau des Geliebten in diesem Fall wohl auch: betrogen. Gut ist immerhin, dass die Beschreibungen nicht ausufern und sich die Geschichte so schnell lesen lässt.

Die Idee an sich ist gut. Ein Mann verschwindet, zwei Leichen werden gefunden. Wie hängt das alles zusammen? Das ist doch schonmal was. Auch das Foto einer Frau im Rachen ist ein interessanter Hinweis. Dann erfahren wir aus den spärlich beschriebenen Gedanken des Mörders, dass es eine Mörderin ist. Und ein interessantes Doppelleben des Opfers wird enthüllt, woraufhin man dem Mörder eigentlich eher beglückwünschen als schnappen möchte – und die Anzahl der Verdächtigen ist sofort recht hoch. Leider wird es aber nicht wirklich spannend.

Zu keiner Zeit war ich so richtig gefesselt. Ich habe das Buch auf einer Zugfahrt begonnen und fand schnell die Natur, die Mitreisenden und einfach alles andere spannender. Das letzte Drittel des Buches habe ich dann auf der Arbeit in der Pause gelesen, da gab es nun wirklich nichts Interessanteres und deshalb bin ich nun fertig. Die Kapitel sind zwar meistens schön kurz gehalten, sodass man in von einer Szene in die nächste springt – obwohl sonst ein gutes Stilmittel für Spannung, hilft das bei der Spannung leider auch irgendwie nicht. Am Anfang hat es mich auch eher verwirrt, weil ich nicht gerade schnell herausfinden konnte, wer denn da nun wer ist.

Ein weiteres Manko ist die Ermittlungsarbeit. Man ist als Leser kaum dabei. Man folgt lediglich der Ermittlerin, die ja gedanklich eher bei ihrer Affäre ist. Die Ermittlungsergebnisse werden nicht durch Ermittlungsarbeit erzielt sondern eher sehr  zufällig und durch die Intuition der Ermittlerin (als sie dann am Ende des Buches noch dachte, sie sollte sich zur Abwechslung mal auf ihr Bauchgefühl verlassen, da war es bei mir ja endgültig vorbei). Einzig die Auflösung fand ich ja noch ganz gelungen, sie kam aber auch irgendwie so plötzlich.

Was lernen wir daraus?

Wie schon so oft, aber auch wieder ein bisschen anders: Balance! Grundsätzlich erwarte ich in Sachen Balance ja mehreres: Die richtige Balance  bei der Aufteilung der Kapitel und Perspektiven, beim Berichten von wichtigen und unwichtigen Dingen, bei der Verständlichkeit des Motivs..  da gibt’s bestimmt auch noch mehr. Hier hat das Privatleben der Ermittlerin einen riesigen Raum eingenommen und war nicht mal interessant – ganz im Gegenteil war es klischeehaft und schon sehr oft erzählt.  Ich habe schon viele gute Krimis gelesen, in dem das Privatleben des Ermittlers viel Raum einnahm – aber das war entweder sehr interessant oder hatte einen Bezug zum aufzuklärenden Verbrechen. Hier ist also Vorsicht geboten, auch wenn das Empfinden wahrscheinlich sehr subjektiv ist. Falls eine Leserin gerade in einer Affäre mit einem verheirateten Mann ist, wird sie wahrscheinlich sagen, es wäre der beste Krimi überhaupt.

Ein weiterer Punkt: Man muss den Leser irgendwie an der Ermittlung teilhaben lassen. Vielleicht kann er was Neues lernen über Ermittlungsarbeit oder sonstige Themen, oder er hat ein paar Verdächtige zur Auswahl und kann selbst Schlüsse aus Dialogen ziehen. Oder er ist einfach hautnah dran und kann die Gedanken der Ermittler und deren Ideen irgendwie miterleben.

Fazit

Dieses Buch ist bei mir durchgefallen. Ich vergebe enttäuschte 2 Sterne und werde wohl kein Buch dieser Autorin jemals wieder in die Hand nehmen. Hier ist jedoch zu beachten, dass mein Empfinden da sicherlich sehr subjektiv ist. Wer mit der privaten Geschichte der Ermittlerin warm werden kann, der findet es eventuell ganz toll. Wenn ich allerdings ein Krimi lese, dann liegt mein Hauptaugenmerk auf der Aufklärung des Verbrechens. Interessante Nebenhandlungen sind herzlich willkommen. Positiv anzumerken ist, dass man als Leser nicht mit unnützen Beschreibungen von Landschaften und sonstigen Dingen genervt wird – aber diese Rolle übernimmt ja etwas anderes. Auch gut ist die Story, 2 Leichen in einem See, an verschiedenen Zeiten getötet. Das ist doch eigentlich eine gute Ausgangslage..

Falls es beim Krimi also nicht um das Verbrechen geht und sie gerade eine Affäre haben, lesen sie dieses Buch und sie werden es wahrscheinlich lieben…

Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson (Bergman #5)

Papierjunge Kristina OhlssonIn einer jüdischen Gemeinde in Stockholm passieren an einem Tag zwei unfassbare Verbrechen: Zuerst wird eine Erzieherin vor den Augen von Kindern und Eltern erschossen, wenige Stunden später verschwinden zwei Jungen auf dem Weg zum Tennistraining. Fredrika Bergmann und Alex Recht werden mit der Aufklärung der Verbrechen beauftragt, zeitgleich ist der neue Sicherheitschef der Gemeinde und ehemalige Kollege, Peder Rydh, hilfreich bei den Ermittlungen. Bald stoßen die Ermittler auf die israelische Legende des Papierjungen, der sich in der Dunkelheit Kinder holt. Als die beiden Jungen tot aufgefunden werden, sieht es so aus als sei der Papierjunge zum Leben erwacht.
Stil, Machart, Meinung
Dieser Thriller hier ist ein echter Thriller. Man bekommt genau das, was man erwartet. Dabei sind die Thrillerelemente gut verstrickt mit einer tiefgründigen Geschichte und den Perspektiven vieler Beteiligter. Ermittler, Opfer, Täter und viele in die Sache Verwickelte bekommen Raum für ihre Perspektive. Der Schreibstil ist nach meinem Empfinden genau richtig, nicht schnörkelig mit unnützen Informationen aber trotzdem tiefgründig und informativ, ohne zu langweilen. Die besonderen Perspektiven zeigen, wie ein Ereignis viele Menschen beeinflussen kann und macht dem Leser auch das Motiv des Papierjungen verständlich.
Es kommt von Anfang an Spannung auf und ich mochte das Buch zu keiner Zeit aus der Hand legen. Dazu tragen einerseits die Kapitel bei, die eine perfekte Länge (nicht zu lang) haben und mit fiesen Cliffhangern sowie düsteren Andeutungen enden. Andererseits spielt die Autorin unglaublich gekonnt mit dem Leser, indem sie die perfekte Balance zwischen den Informationen gefunden hat, die sie den Lesern häppchenweise hinwirft.
Eine für mich ganz neue Taktik der Autorin wirkt für mich unglaublich gut: Bereits zu Beginn des Buches kommt ein Teil vom Schluss. Im zweiten Kapitel, „Schluss. Fragment 1“ erfährt der Leser von einer Frau, die gleich ihre Familie tot zuhause auffinden wird. Immer mal wieder wird dem Leser zwischendurch ein Fragment des Schlusses schon vorher serviert, und von diesem kleinen Kapitel gingen eine Menge Emotionen aus – zumindest war es bei mir so. Man bekommt in den anderen Kapiteln Hinweise und hat bald zwei Frauen im Sinn, von denen es wohl eine schwer treffen wird. Wer von beiden, das weiß man dann erst am Schluss.. dem richtigen Schluss dieses Mal. Und allein dieser Teil der Geschichte hat mich so unglaublich gefesselt und mit den kleinen Hinweisen zwischendurch auch wirklich beschäftigt. Eine neue, tolle Idee. Gekonnt umgesetzt.
Gefallen hat mir auch der Bezug zu Israel, das war eine für mich recht neue Welt und sehr interessant. Denn als drei Menschen einer jüdischen Gemeinde in Stockholm an einem Tag sterben, stellt sich die Frage ob es ein Hate Crime (Verbrechen aus Fremdenhass) oder etwas Persönliches war.
Die Reihe
Wie so oft in letzter Zeit ließ ich mich bei der Wahl des Buches von den „äußeren Faktoren“ (Cover, Teaser) leiten und musste dieses Buch einfach lesen. Als ich dann feststellte, dass dieser Band der 5. Band der Reihe um Fredrika Bergmann ist, war ich nicht abgeschreckt. Das Buch ist natürlich am besten, wenn man es auch wirklich nach den Vorgängern liest – da besteht kein Zweifel. Bei Reihen geht es ja immer auch um die Entwicklung der Charaktere, und bei so verschiedenen, vielschichtigen Ermittlerin ist Vorwissen sicher interessant. Trotzdem kann man dieses Buch problemlos auch ohne jegliches Vorwissen lesen. Gewisse Ereignisse aus der Vergangenheit werden angedeutet, und es klingt definitiv sehr interessant. Ich überlege, die anderen Teile nun auch zu lesen.
Was lernen wir daraus?
Ich habe diese neue, unglaublich gute Idee kennengelernt, die ich schon oben angesprochen habe. In Ansätzen war mir das schon über den Weg gelaufen, manchmal ist es einfach sehr gut für die Geschichte, wenn der Leser schon ganz am Anfang einen kleinen Vorgeschmack auf den Schluss bekommt. Ich erinnere mich da beispielsweise an „Totenhaus“, dort erfährt man gleich am Anfang das die Hauptperson irgendwann im Laufe der Geschichte mal irgendwo eingesperrt wird und zu verdursten droht. Hier ist das allerdings noch viel beser umgesetzt. Man nehme eines der grausamsten Szenarios, das man sich so vorstellen kann und lasse eine glückliche Frau auf dem Weg nach Hause sein, wo sie in genau das Szenario geraten wird. Und man gebe dem rätselnden Leser zwei Frauen, die diese Frau sein können. Dann werfe man über das (dicke) Buch hin immer mal wieder ein paar Hinweise in die Szenen herein.. schon hat man den Leser gefesselt. Natürlich ist das nicht so einfach, denn die beiden Frauen und das Schicksal der Familie wurden hier sehr gut in die Handlung eingebunden. Dieser Kniff hat mich als Leserin wirklich gekriegt und als Schreibende sehr beeindruckt. Es lässt sich allerdings nicht mal eben so in Geschichten einbinden, da muss schon alles passen.
Fazit
Ich vergebe, man ahnte es wohl schon, 5 Sterne. Ein fluffiger Schreibstil, ein zu jeder Zeit spannender Thriller mit Elementen eines Romans. Stockholm, Israel, Gegenwart, Vergangenheit, viele Betroffene Familien, viele Ermittler mit unterschiedlichen Hintergründen, viele Wendungen, ein gut zusammengesponnener Plot, Überraschungen und Kniffe. Ich bin begeistert, werde mir den Namen Kristina Ohlsson weit oben auf meiner To-Read-List notieren und empfehle sie sehr gern weiter!

PS: Hier gibt´s die Infos zum Buch auf der Verlagsseite, inklusive Informationen zu der Reihe (und Reihenfolge) und weiteren interessanten Sachen.

Rezension: Die Strömung von Cilla & Rolf Börjlind

strömungIn diesem recht dicken Kriminalroman, der einem besser nicht auf den Fuß fallen sollte, geht es um ein brisantes und derzeit mal wieder hochaktuelles Thema: Rassismus.
Wir haben eine Ermittlerin, die entgegen ihrer Qualifikationen in einem kleinen Kaff in Schweden als „normale“ Polizistin anfängt. Schnell gerät sie in einen großen Fall, denn beim freudigen Spiel im Sandkasten wird der kleinen Emelie das Genick gebrochen. Dieser Mord soll nicht der einzige Mord an einem Kind bleiben, der zweite folgt. Bald kommt der Gedanke auf, dass Fremdenhass ein Motiv sein könnte. Denn beide Kinder hatten einen Migrationshintergrund. Viele Spuren deuten auf eine rechtsradikale Gruppierung, aber ein DNA-Abgleich bringt bald eine merkwürdige Übereinstimmung hervor, der die Ermittlung tief in die Vergangenheit und zu einer Hippie- Kommune auf eine abgelegene Insel führt..

Stil, Machart, Meinung
Ich muss schon sagen, der Anfang beginnt gleich sehr geheimnisvoll mit einem mysteriösen Treffen einer Vereinigung, dann einer kurzen Szene mit der Ermittlerin Olivia und dann direkt einer Szene mit dem Mord an der kleinen Emelie im Sandkasten. Der Leser kann nicht anders, er ist gefesselt – und möchte natürlich den Zusammenhang zwischen den Morden und der Gruppierung verstehen. Das finde ich sehr gelungen, denn so hat der Leser etwas im Hinterkopf, was den Ermittlern im Buch da noch überhaupt nicht klar ist. Man möchte wissen, wie es weitergeht und man denkt selbst mit.

Der Schreibstil ist zwar irgendwie ausführlich, die Geschichte liest sich trotzdem gut. Trotzdem habe ich irgendwie stellenweise nicht recht den Ansporn zum weiterlesen gehabt, da diese Geschichte das Wort Roman in der Genrebezeichnung Kriminalroman sehr ernst nimmt und den einzelnen Figuren und vielen Nebensträngen Raum gibt. Ich finde das schon gut gemacht, hatte aber irgendwie eine Menge Überstunden abzuleisten und war dann eine Weile in den Abendstunden eher weniger geneigt, den Wälzer in die Hand zu nehmen..
Eine Spezialität, die mir in vielen Szenen aufgefallen ist, ist diese hier: Szenen/ Dialoge sind oft nicht nur aus einer Perspektive geschrieben. Damit meine ich, das beispielsweise in einer Szene mit 2 Personen erst die eine Person sich irgendetwas denkt, und dann danach auch die Gedanken der anderen erwähnt werden. Das fand ich irgendwie merkwürdig. Das Buch war jetzt nicht damit überladen, aber ich finde es irgendwie unpassend. Das ist sicherlich Geschmackssache, aber mir fiel es auf.
Eine weitere Auffälligkeit: Es gibt ganz schön viele Ermittler! Wir haben die Polizei in dem kleinen Kaff Schonen, da ist besonders die Ermittlerin Olivia, der neue Chef und ein merkwürdiger Kollege interessant. Dann übernimmt Stockholm allerdings den Fall, und da gibt es dort Staatsanwältin Mette und noch zwei Ermittler, die oft erwähnt werden. Mette und Olivia kennen sich, und der gemeinsame Bekannte und ehemalige Kommissar Tom wird auch noch an dem Fall mitarbeiten, bei dem ihm später wiederum ein anderer alter Bekannter hilft. Als Krimileser, der im Vergleich zum Durchschnitt wohl eher weniger nordische Krimis konsumiert, hatte ich mit den Namen und Personen sehr lange meine Probleme.
Thema: Rassismus
Das Thema Rassismus kommt in dem Kriminalroman oft und auf ganz verschiedene Arten zur Geltung. Gelungen fand ich, zunächst nicht zu erwähnen welche Hautfarbe die Opfer haben. Die kleine Emelie wird ermordet, ein süßes Mädchen in einem Sandkasten. Erst später kommt einem Ermittler der Gedanke: Ist es, weil sie schwarz war? Das finde ich sehr gut, weil es einfach genau so sein sollte in der Wahrnehmung der Menschen. Ich persönlich sehe wegen der Abstammung keinen Unterschied in einem Menschen (oder diesem Fall Mordopfer), und ich finde diese Selbstverständlichkeit ganz gut gemacht. Am Anfang gibt es dann wieder ein paar Anspielungen anderer Art zu viel, es gibt rassistische Kollegen, es wird immer mal erwähnt das der Fremdenhass zunimmt, dann sitzt da eine ausländische Frau rum.. da wurde es mir teilweise etwas viel mit den Anspielungen. Wichtig ist jedoch, dass bei so einem brisanten Thema die Botschaft von Autor an Leser die richtige ist. Und die ist genau richtig! Besonders die Gedanken von Ermittlerin Olivia sind in der Richtung manchmal sehr gut und es werden genau die richtigen und aktuellen Fragen aufgeworfen. Die Ermittler machen bei den Opfern keinen Unterschied und verurteilen die Rassisten zutiefst. Diese Leute werden auch sehr gut dargestellt (also eher nicht gut, aber mit dem leichten Versuch einer Erklärung für das bekloppte Verhalten).
Es gibt auch aktuellen Bezug, zum Beispiel wird mehrmals Anders Behring Breivik (das ist der verrückte Massenmörder, der auf der Insel in Norwegen die vielen Jugendlichen getötet hat) und seine Gesinnung sowie sein Manifest erwähnt. Und am Ende der Lektüre bleibt einem irgendwie der gruselige Gedanke, dass die schlimmen Leute aus diesem Buch sicherlich real existieren und ihr beängstigendes Gedankengut ausleben. Besonders in Bezug auf viele aktuelle Ereignisse, auch in Deutschland, stimmt das besorgt und nachdenklich. Umso besser finde ich es, dass dieses Buch das Thema so aufgreift und vielleicht bei Leuten, die im Anfangsstadium des Fremdenhasses stecken, noch etwas Gutes bewirken kann.
Die Reihe
Wie mir am Anfang leider nicht klar war, ist dieses Buch Teil 3 einer Reihe. Hauptermittler sind anscheinend die Ermittlerin Olivia, die Staatsanwältin Mette und der ehemalige Kommissar Tom. Dazu gehören mehrere Freunde und Verwandte und kleine, nette Geschichten. Ich habe mich von Anfang an gefragt, ob diese Geschichte nicht schon eine Menge Vorgeschichte hat, die ich verpasst habe. Es wird nebenbei immer viel Vergangenheit erwähnt. Auf dem Umschlag des Buches und auch in der Inhaltsangabe vorne im Buch wird davon leider kein einziges Wort erwähnt, und das finde ich sehr schade. Dann am Ende, als ich mit dem Lesen fertig war, präsentierte man mir hinten im Buch die Cover zu Teil 1 und Teil 2.
Ich empfehle allen, die gern dieses Buch lesen möchten, unbedingt bei Teil 1 anzufangen. Ich glaube diese Ermittler und deren Umfang haben eine Menge zu bieten, ich habe bei diesem Teil nur leider oft das Gefühl gehabt, etwas verpasst zu haben. Bei vielen Buchreihen bin ich schon quereingestiegen, und bei den meisten stand dann in der Rezension soetwas wie „macht überhaupt nichts, hier einzusteigen. Anfang wäre sicherlich besser gewesen, aber man kommt problemlos überall mit“. Bei diesem Buch hatte ich allerdings wirklich das Gefühl, etwas verpasst zu haben, hier kam man nicht immer so gut mit wie bei anderen Büchern. Ich würde mich auch nicht beschweren, wenn ich die Information „Teil 3“auf dem Buch gefunden hätte.
Ich bin dennoch froh, nicht erst mit der Reihe angefangen zu haben, denn ich fand den aktuellen Bezug in Sachen Rassismus zu dieser Zeit recht passend. Wer es also vor Allem auf das Thema Fremdenhass abgesehen hat, kann das Buch ruhig so lesen. Wer allgemein gern Krimis liest und es nicht eilig hat, der sollte unbedingt bei Teil 1 anfangen, ich denke bei den vielen Ermittlern gibt es eine Menge Erlebnisse, die mir einfach fehlen.
Was lernen wir daraus?
Ganz kurz und knackig: Immer irgendwo verlauten lassen, wenn ein Buch nicht Teil 1 einer Reihe ist! Oder aber die Geschichte so genial schreiben, dass weder neue noch alte Leser sich darüber beschweren können, das sie etwas verpasst haben.
Ein weiterer Punkt: Ich bin kein Fan von Dialogen, in der manchmal die Gedanken von zwei Personen zu lesen sind. Wenn man es so aufziehen möchte, dann könnte man das natürlich gewollt komplett so durchziehen, um die gegensätzlichen Gedanken von Gesprächspartnern oder Missverständnisse hervorzuheben, aber so war es hier nicht gemacht. Ich finde eine Perspektive irgendwie besser, man ist dann besser drin und alles ist irgendwie glaubhafter.
Fazit:
Ein Kriminalroman, der ganz schön lang ist aber trotzdem einen sehr interessanten Plot und ein leider aktuelles Problem gut verknüpft und darstellt. Der Leser muss mitdenken und hat trotzdem eine Menge kleiner und großer Geschichten in einem Krimi. Es wird definitiv spannend, am Ende ist es auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Trotzdem ist der Thriller-Liebhaber, der gern aufgeregt jede Seite umblättert und auch mal Action und Brutalität schätzt, bei diesem Werk eher fehl am Platz. Es ist ein Kriminalroman und Krimi – oder Romanfans werden hier ihre Freude haben. Man sollte Zeit mitbringen und bereit sein, den Personen und der Story Raum zu geben. Wie gesagt, empfehle ich unbedingt bei 1 anzufangen. Einen besonderen Bonuspunkt gibt’s für den aktuellen Bezug und die gute Message, daher komme ich auf 4 Sterne und empfehle dieses Buch den richtigen Lesern unbedingt. Es ist jedoch sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Deshalb hoffe ich, dass meine Rezension dem potentiellen Leser da die richtigen Informationen gibt. Ich habe ja gar nicht so viele Kritikpunkte, vergebe aber trotzdem „nur“ 3 von 5 Sternen. Besonders die vielen Ermittler und die fehlenden Informationen aus den beiden Büchern davor haben mich teilweise verwirrt, nur mich war es trotz gutem Schreibstil und gutem Plot dann doch etwas lang. Für alle, die die beiden Bücher davor gelesen und für gut befunden haben, natürlich eine absolute Leseempfehlung; für Interessierte zum Thema Rassismus und Fremdenhass auch.

Rezension: Helene Tursten – Jagdrevier (Embla Nyström #1)

Jagdrevier

Helene Tursten – Jagdrevier

Urlaub und ein spannendes Buch sind eine gelungene Kombination, und daher habe ich das Buch Jadgrevier von Helene Tursten auch in 2 Tagen verschlungen. Dieses Buch ist der Auftakt einer neuen Krimi- Reihne um die Hauptperson Embla Nytröm und ist beim btb Verlag am 11.01.2016 erschienen.

Der Inhalt:
In Göteborg treffen sich wie jedes Jahr mehrere Freunde zur Elchjagd. Darunter auch Embla Nyström, Polizistin bei einer Spezialeinheit und frischgebackene nordische Meisterin im Halbweltergewicht. Sie geht mit ihrem Onkel schon seit ihrer Kindheit zur Jagd und hat extra Urlaub genommen, um die gut organisierte Jagd nicht zu verpassen. Dieses Jahr läuft jedoch einiges anders als in den Vorjahren. Beispielsweise ist der charismatische, gutaussehende Peter mit von der Partie. Er ist in der Gegend aufgewachsenen und nun wieder hergezogen. Jeder fragt sich, warum er wieder da ist. Und auch sonst ranken sich Geheimnisse um den Mann, in den Embla sich bald verliebt. Als dann jedoch einer der Teilnehmer tot entdeckt wird und ein weiterer verschwindet, ist es mit dem Urlaub von Embla und dem Spaß an der Elchjagd vorbei. Denn nun sind die Jäger wohl die gejagten..

Stil, Machart, Meinung
Die ersten Seiten haben knapp ein Detail verraten, wodurch beim Lesersofort Spannung aufgebaut wurde. Die Ermittler erfahren davon erst wesentlich später im Buch, und das finde ich schon einmal sehr geschickt. Das müsst ihr mir jetzt so glauben, denn ich möchte ja nicht spoilern..
Nach den unheilvollen Szenen am Anfang folgt zunächst eine größere Vorstellungsrunde. Wir lernen aus der Perspektive von Protagonistin Embla die anderen Jagdteilnehmer, die Umgebung und die Details der geplanten Jagd kennen. Dieser Abschnitt fällt auf Grund der vielen Teilnehmer und den verschiedenen Etappen der Jagd recht umfangreich aus, ist aber trotz der vielen Informationen und Namen gut gelungen. Mir wurde dabei nicht wirklich langweilig, obwohl ja nicht viel passierte. Die Vorstellung fand immer in einem lebendigen Rahmen wie ein Abendessen oder einer Jagdbesprechung statt. Ich war nicht gelangweilt, hatte allerdings ein paar Probleme mit den vielen Personen und Namen. Eine Zeit lang beispielsweise hatte ich mental wohl irgendwie einen der Jadghunde mit einem der Teilnehmer verwechselt.. Das dürfte einerseits an den schwedischen Namen liegen, andererseits an der Anzahl der Teilnehmer und am Rande Beteiligten. Ich hätte mir eventuell eine etwas längere Beschreibung der einzelnen Teilnehmer bzw. eine einfachere Umgebung gewünscht. Man hat recht viele Schauplätze, beispielsweise geht es von dem Haus von Emblas Onkel zu einem anderen Haus, von wo die Jagd startet. Von dort geht es in das Jagdlager, dann gibt es irgendwo anders noch ein Jagdschloss… mir sind die Entfernungen irgendwie nicht so ganz klar geworden. Es hat aber auch nicht wirklich gestört, ich habe dadurch nichts wesentliches verpasst.
Die Schreibweise der Autorin finde ich sehr flüssig, sie schweift nicht zu sehr aus und beschreibt dennoch gern die Natur und die Umgebung. Die Perspektive ist gut gewählt, durch die Augen von Embla sieht man die Geschehnisse einerseits als Polizistin und andererseits als Frau im Urlaub, die sich in einen der Teilnehmer verliebt. Wie diese beiden Perspektiven sich ergänzen, abwechseln und manchmal auch im Weg stehen, finde ich sehr interessant.
Den Plot hatte ich mir ja eigentlich etwas anders vorgestellt, ich denke das ist meiner Liebe zu Agatha Christie geschuldet. Wenn ich auf der Rückseite lese „Eine Elchjagd in den schwedischen Wäldern. Ein Toter. Fünf Verdächtige“ , dann geht bei mir automatisch die Erwartung „Einer nach dem anderen stirbt, wer war es?“ an. Grundsätzlich ist diese Erwartung auch irgendwie erfüllt worden, nur anders als gedacht. Zwar geht es nach der Einführung zu den Jagdteilnehmern, den Jagdabläufen dann mit Mord weiter, aber die Gefahr für die Überlebenden ist danach direkt gebannt –nicht wie in meiner Erwartung von der Außenwelt abgeschnitten. Aber meine Erwartungen muss ja die Autorin nicht ahnen und erfüllen, und auch so war die Geschichte gut konstruiert, ließ keine Fragen offen und blieb bis zum Schluss spannend. Ein weiterer Pluspunkt ist für mich, dass die Autorin die Welt nicht strikt nach Schwarz und Weiß trennt. Es gibt definitiv eine Menge Graustufen und sie kann sich gut in die von ihr geschaffenen Charaktere herein denken.
Eine weitere Besonderheit, die mir als Feinschmecker gefallen hat: bei jeder Zusammenkunft von Menschen beim Essen wurde auch das Essen beschrieben. Man bekommt nicht nur einen interessanten Einblick in die schwedische Küche (bei Jägern) sondern auch Appetit..
Embla Nyström
Wie eingangs erwähnt, ist dieser Krimi der Auftakt einer Reihe um die Ermittlerin Embla. Bei Band 1 legt man, wie ich finde, immer den Grundstein für eine erfolgreiche Reihe und zeigt den Lesern auch gleich das Potential um die Ermittler auf. Embla selbst ist schon eine gute Hauptfigur, sie hat eine weibliche Seite, die sich hier in ihrem Interesse an Peter sehr gut zeigt. Grundsätzlich ist sie aber eher eine ganz harte Ermittlerin. Nach der Hälfte des Buches, eventuell auch erst im letzten Drittel, werden ihre zwei männlichen Kollegen in die Ermittlung einbezogen. In dem Trio ist Nebla die einzige Frau – und „die Bulldogge“ des Teams. Der Chef der Spezialeinheit, die in einem bestimmten Gebiet bei schwierigen Fällen zur Unterstützung bei den Ermittlungen herangezogen wird, ist ein netter Kerl und Computerspezialist, der mit dem richtigen Input von süßen Sachen so ziemlich alles herausfinden kann. Der andere Kollege sieht wohl sehr unscheinbar aus, hat es aber auch drauf. Dieses Trio, von dem wir zusammen in diesem Band noch nicht so viel mitbekommen wie von Embla als Einzelgängerin, hat definitiv Potential. Sie haben ihre Stärken und Schwächen, scheinen sich gut zu ergänzen und auch ganz lustig zu sein. Bei Embla selbst ist sehr viel Potential, einerseits privat und andererseits als Ermittlerin.
In der Danksagung der Autorin am Ende des Buches fand ich die Information, dass Embla bereits in einem der Irene Huss- Bücher (Brandhaus) an einer Ermittlung beteiligt war.

Was lernen wir daraus?
-Ich habe gelernt, dass ich mit meinem Problem nicht alleine bin. Denn in meinem Krimi gibt es auch eine große Anzahl an Jagdteilnehmern, allerdings als eine komplette Basketballmannschaft. Ich habe lange an der möglichst kurzen aber doch prägnanten Vorstellung gearbeitet und hoffe, dass der Leser da wirklich gut folgen kann. Wenn man so einen Whodunnit-Krimi schreiben möchte, ist weniger oft einfacher. Ich habe mal einen Krimi gelesen, da gab es eigentlich nur zwei Verdächtige: Mutter und Vater des verschwundenen Kindes. So konnte man sehr detailliert die Charaktere der beiden kennenlernen, das war nicht schlecht. Allerdings ist in meinem Krimi eher das logische Streichen der vielen Verdächtigen der Weg zum Ziel, da wäre man bei 2 Verdächtigen ja schnell fertig..
-Ein abgeschlossenes Gebiet und mehrere Verdächtige, die einem als Person bekannt sind, finde ich immer noch viel besser als der große Unbekannte, der dann ganz am Ende eines Krimis oder Thrillers zufällig mit seinem Motiv aus dem Hut gezaubert wird. Helene Tursten lässt sich bewusst Zeit, alle Jagdteilnehmer vorzustellen und lässt den Leser durch den einen oder anderen Wissensvorsprung und einer geschickt aufgebauten Atmosphäre selbst raten und erkennen, wer denn da nun gut und böse ist.
-Graustufen! Wenn die Guten gegen die Bösen kämpfen, dann ist das ja auch nicht schlecht und kann eine wirklich gute Story geben. Aber wenn ein Autor geschickt Graustufen einbinden kann, ohne eine gewisse Abgrenzung aus dem Auge zu verlieren, dann ist das wie die Prise Salz in der Suppe..
Fazit
Ich gebe dem Kriminalroman Jagdrevier 4 von 5 Sternen. Ein guter Plot, das interessante und mir weitestgehend unbekannte Setting (die Jagd) und die Hauptperson finde ich gelungen. Das ich mir als Leser meine eigenen Gedanken zum Mörder und den Zusammenhängen machen durfte und auch die Graustufen bei den Charakteren sind vorbildlich. Einzig die vielen Teilnehmer-Namen, die mir nicht komplett klaren Ortsverhältnisse- und dass es mich nicht vor Schreck und Überraschung von der Couch gerissen hat, verhindern die 5-Sterne-Bewertung. Für alle Krimiliebhaber ist dieses Buch genau richtig.
Die Details zum Buch gibt’s HIER , schaut doch mal rein !

Rezension: Herzsammler von Stefan Ahnhem

Herzsammler -Stefan AhnhemSoeben habe ich den Kriminalroman „Herzsammler“ zugeklappt, denn ich habe alle 576 Seiten des 2. Buches von Stefan Ahnhem gelesen. Das Taschenbuch ist mit einem außergewöhnlich schönen Cover ausgestattet und macht einen hochwertigen Eindruck, ist allerdings auch ein dickes Ding und wurde daher nur zuhause und nicht unterwegs gelesen. Wie es mir gefallen hat und was ich draus gelernt habe, erfahrt ihr jetzt..

Der Inhalt

Das Buch beginnt mit dem Weg eines Briefes, der von einem Sterbenden aus einem Fahrzeug geworfen wird. Es ist nur ihr Name drauf, und durch eine schöne Geschichte findet er dann zum Adressaten. Aber dann wirds unschön..

Diese Vorgeschichte erschließt sich erst später, denn nach diesem Vorgeplänkel geht es direkt nach Stockholm, Schweden. Dort gerät Ermittler Fabian Risk kurz vor Weihnachten in eine geheime Ermittlung und bekommt vom Chef einen Spezialauftrag. Denn der Justizminister ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Ihm zur Seite steht Kollegin Malin, sie ist hochschwanger mit Zwillingen. Privat hat es dem Ermittler gerade noch gefehlt, denn familiär läuft es bei ihm gerade nicht rund. Als Fabian Risk dann tatsächlich die Leiche des Justizministers findet, ist die Mordermittlung offiziell. Bald gibt es einen Verdächtigen..
Parallel zu den Ereignissen in Schweden geht es auch nebenan in Dänemark heiß her. Dort ermittelt Dunja Hougaard, erstmalig als leitende Ermittlerin, im Fall einer brutal zugerichteten Frau. Es scheint irgendwie eine Verbindung ins Nachbarland zu geben. Nun wäre eine länderübergreifende Zusammenarbeit wichtig.
So, das war der Inhalt – ich habe nicht zu viel gesagt, aber man weiß worum es im Buch geht.

Die Besonderheiten des Kriminalromans

Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir der Anfang des Romans mit dem Weg des Briefes vom Absender zum Empfänger durch große Zufälle sehr gefallen hat. So hätte man den Anfang nach dem Klappentext nie vermutet, und durch den Anfang vermutete man andererseits auch nicht die folgende Geschichte. Am Ende schließt sich der Kreis dann natürlich.

Die Gegenwart des Buches hat dann einen ganz anderen Stil und beginnt eher ein bisschen wie ein Politthriller. Der Justizminister muss anhand modernster Ermittlungsmethoden aufgespürt werden. Als die Leiche dann gefunden wird, ist es eine normale Mordermittlung.

Das Buch ist nichts für schwache Nerven. Der Trend „immer brutaler, immer mehr“ scheint sich weiter fortzusetzen – und ich glaube nach diesem Buch und dem davor brauche ich nun mal wieder etwas Klassisches wie z.B. Agatha Christie. Wir sehen, wie der Titel schon vermuten lässt, entfernte Organe. Und zerhackte Körper. Trotzdem ist es gut und dynamisch geschrieben, sodass ich damit gut klar kam. Am Ende war es mir allerdings doch etwas zu viel, da wäre weniger eventuell doch mehr gewesen.

Eine weitere Besonderheit ist die, dass bei den beiden Hauptermittlern des jeweiligen Landes der Haussegen mehr als schief hängt. Wenn man diesem Buch Glauben schenkt, dann müssten die meisten Polizisten ein schlimmes Privatleben haben.

Wir haben in diesem Buch eine große Menge an Handlungssträngen, und gerade mit den ungewohnten Namen fiel mit die Unterscheidung am Anfang etwas schwer. Wir erfahren Dinge aus der Sicht der verschiedenen Ermittler aus Schweden und Dänemark und aus der Sicht der Opfer wird deutlich, wie der Killer sie in seine Gewalt bringt und was er mit ihnen macht. Am Ende, wenn sich alles zusammenfügt, merkt man wie gut die verschiedenen Perspektiven Sinn machen.

Dieser Krimi ist in ein Regionalkrimi, mit besonderem Schwerpunkt auf Stockholm. Man lernt nebenbei schwedische Eigenarten bzw. Selbstverständlichkeiten kennen, es ist interessant dargestellt und auch charmant in die Handlung eingewoben. Ein Beispiel, und ich werde es bei Gelegenheit ausprobieren:

„Lachend bedienten sich alle bei den Finn Crisps, drückten sich eine Kaviarschlange drauf, sobald die Tube weitergereicht wurde, und tunkten die Knäckebrote in die Schüssel mit der feingehackten roten Zwiebel.“
(vgl. S. 203f)

Aber auch die verschiedenen Ansichten der Dänen auf die Schweden und andersherum werden deutlich, für mich war es Neuland den mit dieser Region hatte ich ehrlich gesagt noch nicht viele Berührungspunkte. Sämtliche Straßennamen und so weiter kannte ich nicht, sie wirkten allerdings real und passten. Ich kontrolliere das jetzt allerdings nicht nach.

So wie man zwischenzeitlich von den Gepflogenheiten der Schweden erfährt, erfährt man nebenbei auch ganz allgemeingültige Aussagen oder Feststellungen. Man hat vielleicht noch nie drüber nachgedacht, aber sie machen Sinn. Beispiele:

„Der Sauerstoff war längst verbraucht, und die Luft bereits so viele Male recycelt worden, dass Fabian gar nicht darüber nachdenken wollte, wo sie sich schon überall befunden hatte.“ (vggl S. 156)

„Es gibt keinen einzigen Teil meines Körpers, dem das Schwangersein gefällt. Ich schwöre dir, wenn er könnte, hätte sich sogar der Mutterkuchen aus dem Staub gemacht.“(vgl. S. 233)

„Während er seine Zungenspitze noch tiefer in ihr Ohr schob, fragte sich Dunja, ob ihm bewusst war, was für ein lautes Rauschen das erzeugte.“(vgl. S.128)

Diese Beispiele fand ich ganz passend, um zu Veranschaulichen was genau ich da meinte. Es kommt nicht oft vor, blitzt aber manchmal durch und ich finde es gut gemacht.
Geschrieben ist das Buch sehr gut. Ein flüssiger Schreibstil mit der richtigen Balance bei den Sätzen und abwechslungsreich. Der für mich einzige Makel in diesem Bereich ist, dass oft in längeren Sätzen mit mehreren Kommas ein „und“ direkt nach dem Komma steht. Ich persönlich finde das nicht so gelungen, aber den Lesefluss stört es nicht.

Was habe ich aus dem Buch gelernt?

Ich habe gelernt, dass weniger manchmal wirklich mehr ist. Und das einerseits in Sachen Brutalität und andererseits in Bezug auf Handlungsstränge. Wenn eine Story gut ist, dann ist sie gut. Dann braucht nicht alles unglaublich brutal zu sein und ausgiebig geschildert zu werden. Ich finde die Schilderungen in dem Buch zwar wirklich brutal, aber irgendwie gut gemacht. Trotzdem wäre die Story auch ohne diese Brutalität ausgekommen, vor allem am Ende war es mir dann doch zu viel- und nicht nötig. Die Handlungsstränge hätten zur besseren Orientierung zwar weniger sein können, aber sie machten am Ende doch auch diese Geschichte aus. Hier muss man also die Handlungsstränge in die Geschichte einweben, die sie voranbringen und Sinn machen (so wie in diesem Buch). Die Geschichte wäre sicherlich auch mit ein paar Absätzen weniger zurechtgekommen, da die Story gut gemacht ist. Aber wäre sie dann auch so gut?

Ein wichtiger Punkt an diesem Buch ist für mich, dass nebenbei durch kleine Erwähnungen ein guter Einblick in die Schwedische Kultur gegeben wird. Ich muss bei meinem Buch vielleicht noch einmal schauen, ob ich da nicht noch etwas hinzufügen kann. Mein Buch spielt ja in Cuxhaven, die Straßennamen usw. werden auch alle erwähnt. Ich habe mich nicht groß mit Beschreibungen der Natur (Strand, Watt) aufgehalten, weil ich so etwas nicht brauche. Aber diese Eigenarten wie bei Herrn Ahnhem finde ich ganz gut, so zwischendurch.

Auch die Erwähnung von generellen Dingen, wie in den Beispielen oben genannt, finde ich interessant. Es darf natürlich auch nicht zu viel werden.

Den Vorspann mit dem Brief finde ich wie schon erwähnt wirklich gut. In mein Buch werde ich es nicht mehr aufnehmen, aber so eine Vorgeschichte finde ich für die Zukunft sehr reizvoll. Es wird jetzt natürlich nicht das gleiche sein, aber vielleicht fällt mir da ja etwas anderes ein.

Fazit

Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Bei 5 Sternen muss wirklich alles stimmen und ich muss so angetan von dem Buch sein, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen kann. Dieses Buch hier war wirklich spannend, die Story gut und aus vielen Perspektiven mit vielen Verwicklungen beschrieben. Der Leser konnte mitraten, sich auch Gedanken machen und wurde trotzdem überrascht. Die Mischung war gut. Man hätte es eventuell auch einen Tick kürzer halten können, ich bereue dennoch keine Seite und werde irgendwann wahrscheinlich auch das erste Buch „Und morgen du“ von Stefan Ahnhem lesen.

Einen Blick ins Buch gibt´s hier!

Hakan Nesser´s "Das vierte Opfer" und was ich daraus gelernt habe

Gestern habe ich mein erstes Buch von Hakan Nesser ausgelesen. Es gibt zunächst eine kleine Inhaltsangabe und meine Meinung, und dann das wichtigste: Was kann man als Autor daraus lernen?

Der Inhalt

Im Kaalbringen, ein beschauliches Küstenstädtchen irgendwo, treibt ein Axtmörder sein Unwesen. Als nach längerer Funkstille zwischen dem Mörder, seiner Axt und einem Opfer ein zweites Opfer recht kopflos herumliegt, muss Van Veeteren ran. Der Kommissar ist in der Nähe im Urlaub und soll direkt am Ort des blutigen Geschehens aushelfen.
Van Veeteren, ein recht eigenbrötlerischer Kerl mit ständigem Durst nach Alkohol, soll das Ermittlerteam vor Ort also unterstützen. Es gibt viele Spuren, viele Ermittlungsstränge aber keine Verbindung zwischen den zwei Opfern. Ein drittes Opfer muss her, und das lässt auch nicht lange auf sich warten. Wie der Titel des Buches schon sagt, ist der Täter noch nicht ganz fertig.

Der Inhalt laut Buchrücken (vollkommen irreführend!):

VanVeeterenMeine Meinung

Meine ungewöhnlich knappe Inhaltsangabe hat selbst mich überrascht. Aber mehr passiert in diesem Buch auch nicht..
Der Text auf der Rückseite des Buches hat mich komplett in die Irre geführt. Angst und Schrecken in der Bevölkerung kommt nur minimal zum Ausdruck, packender Kriminalroman ist was anderes und ein furioses Ende auch. Dass selbst gewiefte Leser überrascht sein sollen, wundert mich. Ich hätte mich jetzt nicht als gewieften Leser bezeichnet, habe aber eine durchaus erfolgreiche Karriere als Leserdetektiv von Agatha Christie Büchern gemacht (ohne es beweisen zu können). Ich hatte ab Mitte des „furiosen“ Buches die Ahnung, wer der Mörder ist. Und am Ende wurde ich nicht überrascht.
Das Buch ist nicht furios. Furios ist, wie Nesser den ersten Mord gleichzeitig humorvoll, brutal und schlicht beschreibt. Das hatte mich direkt erfreut und weiterlesen lassen. Ganz unfurios macht sich das Ermittlerteam an Vernehmungen und braucht ganz schön lange. Es sind ganz schön langweilige Befragungen und Verdächtige da. Ich finde diese Ermittlungsarbeit tatsächlich wohl der Realität näher als in so manchen Krimiserien. Es geht halt nicht alles von heute auf morgen und ist oft unspektakulär. Man muss ausschließen und überprüfen, man sitzt dabei viel im Büro und könnte sicherlich oft mal den Kopf auf den Tisch hauen, weil es nicht weitergeht.
Der Kommissar, ich kannte ihn zuvor noch nicht und habe die ersten beiden Bände mit ihm nicht gelesen, kommt einem nicht sonderlich nahe. Es ist der typische Anti-Held, er wirkt nicht sehr sympathisch. Klar, er ist einer von den Guten und will den Fall lösen. Und er hat sicherlich auch eine Menge eigener Probleme, aber so richtig teilhaben lässt er einen auch nicht. Ich finde ihn nicht sonderlich aufregend oder interessant, aber er ist auch nicht der typische nette Kerl von nebenan.
Schön finde ich in dem Buch ein paar Personen, die ganz gewöhnlich und dennoch treffend umschrieben werden. Bei der Hauptperson haperte es zwar, aber ein paar Nebenfiguren (Ermittler) sind sehr gut gelungen. Auch das nicht ewig weitschweifend die Landschaft beschrieben wird und sonstiges Geschnörkel fehlt, rechne ich Herrn Nesser hoch an.
Trotzdem plätschert das ganze so dahin und ist größtenteils nicht sehr aufregend. So richtig in die Gedankengänge des Kommissars wird man auch nicht einbezogen, was das Raten schwierig macht. Das Buch ist einfach kein „pageturner“, es fiel mir nicht schwer das Buch zur Seite zu legen und ich war nicht wirklich gefesselt. Ich wollte eigentlich nur schauen, ob meine Vermutung am Ende richtig ist. War sie dann.
Leider werde ich mir kein Buch aus dieser Reihe zulegen, da muss es Besseres auf dem Markt geben!

Was lernen wir daraus?

-Daraus lernen wir, das man tatsächlich nicht das grandioseste Buch mit dem hervorragendsten Kommissar schreiben muss, um dann als „Star am schwedischen Krimihimmel“ bezeichnet zu werden.

-Ich hatte eine ganz neue Perspektive, wie man einen Mord beschreiben kann. Ich fand es wirklich gelungen, wie der erste Mord beschrieben wurde.

-Der erste Satz war simpel, aber gut:

Wenn Ernst Simmel gewusst hätte, dass er kurz davor war, das zweite Opfer des Henkers zu werden, hätte er sich vermutlich noch ein paar kräftige Drinks in der Blauen Barke gegönnt.

Ich finde das super, man weiß schon was passieren wird. Es ist unheilvoll, ein wenig humorvoll und es ist was Wahres dran. Natürlich hätte man sich mit dem Wissen auch ein Taxi nach Hause nehmen können, aber weitere Drinks wären angesichts dieser trostlosen Zukunft ja auch was wert.

-Polizeiarbeit kann dahinplätschern. Nesser scheint das ganze realistischer darzustellen als viele andere Kollegen, dadurch gibt’s in der Spannung allerdings Punktabzug. Da muss dann wenigstens mehr von diesem interessanten Humor kommen, damit man es unbeschadet durch den schwierigen Mittelteil schafft.

-Ich kenne die anderen Teile der Serie nicht, finde Hauptperson Van Veeteren allerdings nicht sehr spannend. Vielleicht habe ich einen falschen Teil erwischt, aber auch hier kann man den Leser wenigstens noch ein bisschen mehr teilhaben lassen.

-Im Mittelteil des Buches, als sich alles hinzieht, da muss zeitweise tatsächlich dran erinnert werden warum der Mörder gefasst werden muss. Es wird vom Autor einmal ein Impuls in diese Richtung gesetzt, und das finde ich interessant: Eine Frau steht auf der Straße und spricht den Kommissar an. Sie möchte wissen, wie lange es bis zur Ergreifung noch dauert, da ihr Mann vor lauter Angst das Haus nicht mehr verlässt.

Dieses eine Beispiel führt sich der Kommissar mehrmals vor Augen und es scheint ihm die Tragweite der Mordserie erst vor Augen zu führen. Das ist natürlich etwas komisch, da er das in seiner Dienstzeit schon dramatischer erlebt haben müsste, aber immerhin ein neuer Impuls. Ich lerne daraus also: Impulse setzen, um die Handlung aufzufrischen.

-Leser sind schlauer, als man denkt. Die dramatisch angekündigte Überraschung am Ende war nicht überraschend. In Büchern, in denen es nicht angekündigt war, ist man oft überraschter.
Man muss in diesem Genre ein paar Brotkrumen als Hinweis auf den Täter fallenlassen, sonst ist der Leser am Ende sauer. Aber sobald man das tut, hat der erfahrene Leser die Fährte aufgenommen. Ich muss da in der Hinsicht noch einmal bei meinem Buch nachforschen bzw. nachforschen lassen, ob die Lösung am Ende überraschend wird oder doch zu einfach.
Bei dem klassischen Whodunnit ist es anscheinend äußerst schwierig, auf diesem schmalen Grad zwischen dem Einbeziehen des Lesers und dessen Überraschung zu wandeln.

Fazit:

Man kann dieses Buch lesen. Streckenweise ist man wohl etwas gelangweilt, und so richtig gefesselt ist man nicht wirklich. Man hat nichts verpasst, wenn man das Buch nicht liest. Trotzdem habe ich das Buch irgendwie gern gelesen. Vielleicht ist dieses Buch als Band 3 einer Reihe unglücklich als Quereinstieg gewählt, und es macht im Gesamten mehr Sinn.

Ich habe von diesem Buch fürs eigene Schreiben viel gelernt. Sowohl gute Ideen (humoristische Elemente in Mordszenen, simple Impulse können Handlung effektiv vorantreiben) als auch Verbesserungsbedürftiges (Langeweile, Personenbeschreibung) lief mir über den Weg. Und wenn man etwas draus gelernt hat, dann war es auf keinen Fall ein Fehler das Buch zu lesen.

Hast du das Buch auch gelesen? Was sagst du?
Wie findest du den ersten Satz?
Gibt es bessere Bände der Reihe um Van Veeteren, sollte ich Nesser noch eine Chance geben?
Ich hoffe auf euer Feedback und beginne mit dem nächsten Buch
Deine Tipperin