Rezension: „Saat des Bösen“ von Verena Rot (Apollonia #2)

Apollonia Saat des BösenHeute berichte ich über ein selbstverlegtes Buch der Autorin Verena Rot. Auch den ersten Teil der vierteiligen Cosy-Krimi-Reihe mit der Protagonistin Apollonia Seidel hatte ich auf meinem Blog schon vorgestel, und es wäre gut wenn der interessierte Leser auch mit dem ersten Band anfangen würde:

Hier klicken, für Band 1
Nun aber zum Inhalt des zweiten Teils:
Kurz vor Weihnachten geht es für Apollonia nicht wie geplant nach Mykonos zu ihren Großeltern, denn die Wetterlage macht ihr und ihrem Flug einen Strich durch die Rechnung. Marc, auch bekannt aus Teil 1 und Apollonia sehr zugetan, nimmt sie deshalb mit zu seinen Eltern in das kleine Dorf Wohlnitz. Mit dem besinnlichen Weihnachtsfest im Kreise seiner Familie wird es allerdings zunächst nichts, denn es gibt da ein paar Zwischenfälle. Als die Hauptperson zufällig die reiche Familie Krenztal kennenlernt und dort zum Essen eingeladen wird, erfährt sie einiges über die aktuellen Geschehnisse innerhalb des Familienanwesens. Anonyme Blumenlieferungen, Briefe und am Ende sogar untergejubelte Drogen künden größeres Unheil an. Marc und Apollonia, sie erwiesen sich schon im ersten Teil als ausgewogenes Ermittlerteam, versuchen der Sache auf den Grund zu gehen. Und nebenbei gehen sie auch ihren Gefühlen füreinander auf den Grund..

Stil, Machart, Meinung
Also wenn ich Cosy im Zusammenhang mit einem Krimi denke, dann denke ich irgendwie an Miss Marple und etwas in dieser Richtung. Ich muss allerdings sagen, dass im Vergleich zu dieser Geschichte eine Agatha-Christie-Story ein blutiger Thriller ist, nahezu ein Massaker. Denn in diesem Band passiert zunächst einmal nichts Bedrohliches. Apollonia und Marc, Marcs Familie, Streitigkeiten, das Kennenlernen der Krenztals… alles ist sehr ausführlich aber auch nett und irgendwie unterhaltsam. Man lernt die Personen kennen und es ist alles wirklich gemütlich, ohne direkt zu langweilen. Nachdem man dann von der anonymen Post erfährt, wirft ein dramatisches Ereignis schon einmal seine Schatten voraus. Und die Familienverhältnisse bei den Krenztals sind auch etwas verworren. Im Vergleich zu den Thrillern und Krimis, die ich sonst so gern lese, ist das hier einfach ein gemütlicher Ausflug und irgendwie Kindergarten – ohne schlecht zu sein. Und am Ende gibt’s dann von einer Seite auf die Nächste auch noch so richtig Action.
Die Schreibe und besonders die Dialoge sind auffallend einfach gehalten. Auch der Zugang der zivilen Ermittler zu den Informationen und der Familie Krenztal ist sehr einfach, man trifft sich, wird eingeladen und alle berichten überraschend offen. Trotzdem oder auch gerade deshalb werden das Verhältnis der Personen untereinander und das eine oder andere Geheimnis ans Licht kommen, und die Saat des Bösen wird dann auch irgendwann zuschlagen. Trotz der Einfachheit der Geschichte gibt es ein paar Überraschungen und auch die Auflösung hat mich sehr überrascht, passte aber trotzdem gut zusammen.
Die 181 Seiten des Selbstverlegten Taschenbuchs sind recht schnell gelesen. Wie auch schon beim ersten Band eignet sich das praktische Format besonders für die Handtasche und durch die kurzen Abschnitte und eingängigen Figuren auch gut für das Lesen von kleineren Abschnitten unterwegs. Für mich sind die Bücher dieser Reihe irgendwie beglückend einfach und unaufgeregt, trotzdem mit guter Handlung und wirklich etwas für das kurze Lesevergnügen unterwegs.
Die Reihe um Apollonia Seidel
Wie eingangs bereits erwähnt, ist diese Geschichte der 2. Teil der vierteiligen Serie. Man sollte hier auf Grund der seichten Entwicklung wirklich chronologisch vorgehen. Im ersten Teil lernten sich Marc und Apollonia kennen und untersuchten direkt mal einen Mord an einem Fischer, es keimten leichte Gefühle auf und man erfuhr einiges aus der erschreckenden Vergangenheit von Apollonia. Diese Informationen sind wichtig, kommen in diesem Band auch kurz auf und am Ende deutet sich an, das im dritten Band der Mord an ihren Eltern die Hauptrolle spielen wird.
Also, erst einmal würde ich ….. lesen, dann dieses Buch hier. Und dann natürlich das dritte und vierte Buch.
Zielgruppe
Wie man meiner Rezension jetzt eventuell schon entnommen hat, ist die Zielgruppe wohl größtenteils weiblich. Eventuell ist die Zielgruppe auch älter, wer ein Geschenk für die Omi sucht, die auch gern Miss Marple liest, kann mit dieser Krimireihe direkt Geschenke für bis zu 4 Gelegenheiten finden, falls der Oma das erste Buch gefällt. Ich bin mit meinen 31 Jahren ja zwar nicht mehr die Jüngste, aber wohl bei weitem auch nicht die älteste Leserin. Ich mochte das Buch, es ist einfach mal eine Auszeit vom schnellen, brutalen Pageturner, der einen teilweise atemlos und aufrecht im Bett sitzen lässt..

Was lernen wir daraus?
-Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Man kann eine gute Geschichte mit einer geradlinigen Handlung und einfachen Sätzen kreieren, und es kann gut werden!
-Es muss nicht immer blutrünstig zugehen, es müssen in einem Buch auch nicht unbedingt 30 Menschen um die Ecke gebracht werden. Die unterschwellige Ahnung, dass es nicht bei anonymen Drohungen per Post bleiben wird, reichte hier für mich aus, um das Buch durchzulesen.
Fazit
Ich gebe diesem Buch 3 von 5 Sternen, das müsste ein Stern weniger sein als beim ersten Band. Es ragt sicherlich nicht an die großartigen Krimis heran, zwischen Agatha Christie und dieser Reihe liegen beispielsweise Welten. Aber wie schon Band 1 hatte auch dieser zweite Band seinen ganz eigenen, unaufgeregten Charme und ich habe es gern gelesen. Die Entwicklung der Hauptpersonen und besonders die seit dem ersten Band angedeutete aber nie weiter ausgeführte Geschichte um den Mord an den Eltern der Hauptperson scheint in Band 3 endlich so richtig zum Thema zu werden. Wie schon gesagt, ich habe diese Bücher einfach gern in der Handtasche und lese mal eben schnell ein paar Kapitel. Auf dem Sofa mit einer Tasse Tee machte es auch Spaß. Bei Amazon kostet es als Ebook für den Kindle 2,99€, das Taschenbuch liegt bei 7,90@.

Noch ein paar hilfreiche Links:

Hier meine Rezension zu Band 1

Hier gehts direkt zum Buch bei Amazon

..und hier gehts zur Homepage von Verena Rot. Schaut doch mal bei ihr vorbei!

 

Rezension: Im Himmel gibt es Coca Cola von Christina Nichol

Im Himmel gibt es Coca ColaHeute schreibe ich mal nicht über einen Krimi oder Thriller, sondern einen Roman. Diese wirklich außergewöhnliche Geschichte spielt im postkommunistischen Georgien im Jahre 2002. Slims Achmed Makaschwili, ein Anwalt der schon lange kein Gehalt mehr bekommen hat, erzählt aus seiner einzigartigen, naiven und gutgläubigen Perspektive über sein Leben in Georgien und seinen Traum von Amerika. Das beides sehr unterschiedlich ist, wird nicht nur ihm sondern schnell auch dem Leser klar. Slims möchte unbedingt in die Staaten und so schickt er viele lange Briefe an Hillary Clinton, den diese ist Schirmherrin eines Austauschprogrammes, durch das er unbedingt seinen Traum erfüllen möchte um dem rückwärtsgewandten Georgien zu entkommen. Wird Hillary antworten? Wird er es in die USA schaffen? Und wie ist es eigentlich so, in Georgien?

Stil, Machart, Meinung
Wie schön gesagt erfährt der Leser aus Slims Perspektive vieles über das Leben in Georgien. Die Perspektive ist dabei das Erfolgsrezept des Buches, denn er ist einfach sehr gutgläubig, naiv ein guter Beobachter und dadurch wird die Beschreibung der Gegebenheiten anschaulich und satirisch. Das ist super gemacht, besonders da eine amerikanische Autorin und nicht ein georgischer Anwalt diese Geschichte aus der Perspektive eines georgischen Anwaltes geschrieben hat. Die Sprache ist zur Unterstreichung der Perspektive irgendwie einfach gehalten, aber mit sehr vielen schönen und weisen Sätzen und Bemerkungen gespickt.

Ich habe in diesem Buch wirklich viel über das Leben in Georgien gelernt. Manche Situationen und Anekdoten waren unglaublich, witzig und bleiben einfach im Gedächtnis. Gut die Hälfte des Buches hat mich andererseits irgendwie gelangweilt und nicht gerade zum Weiterlesen animiert. Der erste Abschnitt führt den Leser lang und breit in Slims Leben und die georgischen Gepflogenheiten ein. Einerseits wie gesagt super, andererseits einfach zu viel des guten. Besonders toll finde ich die Beschreibung der georgischen Gastfreundschaft und des Essens in allen Facetten. Auch der Wandel in Georgien, ich sage nur Rosenrevolution, ist hervorragend beschrieben. Gerade Slims Kulturschock in Bezug auf die USA hätte so viel Potential geboten, welches nach meinen Erwartungen (die die Autorin definitiv nicht vorhersehen konnte…) nicht groß ausgeschöpft wurde. Ich bin grundsätzlich einfach hin- und hergerissen. Ich mochte viele kleine Geschichten und die Perspektive in dem Buch und habe sehr viel über Georgien und auch den Kapitalismus gelernt. Beispielsweise wird ein Ausländer angehalten, weil er an roten Ampeln anhält und das die Polizisten verwirrt. Oder Slims bekommt bei einem Überfall im Bus von seinem Nebenmann etwas Geld geschenkt, damit die Räuber ihn nicht auf Grund des wenigen Geldes in der Tasche bloßstellen oder schlecht von ihm denken. Ich mag auch, dass man politisch schon ein bisschen vorgebildet sein musste und es schon einen großen literarischen Anspruch hat und wirklich interessante Gedankengänge an gestupst hat. Die Briefe an Hillary Clinton waren eines meiner persönlichen Highlights.

Aber, ehrlich gesagt: über viele und große Strecken war ich gelangweilt und wollte dann doch lieber den Fernseher einschalten (und das ist nicht der Impuls, den ich mir von einem Buch wünsche..). Hätte man diese tollen Sätze und Erkenntnisse irgendwie spannend und in einer ausgewogeneren Erzählweise gebündelt, hätte ich ganze 5 Sterne für diese Idee gegeben. Aber meine persönliche Unterhaltung ist mir bei Büchern dann doch das wichtigste, solange ich keine Lehrbücher verschlinge um mich in bestimmten Bereichen fortzubilden. Ich möchte mich nicht zwingen, ein Buch zu lesen. Denn ich bin nur ein Leser und ein Buchblogger, kein bezahlter Literaturkritiker der jedes Buch zwangsläufig lesen muss. Ich mache das in meiner Freizeit und ich möchte mein Hobby genießen. Wenn mir ein Buch nicht gefällt, kommt es schon manchmal vor, dass ich es einfach nicht weiterlese.. Dieses habe ich dennoch weitergelesen -und es trotzdem nicht bereut.

Fazit
Ich gebe einfach mal 3 Sterne, den Licht und Schatten muss man irgendwie hier irgendwie zusammennehmen und bekommt dann eine Graustufe von 3 Sternen. Ich war an mehreren Stellen wirklich nicht zum weiterlesen motiviert, ich habe mich manchmal dabei ertappt, etwas zu überlesen. Das passiert mir selten und das sollte so nicht sein. Andererseits –wie schon gesagt- gibt es so viele tolle Geschichten, Weisheiten und der Umschwung in Georgien wird nicht politisch beschrieben, sondern aus der Sicht der einfachen Leute. Hätte man der Autorin gesagt, sie muss von den 447 Seiten noch ungefähr 250 einsparen, dann hätte dieses Buch von mir wahrscheinlich 5 Sterne bekommen und ich würde vor Begeisterung Konfetti über diesen Blogbeitrag rieseln lassen..
Für alle, die sich für Georgien interessieren, ist dieses Buch ein Muss. Auch die Sache mit der Zeit nach dem Kommunismus und dem Umschwung im System und dem Vergleich mit der USA ist für Interessierte aus einer erfrischend ungewöhnlichen Perspektive erzählt. Man braucht kein Vorwissen, aber es kann helfen. Für alle, die detaillierte Romane mögen, sich dadurch gern in ganz andere Welten entführen lassen um etwas drüber zu lernen und nicht an Spannung interessiert sind, ist dieser Roman sicherlich ein 5-Sterne-Werk. Für mich, ich liebe es kurz und knackig beschrieben und lese am liebsten Krimis und Thriller, sind es dann halt nur 3. Es gibt trotzdem auch Romane die von mir 5 Sterne bekommen, und ich denke mal es war einfach zu langatmig für mich und ich hatte sicherlich auch andere Erwartungen mit mehr Kulturschock zwischen den zwei Welten..

PS: Ich war an dem Buch übrigens interessiert, weil es meinen Mann in den letzten Monaten beruflich fast nach Georgien verschlagen hätte. Er wollte, das ich mitkomme –und ich war skeptisch. Nun habe ich aber auch viele guten Eigenschaften der Menschen in Georgien kennengelernt, besonders die Gastfreundschaft und die Lebenseinstellung sind ja sehr interessant. Aber möchte ich dort leben? Ich weiß nicht..

Rezension: Killerverse von Ben Bauhaus

KillerverseKillerverse ist der zweite Band um den etwas anderen Berliner Ermittler Johannes „Johnny“ Thiebeck. Band 1 hatte ich gelesen und für gut befunden, da durfte Band 2 nicht fehlen. Denn die Schreibe von Ben Bauhaus, ich sagte es schon in der ersten Rezension und sage es jetzt nochmal: die ist super! Wer zunächst mit Band 1 anfangen möchte, kann direkt hier klicken und kommt zu meiner Bullet Schach –Rezension.

Nun erst mal zum Inhalt von Killerverse:
Nachdem Thiebeck Band 1 ja recht ramponiert überstanden hat, sitzt eingangs plötzlich eine neue Mitarbeiterin seines alten Teams im LKA in seiner Küche und bittet ihn um Hilfe. Denn ein Bekannter ihrer Schwester wurde ermordet und die Schwester verhält sich seitdem merkwürdig. Und so gerät Thiebeck in die nicht ganz offizielle Suche nach einem Serienkiller, der seine Opfer gern Mund und Nase mit Klebstoff zuklebt und dabei zuschaut, wie sie elendig ersticken. Bald stellt sich heraus, dass der Grund für die Morde seinen Ursprung in Irland haben muss. Eine Berliner Reisegruppe begab sich vor Jahren nach Irland und alle kamen verändert zurück. Und nun hinterlässt der Killer bei jedem Opfer, alles Mitglieder der Reisegruppe, eine Zeile eines irischen Kinderreims und eine tödliche Menge Kleber. Einer nach dem anderen muss dran glauben, Thiebeck ermittelt natürlich auf eigene Faust und es wird spannend.

Stil, Machart, Meinung
Wie schon in Band 1 „Bullet Schach“ mag ich die Schreibe von Ben Bauhaus sehr. Er schreibt fluffig, gut zu lesen, manchmal lustig und gut beobachtet. Die Geschichte spielt aus Sicht vom recht eigenen Ermittler Johnny Thiebeck, er ist der Ich-Erzähler. Und das ist auch gut so, denn seine Gedanken machen Spaß. Er ist direkt, das Gegenteil von Bürokratisch, brutal wenn es sein muss aber doch einfach ein Pfundskerl, denn man liebhaben muss.
Diese Geschichte ist eine Mischung aus Krimi und Thriller, es gibt außerdem eine Nebenhandlung. Grundsätzlich konzentriert sich der Kern auf die Reisegruppe, von der einer nach dem anderen das Zeitliche segnen muss. Die Nebenhandlung handelt davon, dass einer von Thiebecks Kumpels aus dem Box-Gym (dort spielte die Handlung im ersten Band) Probleme mit Geldeintreibern hat. Auf diese Nebenhandlung kann ich, ehrlich gesagt, verzichten. Klar, sie verspricht Action und zeigt dem Leser genau, was der Thiebeck so für einer ist. Aber sie nimmt der Hauptgeschichte Raum und unterbricht sie. Wenn auch in der Hauptgeschichte Spannung aufkommt und man am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte, so kam zumindest mir immer die andere Handlung in den Weg. Das muss nicht jedem so gehen und die Nebenhandlung ist auch nicht schlecht –sie ist halt nur nicht meins und ich habe sie aufgrund des Klappentextes auch nicht erwartet (und gewollt..).
Die eigentliche Geschichte könnte bei der Beschreibung der einzelnen Gruppenmitglieder der Reisegruppe, immerhin sind viele von ihnen Opfer und einer wahrscheinlich auch der Killer, genau die Seitenanzahl zusätzlich vertragen, die die Nebenhandlung für sich beansprucht. Thriller, steht auf dem Cover. Das ist soweit auch richtig, immerhin jagen Polizei und Thiebeck auf unterschiedlichen Wegen einen Serienkiller, und das auch auf internationalem Gebiet. Durch die Reisegruppe und der ewigen Fragen „wer von ihnen ist der Killer?“ „Was ist in Irland passiert?“ und „wer stirbt als nächstes?“ bekommt es allerdings einen Touch von Krimi. Für mich als Agatha Christie- Fan ist das ganz hervorragend und ich begrüße diese Verbindung sehr. Denn so gibts das gute alte Whodunnit in modern. Ich hätte mir allerdings mehr Raum für die Personen, die Verbindung untereinander, mögliche Motive etc. gewünscht. Durch die eher oberflächliche Beschreibung musste ich an manchen Stellen überlegen, wer diese Person denn überhaupt war. Und ich hatte nicht genug Input, um selbst zu erraten wer der Killer sein könnte.
Am Ende löst sich die Geschichte jedoch gut auf, es ist wirklich spannend und man wird mehrmals in die Irre geführt.

Die Reihe um Thiebeck
Killerverse ist Band zwei, der erste Band heißt Bullet Schach. Man kann beide Bücher problemlos ohne das jeweils andere Buch lesen – aber man sollte es nicht tun. Klar, in Band 1 ist die Geschichte um den schachspielenden Killer abgeschlossen. Aber man möchte doch trotzdem wissen, wie es mit Thiebeck weitergeht. Er muss viel durchmachen in Band 1, denn der Killer hat es da auf ihn abgesehen und spielt virtuell gegen ihn Schach – für jede verlorene Spielfigur muss ein Bekannter Thiebecks dran glauben und am Ende auch fast er selbst. In diesem zweiten Band macht sich das Vorwissen gut, aber es ist nicht zwingend notwendig. Sehr ausgewogen schafft es Ben Bauhaus, die Neulinge mit dem nötigen Wissen aus band 1 zu versorgen, ohne das es für die alten Hasen langweilig wird. Die Entwicklung von Thiebeck jedoch ist es wert, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Die guten Storys und der tolle Schreibstil machen es sowieso unbedingt notwendig, beide Bände zu lesen..
Band 3 ist auch in Arbeit, im Sommer kommt mit „Puppenruhe“ der 3. Band um den Berliner Ermittler Thiebeck raus. Hier muss ich allerdings mal kurz Kritik üben: die beiden ersten Bücher haben ein in meinen Augen unglaublich gelungenes Cover, Puppenruhe hat auf einmal ein anderes Design. Das finde ich doof, wie sieht denn das im Regal aus? Also da hätte man dem Corporate Design wirklich treu bleiben können, allein schön für den Wiedererkennungswert.. Hier könnt ihr die Cover im Vergleich sehen und die Bücher bei Gefallen auch direkt bestellen..

Was lernen wir daraus?
-die richtige Schreibe macht eine Menge aus. Manche stehen vielleicht auf kunstvolle und komplizierte Wörter und verschachtelte Sätze die langwierig studiert werden müssen – ich jedoch nicht. Kurz, knackig und so, dass man sie einfach so weg lesen kann und sie trotzdem gut sind. So manches Mal musste ich wegen lustiger und kreativer Beschreibungen oder Gedankengängen schmunzeln, der Lesefluss und die Spannung wurden nicht durch komplizierte oder unnötige Dinge gestört.
-Nebenhandlungen können gut sein, aber auch stören. Ich weiß leider nicht genau, warum mir die Nebenhandlung hier nicht gefallen hat. Grundsätzlich stehe ich einfach nicht so auf diese Themen und brauche auch keine Action, man sollte also bei einer Nebenhandlung genau gucken ob die Zielgruppe der Haupthandlung auch die Nebenhandlung mögen würde. Und man sollte genau nachdenken, ob die Nebenhandlung es wert ist, die Haupthandlung zu stören. Dazu muss sie wirklich sehr gut oder speziell sein. Ich möchte für dieses Buch ja nicht zu viel verraten, aber als Fazit zu diesem Thema würde ich mal sagen: Wenn eine Nebenhandlung vorkommt, dann muss sie der absolute Hammer sein.

-Wie auch bei meinem Krimi (mehr dazu hier) steht der Autor vor der großen Herausforderung, eine rcht große Gruppe an Verdächtigen/Opfern (die Reisegruppe halt) so vorzustellen, dass der Leser sich an die einzelnen Gruppenmitglieder erinnert und direkt weiß, wer gemeint ist. Hier ist die Gruppe recht groß und die Perpektive des Ich-Erzählers schränkt es auch irgendwie ein. Optimalerweise sollte man also mit einer kleineren Gruppe arbeiten oder mehrere Morde an den Anfang stellen, damit am Schluss dann noch wenige Verdächtige verbleiben. Wenn dem nicht so sein soll, und so ist es ja auch bei mir, dann muss man sich eventuell sehr gute Beschreibungen und ungewöhnliche Anekdoten oder Besonderheiten ausdenken, die dann sofort mit der PErson verknüpft werden. Ich habe dann beispielsweise einmal den jungen Wilden Kerl, dann den der nie redet, den anderen der alles abschleppt was bei drei nicht auf dem Baum ist usw. Ob mir das geglückt ist, werde ich nach weiterem Feedback meiner Testleser und dann eventuell (endlich mal) auch echter Leser (!) wissen..

Fazit
Wie schon im Fazit meiner Rezension zu Band 1 geschrieben: Ben Bauhaus, den Namen muss man sich merken. Und das habe ich gemacht. Band 2 ist auf jeden Fall etwas für alle, die schon Band 1 mochten. Thriller- und Krimi-Fans werden ihren Spaß haben. Wie gesagt, die Nebenhandlung war nicht meins und ich wäre ohne sie glücklicher gewesen. Dadurch wurden die Spannung und der Lesefluss bei mir irgendwie gestört, aber sie ist immerhin sehr actionreich und hat eigentlich auch eine spannende Story. Besonders gut finde ich, dass wir hier einen modernen deutschen Thriller haben. Hacker und Soziale Netzwerke, ein hippes Berlin und ein Thiebeck der alten Schule sind eine tolle Mischung, auch der Exkurs in Richtung Irland war gelungen. Von mir gibt´s 4 Sterne und eine Leseempfehlung. Ich würde auf jeden Fall mit Band 1 anfangen, aber es ist nicht zwingend notwendig. Hier geht´s noch einmal zu meiner Rezension von Bullet Schach, falls ihr das Buch noch nicht kennt.