Rezension: Killerverse von Ben Bauhaus

KillerverseKillerverse ist der zweite Band um den etwas anderen Berliner Ermittler Johannes „Johnny“ Thiebeck. Band 1 hatte ich gelesen und für gut befunden, da durfte Band 2 nicht fehlen. Denn die Schreibe von Ben Bauhaus, ich sagte es schon in der ersten Rezension und sage es jetzt nochmal: die ist super! Wer zunächst mit Band 1 anfangen möchte, kann direkt hier klicken und kommt zu meiner Bullet Schach –Rezension.

Nun erst mal zum Inhalt von Killerverse:
Nachdem Thiebeck Band 1 ja recht ramponiert überstanden hat, sitzt eingangs plötzlich eine neue Mitarbeiterin seines alten Teams im LKA in seiner Küche und bittet ihn um Hilfe. Denn ein Bekannter ihrer Schwester wurde ermordet und die Schwester verhält sich seitdem merkwürdig. Und so gerät Thiebeck in die nicht ganz offizielle Suche nach einem Serienkiller, der seine Opfer gern Mund und Nase mit Klebstoff zuklebt und dabei zuschaut, wie sie elendig ersticken. Bald stellt sich heraus, dass der Grund für die Morde seinen Ursprung in Irland haben muss. Eine Berliner Reisegruppe begab sich vor Jahren nach Irland und alle kamen verändert zurück. Und nun hinterlässt der Killer bei jedem Opfer, alles Mitglieder der Reisegruppe, eine Zeile eines irischen Kinderreims und eine tödliche Menge Kleber. Einer nach dem anderen muss dran glauben, Thiebeck ermittelt natürlich auf eigene Faust und es wird spannend.

Stil, Machart, Meinung
Wie schon in Band 1 „Bullet Schach“ mag ich die Schreibe von Ben Bauhaus sehr. Er schreibt fluffig, gut zu lesen, manchmal lustig und gut beobachtet. Die Geschichte spielt aus Sicht vom recht eigenen Ermittler Johnny Thiebeck, er ist der Ich-Erzähler. Und das ist auch gut so, denn seine Gedanken machen Spaß. Er ist direkt, das Gegenteil von Bürokratisch, brutal wenn es sein muss aber doch einfach ein Pfundskerl, denn man liebhaben muss.
Diese Geschichte ist eine Mischung aus Krimi und Thriller, es gibt außerdem eine Nebenhandlung. Grundsätzlich konzentriert sich der Kern auf die Reisegruppe, von der einer nach dem anderen das Zeitliche segnen muss. Die Nebenhandlung handelt davon, dass einer von Thiebecks Kumpels aus dem Box-Gym (dort spielte die Handlung im ersten Band) Probleme mit Geldeintreibern hat. Auf diese Nebenhandlung kann ich, ehrlich gesagt, verzichten. Klar, sie verspricht Action und zeigt dem Leser genau, was der Thiebeck so für einer ist. Aber sie nimmt der Hauptgeschichte Raum und unterbricht sie. Wenn auch in der Hauptgeschichte Spannung aufkommt und man am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte, so kam zumindest mir immer die andere Handlung in den Weg. Das muss nicht jedem so gehen und die Nebenhandlung ist auch nicht schlecht –sie ist halt nur nicht meins und ich habe sie aufgrund des Klappentextes auch nicht erwartet (und gewollt..).
Die eigentliche Geschichte könnte bei der Beschreibung der einzelnen Gruppenmitglieder der Reisegruppe, immerhin sind viele von ihnen Opfer und einer wahrscheinlich auch der Killer, genau die Seitenanzahl zusätzlich vertragen, die die Nebenhandlung für sich beansprucht. Thriller, steht auf dem Cover. Das ist soweit auch richtig, immerhin jagen Polizei und Thiebeck auf unterschiedlichen Wegen einen Serienkiller, und das auch auf internationalem Gebiet. Durch die Reisegruppe und der ewigen Fragen „wer von ihnen ist der Killer?“ „Was ist in Irland passiert?“ und „wer stirbt als nächstes?“ bekommt es allerdings einen Touch von Krimi. Für mich als Agatha Christie- Fan ist das ganz hervorragend und ich begrüße diese Verbindung sehr. Denn so gibts das gute alte Whodunnit in modern. Ich hätte mir allerdings mehr Raum für die Personen, die Verbindung untereinander, mögliche Motive etc. gewünscht. Durch die eher oberflächliche Beschreibung musste ich an manchen Stellen überlegen, wer diese Person denn überhaupt war. Und ich hatte nicht genug Input, um selbst zu erraten wer der Killer sein könnte.
Am Ende löst sich die Geschichte jedoch gut auf, es ist wirklich spannend und man wird mehrmals in die Irre geführt.

Die Reihe um Thiebeck
Killerverse ist Band zwei, der erste Band heißt Bullet Schach. Man kann beide Bücher problemlos ohne das jeweils andere Buch lesen – aber man sollte es nicht tun. Klar, in Band 1 ist die Geschichte um den schachspielenden Killer abgeschlossen. Aber man möchte doch trotzdem wissen, wie es mit Thiebeck weitergeht. Er muss viel durchmachen in Band 1, denn der Killer hat es da auf ihn abgesehen und spielt virtuell gegen ihn Schach – für jede verlorene Spielfigur muss ein Bekannter Thiebecks dran glauben und am Ende auch fast er selbst. In diesem zweiten Band macht sich das Vorwissen gut, aber es ist nicht zwingend notwendig. Sehr ausgewogen schafft es Ben Bauhaus, die Neulinge mit dem nötigen Wissen aus band 1 zu versorgen, ohne das es für die alten Hasen langweilig wird. Die Entwicklung von Thiebeck jedoch ist es wert, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Die guten Storys und der tolle Schreibstil machen es sowieso unbedingt notwendig, beide Bände zu lesen..
Band 3 ist auch in Arbeit, im Sommer kommt mit „Puppenruhe“ der 3. Band um den Berliner Ermittler Thiebeck raus. Hier muss ich allerdings mal kurz Kritik üben: die beiden ersten Bücher haben ein in meinen Augen unglaublich gelungenes Cover, Puppenruhe hat auf einmal ein anderes Design. Das finde ich doof, wie sieht denn das im Regal aus? Also da hätte man dem Corporate Design wirklich treu bleiben können, allein schön für den Wiedererkennungswert.. Hier könnt ihr die Cover im Vergleich sehen und die Bücher bei Gefallen auch direkt bestellen..

Was lernen wir daraus?
-die richtige Schreibe macht eine Menge aus. Manche stehen vielleicht auf kunstvolle und komplizierte Wörter und verschachtelte Sätze die langwierig studiert werden müssen – ich jedoch nicht. Kurz, knackig und so, dass man sie einfach so weg lesen kann und sie trotzdem gut sind. So manches Mal musste ich wegen lustiger und kreativer Beschreibungen oder Gedankengängen schmunzeln, der Lesefluss und die Spannung wurden nicht durch komplizierte oder unnötige Dinge gestört.
-Nebenhandlungen können gut sein, aber auch stören. Ich weiß leider nicht genau, warum mir die Nebenhandlung hier nicht gefallen hat. Grundsätzlich stehe ich einfach nicht so auf diese Themen und brauche auch keine Action, man sollte also bei einer Nebenhandlung genau gucken ob die Zielgruppe der Haupthandlung auch die Nebenhandlung mögen würde. Und man sollte genau nachdenken, ob die Nebenhandlung es wert ist, die Haupthandlung zu stören. Dazu muss sie wirklich sehr gut oder speziell sein. Ich möchte für dieses Buch ja nicht zu viel verraten, aber als Fazit zu diesem Thema würde ich mal sagen: Wenn eine Nebenhandlung vorkommt, dann muss sie der absolute Hammer sein.

-Wie auch bei meinem Krimi (mehr dazu hier) steht der Autor vor der großen Herausforderung, eine rcht große Gruppe an Verdächtigen/Opfern (die Reisegruppe halt) so vorzustellen, dass der Leser sich an die einzelnen Gruppenmitglieder erinnert und direkt weiß, wer gemeint ist. Hier ist die Gruppe recht groß und die Perpektive des Ich-Erzählers schränkt es auch irgendwie ein. Optimalerweise sollte man also mit einer kleineren Gruppe arbeiten oder mehrere Morde an den Anfang stellen, damit am Schluss dann noch wenige Verdächtige verbleiben. Wenn dem nicht so sein soll, und so ist es ja auch bei mir, dann muss man sich eventuell sehr gute Beschreibungen und ungewöhnliche Anekdoten oder Besonderheiten ausdenken, die dann sofort mit der PErson verknüpft werden. Ich habe dann beispielsweise einmal den jungen Wilden Kerl, dann den der nie redet, den anderen der alles abschleppt was bei drei nicht auf dem Baum ist usw. Ob mir das geglückt ist, werde ich nach weiterem Feedback meiner Testleser und dann eventuell (endlich mal) auch echter Leser (!) wissen..

Fazit
Wie schon im Fazit meiner Rezension zu Band 1 geschrieben: Ben Bauhaus, den Namen muss man sich merken. Und das habe ich gemacht. Band 2 ist auf jeden Fall etwas für alle, die schon Band 1 mochten. Thriller- und Krimi-Fans werden ihren Spaß haben. Wie gesagt, die Nebenhandlung war nicht meins und ich wäre ohne sie glücklicher gewesen. Dadurch wurden die Spannung und der Lesefluss bei mir irgendwie gestört, aber sie ist immerhin sehr actionreich und hat eigentlich auch eine spannende Story. Besonders gut finde ich, dass wir hier einen modernen deutschen Thriller haben. Hacker und Soziale Netzwerke, ein hippes Berlin und ein Thiebeck der alten Schule sind eine tolle Mischung, auch der Exkurs in Richtung Irland war gelungen. Von mir gibt´s 4 Sterne und eine Leseempfehlung. Ich würde auf jeden Fall mit Band 1 anfangen, aber es ist nicht zwingend notwendig. Hier geht´s noch einmal zu meiner Rezension von Bullet Schach, falls ihr das Buch noch nicht kennt.

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Ein Gedanke zu “Rezension: Killerverse von Ben Bauhaus

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