Rezension: Murder Park von Jonas Winner

Murder Park Jonas Winner12 Menschen finden sich an einem „Pressewochenende“ auf einer abgelegenen Insel ein, um vorab den „Murder Park“ zu testen, welcher kurz darauf seine Pforten öffnen wird. Früher war Zodiac Island ein beliebter Freizeitpark, doch dann trieb dort ein Serienkiller sein Unwesen und der Park wurde geschlossen. Nun, 20 Jahre später, soll der Murder Park natürlich die Sensationsgier rund um die Serienmorde befriedigen. Die Personen auf der Insel scheinen alle eine gewisse Verbindung zur Insel zu haben. Als dann die erste Person stirbt und der Kontakt zur Außenwelt abgerissen ist, wird allen klar: Im Murder Park wird’s buchstäblich ein mörderisches Wochenende. Nun gilt: Überleben, bis die erste Fähre kommt und niemandem vertrauen.

Stil, Machart, Meinung

Klar. Eine Insel, eine Gruppe Menschen, einer nach dem anderen tot, kein Kontakt zur Außenwelt, düstere Szenerie, wer ist der Killer? Ein bewährtes Konzept, angefangen bei Agatha Christies „10 kleine Negerlein“ (da gibt’s mehrere Titel) über den Film Mindhunters oder die Serie „Harpers Island. Das Konzept ist nicht neu, aber ich finde das Konzept – wenn es gut gemacht ist – immer wieder genial.  Alle genannten Storys bekommen von mir übrigens dank einer guten Umsetzung 5 Sterne, und so waren bei diesem Buch Erwartung und Vorfreude schon etwas höher als sonst. Das Cover finde ich auch sehr gelungen, und so konnte ich es gar nicht abwarten, bis das Buch in meinem Briefkasten landete.

Die Handlung auf der Insel konzentriert sich auf 12 Personen in einem Hotel, die alle im weitesten Sinne auch in der Vergangenheit mit der Insel oder gar den Morden verbunden waren. Ich brauchte vergleichsweise lange, um mir alle Personen merken zu können und musste mehrmals zur Übersicht blättern. Unterbrochen wird die aktuelle Handlung auf der Insel durch Interviews, die ein eigens für dieses Projekt hinzugezogener Psychiater vor dem Wochenende als Bewerbungsgespräch führt. So bekommt man einen besseren Einblick in die Gedankenwelt der Personen auf der Insel, die in der aktuellen Handlung eher  flach wirken.

Als Hauptperson fungiert Paul, aus dessen Sicht der Leser die Ereignisse erlebt.  Der ist mir zwar nie wirklich sypathisch geworden, aber seine Vergangenheit in Verbindung mit der Insel ist ziemlich dramatisch und er ist auch ein Opfer der damaligen Ereignisse.

Die Schreibe fand ich größtenteils gut, manchmal gab es allerdings langweilige Abschnitte mit meiner Meinung nach eher unwichtigen Beschreibungen, die mich etwas gelangweilt haben. Dieser Thriller hat sich eventuell etwas viel vorgenommen und dann zu wenig Platz, alles vollständig aufzuarbeiten. Ich finde das Rätselraten darum, wer der 12 Personen nun der Killer sein könnte, natürlich ganz hervorragend., und diese Frage hat mich auch bei der Stange gehalten. Es ist mir jedoch auch zu unsicher, ob es einer der Personen auf der Insel war. Auch die Angst der Personen ist mir irgendwie unrealistisch und zu wenig. Ich war glücklicherweise noch nie in so einer Situation, kann mir aber vorstellen das ich nach spätestens der 2. Leiche nicht mehr an Zufälle glauben würde und mich mit Niemand anderem mehr alleine in einem Raum aufhalten würde.

Die Auflösung ist nun schwierig zu beschreiben, da ich nicht spoilern möchte. Da die Leichen sich am Ende wirklich stapeln und sämtliche Tote irgendie zu wenig Raum bekommen, wurde es dafür dann wirklich höchste Zeit.  Tja und dann war das so eine Auflösung, von der ich enttäuscht war. Hatte ich eine Chance, drauf zu kommen? Und warum?

Was lernen wir daraus?

Zunächst einmal wird hier auch wieder deutlich, dass es bei vielen Büchern, Filmen und Serien Geheimrezepte bzw. Erfolgskonzepte gibt. Diese können bei sehr guter Anwendung natürlich nach wie vor bei Generation um Generation Begeisterungsstürme entfachen. Oder sie können andererseits die Erwartungen in die Höhe treiben und dann eventuell enttäuschen. Ich wurde hier sicherlich aufgrund meiner Erwartungen enttäuscht und hatte einfach einen anderen Fokus bei der Story erwartet. Trotzdem bin ich mir sicher, dass dieser Thriller oft die Höchstwertung abstauben wird, da das altbewährte Konzept nach wie vor funktioniert. Leser, die vielleicht noch nichts in diesem Setting gelesen haben, werden wahrscheinlich begeistert sein.

Eine andere Lektion, die hier –mal wieder- sehr deutlich wird: Geschmäcker sind verschieden. Ich wünschte mir, da mir die anderen Geschichten mit diesem Grundgedanken so gut gefallen hatten, etwas Ähnliches. Viele andere finden diese etwas andere Herangehensweise des Autors aber sicherlich mal erfrischend und innovativ.

Fazit

Ich vergebe 3 von 5 Sternen. Natürlich haben meine hohen Erwartungen aufgrund ähnlicher Konzepte in Buch und Film und meine Begeisterung dafür es diesem Buch nicht gerade leicht gemacht. Wer einen schnellen Thriller mit vielen Opfern und eher wenigen zwischenmenschlichen Tönen und Motiven mag, wird hier seine helle Freude haben. Die Insel als ein gruseliger Ort für eine solche Handlung ist perfekt und auch gut dargestellt – mir ging es jedoch eher um die 12 Personen, deren Verbindungen und das Erraten des Killers. Und da liegt der Fokus nicht auf meiner Wellenlänge. Trotzdem war ich bis zum Ende gespannt auf die Auflösung.

Hier geht’s zur Verlagsseite des Buches für mehr Details!

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Rezension: Ragdoll – Dein letzter Tag von Daniel Cole

Ragdoll Daniel Cole Dein letzter TagAls die Detectives der Mordkommission des New Scotland Yard an den Fundort einer Leiche kommen, haben auch die erfahrenen Ermittler mit dem gebotenen Anblick zu kämpfen. Die Leiche besteht nämlich aus 6 Leichen. Die Körperteile verschiedener Opfer wurden zu einer Lebensgroßen Ragdoll, einer Flickenpuppe, zusammengenäht. Als wäre das nicht alles schon schlimm genug, zeigt das makabere Leichengebilde auch noch auf die Wohnung von einem der Ermittler. Und dieser Ermittler, Wolf, hat eine ganz besondere Geschichte: vor Jahren hatte er den „Feuerbestatter“ gejagt. Als der brandgefährliche Serientäter trotz der Ermittlung von Wolf vor Gericht freigesprochen wurde, ging es mit dem Detective durch und er versuchte noch im Gerichtssaal, ihn zu töten. Nun, Jahre später, hat er sich wieder erholt. Aber die Vergangenheit wird ihn mit diesem Fall einholen. Als seine Ex-Frau kurz darauf auch noch eine Todesliste erhält, die das nächste Opfer und den Tag dessen Todes verrät, wird der ganze Fall noch schlimmer. Denn auch Wolf steht drauf..

Stil, Machart, Meinung

Der Thriller ist packend. Auf den ersten Seiten geht’s gleich los, und bis zur letzten Seite möchte man diese Geschichte möglichst nicht mehr aus der Hand legen. Bei mir dauerte es  etwas länger, da ich gerade einen Job habe, eine Wohnung suche und meine Eltern umziehen. Trotzdem habe ich mir zwischendurch immer mal ein Kapitel gegönnt. Denn für einen Kurztrip in die Welt des Ragdoll- Killers ist dieser eher dicke Wälzer gut gemacht: die einzelnen Abschnitte sind angenehm kurz und man weiß im nächsten Abschnitt durch gute Eingangssätze auch sofort wieder, was los ist. Der Schreibstil ist fluffig und konzentriert sich in meinen Augen auf die wichtigen Dinge, ohne kleine amüsante Details zur Abrundung auszulassen. Die Dialoge gefallen mir.

Ein Thriller hat immer irgendwie das Element „Wettlauf gegen die Zeit“ in sich. In diesem hier  ist das ganze durch die Todesliste mit Datum natürlich sehr plakativ und damit auch gut gelungen. Der Detective muss den Killer stoppen, denn wenn er es nicht tut ist er das letzte Opfer auf der Liste seines Widersachers. Trotz des rasanten Tempos gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, den die gegenwärtige Mordserie scheint etwas mit dem vom Detective früher gejagten Feuerbestatter zu tun zu haben. Krimi ist der Thriller (wie so oft) irgendwie auch, der Leser darf selbst raten, Theorien aufstellen und sich so seine Gedanken machen. Diese Mischung ist super, der Plot an sich auch.

Die Hauptfigur, Wolf, ist eher ein Antiheld. Ein Einzelgänger, ein mysteriöses Privatleben und Dinge, die verschwiegen werden. Von Dienstvorschriften scheint er noch nie gehört zu haben. Zielsicher schafft er es jedoch, sie alle zu brechen. Er muss in dieser Geschichte natürlich einiges aushalten, musste es schon in der Vergangenheit und ist eventuell auch noch in wenigen Tagen tot.

Die anderen Mitglieder des Ermittlungsteams sind gut gemacht. Es sind nicht zu viele, sodass man auch alle wiedererkennt. Es gibt die Frau, die irgendwie auch dem Antihelden nahesteht und nach aussen hin einen sehr harten Eindruck macht. Dann gibt es den Vorgesetzten, der lieber ermitteln will, einen lustigen Partner und einen engagierten Neuling im Team, welcher jeden Abend zu spät nach Hause kommt. Das Team ist gut zusammengestellt und macht Lust auf mehr. Ich sehe Potential!

Natürlich gibt es einen dramatischen Showdown, und natürlich werde ich nichts verraten. Um meinen Kritikpunkt zu erklären, muss ich jedoch trotzdem bis ans Ende der Geschichte springen. Während der Geschichte, welche recht lang und vielschichtig ist, stellte ich mir als Leser die ein – oder andere Frage zum Vorgehen und zu den Motiven des Killers. Nach der letzten Seite blieben davon leider einige Fragen offen.

Die Reihe

Zunächst war mir auch etwas unklar, ob dieses Buch in einer Reihe angelegt ist. Der Buchumschlag gab auf diese Frage zunächst keine Antwort. Am Anfang war ich sicher, dass ich einen Vorgänger verpasst haben musste, da der eine große Fall in der Vergangenheit so beschrieben war, als sei es genug Stoff für ein ganzes Buch. Nein, Recherchen ergaben: Dieses Buch ist das Debüt des Autors Daniel Cole. Am Ende des Buches war mir dann auch klar, dass es um dieses Team wohl einen weiteren Band geben wird, denn es cliffhangert. Tatsächlich fand ich auf der Ullstein – Website auch den Zusatz hinter dem Titel „New Scotland Yard Thriller #1“, wodurch sich eine #2 anzukündigen scheint. Schon vor dem Fazit: Ich würde #2 lesen ..

Was lernen wir daraus?

Wieso einen Thriller mit dem Fund einer Leiche beginnen, wenn man direkt mit 6 Leichen in einer anfangen kann? Der allgemeine Trend zu Sonderangeboten wie „buy one, get one free“ oder „6 Produkte in einem“ ist allgemein zu beobachten. Hier haut der Autor frei nach dem Motto „the bigger, the better“ gleich zu Beginn seines Debüts, direkt mal ordentlich auf die Kacke. Und als wären 6 Leichen in einer nicht schon genug, taucht direkt auch schon eine Todesliste mit einigen Kandidaten auf, von denen wohl die meisten auch dran glauben müssen. Und das alles in Verbindung mit einer Mordserie in der Vergangenheit, bei der mehrere Kinder dran glauben mussten. Mord und Totschlag! Trotzdem ist es nicht nur eine Story, die sich selbst mit ihren Leichen und Todesarten zu überbieten versucht. Die Opfer haben alle eine Bedeutung, Verbindungen müssen gefunden werden und der Plot ist in sich schlüssig. Wenn sich dann am Ende die Leichen stapeln, dann geht das in Ordnung. Trotzdem muss es meiner Meinung nach in Krimis oder Thrillern nicht darum gehen, dass möglichst viele Menschen sterben. Es geht für mich mehr um die anderen Elemente, vor allem der Plot, die Auflösung, die Machart und auch der Sinn hinter dem Ganzen.. Oder?

Fazit

Ich habe das Lesen sehr genossen, war von der ersten Seite an gepackt und fand den Schreibstil, die Aufteilung der einzelnen Abschnitte sowie die Personen, die Story, den Plot, die kreativen Ideen und auch die teilweise amüsanten Dialoge mitten im Leichendschungel sehr gelungen. Fast hätte ich 5 Sterne springen lassen, aber einen Kritikpunkt habe ich einfach: Wenn ich mich während des Lesens Frage, wie und warum der Killer etwas gemacht hat, dann möchte ich am Ende auch die Antworten auf diese Fragen haben. Ein paar Fragen sind offen geblieben, leider. Trotzdem kann ich dieses Buch allen Liebhabern von packenden Thrillern wärmstens empfehlen und warte schon gespannt auf das nächste Buch von Daniel Cole. Den Namen werde ich mir merken!

 

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Rezension: Todesmärchen von Andreas Gruber

todesmarchenIm dritten gemeinsamen Fall ermitteln Sabine Nemez und ihr Mentor Maarten S. Sneijder nun als Team. Und da kommt es gleich ganz Dicke: Zunächst geht es nach Bern, denn dort wurde eine alte Bekannte von Sneijder brutal ermordet und den Ermittlern kunstvoll und bizarr präsentiert. Und das war nicht der einzige Mord in dieser Serie, bald können sich die beiden Profiler vor Arbeit nicht mehr retten.
Zur gleichen Zeit folgt der Leser der jungen Psychologin Hannah, die in einem Gefängnis für abnorme Rechtsbrecher auf ein tödliches Geheimnis stößt. Auch ihre Vorgängerin scheint hinter das Geheimnis gekommen zu sein, denn sie konnte die von der Außenwelt abgeschiedene Insel nur im Leichensack verlassen. Was geht in dem Gefängnis vor? Und was ist eigentlich mit dem hochintelligenten „Patienten“ Piet van Loon los? Maarten S. Sneijder brachte ihn einst hinter Gittern, und schon bald gibt es eine Verbindung des Falles van Loon und der aktuellen Serie..

Stil, Machart, Meinung
Andreas Gruber hat sich bei mir im letzten Jahr tatsächlich ganz nach oben auf die Liste meiner Lieblingsautoren geschrieben. Ganz platt gesagt: Er hat es einfach drauf! Der Schreibstil ist fluffig und spannend gleichzeitig. Die Balance für Szenenwechsel, Beschreibungen und Spannung ist hervorragend und ich hatte noch nie den Wunsch, einen Thriller von ihm zur Seite zu legen. Auch der Wechsel zwischen Szenen aus der Vergangenheit und Gegenwart sowie der Ortswechsel ist immer gut gemacht und nicht verwirrend. Klar, die Thriller sind definitiv nichts für schwache Nerven und es gibt einige Bilder im Kopf, die man sich so eigentlich nie vorstellen wollte. Auch der Plot und die Auflösung sind super gelungen.
Eine besondere Erwähnung müssen die beiden Hauptpersonen dieser Reihe finden: Sabine Nemez, talentierte, mutige Anfängerin und wohl eine der wenigen Menschen, die ihren sehr speziellen Ausbilder halbwegs ertragen kann. Besagter Ausbilder Sneijder, nun sogar ihr Partner, ist eine sehr interessante Person. Von den meisten verhasst, oft unhöflich und direkt, sieht man ihn durch die Augen seines „Eichkätzchens“ Sabine Nemez doch als guten und genialen Menschen. Diese Kombination ist sehr gelungen!
Wie man liest bin ich voller Lob für diesen Thriller, ich habe nur ein klitzekleines Manko: Die Verbindung der Morde untereinander wird für den Leser viel zu schnell klar, da Titel und Cover ja plakativ mit dem Zaunpfahl winken.. Ich finde beides gelungen und vielleicht war das ja auch so gedacht, aber irgendwie habe ich in keine andere Richtung mehr gedacht, weil es ja von Anfang an irgendwie klar war.

Die Reihe
Dieses Buch ist das dritte Buch der Reihe um Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez. Ich habe den ersten Teil versäumt und war problemlos bei Band 2 „Todesurteil“ eingestiegen. Der erste Band heißt übrigens Todesfrist, ein gewisses Schema ist also zu erkennen. Wer noch nichts aus dieser Reihe gelesen hat und nach meiner Lobhudelei ganz heiß auf das Buch ist, der sollte unbedingt am Anfang beginnen und in der Reihenfolge Todesfrist, Todesurteil, Todesmärchen vorgehen. Man kann natürlich auch bei dem dritten Teil anfangen, versäumt aber einige Entwicklungen in den Beziehungen zueinander. Den zweiten Band konnte ich wie gesagt problemlos auch ohne das Vorwissen des ersten Bandes lesen. Beim dritten Band war ich trotzdem froh, das zweite vorher gelesen zu haben.

Fazit
Heute fällt mir nichts Neues ein, was ich aus der Lektüre des Buches gelernt habe. Wer lernen will, wie ein richtig guter Thriller geht, der kommt um die Lektüre dieser Reihe jedoch nicht herum. Ich gebe, mal wieder, begeisterte 5 Sterne. Mir fällt beim besten Willen kein Grund ein, warum ich einen Stern abziehen sollte und ich werde auch den vierten Band mit Begeisterung erwarten.

Hier gibts die Details zu Buch und Autor auf der Verlagsseite!

Eine weitere Rezension zur Reihe Pulaski/Meyers gibts hier

Rezension: Der Todeszauberer -Vincent Kliesch

todeszauberer-klieschDer Todeszauberer verblüfft seine Opfer schon sehr lange mit einem Zaubertrick, der –wie der Name Todeszauberer es vermuten lässt- tödliche Folgen hat. Bereits 17 Frauen hat er brutal verzaubert, die Gemeinsamkeit der Morde ist ein Schlag gegen die Schläfe. Doch dann macht der Killer einen Fehler: Er schlägt in Berlin zu und gerät an den Ermittler Julius Kern und seinen Erzfeind Tassilo Michaelis, ein Massenmörder den Kern nicht hinter Gittern bringen konnte und der ihm danach auch mal das Leben gerettet hat.. Und dann ist da noch die Ermittlerin aus München, die eine Gefahr auf privater Ebene darstellt.

Stil, Machart, Meinung
Dieses Buch ist mein drittes Buch von Vincent Kliesch und das zweite in der Serie um Julius Kern und seinem Widersacher Tassilo Michaelis. Es gibt stilistisch wenig Überraschungen im Vergleich zu den Vorgängern: Rasantes Tempo, flüssiger Schreibstil, gut balanciertes Berliner Lokalkolorit, gruselige Bilder im Kopf, langsam heranwachsende Zusammenhänge und ein furioses Finale. Meine Rezension zu dem ersten Band gibts hier:

Die Reinheit des Todes (Kern #1)
Trotzdem muss ich sagen, dass mich diese Geschichte irgendwie nicht ganz so begeistert hat wie die beiden anderen Bücher von Kliesch. Woran es liegt, weiß ich nicht. Ich kann nur vermuten, dass es etwas zu viel des Guten war, vielleicht auch ein paar Zufälle zu viel.
Jeder Thriller-Liebhaber dürfte mit diesem Buch trotzdem etwas anfangen können und ich kann mir nicht vorstellen, dass es da jemandem gibt dem es so gar nicht gefallen wird. Besonders gut ist, wie auch schon im Band davor, der Widersacher Tassilo. Seine Hilfe wird benötigt, er möchte einen Deal rausschlagen, was hat er vor? Ist er Hilfe oder Gefahr? Oder Beides? Ich mag diese dunkle Seite, mit der sich die Ermittler rumschlagen müssen, und bin gespannt wie das weitergeht. Genau deshalb werde ich auch das nächste Buch dieser Reihe lesen.

Was lernen wir daraus?
Wenn man so eine gute Konstellation wie Ermittler Kern und den Bösewicht Tassilo hat, dann ist das anscheinend schon die halbe Miete. Wie schon im ersten Band angesprochen, ist das eine Besonderheit die dem Leser lange im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr macht. Tassilo hat eine wirklich unglaublich schlimme Tat begangen, und das sehr brutal an mehreren Menschen gleichzeitig. Kern hat ihn überführt, aber nicht hinter Gittern bringen können. Seitdem macht Tassilo sogar noch eine Menge Geld mit seiner zweifelhaften Berühmtheit. Irgendwie ist er sehr interessiert an Kern, und hilft ihm in jedem Band – wenn teilweise auch eigennützig – bei der Ergreifung eines Serienmörders. Das ist einfach eine gute Ausgangslage und die merkwürdige Beziehung zwischen den beiden ist merkwürdig und gibt einiges her. Das braucht ja jetzt nicht jeder genauso machen, dann ist es schnell ein alter Hut. Bei Ethan Cross hat das Prinzip aber ja auch ähnlich geklappt.

Vielleicht findet man ja etwas ähnlich Merkwürdiges mit viel Potential.
Lokalkolorit ist nicht nur in den extra ausgewiesenen Regionalkrimis zu finden, sondern bereichert mit der richtigen Balance auch jeden anderen Krimi oder Thriller. Hier ist die Sache gut gelöst: Niemand stört sich an zu detaillierten regionalen Beschreibungen. Aber für Leute, die schon einmal in Berlin waren, gibt es manchmal so Aha-Momente wie „ach, da war ich schon!“ oder „typisch Berlin“. Dann bringt der Autor in diesem Band auch noch eine Münchenerin in die Szenerie, das frischt auf. Wer lesen will, wie man das Regionale gekonnt einbringt, der kann diesen Thriller zu Studienzwecken und Unterhaltung gleichzeitig lesen.

Fazit
Ein guter Thriller, der so fluffig und gut geschrieben ist, das man schnell durch ist und nie Langeweile aufkommt. Die Entwicklung des Entwicklers Kern und seinem Widersacher Tassilo und deren Beziehung zueinander sowie die Auswirkungen auf andere Beziehungen ist schon seit Band 1 super gemacht, und da muss man dann diesen zweiten Band auch lesen. Im Moment spielen viele gute Thriller in Berlin, und auch dieser hier greift die lokalen Gegebenheiten gut auf. Man kann also eigentlich nicht viel falsch machen, auch wenn mich die Story dieses Bandes+ die Aufklärung irgendwie nicht so 100% überzeugt haben. Trotzdem gibt´s knappe 4 Sterne und die Empfehlung, unbedingt mit Band 1 anzufangen!
Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

Hier gibt’s weitere gute Berlin – Thriller mit Leseempfehlung:

Der Augenblick des Todes – Vincent Kliesch

Endgültig – Andreas Pflüger

Bullet Schach – Ben Bauhaus (#1) und Killerverse von Ben Bauhaus (#2)

 

Rezension: Papierjunge von Kristina Ohlsson (Bergman #5)

Papierjunge Kristina OhlssonIn einer jüdischen Gemeinde in Stockholm passieren an einem Tag zwei unfassbare Verbrechen: Zuerst wird eine Erzieherin vor den Augen von Kindern und Eltern erschossen, wenige Stunden später verschwinden zwei Jungen auf dem Weg zum Tennistraining. Fredrika Bergmann und Alex Recht werden mit der Aufklärung der Verbrechen beauftragt, zeitgleich ist der neue Sicherheitschef der Gemeinde und ehemalige Kollege, Peder Rydh, hilfreich bei den Ermittlungen. Bald stoßen die Ermittler auf die israelische Legende des Papierjungen, der sich in der Dunkelheit Kinder holt. Als die beiden Jungen tot aufgefunden werden, sieht es so aus als sei der Papierjunge zum Leben erwacht.
Stil, Machart, Meinung
Dieser Thriller hier ist ein echter Thriller. Man bekommt genau das, was man erwartet. Dabei sind die Thrillerelemente gut verstrickt mit einer tiefgründigen Geschichte und den Perspektiven vieler Beteiligter. Ermittler, Opfer, Täter und viele in die Sache Verwickelte bekommen Raum für ihre Perspektive. Der Schreibstil ist nach meinem Empfinden genau richtig, nicht schnörkelig mit unnützen Informationen aber trotzdem tiefgründig und informativ, ohne zu langweilen. Die besonderen Perspektiven zeigen, wie ein Ereignis viele Menschen beeinflussen kann und macht dem Leser auch das Motiv des Papierjungen verständlich.
Es kommt von Anfang an Spannung auf und ich mochte das Buch zu keiner Zeit aus der Hand legen. Dazu tragen einerseits die Kapitel bei, die eine perfekte Länge (nicht zu lang) haben und mit fiesen Cliffhangern sowie düsteren Andeutungen enden. Andererseits spielt die Autorin unglaublich gekonnt mit dem Leser, indem sie die perfekte Balance zwischen den Informationen gefunden hat, die sie den Lesern häppchenweise hinwirft.
Eine für mich ganz neue Taktik der Autorin wirkt für mich unglaublich gut: Bereits zu Beginn des Buches kommt ein Teil vom Schluss. Im zweiten Kapitel, „Schluss. Fragment 1“ erfährt der Leser von einer Frau, die gleich ihre Familie tot zuhause auffinden wird. Immer mal wieder wird dem Leser zwischendurch ein Fragment des Schlusses schon vorher serviert, und von diesem kleinen Kapitel gingen eine Menge Emotionen aus – zumindest war es bei mir so. Man bekommt in den anderen Kapiteln Hinweise und hat bald zwei Frauen im Sinn, von denen es wohl eine schwer treffen wird. Wer von beiden, das weiß man dann erst am Schluss.. dem richtigen Schluss dieses Mal. Und allein dieser Teil der Geschichte hat mich so unglaublich gefesselt und mit den kleinen Hinweisen zwischendurch auch wirklich beschäftigt. Eine neue, tolle Idee. Gekonnt umgesetzt.
Gefallen hat mir auch der Bezug zu Israel, das war eine für mich recht neue Welt und sehr interessant. Denn als drei Menschen einer jüdischen Gemeinde in Stockholm an einem Tag sterben, stellt sich die Frage ob es ein Hate Crime (Verbrechen aus Fremdenhass) oder etwas Persönliches war.
Die Reihe
Wie so oft in letzter Zeit ließ ich mich bei der Wahl des Buches von den „äußeren Faktoren“ (Cover, Teaser) leiten und musste dieses Buch einfach lesen. Als ich dann feststellte, dass dieser Band der 5. Band der Reihe um Fredrika Bergmann ist, war ich nicht abgeschreckt. Das Buch ist natürlich am besten, wenn man es auch wirklich nach den Vorgängern liest – da besteht kein Zweifel. Bei Reihen geht es ja immer auch um die Entwicklung der Charaktere, und bei so verschiedenen, vielschichtigen Ermittlerin ist Vorwissen sicher interessant. Trotzdem kann man dieses Buch problemlos auch ohne jegliches Vorwissen lesen. Gewisse Ereignisse aus der Vergangenheit werden angedeutet, und es klingt definitiv sehr interessant. Ich überlege, die anderen Teile nun auch zu lesen.
Was lernen wir daraus?
Ich habe diese neue, unglaublich gute Idee kennengelernt, die ich schon oben angesprochen habe. In Ansätzen war mir das schon über den Weg gelaufen, manchmal ist es einfach sehr gut für die Geschichte, wenn der Leser schon ganz am Anfang einen kleinen Vorgeschmack auf den Schluss bekommt. Ich erinnere mich da beispielsweise an „Totenhaus“, dort erfährt man gleich am Anfang das die Hauptperson irgendwann im Laufe der Geschichte mal irgendwo eingesperrt wird und zu verdursten droht. Hier ist das allerdings noch viel beser umgesetzt. Man nehme eines der grausamsten Szenarios, das man sich so vorstellen kann und lasse eine glückliche Frau auf dem Weg nach Hause sein, wo sie in genau das Szenario geraten wird. Und man gebe dem rätselnden Leser zwei Frauen, die diese Frau sein können. Dann werfe man über das (dicke) Buch hin immer mal wieder ein paar Hinweise in die Szenen herein.. schon hat man den Leser gefesselt. Natürlich ist das nicht so einfach, denn die beiden Frauen und das Schicksal der Familie wurden hier sehr gut in die Handlung eingebunden. Dieser Kniff hat mich als Leserin wirklich gekriegt und als Schreibende sehr beeindruckt. Es lässt sich allerdings nicht mal eben so in Geschichten einbinden, da muss schon alles passen.
Fazit
Ich vergebe, man ahnte es wohl schon, 5 Sterne. Ein fluffiger Schreibstil, ein zu jeder Zeit spannender Thriller mit Elementen eines Romans. Stockholm, Israel, Gegenwart, Vergangenheit, viele Betroffene Familien, viele Ermittler mit unterschiedlichen Hintergründen, viele Wendungen, ein gut zusammengesponnener Plot, Überraschungen und Kniffe. Ich bin begeistert, werde mir den Namen Kristina Ohlsson weit oben auf meiner To-Read-List notieren und empfehle sie sehr gern weiter!

PS: Hier gibt´s die Infos zum Buch auf der Verlagsseite, inklusive Informationen zu der Reihe (und Reihenfolge) und weiteren interessanten Sachen.

Rezension: Ethan Cross – Ich bin die Nacht

Ethan Cross Ich bin die NachtDieser Thriller beginnt mit einer grausamen Szene, in der Francis Ackermann junior, einer er gefährlichsten Serienkiller überhaupt, eines seiner heißgeliebten Spiele mit zwei Polizisten spielt. Wie bei all seinen Spielchen geht es um Leben und Tod –wobei der Tod wohl eher im Vordergrund steht.. So muss sich bei diesem Spiel zunächst ein Officer entscheiden, ob er seinem Partner versucht zu helfen und einen qualvollen Tod zu riskieren oder wegzulaufen. Der gewissenhafte Partner nimmt Option 1 und findet sich bald in einem viel schlimmeren Spiel wieder, indem er gefesselt seiner Frau und seiner Tochter gegenübersitzt und entscheiden „darf“, welche Person seiner dreiköpfigen Familie überlebt, indem er die anderen Beiden erschießt..
Und dann ist da noch Markus, der ehemalige Polizist mit einem dunklen Geheimnis. Er macht zufällig an einem Tatort Bekanntschaft mit Francis Ackermann junior und findet sich auf einmal in einem eigenen Spiel um Leben und Tod mit einem ganz anderen Feind wieder. Er ha alle Hände voll zu tun und ist auf der Flucht. Wem kann er trauen? Und wieso beschließt Ackermann ausgerechnet, dass Markus sein perfektes Gegenstück ist? Und was ist eigentlich mit dem Sheriff los?

Stil, Machart, Meinung
Zunächst mal die ganz klare Ansage: Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven – und Gemüter. Grausame Szenen gibt es hier einige, eine ganze Menge Gewalt und auch seelische Grausamkeit kommt auf den Leser zu. Dennoch ist dieses Buch sehr gut geschrieben, die Szenen sind interessant und die Brutalität ist nicht so platt und unnütz wie in manch anderen Büchern und Filmen, die nach dem Motto „Hauptsache eine Menge Blutvergießen“ vorgehen zu scheinen.
Besonders interessant finde ich die teilweise schon philosophischen Fragen, die sich Killer Ackermann beim Ausüben seines „Berufs“ so stellt. Er hat recht philosophische und auch intelligente Ansätze auf Lager, die er auch oft seinen Opfern mitteilt. Genau so faszinierend sind die Szenen mit den oben schon angerissenen Spielchen, denn hier muss sich der unfreiwillige Spielgefährte dramatisch zwischen Menschenleben entscheiden – das Eigene inbegriffen.
Die verschiedenen Perspektiven sind hervorragend aufeinander abgestimmt und haben auch die richtige Länge. Einerseits der Killer mit den Spielchen, dann der ehemalige Polizist Markus mit den Dämonen der Vergangenheit und seinem aktuellen Problem, dann gibt’s da noch den Sheriff, der irgendwie Dreck am Stecken hat und dessen Tochter..
Ich habe angefangen, dieses Buch zu lesen. Und dann war ich auch schon fertig. Mit wahrscheinlich teilweise offenem Mund saß ich in der Sonne und blätterte fix die Seiten um. Es war spannend, sehr gut geschrieben, mit gutem Plot und einem sehr überraschenden Ende. Und der zweite Teil liegt schon ganz oben auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher).

Die Reihe
Dieses Buch, in Deutschland 2013 erschienen, ist Teil 1 der Reihe von Ethan Cross, indem Francis Ackermann junior und sein Gegenspieler Markus anscheinend die Hauptfiguren werden. Die Bücher haben allesamt ein sehr interessantes Design, wie mein Foto oben zeigt sind die Cover fast nur in einer Farbe gehalten und auch die Seitenränder sind in dem Design. Das erste Buch „Ich bin die Nacht“ ist schwarz, „ich bin die Angst“ ist rot und der dritte Teil „ich bin der Schmerz „ ist in weiß gehalten. Das ist mal ein tolles, einfaches Design mit hohem Wiedererkennungswert –und die Reihe wird im Regal echt schick aussehen. Der Autor legt außerdem ein schnelles Tempo vor, denn Band 2 und 3 gibt es ja auch schon. Ob es danach weitergeht? Keine Ahnung! Denn ich möchte mir die Reihe nicht verderben, indem ich jetzt für euch auf Wikipedia recherchiere und da dann wahrscheinlich Spoiler vor die Augen bekomme. Hier müsst ihr genauso unwissend bleiben wie ich – mir aber vertrauen und das erste Buch schon einmal lesen!

Zielgruppe
Leute, die gern Thriller und Krimis lesen. Idealerweise vielleicht lieber keine Einsteiger, sondern Leser die in dem Genre schon etwas belesen sind und die von mir erwähnte Grausamkeit ertragen können. Für schwache Nerven ist diese Geschichte nichts. Wer sonst nur Konsalik, Rosamunde Pilcher oder Nora Roberts liest (nichts für ungut!), der sollte vielleicht doch eher die Finger davon lassen und einen seichteren Einstieg in Sachen Krimi und Thriller wählen..

Was lernen wir daraus?

Ein Bösewicht in einem Krimi muss nicht nur böse und brutal sein. Natürlich sollte er schon etwas Böses an sich haben, sonst wäre er als Bösewicht wohl nicht geeignet. Er kann jedoch zur Abwechslung auch mal philosophische Fragen stellen und schlaue Dinge sagen. Er kann sogar Gefühle und Schwäche zeigen. Das ist in diesem Thriller sehr gelungen, und ich denke gerade dadurch ist diese Thriller – Reihe in aller Munde und so erfolgreich.

Fazit
Ich habe nichts auszusetzen, denn es stimmt alles. Der Thriller ist sehr spannend, gut und flüssig geschrieben und mit einem guten Plot. Es passiert eine Menge, und das in kurzer Zeit (denn man liest sehr schnell weiter, weil es so spannend ist). Der Serienkiller Ackermann ist ein sehr interessanter Bösewicht, denn er zeigt auch Schwächen. Es gab einen Punkt, an dem dachte ich „nun wird es aber ein bisschen viel“ – aber das Ende erklärt diesen Gedanken, und dadurch bringe ich ihn nicht als Negativpunkt an. Bleibt abschließend die Frage: 4 oder 5 Sterne? Ich vergebe knappe 5 Sterne, denn mir fällt einfach kein Makel ein, für den ich einen Punkt abziehen könnte. Diese 5 Sterne gehen mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung einher, die (nur) für die oben genannte Zielgruppe uneingeschränkt gilt. Einige Szenen in diesem Buch werden einem lange und lebhaft im Gedächtnis bleiben und Band 2 steht schon in meinem Regal.

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Ein mörderisches Schachspiel in Berlin!

Ich hatte das Glück, bei Lovelybooks das Buch in einer Leserunde mit dem Autor Ben Bauhaus lesen zu dürfen. Das war meine erste Leserunde und meine erste Erfahrung mit Bullet Schach und Schachboxen, aber das machte überhaupt nichts. Denn das Buch ist ein sehr gut geschriebener Krimi, und damit kenne ich mich aus..

Bullet Schach

Zum Inhalt:

Johann Thiebeck wurde vor einiger Zeit suspendiert, schlägt sich seitdem als Berater einer Sicherheitsfirma durch und hat sich voll und ganz dem Schachboxen verschrieben. Das ist ein Wettkampf, bei dem sich eine Runde im Boxring mit einem Zug auf dem Schachbrett abwechselt. Und genau so clever und stark ist auch der Ich-Erzähler, der seit Beginn des Buches einen ihm unbekannten Feind hat. Es beginnt damit, dass ein Bekannter von ihm in seinem Auto tot aufgefunden wird. Nicht einfach nur normal tot, sondern brutal in Lack ertränkt.
Als ihm ausgerechnet seine alte Kollegin Jana mit ihrem neuen Partner Densch die Nachricht des Mordes im eigenen Auto überbringt, ist es nur der Anfang. Weitere Opfer folgen, aber dem möchte ich nicht vorgreifen. Es stellt sich heraus, dass der Killer es auf Thiebeck abgesehen hat. In einem Online-Schachspiel geht es um Leben und Tod. Wie genau der Killer das Spiel geplant hat, müssen die Ermittler herausfinden. Thiebeck darf endlich wieder mitspielen, aber irgendwie nur als Zuschauer. Da er von Regeln aber nicht so viel hält, lässt er sich natürlich nicht davon abhalten den Killer zu jagen.

Stil, Sprache, Aufmachung

Ich kannte den Autor nicht, aber ich glaube man muss ihn sich in Zukunft merken. Ben Bauhaus hat einen Schreibstil, der mir sehr zusagt. Er schreibt fluffig, einfallsreich und interessant. So unbeschwert wie es geschrieben ist, kann der Leser ins Buch eintauchen ohne sich mit ausschweifenden Beschreibungen oder unnützem Geschwafel herumzuärgern. So mag ichs! Besonders erwähnenswert finde ich seine kurze, beiläufige Beschreibung ganz alltäglicher Situationen. So sind viele Sätze nicht von der Stange sondern kreativ durchdacht.

Die Hauptperson erzählt als Ich-Erzähler aus seiner Sicht die Geschehnisse, die ja auch ihn betreffen. Die Perspektive ist gut gewählt, die Umsetzung gut gemacht. So ist der Leser gedanklich immer mit eingebunden und versteht den wichtigsten Mann der Geschehnisse gut. Außerdem ist man dann als Leser beim Miträtseln immer genau so weit wie der Ermittler selbst.
Die Hauptperson sowie die Nebenfiguren sind sehr gut beschrieben. Man kann sich mit den zwei Haupt-Ermittlern, der Geliebten und noch ein paar anderen Leuten sehr gut anfreunden. Sie werden effektiv beschrieben und sind gut getroffen.

Eine Besonderheit in dem Buch ist die Aufteilung der Abschnitte. Das Buch ist in Kapitel gegliedert, die Abschnitte in dem Kapitel sind recht abrupt. So ist die Hauptperson im einen Abschnitt noch zuhause, im nächsten im Polizeipräsidium. Diese Hinweise gibt es erst in den ersten Sätzen des Kapitels, ein Leser der Leserunde hat diese Sache bemängelt und da ist sie mir erst so richtig aufgefallen. Mich hat es nicht groß gestört, aber die Wechsel sind schon recht abrupt und der Leser ist gedanklich gefordert.

Wer wird das Buch mögen?

Also zunächst einmal: Das Buch ist Teil 1 einer Reihe. Das zweite Buch, Killerverse, wird im Dezember diesen Jahres erscheinen. Die Personen und die persönliche Story des Hauptakteurs bieten definitiv Potential dafür!

Das Buch lesen sollten definitiv Erwachsene und keine Kinder. Es ist bei weitem nicht das brutalste, was mir je vor Augen gekommen ist. Aber es ist sicherlich auch kein Zuckerschlecken, wenn man sonst nur auf Friede, Freude und Eierkuchen steht. Männer und Frauen dürften sich gleichermaßen angesprochen fühlen, ich als Frau konnte mich problemlos mit der Perspektive des männlichen Ich-Erzählers anfreunden.

Fans von klassischen „whodunnit“-Krimis sowie der Jagd nach Serienkillern kommen bei diesem Thriller vollständig auf ihre Kosten. Sämtliche Krimileser und Freunde von Thrillern dürften hier genau richtig sein. Auch Schachspieler, Boxer, und Berliner werden in diesem Buch ihre Freude haben.
Bei der Bewerbung zu der Leserunde dachte ich nur: »Was ist Bullet Schach? Was ist Schachboxen?« Genau das hat mich eher neugierig gemacht als abgeschreckt, immerhin kann ich Schachspielen (für den Hausgebrauch). Ich bin sicher, manche potentielle Leser werden sich eventuell doch von dem eher speziellen Rahmen abschrecken lassen, aber das ist überhaupt nicht nötig! Man muss nicht viel davon verstehen, das erklärt sich im Buch alles von selbst. Ich fand es sehr interessant, denn beides gibt es wirklich.

Was lernen wir daraus?

  • 0815 kann jeder. Sätze müssen nicht von der Stange sein sondern können auch einfache Dinge in ein ganz anderes Licht rücken. Der Protagonist trinkt nicht einfach Kaffee, nein die Kanne spuckt es ihm in die Tasse.. Diese Kreativität sollte man natürlich nicht in jedem X-beliebigen Satz ausleben, sondern nur von Seite zu Seite mal aufblitzen lassen.
  • Fluffigkeit! Sind die Sätze locker, luftig oder fluffig (bessere Beschreibung fällt mir nicht ein!) geschrieben, dann liest der Leser auch mit dem entspannten Gefühl. Ich finde es sehr angenehm. Und ja, das kann auf jeden Fall auch bei so spannenden und ernsten Themen gut funktionieren. Spannung und ein fluffiger Schreibstil sind eine sehr gute Kombination und fördern das „pageturnen“..
  • Wie hilft man dem Leser dabei, bei Orts – oder Szenenwechseln zu helfen? Einfach so eine Zeile frei lassen? Datum,Ort und/oder Uhrzeit angeben? Ich überlege bei meinem Erstlingswerk gerade auch und bin im Moment bei einer Datums- und Uhrzeitangabe zu Beginn eines Kapitels (meist ein Tag) und einer Uhrzeitenangabe über einem Szenenwechsel/Zeitsprung. Ist das gut? Was ist besser?

Fazit zum Buch
Allen Krimifans kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Ich werde den zweiten Teil lesen, denn der erste hat mich überzeugt. 4,5 Sterne von mir. Ich hätte gern mehr über den Inhalt erzählt, aber die Spoilergefahr ist zu groß. Wichtig zu wissen ist, dass ein Serienkiller gejagt wird, es spannend ist und die Figuren gut dargestellt sind. Die Geschichte ist gut konstruiert und der Schreibstil ist super! Ich kann das Buch
nur empfehlen.

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Habt ihr es auch gelesen? Gibt es Bücher, die dem ähnlich sind? An Antworten wäre ich interessiert..
lesefreudige Schreibgrüße,
die Tipperin