Rezension: Der Todeszauberer -Vincent Kliesch

todeszauberer-klieschDer Todeszauberer verblüfft seine Opfer schon sehr lange mit einem Zaubertrick, der –wie der Name Todeszauberer es vermuten lässt- tödliche Folgen hat. Bereits 17 Frauen hat er brutal verzaubert, die Gemeinsamkeit der Morde ist ein Schlag gegen die Schläfe. Doch dann macht der Killer einen Fehler: Er schlägt in Berlin zu und gerät an den Ermittler Julius Kern und seinen Erzfeind Tassilo Michaelis, ein Massenmörder den Kern nicht hinter Gittern bringen konnte und der ihm danach auch mal das Leben gerettet hat.. Und dann ist da noch die Ermittlerin aus München, die eine Gefahr auf privater Ebene darstellt.

Stil, Machart, Meinung
Dieses Buch ist mein drittes Buch von Vincent Kliesch und das zweite in der Serie um Julius Kern und seinem Widersacher Tassilo Michaelis. Es gibt stilistisch wenig Überraschungen im Vergleich zu den Vorgängern: Rasantes Tempo, flüssiger Schreibstil, gut balanciertes Berliner Lokalkolorit, gruselige Bilder im Kopf, langsam heranwachsende Zusammenhänge und ein furioses Finale. Meine Rezension zu dem ersten Band gibts hier:

Die Reinheit des Todes (Kern #1)
Trotzdem muss ich sagen, dass mich diese Geschichte irgendwie nicht ganz so begeistert hat wie die beiden anderen Bücher von Kliesch. Woran es liegt, weiß ich nicht. Ich kann nur vermuten, dass es etwas zu viel des Guten war, vielleicht auch ein paar Zufälle zu viel.
Jeder Thriller-Liebhaber dürfte mit diesem Buch trotzdem etwas anfangen können und ich kann mir nicht vorstellen, dass es da jemandem gibt dem es so gar nicht gefallen wird. Besonders gut ist, wie auch schon im Band davor, der Widersacher Tassilo. Seine Hilfe wird benötigt, er möchte einen Deal rausschlagen, was hat er vor? Ist er Hilfe oder Gefahr? Oder Beides? Ich mag diese dunkle Seite, mit der sich die Ermittler rumschlagen müssen, und bin gespannt wie das weitergeht. Genau deshalb werde ich auch das nächste Buch dieser Reihe lesen.

Was lernen wir daraus?
Wenn man so eine gute Konstellation wie Ermittler Kern und den Bösewicht Tassilo hat, dann ist das anscheinend schon die halbe Miete. Wie schon im ersten Band angesprochen, ist das eine Besonderheit die dem Leser lange im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr macht. Tassilo hat eine wirklich unglaublich schlimme Tat begangen, und das sehr brutal an mehreren Menschen gleichzeitig. Kern hat ihn überführt, aber nicht hinter Gittern bringen können. Seitdem macht Tassilo sogar noch eine Menge Geld mit seiner zweifelhaften Berühmtheit. Irgendwie ist er sehr interessiert an Kern, und hilft ihm in jedem Band – wenn teilweise auch eigennützig – bei der Ergreifung eines Serienmörders. Das ist einfach eine gute Ausgangslage und die merkwürdige Beziehung zwischen den beiden ist merkwürdig und gibt einiges her. Das braucht ja jetzt nicht jeder genauso machen, dann ist es schnell ein alter Hut. Bei Ethan Cross hat das Prinzip aber ja auch ähnlich geklappt.

Vielleicht findet man ja etwas ähnlich Merkwürdiges mit viel Potential.
Lokalkolorit ist nicht nur in den extra ausgewiesenen Regionalkrimis zu finden, sondern bereichert mit der richtigen Balance auch jeden anderen Krimi oder Thriller. Hier ist die Sache gut gelöst: Niemand stört sich an zu detaillierten regionalen Beschreibungen. Aber für Leute, die schon einmal in Berlin waren, gibt es manchmal so Aha-Momente wie „ach, da war ich schon!“ oder „typisch Berlin“. Dann bringt der Autor in diesem Band auch noch eine Münchenerin in die Szenerie, das frischt auf. Wer lesen will, wie man das Regionale gekonnt einbringt, der kann diesen Thriller zu Studienzwecken und Unterhaltung gleichzeitig lesen.

Fazit
Ein guter Thriller, der so fluffig und gut geschrieben ist, das man schnell durch ist und nie Langeweile aufkommt. Die Entwicklung des Entwicklers Kern und seinem Widersacher Tassilo und deren Beziehung zueinander sowie die Auswirkungen auf andere Beziehungen ist schon seit Band 1 super gemacht, und da muss man dann diesen zweiten Band auch lesen. Im Moment spielen viele gute Thriller in Berlin, und auch dieser hier greift die lokalen Gegebenheiten gut auf. Man kann also eigentlich nicht viel falsch machen, auch wenn mich die Story dieses Bandes+ die Aufklärung irgendwie nicht so 100% überzeugt haben. Trotzdem gibt´s knappe 4 Sterne und die Empfehlung, unbedingt mit Band 1 anzufangen!
Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

Hier gibt’s weitere gute Berlin – Thriller mit Leseempfehlung:

Der Augenblick des Todes – Vincent Kliesch

Endgültig – Andreas Pflüger

Bullet Schach – Ben Bauhaus (#1) und Killerverse von Ben Bauhaus (#2)

 

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Rezension: Die Reinheit des Todes – Vincent Kliesch (Kern #1)

Die reinheit des Todes Vincent KlieschDer Putzteufel geht um! Leider nicht in meiner Wohnung, aber wenn man die mörderischen Nebenwirkungen der von ihm geschaffenen Reinheit bedenkt, dann ist das wohl auch ganz gut so. Denn der Kerl fängt erst an zu putzen, wenn er sein Opfer in der eigenen Wohnung getötet und nach eigenem Geschmack eingekleidet hat. Dann scheint er wirklich die ganze Nacht zu putzen. Und genau deshalb tappen die Ermittler schon länger im Dunkeln, es gibt einfach keinerlei verwertbare Spuren. Kommissar Kern wird ins Team gerufen, um frischen Wind in die Ermittlung zu bringen. Er hat allerdings auch einen kleinen Knacks von seiner letzten großen Ermittlung davon getragen, in der er einen fünffachen Mörder zwar aufspüren konnte – eine Verurteilung aber nicht gelang. Nun muss er zu alter Form zurückfinden und den Putzteufel finden. Nebenbei muss er sich dann auch noch seinem Gegenspieler stellen..

Stil, Machart, Meinung
Dieser Thriller steigt nicht bei Mord Nummer 1 ein, sondern gleich beim Dritten. Sofort befindet sich der Leser ohne weitere Umschweife am Tatort und erfährt geschickt alles, was er über den aktuellen Stand der Ermittlung wissen muss. Sofort erlebt man das Geschehen aus der Perspektive von Kommissar Kern, der Hauptperson.
Aber da gibt es noch andere Perspektiven, so wird man beispielsweise sehr früh aus der Perspektive des Mörders darüber informiert, was hinter den Taten steckt. Zunächst tappt man in äußerster Dunkelheit, nach und nach wird diese durch kleine Häppchen mit Informationen erhellt. Die Perspektive der Mutter des Mörders erklärt zusätzlich, dass der Täter ein Täter ist, weil er vorher Opfer war. Das finde ich sehr gelungen. Die Perspektiven vom guten und bösen Kerl sind bekannt und bewährt, aber diese weitere Ebene finde ich sehr gelungen!
Eine weitere Verwicklung, die noch mehr Würze in die Sache bringt, ist die Vergangenheit des Kommissars, die wieder ganz aktuell wird. Denn sein ehemaliger Widersacher, der 5fach-Mörder Tassilo, plant eine Buchveröffentlichung und möchte Kontakt mit Kommissar Kern aufnehmen. Der hat immer noch dran zu knabbern, dass der Mörder nicht hinter Gittern sitzt und hat deshalb schon seine Frau und seine Tochter verloren (sie sind ausgezogen). Nun muss er sich den vielen Presseanfragen stellen..
Ansonsten ist dieser Thriller sehr fluffig geschrieben. Der Plot ist sehr gut, die Personen sind allesamt sehr gut und lebhaft dargestellt und der Wettlauf gegen die Zeit schraubt die Spannung in die Höhe. Ich war fix durch und auch das Ende hat mich nicht enttäuscht.

Die Reihe
Dieses Buch ist das Thriller-Debüt von Vincent Kliesch aus dem Jahre 2010. Mittlerweile sind schon zwei weitere Bände der nun abgeschlossenen Trilogie erschienen, und zwar 2011 „Der Todeszauberer“ und 2012 „Der Prophet des Todes“. Damit ist die Reihe, in der es um Kommissar Kern und seinen Gegenspieler Tassilo geht, dann abgeschlossen.
Ich hatte übrigens zuvor schon den zweiten Band der nächsten Reihe um Severin Boesherz gelesen (hier die Rezension dazu!) und war begeistert, obwohl ich später eingestiegen war. Der Autor trifft meinen Geschmack und dieses Buch hier ist nicht das Ende meiner Lesebeziehung zu Vincent Kliesch..

Was lernen wir daraus?
Ich bin ein Fan von der Perspektive des bösen Buben, denn so erfährt man einiges über die Beweggründe und ist den Ermittlern gefühlt irgendwie einen Schritt voraus. Der Autor muss allerdings vorsichtig sein: Diese Perspektive darf nicht zu viel verraten! Vincent Kliesch hat sich hier entschieden, den Killer namentlich sofort zu nennen. Bei Krimis, in denen der Leser mit dem Ermittler den Killer aus einem abgegrenzten Personenkreis erraten muss oder bei Geschichten, in denen der Mörder gleichzeitig irgendwie bekannt ist, muss man das natürlich ganz vorsichtig machen: interessante Informationen geben, ohne die Identität zu verraten. In diesem Thriller hier finde ich besonders gelungen, dass die Perspektive der Mutter manchmal erwähnt wird. Denn dadurch sieht der Leser den Täter als Opfer, und es erschließt sich einiges.
Eine weitere Lektion erteilt dieser Thriller in Sachen „Gegenspieler“. Natürlich hat ein Ermittler in einem Thriller meist den Mörder als Gegenspieler, hier hat der Kommissar direkt mal zwei. Und das geht auch sehr gut, denn der eine Killer ist aus dem vergangenen Fall und der andere ist neu. Hier möchte ich nicht zu viel Spoilern, aber ich muss sagen: Ich bin gespannt, wie es mit dem Gegenspieler über die gesamte dreiteilige Reihe weitergeht, denn dieser ist sehr gekonnt in die Geschichte eingewoben und, sagen wir es mal so, nicht nur unsympathisch. Diese Graustufe ist gut ausbalanciert und bietet großes Potential.

Fazit
Ich gebe 4 Sterne und empfehle das Buch uneingeschränkt weiter. 5 Sterne hätten noch irgendwie einen ganz kleinen Tick mehr gebraucht, damit ich in absolute Begeisterung verfalle. Ein toller Thriller, super geschrieben, spannend, lebendige Figuren, gut gestalteter Plot und als Debütroman wirklich absolut vielversprechend. Kleine Anekdote am Rand: Nach dem ersten Viertel war ich tatsächlich inspiriert und habe erst einmal Küche und Badezimmer geschrubbt. Ein guter Nebeneffekt..!

Ein Klick auf diesen Link führt euch direkt zur Info-Seite von diesem Buch auf der Verlagshomepage!

Rezension: Endgültig von Andreas Pflüger


Ich bin begeistert! Denn dieses Buch hat mich so gepackt und beschäftigt, dass ich die Sache mit den letzten Seiten nach einem Lesewochenendetatsächlich noch etwas hinausgezögert habe. Nun habe ich die letzte Seite gelesen und das Buch zugeschlagen, und möchte unbedingt direkt den zweiten Teil lesen, der vom Autor am Ende angekündigt wurde.
Der Inhalt

Die Hauptperson in diesem Thriller ist Jenny Aaron, und sie ist blind. Einst Mitglied einer international operierenden Eliteeinheit der Polizei in Berlin, ist sie nun -nach einem Spezialeinsatz mit unglücklichem Ende- als Verhörspezialistin beim BKA. Sie war schon in jungen Jahren eine hervorragende Polizistin und hat sich auch nach ihrer plötzlichen Blindheit nach dem Einsatz nicht von der Arbeit abhalten lassen. Als plötzlich die alte Einheit aus Berlin anruft und um ihre Mithilfe bittet, holt die Vergangenheit sie schlagartig ein. Denn Boenisch, ein gefährlicher Kerl den sie am Anfang ihrer Karriere ins Gefängnis brachte, hat im Gefängnis eine Psychologin brutal umgebracht. Die einzige Person, mit der er sprechen möchte, ist Jenny Aaron. Als sie sich auf den Weg nach Berlin macht ahnt sie noch nicht, dass die Begegnung mit dieser unangenehmen Vergangenheit nur ein niedlicher Anfang eines perfekt geplanten Rachefeldzuges ist. Aber Jenny Aaron ist nur blind und hat nicht so viele Fähigkeiten eingebüßt, wie man jetzt vielleicht denkt.

Stil, Machart, Meinung

Der Thriller ist in der Gegenwartsform verfasst, besteht aber auch aus vielen mit großer Bedeutung für die aktuelle Geschichte. Das besondere ist die Perspektive, denn wie schon gesagt ist die Hauptperson blind. Man wird in diesem Buch also keine Beschreibung von Dingen finden, die man sehen kann. Sondern von Dingen die man hört, fühlt oder riecht. Und das ist dem Autor so gut gelungen, dass ich von Anfang an in diese so andere Welt versetzt wurde, die zwar anders aber irgendwie auch intensiver dargestellt ist als sonst. Als Sehender muss man sich drauf einlassen und wird die Welt einer Blinden kennenlernen und viel über die Taktiken erfahren, mit denen Blinde sich zu helfen wissen um möglichst normal zu leben. Es ist erstaunlich!

Trotz der Behinderung, die ja nun nicht unerheblich ist, ist die Protagonistin keineswegs hilflos. Ganz im Gegenteil, sie hat von allen Ermittlern, Bösewichten und Beteiligten die „dicksten Eier“(kommt im Buch mal so vor, passender geht´s nicht). Diese verschiedenen Welten, die Fähigkeiten und der Mut und trotzdem auch Dinge, die sie einfach nicht kann, sind sehr gut beschrieben.

Der Schreibstil ist wie für mich gemacht. Man ist sofort drin, in der Handlung. Ich hasse an einem Buch nichts mehr als elendig lange Beschreibungen der Landschaft. Die Fallen hier ja eh weg, denn das kann man ja nicht sehen. Die Beschreibung der Wahrnehmung von Jenny Aaron ist sehr interessant und ein so ganz anderer Blickwinkel. Der Schreibstil ist knackig, zeilenlange Sätze mit gefühlten 20 verschachtelten Nebensätzen wird man hier niemals finden – danke dafür! Auch ist die Geschichte überaus informativ. Klar, man lernt etwas aus der Welt der Blinden, aber das ist noch lange nicht alles (wenn auch am faszinierendsten). Man lernt Dinge aus dem Arbeitsalltag von Scharfschützen und anderen Ermittlern und der Schreibstil hat grundsätzlich eine Zielgruppe, die auch ein bisschen was auf dem Kasten hat. Damit meine ich einfach, dass auch ein bisschen Allgemeinbildung an manchen Stellen vorausgesetzt wird.

Der Plot ist super und das Buch ist wirklich durchgehend spannend. Die Vergangenheit hängt mit der Gegenwart zusammen, es gibt eine Menge überraschender Wendungen und der Leser weiß zu keiner Zeit sicher, was ihn auf den nächsten Seiten erwartet. Es geht rasant zu, die Seiten blättern sich fast von allein und sehr schnell. Die Beziehungen der Personen untereinander sind sehr liebevoll angelegt und durch Kleinigkeiten auch sehr glaubwürdig untermauert. Und das Buch strahlt definitiv die intensive Recherchearbeit aus, die vom Autor Andreas Pflüger hereingesteckt wurde. Das macht die Geschichte noch eine Schippe glaubhafter, realer und packender.

Ein sehr kleines Detail, welches ich sehr schön fand: An einigen Stellen gibt es Listen. Z.B. „10 Gerüche, die Aaron mag“ oder „Geräusche, die Aaron mag“. Die passen gut zur Geschichte und enthalten auch allgemeine Dinge, ich finde sie sehr gut gemacht, so zwischendrin.

Was lernen wir daraus?

-Klar, Krimis und Thriller legen oft großen Wert auf den Ermittler und ein besonderer Ermittler ist oft auch ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Geschichte. Während ja allgemein ein Trend zu Ermittlern mit Marotten oder auch persönlichen Problemen zu erkennen ist, ist eine blinde Polizistin natürlich ein ganz dicker Brocken. Gewagt, und genial wenn man das so perfekt umsetzen kann. Es muss jetzt nicht jeder eine blinde Ermittlerin erfinden, aber vielleicht gibt’s es ja noch andere ungewöhnliche Kombinationen die eine Geschichte in anderen oder ungewöhnlichen Blickwinkeln oder Konstellationen besonders machen. Andererseits finde ich, man muss das auch nicht übers Knie brechen. Ein Ermittler muss nicht unbedingt total durch geknallt oder behindert sein. Normale Leute mit kleinen Marotten oder besonderen Familienverhältnissen, Ansichten, Problemen oder sonstigen kleinen Besonderheiten können vollkommen ausreichen.

-Ich war schon oft beeindruckt von der detaillierten Recherche so mancher Autoren. Manchmal merkt man einfach, dass der Autor wirklich jedes Detail mit Experten abgeklärt hat und kann bei der Sache noch was lernen. Man darf das allerdings auch nicht so (klugscheißerisch) raushängen lassen, sonst fühlt der Leser sich kleingemacht oder für dumm verkauft.

-Dieser Punkt handelt davon, was ich persönlich gelernt habe. Also nicht fürs Schreiben meines eigenen Buches. Ich habe gelernt, dass Blinde ganz unglaubliche Dinge tun können, von denen ich vorher nichts ahnte. Gut, ich ahnte es vielleicht schon. Vor ein paar Wochen sah ich ein Video von einem blinden Jungen auf einem Skateboard auf Youtube. Es war sehr interessant, sich in diese Welt mitnehmen zu lassen.

Reihe und Zielgruppe

Dieses Buch hier ist das erste einer Reihe. Am Ende des Buches verrät der Autor, dass es wohl eine weitere Geschichte um Jenny Aaron geben wird. Die werde ich natürlich lesen.

Diese Geschichte ist etwas für Fans von Krimi´s und Thriller. Wer ewig lange Landschaftsbeschreibungen liebt und eine ruhig dahinplätschernde Geschichte liebt, für den ist dieses Buch eher nichts. Für mich war es genau richtig. Denn es war einerseits unheimlich spannend und andererseits durfte ich als Leser mir meine eigenen Gedanken zum Fall und zu den Personen machen. Ich wusste wirklich nie, was als nächstes passieren würde. Ich dachte manchmal, ich wüsste es. Aber dann kam es doch ganz anders, als gedacht. Die Auflösung ist überraschend, aber der Showdown kommt nicht nur am Ende sondern immer wieder auch mittendrin, durchatmen ist nicht drin. Wer solche Bücher liebt, ist hier genau richtig. Und wer sich für das Leben bzw. den Blickwinkel eines blinden Menschen interessiert, der dürfte hier auch eine Menge interessante Dinge erfahren.

Fazit

Ich vergebe 5 Sterne, bin hellauf begeistert und muss dringend den zweiten Teil lesen! Die ungewöhnliche Perspektive wurde ungewöhnlich gut umgesetzt. Die Hauptperson ist der Hammer, einerseits in einigen Dingen limitiert weil blind, andererseits knallhart und clever. Die Nebenpersonen sind ebenso liebevoll und interessant angelegt, der Plot ist super und es war sehr spannend und zu jeder Zeit unterhaltsam.

Hier geht´s zur Seite vom Buch bei Suhrkamp, mit Leseprobe

Rezension: Killerverse von Ben Bauhaus

KillerverseKillerverse ist der zweite Band um den etwas anderen Berliner Ermittler Johannes „Johnny“ Thiebeck. Band 1 hatte ich gelesen und für gut befunden, da durfte Band 2 nicht fehlen. Denn die Schreibe von Ben Bauhaus, ich sagte es schon in der ersten Rezension und sage es jetzt nochmal: die ist super! Wer zunächst mit Band 1 anfangen möchte, kann direkt hier klicken und kommt zu meiner Bullet Schach –Rezension.

Nun erst mal zum Inhalt von Killerverse:
Nachdem Thiebeck Band 1 ja recht ramponiert überstanden hat, sitzt eingangs plötzlich eine neue Mitarbeiterin seines alten Teams im LKA in seiner Küche und bittet ihn um Hilfe. Denn ein Bekannter ihrer Schwester wurde ermordet und die Schwester verhält sich seitdem merkwürdig. Und so gerät Thiebeck in die nicht ganz offizielle Suche nach einem Serienkiller, der seine Opfer gern Mund und Nase mit Klebstoff zuklebt und dabei zuschaut, wie sie elendig ersticken. Bald stellt sich heraus, dass der Grund für die Morde seinen Ursprung in Irland haben muss. Eine Berliner Reisegruppe begab sich vor Jahren nach Irland und alle kamen verändert zurück. Und nun hinterlässt der Killer bei jedem Opfer, alles Mitglieder der Reisegruppe, eine Zeile eines irischen Kinderreims und eine tödliche Menge Kleber. Einer nach dem anderen muss dran glauben, Thiebeck ermittelt natürlich auf eigene Faust und es wird spannend.

Stil, Machart, Meinung
Wie schon in Band 1 „Bullet Schach“ mag ich die Schreibe von Ben Bauhaus sehr. Er schreibt fluffig, gut zu lesen, manchmal lustig und gut beobachtet. Die Geschichte spielt aus Sicht vom recht eigenen Ermittler Johnny Thiebeck, er ist der Ich-Erzähler. Und das ist auch gut so, denn seine Gedanken machen Spaß. Er ist direkt, das Gegenteil von Bürokratisch, brutal wenn es sein muss aber doch einfach ein Pfundskerl, denn man liebhaben muss.
Diese Geschichte ist eine Mischung aus Krimi und Thriller, es gibt außerdem eine Nebenhandlung. Grundsätzlich konzentriert sich der Kern auf die Reisegruppe, von der einer nach dem anderen das Zeitliche segnen muss. Die Nebenhandlung handelt davon, dass einer von Thiebecks Kumpels aus dem Box-Gym (dort spielte die Handlung im ersten Band) Probleme mit Geldeintreibern hat. Auf diese Nebenhandlung kann ich, ehrlich gesagt, verzichten. Klar, sie verspricht Action und zeigt dem Leser genau, was der Thiebeck so für einer ist. Aber sie nimmt der Hauptgeschichte Raum und unterbricht sie. Wenn auch in der Hauptgeschichte Spannung aufkommt und man am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte, so kam zumindest mir immer die andere Handlung in den Weg. Das muss nicht jedem so gehen und die Nebenhandlung ist auch nicht schlecht –sie ist halt nur nicht meins und ich habe sie aufgrund des Klappentextes auch nicht erwartet (und gewollt..).
Die eigentliche Geschichte könnte bei der Beschreibung der einzelnen Gruppenmitglieder der Reisegruppe, immerhin sind viele von ihnen Opfer und einer wahrscheinlich auch der Killer, genau die Seitenanzahl zusätzlich vertragen, die die Nebenhandlung für sich beansprucht. Thriller, steht auf dem Cover. Das ist soweit auch richtig, immerhin jagen Polizei und Thiebeck auf unterschiedlichen Wegen einen Serienkiller, und das auch auf internationalem Gebiet. Durch die Reisegruppe und der ewigen Fragen „wer von ihnen ist der Killer?“ „Was ist in Irland passiert?“ und „wer stirbt als nächstes?“ bekommt es allerdings einen Touch von Krimi. Für mich als Agatha Christie- Fan ist das ganz hervorragend und ich begrüße diese Verbindung sehr. Denn so gibts das gute alte Whodunnit in modern. Ich hätte mir allerdings mehr Raum für die Personen, die Verbindung untereinander, mögliche Motive etc. gewünscht. Durch die eher oberflächliche Beschreibung musste ich an manchen Stellen überlegen, wer diese Person denn überhaupt war. Und ich hatte nicht genug Input, um selbst zu erraten wer der Killer sein könnte.
Am Ende löst sich die Geschichte jedoch gut auf, es ist wirklich spannend und man wird mehrmals in die Irre geführt.

Die Reihe um Thiebeck
Killerverse ist Band zwei, der erste Band heißt Bullet Schach. Man kann beide Bücher problemlos ohne das jeweils andere Buch lesen – aber man sollte es nicht tun. Klar, in Band 1 ist die Geschichte um den schachspielenden Killer abgeschlossen. Aber man möchte doch trotzdem wissen, wie es mit Thiebeck weitergeht. Er muss viel durchmachen in Band 1, denn der Killer hat es da auf ihn abgesehen und spielt virtuell gegen ihn Schach – für jede verlorene Spielfigur muss ein Bekannter Thiebecks dran glauben und am Ende auch fast er selbst. In diesem zweiten Band macht sich das Vorwissen gut, aber es ist nicht zwingend notwendig. Sehr ausgewogen schafft es Ben Bauhaus, die Neulinge mit dem nötigen Wissen aus band 1 zu versorgen, ohne das es für die alten Hasen langweilig wird. Die Entwicklung von Thiebeck jedoch ist es wert, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Die guten Storys und der tolle Schreibstil machen es sowieso unbedingt notwendig, beide Bände zu lesen..
Band 3 ist auch in Arbeit, im Sommer kommt mit „Puppenruhe“ der 3. Band um den Berliner Ermittler Thiebeck raus. Hier muss ich allerdings mal kurz Kritik üben: die beiden ersten Bücher haben ein in meinen Augen unglaublich gelungenes Cover, Puppenruhe hat auf einmal ein anderes Design. Das finde ich doof, wie sieht denn das im Regal aus? Also da hätte man dem Corporate Design wirklich treu bleiben können, allein schön für den Wiedererkennungswert.. Hier könnt ihr die Cover im Vergleich sehen und die Bücher bei Gefallen auch direkt bestellen..

Was lernen wir daraus?
-die richtige Schreibe macht eine Menge aus. Manche stehen vielleicht auf kunstvolle und komplizierte Wörter und verschachtelte Sätze die langwierig studiert werden müssen – ich jedoch nicht. Kurz, knackig und so, dass man sie einfach so weg lesen kann und sie trotzdem gut sind. So manches Mal musste ich wegen lustiger und kreativer Beschreibungen oder Gedankengängen schmunzeln, der Lesefluss und die Spannung wurden nicht durch komplizierte oder unnötige Dinge gestört.
-Nebenhandlungen können gut sein, aber auch stören. Ich weiß leider nicht genau, warum mir die Nebenhandlung hier nicht gefallen hat. Grundsätzlich stehe ich einfach nicht so auf diese Themen und brauche auch keine Action, man sollte also bei einer Nebenhandlung genau gucken ob die Zielgruppe der Haupthandlung auch die Nebenhandlung mögen würde. Und man sollte genau nachdenken, ob die Nebenhandlung es wert ist, die Haupthandlung zu stören. Dazu muss sie wirklich sehr gut oder speziell sein. Ich möchte für dieses Buch ja nicht zu viel verraten, aber als Fazit zu diesem Thema würde ich mal sagen: Wenn eine Nebenhandlung vorkommt, dann muss sie der absolute Hammer sein.

-Wie auch bei meinem Krimi (mehr dazu hier) steht der Autor vor der großen Herausforderung, eine rcht große Gruppe an Verdächtigen/Opfern (die Reisegruppe halt) so vorzustellen, dass der Leser sich an die einzelnen Gruppenmitglieder erinnert und direkt weiß, wer gemeint ist. Hier ist die Gruppe recht groß und die Perpektive des Ich-Erzählers schränkt es auch irgendwie ein. Optimalerweise sollte man also mit einer kleineren Gruppe arbeiten oder mehrere Morde an den Anfang stellen, damit am Schluss dann noch wenige Verdächtige verbleiben. Wenn dem nicht so sein soll, und so ist es ja auch bei mir, dann muss man sich eventuell sehr gute Beschreibungen und ungewöhnliche Anekdoten oder Besonderheiten ausdenken, die dann sofort mit der PErson verknüpft werden. Ich habe dann beispielsweise einmal den jungen Wilden Kerl, dann den der nie redet, den anderen der alles abschleppt was bei drei nicht auf dem Baum ist usw. Ob mir das geglückt ist, werde ich nach weiterem Feedback meiner Testleser und dann eventuell (endlich mal) auch echter Leser (!) wissen..

Fazit
Wie schon im Fazit meiner Rezension zu Band 1 geschrieben: Ben Bauhaus, den Namen muss man sich merken. Und das habe ich gemacht. Band 2 ist auf jeden Fall etwas für alle, die schon Band 1 mochten. Thriller- und Krimi-Fans werden ihren Spaß haben. Wie gesagt, die Nebenhandlung war nicht meins und ich wäre ohne sie glücklicher gewesen. Dadurch wurden die Spannung und der Lesefluss bei mir irgendwie gestört, aber sie ist immerhin sehr actionreich und hat eigentlich auch eine spannende Story. Besonders gut finde ich, dass wir hier einen modernen deutschen Thriller haben. Hacker und Soziale Netzwerke, ein hippes Berlin und ein Thiebeck der alten Schule sind eine tolle Mischung, auch der Exkurs in Richtung Irland war gelungen. Von mir gibt´s 4 Sterne und eine Leseempfehlung. Ich würde auf jeden Fall mit Band 1 anfangen, aber es ist nicht zwingend notwendig. Hier geht´s noch einmal zu meiner Rezension von Bullet Schach, falls ihr das Buch noch nicht kennt.

Rezension: Im Augenblick des Todes – Vincent Kliesch

Der Inhalt: Kommissar Boesherz sitzt gerade am Schlachtensee, als ein mysteriöser Mann sich neben ihn setzt und überredet, mit ihm einen kleinen Ausflug zu machen. Man soll ja nicht mit fremden MäIm Augenblick des Todes Vincent Klieschnnern ins Auto steigen, die Neugierde des Kommissars ist jedoch geweckt und er tut es trotzdem. Der Ausflug endet an einem Tatort, an dem ein Arzt brutal ermordet und der Tatort bizarr arrangiert wurde. Sofort bemerkt der Kommissar, dass dieses Verbrechen genau so aussieht wie damals am Anfang seiner Karriere. Sein bislang einziger ungelöster Fall, der ihm nicht nur eine Menge Nerven sondern auch die Beziehung zu seiner großen Liebe gekostet hat. Und Boesherz löst sonst wirklich jeden Fall, da er über ein geniales Gehirn verfügt. Der Täter scheint den Kommissar sehr gut zu kennen. Am Tatort hinterlässt er ein Rätsel. Die Lösung des Rätsels führt dann zum nächsten Tatort, und so hat der Kommissar eine Schnitzeljagd mit Leichen und einen Kampf mit seiner Vergangenheit vor sich. Und dann kommt auch noch sein Doppelleben ans Licht, als Kollegen zufällig auf ein geheimnisvolles Treffen mit einem Jungen aufmerksam werden.

Machart,  Stil und Meinung
Dieser Thriller spielt in Berlin, und das merkt man auch. Der Ort der Handlung ist immer wieder gut beschrieben, es stört aber niemals. Selbst eine Führung durch das Dungeon Berlin ist für den Leser beschrieben, und auch da wird es nicht langweilig.
Besonders auffällig und gelungen finde ich die Länge der einzelnen Szenen/ Kapitel. Sie sind relativ kurz gehalten und enden meist mit kleinen Cliffhangern. Außerdem wechseln sich die Handlungsorte/ Personen gekonnt ab, sodass es nicht langweilig wird. Neben Protagonist Boesherz kommen auch die Perspektiven von Kollegen, dem Killer und dem jungen Freund des Kommissars ins Spiel, nebenbei gibt es immer wieder Rückblenden ins Rheingau vor 16 Jahren. Denn dort hat der einzige ungelöste Fall des Kommissars sich damals abgespielt. Dieser Szenenwechsel macht es einem zwar andererseits jederzeit leicht, das lesen abzubrechen. Andererseits steigert sich dadurch die Spannung und man muss unbedingt weiterlesen. Das typische „och, ein Kapitel geht noch“ führt dann schnell zu „huch, vorbei“. Sehr gelungen, sehr spannend und auch sehr praktisch. Gefördert wird das auch durch den flüssigen Schreibstil. Es gibt kein Geschwafel und keine seitenlangen Beschreibungen und auch sehr oft humoristische Details.
Wie man am vorherigen Absatz schon erahnen kann, ist es zu jeder Zeit spannend. Es werden für den Leser mehr und mehr Fragen aufgeworfen, während er bei einigen Aspekten auch den Ermittlern etwas voraus ist. Man möchte unbedingt herausfinden, was bei diesem Rätsel los ist und wer der Killer ist. Der Leser ist gut mit einbezogen und wird schnell seine eigenen Gedankenspiele und Verdächtigungen entwickeln. Ich als „Fortgeschrittener“ im Bereich des Rätselns in Punkto Krimi und Thriller lag zwar bei einigen Aspekten richtig, bei anderen aber auch wieder total falsch. Ich wurde gut an der Nase herumgeführt, ohne mich am Ende beleidigt zu fühlen. In der Handlung sind keine logischen Fehler aufgefallen.
Der Protagonist ist ein sehr eigener Charakter, und das rundet diesen tollen Plot perfekt ab. Denn er ist zwar mit einer beeindruckenden Kombinationsfähigkeit gesegnet, lässt es allerdings auch gern gegenüber den Kollegen heraushängen. Noch dazu scheint er mindestens zwei Leichen im Keller zu haben, die seine eigene Verwicklung nicht ausschließen lässt. Das kündigt sich bereits in der ersten Szene an, in der der Kommissar festgenommen wird.

Die Reihe
Der Thriller „Im Augenblick des Todes“ ist das fünfte Buch des Autors Vincent Kliesch und das zweite Buch in der Reihe um Kommissar Boesherz. Man kann dieses Buch auch problemlos lesen, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat. So war es bei mir und ich konnte ohne Probleme in die Geschichte reinkommen. Nun, da mich der zweite Teil so überzeugt hat, frage ich mich allerdings schon was denn in Teil 1 so los war..

Was lernen wir daraus?
-kurze Kapitel, Szenenwechsel, Perspektivenwechsel und kleine Cliffhanger am Ende der Kapitel sorgen dafür, dass der Leser schnell in die Handlung hereinkommt –und auch nicht mehr heraus will. Das passt natürlich vor allem bei Krimis und Thrillern, kann aber auch bei anderen Geschichten nicht schaden. Man will ja, dass der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.
-Damit der Leser (so ein Leser wie ich zumindest) das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte, bieten sich auch fluffige, kurze und knackige Beschreibungen und Dialoge an. Selbst Dinge, die interessant sind aber für die Handlung nicht weiter wichtig sind (hier z.B. der Besuch im Dungeon Berlin) können wirkungsvoll eingesetzt werden, wenn der Leser nebenbei über die Personen informiert wird und es nicht langweilig ist.
-Ich liebe es, wenn der Leser mit einbezogen wird. Ich möchte selbst raten und überlegen. Ich möchte nicht unbedingt alles richtig raten, das wäre zu einfach. Aber ich möchte von der logischen Auflösung des Falles überrascht werden und eine Chance gehabt haben, drauf zu kommen. Bei manchen Thrillern oder Krimis ist der gute alte „Kommissar Zufall“ am Ende ja der Held –und der Leser meist enttäuscht.

Fazit
Ich vergebe tatsächlich 5 Sterne, denn wie schon gesagt war ich sofort in der Handlung drin und wollte am liebsten sofort das ganze Buch durchlesen (unglücklicherweise muss man ja nebenbei noch arbeiten, aber ich war trotz allem recht fix fertig). Der fluffige Schreibstil ohne unnötiges Geschwafel und der interessante Plot sind im Zusammenspiel richtig gut. Ich durfte mir meine eigenen Gedanken machen und hatte ein Rätsel vor mir, welches sehr ausgewogen gestaltet war. Das Ende hat nicht enttäuscht und ich möchte unbedingt mehr von Vincent Kliesch lesen! Das war mein erstes Buch des Berliner Autors – aber sicher nicht mein Letztes. Den Namen sollte man sich merken.5 Sterne und eine Leseempfehlung von mir!

Hier gibts Details zum Buch: Im Augenblick des Todes

Mehr über Vincent Kliesch gibts auf Seiner Homepage:Homepage Vincent Kliesch

Rezension: „Das Dornenkind“ von Max Bentow (Nils Trojan Teil 5)

 Im fünften Fall wird’s für den Berliner Ermittler Nils Trojan wieder sehr persönlich. Denn sein Widersacher aus Fall 1, der Federmann, ist zurück und sinnt auf Rache.

Ich starte mit einer kurzen Erinnerung daran, was in Fall 1 passierte:

Nils Trojan hat nicht mehr so richtig Lust auf seinen Job und ist in Behandlung bei einer Therapeutin, die er äußerst anziehend findet. Dann erscheint der Federmann auf der Bildfläche, er ermordet Frauen mit wallenden blonden Haaren auf bestialische Art und Weise und hat eine besondere Vorliebe für Vögel (Dompfaffen, genauer gesagt). Noch größer ist allerdings seine Vorliebe für das Haar der Opfer, welches er ihnen abschneidet und dann zu seinem persönlichen Federmantel verarbeitet. Am Schluss entführt er die attraktive Therapeutin, Nils Trojan macht sich auf, sie zu retten. Das funktioniert (natürlich) auch, nach einer Verfolgungsjagd kämpft er mit dem Federmann, welcher übrigens mit der Therapeutin zusammenarbeitete, der Federmann fällt am Ende vom Dach des Hochhauses und wird für tot erklärt.

Nun zu Teil 2:

Ohne zu sehr zu spoilern, denn es steht schon überall auf der Rückseite des Buches: Natürlich ist der Federmann nicht tot! Wieso nicht, erfährt man in diesem Teil. Nils Trojan ahnt noch nix, vom drohenden Unheil. Er merkt jedoch ziemlich schnell, dass die Leichen aus seinem neuen Fall eine persönliche Botschaft für ihn bereithalten. Dann kontaktiert ihn die angebliche Tochter des Federmannes und will ihren Vater mit ihm gemeinsam zur Strecke bringen. Kann man der angeblichen Tochter trauen? Was haben die aktuellen Opfer mit dem Federmann zu tun? Wird die Rache des Federmannes gelingen?

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 ..schon steht der Federmann wieder vor der Tür

Wie bereits erwähnt ist dieses Buch der fünfte Teil der Reihe um Nils Trojan, geschrieben übrigens von Max Bentow. Ich möchte deshalb schon jetzt unbedingt sagen: Wer Teil 1 nicht gelesen hat, der wird an diesem Buch hier zwar auch etwas Freude haben – aber eventuell viele Lücken und dadurch definitiv nicht so viel Lesefreude. Ich alter Adrenalinjunkie bin bei diesem Buch tatsächlich mal von meinem Schema abgewichen, Teile einer Serie unbedingt immer nach der richtigen Reihenfolge zu lesen. Man muss ja auch mal etwas wagen. In diesem Fall erschien es mir durchaus möglich, da ich Teil 1 gelesen hatte. Natürlich fehlt einem die persönliche Entwicklung des Kommissars und der anderen Charaktere, wenn man so vorgeht. Nachdem im ersten Teil aber nun der Psychopath wütet, der dann in Teil 5 zurückkehrt, steckt dann vielleicht doch nicht so viel Adrenalinjunkie in mir, wie ich es mir gern einbilden würde. Meine Vorgehensweise und die damit 3 ausgelassenen Bücher zwischen den Büchern war gut, ich hatte es natürlich mit einer plötzlich älteren Tochter zu tun und der Ermittler und die Therapeutin waren mittlerweile ein Paar, wenn auch mit Problemen. Der Tipp also: Bevor man dieses Buch liest, unbedingt (mindestens) Teil 1 „Der Federmann“ lesen. Die Rezension dazu habe ich auch hier auf meinem Blog, ein Klick genügt: Der Federmann von Max Bentow

Stil, Machart, Meinung

Ich muss schon sagen, Max Bentow ist seinem Rezept für einen erfolgreichen Thriller treu geblieben. Wer den Federmann gelesen hat, wird die Parallelen schnell feststellen, ich möchte hier nicht zu viel verraten. Wir haben eine Mordserie, Nils Trojan ermittelt, Nils Trojan merkt das es um ihn geht, jemand gerät in Gefahr, Nils Trojan rettet diesen Jemand durch zu viel Intuition und Glück. Vermischt mit vielen persönlichen Gedanken des Ermittlers und seinem Privatleben ist die Geschichte für mich am Ende doch recht ausrechenbar. Ein paar Überraschungen hat der Autor jedoch trotzdem versteckt. Grundsätzlich erinnert mich das gleiche Grundrezept mit der neuen Story an Karen Rose, welches ich kürzlich in dem Artikel „Das Karen Rose Rezept oder auch: never change a winning story“ vorstellte und lobte. Es ist also nicht direkt etwas schlechtes, wenn der Autor sein Schema beibehält. Hier ist es meiner Meinung nach leider nicht so gut gelungen wie bei Frau Rose .

Anfangs kam ich schleppend in die Geschichte rein. Ich störte mich besonders an vielen sehr ausschmückenden Beschreibungen. Stammlesern dürfte mittlerweile bekannt sein, dass poetisches Geschwafel und unnütze Adjektive mich überhaupt nicht ansprechen. Eigentlich ist der Einstieg eine sehr gruselige und mysteriöse Situation, die einen auf der Stelle zum weiterlesen zwingen müsste. Ich denke, hier lag es wirklich an der Erzählweise. Sie bremste meinen Lesefluss irgendwie aus. Es tauchen im Laufe der Geschichte jedoch mehrere Fragen auf, die den Leser fesseln und unbedingt beantwortet werden müssen. Also las ich weiter, und irgendwann in der Mitte des Buches hatte mich die Story dann wirklich gepackt. Der Autor baut gekonnt Spannung auf und, wie es doch in Thrillern oft so ist, ist am Ende alles irgendwie ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Wendungen, mysteriösen Motive und fesselnden Fragen sind einfach gut gemacht, der Wettlauf gegen die Zeit beschwingt den Leser zusätzlich zu höherem Lesetempo und lässt das Buch schwer aus der Hand legen. Ob ich mich dann an die Erzählweise gewöhnt habe oder der Autor auf Grund der Spannung dann auch Abstand von den Ausschmückungen genommen hat, weiß ich nicht.

Wie auch schon bei Teil 1 bemängelt, ist mir bei den Motiven einiger (wichtiger!) Personen jedoch noch eine Menge unklar geblieben. Da ist einmal die Tochter, dann Trojan, jemand von dem ich hier noch nicht berichten werde (Spoilergefahr) und zu guter Letzt auch der Federmann selbst. Besonders enttäuschend finde ich auch am Ende wieder, dass Trojan genau wie in Teil 1 durch Eingebungen, Bauchgefühl und mit großer Unterstützung von Kommissar Zufall zum Ziel kommt.

Was lernen wir daraus?

Ich muss ehrlich sagen, dazu fällt mir wenig neues ein. Die gleichen Punkte wie schon in der Rezension von Teil 1 der Reihe sind noch aktuell. Ansonsten ist auch das schon im Artikel über Karen Rose erwähnte „immergleiche Erfolgsrezept“ bei Fortsetzungen nur anzuwenden, wenn es auch wirklich überzeugend umgesetzt werden kann. Wie schön erwähnt, werde ich mich beim Schreiben bemühen, das die Motive und Handlungen Sinn ergeben und Kommissar Zufall den Fall nicht ohne den eigentlichen Kommissar löst..

Fazit

„Das Dornenkind“ ist ein solider Thriller, der am Ende echt spannend ist und einige Fragen aufwirft sowie Überraschungsmomente bietet. Man sollte „Der Federmann“ gelesen haben, bevor man sich an die Lektüre macht, sonst macht es meiner Meinung nach eher wenig Sinn. Die Entwicklung des Kommissars von Teil 1 bis Teil 5 wird deutlich, ist jedoch gemessen an den vielen privaten Gedankengängen in diesem Band recht dünn ausgefallen. Ich denke, wer die Vorgänger mochte der wird auch diese Geschichte nicht schlecht finden. So richtig begeistert und voller Jubelstürme bin ich jedoch auch nicht. Irgendwie sind mehrere Fragen zu den Motiven der einzelnen Personen unbeantwortet geblieben und auch die zufälligen Ereignisse am Ende nicht ganz mein Geschmack. Ich denke daher, dass dieser Teil auch mein letzter Teil in dieser Serie gewesen sein wird. Es gibt gute 3 Sterne und eine (wenn auch eingeschränkte) Leseempfehlung von mir. Denn trotz meiner Kritik war ich nach dem holprigen Einstieg gut unterhalten und konnte das Buch am Ende nicht mehr aus der Hand legen. Als das Ende dann erreicht war, blieben das WOW in meinem Gehirn jedoch aus und noch ein paar Fragen offen.

Rezension: Der Federmann von Max Bentow. Ein Berlin – Psychothriller

federmann

Endlich habe ich es geschafft, mit der Thriller- Serie um Nils Trojan zu beginnen. Da der Teaser auf der Rückseite des Buches dieses Mal weitestgehend zutrifft, spare ich mir eine eigene Inhaltsangabe und dir Zeit. Hier der Inhalt laut der Buchrückseite:

Er tötet Vögel – und Frauen mit blondem Haar. Niemand kennt sein Gesicht. Außer einem kleinen Mädchen. Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord: Wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der Federmann einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Unterstützt von der Psychologin Jana Michels macht sich Trojan an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele.
Stil, Machart, Meinung
Zunächst einmal das Wichtigste: Das Buch liest sich flüssig weg. Es beginnt spannend und man will jederzeit wissen, wie es denn weitergeht. Am Ende ist es ein spannender Wettkampf gegen die Zeit, und auf einmal ist das Buch auch schon vorüber. Wann immer es mir bei einem Buch so geht, dann war es gut.
Die Geschichte spielt in Berlin und ist durch die vielen Straßenangaben und sonstigen Anhaltspunkte auch eine Art Regionalthriller. Berliner dürften sich an den vielen realen Gegebenheiten sehr erfreuen, Ortsunkundige (wie ich) werden sich davon nicht gestört fühlen.
Der Autor legt den Hauptaugenmerk bei seinen Schilderungen auf den Akt des Tötens und die Art und Weise, wie die Opfer aufgefunden werden. Wer ein zu zartes Gemüt für die detaillierten Beschreibungen der doch recht kranken Art der Morde und die schonungslose Beschreibung der Leichen hat, sollte sich vielleicht eher nicht an dieses Buch heranwagen. Es birgt definitiv einige Elemente für alptraumreiche Nächte. Ich bin nur froh, dass meine Haarpracht nicht blond ist.
Die Auflösung, wie es in Thrillern ja im Vergleich zu Krimis meistens ist, findet eher durch die (rasanten) Geschehnisse statt und nicht durch den Leser. Man kann die Lösung nicht wirklich selbst erraten sondern liest mit, wie Kommissar Trojan durch teilweise gutes Kombinieren und natürlich auch ein paar wirklich gewagte Vermutungen ans Ziel gelangt. Am Ende denkt man dann vielleicht „ach ja, ok, macht Sinn.“ Was man natürlich erahnen kann, sind so manche Szenen. Man ahnt irgendwie, wer noch in Gefahr gerät und in einzelnen Szenen natürlich auch was gleich passieren wird. Grundsätzlich also sehr gut gemacht, der Autor spielt geschickt mit der Angst und Vorahnung des Lesers. Ein bisschen mehr Chance, auf die Lösung selbst auch zu kommen, hätte ich mir vielleicht noch gewünscht. Dieses darf ich allerdings nicht bemängeln, denn wenn das unbedingt sein muss, hätte ich mir wohl eher einen klassischen Krimi aussuchen sollen.
Etwas schade finde ich, dass das Hauptaugenmerk, wie im vorherigen Absatz beschreiben, nicht etwas mehr auf der Psyche des Killers liegt. Die Bezeichnung „Psychothriller“ auf dem Titel finde ich etwas unpassend, denn so viel Psycho ist trotz Therapeutin in der Geschichte nun auch nicht zu finden. Die Motive und damit verbundene Hinweise auf den Thriller hätten mich schon während der Erzählung interessiert, die Aufklärung samt Hintergründe erfolgt dann aus der Sicht des Täters aber erst ganz am Ende. Ehrlich gesagt stört mich dieser Punkt jetzt aber auch nicht sehr stark, denn ich war wie schon gesagt das gesamte Buch über gut unterhalten, blätterte die Seiten in Windeseile um und somit hat das Konzept offensichtlich funktioniert.
Ein weiterer, kleiner Kritikpunkt ist die Beschreibung der „Actionszenen“ am Ende. Ich bin mit reichlich Fantasie gesegnet (sonst hätte ich wohl auch nicht so viel Spaß am Lesen und Schreiben), muss allerdings zugeben das ich am Ende etwas verloren war. Ich möchte nun natürlich nichts vom Ende verraten, deshalb nur so viel: Bei der rasanten Beschreibung hatte ich mehrmals einfach nur Fragezeichen im Kopf, eine Sprechblase von mir lesend in einem Comic hätte einfach nur die ungenau formulierte Frage „Häää?“ erhalten, und das mindestens 5 Mal.

Der Ermittler und die Reihe
Der Ermittler, Nils Trojan, ist eine interessante Figur. Auf der einen Seite entspricht er dem mittlerweile recht gängigen Ermittlertypus des geschiedenen, alleinlebenden Kommissars. Irgendwie sitzt er dann doch jeden Abend allein mit Alkohol in der Wohnung, wenn er nicht gerade an einem Tatort ist. Für seine Tochter hat er auch nicht wirklich viel Zeit. Andererseits geht er regelmäßig zu einer Therapeutin und versucht, seine Probleme zu bekämpfen. Das ist ja eher ungewöhnlich, für so einen harten und einsamen Wolf. Vielleicht liegt es allerdings auch daran, dass die Therapeutin sehr attraktiv ist. In dieser Richtung entwickelt sich natürlich etwas..
Die Gedankengänge des Kommissars, besonders die privaten, nehmen einen großen Raum ein –stören aber nicht. Irgendwie sind die privaten Gedanken auch oft mit dem Fall verknüpft oder erweisen sich als hilfreich, das finde ich durchaus gelungen. Trotzdem muss ich mich wundern, dass am Ende trotz der vielen privaten Empfindungen und auch der Erzählperspektive des Ermittlers nicht so viel Sympathie für Nils Trojan bei mir ankam, wie es wohl vorgesehen war. Er war mir schon sympathisch und ist definitiv ein Held, aber so ganz mein Typ Mensch war er dann vielleicht doch nicht.
Dieses Buch (Originalausgabe erschien 2011) ist das erste Buch, welches ich von Max Bentow gelesen habe und Teil 1 der Thriller-Reihe um Nils Trojan. Die Personen in seinem Leben und seine Person selbst bieten definitiv eine Menge Stoff für weitere Fälle, und da es bis jetzt auch schon weitere Bände gibt hat der Autor das Potential sicherlich gut ausgeschöpft. Neidvoll muss ich anerkennen, dass ich von der Effektivität des Autors begeistert bin. 2011 erschien Teil 1 und nun liegt bereits der 5. Teil auf meinem SuB.
*Achtung, Spoiler!*
Der 5. Teil auf meinem SuB, „Das Dornenkind“, soll davon handeln das der Federmann (also der Killer aus diesem, dem ersten Band) zurückkehrt. Ich wusste es vorher, da es ja groß auf dem 5. Buch steht, und wusste damit auch, dass das Ende dieses Buch noch nicht alles war. Ich werde jetzt, und das ist wirklich untypisch für mich aber auch gleichzeitig mal ein Experiment, vom ersten Band direkt zum fünften Buch springen und mal schauen, wie es sich so macht. Ich werde dann sicherlich einiges im Leben des Ermittlers verpassen, steige dafür aber direkt nach Band 1 ein, was den Federmann betrifft. Da ich sonst immer die Reihenfolge einhalte, will ich mal schauen wie das so klappt. Und wenn das Buch dann genau so gut war, überlege ich mal ob ich nicht Band 2-4 auch noch anschaffe..

Was lernen wir daraus?

Ich würde sagen, erstaunlich und motivierend ist auf jeden Fall die Tatsache, das Max Bentow Band 1 dieser Reihe 2011 veröffentlicht hat und nun, ende 2015, bereits der 5. Band erschienen vor mir liegt. Das ist vorbildliches Arbeiten!

Ausserdem werde ich die Actionszenen in meinem Krimi noch einmal genauer überprüfen und schauen, ob sich die Leser auch wirklich die rasanten Szenen gut vorstellen können – das diese Szenen sehr schwierig sind, habe ich beim Schreiben übrigens auch schon gemerkt. Mein Mann musste eine Szene mit mir vor dem Schlafzimmerspiegel nachstellen, um Klarheit bei der Beschreibung zu schaffen (Nein, es war nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst..).

Fazit
Dieser Thriller hat mir gut gefallen, denn ich wollte zu jedem Zeitpunkt unbedingt weiterlesen und fühlte mich demnach sehr gut unterhalten. Der Plot ist gut, die Ideen von Max Bentow sind gut (und gruselig), es ist flüssig geschrieben und zu keiner Zeit kommt Langeweile auf. Ein bisschen mehr Tiefgang in Sachen Tätermotiv hätte mir gefallen und etwas mehr Hilfe fürs Kopfkino bei den Actionszenen hätte auch nicht geschadet, aber ich vergebe gern 4 Sterne und lese jetzt wie gesagt direkt das nächste Buch von dem Autor. Für zarte Gemüter ist der Thriller vielleicht nicht so geeignet, wenn diese Gemüter dann auch noch blondes Haar und Angst vor Vögeln haben, rate ich vom Lesen eher ab. Ansonsten kann ich es den Lesern von Krimis und Thrillern wärmstens empfehlen und bin sicher, diese Reihe ist mit Recht so erfolgreich und in aller Munde.

PS: Für mehr Informationen schaut doch gern mal auf der Homepage von Max Bentow vorbei, sie ist sehr schön gestaltet und dort gibts auch die Informationen über alle 5 Bände und natürlich den Autor selbst.

 

Ein mörderisches Schachspiel in Berlin!

Ich hatte das Glück, bei Lovelybooks das Buch in einer Leserunde mit dem Autor Ben Bauhaus lesen zu dürfen. Das war meine erste Leserunde und meine erste Erfahrung mit Bullet Schach und Schachboxen, aber das machte überhaupt nichts. Denn das Buch ist ein sehr gut geschriebener Krimi, und damit kenne ich mich aus..

Bullet Schach

Zum Inhalt:

Johann Thiebeck wurde vor einiger Zeit suspendiert, schlägt sich seitdem als Berater einer Sicherheitsfirma durch und hat sich voll und ganz dem Schachboxen verschrieben. Das ist ein Wettkampf, bei dem sich eine Runde im Boxring mit einem Zug auf dem Schachbrett abwechselt. Und genau so clever und stark ist auch der Ich-Erzähler, der seit Beginn des Buches einen ihm unbekannten Feind hat. Es beginnt damit, dass ein Bekannter von ihm in seinem Auto tot aufgefunden wird. Nicht einfach nur normal tot, sondern brutal in Lack ertränkt.
Als ihm ausgerechnet seine alte Kollegin Jana mit ihrem neuen Partner Densch die Nachricht des Mordes im eigenen Auto überbringt, ist es nur der Anfang. Weitere Opfer folgen, aber dem möchte ich nicht vorgreifen. Es stellt sich heraus, dass der Killer es auf Thiebeck abgesehen hat. In einem Online-Schachspiel geht es um Leben und Tod. Wie genau der Killer das Spiel geplant hat, müssen die Ermittler herausfinden. Thiebeck darf endlich wieder mitspielen, aber irgendwie nur als Zuschauer. Da er von Regeln aber nicht so viel hält, lässt er sich natürlich nicht davon abhalten den Killer zu jagen.

Stil, Sprache, Aufmachung

Ich kannte den Autor nicht, aber ich glaube man muss ihn sich in Zukunft merken. Ben Bauhaus hat einen Schreibstil, der mir sehr zusagt. Er schreibt fluffig, einfallsreich und interessant. So unbeschwert wie es geschrieben ist, kann der Leser ins Buch eintauchen ohne sich mit ausschweifenden Beschreibungen oder unnützem Geschwafel herumzuärgern. So mag ichs! Besonders erwähnenswert finde ich seine kurze, beiläufige Beschreibung ganz alltäglicher Situationen. So sind viele Sätze nicht von der Stange sondern kreativ durchdacht.

Die Hauptperson erzählt als Ich-Erzähler aus seiner Sicht die Geschehnisse, die ja auch ihn betreffen. Die Perspektive ist gut gewählt, die Umsetzung gut gemacht. So ist der Leser gedanklich immer mit eingebunden und versteht den wichtigsten Mann der Geschehnisse gut. Außerdem ist man dann als Leser beim Miträtseln immer genau so weit wie der Ermittler selbst.
Die Hauptperson sowie die Nebenfiguren sind sehr gut beschrieben. Man kann sich mit den zwei Haupt-Ermittlern, der Geliebten und noch ein paar anderen Leuten sehr gut anfreunden. Sie werden effektiv beschrieben und sind gut getroffen.

Eine Besonderheit in dem Buch ist die Aufteilung der Abschnitte. Das Buch ist in Kapitel gegliedert, die Abschnitte in dem Kapitel sind recht abrupt. So ist die Hauptperson im einen Abschnitt noch zuhause, im nächsten im Polizeipräsidium. Diese Hinweise gibt es erst in den ersten Sätzen des Kapitels, ein Leser der Leserunde hat diese Sache bemängelt und da ist sie mir erst so richtig aufgefallen. Mich hat es nicht groß gestört, aber die Wechsel sind schon recht abrupt und der Leser ist gedanklich gefordert.

Wer wird das Buch mögen?

Also zunächst einmal: Das Buch ist Teil 1 einer Reihe. Das zweite Buch, Killerverse, wird im Dezember diesen Jahres erscheinen. Die Personen und die persönliche Story des Hauptakteurs bieten definitiv Potential dafür!

Das Buch lesen sollten definitiv Erwachsene und keine Kinder. Es ist bei weitem nicht das brutalste, was mir je vor Augen gekommen ist. Aber es ist sicherlich auch kein Zuckerschlecken, wenn man sonst nur auf Friede, Freude und Eierkuchen steht. Männer und Frauen dürften sich gleichermaßen angesprochen fühlen, ich als Frau konnte mich problemlos mit der Perspektive des männlichen Ich-Erzählers anfreunden.

Fans von klassischen „whodunnit“-Krimis sowie der Jagd nach Serienkillern kommen bei diesem Thriller vollständig auf ihre Kosten. Sämtliche Krimileser und Freunde von Thrillern dürften hier genau richtig sein. Auch Schachspieler, Boxer, und Berliner werden in diesem Buch ihre Freude haben.
Bei der Bewerbung zu der Leserunde dachte ich nur: »Was ist Bullet Schach? Was ist Schachboxen?« Genau das hat mich eher neugierig gemacht als abgeschreckt, immerhin kann ich Schachspielen (für den Hausgebrauch). Ich bin sicher, manche potentielle Leser werden sich eventuell doch von dem eher speziellen Rahmen abschrecken lassen, aber das ist überhaupt nicht nötig! Man muss nicht viel davon verstehen, das erklärt sich im Buch alles von selbst. Ich fand es sehr interessant, denn beides gibt es wirklich.

Was lernen wir daraus?

  • 0815 kann jeder. Sätze müssen nicht von der Stange sein sondern können auch einfache Dinge in ein ganz anderes Licht rücken. Der Protagonist trinkt nicht einfach Kaffee, nein die Kanne spuckt es ihm in die Tasse.. Diese Kreativität sollte man natürlich nicht in jedem X-beliebigen Satz ausleben, sondern nur von Seite zu Seite mal aufblitzen lassen.
  • Fluffigkeit! Sind die Sätze locker, luftig oder fluffig (bessere Beschreibung fällt mir nicht ein!) geschrieben, dann liest der Leser auch mit dem entspannten Gefühl. Ich finde es sehr angenehm. Und ja, das kann auf jeden Fall auch bei so spannenden und ernsten Themen gut funktionieren. Spannung und ein fluffiger Schreibstil sind eine sehr gute Kombination und fördern das „pageturnen“..
  • Wie hilft man dem Leser dabei, bei Orts – oder Szenenwechseln zu helfen? Einfach so eine Zeile frei lassen? Datum,Ort und/oder Uhrzeit angeben? Ich überlege bei meinem Erstlingswerk gerade auch und bin im Moment bei einer Datums- und Uhrzeitangabe zu Beginn eines Kapitels (meist ein Tag) und einer Uhrzeitenangabe über einem Szenenwechsel/Zeitsprung. Ist das gut? Was ist besser?

Fazit zum Buch
Allen Krimifans kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Ich werde den zweiten Teil lesen, denn der erste hat mich überzeugt. 4,5 Sterne von mir. Ich hätte gern mehr über den Inhalt erzählt, aber die Spoilergefahr ist zu groß. Wichtig zu wissen ist, dass ein Serienkiller gejagt wird, es spannend ist und die Figuren gut dargestellt sind. Die Geschichte ist gut konstruiert und der Schreibstil ist super! Ich kann das Buch
nur empfehlen.

Bullet Schach bei Amazon kaufen

Habt ihr es auch gelesen? Gibt es Bücher, die dem ähnlich sind? An Antworten wäre ich interessiert..
lesefreudige Schreibgrüße,
die Tipperin