Das Spiel des Verräters von Anne Perry

Im Jahre 1933 lernt die englische Fotografin Elena Standish an der Amalfiküste Ian Newton kennen und versteht sich mit ihm auf Anhieb prächtig. Als im Hotel der beiden ein Toter aus einem Schrank kippt und Ian ein Telegramm erhält, muss er abreisen. Elena entscheidet sich spontan, ihn bis nach Paris zu begleiten. Dort kommen die Beiden jedoch nicht an, denn Ian wird während der Zugfahrt niedergestochen. Bevor er stirbt gesteht er Elena, dass er für den britischen Geheimdienst MI6 arbeitet. Er bittet sie, seinen Auftrag zu beenden. Denn in Berlin ist ein Attentat geplant, welches eine internationale Krise auslösen könnte. Aber Elena kommt zu spät und wird plötzlich selbst als Attentäterin gesucht …

Stil, Machart, Meinung

Dieser Kriminalroman ist durchaus ein historischer Kriminalroman. Die Autorin hat sich wirklich bemüht, das Jahr 1933 rundum realistisch zu beschreiben – meiner Meinung nach (und ich war nicht dabei!) hat sie das auch wirklich gut gemacht. Besonders gelungen finde ich ihre Idee, die Ereignisse der damaligen Zeit durch die Augen einer Fotografin zu beschreiben. Die Perspektive fängt die Atmosphäre dieser Zeit sehr schön ein.

Verschiedenste Perspektiven zeigen die damaligen Gemüter gut auf, und so gehen die historischen Gegebenheiten Hand in Hand mit einer spannenden Handlung. Mit der Hauptdarstellerin Elena ist der Leser auf der Flucht in Berlin, wo leider an jeder Ecke die drohende Katastrophe des aufsteigenden Nationalsozialismus und deren Folgen für verschiedene Beteiligte lauern. Elena selbst macht im Laufe der Geschichte Entwicklung von der etwas naiven jungen Dame zur abgebrühteren Lady durch.  Sie muss sich konstant fragen, wem sie trauen kann.

Die Welt der Spione ist natürlich eine sehr spannende Welt, in Büchern kann sie mich jedoch nicht so oft begeistern. Hier ist dieses Thema jedoch so nahtlos mit der damaligen Stimmung, einer Frau auf der Flucht und einem drohenden Krieg verbunden, dass es gut passt. Ich muss jedoch sagen, dass ich am Anfang nicht ganz so gut weitergekommen bin und das Buch oft nicht in die Hand nehmen wollte. Der Wechsel der Perspektiven und Geschehnisse war sehr gut gemacht, trotzdem war mir eine Perspektive dann doch sehr langgezogen. Für die Geschichte war das wichtig, uninteressant war es auch nicht – nur wurde der spannende Erzählstrang dadurch etwas ausgebremst. Am Ende hatte mich das Buch dann aber doch gepackt, auch wenn mich die Auflösung leider nicht sonderlich überraschen konnte.

Was lernen wir daraus?

Dieser Krimi geht in die Tiefe und schickt auch viele bedeutende Aussagen an die Leserschaft. Man merkt, dass die Autorin gewissenhaft recherchiert hat und die Geschichte fiel zu keinem Zeitpunkt „aus der Rolle“ (daher= aus der damaligen Zeit). Die gewählte Perspektive der anfangs noch naiven Fotografin, die ihre Umgebung und die Emotionen der Menschen sehr aufmerksam beschreibt war dafür die perfekte Wahl. Denn die Recherche konnte so auch durch viele aussagekräftige Fotos geschehen, die dann von der Autorin beschrieben werden konnten – ohne die Story langweilig werden zu lassen. Ganz im Gegenteil.

Fazit

Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Die Geschichte gehört nicht zu dem Lesestoff, der mir üblicherweise am meisten Spaß macht. Ich wurde jedoch bis auf anfängliche Längen sehr gut unterhalten, der Plot war spannend und schlüssig und das Finale war gut. Ich habe gedanklich irgendwie eine Menge aus diesem Buch mitgenommen und kann es guten Gewissens empfehlen. Der englische Titel lautet übrigens „Death in Focus“ (Tod im Fokus), und das finde ich ja richtig gut und passend.

Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite

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