Rezension: Viral. Blutrausch von Mark Benecke

Eine ungewöhnliche Mordserie versetzt die Berliner Bevölkerung in Angst und Schrecken. Tote, junge Frauen werden komplett blutleer aufgefunden. Bald bekommen die „Vampirmorde“ große mediale Aufmerksamkeit und wütende, besorgte Bürger demonstrieren vor dem Gebäude der Mordkommission. Die zuständige Kommissarin holt wegen der ausgefallen Methode einen ehemaligen Kollegen zurück ins Boot, der seit einem traumatischen Ereignis im Dienst als Privatdetektiv gerade mal so über die Runden kommt. Mit dabei sind auch die aufstrebende Nachwuchskommissarin und die Partnerin des Privatdetektivs. Aber es geht nicht nur um Polizeiarbeit, sondern um Medienaufmerksamkeit, Verschwörungsmärchen und politische Entscheidungen.

Stil, Machart, Meinung

Dieser erste Krimi von Mark Benecke, den man eventuell als populären Kriminalbiologen kennt, ist etwas anders als andere Krimis – aber dennoch irgendwie ziemlich nah am genretypischen Schema.

Ich muss vor meiner Beschreibung sagen, dass ich nach der letzten Seite eines Buches nicht sofort losschreibe, sondern das ganze erstmal etwas sacken lasse. Und tatsächlich ist in der kurzen Zeit nicht wirklich viel von der Handlung und den Personen hängen geblieben. Daher muss ich leider vorwegschicken, dass ich diese Geschichte gerade als „0815 Krimi“ empfinde. Ein Krimi, der sich nur sehr wenig mit den Opfern aber dafür vermehrt mit den medialen Folgen der Mordserie befasst. Wie in vielen anderen Krimis haben wir hier brutal getötete junge Frauen und verschiedene Ermittlerpersönlichkeiten mit einigen Wendungen. Über die Frauen habe ich fast nichts erfahren, außer eine Beschreibung ihrer Leiche. Die Opfer blieben genau so blass, wie sie äußerlich (blutleer) beschrieben wurden.

Die Ermittler selbst sind eher unsympathisch als sympathisch, ich könnte die Namen nicht mehr zusammen bekommen und bin überhaupt wenig an deren weitergehenden Erlebnissen interessiert.

Der Krimi ist schon ein wenig blutig, wobei ich von Marc Benecke in der Hinsicht auch etwas mehr erwartet hatte. Der Plot ist in sich schlüssig, aber da so viel über die Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung und politische Entscheidungen und so wenig über Polizeiarbeit, Opfer und Täter berichtet wird eher nichtssagend. Vielleicht ist das eher Stoff für die kurzweilige Folge einer Krimiserie? 

An der Schreibe habe ich nichts auszusetzen, kann aber auch nichts Herausragendes bemerken. Die Geschichte ist durchaus spannend geschrieben, ich hatte jedoch selten Lust das Buch zur Hand zu nehmen und war auch nicht wirklich in der Handlung drin. Es hat sehr lange gedauert, bis ich mit dem Buch durch war. Und es ist wirklich kein dicker Schinken. Besonders lobend erwähnen möchte ich jedoch die kunstvolle äußere Aufmachung.

Was lernen wir daraus?

Schuster, bleib bei deinen Leisten? Das ist eigentlich überhaupt nicht mein Credo, denn ich mag es wenn Leute aus ihrem Muster/Alltag ausbrechen und ganz kreativ mal andere Sachen wagen. Ich habe hier jedoch die Vermutung, dass Mark Benecke bei der Ausübung seines Berufes als Kriminalbiologe unbedingt eine Distanz zu den Opfern und auch Ermittlern aufbauen muss – eben damit er sich auf seinen Teil der Ermittlungen konzentrieren kann und nicht beeinflusst wird. Und eben dieser unbedingt notwendige, wissenschaftliche Blick auf eine Mordserie kann hier nicht abgelegt werden. Ich kann mir vorstellen, dass es für den Autor wirklich wichtig war, die politischen Entscheidungen und die Auswirkungen der Berichterstattung aufzuzeigen. Das hat er auch rübergebracht – es nimmt jedoch im Vergleich zu den anderen Aspekten, die einen Krimi ausmachen, etwas zu viel Raum ein.

Fazit

Mark Benecke finde ich eigentlich ganz sympathisch und ich mag es, wie er Wissenschaft für die breite Masse unterhaltsam verständlich macht. An dieses Buch hier hatte ich deshalb (und aufgrund der Aufmachung) hohe Erwartungen. Diese wurden leider enttäuscht. Ich hatte beim Lesen des Buches nicht wirklich Spaß, kam nicht in die Geschichte rein und war froh, als ich durch war. Leser, die Krimi – Anfänger sind, könnten die Sache vielleicht auch ganz anders sehen als ich. Generell wird es sicher glühende Anhänger geben, aber ich gehöre nicht dazu. Es ist nicht viel hängen geblieben  -aber das Buch sieht echt gut aus.. Mehr als 2 Sterne sind bei mir leider nicht drin.

Hier gibt es die Details zum Buch (und einen wirklich vielversprechenden Buchtrailer!)

2 Kommentare zu „Rezension: Viral. Blutrausch von Mark Benecke

Gib deinen ab

  1. Ich habe bewusst nicht zu diesem Buch gegriffen, weil ich schon ahnte, was da kommen würde. Seit dem Mord von Pastor Geyer an seiner Frau und dem dazu angefertigten Gutachten von Mark Benecke vor fast 25 Jahren verfolge ich seine damals noch wissenschaftlichen, heute zumeist populärwissenschaftlichen Publikationen. Diese Seite an ihm schätze ich sehr.

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    1. Vor etlichen Jahren habe ich über Benecke auch geschrieben: krimilese.wordpress.com/2013/09/23/forensische-entomologie-am-beispiel-eines-totungsdelikt-beschrieben-von-m-benecke-und-b-seifert-in-zusammenhang-mit-simon-beckett-die-chemie-des-todes/

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