Rezension: Der Tod so kalt von Luca D`Andrea

Der Tod so kalt Luca D AndreaJeremiah Salinger, ein amerikanischer Drehbuchautor, produziert eine erfolgreiche Fernsehserie. Als er mit seiner Frau in ihr Heimatdorf in Südtirol zieht, ist er dort trotzdem nur ein Fremder. Er gehört nicht zur Dorfgemeinschaft, da er kein Einheimischer ist. Nachdem er eine neue Idee für eine Fernsehserie in Südtirol in die Tat umsetzt, passiert eine schreckliche Tragödie. Davon traumatisiert, schwört er sich und seiner Frau, Urlaub zu nehmen. Aber dann fesselt ihn ein brutaler Mord an drei jungen Leuten, welche 1985 an der Bletterbachschlucht brutal hingerichtet wurden. Nur durch diese Geschichte fühlt er sich wieder lebendig, aber nur durch diese Geschichte schweben er und seine Familie auch in Gefahr. Er kann trotzdem nicht mit der Ermittlung aufhören, bevor er das Rätsel gelöst hat. Und das Schicksal der drei Toten ist auch das Schicksal vieler anderer, die dran zerbrochen sind.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller ist ausschließlich in der Ich – Perspektive erzählt und bekommt so einen sehr persönlichen und realistischen Beigeschmack. Man fühlte sich tatsächlich mittendrin. Es tickt nicht –wie bei den meisten Thrillern – direkt eine Uhr durch die Seiten, es muss kein Täter gefasst werden um weitere Opfer zu retten. Es gibt einfach einen Mann in einem Dorf, der seine Neugier und Faszination nicht zügeln kann und so zu vielen Leuten zu viele Fragen über schlimme Dinge in der Vergangenheit stellt. Ich dachte oft: „Mein Gott Salinger, hör bloß auf, Fragen zu stellen“ und genau so oft „was ist damals bloß passiert?“.  Damit hatte mich der Autor wohl genau dort, wo er mich auch haben wollte.

Dieser Thriller ist recht dick und langatmig, aber trotzdem nicht detailüberladen und langweilend. Das Buch ist auch ein wenig Roman, welcher zwei Hauptstränge hat und dadurch viele Nebenhandlungen und Charaktere entwickelt. Einmal der Ich –Erzähler mit Frau, Tochter und Schwiegervater in der Gegenwart und dann die drei ermordeten Leute im Jahre 1985 und deren Leben, Probleme, Feinde sowie die Auswirkungen auf einige Zeitzeugen. Die Schreibweise des Autors ist fluffig und es gibt auch viele lustige und ironische Bemerkungen.

Ich hatte vor Jahren mal einen „Krimi“ aus Südtirol gelesen, der mehr einem begeisterten Reiseführer sowie einer Ötzi – Dokumentation glich als einem spannungsgeladenen Krimi. Dieser Thriller hier offenbart auch interessante Details aus dem Leben in Südtirol sowie der Landschaft, jedoch ist es interessant und geschickt in die Geschichte eingebaut. Auch Ötzi kommt kurz wieder vor, ohne Ötzi geht ein in Südtirol spielendes Buch wohl nicht. Aber hier stören mich die interessanten landestypischen, geologischen und historischen Fakten nicht – ganz im Gegenteil: Sie machen die Geschichte sehr realistisch.

Der Plot und die einzelnen Charaktere konnten mich überzeugen, auch das Ende war schlüssig und konnte sowohl überraschen als auch Action bieten.

Was lernen wir daraus?

Der Unterschied zwischen einem Reiseführer mit ein bisschen Krimi, der dann die Krimileser sehr enttäuscht und die am Reiseführer Interessierten niemals erreicht und einem spannenden Thriller, eingebettet in eine interessante Region ist definitiv nicht fließend. Wer einen Reiseführer schreiben möchte, kann das gern machen – darf den aber nicht Regionalkrimi nennen. In diesem Buch hier war die Geschichte wichtig, der Autor gab der Geschichte viel Raum, hatte einen tollen Plot und hat nebenbei Details der Umgebung geschickt eingebaut, damit die Geschichte einen realistischen Rahmen hat. Die Umgebung half der Geschichte – und nicht andersrum. Wer einen guten Regionalkrimi- oder Thriller schreiben möchte, sollte sich fragen ob Details der Geschichte helfen oder ob die Geschichte nur die regionstypischen Aspekte präsentieren soll. Oder ob er lieber einen Reiseführer schreiben sollte, denn das ist ja auch nicht schlecht. Dieses Buch hier zeigt, wie man viele lokale Dinge in eine spannende Geschichte einbaut, sodass man der Geschichte nicht die Spannung nimmt und trotzdem ein interessantes Setting erschafft.

Fazit

Ich vergebe fast 5 Sterne, sagen wir mal 4,5. Der Thriller hat alles, um mich zu fesseln. Ich habe nichts entdeckt, was mir nicht gefällt und sogar das etwas Langatmige gemocht, weil es interessant war und die Athmosphäre des Buches befeuerte. Für die Höchstpunktzahl fehlt noch das ganz Besondere, das Geniale.

Für Thriller- und auch Krimifans ist dieses Buch sicher eine gute Sache. Auch Südtirol – Fans oder Südtiroler dürften ihre Freude an der Geschichte haben, da viele regionale Aspekte gut in die Geschichte eingewoben sind. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Hier gibt es Details zu Buch und Autor auf der Verlagsseite!

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Rezension: Der dunkle Grund des Sees von Stefanie Kasper

der-dunkle-grund-des-sees-stefanie-kasperAm Ufer des Forggensees wohnen die Adoptiveltern von Isabel Radspieler. Als Elisa, Isabels Adoptivmutter, im Sterben liegt, soll die Tochter unbedingt nach Hause kommen. Sie schafft es leider nur zur Beerdigung rechtzeitig, zieht dann allerdings wieder in ihr altes Kinderzimmer, um sich um den Vater zu kümmern. Dort findet sie in ihrem alten Versteck ein mysteriöses Erbe, versteckt von ihrer Mutter vor dem Tod. Sie soll herausfinden, was mit den Eltern und der Schwester von Elisa 1954 passiert ist. Diese waren spurlos verschwunden, nachdem der Forggensee aufgestaut und das Dort geflutet wurde. Und so macht sich Isabel auf die Suche und stößt bei ihren Recherchen auf Familiengeheimnisse, Zeitzeugen und Gefahren.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Kriminalroman ist mehr Roman als Krimi. Es liegt zwar zu jeder Zeit etwas Bedrohliches über der Erzählung, in erster Linie hält die Autorin sich jedoch mit den regionalen Besonderheiten rund um den Forggensee in Gegenwart und Vergangenheit auf und legt einen großen Fokus auf die emotional arg gebeutelte Hauptperson. Zunächst kam ich genau deshalb schlecht in die Erzählung hinein. Ich muss dazu sagen, dass ich- Nordlicht- keinen Schimmer hatte, dass es überhaupt einen Forggensee gibt oder was da historisch so los war. Ich denke mir, das die bayrischen Leser auf Grund der Bekanntheit des Forggensees wahrscheinlich sofort Feuer und Flamme sein werden.

Trotzdem war ich zunächst ziemlich ernüchtert von der Lektüre und hatte wenig Lust, diese überhaupt fortzusetzen. Ich hatte den Teaser auf der Rückseite des Buches gelesen und es dauerte zunächst ziemlich lange, bis die Handlung überhaupt über die Ankündigungen hinausging. Das ist natürlich recht ernüchternd, wenn man hohe Erwartungen an die Ermittlungen und Familiengeheimnisse der Vergangenheit hegt.

Die Hauptperson ist einem nicht gerade sympathisch. Mitleid hat man mit ihr, da ihre Zwangsstörung sie an so ziemlich allem hindert. Da ich mir nun eher eine Ermittlung in Sachen Krimi erhofft hatte, war mir die Perspektive der zumeist handlungsunfähigen Isabel doch viel zu lang. Andererseits ist das auch mal etwas anderes und man bekommt einen wahrscheinlich ganz realistischen Einblick in Angststörüngen, die mir auch gut recherchiert erschienen (ich habe aber keine Ahnung, kann das deshalb nur mutmaßen). Die Recherchen zum Thema Forggensee und dessen Vergangenheit schienen mir auch sehr fundiert, ich habe zunächst auf Wikipedia nachschauen müssen, wo genau der liegt und was es damit auf sich hat. Nach meiner kurzen Lektüre würde ich sagen, die Autorin hat mit großer Leidenschaft zu dem Thema gut recherchiert.

Meine anfängliche Trägheit und Frustration hat sich dann mit dem letzten Drittel der Geschichte gelegt. Endlich wurde es spannend, die Familiengeheimnisse und Verkettungen in der Vergangenheit hatten es doch in sich und der Plot war im Nachhinein auch sehr gut. Ehrlich gesagt hätte ich das Buch jedoch nach einer Zeit abgebrochen, würde ich meine Verpflichtung als Buchblogger nicht ernst nehmen. Ich lese nicht jedes schlechte Buch bis zum bitteren Ende, aber dieses hier hatte noch Potential genug, sodass ich nicht aufgeben wollte. Das wurde dann auch belohnt. Ich mag gerne Krimis, die sich mit Geschehnissen in der Vergangenheit beschäftigen und einen guten Plot und eine gute Auflösung haben. Hier war es mir jedoch ein sehr zäher Einstieg.

Dieses Buch ist eine eigenständige Erzählung ohne Potential für eine Fortsetzung.

Was lernen wir daraus?

Zunächst habe ich erneut gelernt, dass ein Klappentext enorm wichtig ist. Wenn die Vorankündigung schon die Handlung bis zur Mitte des Buches vorwegnimmt, dann ist der Einstieg äußerst zäh und die Überraschungen und Spannung sind bis zu der Stelle gleich 0. Einzig die Bedrohliche Stimmung und ein verstricktes Familiengeheimnis konnten mich als Leser einigermaßen bei der Stange halten.

Gute Recherche zahlt sich aus. Man merkt, dass die Autorin ein persönliches Interesse an dem Forggensee und dessen Geschichte hat. Sie weiß, wovon sie spricht und hat die reale Geschichte des Sees geschickt mit ihrer Fantasie verknüpft. Auch zu Angststörungen scheint sie gut recherchiert zu haben. Und der Leser, in dem Fall bin das ich und hatte vorher keine Ahnung, hat auch etwas gelernt.

Fazit

Ich hatte bis zur Hälfte des Buches mehrmals überhaupt keine Lust, weiterzulesen. Es hat mich wenig gepackt, der Fokus auf den regionalen Begebenheiten und der gelähmten Hauptperson haben mich gelangweilt.  Dann wurde meine Geduld doch noch belohnt und es offenbarte sich ein guter Plot mit mehreren Versionen der Vergangenheit und einer realen Gefahr in der Gegenwart. Wer auf Regionalkrimis, historisches und eine langsam in Gang kommende Geschichte mit vielen Details und anfangs wenig Spannung steht, für den ist dieses Buch genau richtig. Wer aus der Gegend um den Forggensee kommt oder dort Urlaub machen möchte oder gemacht hat, für den ist das Buch quasi ein Muss. So ein richtiger Krimi mit Spannung und der Jagd nach dem Mörder, das ist für mich im Idealfall noch etwas anderes. Ich vergebe noch 3 Sterne, da ich am Ende des Buches auf einmal doch gefesselt war und ich etwas neues gelernt habe.

Hier gibt es die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

Rezension: UNDER GROUND von S. L. Grey

under-ground-sl-greyEin tödliches Virus scheint sich auf der Erde auszubreiten. 5 Familien machen sich schnell auf den Weg ins „Sanctum“, einen unterirdischen Luxus -Bunker für das Überleben von Kathastrophen. Problematisch ist dabei nicht nur, dass der Bunker noch nicht so ganz fertig ist. Als der Betreiber tot aufgefunden wird, sind die Bunker-Insassen von der Welt abgeschnitten und eingeschlossen, denn nur der Tote wusste den Code für die Ausgangsluke. Mindestens genau so tödlich wie das Virus draußen, ist es jedoch sich im Sanctum aufzuhalten. Denn es bleibt nicht bei einem Toten und die Menschen im Bunker wissen nicht, wem sie trauen können. Als dann die Wasservorräte knapp werden, geht’s eh nur noch ums nackte Überleben..

Stil, Machart, Meinung

Ich lese gern klassische Krimis und Thriller, habe zwischendurch aber auch immer mal Lust auf was Neues. Und genau so ist dieser Thriller, der gleichzeitig aber auch ein Krimi und ein Roman ist. Die klassischen Krimi –Elemente werden durch eine abgeschlossene Wohneinheit und eine Leiche nach der anderen perfekt bedient. Nur einer der Bewohner kann der Mörder sein. Die Thriller – Elemente sind natürlich besonders im Kampf ums Überleben verankert, einerseits durch die endlichen Ressourcen und andererseits durch die Überlebensstrategien der einzelnen Bewohner. Trotzdem kommen die Geschichten der Bewohner nicht zu kurz, denn da hat jeder so das eine oder andere Problem –welches mehr und mehr entweder in den Vorder- oder Hintergrund gerät. Einige drehen durch, andere helfen, wieder andere werden egoistisch. Ein interessantes Beziehungsgeflecht entwickelt sich.

Die Erzählweise ist meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Der Leser erfährt durch verschiedene Perspektiven, was in dem Bunker so vorfällt. Eine Person jeder Wohneinheit berichtet aus ihrer Sicht über den Lauf der Dinge. Dadurch ist der Leser irgendwie immer mittendrin, nach und nach offenbaren sich einige Erklärungen zu dem Verhalten einzelner Bewohner.  Dinge kommen ans Licht, Menschen sterben und der Leser hat exklusive Einblicke, die sich mehr und mehr zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Wer ist der Killer? Werden die Bewohner überleben?

Bei vielen Leuten, die man sich im Laufe einer Geschichte merken muss, ist es ja immer schwierig den Überblick zu behalten. Hilfe kommt anfangs von einer Grafik, die das Sanktum mit den verschiedenen Wohneinheiten und deren Bewohnern aufschlüsselt. Die verschiedenen Perspektiven aus den einzelnen Wohneinheiten und die anfangs auch recht stereotypen Darstellungen der Bewohner helfen auch weiter, sodass man schnell in die Geschichte hinein findet und keinerlei Probleme bei der Identifizierung der Personen hat. Merkwürdig fand ich, dass manche Perspektiven aus der ICH-Perspektive geschrieben sind und andere nicht. Die Autoren werden sich etwas dabei gedacht haben..

Ein weiterer interessanter Aspekt war für mich grundlegend die Entscheidung, in einen Luxus – Bunker für den Ernstfall zu investieren. „Prepper“ sind ja im Moment irgendwie im Trend. Das sind Leute, die sich intensiv auf Katastrophen vorbereiten. Hier mehr zum Thema, falls es interessiert: Wikipedia zum Thema Prepper

Es gibt Leute, die sich fast schon auf den eingetretenen Ernstfall zu freuen scheinen, einfach weil sie so gut vorbereitet sind. Dann sind in dem Bunker aber auch Menschen, die einfach zu viel Geld übrig hatten und in den Bunker investiert hatten, wobei die Familienangehörigen meist eher wenig Begeistert von der Idee sind. Und niemand hat seinen restlichen Angehörigen erzählt, wo die Familie ist..

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man Genres sehr gut mischen kann – wenn man es kann. Ich denke, dass nicht jede Idee sich dazu eignet, diese Idee hier allerdings wie geschaffen für die unterschiedlichen Elemente ist. Einige meiner Leser dürften eventuell schon gemerkt haben, dass die klassischen Krimimerkmale wie ein eingeschränkter Kreis von Verdächtigen und die eigene Chance zum rätseln, wer denn nun der Mörder ist, genau mein Geschmack sind. Das hat hier perfekt geklappt, dazu kam noch die verrinnende Zeit und die gut beschriebenen Gefühle und Motive der Bewohner, die nach und nach klarer werden.

Und im Ernstfall werde ich mich nicht mit Fremden in einen Luxus Bunker einschließen lassen. Diese Lektion ist auch wichtig..

Autoreninfo

UNDER GROUND ist das erste gemeinsame Buch von den südafrikanischen Autoren Sarah Lotz und Louis Greenburg. Mehr Info`s gibt es auf der Verlagsseite: hier klicken

Fazit

Ich vergebe 4 Sterne. Für 5 Sterne fehlt mir noch eine Kleinigkeit, die ich aber nicht ausmachen kann. Diese spannende Geschichte mit dem gewissen Hauch von Endzeitstimmung hat mich auf jeden Fall gefesselt. Die drei gemischten Genres und das eher neue und ungewohnte Thema eines tödlichen Virus, der wohlhabende Familien in einen Luxus Bunker treibt, finde ich super. Der Plot gefällt mir, die Bewohner mit ihren Problemen, Beziehungen und Ängsten sowie die mysteriösen Entwicklungen sind auch sehr gut gelungen. Ich kann die Lektüre dieses Buches sehr empfehlen, wenn man sich auf etwas Neues einlassen möchte und nicht nur auf ein Genre festgelegt ist. Leseempfehlung!

Hier gibt es Informationen zu den Autoren und weitere Details zum Buch!

Rezension: Wer nicht das Dunkel kennt – Sabine Klewe

wer-nicht-das-dunkel-kennt-sabine-kleveEin Unfall mit Fahrerflucht und ein verletzter Anwalt. Als Kriminalhauptkommissarin Lydia Louis mit ihrem Partner Chris Salomon im Krankenhaus zur Befragung des Opfers eintrifft, erwartet sie ein Schock. Das Opfer ist ein alter Bekannter aus der Vergangenheit, mit dem etwas schlimmes vorgefallen sein muss. Sie schafft es, sich selbst schnell aus der Angelegenheit rauszuhalten, bis an einem See eine weibliche Leiche gefunden wird. Viel ist von der Leiche nicht mehr zu erkennen, aber ihr letzter Anrufer war tatsächlich der Anwalt, der angefahren im Krankenhaus liegt. Nun kommt Lydia um eine Ermittlung, in der der Anwalt vorkommt, nicht mehr herum. Während mehrere Frauen unauffindbar sind und ein alter Mord an einem Professor irgendwie mit den Ermittlungen verstrickt zu sein scheint, hat die Kommissarin selbst jedoch noch ganz andere Probleme. Es scheint ein Video zu existieren, welches ihre Karriere zerstören könnte. Und jemand aus ihrem Team scheint es auf sie abgesehen zu haben..

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller ist vergleichsweise dünn, der Plot vergleichsweise umfangreich. Daher ahnt man schon, dass die Autorin nicht lange fackelt und sich nicht mit unnötigen Beschreibungen aufhält. Das finde ich sehr gut, denn damit hab ich es meistens auch nicht so. Man ist schnell in der Geschichte drin und hat zwei miteinander zusammenhängende Fälle mit einer Verbindung in die Vergangenheit. Diese bringen auch einige Personen auf die Bildfläche, die als Opfer, Zeuge oder mutmaßlicher Täter auftreten. Auf der anderen Seite hat man die internen Abläufe im Kommissariat, die nicht nur die Ermittlungen sondern ein paar Probleme innerhalb des Teams thematisieren. Dann gibt es mehrere Perspektiven, wobei die Hauptperson ganz klar Lydia Louis ist.

Die Spannung ist, wohl auch durch die Knappheit, unbedingt gegeben. Es war zu keiner Zeit langweilig und ich war sehr fix mit dem Buch fertig.

Zunächst hatte ich ein paar Probleme, mich bei den vielen Personen immer sofort zurechtzufinden. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich mit Teil 3 ganz uninformiert mitten in die Reihe rein gelesen habe. Hätte ich bei eins angefangen, wären mir die vielen Ermittler ja schon bekannt gewesen. Eine weitere Empfindung von mir ist es, dass etwas viel auf zu wenig Seiten passiert. Wie schon gesagt mag ich einen wenig ausschweifenden Erzählstil, hier wurde jedoch ein sehr umfangreicher Plot recht kurz abgehandelt. Ich möchte jetzt nicht spoilern, aber es gibt nicht nur den Anwalt mit der Verbindung zu dem Mordopfer, sondern auch einen Mordfall in der Vergangenheit und einen Serientäter. Die Frage ist in der Geschichte dann, was davon womit zu tun hat. Das finde ich gut! Aber es gibt viele Ansätze in kurzer Zeit, man hätte viele Dinge noch etwas ausbauen können. Dann gibt’s noch die vielseitigen Probleme der Ermittlerin dazu.

Zunächst war mir die Ermittlerin ja gänzlich unsympathisch. Ihr Partner hingegen war sehr sympathisch. Rückblickend sind die beiden, auch im Zusammenspiel mit den anderen Kollegen, ein sehr gutes Team – auch für eine gesamte Reihe. Die Ermittlerin ist zwar im Auftreten recht unsympathisch, aber trotzdem gut im Job und nicht irgendwie böse, falsch oder ungerecht. Am Ende erschließt sich auch, woher das kommt. Daumen hoch für das gesamte Ermittlerteam, die Autorin hat es gut zusammengestellt!

Die Reihe

Dieses Band hier ist die Nummer 3 in der Thriller- Serie um Lydia Louis und Chris Salomon. Man merkt beim unvoreingenommenen Lesen, dass man schon einiges in den zwei Bänden davor verpasst hat. Trotzdem kommt man auch ohne das Vorwissen aus den Vorgängern problemlos in die Geschichte rein. Trotzdem muss ich ganz klar sagen: Es wäre wohl richtig und wichtig, hier bei Band 1 anzufangen.

Was lernen wir daraus?

Ein umfangreicher Plot mit vielen Perspektiven, Verbindungen und Fragen braucht einfach seinen Platz. In einer Perspektive geht es ordentlich und mit viel Raum in die Tiefe, die anderen Charaktere kratzen nur seicht an der Oberfläche. Der Plot hier ist super durchdacht, mit mehreren Verdächtigen und mehreren Erklärungen für die ursprüngliche Tat. Jedoch bräuchten die meisten Stränge etwas mehr Raum, um sich noch besser zu entfalten.

Andererseits können so manche Schwafler unter den Schreiberlingen sich hier in Punkto „Konzentration aufs Wesentliche“ eine riesige Scheibe abschneiden. Obwohl ich finde, dass mehr Raum für viele Stränge gut wäre, hat die Autorin hier doch eine umfangreiche Geschichte sinnig aufs Papier gebracht, ohne dass ich in Sachen Logik, Lösung und Sinn etwas zu bemängeln hätte.

Fazit

Ich vergebe 3 von 5 Sternen. Der Plot und die Schreibe waren gut, auch das Ermittlerteam ist mit reichlich Konfliktpotential für eine größere Reihe gut zusammengestellt. Der Fall war auch nicht schlecht. Trotzdem war dieser Thriller für mich eher Durchschnitt und ich habe schon besseres gelesen. Ich denke trotzdem, dass ich den nächsten Band bei Gelegenheit austesten werde, um der Reihe eine Chance zu geben. Es war nichts schlechtes an der Sache, nur nicht genügend Grandioses..

Hier gibt es Details zum Buch, der Reihe und der Autorin auf der Verlagsseite.

 

 

Rezension: Himmelschlüssel von Kristina Ohlsson

kristina-ohlsson-himmelschlusselEin vollbesetztes Flugzeug ist auf dem Weg von Schweden in die USA. Kurz nach dem Abflug geht an Bord eine Bombendrohung ein. Es gibt zwei sehr merkwürdige Forderungen. Nun sind mehrere Behörden in Schweden und den USA in höchster Alarmbereitschaft. Sie müssen herausfinden, wer dahinter steckt. Und sich auf ein Vorgehen einigen. In Schweden ermitteln Fredrika Bergman, Alex Recht und Eden Lundell für unterschiedliche Behörden zusammen, um den Fall zu lösen, bevor das Flugzeug explodiert oder abgeschossen wird. Die Uhr tickt..

Stil, Machart, Meinung

Ein richtig spannender Thriller, bei dem man mit jeder neuen Seite wieder die Uhr ticken hört. Die Geschichte ist durch kurze Kapitel, bei dem jeder neue Abschnitt mit der aktuellen Uhrzeit versehen ist, sehr spannend konstruiert. Durch verschiedene Perspektiven ist der Leser im Flugzeug und bei den verschiedenen Behörden dicht am Geschehen, während die Zeit für die Fluggäste immer weiter abläuft. Diese spannende Jagd nach dem Täter und vor allem nach einer unblutigen Lösung ist sehr gut konstruiert.

Und doch hat die Autorin den Augenmerk nicht ausschließlich auf die tickende Zeitbombe gelegt. Schon von Anfang an befassen sich die verschiedenen Personen wie Beispielsweise der Ermittler oder der Schwedische Ministerpräsident mit ganz aktuellen gesellschaftlichen Problemen.  Denn nach einem Terroranschlag  in Schweden (den gab es wirklich) fordern viele Leute mehr Sicherheit, wollen den Preis dafür aber auch nicht zahlen. Und auf dieser Welle reiten auch die Rechtspopulisten, die durch solcherlei Dinge in Aufwind geraten und eine ganz andere Bedrohung darstellen. Gleich auf den ersten Seiten habe ich gedacht „Mensch, genau so ist es bei uns doch gerade“ und durch die Aktualität und auch der guten Beschreibung der Situation und der Handlungsmöglichkeiten auch diesen anderen Strang der Erzählung mit großem Interesse verfolgt. Auch die Handlungen im Flugzeug, beispielsweise Sicherheitsvorkehrungen wie beispielsweise Cockpittüren oder Security Checks, sind ja leider aktuelle Themen. Diese sicherheitspolitischen Punkte, die Bedrohung von Rechts und die Zusammenarbeit verschiedener Behörden mit ganz eigenen Intensionen finde ich hervorragend herausgearbeitet -und das gibt noch ein Bonus- Sternchen.

Ich kann nicht mehr viel sagen, denn ich möchte nicht spoilern. Ein sehr spannender Thriller mit vielen interessanten Perspektiven, einem guten Plot, einem angenehmen, cleveren Schreibstil, viel Rätselei für die Ermittler und den Leser, einer überraschenden Aufklärung und einen realistischen Einblick in die Denkmuster der Sicherheitspolitik der heutigen Zeit. Es war auf keiner Seite langweilig und ich mochte das Buch zu keinem Zeitpunkt aus der Hand legen.

Die Reihe

Jetzt wird’s merkwürdig. Diese Geschichte ist Band 4 der Reihe um Fredrika Bergmann, Alex Recht und Eden Lundell. Ich hatte zuvor Band 5 „Papierjunge“ gelesen, ohne zu wissen das ich da mitten in eine erfolgreiche Reihe hieinstolpere. Band 5 hatte mir gefallen, und durch Zufall sprachen mich Cover und Story des 4. Bandes an. Als ich herausfand, dass es sich um Band 4 dieser Reihe handelt, habe ich gedacht ich probiere das ganze mal rückwärts. Man kann beide Bände definitiv unabhängig von der Reihe lesen, aber natürlich bin ich sicher das man Dinge verpasst, wenn man nicht chronologisch vorgeht. Ich kann diese Reihe definitiv empfehlen, wer noch keinen Teil kennt sollte es von 1-5 versuchen. Ohne das ich Teil 1-3 kenne, sind die Andeutungen zu vergangenen Fällen in den von mir gelesenen Bänden sehr verlockend. Ich fand aber auch mal die etwas unkonventionelle Leseart von 5 nach 4 interessant, da dramatische Ereignisse auf Band 5 mit beim Lesen von Band 4 wieder bedrohlich im Kopf umherschwirrten und sich auch einige Kleinigkeiten zu den Personen aus Band 5 dann durch die Lektüre von Band 4 erklären ließen. Vielleicht behalte ich dieses Vorgehen bei und lese dann demnächst Band 3.. man muss Dinge auch mal von hinten aufrollen.

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man eine spannende Atmosphäre tatsächlich geschickt durch einfachste Mittel erzielen kann. Grundrezept: Flugzeug mit Bombe, dass solange fliegen kann/muss, bis der Treibstoff leer ist. Man hat also eine Deadline, an der die Kathastrophe geschieht, wenn man das Schicksal/den Bombemleger nicht schon vorher herausfordern möchte. Und ganz simple Stilmittel wie die Nennung der Uhrzeit über jedem neuen Kapitel, die man auch gern in der Bildzeitung bei dramatischer Berichterstattung vorfindet, können stilsicher  eingesetzt werden. Eine Deadline ist also nicht nur gut, wenn ich endlich mal anfangen soll zu arbeiten. Nein, sie hilft auch jedem Thrillerautor, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Eine weitere Lektion ist ein geschickt in die spannende Geschichte eingewobener aktueller Bezug. Viele Länder machen durch drohende Terroranschläge im Moment die selben Diskussionen und Machtverschiebungen durch. Mal abgesehen davon, dass die Autorin genau zu wissen scheint wovon sie da schreibt (habe danach gelesen, dass sie damit auch beruflich zu tun hat), ist das ein zusätzlicher Input, mit dem sich ein Leser im Moment sehr gut identifizieren kann. Auch die Darstellung der Handlungsoptionen verschiedener Behörden und Regierungen, die zusammen eine Lösung finden müssen, ist realistisch und interessant dargestellt (was ich eigentlich gar nicht beurteilen kann, mir aber sehr gut vorstellen kann..). Man muss ja nicht unbedingt das Thema dieser Geschichte wählen (obwohl es viele Ideen bietet), aber ich finde ein aktueller gesellschaftlicher Bezug kann bei richtiger Anwendung einen Thriller sehr bereichern.

Fazit

Ich gebe, man ahnte es eventuell, 5 Sterne! Wenn ich sofort in das Geschehen herein gezogen werde und das Buch nicht beiseitelegen möchte, dann hat der Autor mich einfach gekriegt. Fertig. Der Aufbau des Plots, die durchgehende Spannung und der Einblick in die Entscheidungsprozesse verschiedener Parteien mit aktuellem Bezug ist eine ganz wunderbare Mischung und hat mich komplett abgeholt.

Hier geht’s zu meiner Rezension zu Band 5 der Reihe; Papierjunge

Hier geht’s zu der Verlagsseite mit Details zu Buch, Autorin und Reihe

Rezension: Die Analphabetin, die rechnen konnte -Jonas Jonasson

die-analphabetin-die-rechnen-konnteNombeko hat von Geburt an nicht gerade die größten Chancen auf ein gutes Leben. Im größten Slum Südafrikas ist sie schon seit ihrem 5. Lebensjahr als Latrinenträgerin beschäftigt, bald auch noch Waise. Aber ihr Leben nimmt dann doch noch einen ganz anderen Lauf, denn sie kann nicht nur hervorragend rechnen, sondern ist auch noch sehr schlau. Zunächst einmal möchte sie lesen lernen, und dann wird  auch noch von einem betrunkenen Ingeneur angefahren und schuldig gesprochen (weil sie ja schwarz ist) und muss jahrelang für ihn als Putzfrau arbeiten. Nombeko macht wie immer das Beste aus ihrer Situation und ist bald schon Expertin auf mehreren Gebieten und eine mehr oder weniger offizielle Schwedin mit dem Schicksal der gesamten Welt in ihren Händen.

Stil, Machart, Meinung

Von Anfang an machte dieses Buch mir einfach unglaublichen Spaß. Das liegt natürlich auch an der schon vorgestellten Nombeko, die ganz herrliche Ansichten hat und auch in interessante Situationen gerät. Aber vor allem liegt es daran, dass der Autor in die meisten seiner Sätze einfach eine riesige Portion Humor gelegt hat, die genau auf meiner Wellenlänge ist. Und nein, trotz der vor Humor strotzenden Sätze ist diese Geschichte nicht einfach Klamauk, sondern ganz im Gegenteil ein intelligentes Abenteuer. Denn der Inhalt ist vielfältig, es geht oft um bunt zusammengemischtes Weltgeschehen und macht sich über einiges lustig.

Neben dem Spaß gibt es natürlich auch einen weitläufigen Blick auf die Missstände dieser Welt. Dass beispielsweise ein schwarzes Mädchen daran schuld sein soll, dass ein betrunkener Weißer sie anfährt und dann bei ihm Putzdienste verrichten muss.. das ist wohl Südafrika zu Zeiten der Apartheid ..

Ich möchte nicht zu viel spoilern, aber erwähnen dass zwischen den Kapiteln um Nombeko Kapitel über einen komplett verrückten Schweden auftauchen, der den König abgrundtief hasst und dann überraschenderweise gleich zwei Söhne auf einen Schlag bekommt und sie Holger 1 und Holger 2 tauft. Wie sich die Wege von Nombeko und den Schweden kreuzen und wie das Schlamassel um Massenvernichtungswaffen seinen Lauf nimmt, müsst ihr nun selbst herausfinden.

Die Geschichte ist laut Cover ein Roman. Das stimmt auch, aber es ist irgendwie auch noch so viel mehr. Ein Abenteuer, lehrreich, unglaublich lustig und doch auch ernst, für mich auf jeden Fall einer der besten Romane, die ich jemals gelesen habe.

Genug des Lobes, sonst würde ich wohl zu viel verraten. Dieses Taschenbuch hat 463 Seiten, und im Vergleich zu anderen Taschenbüchern ist auf Grund kleinerer Schriftart und kleineren Rändern mehr Geschichte drin, als das es zunächst den Anschein hat. Bei anderer Formatierung könnte es wohl auch ein dicker Wälzer werden. Für Leute, die Sehprobleme haben, ist diese Ausgabe wohl daher nichts, für mich war es gut das vielfältige Geschehen so in komprimierter Form in der Hand und auch Handtasche zu haben. Es hat ziemlich lange gedauert, aber immer Spaß gemacht.

Zielgruppe

Die Zielgruppe hier dürfte sehr, sehr vielfältig sein. Während ich es jedem Geschlecht und einer breitgefächerten Altersgruppe uneingeschränkt empfehlen kann, muss bedacht werden das die Lektüre tatsächlich den richtigen Humor und etwas Allgemeinbildung voraussetzt. Wer mit den vielen politischen Gegebenheiten nun überhaupt nichts anfangen kann und auch nicht interessiert ist,  dem könnte die Geschichte teilweise sehr langweilig erscheinen. Auf Grund der kleinen Schrift würde ich, wie gesagt,  genau dieses Taschenbuch-Format auch nicht für Menschen mit eingeschränkter Sehkraft empfehlen. Ansonsten dürfte wirklich jeder begeistert sein.

Was lernen wir daraus?

Ich als eingefleischter Krimi- und Thrillerleser schiebe ja unheimlich gern auch mal einen Roman ein. Aber dieser Roman hier ist nicht irgendein Roman, sondern etwas ganz besonderes. Wie man so viel Humor in eine Geschichte mit so ernstem und abenteuerlichem Hintergrund einbauen kann, ist mir ein Rätsel. Ich weiß noch, wie meine sonst so schlagfertigen und lustigen Gedanken dann nach der Kreation einer lustigen Nebenperson in meinem Krimi plötzlich einfach weg waren, obwohl die Idee doch so gut war. Im wahren Leben lustig sein und es dann noch allgemein zu Papier zu bringen, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Aber dieses Buch hat mir einen Einblick gegeben, wie es genial umgesetzt werden kann.

Ich habe zusätzlich gelernt, dass einzelne Sätze in einem Buch voll mit Humor oder schlauen Erkenntnissen sein können, sodass einzelne Sätze unglaublich Spaß machen können. Wenn man dann noch ein ganzes (und umfangreiches) Buch voll mit solchen Sätzen schreiben kann, hat man es meiner Meinung nach einfach geschafft.

Ich zeige euch mal einen der nüchternen Sätze mit einer interessanten, zusammengefassten Beobachtung, welcher den unterschwelligen Humor gleich noch dazu zeigt:

 „In Südafrika trug es sich zu, dass ein Mann, der einst als Terrorist verurteilt worden war, nach siebenundzwanzig Jahren freikam, den Friedensnobelpreis erhielt und zum Präsidenten des Landes gewählt wurde. Auf Sjölida geschah zu ungefähr derselben Zeit umso weniger“ (S.309)

Ich hab mir den Satz beim Lesen markiert, weil er kann ganz gut zusammenfassen, was er Leser mitbringen sollte und wie er dann seinen Spaß an dem Roman haben wird..

Fazit

Ich vergebe, man ahnte es wohl schon, 5 Sterne und ernenne diesen Roman zu einem der besten Romane meines bisherigen Lebens. Eventuell wird nicht jeder seinen Spaß dran haben, aber in Sachen Humor passte es zu mir einfach perfekt. Dieses Buch verspürt einen ganz eigenen Charme, verzichtet auf tiefgründige Gefühle und die Bewertung von fragwürdigen Ereignissen und ist einfach wunderbar. Klar, die Geschichte ist umfangreich, etwas länger und holt auch oft ein wenig aus – aber die Ausschweifungen sind jedes Mal so interessant und lustig, dass ich auch daran Spaß hatte. Die Story ist außergewöhnlich, hoffentlich in einigen Punkten nicht ganz so realistisch und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Hier gibt’s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

Rezension: IQ von Joe Ide -ein Long Beach Thriller

joe-ide-iq-suhrkampI.Q. ist in den Hoods von L.A. die männliche Miss Marple. Seine herausragende Intelligenz und sein kriminalistischer Spürsinn sprechen sich schnell rum, und so wird er vom Top-Rapper The Black Knife beauftragt. Denn dieser sah sich in seiner Küche plötzlich mit einem Kampfhund in der Größendimension eines Pferdes konfrontiert. Gut, dass der tierische Auftragskiller keinen Erfolg hatte. Schlecht, dass er immer noch draußen rumläuft. Schnell wird klar, dass ein Mitglied aus dem engsten Kreis des Rappers es auf ihn abgesehen zu haben scheint. I.Q. und sein alter Kumpel Dodson, beide selbst nicht ohne kriminelle Energie, ermitteln. Und es wird gefährlich.

Stil, Machart, Meinung

Zunächst einmal muss ich sagen, dass dieser Thriller mal was ganz anderes ist. Wir haben „Ermittler“, die selbst auch keine heiligen sind. Und die Geschichte spielt in einem Milieu, in dem eher wenige Thriller spielen.  Erschreckenderweise konnte ich mich sehr gut in die Charaktere und die Umgebung einfinden, da ich aus meinem alten Job als Teammanagerin bei einem Basketballclub täglich mit zumindest einem Teil dieser Welt zu tun hatte. Das ist jedenfalls mal etwas anderes, welches in diesem Thriller toll in Szene gesetzt wird.

Thriller, steht auf dem Cover. Ein Thriller ist es auch, denn wir haben einen dramatischen Mordversuch, der Täter wird wieder zuschlagen, er muss gefunden werden, die Zeit rennt. Es gibt noch dazu einige Krimi-Elemente, denn der brillante I.Q. versucht herauszufinden, wer aus den eigenen Reihen des Rappers es denn nun auf ihn abgesehen hat. Und tatsächlich gibt’s nicht nur brutale Killer- Kampfhunde, sondern ganz im Gegenteil ist der Thriller zu einem Drittel auch einfach Roman. Denn es kommen viele Details aus dem Leben des Ermittlers und seines Sidekick – Gangsters ans Licht, die die Lebensumstände erklären und von Moral, Trauer und Freundschaft berichten.

Die Schreibweise ist fluffig und verfügt außerdem über eine große Portion Umgangssprache und Humor. Es gibt ganz hervorragende, lustige Sätze, die aber auch oft eine interessante Feststellung enthalten. Beispielsweise hält I.Q. Rap für „wortgewaltige Darstellungen eines Lebens, das er nie angestrebt hatte“. Dafür hat er laut Kumpel Dodson allerdings auch Defizite im Sozialen Bereich:

„Kundenkontakte auf dieser Ebene sind nicht dasselbe wie beim Aufspüren von vermissten Hunden. Hier braucht man diplomatisches Geschick, Raffinesse und kaufmännisches Talent. Fähigkeiten, die dir griesgrämigem Penner traurigerweise völlig abgehen.“

Diesen Satz habe ich gerade mal raus gepickt, weil der Humor und die Umgangssprache in dem doch auch irgendwie  anspruchsvollen Dialog gut rauskommen und das irgendwie bezeichnend für das Buch ist.

Das Buch ist packend, nicht so unbedingt weil man den Rapper jetzt unbedingt vor dem Killer geschützt und lebendig wissen will, sondern vor allem weil man möchte, das dieser interessante I.Q. diesen Fall aufklärt und alles ins Lot kommt. Für mich war es nicht wie sonst bei Thrillern die Mörderjagd mit der tickenden Uhr, sondern vor allem auch die Person I.Q. mit seinem Talent, seiner Moral und seinem Schicksal. Der Autor nimmt sich Zeit für die Geschichte seiner Hauptperson, und das ist auch gut so.

Zielgruppe

Wie schon gesagt, ist das Milieu in diesem Thriller recht speziell. Schwarze Gangster in L.A, Rapverse im Buch, OG´s, Gangs, Drogendeals, Kleinkriminelle, Großkriminelle, Krieg auf den Straßen .. das alles dürfte für viele Leser absolutes Neuland sein. Eine –etwas erschreckende – Erkenntnis für mich war, dass ich mich in dieser Szene überraschenderweise recht gut auskenne. Ich bin keinesfalls irgendwie in dieses Milieu verstrickt, habe aber aus dem täglichen Kontakt mit den amerikanischen Basketballern (von denen manche dann doch tatsächlich einen derartigen Hintergrund hatten..) aber auch meiner eigenen Vorliebe für Rap und Hip Hop recht gut geschult. Da mein Englisch in der Richtung auch dementsprechend geschult ist, konnte ich mit den Rapversen etwas anfangen und fand sie sehr passend und als Stilmittel gut geeignet.

Man muss nun also kein Gangster sein, um dieses Buch zu lesen. Man muss sich nicht mal mit Rap, OG´s und dem Drogenhandel auskennen, aber Vorwissen tut der Leseerfahrung auch keinen Abbruch. Es ist in meinen Augen einfach eine sehr tolle Darstellung des Lebens in einer solchen Umgebung, die ich mir auch so vorstellen kann und (ohne dort gelebt zu haben) auch als realistisch erachte. Der Autor vermischt Schwarz und Weiß (jetzt nicht im Sinne der Hautfarbe sondern im Sinne von Gut und Böse!) zu einer packenden und interessanten Graustufe.

Wer sich in dem Lifestyle ein bisschen auskennt, wird besondere Freude an diesem Buch haben. Wer sich hier überhaupt nicht auskennt, wird eine ganz neue und interessante Perspektive erleben, die sicherlich länger in Erinnerung bleiben wird. Deshalb ist diese Geschichte also eigentlich etwas für viele Leser, obwohl dieses spezielle Milieu es nicht vermuten lässt. Einfach mal ausprobieren und sich auf das Lese-Neuland einlassen!

Fazit

Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Für 5 Sterne hätte der Thriller für mich mehr Thrill und ein größeres Rätsel um den Täter haben können, obwohl das jetzt sehr subjektiv ist und wirklich mehrere dramatische Situationen und eine dauerhaft lauernde Gefahr zu lesen sind. Ich mag es, dass der Thriller gleichzeitig auch Krimi ist und noch dazu eine ganz packende Geschichte über einen jungen Mann erzählt, der einiges Durchmachen musste. Die Mischung macht’s! Ich habe das Buch sehr gern gelesen und fand den Schreibstil und auch die Sache mit den Raptexten sehr erfrischend.  Hauptperson I.Q. ist ein sehr facettenreicher und interessanter Ermittler mit eigenem kriminellen Hintergrund, von dem ich sehr gern mehr lesen würde. Jetzt, nachdem ich ihn und seine Geschichte kennengelernt habe, würde ich dann allerdings noch mehr Miss-Marple- Fall mit Thriller haben wollen. Ich werde mir den Namen Joe Ide auf jeden Fall merken und hoffe, es gibt einen zweiten Band.

Mit Klick aufs Cover gelangt ihr zu Amazon, dort gibt´s die Details zum Buch:

Rezension: Mainschatten von Anja Mäderer

mainschatten-anja-maderer-emonsEin Tanzlehrer liegt tot im Kostümkeller der Tanzschule. Offensichtlich ist der Diabetiker die Treppe heruntergefallen, nachdem er Probleme bei der Dosierung seiner Medikamente hatte. So lautet die offizielle Version, bis der Gerichtsmediziner sich wundert. Anfängliche Befragungen verhärten den Verdacht auf Mord, denn der sportliche Tanzlehrer hatte seine Krankheit im Griff und noch nie Probleme mit der Dosierung seiner Spritzen..

Um herauszufinden, wer etwas gegen den Tanzlehrer gehabt haben könnte, muss das Würzburger K1 um die Kommissare Nadja und Peter ungewöhnliche Methoden anwenden. Denn die Tür zur Tanzschule war nach dem Mord abgeschlossen und 10 Personen haben einen Schlüssel. Um herauszufinden, welcher Schlüsselbesitzer der Mörder ist, begibt sich die Kommissarin auf eine Undercover – Mission und beginnt einen Intensivkurs, um sich Zugang zum  Kreis der Tanzschul-Mitarbeiter zu verschaffen.

Die Reihe

Der zweite „Franken Krimi“ von Anja Mäderer ist auch Teil 2 um das Ermittlerduo Nadja und Peter, kann allerdings auch problemlos ohne das Vorwissen aus Band 1 „Mainleid“ konsumiert werden. Natürlich ist es immer etwas schöner, eine Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen..

Ich habe dem ersten Krimi begeisterte 5 Sterne verliehen. Für die Rezension einfach hier klicken!

Stil, Machart, Meinung

Zunächst: Wie schon angeklungen ist, handelt es sich bei diesem Buch um einen Krimi. Ein Regionalkrimi; noch genauer:  Franken Krimi. Einerseits haben wir hier einen Regionalkrimi, der anscheinend auch sehr viele Würzburger Orte originalgetreu beschreibt. Andererseits haben wir hier die moderne Version der klassischen Whodunnit – Krimis, wie man sie beispielsweise von Agatha Christie oder Arthur Conan Doyle kennt. Der Leser muss selbst auch auf Mörderjagd gehen und die kleinen grauen Zellen anstrengen..

Die Autorin schreibt, wie schon in Band 1, fluffig, mit Humor und liebevoll gezeichneten Charakteren. Einzig die kleinen kursiven Abschnitte aus Sicht einer zunächst unbekannten Person sind nicht ganz so mein Fall, da sie mir etwas zu hochgestochen auch nicht unglaublich wichtig erscheinen. Aber diese Abschnitte sind auch nicht sehr zahlreich und wie schon gesagt: kurz!

Der guten Beschreibung und Darstellung der vielen Charaktere ist es zu verdanken, dass man sich die 10 Verdächtigen und Kollegen in der Mordkommission schnell und gut einprägen kann. Das möchte ich noch mal hervorheben, denn das ist bei so vielen Personen auf vergleichsweise kleinem Raum nicht selbstverständlich.

Das Konzept des geschlossenen Raumes ist in der Kriminalliteratur kein Unbekanntes. Schon Edgar Allan Poe oder meine Lieblingskrimiautorin Agatha Christie haben sich bei diesem Element bedient, um den Leser an dem Rätsel um den Mörder teilhaben zu lassen. Ein geschlossener Raum ist meist der Tatort, und es werden so Rätsel in Sachen Tatzeit, Tathergang und Täter aufgeworfen. Hier mal der Link zu Wikipedia, falls Interesse an der Sache besteht.  In diesem Krimi ist die Sache einfach gelöst, es ist nicht der geschlossene Raum sondern die abgeschlossene Tanzschule. 10 Leute haben einen Schlüssel, einer von ihnen muss es gewesen sein.

Was lernen wir daraus?

-Ich für mich habe mal wieder gelernt, dass die klassischen Whodunnit – Krimis einfach genau das richtige für mich sind. Da die Altmeister des Genres mittlerweile nicht mehr unter uns weilen (im eigentlichen Wortsinn eigentlich ja schon, weil unter der Erde..) , freue ich mich immer besonders, wenn man dieses klassische Konzept auch in der heutigen Zeit anwenden kann. Hier ist das besonders gut gelungen, da auch der Schreibstil und die Charaktere sehr gut sind. Bei meinem eigenen Krimi versuche ich genau das gleiche, denn der erste Mord findet auch in einem geschlossenen Raum statt. Ich hadere allerdings mit der Personenbeschreibung. Man muss den Leser schnell an viele Verdächtige heranführen, sodass er sich diese Personen auch halbwegs merken kann. Man braucht eventuell besondere Charaktere, in diesem Krimi hier beispielsweise der „Pater“, der nicht so verklemmt ist wie erwartet oder der total gut aussehende Tanzlehrer, der reihenweise Frauen abschleppt. Sowas merkt man sich!

Fazit

Ich vergebe diesem Krimi, genau wie auch dem Vorgänger „Mainleid“, 5 Sterne. Ich habe einfach nichts auszusetzen und möchte auch das dritte Buch der Reihe unbedingt lesen. Das klassische Krimi-Prinzip (Whodunnit, geschlossener Raum) wurde gut in die heutige Zeit übertragen. Der Schreibstil, die liebevoll und gut beschriebenen Personen sowie das Beziehungsgeflecht und die Auflösung sind logisch und zwischendurch hat man auch lustiges, trauriges und gefährliches erlebt. Das Buch liest sich schnell weg und ich kann es wirklich nur empfehlen. Die Regionalkrimi- Reihe um das Würzburger Kommissariat sind in meinen Augen ein echter Geheimtipp für Fans von klassischen Krimis, mit vielen interessanten Persönlichkeiten und spannenden Rätseln.

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Rezension: Scherbenkind von Britt Reißmann

scherbenkind-britta-reismannDer anonyme Anruf eines Kindes geht beim Polizeipräsidium in Stuttgart ein. Der Fall geht an Hauptkommissarin Verena Sander, die durch einen ähnlichen Anruf eine Verbindung zu einem alten Mordfall herstellen kann. Bald ist ein unbekannter Toter aus einer Kleingartensiedlung identifiziert, Spuren führen zu einer regional bekannten Rockband. Das Kind ist zwar immer noch nicht gefunden, aber der Fall wird zunehmend mysteriös. Nebenbei verliebt sich die Kommissarin in einen der Musiker und stößt auf das merkwürdige Verhalten von Sina – ihre Stimme passt zwar nicht zu den Anrufen, aber sie wohnt dort wo der Anruf abgesetzt wurde und bringt die Kommissarin bald auf eine Idee..

Stil, Machart, Meinung

Bei diesem Buch fiel mir die Zusammenfassung etwas schwer, denn die Entwicklungen der Geschichte hätte ich nach der Inhaltsangabe auf dem Buchrücken nicht erwartet. Ehrlich gesagt, hätte ich das Buch dann wahrscheinlich auch nicht gelesen, aber man muss ja auch neue Dinge entdecken. So habe ich versucht, hier auch ein wenig die Richtung anzugeben in die es führt, und trotzdem nicht zu viel verraten.

Die Themen dieses Krimis sind vielfältig. Neben der detailliert geschilderten Arbeitsweise in einem Polizeipräsidium, lustigen Situationen und Dialogen geht es dann doch vor allem um einen schwierigen Fall für Psychologen und die Heavy Metal oder Death Metal Szene (bin da wenig bewandert) und satanische Entgleisungen. Der Arbeitsalltag von Kommissaren und besonders die humorvollen Szenen und Dialoge muss ich hier besonders loben, denn einige Krimis heutzutage wollen unglaublich düster oder literarisch anspruchsvoll sein, sodass das Lesen manchmal auch deprimiert. Hier finde ich die Mischung gelungen. Das psychologische Thema, ich kann hier schlecht mehr verraten, ist auch sehr interessant – meiner Meinung nach nimmt es allerdings zu viel Raum ein. Das Thema mit Band, Groupies und Satanismus ist auch nicht so recht meins, eröffnet jedoch einige Möglichkeiten.

Genau meinen Nerv trifft die Autorin wiederum mit mehreren Verdächtigen und Nachforschungen in der Vergangenheit. Das Ende ist auch gut aufgelöst, kommt für mich im Vergleich zu dem eher ausführlichen Anfang und Mittelteil dann doch etwas zu kurz.

Wir haben hier also einen Kriminalroman, bei dem der Fokus auf der Ermittlungsarbeit und einem interessanten psychologischen Fall liegt.

Die Reihe

Erstaunlich wenige Informationen habe ich über die Reihe um Verena Sander gefunden. So war mir beim Aussuchen des Buches nicht klar, dass es sich um Teil 2 einer Serie handelt. Das machte aber auch nichts, ich kam gut rein und konnte mir die Personen schnell merken. Es gibt viele interessante Andeutungen zum letzten Buch und die sympathischen Kollegen sowie der herrlich blöde Staatsanwalt sind gute Figuren für eine Reihe. Man kann dieses Buch also durchaus so lesen, wer vorne anfangen sollte der muss mit dem Titel „Blutopfer“ beginnen.

Was lernen wir daraus?

-Die Autorin arbeitet bei der Polizei. Das ist ein Vorteil, den sie nicht groß raushängen lässt. Sie geht nicht angeberisch in die Details, aber man merkt genau, dass sie weiß wovon sie schreibt. Das finde ich sehr gelungen, denn man bekommt einen realistischeren Einblick in die Polizeiarbeit. Wenn man schreibt, dann also bestenfalls über ein Gebiet, in dem man sich auskennt. Oder mit hervorragender Recherchearbeit. Dass muss aber natürlich auch nicht sein, wenn man es durch andere Dinge wieder wettmachen kann oder die Realität gerade nicht abbilden möchte.

-Humor. Ich bin ein lustiger und humorvoller Mensch und ich liebe Krimis und Thriller. Manchmal passt das ja augenscheinlich eher weniger zusammen, aber wenn man beides miteinander verbinden kann ist es umso besser. Ermittler müssen nicht auf jeder Seite todernst rumlaufen, denn für sie ist es ja auch Alltag. Die Krimis von Agatha Christie zum Beispiel sind für mich die besten Krimis, und auch dort gibt es viel Humor, ohne das dem Verbrechen und dem Rätseln etwas genommen wird – ganz im Gegenteil. Ich mag die Kombination, wenn sie gut gelungen ist.

Fazit

Dem Krimi „Scherbenkind“ gebe ich 3 Sterne. Es ist eine solide und interessante Story mit einem Verbrechen, welches gut aufgelöst wird. Am Anfang war ich sehr begeistert, der Mittelteil war mir dann allerdings zu lang und ausführlich, sodass mir die Lust zum Lesen irgendwie etwas abhanden gekommen ist. Der Schluss kam etwas kurz. Im allgemeinen driftete die Geschichte in zwei Themenbereiche ab, die nicht so ganz nach meinem Geschmack waren und mir auch nicht angekündigt wurden (gut, wie auch, ohne zu viel zu verraten…). Für einige wird es genau das Richtige sein, für mich war es solide und macht nicht unbedingt Lust auf mehr. Aber viel zu meckern habe ich auch nicht, manchmal fehlt einfach der gewisse Funke.

Hier gibt’s die Details zum Buch und zur Autorin

Rezension: Lügengrab – Hendrik Berg (Krumme #2)

lugengrab-hendrik-bergDer Berliner Kommissar Theo Krumme sucht im Urlaub endlich mal Ruhe.  Und deshalb zieht es ihn auf die Hallig Hooge, auf der es ja –vom Wind mal abgesehen- eigentlich unschlagbar ruhig sein soll. Schon auf der Fähre auf die Hallig lernt er Swantje kennen. Die junge Frau stammt von der Hallig, war ihr aber jahrelang fern geblieben. Denn dort ist einen Tag vor der Hochzeit ihr Verlobter spurlos verschwunden. Alle auf der Hallig sind sich sicher, dass der Verlobte kalte Füße bekommen hat. Nur Swantje, die kommt über ihn nicht hinweg und ist sich sicher, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Als sie den Kommissar mit ihrer Vermutung konfrontiert, werden unter den Bewohnern von Hooge alte Wunden aufgerissen. Und das ist vielleicht auch ganz gut so, denn auf der Hallig lauert das Böse..

Stil, Machart, Meinung.

Zunächst muss ich sagen: Die Atmosphäre, die dieser Krimi rüber bringt, ist sehr gelungen. Eine ruhige Hallig mit ein paar Touristen, Einheimische, Geheimnisse, die einzigartige Landschaft und natürlich Kälte, Wind, Sturm, Sturmflut. All das kommt sehr gut rüber, ist sehr ausgewogen beschrieben und sorgte dafür, dass ich mich beim Lesen mit einer Tasse Tee unter die Decke kuschelte. Für diese Jahreszeit ist es genau das richtige.

Ich muss ehrlich sagen, ich hatte mich mit Halligen noch nie wirklich beschäftigt. Gut, man kennt den Schimmelreiter, dann hört es allerdings schon auf. Ich bin ja sonst immer eher ein vehementer Gegner von zu viel Beschreibung der Landschaft, hier war es aber tatsächlich sehr interessant und hat mir eine ganz neue Perspektive eröffnet. Ich glaube, ich muss auch mal ein paar Tage auf die Hallig. Auf Google Maps habe ich mir die Hallig Hooge sogar mal angeschaut, die Beschreibung des Autors erscheint mir sehr realistisch und so hatte ich ein genaues Bild der Hallig vor Augen.

Und dann haben wir hier endlich mal wieder einen richtig guten Krimi. Man merkt schon an den ersten Szenen, dass sich auf dieser Hallig ein sehr Böser Mann vor der Welt versteckt. Denn es geht sofort auf den ersten Seiten richtig zur Sache. Die drohende Gefahr ist von Anfang an spürbar.  Und manchmal zwischendrin erfährt man auch kurz erschreckendes aus dem Kopf des Täters. Schnell wird klar, dass die sehr nette Swantje das nächste Opfer werden dürfte, und auch der Kommissar ist ihm ein Dorn im Auge. Welchem Inselbewohner kann man vertrauen? Wurde Swantjes Verlobter ermordet? Wer ist der Mörder, der schon ein paar Menschen auf dem Gewissen hat?  So wird sehr viel Spannung aufgebaut, die dann am Ende im dramatischen Finale mündet. Alles ist logisch, die Personen sind gut und liebevoll beschrieben, es macht alles Sinn. Und obwohl ich mit meiner Vermutung schon länger richtig lag, konnte ich am Ende auch überrascht werden. Mehr wird nicht verraten.

Die Reihe

Theo Krumme scheint schon in einem ersten Teil ermittelt zu haben, Lügengrab ist die Fortsetzung. Das wurde mir erst beim Lesen klar, und die Verknüpfung war trotzdem gelungen. Problemlos fand ich in die Geschichte, zwei aus dem ersten Teil bekannte Personen tauchen gelegentlich als Randfiguren auf. Die Balance ist gelungen, Leser von Teil 1 und Quereinsteiger wie ich dürften nichts auszusetzen haben. Ich überlege jetzt, auch Teil 1 „Deichmörder“ zu lesen. Teil 3 werde ich auf jeden Fall lesen, das ist schon klar.

Was lernen wir daraus?

Besonders lehrreich finde ich, wie der Autor den Ort, an dem die Geschichte spielt, auch irgendwie zum Mittelpunkt der Handlung macht. Viele Handlungen und Empfindungen der Geschichte sind unmittelbar mit dem besonderen Ort verknüpft. Diese Geschichte hätte nicht in einer Großstadt spielen können. Dabei hat Hendrik Berg die Stimmung auf einer Hallig sowie die Natur dort auch mir als Unwissende sehr gut und authentisch vermittelt. Und so bleibt diese Geschichte besonders im Gedächtnis, der Leser hat eine interessante Erfahrung gemacht, auch über die Krimihandlung hinaus.

Natürlich muss jetzt nicht jede Geschichte auf einer Hallig spielen, damit ich begeistert bin. Es geht eher darum, einen interessanten Ort oder ein interessantes Milieu geschickt mit der Handlung zu verknüpfen, sodass die Geschichte etwas Besonderes wird. Für viele kann sowas eine neue und besondere Erfahrung sein. Für die „Kenner“ des Ortes oder der Szene könnte es natürlich ein Grund mehr sein, das Buch zu kaufen, zu lesen – und, wenn es gut gemacht ist- auch zu mögen.  So kann ich mir vorstellen, dass die Touristen und Einheimischen auf Hooge und in der Region sicher gern diesen Krimi lesen würden, einfach weil er auf der Hallig spielt.

Fazit

Krimileser kommen hier voll auf ihre Kosten, ich vergebe begeisterte  5 Sterne und werde mir den Namen Hendrik Berg merken. Wir haben einen abgeschiedenen Ort, am Ende sogar von der Außenwelt getrennt, mit mehreren Verdächtigen, mehreren ungeklärten Fragen, einen sympathischen Ermittler und die Spannung fesselt den Leser ab Seite 1. Trotz mehrerer Szenen, die nichts für schwache Nerven sein dürften, plätschert das Geschehen seicht, interessant und in einer für viele sicher unbekannten Landschaft zeitweise nett vor sich hin, während doch immer die Bedrohung über den Hauptpersonen schwebt und es zu keiner Zeit langweilig werden lässt. Am Ende gibt´s auch eine ordentliche Portion Action. Die Handlung wird logisch aufgelöst, die zuvor rätselhaften Szenen machen Sinn. Besonders begeistert bin ich von der neuen Perspektive einer Hallig, ich habe einiges gelernt, ein neues Lebensgefühl kennengelernt und werde mich noch lange an diese Geschichte erinnern.

Wer Krimis mag, wird diesen lieben..

Hier gibt´s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!