Rezension: Zeit zum Sterben von Mark Billingham (Tom Thorne #13)

Mark Billingham Zeit zum SterbenMark Billingham, Tom Thorne.. ich hatte diese Namen wohl schon einmal gehört, aber noch nie etwas von Mark Billingham und über Tom Thorne gelesen. Mal wieder versuchte ich mich spontan an einem Quereinstieg an diese schon sehr etablierte Reihe, die laut Wikipedia mit „Zeit zum Sterben“ in die 13. Runde geht und mehrfach ausgezeichnet und von BBC verfilmt wurde.

Der Inhalt
Tom Thorne und seine Freundin Helen sind eigentlich gerade im Urlaub, als Helen in den Nachrichten über 2 vermisste Mädchen in einem kleinen englischen Dorf ihre Jugendfreundin als die Frau des mutmaßlichen Täters erkennt. Thorne hat wenig Lust, fährt aber mit. Helen steht sofort ihrer Jugendfreundin bei, die nach der dramatischen Festnahme ihres Mannes mit ihren zwei Kindern aus erster Ehe von der Polizei in einem Haus vor dem großen öffentlichen Interesse geschützt wird. Während seine Freundin sich um ihre alte Schulfreundin kümmert, muss Thorne die Zeit totschlagen und sucht den Mörder auf eigene Faust. Dabei kommt er der örtlichen Polizei in die Quere, die von seiner Hilfe nicht so begeistert ist. Als dann eine Leiche gefunden wird, sinkt die Hoffnung auf das Überleben des zweiten vermissten Mädchens – und die Zeit rennt..

Stil, Machart, Meinung
Zunächst einmal: Dieses Buch ist mit seinen 556 Seiten ein echter Schinken. Die Handlung an sich könnte man mit Sicherheit auch wesentlich kürzer erzählen, einiges ist etwas langatmig und es fließen viele Erzählstänge, Perspektiven und auch gesellschaftskritische Passagen mit ein. Der Erzählstil ist definitiv ausschmückend, aber nicht nervig oder überdramatisiert. Es passt im Gesamtbild alles gut zusammen, aber man muss sich auf dieses weit gesponnene Netz mit all ihren Perspektiven einlassen können. Ich hatte am Anfang etwas Probleme mit dem Einstieg und hätte auf einige Dinge verzichten können, fand den Plot am Ende jedoch sehr unterhaltsam, interessant und die Geschehnisse dann auch fesselnd.
Was das jetzt ein Thriller? Jein. Für mich ist ein Thriller zwar wie genau hier unter anderem auch eine Jagd nach einem Täter im Wettlauf gegen die Zeit, aber diese Geschichte hier kann auch ganz gut als Kriminalroman durchgehen. Ich als Agatha Christie- Fan freute mich besonders über das kleine Dorf, in dem die Geschichte spielt. Denn man hat hier eine kleine Gemeinschaft an Menschen, die einander kennen, gern tratschen und natürlich auch jeder ihre eigenen kleinen Probleme haben. Schnell wird klar, dass – sollte der Mann von Helens Freundin nicht der Täter sein- eine andere Person aus dem Umfeld des Dorfes für die Entführungen und den Mord verantwortlich sein muss. Whodunnit steht auf der Tagesordnung des Lesers, es geht also auch locker als Krimi durch. Noch dazu schimmert eine Menge Gesellschaftskritik durch die Zeilen und die intensive Beschäftigung mit vielen Charakteren verleiht dem ganzen auch etwas von einem Roman..
Der Autor hat sich Zeit gelassen, seine Figuren und den Plot wirken zu lassen. Er beschreibt viele Kleinigkeiten, von denen Einige wichtig sind und eine nur der intensiveren Beschreibung dienen. Besonders gelungen finde ich die verschiedenen Perspektiven, aus deren Sicht der Leser die Handlung aus mehreren wichtigen Blickwinkeln erfährt. Es gibt natürlich hauptsächlich Tom Thorne und Freundin Helen, aber auch das Opfer, den Täter und beispielsweise die zwei Stiefkinder des Verdächtigen als Perspektive. Billingham hat das gut gelöst und ausgewogen berichtet, der Leser tappt bis zum Ende im Dunkeln und kann sich selbst doch einiges zusammenreimen und hat am Ende sicherlich einige Verdächtige Dorfbewohner genauer im Visier..

Die Reihe
Wie schon berichtet ist „Zeit zum Sterben“ Teil 13 der weltweit etablierten Reihe. Natürlich empfiehlt es sich bei Reihen immer, am Anfang zu beginnen und so die Entwicklung der Personen etc. zu verfolgen. Trotzdem hat es mich hier nicht gestört, diese Geschichte unabhängig von der Reihe zu lesen. Man erfährt schon, dass es in der Vergangenheit ein schlimmes Ereignis auf einer Insel gegeben haben muss, ist als Quereinsteiger allerdings nicht voll informiert und wird so wohl zu den vorherigen Bänden gelockt. Trotzdem ist es für die eigentliche Geschichte unerheblich, ob man die Vergangenheit der Ermittler kennt. Einzig und allein die Person Helen wirkt hier relativ launisch und unsympathisch und ist sicherlich im Gesamtzusammenhang der Reihe netter als gedacht..

Was lernen wir daraus?
Man kann ein Buch sehr ausschmückend und detailliert schreiben, ohne Leser bis zum Ende hin zu verlieren. Dafür braucht man natürlich einen interessanten Fall mit vielen offenen Fragen und interessanten Personen, eine gute Schreibe und eventuell auch eine treue Fangemeinde. Trotzdem muss man sich als Autor auch überlegen, ob all die vielen Details zur Beschreibung von Personen und Geschehen auch wirklich notwendig sind. Ich lese ja lieber kurz und knackig, und so schreibe ich auch. Agatha Christie beispielsweise kommt bei ihren Verbrechen bei dem gleichen aufwendigen Plot und vielen Verdächtigen auf 1/5 der Seiten – und ich kann mir als Leser bei ihr jederzeit alles hervorragend vorstellen, weil sie einfach sehr treffend und anschaulich beschreiben konnte.
Perspektiven. Wie schon so oft aus der Lektüre gelernt, können verschiedene Perspektiven in der Erzählung bei der richtigen Anwendung unheimlich gut wirken. Dabei muss der Autor genau wissen, womit er den Leser fesselt und auf welchem Wissensstand er ihn gelangen lässt. Hier ist es gut gelungen.

Fazit

Ich gebe dem Buch noch knappe 4 Sterne. Für einen Thriller, der mir ja auf dem Cover versprochen wird, fand ich es zu langsam und zu vielschichtig erzählt. Als Krimiliebhaber war ich mit dem Dorf und verschiedenen Verdächtigen gut bedient, hätte es jedoch etwas wenig ausführlicher noch besser gefunden. Gelungen fand ich das zusätzliche Element der Kritik an einigen Facetten der menschlichen Natur (ich sage nur: Sensationsgeilheit..). Man ist gut unterhalten, wenn man sich auf die vielen Personen einlässt und sich auch eigene Gedanken macht, und am Ende hat man dann auch noch ein paar Muskeln mehr um die Handgelenke, weil man das schwere Buch dann doch ganz schön lange gehalten hat. Wer allerdings nur auf Action, Blutrünstiges und Leichenberge steht, der ist hier wohl an der falschen Stelle.

Informationen über den Autor und Details zum Buch gibt’s auf der Verlagsseite, einfach auf diesen Link klicken.

Rezension: Helene Tursten – Jagdrevier (Embla Nyström #1)

Jagdrevier

Helene Tursten – Jagdrevier

Urlaub und ein spannendes Buch sind eine gelungene Kombination, und daher habe ich das Buch Jadgrevier von Helene Tursten auch in 2 Tagen verschlungen. Dieses Buch ist der Auftakt einer neuen Krimi- Reihne um die Hauptperson Embla Nytröm und ist beim btb Verlag am 11.01.2016 erschienen.

Der Inhalt:
In Göteborg treffen sich wie jedes Jahr mehrere Freunde zur Elchjagd. Darunter auch Embla Nyström, Polizistin bei einer Spezialeinheit und frischgebackene nordische Meisterin im Halbweltergewicht. Sie geht mit ihrem Onkel schon seit ihrer Kindheit zur Jagd und hat extra Urlaub genommen, um die gut organisierte Jagd nicht zu verpassen. Dieses Jahr läuft jedoch einiges anders als in den Vorjahren. Beispielsweise ist der charismatische, gutaussehende Peter mit von der Partie. Er ist in der Gegend aufgewachsenen und nun wieder hergezogen. Jeder fragt sich, warum er wieder da ist. Und auch sonst ranken sich Geheimnisse um den Mann, in den Embla sich bald verliebt. Als dann jedoch einer der Teilnehmer tot entdeckt wird und ein weiterer verschwindet, ist es mit dem Urlaub von Embla und dem Spaß an der Elchjagd vorbei. Denn nun sind die Jäger wohl die gejagten..

Stil, Machart, Meinung
Die ersten Seiten haben knapp ein Detail verraten, wodurch beim Lesersofort Spannung aufgebaut wurde. Die Ermittler erfahren davon erst wesentlich später im Buch, und das finde ich schon einmal sehr geschickt. Das müsst ihr mir jetzt so glauben, denn ich möchte ja nicht spoilern..
Nach den unheilvollen Szenen am Anfang folgt zunächst eine größere Vorstellungsrunde. Wir lernen aus der Perspektive von Protagonistin Embla die anderen Jagdteilnehmer, die Umgebung und die Details der geplanten Jagd kennen. Dieser Abschnitt fällt auf Grund der vielen Teilnehmer und den verschiedenen Etappen der Jagd recht umfangreich aus, ist aber trotz der vielen Informationen und Namen gut gelungen. Mir wurde dabei nicht wirklich langweilig, obwohl ja nicht viel passierte. Die Vorstellung fand immer in einem lebendigen Rahmen wie ein Abendessen oder einer Jagdbesprechung statt. Ich war nicht gelangweilt, hatte allerdings ein paar Probleme mit den vielen Personen und Namen. Eine Zeit lang beispielsweise hatte ich mental wohl irgendwie einen der Jadghunde mit einem der Teilnehmer verwechselt.. Das dürfte einerseits an den schwedischen Namen liegen, andererseits an der Anzahl der Teilnehmer und am Rande Beteiligten. Ich hätte mir eventuell eine etwas längere Beschreibung der einzelnen Teilnehmer bzw. eine einfachere Umgebung gewünscht. Man hat recht viele Schauplätze, beispielsweise geht es von dem Haus von Emblas Onkel zu einem anderen Haus, von wo die Jagd startet. Von dort geht es in das Jagdlager, dann gibt es irgendwo anders noch ein Jagdschloss… mir sind die Entfernungen irgendwie nicht so ganz klar geworden. Es hat aber auch nicht wirklich gestört, ich habe dadurch nichts wesentliches verpasst.
Die Schreibweise der Autorin finde ich sehr flüssig, sie schweift nicht zu sehr aus und beschreibt dennoch gern die Natur und die Umgebung. Die Perspektive ist gut gewählt, durch die Augen von Embla sieht man die Geschehnisse einerseits als Polizistin und andererseits als Frau im Urlaub, die sich in einen der Teilnehmer verliebt. Wie diese beiden Perspektiven sich ergänzen, abwechseln und manchmal auch im Weg stehen, finde ich sehr interessant.
Den Plot hatte ich mir ja eigentlich etwas anders vorgestellt, ich denke das ist meiner Liebe zu Agatha Christie geschuldet. Wenn ich auf der Rückseite lese „Eine Elchjagd in den schwedischen Wäldern. Ein Toter. Fünf Verdächtige“ , dann geht bei mir automatisch die Erwartung „Einer nach dem anderen stirbt, wer war es?“ an. Grundsätzlich ist diese Erwartung auch irgendwie erfüllt worden, nur anders als gedacht. Zwar geht es nach der Einführung zu den Jagdteilnehmern, den Jagdabläufen dann mit Mord weiter, aber die Gefahr für die Überlebenden ist danach direkt gebannt –nicht wie in meiner Erwartung von der Außenwelt abgeschnitten. Aber meine Erwartungen muss ja die Autorin nicht ahnen und erfüllen, und auch so war die Geschichte gut konstruiert, ließ keine Fragen offen und blieb bis zum Schluss spannend. Ein weiterer Pluspunkt ist für mich, dass die Autorin die Welt nicht strikt nach Schwarz und Weiß trennt. Es gibt definitiv eine Menge Graustufen und sie kann sich gut in die von ihr geschaffenen Charaktere herein denken.
Eine weitere Besonderheit, die mir als Feinschmecker gefallen hat: bei jeder Zusammenkunft von Menschen beim Essen wurde auch das Essen beschrieben. Man bekommt nicht nur einen interessanten Einblick in die schwedische Küche (bei Jägern) sondern auch Appetit..
Embla Nyström
Wie eingangs erwähnt, ist dieser Krimi der Auftakt einer Reihe um die Ermittlerin Embla. Bei Band 1 legt man, wie ich finde, immer den Grundstein für eine erfolgreiche Reihe und zeigt den Lesern auch gleich das Potential um die Ermittler auf. Embla selbst ist schon eine gute Hauptfigur, sie hat eine weibliche Seite, die sich hier in ihrem Interesse an Peter sehr gut zeigt. Grundsätzlich ist sie aber eher eine ganz harte Ermittlerin. Nach der Hälfte des Buches, eventuell auch erst im letzten Drittel, werden ihre zwei männlichen Kollegen in die Ermittlung einbezogen. In dem Trio ist Nebla die einzige Frau – und „die Bulldogge“ des Teams. Der Chef der Spezialeinheit, die in einem bestimmten Gebiet bei schwierigen Fällen zur Unterstützung bei den Ermittlungen herangezogen wird, ist ein netter Kerl und Computerspezialist, der mit dem richtigen Input von süßen Sachen so ziemlich alles herausfinden kann. Der andere Kollege sieht wohl sehr unscheinbar aus, hat es aber auch drauf. Dieses Trio, von dem wir zusammen in diesem Band noch nicht so viel mitbekommen wie von Embla als Einzelgängerin, hat definitiv Potential. Sie haben ihre Stärken und Schwächen, scheinen sich gut zu ergänzen und auch ganz lustig zu sein. Bei Embla selbst ist sehr viel Potential, einerseits privat und andererseits als Ermittlerin.
In der Danksagung der Autorin am Ende des Buches fand ich die Information, dass Embla bereits in einem der Irene Huss- Bücher (Brandhaus) an einer Ermittlung beteiligt war.

Was lernen wir daraus?
-Ich habe gelernt, dass ich mit meinem Problem nicht alleine bin. Denn in meinem Krimi gibt es auch eine große Anzahl an Jagdteilnehmern, allerdings als eine komplette Basketballmannschaft. Ich habe lange an der möglichst kurzen aber doch prägnanten Vorstellung gearbeitet und hoffe, dass der Leser da wirklich gut folgen kann. Wenn man so einen Whodunnit-Krimi schreiben möchte, ist weniger oft einfacher. Ich habe mal einen Krimi gelesen, da gab es eigentlich nur zwei Verdächtige: Mutter und Vater des verschwundenen Kindes. So konnte man sehr detailliert die Charaktere der beiden kennenlernen, das war nicht schlecht. Allerdings ist in meinem Krimi eher das logische Streichen der vielen Verdächtigen der Weg zum Ziel, da wäre man bei 2 Verdächtigen ja schnell fertig..
-Ein abgeschlossenes Gebiet und mehrere Verdächtige, die einem als Person bekannt sind, finde ich immer noch viel besser als der große Unbekannte, der dann ganz am Ende eines Krimis oder Thrillers zufällig mit seinem Motiv aus dem Hut gezaubert wird. Helene Tursten lässt sich bewusst Zeit, alle Jagdteilnehmer vorzustellen und lässt den Leser durch den einen oder anderen Wissensvorsprung und einer geschickt aufgebauten Atmosphäre selbst raten und erkennen, wer denn da nun gut und böse ist.
-Graustufen! Wenn die Guten gegen die Bösen kämpfen, dann ist das ja auch nicht schlecht und kann eine wirklich gute Story geben. Aber wenn ein Autor geschickt Graustufen einbinden kann, ohne eine gewisse Abgrenzung aus dem Auge zu verlieren, dann ist das wie die Prise Salz in der Suppe..
Fazit
Ich gebe dem Kriminalroman Jagdrevier 4 von 5 Sternen. Ein guter Plot, das interessante und mir weitestgehend unbekannte Setting (die Jagd) und die Hauptperson finde ich gelungen. Das ich mir als Leser meine eigenen Gedanken zum Mörder und den Zusammenhängen machen durfte und auch die Graustufen bei den Charakteren sind vorbildlich. Einzig die vielen Teilnehmer-Namen, die mir nicht komplett klaren Ortsverhältnisse- und dass es mich nicht vor Schreck und Überraschung von der Couch gerissen hat, verhindern die 5-Sterne-Bewertung. Für alle Krimiliebhaber ist dieses Buch genau richtig.
Die Details zum Buch gibt’s HIER , schaut doch mal rein !

Rezension: Tod in der Hofburg von Beate Maxian ( Wien – Krimi )

Beate Maxian, Wien - Krimi

Beate Maxian, Wien – Krimi

Der Inhalt
In Wien ist einiges los. Erst sprengt sich eine Frau mit einer Handgranate im Sissi-Museum in die Luft und dann schießt ein Heckenschütze auf die Besucher des weltberühmten Neujahrskonzert der Philharmoniker. Journalistin Sarah Pauli schreibt für den Wiener Boten eigentlich nur eine Kolumne über Aberglauben, ist aber durch ihre Anwesenheit am Tatort wie gefesselt von dem Fall. Gefesselt ist auch die mysteriöse Cellistin, die vor dem Attentat etwas beobachtet zu haben scheint und nun gesucht wird.

Stil, Machart, Besonderheiten und meine Meinung
Das Buch ist ein Regionalkrimi und ich bin sicher, dass die Wiener, Österreicher, Wien-Fans und Touristen großen Gefallen an diesem Buch finden werden. Es beschreibt mit Liebe zum Detail die Wiener Orte, sodass sich schon dagewesene sicherlich wohlig und heimatlich fühlen. Für mich, ich stehe ja nicht so auf Geschwafel, war es etwas zu viel. Grundsätzlich kann ich damit jedoch leben, nur an manchen Stellen ufert die Heimatverbundenheit bzw. die detaillierte Beschreibung etwas zu sehr aus. Aber hier sind die Geschmäcker sicherlich verschieden.

Die Journalistin Sarah Pauli ist ganz gut getroffen und scheint in Band 1-4 dieser Reihe schon einiges erlebt zu haben. Sie ist die Hauptperson im Buch und durch ihre Augen erfahren die Leser alles. Warum sie ermittelt, also quasi die Motivation, wird mir gut klar. Sie war selbst beim Attentat zugegen und ist dem Tod demnach knapp entkommen. Klar, da ist man persönlich betroffen und möchte Licht ins Dunkel bringen. Gut finde ich auch, dass sie ihre Ermittlung aus der Sicht einer Journalistin und auch mit der Priorität auf die nächste Berichterstattung unternimmt, das ist mal was anderes. Manchmal bekommt sie von einem Kommissar einen Wink in die richtige Richtung. Störend ist für mich jedoch, dass ihre Ermittlungserfolge allesamt eher dem altbekannten „Kommissar Zufall“ zugeschrieben werden können und sie das gesamte Buch hindurch zufällig immer gerade da ist, wo sich etwas Wichtiges abspielt. Auch, dass Angehörige und Zeugen ihr relativ bereitwillig alles sofort berichten, kommt mir etwas unrealistisch vor. Klar, die Hauptperson der Reihe soll sympathisch bleiben und zu keiner Zeit miese Tricks zur Beschaffung von Informationen anwenden – aber realistisch ist es nicht so recht.

Toll finde ich die ausbalancierte Sprache, in der für mich (als deutsches Nordlicht) so manche Österreichische Begriffe vorkommen, von denen ich noch nie gehört habe aber die ich trotzdem gut einordnen kann. Das finde ich sehr gelungen.

Die Spannung blieb bei mir leider zumeist auf der Strecke. Klar, man will wissen wer da geschossen hat, was die beiden Fälle miteinander zu tun haben und noch vieles mehr. Der Plot an sich ist eigentlich wirklich gut, aber viele Zufälle und viele Ausschweifungen (Mythologie, Lokales) haben meinen Lesefluss nicht so wie gewünscht entstehen lassen. Der Leser wird gekonnt im Unklaren gelassen und es gibt viele mysteriöse Personen und Verstrickungen, aber so richtig mitraten kann man anhand der Informationen dann auch wieder nicht. Bei mir war es leider nicht so, dass ich das Buch vor lauter Aufregung nicht aus der Hand legen konnte. Es war für mich eher so, dass ich das Buch endlich beenden wollte. Gelangweilt wiederum war ich auch nur auf kurzen Strecken, ich denke also es hat mich einfach nicht so richtig gepackt.

Die extra Kategorie „was lernen wir daraus?“ ist dieses Mal nicht von der Partie, da ich die Besonderheiten schon in diese Richtung beschrieben habe und weiterhin keinen Punkt in diese Richtung festmachen kann. Wir wollen es ja nicht erzwingen..

Zielgruppe
Natürlich sind die lokal am nächsten Stehenden auch die Hauptzielgruppe, würde ich sagen. Für den Österreicher, den Wiener und den Wiener Touristen oder ehemaligen Wiener ist dieses Buch sicherlich ein Muss. Die Handlung spielt teilweise an den Hotspots von Wien und die Autorin beschreibt diese Orte liebevoll. Ansonsten einfach erwachsene Krimileser, vielleicht etwas mehr Frauen als Männer.

Informationen
Die Autorin Beate Maxian ist Österreicherin und scheint eine Menge im Bereich von Film, Medien und Literatur auf die Beine zu stellen. Ihre Wien Krimis sind laut der Autorenbeschreibung im Buch Bestseller in Österreich. Dieser Krimi ist ihr fünfter Krimi und auch Band 5 in der Reihe um die Journalistin Sarah Pauli. Außerdem ist sie Initiatorin und Organisatorin des ersten österreichischen Krimifestivals. Mehr auf ihrer Homepage: http://www.maxian.at

Fazit
Die Krimireihe um Sarah Pauli ist von der Idee her gut und ich bin sicher, in Wien/Österreich ist sie wirklich ein Renner. Auch, da sie neben den liebevoll beschriebenen realen Örtlichkeiten zusätzlich aktuelle Themen aufgreift. Aber all das hatte ich eher nicht im Sinn, als ich auf der Rückseite des Buches von Doppelmord, Heckenschütze usw. las. Ich hatte mir das wohl etwas anders vorgestellt, hätte damit aber auch noch gut leben können. Wenn Kommissar Zufall nicht die Ermittlungen geleitet hätte..

Ich kann dieses Buch wirklich allen empfehlen, die aus der Gegend kommen, schon einmal da waren oder sonst einen Bezug haben. Für mich war das ganze eher nichts und nicht spannend genug, weil der eigentlich ganz gute Plot irgendwie nicht immer zu richtig zur Geltung kam. Ich werde kein weiteres Buch der Reihe lesen, aber die von mir umschriebene Zielgruppe sollte es unbedingt tun!Von mir gibts 3 Sterne.

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