Rezension: Die Schatten von Edinburgh – Oscar de Muriel

Die Schatten von EdinburghWir schreiben (in diesem Buch) das Jahr 1888. Während in London Jack the Ripper sein Unwesen treibt, wird Inspector Ian Frey sowohl privat als auch beruflich zwangsversetzt. Er soll in Scottland einen Fall aufklären, dabei aber im Geheimen arbeiten damit die Engländer nicht durch die Nachricht von einem zweiten Ripper in Panik versetzt werden.

Der kultivierte Engländer Frey, aus gutem Hause und mit einem gesunden Hass auf die Schotten erzogen, macht in Schottland Bekanntschaft mit einer ganz neuen Welt.  Sein neuer Vorgesetzter ist ein ungehobelter, abergläubischer und ungepflegter Schotte – und bei dem soll er auch noch wohnen. Das neue Heim lässt ebenso zu wünschen übrig wie die Spelunke, in der er essen soll.  Auch der Fall hat es in sich: Ein Violinist wird in seinem Arbeitszimmer ermordet.  Das Dienstmädchen schwört, dass sie mindestens 3 Geiger in dem Musikzimmer gehört haben will, bevor die Musik verstummte. Und Niemand anderes hatte einen Schlüssel für den von innen verschlossenen Raum, in dem der tote Musiker liegt. Wo ist der Mörder hin? Was soll das Zeichen des Teufels auf dem Teppich? Und lastet wirklich ein Fluch auf den Violinen, die nach dem Tod des Musikers weitervererbt werden?

Stil, Machart, Meinung

Zunächst muss ich sagen, dass mich historische Bücher eher wenig interessieren. Dann muss ich einschränkend gestehen, dass ich sämtliche Werke von Agatha Christie oder Edgar Wallace liebe – und die sind mittlerweile ja auch schon als historisch zu betrachten.  Bei dem Jahr 1888 dachte ich auch gleich an Jack the Ripper. Vor einigen Jahren hatte es mir die Serie Ripper Street angetan, die in der gleichen Zeit spielte – und so klappte die zeitliche Einordnung bei mir super.

Beim Anblick des Covers fiel mir auf, dass keine Zuordnung der Geschichte als Kriminalroman oder Thriller erfolgte.  Im Inneren steht dann „Roman“.  Wenn ich auf der Buchrückseite Wörter wie „grausame Mordserie“ und „Ermittler“ lese, würde ich schon eher Krimi oder Thriller erwarten. Das schon dort versprochene Konzept des geschlossenen Raumes deutet dann stark in Richtung Krimi. Nachdem ich die Geschichte gelesen habe, wurde ich auch eher Krimi als Thriller sagen. Roman finde ich etwas unpassend, macht aber ein bisschen Sinn da natürlich auch Wert auf die historischen Details gelegt wird.

Die Story an sich knüpft mit dem Konzept des geschlossenen Raums an einige klassische Kriminalromane an, die von Mordhandlungen in geschlossenen Räumen berichten, zu denen kein anderer – oder viele andere- einen Schlüssel haben. Dazu hier (auf Wikipedia) mehr.

Die Hauptattraktion der Geschichte ist sicherlich der kultivierte, reiche Engländer, der ins raue Schottland versetzt wird.  Während ihm vor lauter Dreck bald die feinen Anzüge ausgehen und er die Annehmlichkeiten seines Lebens vermisst, muss er sich mit dem kompletten Gegenteil seiner selbst auseinandersetzen: seinem Vorgesetzten McGray.  Von Sympathie kann man bei den beiden Zwangskumpanen nicht sprechen, aber ihre Charaktere ergänzen sich für die Aufklärung des Falles optimal. Lustige Situationen aber auch interessante Details der damaligen Zeit werden anhand der Figuren erzählt.

Trotzdem bleibt die Geschichte düster und blutig, ist teilweise nichts für schwache Nerven.  Die Story mutet bis zum Ende wie ein halbherziges Whodunnit-Rätsel an, den Mörder erraten kann man aber nicht wirklich. Nüchtern betrachtet hat die Story eine tolle Idee als Ausgangssituation (geschlossener Raum, vererbte Geigen mit Fluch) –doch  je mehr es zum Ende geht, desto weniger bleibt davon übrig. Da machen eher die Charaktere, das Zusammenspiel einiger Charaktere und die interessanten historischen Details den Zauber des Buches aus –die Story rückt irgendwie im Laufe des Buches in den Hintergrund.

Was lernen wir daraus?

Mal wieder lebt die Story von dem Zusammenspiel sehr unterschiedlicher Ermittler. Dieses Rezept ist nicht neu aber auch nicht weniger erfolgreich als zuvor. Einen gelackmeierten Ermittler in feinen Anzügen mit einem verwahrlosten Haudegen zusammenzubringen, war eine gute Idee. Der besonders zwischen den Beiden aufblitzende Humor ist nett, und auch einige Nebenfiguren machten mir Freude.

Jedes Buch muss den Leser erreichen, um ihn zu begeistern. Je weiter die Story zeitlich vom Leser weg ist, desto universeller und interessanter muss sie geschrieben sein, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Story lässt sich zwar nicht wirklich in die heutige Zeit beamen, aber die Charaktere und deren Probleme sind so universell, dass das Konzept aufgeht. Ein bisschen Humor und Menschlichkeit helfen auch.

Roman, Krimi, Thriller.. Bei manchen Geschichten verschwimmen die Genres.  Es ist ein Roman, weil viel Wert auf die Charaktere und deren Geschichten gelegt wird. Es ist ein Krimi, weil ein Mörder gefasst werden muss, in dem mehrere Indizien und Gegebenheiten analysiert und eingeordnet werden. Und am Ende wird es auch ein bisschen Thriller, denn man konnte den Mörder nicht erraten und es gab eine wilder Verfolgungsjagd.

Fazit

Ich vergebe 3 Sterne. Es wären fast 4 geworden, aber wenn ich diese Geschichte mit anderen 4-Sterne-Büchern vergleiche, da ist geht das nicht. Ich habe die Geschichte zügig durchgelesen, es war stets interessant und ich hatte nicht nur meinen Spaß sondern habe auch einiges gelernt. Jedoch hat die sehr verheißungsvolle Story mich dann am Ende etwas enttäuscht. Dem Ermittlerduo würde ich jedoch noch eine weitere Chance geben, der Auftakt war -besonders als Erstlingswerk- vielversprechend. Dann erwarte ich aber etwas mehr Krimi und ein besser konstruiertes Verbrechen.

Hier gibt´s Details zum Buch und zum Autor auf der Verlagsseite:

Die Schatten von Edinburgh -Verlagsseite mit Details

 

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Rezension: Der Tod so kalt von Luca D`Andrea

Der Tod so kalt Luca D AndreaJeremiah Salinger, ein amerikanischer Drehbuchautor, produziert eine erfolgreiche Fernsehserie. Als er mit seiner Frau in ihr Heimatdorf in Südtirol zieht, ist er dort trotzdem nur ein Fremder. Er gehört nicht zur Dorfgemeinschaft, da er kein Einheimischer ist. Nachdem er eine neue Idee für eine Fernsehserie in Südtirol in die Tat umsetzt, passiert eine schreckliche Tragödie. Davon traumatisiert, schwört er sich und seiner Frau, Urlaub zu nehmen. Aber dann fesselt ihn ein brutaler Mord an drei jungen Leuten, welche 1985 an der Bletterbachschlucht brutal hingerichtet wurden. Nur durch diese Geschichte fühlt er sich wieder lebendig, aber nur durch diese Geschichte schweben er und seine Familie auch in Gefahr. Er kann trotzdem nicht mit der Ermittlung aufhören, bevor er das Rätsel gelöst hat. Und das Schicksal der drei Toten ist auch das Schicksal vieler anderer, die dran zerbrochen sind.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller ist ausschließlich in der Ich – Perspektive erzählt und bekommt so einen sehr persönlichen und realistischen Beigeschmack. Man fühlte sich tatsächlich mittendrin. Es tickt nicht –wie bei den meisten Thrillern – direkt eine Uhr durch die Seiten, es muss kein Täter gefasst werden um weitere Opfer zu retten. Es gibt einfach einen Mann in einem Dorf, der seine Neugier und Faszination nicht zügeln kann und so zu vielen Leuten zu viele Fragen über schlimme Dinge in der Vergangenheit stellt. Ich dachte oft: „Mein Gott Salinger, hör bloß auf, Fragen zu stellen“ und genau so oft „was ist damals bloß passiert?“.  Damit hatte mich der Autor wohl genau dort, wo er mich auch haben wollte.

Dieser Thriller ist recht dick und langatmig, aber trotzdem nicht detailüberladen und langweilend. Das Buch ist auch ein wenig Roman, welcher zwei Hauptstränge hat und dadurch viele Nebenhandlungen und Charaktere entwickelt. Einmal der Ich –Erzähler mit Frau, Tochter und Schwiegervater in der Gegenwart und dann die drei ermordeten Leute im Jahre 1985 und deren Leben, Probleme, Feinde sowie die Auswirkungen auf einige Zeitzeugen. Die Schreibweise des Autors ist fluffig und es gibt auch viele lustige und ironische Bemerkungen.

Ich hatte vor Jahren mal einen „Krimi“ aus Südtirol gelesen, der mehr einem begeisterten Reiseführer sowie einer Ötzi – Dokumentation glich als einem spannungsgeladenen Krimi. Dieser Thriller hier offenbart auch interessante Details aus dem Leben in Südtirol sowie der Landschaft, jedoch ist es interessant und geschickt in die Geschichte eingebaut. Auch Ötzi kommt kurz wieder vor, ohne Ötzi geht ein in Südtirol spielendes Buch wohl nicht. Aber hier stören mich die interessanten landestypischen, geologischen und historischen Fakten nicht – ganz im Gegenteil: Sie machen die Geschichte sehr realistisch.

Der Plot und die einzelnen Charaktere konnten mich überzeugen, auch das Ende war schlüssig und konnte sowohl überraschen als auch Action bieten.

Was lernen wir daraus?

Der Unterschied zwischen einem Reiseführer mit ein bisschen Krimi, der dann die Krimileser sehr enttäuscht und die am Reiseführer Interessierten niemals erreicht und einem spannenden Thriller, eingebettet in eine interessante Region ist definitiv nicht fließend. Wer einen Reiseführer schreiben möchte, kann das gern machen – darf den aber nicht Regionalkrimi nennen. In diesem Buch hier war die Geschichte wichtig, der Autor gab der Geschichte viel Raum, hatte einen tollen Plot und hat nebenbei Details der Umgebung geschickt eingebaut, damit die Geschichte einen realistischen Rahmen hat. Die Umgebung half der Geschichte – und nicht andersrum. Wer einen guten Regionalkrimi- oder Thriller schreiben möchte, sollte sich fragen ob Details der Geschichte helfen oder ob die Geschichte nur die regionstypischen Aspekte präsentieren soll. Oder ob er lieber einen Reiseführer schreiben sollte, denn das ist ja auch nicht schlecht. Dieses Buch hier zeigt, wie man viele lokale Dinge in eine spannende Geschichte einbaut, sodass man der Geschichte nicht die Spannung nimmt und trotzdem ein interessantes Setting erschafft.

Fazit

Ich vergebe fast 5 Sterne, sagen wir mal 4,5. Der Thriller hat alles, um mich zu fesseln. Ich habe nichts entdeckt, was mir nicht gefällt und sogar das etwas Langatmige gemocht, weil es interessant war und die Athmosphäre des Buches befeuerte. Für die Höchstpunktzahl fehlt noch das ganz Besondere, das Geniale.

Für Thriller- und auch Krimifans ist dieses Buch sicher eine gute Sache. Auch Südtirol – Fans oder Südtiroler dürften ihre Freude an der Geschichte haben, da viele regionale Aspekte gut in die Geschichte eingewoben sind. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Hier gibt es Details zu Buch und Autor auf der Verlagsseite!

Rezension: Der dunkle Grund des Sees von Stefanie Kasper

der-dunkle-grund-des-sees-stefanie-kasperAm Ufer des Forggensees wohnen die Adoptiveltern von Isabel Radspieler. Als Elisa, Isabels Adoptivmutter, im Sterben liegt, soll die Tochter unbedingt nach Hause kommen. Sie schafft es leider nur zur Beerdigung rechtzeitig, zieht dann allerdings wieder in ihr altes Kinderzimmer, um sich um den Vater zu kümmern. Dort findet sie in ihrem alten Versteck ein mysteriöses Erbe, versteckt von ihrer Mutter vor dem Tod. Sie soll herausfinden, was mit den Eltern und der Schwester von Elisa 1954 passiert ist. Diese waren spurlos verschwunden, nachdem der Forggensee aufgestaut und das Dort geflutet wurde. Und so macht sich Isabel auf die Suche und stößt bei ihren Recherchen auf Familiengeheimnisse, Zeitzeugen und Gefahren.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Kriminalroman ist mehr Roman als Krimi. Es liegt zwar zu jeder Zeit etwas Bedrohliches über der Erzählung, in erster Linie hält die Autorin sich jedoch mit den regionalen Besonderheiten rund um den Forggensee in Gegenwart und Vergangenheit auf und legt einen großen Fokus auf die emotional arg gebeutelte Hauptperson. Zunächst kam ich genau deshalb schlecht in die Erzählung hinein. Ich muss dazu sagen, dass ich- Nordlicht- keinen Schimmer hatte, dass es überhaupt einen Forggensee gibt oder was da historisch so los war. Ich denke mir, das die bayrischen Leser auf Grund der Bekanntheit des Forggensees wahrscheinlich sofort Feuer und Flamme sein werden.

Trotzdem war ich zunächst ziemlich ernüchtert von der Lektüre und hatte wenig Lust, diese überhaupt fortzusetzen. Ich hatte den Teaser auf der Rückseite des Buches gelesen und es dauerte zunächst ziemlich lange, bis die Handlung überhaupt über die Ankündigungen hinausging. Das ist natürlich recht ernüchternd, wenn man hohe Erwartungen an die Ermittlungen und Familiengeheimnisse der Vergangenheit hegt.

Die Hauptperson ist einem nicht gerade sympathisch. Mitleid hat man mit ihr, da ihre Zwangsstörung sie an so ziemlich allem hindert. Da ich mir nun eher eine Ermittlung in Sachen Krimi erhofft hatte, war mir die Perspektive der zumeist handlungsunfähigen Isabel doch viel zu lang. Andererseits ist das auch mal etwas anderes und man bekommt einen wahrscheinlich ganz realistischen Einblick in Angststörüngen, die mir auch gut recherchiert erschienen (ich habe aber keine Ahnung, kann das deshalb nur mutmaßen). Die Recherchen zum Thema Forggensee und dessen Vergangenheit schienen mir auch sehr fundiert, ich habe zunächst auf Wikipedia nachschauen müssen, wo genau der liegt und was es damit auf sich hat. Nach meiner kurzen Lektüre würde ich sagen, die Autorin hat mit großer Leidenschaft zu dem Thema gut recherchiert.

Meine anfängliche Trägheit und Frustration hat sich dann mit dem letzten Drittel der Geschichte gelegt. Endlich wurde es spannend, die Familiengeheimnisse und Verkettungen in der Vergangenheit hatten es doch in sich und der Plot war im Nachhinein auch sehr gut. Ehrlich gesagt hätte ich das Buch jedoch nach einer Zeit abgebrochen, würde ich meine Verpflichtung als Buchblogger nicht ernst nehmen. Ich lese nicht jedes schlechte Buch bis zum bitteren Ende, aber dieses hier hatte noch Potential genug, sodass ich nicht aufgeben wollte. Das wurde dann auch belohnt. Ich mag gerne Krimis, die sich mit Geschehnissen in der Vergangenheit beschäftigen und einen guten Plot und eine gute Auflösung haben. Hier war es mir jedoch ein sehr zäher Einstieg.

Dieses Buch ist eine eigenständige Erzählung ohne Potential für eine Fortsetzung.

Was lernen wir daraus?

Zunächst habe ich erneut gelernt, dass ein Klappentext enorm wichtig ist. Wenn die Vorankündigung schon die Handlung bis zur Mitte des Buches vorwegnimmt, dann ist der Einstieg äußerst zäh und die Überraschungen und Spannung sind bis zu der Stelle gleich 0. Einzig die Bedrohliche Stimmung und ein verstricktes Familiengeheimnis konnten mich als Leser einigermaßen bei der Stange halten.

Gute Recherche zahlt sich aus. Man merkt, dass die Autorin ein persönliches Interesse an dem Forggensee und dessen Geschichte hat. Sie weiß, wovon sie spricht und hat die reale Geschichte des Sees geschickt mit ihrer Fantasie verknüpft. Auch zu Angststörungen scheint sie gut recherchiert zu haben. Und der Leser, in dem Fall bin das ich und hatte vorher keine Ahnung, hat auch etwas gelernt.

Fazit

Ich hatte bis zur Hälfte des Buches mehrmals überhaupt keine Lust, weiterzulesen. Es hat mich wenig gepackt, der Fokus auf den regionalen Begebenheiten und der gelähmten Hauptperson haben mich gelangweilt.  Dann wurde meine Geduld doch noch belohnt und es offenbarte sich ein guter Plot mit mehreren Versionen der Vergangenheit und einer realen Gefahr in der Gegenwart. Wer auf Regionalkrimis, historisches und eine langsam in Gang kommende Geschichte mit vielen Details und anfangs wenig Spannung steht, für den ist dieses Buch genau richtig. Wer aus der Gegend um den Forggensee kommt oder dort Urlaub machen möchte oder gemacht hat, für den ist das Buch quasi ein Muss. So ein richtiger Krimi mit Spannung und der Jagd nach dem Mörder, das ist für mich im Idealfall noch etwas anderes. Ich vergebe noch 3 Sterne, da ich am Ende des Buches auf einmal doch gefesselt war und ich etwas neues gelernt habe.

Hier gibt es die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

Rezension: UNDER GROUND von S. L. Grey

under-ground-sl-greyEin tödliches Virus scheint sich auf der Erde auszubreiten. 5 Familien machen sich schnell auf den Weg ins „Sanctum“, einen unterirdischen Luxus -Bunker für das Überleben von Kathastrophen. Problematisch ist dabei nicht nur, dass der Bunker noch nicht so ganz fertig ist. Als der Betreiber tot aufgefunden wird, sind die Bunker-Insassen von der Welt abgeschnitten und eingeschlossen, denn nur der Tote wusste den Code für die Ausgangsluke. Mindestens genau so tödlich wie das Virus draußen, ist es jedoch sich im Sanctum aufzuhalten. Denn es bleibt nicht bei einem Toten und die Menschen im Bunker wissen nicht, wem sie trauen können. Als dann die Wasservorräte knapp werden, geht’s eh nur noch ums nackte Überleben..

Stil, Machart, Meinung

Ich lese gern klassische Krimis und Thriller, habe zwischendurch aber auch immer mal Lust auf was Neues. Und genau so ist dieser Thriller, der gleichzeitig aber auch ein Krimi und ein Roman ist. Die klassischen Krimi –Elemente werden durch eine abgeschlossene Wohneinheit und eine Leiche nach der anderen perfekt bedient. Nur einer der Bewohner kann der Mörder sein. Die Thriller – Elemente sind natürlich besonders im Kampf ums Überleben verankert, einerseits durch die endlichen Ressourcen und andererseits durch die Überlebensstrategien der einzelnen Bewohner. Trotzdem kommen die Geschichten der Bewohner nicht zu kurz, denn da hat jeder so das eine oder andere Problem –welches mehr und mehr entweder in den Vorder- oder Hintergrund gerät. Einige drehen durch, andere helfen, wieder andere werden egoistisch. Ein interessantes Beziehungsgeflecht entwickelt sich.

Die Erzählweise ist meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Der Leser erfährt durch verschiedene Perspektiven, was in dem Bunker so vorfällt. Eine Person jeder Wohneinheit berichtet aus ihrer Sicht über den Lauf der Dinge. Dadurch ist der Leser irgendwie immer mittendrin, nach und nach offenbaren sich einige Erklärungen zu dem Verhalten einzelner Bewohner.  Dinge kommen ans Licht, Menschen sterben und der Leser hat exklusive Einblicke, die sich mehr und mehr zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Wer ist der Killer? Werden die Bewohner überleben?

Bei vielen Leuten, die man sich im Laufe einer Geschichte merken muss, ist es ja immer schwierig den Überblick zu behalten. Hilfe kommt anfangs von einer Grafik, die das Sanktum mit den verschiedenen Wohneinheiten und deren Bewohnern aufschlüsselt. Die verschiedenen Perspektiven aus den einzelnen Wohneinheiten und die anfangs auch recht stereotypen Darstellungen der Bewohner helfen auch weiter, sodass man schnell in die Geschichte hinein findet und keinerlei Probleme bei der Identifizierung der Personen hat. Merkwürdig fand ich, dass manche Perspektiven aus der ICH-Perspektive geschrieben sind und andere nicht. Die Autoren werden sich etwas dabei gedacht haben..

Ein weiterer interessanter Aspekt war für mich grundlegend die Entscheidung, in einen Luxus – Bunker für den Ernstfall zu investieren. „Prepper“ sind ja im Moment irgendwie im Trend. Das sind Leute, die sich intensiv auf Katastrophen vorbereiten. Hier mehr zum Thema, falls es interessiert: Wikipedia zum Thema Prepper

Es gibt Leute, die sich fast schon auf den eingetretenen Ernstfall zu freuen scheinen, einfach weil sie so gut vorbereitet sind. Dann sind in dem Bunker aber auch Menschen, die einfach zu viel Geld übrig hatten und in den Bunker investiert hatten, wobei die Familienangehörigen meist eher wenig Begeistert von der Idee sind. Und niemand hat seinen restlichen Angehörigen erzählt, wo die Familie ist..

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man Genres sehr gut mischen kann – wenn man es kann. Ich denke, dass nicht jede Idee sich dazu eignet, diese Idee hier allerdings wie geschaffen für die unterschiedlichen Elemente ist. Einige meiner Leser dürften eventuell schon gemerkt haben, dass die klassischen Krimimerkmale wie ein eingeschränkter Kreis von Verdächtigen und die eigene Chance zum rätseln, wer denn nun der Mörder ist, genau mein Geschmack sind. Das hat hier perfekt geklappt, dazu kam noch die verrinnende Zeit und die gut beschriebenen Gefühle und Motive der Bewohner, die nach und nach klarer werden.

Und im Ernstfall werde ich mich nicht mit Fremden in einen Luxus Bunker einschließen lassen. Diese Lektion ist auch wichtig..

Autoreninfo

UNDER GROUND ist das erste gemeinsame Buch von den südafrikanischen Autoren Sarah Lotz und Louis Greenburg. Mehr Info`s gibt es auf der Verlagsseite: hier klicken

Fazit

Ich vergebe 4 Sterne. Für 5 Sterne fehlt mir noch eine Kleinigkeit, die ich aber nicht ausmachen kann. Diese spannende Geschichte mit dem gewissen Hauch von Endzeitstimmung hat mich auf jeden Fall gefesselt. Die drei gemischten Genres und das eher neue und ungewohnte Thema eines tödlichen Virus, der wohlhabende Familien in einen Luxus Bunker treibt, finde ich super. Der Plot gefällt mir, die Bewohner mit ihren Problemen, Beziehungen und Ängsten sowie die mysteriösen Entwicklungen sind auch sehr gut gelungen. Ich kann die Lektüre dieses Buches sehr empfehlen, wenn man sich auf etwas Neues einlassen möchte und nicht nur auf ein Genre festgelegt ist. Leseempfehlung!

Hier gibt es Informationen zu den Autoren und weitere Details zum Buch!

Rezension: Ein Mord macht noch keinen Sommer – Martha Grimes

martha-grimes-ein-mord-macht-noch-keinen-sommerDer unglaublich unsympathische Literaturagent Hess macht der jungen Autorin Cindy Stella das Leben schwer;  ein Rechtsstreit droht. Aber die Autorin bekommt unerwartet Hilfe von zwei ganz besonderen Auftragskillern, einem Bestsellerautor, einem Verleger, einem Fisch und noch ein paar anderen Personen. Der Literaturagent muss weg, aber ein Mord wäre einfach zu langweilig. Mit einem amüsanten Plan versucht die bunt zusammengewürfelte Gruppe, den ungeliebten Hess ins Exil und in den Wahnsinn zu treiben.

Stil, Machart, Meinung

Ich muss sagen, die Story ist gut. Besonders, dass sie in der Literaturbranche spielt, finde ich natürlich interessant. Nur sie ist mir einfach viel zu lang! Wenn ein so dicker Wälzer so lange braucht, um die Handlung zu entwickeln, dann geht mir auf der Strecke die Luft aus. Ich war zwar irgendwie interessiert, wie es denn weitergeht – aber ich hatte nie wirklich Lust, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen. Nach diesem Gefühl, braucht man zur persönlichen Meinung  eigentlich nicht mehr viel zu sagen.

Trotzdem fühle ich mich, als müsste ich mich dafür rechtfertigen, dass Buch nicht grandios gefunden zu haben. Denn ich hatte große Erwartungen! Martha Grimes ist eine große Nummer im Literaturbusiness, vor langer Zeit habe ich den einen oder anderen Inspector Jury Roman sehr gern gelesen. Wenn diese Martha Grimes dann auch noch über das Literaturbusiness schreibt und einen Literaturagenten von zwei sehr netten Auftragskillern in den Wahnsinn treiben lässt, dann hat bei mir riesige Erwartungen ausgelöst.

Tja, die Story ist gut. Einige Charaktere, besonders die beiden Auftragskiller die eine Person nur töten, wenn sie sie wirklich nicht mögen, sind großartig. Aber dann sind da so viele Leute, sodass ich bei der Mitte des Buches einige Male noch nicht sicher war, wer da nun mit wem redet. Die Charaktere mit Potential kommen zu kurz, weniger Leute mit mehr Raum hätten der Sache gut getan. Es gibt ganz interessante Vorfälle, Szenen, Gespräche – aber das große Ganze dauert mir zu lange. Es ist ja auch ein großer Plan, bei dem viele Rädchen ineinandergreifen müssen, um am Ende den Literaturagenten in die Flucht zu schlagen.

So muss ich denn gestehen, dass ab zwei erwartungsvollen Dritteln dann meine Lust endgültig gegen Null strebte und ich den Rest eher im unentspannten Speedreading mit Mut zur Lücke gelesen habe, damit mir keiner nachsagen kann, dass ich ja ein Buch nicht schlecht bewerten kann, wenn ich es nicht bis zum erlösenden Ende gelesen habe. Wäre ich kein Buchblogger, hätte ich das Buch wahrscheinlich schon nach dem ersten Drittel abgebrochen.

Zielgruppe

Auch wenn ich das Buch nicht so prickelnd fand, wird es vielen Lesern sicherlich anders gehen. Ein Roman, welcher in der Literaturbranche spielt, dürfte natürlich für Leser, Autoren, Agenten usw.  sehr interessant sein. Falls jemand ein Geschenk für den eigenen, verhassten Literaturagenten sucht, dann muss er hier zuschlagen. Ich lese am liebsten Krimis und Thriller und gern auch den einen oder anderen guten Roman. Der Klappentext hatte mir wohl suggeriert, dass es genau das richtige für mich ist, und so hatte ich mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Wer skurile Personen und einen interessanten Plan mit sehr, sehr vielen Komponenten mag, dürfte trotzdem seine Freude haben. Man darf aber keine Action, Aufregung, Spannung etc. erwarten.

Was lernen wir daraus?

Auch die größten Namen der Literaturbranche versprechen nicht unbedingt immer ein grandioses Buch. Ich habe so viele Erstlingswerke von gänzlich unbekannten Autoren viel lieber gelesen als dieses hier. Das gibt doch Hoffnung..

Fazit

Dieses Buch war nicht meins, und mehr als 2 Sterne kann ich nicht geben. Ich mag trotzdem einige der Figuren sehr und sehe, wo die Autorin mit ihrem großen, Plan hinwollte. Den Einblick hinter die Kulissen der großen Verlage und Verleger fand ich interessant. Aber wenn ich ein Buch nicht lesen will, es lag auch schon lange halbgelesen bei mir rum, dann will ich es halt nicht lesen. Vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch, aber nur weil ein großer Name schreibt zwinge ich mich ja nun nicht, ein Buch zu mögen..

Hier gibts die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

Rezension: Die Analphabetin, die rechnen konnte -Jonas Jonasson

die-analphabetin-die-rechnen-konnteNombeko hat von Geburt an nicht gerade die größten Chancen auf ein gutes Leben. Im größten Slum Südafrikas ist sie schon seit ihrem 5. Lebensjahr als Latrinenträgerin beschäftigt, bald auch noch Waise. Aber ihr Leben nimmt dann doch noch einen ganz anderen Lauf, denn sie kann nicht nur hervorragend rechnen, sondern ist auch noch sehr schlau. Zunächst einmal möchte sie lesen lernen, und dann wird  auch noch von einem betrunkenen Ingeneur angefahren und schuldig gesprochen (weil sie ja schwarz ist) und muss jahrelang für ihn als Putzfrau arbeiten. Nombeko macht wie immer das Beste aus ihrer Situation und ist bald schon Expertin auf mehreren Gebieten und eine mehr oder weniger offizielle Schwedin mit dem Schicksal der gesamten Welt in ihren Händen.

Stil, Machart, Meinung

Von Anfang an machte dieses Buch mir einfach unglaublichen Spaß. Das liegt natürlich auch an der schon vorgestellten Nombeko, die ganz herrliche Ansichten hat und auch in interessante Situationen gerät. Aber vor allem liegt es daran, dass der Autor in die meisten seiner Sätze einfach eine riesige Portion Humor gelegt hat, die genau auf meiner Wellenlänge ist. Und nein, trotz der vor Humor strotzenden Sätze ist diese Geschichte nicht einfach Klamauk, sondern ganz im Gegenteil ein intelligentes Abenteuer. Denn der Inhalt ist vielfältig, es geht oft um bunt zusammengemischtes Weltgeschehen und macht sich über einiges lustig.

Neben dem Spaß gibt es natürlich auch einen weitläufigen Blick auf die Missstände dieser Welt. Dass beispielsweise ein schwarzes Mädchen daran schuld sein soll, dass ein betrunkener Weißer sie anfährt und dann bei ihm Putzdienste verrichten muss.. das ist wohl Südafrika zu Zeiten der Apartheid ..

Ich möchte nicht zu viel spoilern, aber erwähnen dass zwischen den Kapiteln um Nombeko Kapitel über einen komplett verrückten Schweden auftauchen, der den König abgrundtief hasst und dann überraschenderweise gleich zwei Söhne auf einen Schlag bekommt und sie Holger 1 und Holger 2 tauft. Wie sich die Wege von Nombeko und den Schweden kreuzen und wie das Schlamassel um Massenvernichtungswaffen seinen Lauf nimmt, müsst ihr nun selbst herausfinden.

Die Geschichte ist laut Cover ein Roman. Das stimmt auch, aber es ist irgendwie auch noch so viel mehr. Ein Abenteuer, lehrreich, unglaublich lustig und doch auch ernst, für mich auf jeden Fall einer der besten Romane, die ich jemals gelesen habe.

Genug des Lobes, sonst würde ich wohl zu viel verraten. Dieses Taschenbuch hat 463 Seiten, und im Vergleich zu anderen Taschenbüchern ist auf Grund kleinerer Schriftart und kleineren Rändern mehr Geschichte drin, als das es zunächst den Anschein hat. Bei anderer Formatierung könnte es wohl auch ein dicker Wälzer werden. Für Leute, die Sehprobleme haben, ist diese Ausgabe wohl daher nichts, für mich war es gut das vielfältige Geschehen so in komprimierter Form in der Hand und auch Handtasche zu haben. Es hat ziemlich lange gedauert, aber immer Spaß gemacht.

Zielgruppe

Die Zielgruppe hier dürfte sehr, sehr vielfältig sein. Während ich es jedem Geschlecht und einer breitgefächerten Altersgruppe uneingeschränkt empfehlen kann, muss bedacht werden das die Lektüre tatsächlich den richtigen Humor und etwas Allgemeinbildung voraussetzt. Wer mit den vielen politischen Gegebenheiten nun überhaupt nichts anfangen kann und auch nicht interessiert ist,  dem könnte die Geschichte teilweise sehr langweilig erscheinen. Auf Grund der kleinen Schrift würde ich, wie gesagt,  genau dieses Taschenbuch-Format auch nicht für Menschen mit eingeschränkter Sehkraft empfehlen. Ansonsten dürfte wirklich jeder begeistert sein.

Was lernen wir daraus?

Ich als eingefleischter Krimi- und Thrillerleser schiebe ja unheimlich gern auch mal einen Roman ein. Aber dieser Roman hier ist nicht irgendein Roman, sondern etwas ganz besonderes. Wie man so viel Humor in eine Geschichte mit so ernstem und abenteuerlichem Hintergrund einbauen kann, ist mir ein Rätsel. Ich weiß noch, wie meine sonst so schlagfertigen und lustigen Gedanken dann nach der Kreation einer lustigen Nebenperson in meinem Krimi plötzlich einfach weg waren, obwohl die Idee doch so gut war. Im wahren Leben lustig sein und es dann noch allgemein zu Papier zu bringen, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Aber dieses Buch hat mir einen Einblick gegeben, wie es genial umgesetzt werden kann.

Ich habe zusätzlich gelernt, dass einzelne Sätze in einem Buch voll mit Humor oder schlauen Erkenntnissen sein können, sodass einzelne Sätze unglaublich Spaß machen können. Wenn man dann noch ein ganzes (und umfangreiches) Buch voll mit solchen Sätzen schreiben kann, hat man es meiner Meinung nach einfach geschafft.

Ich zeige euch mal einen der nüchternen Sätze mit einer interessanten, zusammengefassten Beobachtung, welcher den unterschwelligen Humor gleich noch dazu zeigt:

 „In Südafrika trug es sich zu, dass ein Mann, der einst als Terrorist verurteilt worden war, nach siebenundzwanzig Jahren freikam, den Friedensnobelpreis erhielt und zum Präsidenten des Landes gewählt wurde. Auf Sjölida geschah zu ungefähr derselben Zeit umso weniger“ (S.309)

Ich hab mir den Satz beim Lesen markiert, weil er kann ganz gut zusammenfassen, was er Leser mitbringen sollte und wie er dann seinen Spaß an dem Roman haben wird..

Fazit

Ich vergebe, man ahnte es wohl schon, 5 Sterne und ernenne diesen Roman zu einem der besten Romane meines bisherigen Lebens. Eventuell wird nicht jeder seinen Spaß dran haben, aber in Sachen Humor passte es zu mir einfach perfekt. Dieses Buch verspürt einen ganz eigenen Charme, verzichtet auf tiefgründige Gefühle und die Bewertung von fragwürdigen Ereignissen und ist einfach wunderbar. Klar, die Geschichte ist umfangreich, etwas länger und holt auch oft ein wenig aus – aber die Ausschweifungen sind jedes Mal so interessant und lustig, dass ich auch daran Spaß hatte. Die Story ist außergewöhnlich, hoffentlich in einigen Punkten nicht ganz so realistisch und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Hier gibt’s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

Rezension: IQ von Joe Ide -ein Long Beach Thriller

joe-ide-iq-suhrkampI.Q. ist in den Hoods von L.A. die männliche Miss Marple. Seine herausragende Intelligenz und sein kriminalistischer Spürsinn sprechen sich schnell rum, und so wird er vom Top-Rapper The Black Knife beauftragt. Denn dieser sah sich in seiner Küche plötzlich mit einem Kampfhund in der Größendimension eines Pferdes konfrontiert. Gut, dass der tierische Auftragskiller keinen Erfolg hatte. Schlecht, dass er immer noch draußen rumläuft. Schnell wird klar, dass ein Mitglied aus dem engsten Kreis des Rappers es auf ihn abgesehen zu haben scheint. I.Q. und sein alter Kumpel Dodson, beide selbst nicht ohne kriminelle Energie, ermitteln. Und es wird gefährlich.

Stil, Machart, Meinung

Zunächst einmal muss ich sagen, dass dieser Thriller mal was ganz anderes ist. Wir haben „Ermittler“, die selbst auch keine heiligen sind. Und die Geschichte spielt in einem Milieu, in dem eher wenige Thriller spielen.  Erschreckenderweise konnte ich mich sehr gut in die Charaktere und die Umgebung einfinden, da ich aus meinem alten Job als Teammanagerin bei einem Basketballclub täglich mit zumindest einem Teil dieser Welt zu tun hatte. Das ist jedenfalls mal etwas anderes, welches in diesem Thriller toll in Szene gesetzt wird.

Thriller, steht auf dem Cover. Ein Thriller ist es auch, denn wir haben einen dramatischen Mordversuch, der Täter wird wieder zuschlagen, er muss gefunden werden, die Zeit rennt. Es gibt noch dazu einige Krimi-Elemente, denn der brillante I.Q. versucht herauszufinden, wer aus den eigenen Reihen des Rappers es denn nun auf ihn abgesehen hat. Und tatsächlich gibt’s nicht nur brutale Killer- Kampfhunde, sondern ganz im Gegenteil ist der Thriller zu einem Drittel auch einfach Roman. Denn es kommen viele Details aus dem Leben des Ermittlers und seines Sidekick – Gangsters ans Licht, die die Lebensumstände erklären und von Moral, Trauer und Freundschaft berichten.

Die Schreibweise ist fluffig und verfügt außerdem über eine große Portion Umgangssprache und Humor. Es gibt ganz hervorragende, lustige Sätze, die aber auch oft eine interessante Feststellung enthalten. Beispielsweise hält I.Q. Rap für „wortgewaltige Darstellungen eines Lebens, das er nie angestrebt hatte“. Dafür hat er laut Kumpel Dodson allerdings auch Defizite im Sozialen Bereich:

„Kundenkontakte auf dieser Ebene sind nicht dasselbe wie beim Aufspüren von vermissten Hunden. Hier braucht man diplomatisches Geschick, Raffinesse und kaufmännisches Talent. Fähigkeiten, die dir griesgrämigem Penner traurigerweise völlig abgehen.“

Diesen Satz habe ich gerade mal raus gepickt, weil der Humor und die Umgangssprache in dem doch auch irgendwie  anspruchsvollen Dialog gut rauskommen und das irgendwie bezeichnend für das Buch ist.

Das Buch ist packend, nicht so unbedingt weil man den Rapper jetzt unbedingt vor dem Killer geschützt und lebendig wissen will, sondern vor allem weil man möchte, das dieser interessante I.Q. diesen Fall aufklärt und alles ins Lot kommt. Für mich war es nicht wie sonst bei Thrillern die Mörderjagd mit der tickenden Uhr, sondern vor allem auch die Person I.Q. mit seinem Talent, seiner Moral und seinem Schicksal. Der Autor nimmt sich Zeit für die Geschichte seiner Hauptperson, und das ist auch gut so.

Zielgruppe

Wie schon gesagt, ist das Milieu in diesem Thriller recht speziell. Schwarze Gangster in L.A, Rapverse im Buch, OG´s, Gangs, Drogendeals, Kleinkriminelle, Großkriminelle, Krieg auf den Straßen .. das alles dürfte für viele Leser absolutes Neuland sein. Eine –etwas erschreckende – Erkenntnis für mich war, dass ich mich in dieser Szene überraschenderweise recht gut auskenne. Ich bin keinesfalls irgendwie in dieses Milieu verstrickt, habe aber aus dem täglichen Kontakt mit den amerikanischen Basketballern (von denen manche dann doch tatsächlich einen derartigen Hintergrund hatten..) aber auch meiner eigenen Vorliebe für Rap und Hip Hop recht gut geschult. Da mein Englisch in der Richtung auch dementsprechend geschult ist, konnte ich mit den Rapversen etwas anfangen und fand sie sehr passend und als Stilmittel gut geeignet.

Man muss nun also kein Gangster sein, um dieses Buch zu lesen. Man muss sich nicht mal mit Rap, OG´s und dem Drogenhandel auskennen, aber Vorwissen tut der Leseerfahrung auch keinen Abbruch. Es ist in meinen Augen einfach eine sehr tolle Darstellung des Lebens in einer solchen Umgebung, die ich mir auch so vorstellen kann und (ohne dort gelebt zu haben) auch als realistisch erachte. Der Autor vermischt Schwarz und Weiß (jetzt nicht im Sinne der Hautfarbe sondern im Sinne von Gut und Böse!) zu einer packenden und interessanten Graustufe.

Wer sich in dem Lifestyle ein bisschen auskennt, wird besondere Freude an diesem Buch haben. Wer sich hier überhaupt nicht auskennt, wird eine ganz neue und interessante Perspektive erleben, die sicherlich länger in Erinnerung bleiben wird. Deshalb ist diese Geschichte also eigentlich etwas für viele Leser, obwohl dieses spezielle Milieu es nicht vermuten lässt. Einfach mal ausprobieren und sich auf das Lese-Neuland einlassen!

Fazit

Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Für 5 Sterne hätte der Thriller für mich mehr Thrill und ein größeres Rätsel um den Täter haben können, obwohl das jetzt sehr subjektiv ist und wirklich mehrere dramatische Situationen und eine dauerhaft lauernde Gefahr zu lesen sind. Ich mag es, dass der Thriller gleichzeitig auch Krimi ist und noch dazu eine ganz packende Geschichte über einen jungen Mann erzählt, der einiges Durchmachen musste. Die Mischung macht’s! Ich habe das Buch sehr gern gelesen und fand den Schreibstil und auch die Sache mit den Raptexten sehr erfrischend.  Hauptperson I.Q. ist ein sehr facettenreicher und interessanter Ermittler mit eigenem kriminellen Hintergrund, von dem ich sehr gern mehr lesen würde. Jetzt, nachdem ich ihn und seine Geschichte kennengelernt habe, würde ich dann allerdings noch mehr Miss-Marple- Fall mit Thriller haben wollen. Ich werde mir den Namen Joe Ide auf jeden Fall merken und hoffe, es gibt einen zweiten Band.

Mit Klick aufs Cover gelangt ihr zu Amazon, dort gibt´s die Details zum Buch:

Rezension: “ Die Wahrheit “ von Melanie Raabe

melanie-raabe-die-wahrheitNachdem Sarahs Ehemann Philipp vor 7 Jahren nach einer Geschäftsreise nicht mehr zurückkehrte, findet die Alleinerziehende gerade wieder etwas ins Leben zurück. Sie fragt sich natürlich immer noch, was mit ihrem Mann passierte und kann die Ungewissheit kaum aushalten. Und dann kommt plötzlich ein Anruf, der alles verändert: Philipp lebt und wird nach jahrelanger Geiselhaft wieder zur Familie zurückkehren. Tja, und dann ist er da. Die Freude ist bei allen groß -nur bei Sarah nicht. Denn dieser Mann ist nicht ihr Ehemann! Was hat er vor? Will er an ihr beträchtliches Vermögen? Warum glaub ihr keiner? Ist sie vielleicht verrückt?

Stil, Machart, Meinung

Tja, zunächst muss ich mal sagen: Wer von Melanie Raabe schon „Die Falle“ gelesen hat und begeistert war, der wird auch an diesem psychologisch raffinierten Verwirrspiel seine helle Freude haben. Denn sie bleibt ihrer Linie größtenteils treu. Ich fand schon beim vorherigen Buch die Schreibweise recht ausschmückend. Daran störte ich mich streckenweise mal kurz, aber die Handlung hatte mich gleich so gepackt, dass ich drüber hinweglesen konnte. In diese Geschichte hier kam ich allerdings nur sehr schlecht rein, gerade wegen dieser ausschmückenden Schreibweise. Ich hatte nach wenigen Minuten  Lust auf Fernsehen, beim nächsten Versuch war ich auf einmal hoch motiviert in Sachen Wohnungsputz – auch Candy Crush war attraktiver. Die ersten Seiten streckten sich für mich so furchtbar zäh in die Länge, dass ich wirklich lange für dieses Buch gebraucht habe. Nach dem ersten Drittel kam ich langsam rein. Sowas passiert mir normalerweise sehr selten. Neben dem ausschweifenden Schreibstil hat sicherlich auch mein Vorwissen mit diesem zähen Anfang zu tun. Ich weiß ja schon vom Klappentext, dass der Mann wieder nach Hause kommen wird und nicht ihr Mann ist, daher werde ich nicht sofort mit einem spannenden Aufhänger konfrontiert. Ja, das muss bei einer Geschichte ja auch nicht unbedingt sein, werden jetzt viele Sagen. Da stimme ich für Geschichten zu, aber nicht für Geschichten mit dem Label „Thriller“ auf dem Cover. Nachdem ich mich nun tagelang in kurzen Intervallen lustlos durch den Anfang gequält hatte, war die Handlung dann  doch sehr interessant. Diese spezielle Situation, dass der tote Ehemann nach 7 Jahren zurückkehrt und nicht der Ehemann ist, ist ja schon sehr bizarr. Wie beweist man dann den Menschen, dass das nicht der Ehemann ist, wenn er ihm wirklich ähnlich ist? Und überhaupt, warum zieht der Kerl das durch? Wie wehrt man sich? Und diese raffinierte Handlung, die mit wenig Orten und Personen auskommt, kombiniert mit Kleinigkeiten, die den Leser in die Irre führen können, macht die Geschichte aus. Trotzdem entspricht das nicht so genau meinen Erwartungen an einen packenden Thriller, vielleicht ist es eher ein Psychothriller oder Roman? Ansonsten bleibt zu erwähnen, dass die Hauptpersonen und auch Nebenpersonen sehr gut angelegt sind. Der Leser erfährt die Handlung größtenteils aus der Perspektive von Sarah, aber auch „Der Fremde“ bekommt seine kleinen Abschnitte mit Gedanken.

Was lernen wir daraus?

Jeder Autor hat natürlich schon einen bestimmten Stil. Wenn ich als Leser einen Autor gefunden habe, der da genau zu mir passt, dann lese ich wahrscheinlich auch noch mehr von ihm. Während es mir eher schnörkellos zusagt, finden viele Leser sicherlich Gefallen an der Erzählweise der Autorin. Zumal da ja auch interessante Gedankengänge dabei sind. Wenn man interessante Nebengedanken in eine Handlung einspinnen kann, dann ist das durchaus gut. Aber ich brauche keine langen Beschreibungen der Natur. Wenn ich beispielsweise „herbstlicher Garten“ lese, dann kann ich mir solch einen Garten gut vorstellen. Wenn ich nun eine Seite lang erfahre, von welchem Buch die Blätter schon ab sind und bei welchem noch ein paar Blätter dranhängen – dann habe ich das Buch wahrscheinlich schon zugeklappt(das ist kein Beispiel aus dem Buch, mir fällt da leider kein konkretes Beispiel mehr ein, weil ich an den Stellen eher so fahrig drübergelesen habe). Man sollte sich also schon überlegen, wie man seine Geschichte aufzieht und ob der Stil auch zum Genre passt. In diesem Buch liegt das sicherlich auch an mir, dass mir der Anfang nicht gefällt. Trotzdem muss ein Autor einen Mittelweg finden oder seinen Weg so unglaublich gut gehen, dass Leser begeistert sind. Das zweite Buch von Melanie Raabe ist sicherlich ein gutes Beispiel dafür, wie man nach seinem großen Durchbruch den Leser nicht enttäuscht. Sie ist der Linie ihres ersten Buches, und das war ja nun ein wirklich großer Erfolg, wirklich treu geblieben. Der Schreibstil wirkt mir hier zwar etwas gezwungener mit den detaillierten Beschreibungen, aber der Plot, die aufgeworfenen Fragen und die kleinen Psychotricks erinnern sehr ans erste Buch – dabei bleibt es spannend und ist eine ganz eigene, nicht abgekupferte Geschichte.

Fazit

Ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Der Einstieg gestaltete sich schwierig, dann wurde es immer besser und die Auflösung fand ich sehr gut (ich verrate nix weiter..). Wer einen blutigen, atemberaubenden und rasanten Thriller erwartet, der ist hier wohl nicht so ganz richtig. Sagen wir es ist ein Psychothriller ohne blutige Szenen, dann passt es meiner Meinung nach etwas besser. Ich vergebe 3 Sterne, die Wertung ist dann so der Durchschnitt aus dem meiner Meinung nach zähen Anfang und dem guten Ende.

Hier geht’s zu meiner Rezension von „Die Falle“ von Melanie Raabe

Hier gibt’s Details zu Buch und Autorin auf der Verlagsseite

Rezension: Jules von Didier van Cauwelaert

julesIn diesem Roman geht es um Jules. Jules ist ein ganz besonderer Hund, denn er kümmert sich aufopferungsvoll um sein blindes Frauchen. Die Geschichte spielt in Frankreich. Als Hund und Frauchen am Flughafen die Bekanntschaft eines netten, genialen Verkäufers am Macarons-Stand machen, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Denn als das Frauchen plötzlich wieder sehen kann, ist Jules arbeitslos und wird depressiv. Als letzter Ausweg bleibt dann der nette Macaronsverkäufer, der überhaupt nicht begreift wie ihm geschieht, nach der Begegnung mit dem Frauchen allerdings nachhaltig angetan von ihr ist und sich so auf eine unglaublich lustige und interessante Reise mit dem Hund begibt.

Stil, Machart, Meinung
So heitere Liebesromane sind ja eigentlich nicht mein liebstes Genre. Ab und zu, wenn eine Story besonders außergewöhnlich, toll und vielversprechend klingt, dann lese ich jedoch sehr gern auch einmal so etwas „Seichtes“. Diese Story hier fand ich gleich super, denn ein arbeitsloser Blindenhund der depressiv wird und dann ganz clever in den Problemlösungs-Modus schaltet, das ist doch mal was! Eine gute Story gewinnt also schon einmal Leser, jetzt muss die Umsetzung auch passen..
..und die Umsetzung ist gelungen. Dieser Roman ist gleichzeitig schön, unterhaltsam, lustig und manchmal auch traurig. Die Handlung geht schnell voran, beschreibt oft ungewöhnliche und lustige Dinge und hält sich nie unnötig mit Geschwafel oder Beschreibungen auf. Man rast durch die Handlung, ist schnell durch und bleibt nach dem Lesen immer mit einem wohligen Gefühl zurück. Es gibt mehrere interessante Verbindungen von Menschen und viele Wendungen bzw. Entscheidungen überraschen. Die Botschaft der Geschichte ist brauchbar und positiv, es geht so in die Richtung „nicht aufgeben, anstrengen, und dann wird’s gut“ (da möchte ich jetzt nicht zu viel verraten, und keine Angst, auch das Ende überrascht).
Diese nette und lustige Geschichte informiert nebenbei sogar noch. Ich hatte vorher wenig Ahnung von Blindenhunden, ihrer Ausbildung und die daraus resultierenden Fähigkeiten. Auch die Forschungsgebiete des genialen aber abgebrannten Macarons- Verkäufers sind ganz interessant und waren Neuland für mich.
Ein Manko für mich sind tatsächlich manche Entscheidungen bzw. Entwicklungen, die irgendwie zu schnell gehen und im wahren Leben wohl eher nicht mal eben so spontan getroffen werden. Da war ich allerdings nachsichtig, denn davon lebt diese Geschichte, und die ist gut.Die zwei Hauptfiguren und ihre Probleme bzw. Lebensinhalte sind allerdings vergleichsweise vielfältig und man sollte vielleicht ein paar eigene Gedanken in die Geschichte investieren, damit manche Handlungen auch verständlich sind. Ein bisschen Empathie ist erforderlich, denn ich kann mir vorstellen, dass einige eine Hauptperson eventuell unsympathisch finden könnten oder Probleme mit einigen Verhaltensweisen haben. Ich finde das aber eigentlich ganz gut, denn ewig stereotype Charaktere ohne Ecken und Kanten sind ja auch langweilig..

Was lernen wir daraus?
Wenn man eine gute und außergewöhnliche Story hat, dann spricht man Leser an. Das ist nicht gerade die neueste Erkenntnis, aber ich möchte es mal erwähnt haben. Mich als Krimi- und Thrillerleser hat genau diese Story dazu getrieben, mal wieder einen Roman in die Hand zu nehmen, und die Entscheidung war goldrichtig. Wichtig ist dann natürlich auch die Umsetzung, und man sollte mit der Geschichte dann die geweckten Erwartungen auch erfüllen. Wenn das Buch mit Cover und Klappentext Humor verspricht und eine gähnend langweilige Geschichte ganz staubtrocken rübergebracht wird, dann hat man das Buch erst mal verkauft, aber für das zweite Buch keinen Leser gefunden oder viele schlechte Bewertungen im Netz der Netze.. Diese Erkenntnis ist natürlich auch nicht neu, genreunabhängig und doch so wichtig, dass man es nicht oft genug erwähnen kann.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der im realen Leben so natürlich aufkommende Humor beim Schreiben eines Buches oft unter großer Mühe aufkommen kann. Ich habe in meinem Krimi (und ja, da bin ich immer noch beim Selbstlektorat..) eine lustige Randfigur eingebaut und hatte viele tolle Ideen, an der Umsetzung haperte es aber gewaltig. Wenn man bemüht am PC sitzt und an der Geschichte schreibt, dann gibt’s diese unabsichtliche, zwanglose Komik nämlich nicht mal eben so am Fließband, finde ich. In diesem Buch klappt es ganz hervorragend, denn die Verständigung zwischen Hund und Mann auf ihrem Abenteuer hat so einige Tücken und oft grinst man beim Lesen so vor sich hin..

Zielgruppe
Wie es bei Liebesromanen so ist, sind es zunächst einmal Frauen. Es ist eine recht universelle Geschichte, die eigentlich überall gut ankommen sollte und auch mehrere Leserschichten ansprechen dürfte. Im Besonderen eignet sich dieses Buch aber natürlich, man ahnt es schon, für Hundebesitzer. Falls in naher Zukunft also eine Hundebesitzerin beschenkt werden sollte, ist diese Geschichte ein ganz heißer Geheimtipp.

Fazit
Locker, fluffig, rührend und mit keinen unnötigen Beschreibungen bietet dieses Buch ein schnelles und heiteres Abenteuer von einem Mann und einem Hund, die eine ehemals blinde Frau suchen die sie beide begehren.. Es gibt einige Überraschungen und das Lesen lohnt sich. Diese Geschichte bleibt einem auch nach dem Lesen irgendwie im Kopf und bringt einem auch einige neue Themen nahe. Ich habe oft geschmunzelt und hatte das Buch fix durch.Ich gebe „Jules“ 4 Sterne und empfehle diesen Roman gern weiter.
Hier gibt’s die Details zu Buch und Autor auf der Verlangsseite.

Rezension: Die Schattenbucht von Eric Berg (2016)

Schattenbucht Eric BergEine Frau springt ohne ersichtlichen Grund vom Balkon ihres Hauses. Der Selbstmordversuch misslingt und so kommt Psychologin Ina Bartholdy ins Spiel. Sie ist die behandelnde Ärztin der Bäckereiinhaberin und kann sich das Verhalten ihrer Patientin nicht erklären. Als sie die entlassene Frau zu Hause besucht, kommt ihr das Verhalten des Ehemannes stutzig. Sie beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Diese werden durch ihre Tochter erschwert, die sich nach Jahren beim Exmann auf einmal bei der Mutter einquartiert und die Schule abbrechen will.
Ziemlich schnell wird klar, dass dramatische Vorfälle 14 Monate vor dem Selbstmordversuch nicht nur die Bäckerin sondern auch viele andere Leute in eine sehr heikle Situation gebracht haben. Denn es hatte sich eine Gruppe Menschen zusammengeschlossen, um etwas Kriminelles durchzuziehen..

Stil, Machart, Meinung
Wie man schon an meiner Inhaltsangabe erkennen kann, haben wir hier zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart ab dem Selbstmordversuch der Bäckersfrau, ab der dem Leser aus Sicht von Psychologin Ina Bartholdy die Ereignisse geschildert werden. Dann gibt es abwechselnd die Zeitebene „vor 14 Monaten“, die dem Leser nicht nur einen Wissensvorsprung gibt sondern auch viele Dinge schon erklärt.
Trotz der zwei Ebenen und dem Wissensvorsprung fragt man sich dann trotzdem immer noch so einiges, denn viele Fragen bleiben bis zum Schluss unbeantwortet. Die Mischung finde ich gelungen, es wird nicht neugierig und man gewinnt immer wieder neue Erkenntnisse und Zusammenhänge werden klar. Geschickte Cliffhanger am Ende und ein immer unheilvolleres Geschehen sorgen dafür, dass man das Buch schnell – und ohne Langeweile- gelesen hat.
Die Fragen, die sich aus dem Teaser auf der Buchrückseite ergeben, werden übrigens recht schnell geklärt. Deshalb kann ich hier mit weiterem Inhalt nicht spoilern, es würde einfach zu viel verraten..
Die Erzählweise ist erfrischend fluffig und locker, einige Gedankengänge und Dialoge sind humorvoll und die Mischung finde ich insgesamt sehr gelungen. Es gibt auch sehr schöne Sätze die ganz allgemeine Beobachtungen sehr schön umschreiben und das Potential zu erfolgreichen Zitaten haben, die im Zeitalter des Internets ja auf vielen Plattformen gern geteilt werden. Beispielsweise mein Favorit:

„Für den Bäcker war Literatur etwas Ähnliches wie ein Opossum: zwar wusste er, dass es existierte, aber er hatte weder je eines zu Gesicht bekommen noch die geringste Ahnung, wozu es überhaupt gut war“(S. 42)

Eine weitere Besonderheit ist, dass in diesem Buch irgendwie so ganz herrlich normale Charaktere in der genau richtigen Intensität gezeichnet wurden. Kein grandioser Gegenspieler gegen einen hochintelligenten oder höchstmerkwürdigen Kommissar, sondern einfach eine Geschichte mit vielen Menschen die blöde Fehler begehen, Probleme haben und überhaupt die Erkenntnis: Man sollte kriminelle Ideen wohl eher nicht in einer größeren Gruppe umsetzen, denn da kann an jeder Ecke etwas schiefgehen. Der Autor wirft hier auch einige moralische Fragen auf, ich habe an mehreren Stellen gedacht: „Was hätte ich da jetzt gemacht?“.

Fazit
Nachdem mir kein neuer Punkt zum Thema „was lernen wir daraus?“ einfällt und ich mich auch nicht wiederholen möchte, geht’s gleich zum Fazit. Ich vergebe gute 4 von 5 Sternen und werde mit Sicherheit ein weiteres Buch von Eric Berg lesen, der mich besonders mit der Schreibweise und dem Plot überzeugt hat. Die Schattenbucht ist das dritte Buch von Eric Berg, es scheint sich nicht um eine Reihe zu handeln und kann ohne Vorkenntnisse als ganze Geschichte gelesen werden. Ich empfehle es vor allem Fans von Kriminalromanen und Psychothrillern, kann es auf Grund der moralischen Fragestellungen und der vielen liebevoll gestalteten Charaktere aber auch einem Großteil von Romanlesern empfehlen, wenn das Thema denn Interesse weckt.

Details zum Buch gibt es hier!