Rezension: Die Strömung von Cilla & Rolf Börjlind

strömungIn diesem recht dicken Kriminalroman, der einem besser nicht auf den Fuß fallen sollte, geht es um ein brisantes und derzeit mal wieder hochaktuelles Thema: Rassismus.
Wir haben eine Ermittlerin, die entgegen ihrer Qualifikationen in einem kleinen Kaff in Schweden als „normale“ Polizistin anfängt. Schnell gerät sie in einen großen Fall, denn beim freudigen Spiel im Sandkasten wird der kleinen Emelie das Genick gebrochen. Dieser Mord soll nicht der einzige Mord an einem Kind bleiben, der zweite folgt. Bald kommt der Gedanke auf, dass Fremdenhass ein Motiv sein könnte. Denn beide Kinder hatten einen Migrationshintergrund. Viele Spuren deuten auf eine rechtsradikale Gruppierung, aber ein DNA-Abgleich bringt bald eine merkwürdige Übereinstimmung hervor, der die Ermittlung tief in die Vergangenheit und zu einer Hippie- Kommune auf eine abgelegene Insel führt..

Stil, Machart, Meinung
Ich muss schon sagen, der Anfang beginnt gleich sehr geheimnisvoll mit einem mysteriösen Treffen einer Vereinigung, dann einer kurzen Szene mit der Ermittlerin Olivia und dann direkt einer Szene mit dem Mord an der kleinen Emelie im Sandkasten. Der Leser kann nicht anders, er ist gefesselt – und möchte natürlich den Zusammenhang zwischen den Morden und der Gruppierung verstehen. Das finde ich sehr gelungen, denn so hat der Leser etwas im Hinterkopf, was den Ermittlern im Buch da noch überhaupt nicht klar ist. Man möchte wissen, wie es weitergeht und man denkt selbst mit.

Der Schreibstil ist zwar irgendwie ausführlich, die Geschichte liest sich trotzdem gut. Trotzdem habe ich irgendwie stellenweise nicht recht den Ansporn zum weiterlesen gehabt, da diese Geschichte das Wort Roman in der Genrebezeichnung Kriminalroman sehr ernst nimmt und den einzelnen Figuren und vielen Nebensträngen Raum gibt. Ich finde das schon gut gemacht, hatte aber irgendwie eine Menge Überstunden abzuleisten und war dann eine Weile in den Abendstunden eher weniger geneigt, den Wälzer in die Hand zu nehmen..
Eine Spezialität, die mir in vielen Szenen aufgefallen ist, ist diese hier: Szenen/ Dialoge sind oft nicht nur aus einer Perspektive geschrieben. Damit meine ich, das beispielsweise in einer Szene mit 2 Personen erst die eine Person sich irgendetwas denkt, und dann danach auch die Gedanken der anderen erwähnt werden. Das fand ich irgendwie merkwürdig. Das Buch war jetzt nicht damit überladen, aber ich finde es irgendwie unpassend. Das ist sicherlich Geschmackssache, aber mir fiel es auf.
Eine weitere Auffälligkeit: Es gibt ganz schön viele Ermittler! Wir haben die Polizei in dem kleinen Kaff Schonen, da ist besonders die Ermittlerin Olivia, der neue Chef und ein merkwürdiger Kollege interessant. Dann übernimmt Stockholm allerdings den Fall, und da gibt es dort Staatsanwältin Mette und noch zwei Ermittler, die oft erwähnt werden. Mette und Olivia kennen sich, und der gemeinsame Bekannte und ehemalige Kommissar Tom wird auch noch an dem Fall mitarbeiten, bei dem ihm später wiederum ein anderer alter Bekannter hilft. Als Krimileser, der im Vergleich zum Durchschnitt wohl eher weniger nordische Krimis konsumiert, hatte ich mit den Namen und Personen sehr lange meine Probleme.
Thema: Rassismus
Das Thema Rassismus kommt in dem Kriminalroman oft und auf ganz verschiedene Arten zur Geltung. Gelungen fand ich, zunächst nicht zu erwähnen welche Hautfarbe die Opfer haben. Die kleine Emelie wird ermordet, ein süßes Mädchen in einem Sandkasten. Erst später kommt einem Ermittler der Gedanke: Ist es, weil sie schwarz war? Das finde ich sehr gut, weil es einfach genau so sein sollte in der Wahrnehmung der Menschen. Ich persönlich sehe wegen der Abstammung keinen Unterschied in einem Menschen (oder diesem Fall Mordopfer), und ich finde diese Selbstverständlichkeit ganz gut gemacht. Am Anfang gibt es dann wieder ein paar Anspielungen anderer Art zu viel, es gibt rassistische Kollegen, es wird immer mal erwähnt das der Fremdenhass zunimmt, dann sitzt da eine ausländische Frau rum.. da wurde es mir teilweise etwas viel mit den Anspielungen. Wichtig ist jedoch, dass bei so einem brisanten Thema die Botschaft von Autor an Leser die richtige ist. Und die ist genau richtig! Besonders die Gedanken von Ermittlerin Olivia sind in der Richtung manchmal sehr gut und es werden genau die richtigen und aktuellen Fragen aufgeworfen. Die Ermittler machen bei den Opfern keinen Unterschied und verurteilen die Rassisten zutiefst. Diese Leute werden auch sehr gut dargestellt (also eher nicht gut, aber mit dem leichten Versuch einer Erklärung für das bekloppte Verhalten).
Es gibt auch aktuellen Bezug, zum Beispiel wird mehrmals Anders Behring Breivik (das ist der verrückte Massenmörder, der auf der Insel in Norwegen die vielen Jugendlichen getötet hat) und seine Gesinnung sowie sein Manifest erwähnt. Und am Ende der Lektüre bleibt einem irgendwie der gruselige Gedanke, dass die schlimmen Leute aus diesem Buch sicherlich real existieren und ihr beängstigendes Gedankengut ausleben. Besonders in Bezug auf viele aktuelle Ereignisse, auch in Deutschland, stimmt das besorgt und nachdenklich. Umso besser finde ich es, dass dieses Buch das Thema so aufgreift und vielleicht bei Leuten, die im Anfangsstadium des Fremdenhasses stecken, noch etwas Gutes bewirken kann.
Die Reihe
Wie mir am Anfang leider nicht klar war, ist dieses Buch Teil 3 einer Reihe. Hauptermittler sind anscheinend die Ermittlerin Olivia, die Staatsanwältin Mette und der ehemalige Kommissar Tom. Dazu gehören mehrere Freunde und Verwandte und kleine, nette Geschichten. Ich habe mich von Anfang an gefragt, ob diese Geschichte nicht schon eine Menge Vorgeschichte hat, die ich verpasst habe. Es wird nebenbei immer viel Vergangenheit erwähnt. Auf dem Umschlag des Buches und auch in der Inhaltsangabe vorne im Buch wird davon leider kein einziges Wort erwähnt, und das finde ich sehr schade. Dann am Ende, als ich mit dem Lesen fertig war, präsentierte man mir hinten im Buch die Cover zu Teil 1 und Teil 2.
Ich empfehle allen, die gern dieses Buch lesen möchten, unbedingt bei Teil 1 anzufangen. Ich glaube diese Ermittler und deren Umfang haben eine Menge zu bieten, ich habe bei diesem Teil nur leider oft das Gefühl gehabt, etwas verpasst zu haben. Bei vielen Buchreihen bin ich schon quereingestiegen, und bei den meisten stand dann in der Rezension soetwas wie „macht überhaupt nichts, hier einzusteigen. Anfang wäre sicherlich besser gewesen, aber man kommt problemlos überall mit“. Bei diesem Buch hatte ich allerdings wirklich das Gefühl, etwas verpasst zu haben, hier kam man nicht immer so gut mit wie bei anderen Büchern. Ich würde mich auch nicht beschweren, wenn ich die Information „Teil 3“auf dem Buch gefunden hätte.
Ich bin dennoch froh, nicht erst mit der Reihe angefangen zu haben, denn ich fand den aktuellen Bezug in Sachen Rassismus zu dieser Zeit recht passend. Wer es also vor Allem auf das Thema Fremdenhass abgesehen hat, kann das Buch ruhig so lesen. Wer allgemein gern Krimis liest und es nicht eilig hat, der sollte unbedingt bei Teil 1 anfangen, ich denke bei den vielen Ermittlern gibt es eine Menge Erlebnisse, die mir einfach fehlen.
Was lernen wir daraus?
Ganz kurz und knackig: Immer irgendwo verlauten lassen, wenn ein Buch nicht Teil 1 einer Reihe ist! Oder aber die Geschichte so genial schreiben, dass weder neue noch alte Leser sich darüber beschweren können, das sie etwas verpasst haben.
Ein weiterer Punkt: Ich bin kein Fan von Dialogen, in der manchmal die Gedanken von zwei Personen zu lesen sind. Wenn man es so aufziehen möchte, dann könnte man das natürlich gewollt komplett so durchziehen, um die gegensätzlichen Gedanken von Gesprächspartnern oder Missverständnisse hervorzuheben, aber so war es hier nicht gemacht. Ich finde eine Perspektive irgendwie besser, man ist dann besser drin und alles ist irgendwie glaubhafter.
Fazit:
Ein Kriminalroman, der ganz schön lang ist aber trotzdem einen sehr interessanten Plot und ein leider aktuelles Problem gut verknüpft und darstellt. Der Leser muss mitdenken und hat trotzdem eine Menge kleiner und großer Geschichten in einem Krimi. Es wird definitiv spannend, am Ende ist es auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Trotzdem ist der Thriller-Liebhaber, der gern aufgeregt jede Seite umblättert und auch mal Action und Brutalität schätzt, bei diesem Werk eher fehl am Platz. Es ist ein Kriminalroman und Krimi – oder Romanfans werden hier ihre Freude haben. Man sollte Zeit mitbringen und bereit sein, den Personen und der Story Raum zu geben. Wie gesagt, empfehle ich unbedingt bei 1 anzufangen. Einen besonderen Bonuspunkt gibt’s für den aktuellen Bezug und die gute Message, daher komme ich auf 4 Sterne und empfehle dieses Buch den richtigen Lesern unbedingt. Es ist jedoch sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Deshalb hoffe ich, dass meine Rezension dem potentiellen Leser da die richtigen Informationen gibt. Ich habe ja gar nicht so viele Kritikpunkte, vergebe aber trotzdem „nur“ 3 von 5 Sternen. Besonders die vielen Ermittler und die fehlenden Informationen aus den beiden Büchern davor haben mich teilweise verwirrt, nur mich war es trotz gutem Schreibstil und gutem Plot dann doch etwas lang. Für alle, die die beiden Bücher davor gelesen und für gut befunden haben, natürlich eine absolute Leseempfehlung; für Interessierte zum Thema Rassismus und Fremdenhass auch.

Rezension: Post Mortem von Mark Roderick

PostMortemBevor die gesamte Familie eines Reporters verschwindet, kann er noch zwei Nachrichten hinterlassen. Eine geht an seinen Bruder Avran, die andere geht an Emilia Ness. Der Bruder bekommt die Nachricht, den Tod der Familie zu rächen. Denn Avram ist ein Profi-Killer. Emilia Ness ist Agentin bei Interpol und soll den Fall aufklären. Während verschiedene Spuren auf dem Hof des Reporters ein grausames Bild rund um das Verschwinden der Familie zeichnen, bleibt nicht nur die Frage nach den Bösewichten sondern auch die Hoffnung, dass die Familie vielleicht doch noch lebt. Der Profi-Killer und die Interpol-Agentin ermitteln nun beide mit ihren ganz eigenen Talenten und Kontakten. Sie haben ein sehr ähnliches Ziel und total verschiedene Herangehensweisen. Was wird passieren, wenn ihre Wege sich kreuzen? Und wer gelangt schneller ans Ziel?

Stil, Machart, Meinung
Ich muss schon sagen, ich finde die Idee mit den zwei ganz unterschiedlichen Ermittlungsperspektiven ganz hervorragend. Ein Killer und eine Polizistin, Gut und Böse, ermitteln beide in der gleichen Angelegenheit und mit unterschiedlichsten Methoden. Diese Idee mag ich sehr. Von Anfang an hat mich die Perspektive des Killers gefesselt, der Charakter des Killers war sehr interessant und obwohl er ewig keinen Kontakt zu seinem Bruder und dessen Familie hatte, ist es für ihn sehr persönlich und er ist sehr betroffen. Auch seine Methoden sind natürlich sehr interessant. Die Perspektive der Agentin allerdings hat mich sehr schnell sehr genervt. Mit einem mittlerweile für Ermittler schon standardisierten Privatleben (nicht genug Zeit für die Tochter wegen dem Job) wurde die Ermittlerin nicht so dargestellt, das ich irgendwie mit ihr hätte warm werden können. Schon in der ersten Szene interessiert sie sich brennend für den Partner, der ihr für diesen Fall zugeteilt wurde. Dabei legt sie für mich eher ein kindisches Verhalten an den Tag und macht sich sofort größte Hoffnungen und heiße Gedanken – dieses Verhalten scheint mir eher der zickigen Teenie-Tochter angemessen. Im Laufe des Falles kann sie dann zwar tatsächlich auch noch ein paar Dinge zur Lösung beitragen, vieles fällt ihr aber auch zufällig oder durch Kollegen in den Schoß. Dann trifft sie sich auch noch ohne große Bedenken oder Sicherheitsvorkehrungen mit einem angeblichen Informanten an einem abgeschiedenen Ort.. da hatte mich diese Perspektive dann irgendwie auch vollends verloren.
Das Zwischenfazit zu den Perspektiven ist demnach, dass die Idee mit den abwechselnden Ermittlungsperspektiven der gegensätzlichen Ermittler großartig ist. Die Perspektive des Killers ist äußerst interessant und meiner Meinung nach auch sehr gelungen, die andere Perspektive könnte dann für meinen Geschmack auch komplett wegfallen, weil sie mir schlicht und einfach nicht gefällt. Trotzdem ist es oft ganz interessant, mit welchen Methoden die beiden Ermittler aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus ans gleiche Ziel gelangen.
Der Schreibstil ist für mich gut. Nicht herausragend oder besonders und auch nicht schlecht. Ich muss allerdings sagen, dass ich von Anfang an trotz der spannenden Handlung nicht sonderlich gefesselt war. Ich musste mich über die Hälfte des Buches dazu zwingen, weiterzulesen. Manchmal war es dann natürlich ganz spannend, aber so richtig fesselnd war das Buch für mich nicht. Warum, das kann ich beim besten Willen nicht sagen, denn die Handlung ist wirklich spannend. Es stehen viele Fragen im Raum, es kommen auch immer mehr Antworten und die Handlung wird nicht langweilig.
Eine Antwort auf die Frage, warum mich dieses Buch nicht vollends gepackt hat, habe ich schon parat: Das Milieu, in das die Ermittlung bald geht, ist nicht ganz so meins. Hier möchte ich nicht vorgreifen. Eine weitere Antwort ist die, dass ich als Leser selbst nichts leisten muss. Klar, ich frage mich wo die Familie ist, wer noch lebt und wer dahintersteckt. Wir haben schnell auch einen Verdächtigen, den ich dann entweder für schuldig oder unschuldig halten kann. Aber darüber hinaus habe ich keine Chance, alleine irgendwelche Begebenheiten oder Indizien einzuordnen und den Mörder selbst zu erraten. Ich möchte als Leser auch ein Rätsel haben und meine Vermutungen anstellen, bin in diesem Buch allerdings eher auf die (teilweise auch etwas zufälligen) Entdeckungen der beiden Ermittler angewiesen und kann da wenig selbst denken.

Die Reihe
„Post Mortem – Tränen aus Blut“ ist das erste Buch des „Zweiteilers“ von Mark Roderick. „Post Mortem – Zeit der Asche“ ist der zweite und anscheinend auch letzte Teil. Trotzdem ist dieses Erste Buch in sich abgeschlossen, man kann durchaus nur dieses Buch lesen. So wie ich, denn ich bin nicht soweit überzeugt, dass ich jetzt heiß auf das zweite Buch wäre. Ich hatte zwischendurch die Befürchtung, das dieses Buch einfach mittendrin ohne Auflösung aufhört und ich mir trotz des für mich eher mittelmäßigen Lesevergnügens nun auf Grund meiner weiblichen Neugier auch noch das zweite Buch anschaffen muss..
Man muss nicht weiterlesen, aber ich sehe trotzdem Potential für einen guten Plot im zweiten Band. Ich habe schon eine Ahnung, wohin die Reise eventuell gehen könnte.

Was lernen wir daraus?
-Zwei total unterschiedliche Ermittler mit ganz verschiedenen Methoden haben das gleiche Ziel und kommen sich dabei sogar in die Quere. Großartige Idee! Ich habe diese Idee bislang selten gesehen – zumindest nie in dieser Reinheit. Und die Idee finde ich genial. Das blöde ist halt, dass ich mit der Interpol-Agentin nicht warm geworden bin und die Umsetzung dieser Perspektive in meinen Augen die Idee irgendwie geschmälert hat. Als Tipp würde ich jetzt nicht sagen, dass jede einen Killer und einen Polizisten auf das gleiche Ziel ansetzen sollte – aber vielleicht gibt es ja noch andere, interessante Varianten. Im Ursprung erinnert mich das beispielsweise an Miss Marple, die den Inspektor mit ihren hausmütterlichen Methoden und einer Menge Klatsch und Tratsch ja oft überholt. Ein guter und ein böser Ermittler, das ist natürlich ein Level höher.
-Ein spannender Plot reicht nicht immer aus, um den Leser vollends in seinen Bann zu ziehen. Manchmal fehlt der Funke – wie genau man den erreicht? Keine Ahnung (sonst wäre ich schon Bestseller-Autorin und hätte keine Zeit für diesen Blog). Aber es sollte etwas besonderes sein. Der Schreibstil, die Ermittler, die Motivation oder auch das Einbeziehen des Lesers –damit er sich so fühlt, als sei er mittendrin.

Fazit
Ein Killer und eine Interpol-Agentin müssen schnell und unabhängig voneinander eine Familie wiederfinden. Vorzugsweise lieber lebendig als tot und ohne einander in die Quere zu kommen. Die Perspektivenwechsel und die Ermittlungsfortschritte durch unterschiedliche Methoden sind eine grandiose Idee, der Plot ist auch gut. Nur leider war ich nicht gefesselt. Und die Ermittlerin war überhaupt nicht mein Fall, teilweise sogar wirklich blöd. Ich habe mich immer auf die Killer-Perspektive gefreut und war auch glücklich, als das Buch dann endlich vorbei war. Ich werde den zweiten Teil nicht kaufen und vergebe 3 Sterne. Leser, die gern über organisiertes Verbrechen, Snuff-Videos und ähnliche Themen lesen dürften ihre helle Freude haben. Thrillerfans natürlich auch, es geht rasant voran.

Rezension: Todesflehen von Alex Kava

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Alex Kava – Todesflehen

Ryder Creed hat mit seiner Partnerin Hannah ein Unternehmen, in dem er Hunde für verschiedene Einsätze ausbildet und diese mit ihnen dann auch ausführt. Als er mit seiner Drogenhündin Grace am Flughafen im Einsatz ist, kommt ein Mädchen auf ihn zu und bittet eindringlich um Hilfe. Als die Hündin dann auch noch anschlägt und das Mädchen vor einem Zusammenbruch steht, wird langsam klar: Das Mädchen, Amanda, wird von einer kriminellen Organisation zum Drogenschmuggel gezwungen und hat eine unglaubliche Menge von Drogen in ihrem Körper – einzeln verpackt in Kondomen, die sie vorher schlucken musste. Ryder beschließt, das Mädchen unbemerkt aus dem Flughafen zu schaffen und bringt damit unter anderem sich selbst in Gefahr.
Maggie O´Dell, eine alte Bekannte von Ryder, ermittelt zur gleichen Zeit in einem merkwürdigen und brutalen Fall von Mord. In einem Fluss schwimmt eine Leiche mit einem verräterischen Tattoo, außerdem ist der gesamte Rücken mit Ameisenbissen überseht. Ameisen, die in der Gegend überhaupt nicht vorkommen.. und so führt eine Spur die FBI Agentin Maggie an einen anderen Ort, an dem sie dann auch einen Hundeführer mit einem Leichenspürhund benötigt. Wer das ist, dürfte klar sein..

Die Reihe
Als alter Fan von Alex Kava hatte ich schon lange nichts mehr von ihr gelesen. Die Reihe um FBI Profilerin Maggie O´Dell (und Toni Hill) umfasst, ich habe gerade nachgeschaut, 11 Bände. Davon habe ich locker über die Hälfte gelesen, irgendwann aber zugegebenermaßen den Faden verloren. Warum weiß ich nicht. Als dann eine neue Reihe von Alex Kava startete, war ich Feuer und Flamme. Denn dieses Buch hier ist Band 1 um Ryder Creed, so steht es dabei. Als ich dann etwas von Maggie O`Dell las, war ich etwas verwirrt und dachte, es ist doch eine weitere Fortsetzung. Nein, ist es nicht. Eine neue Reihe mit alter Ermittlerin ist es, sie scheint Ryder von nun an zur Seite zu stehen. Wer bei dieser Reihe mit diesem Buch neu anfangen will, braucht jedenfalls keinerlei Vorwissen. Wer das Vorwissen hat, wird auch sehr gut mit der knappen Beschreibung der Vergangenheit zurechtkommen. Hier kann also wirklich jeder einsteigen. Die Handlung ist in sich abgeschlossen.
Die Reihe bietet auf jeden Fall eine Menge Potential, die Hauptpersonen können beide in eine Menge spannender Fälle geraten und zwischen ihnen knistert es auch recht laut.

Stil, Machart, Meinung
Der Leser wird zunächst mit zwei Perspektiven beglückt. Es startet mit Ryder im Einsatz mit dem Hund und gleichzeitig auch mit Maggie, die am Fluss eine Leiche und damit auch einen neuen Fall an Land zieht. Bald treffen die beiden aufeinander, die Perspektiven bleiben aber trotzdem bestehen. Ich mag es immer, wenn zwei Perspektiven/Personen/Ermittler sich abwechseln und dann irgendwann auch aufeinandertreffen. Natürlich nur, wenn es gut gemacht ist. Das ist hier der Fall, es geht hin und her und man möchte „noch eben ein Kapitel lesen“ – und das dann mehrmals.
Der Plot, die Charaktere und natürlich auch die Spannung sind sehr gut umgesetzt, der Leser ist gleich in der Geschichte drin. Die Schreibe von Alex Kava ist wie immer flüssig, fluffig und gut. Die Seiten blättern sich fast von selbst um. Alles löst sich schlüssig auf und es gibt auch viele Überraschungen. So mag ich es.
Eine besondere Erwähnung sollte die Kunst finden, mir ein für mich nicht wirklich interessantes Thema interessant zu machen. Meine Lieblingsbücher, Krimis und Thriller, sollten möglichst nicht unbedingt einen zu großen Bezug zur organisierten Kriminalität haben. Ich lese am liebsten über Mord, und ich möchte möglichst auch selbst mitdenken. Wer war der Killer? Ist er wirklich schuld? Hier geht es um Menschen- und Drogenschmuggel. Trotzdem geht es auch um Mord und man muss rätseln, was los ist. Super gemacht, und dann lese ich auch über diese Themen gern.
Was lernen wir daraus?
-zunächst einmal finde ich den Aspekt sehr interessant, eine alte und sehr erfolgreiche Reihe um eine Ermittlerin zu beenden, sie aber gleichzeitig in einer neuen Reihe einfach mit einem anderen Ermittler zusammenzuführen. Aus alt mach neu. Der allgemein um sich greifende Trend der Nachhaltigkeit scheint auch Alex Kava erreicht zu haben, und ich finde es gut gemacht. Sie setzt damit auf eine Erfolgsgarantie, gönnt sich und den Lesern aber gleichzeitig frischen Wind und eröffnet neue Möglichkeiten. Ich habe die Bücher um Maggie sehr gern gelesen, irgendwann aber aus unerklärlichen Gründen den Faden verloren. So bin ich wieder drin. Für mich ist dieser Tipp jetzt noch nicht sehr relevant, da mein erstes Buch ja noch nicht einmal veröffentlicht ist. Frischen Wind brauche ich noch nicht, aber für die alten Hasen im Business ist es sicherlich ein interessanter Aspekt.
-Ich habe von diesem Buch gelernt, was Hunde alles so können und für welche Aufgaben man sie wie trainieren kann. Das fand ich sehr interessant, obwohl ich eigentlich ein Katzenmensch bin. Mein Fazit daraus ist, das ich als Leser sehr gern in einem Buch auch so ein mir ganz neues Themengebiet kennenlerne. Schon im Thriller Endgültig (für die Rezension hier klicken!) war ich vollkommen fasziniert davon, neben all der Spannung die Perspektive einer blinden Ermittlerin kennenzulernen. So ein eher unbekanntes Thema in einer spannenden Story finde ich interessant und auch lehrreich. In meinem Krimi lernt man nebenbei etwas über die Geschehnisse hinter den Kulissen einer Basketball – Profimannschaft. Ich hoffe dieser Einblick ist genau so interessant.
Zielgruppe
Thrillerfans natürlich! Krimileser sicherlich auch. Jeder kann einsteigen, man braucht keinerlei Vorwissen. Die Leser der Maggie O´Dell –Reihe müssen unbedingt hier weiterlesen. Wer an Drogen – und Menschenschmuggel interessiert ist, wird hier seine helle Freude haben. Und, ich meine es ganz ernst, Hundemenschen werden begeistert sein!
Fazit
Eine neue Reihe mit einer alten Bekannten, bei der jeder problemlos beginnen kann. Ein rasanter Thriller mit gut entwickelten Charakteren, einem schlüssigen Plot und sehr viel Spannung und Überraschung. Ich gebe 4 Sterne, für die Höchstwertung fehlt nicht mehr viel. Ich werde den zweiten Band der Serie auf jeden Fall auch lesen.

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