Mein Aushilfsgehirn: Das geheime Buch fürs Buch!

Ich wusste also worüber ich schreiben wollte, hatte Zettel für schnelle Einfälle an der Tür kleben und fing an zu schreiben.. Ende gut, Alles gut? –Nein!
Denn es gibt so viele Situationen, in denen man in seinem eigenen Buch zurückblättern muss. Denn man kann sich nicht alles merken. Ich zumindest konnte das nicht, vor allem durch die vielen Unterbrechungen die im Denk- und Schreibprozess auf mich zukamen. Denn mein „richtiger“ Job verschlingt eine Menge Zeit und kann mich auch dann brauchen, wenn ich gerade eine tolle Idee habe.

Mein Aushilfsgehirn - Das Schreibjournal

An welchem Tag fand der erste Mord noch einmal statt? Wie hieß der eine Ermittler noch mal? Wie lange ist es her, dass..? Wer saß in dem Bus, in dem der Mord passierte, genau neben dem Opfer?

Solche Fragen kamen bei mir ziemlich oft auf, denn ich will es ja gut machen. Ich möchte eine gute Geschichte konstruieren, bei der man mitraten kann. Ich muss also Hinweise verstreuen. Oder auch falsche Hinweise an den Leser bringen, damit er auf eine falsche Fährte gerät. Und grundsätzlich ist es hilfreich, wenn man weiß, welche Handlung an welchem Wochentag stattfindet. Oder was an dem ereignisreichen Tag WANN passiert. Nicht das man über den ersten Absatz „11.23 Uhr“ schreibt und dann über den nächsten Absatz „11.26 Uhr“ tippt obwohl im Absatz davor eine dreistündige Autofahrt stattfand.
Ich bin davon überzeugt, dass Leser solche kleinen Logikfehler merken. Denn ich merke es als Leser sehr wohl. Außerdem muss man sich ja irgendwie merken, wie seine nur kurz auftretenden Nebenfiguren heißen. Falls die dann doch ein zweites Mal vorkommen muss man ansonsten das Dokument nach genau der einen Stelle durchsuchen, in der die Person vor ein paar Wochen bereits erwähnt wurde..

Meine Lösung:
Mein Schreibjournal, mein Begleitbuch, mein Tagebuch fürs Buch, mein Aushilfsgehirn.. es gibt viele mögliche Namen. Bis jetzt hatte ich für das Buch noch keinen Namen gesucht, es war einfach da. Es ist ein einfaches Blanko Notiz-Buch mit niedlichen Cupcakes drauf. Ich hatte es noch da und fing ohne groß nachzudenken, einer plötzlichen Eingebung folgend, einfach damit an.

Die erste Seite zeigt alle Mitglieder meines fiktiven Basketball-Teams, die in dem Bus waren als der erste Mord geschah. Einer von denen muss es ja schließlich sein. Wie im letzten Artikel erwähnt, hatten sie alle Namen. Dann habe ich eine Sitzverteilung aufgemalt. So konnte ich beschreiben, wie sich das im Bus abspielte und anschliessend in den Verhören auch nochmal drauf zurückkommen, ohne einen logischen Fehler zu machen.
Da ich mir dann immer nicht merken konnte, an welchem Tag das von mir beschriebene Ereignis gerade spielt, gibt’s in meinem Aushilfsgehirn handschriftlich hingeschmiert ab Kapitel 1 fortlaufend einfach immer die Überschrift mit dem Datum und Wochentag. Darunter dann je nach Zeitpunkt des Geschehens eine Uhrzeit. Und wenn an einem Tag nur eine Sache passiert, dann steht sie da. So kurz wie möglich.

Ein Beispiel:
25.10.
16.25 Uhr: Der Selbstmord von Connor White
19.40 Uhr: Besuch von der besten Freundin Marie Fuchs

Das ist die Zusammenfassung des Tages, und man kann später jederzeit etwas streichen, ändern oder hinzufügen. Ich lasse dafür genug Platz. Dieses Schema ist quasi für jeden neuen Abschnitt des Buches, jeden Tag, fortlaufend in meinem Buch zu finden. Und es spart wirklich eine Menge Arbeit, kann ich rückblickend schon einmal sagen, bevor mein Buch überhaupt fertig ist!

An manchen Seiten dazwischen, denn es wird ja niemand dieses Buch jemals zu sehen bekommen, gibt’s auch ganz andere Dinge zu sehen:

Auf einer Seite plane ich die Zimmerbelegung in einem Hotel beim Auswärtsspiel, denn es müssen ja 10 Spieler auf Doppelzimmer so aufgeteilt werden, dass später der richtige Kerl über den Verdächtigen etwas interessantes aussagen kann.. oder ähnliches. Also habe ich da einfach Pärchen gebildet und es direkt aufgeschrieben. Damit ich mich später beim Verhör auch richtig dran erinnere wer mit wem ein Zimmer geteilt hat.

Auf einer anderen Seite sehe ich eine merkwürdige Zeichnung – ich hoffe mal ich habe währenddessen angestrengt nachgedacht, denn der künstlerische Wert der Zeichnung an sich strebt gegen 0,0.
Irgendwann zwischen den vielen Geschehnissen fasse ich nochmal mit allen Verdächtigen auf der Liste zusammen, wer ein Alibi hat. Nur für meine persönliche Übersicht und zum Überlegen, wer als nächstes umgebracht werden soll.

Mittendrin ein blaues Post-it mit Fragen, die mir beim Schreiben aufgefallen sind. Ich beschrieb gerade einen Mordschauplatz, als mir auffiel das ich manche Gegebenheiten vor Ort dringend Nachts überprüfen muss. Auf Wikipedia oder grundsätzlich im Internet konnte ich es nicht finden, aber es war gerade hellerleuchteter Tag. Also habe ich die Fragen aufgeschrieben und bin ein paar Tage später mal Nachts an der Cuxhavener Kugelbake herumspaziert (natürlich nicht allein, im realen Leben bin ich ein Schisser..) und habe meine Fragen mit eigenen Augen beantwortet.

Dann auf einer anderen Seite gibt’s Stichworte zu meiner Recherche im Bereich „Fußschellen“. Mögliche Synonyme wie „Fußfesseln“ oder „Fussmanschetten“(je nach Art der Fessel) sind ebenso aufgelistet wie ein paar Fakten sowie ein paar weitere Sätze und sogar eine kleine Zeichnung.
Im Nachhinein ist die Erkenntnis, dass man jede Figur die im Buch vorkommt auch in diesem Buch oder auf einer Liste erwähnen sollte. Den vollen Namen und ein kurzes Stichwort. Aber Hauptsache der Name! Damit habe ich erst in der Mitte des Buches angefangen, und es hätte mir wohl wirklich Zeit gespart.

Dieses Buch hat mir sehr geholfen und tut es immer dann, wenn ich schreibe. Besonders wichtig ist für mich, dass ich meine Abläufe und Ideen kompakt gesammelt habe. Denn ich bin zum Beispiel oft für eine Buch verreist, um meinen Freund (Fernbeziehung) zu besuchen. Dort hatte ich dann alles dabei und konnte weiterarbeiten.

»Ja, warum speichert sie sich das alles nicht auf dem PC???«, fragt sich jetzt sicherlich fast jeder Leser. Ganz einfach: weil ich auf dem PC schreibe, und dann von Dokument zu Dokument gehen muss. Und weil ich sehen will, was ich durchgestrichen habe. Ich möchte Post-Ist mit Fragen reinkleben, lose Zettel reinlegen können und vieles mehr. Und weil ich einfach mal eben blättern will. Ich will das in der Hand haben (Kinder mit nem Willen kriegen auf die Brillen, ich weiß- aber ich habe keine Brille ;-)). Man kann das aber sicherlich auch per PC machen. Ich würde es trotzdem ausdrucken und kompakt vor mir liegen haben, wenn ich schreibe. Aber das ist nur eine persönliche Vorliebe. Vielleicht ist das auch eine Idee für euch – Vielleicht auch nicht. Jeder schreibt anders. Aber vielleicht kann ich einem Nachwuchsautor, der jetzt gerade anfängt, ja einfach Zeit sparen. Viele Details die ihr im Laufe eures Buches erfindet, werden eventuell noch einmal wichtig.
An alle die das hier lesen und selbst schreiben: Wie habt ihr das gemacht? Geht es euch ähnlich oder merkt ihr euch die Details ganz anders? Guckt ihr jedes Mal im Dokument nach? Suchfunktion? Ich bin gespannt!

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Frage: lieber eine Frau oder einen Mann als Detektiv/Ermittler/Hauptperson?

Heute treibe ich mich mit der Frage herum, ob es verschiedene Vorlieben gibt in Bezug auf das Geschlecht des Helden, der Hauptperson, des Ermittlers etc. in Buch oder Film.

In meinem Buch ist die Hauptperson weiblich, aber sie ist nicht unbedingt die „Hauptheldin“, da gibts noch andere Personen.

Ich habe kürzlich in „Krimis Schreiben. Ein Handbuch der Private Eye Writers of America; Robert J. Randisi bei Zweitausendeins; 1999“ gelesen, dass von Frauen in Büchern/Filmen mehr Härte erwartet wird, wenn sie einen Fall lösen. Ausserdem sollte weibliche Geschicklichkeit auch noch zur Klärung eines Falles führen. Da Frauen immernoch als das schwache Geschlecht jedoch mit mehr Raffinesse gelten, scheinen die Erwartungen hier höher.

Ausserdem scheint das Geschlecht des Autors eine Rolle bei der Auswahl des Geschlechts der Hauptperson zu spielen: Männer wählen eher Männer, Frauen eher Frauen. Einfach, weil es einfacher ist dann die Authentizität der Person einzufangen.

Beispiel:
Wenn eine Frau ein 4-Augen-Gespräch unter Männern beschreibt, hat sie es noch nie erlebt und wird typischerweise wohl eher aus sicht der Frau mit Emotionen etc. arbeiten. Männer würden dann eventuell erkennen, dass ein Mann sich nie so unterhalten würde. Andersrum würde ein Mann das GEspräch auf dem Mädelsabend vielleicht nur mit Fakten schmücken. Das interessiert Frauen bei den Themen wohl eher weniger..

Es dürfte also eine höhere Anforderung sein, wenn ein Autor sich in die Gedankenwelt des anderen Geschlechts hineindenkt – mit höherer Fehlerwahrscheinlichkeit. Oder?

Wenn DU ein Buch schreiben würdest, vielleicht schon geschrieben hast oder es dir auch nur vorstellst:

Welches Geschlecht hätte dein Held/Hauptperson?
Warum?
Und muss es immer das gleiche Geschlecht des Autors haben, damit es authentischer wirkt?
Ist diese Rollenvorstellung vielleicht schon veraltet?

Ich freue mich auf eure Kommentare, und wenn sie noch so schräg und subjektiv sind!
Danke und bis nächstes mal, eure Tipperin

Ein Buch schreiben – Charaktere erschaffen, Personen erfinden, Inspiration.

Heute, hier und jetzt geht es um Personen. Wer ein Buch schreiben möchte, sollte natürlich schon halbwegs wissen, worum es denn bei der Story gehen wird. Von der Themenfindung handelte ja schon mein letzter Artikel. Eine Geschichte lebt für mich von den Charakteren, ihrem Zusammenspiel und ihren Verhaltensweisen. Das Verhalten der einzelnen Personen, sei es Haupt- und Nebenperson, sollte Sinn machen. Sie sollten zur Story passen und die Story vorantreiben. Der Leser sollte eine Beziehung aufbauen können. In meinem Fall, ich schreibe einen Krimi, brauchte ich mehrere Verdächtige die nach und nach entweder sterben oder ein Alibi aufweisen- oder von der Liste der Verdächtigen gestrichen werden können.

Charaktere erschaffen

Verschiedene Bücher, verschiedene Anforderungen?

Natürlich gibt es verschiedene Anforderungen und Schwierigkeiten, die sich aus der geplanten Story ergeben. Schreibt jemand eine Biographie, braucht er nicht großartig Personen erfinden. Er hat die Geschichten erlebt, die Charaktere gab es wirklich. Natürlich muss in diesem Fall auch in der Würze der Kürze der Charakter einer Person gut skizziert werden, wenn es für die Erzählung der Geschichte wichtig ist.
Schreibt jemand eine Liebesgeschichte, geht es natürlich in erster Linie um das Liebespaar. Dieses Paar sollte natürlich genau beschrieben werden und die Charaktere sollten mit der Story zusammen das Buch ausmachen. Auch Nebenfiguren können natürlich wichtig sein.
Krimis. Kommen wir nun zu der Kategorie, in die mein Buch fallen wird. Ich wollte einen Krimi im Sinne von Agatha Christie erschaffen. Diese sammelt bekanntermaßen mehrere Verdächtige in einem relativ abgegrenzten Raum und lässt einen nach dem anderen unfreiwillig das Zeitliche segnen. Hier braucht man natürlich recht viele Charaktere die alle so ihre Eigenarten haben. An diesem Beispiel werde ich ein paar Punkte aufzeigen, die ich sehr wichtig finde.

Viele Personen, wenig Gedächtnis.

Ich finde es in vielen Büchern sehr schwierig, die anfangs vorgestellten Personen alle im Gedächtnis präsent zu haben. Bei Frau Christie läuft das aber sehr gut. Denn für sie scheint es ein leichtes zu sein, viele Personen vorzustellen ohne den Leser zu überfordern. Sie versieht meist jede Person mit einem unverwechselbaren Detail und stellt jeden knapp vor, wenn es für die Geschichte erforderlich ist.
Wohnt ihr Detektiv beispielsweise einer vornehmen Abendgesellschaft bei, werden mehrere Personen direkt beim Betreten des Raumes beschrieben. Sei es der schrullige Herr mit dem Kneifer, die überragend aussehende Frau mit den ungebändigten Locken im knallroten Abendkleid oder die hysterische Hausherrin, welche direkt mehrere Butler wild durch die Gegend scheucht. Manche werden nur kurz anhand der Sitzordnung vorgestellt, andere machen direkt auf sich aufmerksam. Im weiteren Verlauf der Geschichte kann man sich die zehnköpfige Abendgesellschaft dann mehr und mehr vorstellen, die Personen einordnen und Charakterzüge ausmachen.
In meinem speziellen Fall musste ich direkt ein gesamtes Basketballteam beschreiben. Hier bin ich immer noch nicht vollkommen zufrieden, denn ich bin immer noch der Meinung mein Leser wird irgendwie überfordert sein von so vielen Leuten. Aber wie das Leben so spielt, kann ein Basketballteam nun einmal nicht aus nur drei Leuten bestehen und ich muss weiter an diesem Punkt feilen.

Charaktere finden

Jeder Autor, der behauptet alle Personen in seinem Buch seien komplett frei erfunden, der lügt meiner Ansicht nach. Natürlich schreibt das Leben gute Geschichten. Man trifft Personen, man erkennt Charakterzüge und man ordnet sie sich selbst in ein bestimmtes Schema ein. Man lernt verschiedene Eigenschaften an Leuten kennen, die man verwenden kann. Ich selbst habe für meine fiktive Mannschaft voller Verdächtiger (und auch Leichen, später..) aus meinem gedanklichen Fundus geschöpft. Natürlich sind mir in meinen Jahren in meinem Job ganz unglaubliche Charaktere über den Weg gelaufen. Ich weiß ungefähr, was einen „typischen“ Basketballspieler ausmacht. Und von dieser Vorstellung gibt es natürlich so ungewöhnliche Abweichungen, dass es interessant wird. Ich habe mich an meine Charaktere deshalb so herangewagt:
Ich habe mich an bestimmte Personen erinnert, einfach nur auf Grund ihrer auffälligsten Eigenschaften. Der eine Spieler redet gern davon wie reich und wichtig er ist, ist es aber eigentlich nicht. Der andere sieht wahnsinnig gefährlich aus mit seinen 2,10m und Schultern von der Breite eines Frauenparkplatzes, liest aber einfach gern ein Buch in seinem Lieblingssessel am Fenster..
Zunächst habe ich also ein paar Charaktere zusammengestellt und dann auch wieder ein bisschen aussortiert. Dann kann man natürlich auch mehrere Personen zusammenfassen, die Charaktereigenschaften besser auf die Story zuschneiden usw.
Für mich war es wichtig, dass es unterschiedliche Charaktere gibt, die aber nicht alle etwas Besonderes oder dramatisches an sich haben. Denn das ist nicht die Realität. Es gibt spezielle Personen, die bleiben einem lange und ausgiebig im Gedächtnis. Es gibt andere Personen, graue Mäuse sozusagen, da fragt man sich schon ein Jahr später: „wie hieß der noch?“

Namen sind nicht Schall und Rauch.

Natürlich brauchen die handelnden Personen auch Namen. Dieser Punkt war schwieriger als gedacht. Mein Plan war ursprünglich, die Liste durchzugehen und einfach Namen auf die Kurzbeschreibungen zu packen. Aber irgendwie saß ich da wie der berühmte Ox vorm Berg. Einen Afroamerikaner aus schwierigen Verhältnissen findet man selten mit Namen wie beispielsweise William oder Scott. Eine Person russischer Abstammung heißt eher Igor als Heinz Peter. Eine junge Frau wird wohl eher den Namen Lara tragen als beispielsweise den Namen Waltraud. Es sollte also einigermaßen passen.
Meine Vorgehensweise war recht einfach: Google. Einfach mal ein paar Suchbegriffe wie Männernamen oder Frauennamen eingeben und durch die Gegend klicken. Oder in speziellen Fällen dann halt so etwas wie „häufige Namen in Russland“ oder ähnliches. Ich habe tatsächlich jedes Mal genau gewusst: Der Name ist es!! Denn man hat eine Vorstellung von seinem Charakter erschaffen, und dann sieht man einen Namen und es passt einfach. Hier ist aber viel Subjektivität dabei, denn jeder verbindet mit Namen besondere Personen. Wenn meine liebenswerte Hauptperson nun beispielsweise den gleichen Namen hätte wie die kleine B**ch aus der Grundschule die gerne ihre Mitschüler verprügelt und in Mülltonnen gesteckt hat, dann würde ich mich sicherlich nicht so wohl beim Schreiben fühlen. Andererseits könnte ich wohl schlecht rechtfertigen, wenn ich den Namen meines Freundes im realen Leben im Buch für die Person des Massenmörders missbrauchen würde.. das könnte unangenehme Folgen auf die Beziehung haben.

Der Chantalisator

Es gibt ja auch sicherlich eigene Erfahrungen, die man mit Namen verbindet. Oder den die Gesellschaft mit einem Namen verbindet. Chantal und Kevin zum Beispiel scheinen heutzutage vermehrt als.. wie drücke ich mich nun diplomatisch aus?.. Unterschichtsnamen bekannt zu sein. Falls ihr nun solch dramatische Namen erfinden wollt, empfehle ich übrigens den „Chantalisator“ für eure Arbeit. (http://www.chantalisator.de) Dieser macht beispielsweise aus dem Namen Marie Fuchs (das ist eine der Personen aus meinem Buch) den exzentrischen Namen „Maribel- Unity Fuchs“ und zeigt direkt den dramatischen Geschmack der fiktiven Mutter. Ich habe den Chantalisator nicht benutzt, fand die Kreativität der exzentrischen Namen aber nicht schlecht. Falls ihr mal einen furchtbar übertriebenen Namen braucht, ist das Ding nicht schlecht.

Der flippige Chart

Anfangs sollte man auf jeden Fall seine Ideen logisch zusammenfassen. Ich habe also erst einmal eine Liste mit den Personen geschrieben, um die passenden Namen zu finden. Hier habe ich tatsächlich als anfängliche Figur den Namen der realen Inspiration aufgeschrieben, um schnell etwas griffiges vor Augen zu haben. Dann bekamen die Namen langsam „Charakter“. Charakter ist in diesem Fall einfach alles, was mir mal so einfiel. Es fängt an bei besonderen Eigenschaften, Aussehen, Vergangenheit, mögliche Aussagen oder auch Situationen aus dem realen Leben die man bei der Person unterbringen könnte. So steht bei einer Person einfach nur „wie die 3 Affen“ oder bei einer anderen Person ein Herz und der Name des möglichen Liebhabers. Bei der nächsten Person steht eine Aussage, die die Person im Buch mal machen soll (habe ich bis heute noch nicht angewendet, aber wenns nicht passt dann muss es ja auch nicht..). Dieser Prozess ging nicht von heute auf morgen, sondern tatsächlich im Vorbeigehen. Denn ich habe meine Zettel mit den Personen und viel Platz drunter an die Tür zum Arbeitszimmer gehängt. Wann immer ich eine Idee hatte drehte ich mich entweder mit dem Schreibtischstuhl zur Tür oder ich schrieb im Vorbeigehen etwas an die Zettel. Hierfür hing tatsächlich ein Kuli immer griffbereit an der Tür. Funktionalität stand für mich eindeutig vor Schönheit, denn hübsch ist mein Gebilde keinesfalls. Aber man kann sich austoben, streichen und Ideen spontan notieren, ohne einen PC anzumachen oder ein Notizbuch aufzublättern. Ein Notizbuch habe ich für mein Buch auch, aber dazu im nächsten Artikel!

Der Charakterbogen

Eine weitere interessante Idee, die ich auf http://www.schriftsteller-werden.de/charakterentwicklung gefunden habe, ist der Charakterbogen. Für mich war es mit dieser Methode schon zu spät, für meine Hauptpersonen habe ich den Test allerdings mal gemacht.
Der Charakterbogen ist wie ein Fragebogen, den Jacqueline Vellguth entwickelt hat. Ganze drei Seiten bringen einen dazu, seine Person nach dem ausfüllen besser zu kennen. Es geht von den Themen „Der erste Eindruck“, „Auftreten“, „Motivation“ über detaillierte Körpermaße und Fähigkeiten bis hin zu Familienmitgliedern und mündet in einem kleinen Lebenslauf.
Hätte ich diese Idee mal vor dem schreiben gehabt..! Denn sie ist wirklich gut. Man kann im Laufe des Schreibens ändern, hinzufügen und auch einfach einmal nachschauen. Weiß ich nach 91.000 Wörtern noch, wie ich die Mutter der Hauptperson in Kapitel 1 beiläufig genannt habe? Die Chancen stehen schlecht.. Wenn man solche Sachen direkt in den Charakterbogen einträgt und für jede Person einen Bogen in einer Mappe sammelt, kann man allerdings sehr fix nachschauen.
Den Charakterbogen kann man dann auch noch individuell erweitern. Bei meiner Basketballmannschaft wäre das dann zum Beispiel die Position in der Mannschaft und auf dem Spielfeld. Mein Charakterbogen hätte sicherlich überall Ideen und kleine Bildchen am Rand. Schaue auf jeden Fall mal auf der Seite, dort ist es sehr interessant!

Motivation, Ziele, Konflikte, Veränderung.

Wichtig ist für mich, die Charaktere für und durch die Story glaubwürdig zu machen. Hierbei sollte jede Person in der Szene eine Motivation für die Handlung haben. Ein Gespräch von zwei Personen kann langweilig sein, wenn man sie einfach sprechen lässt. Man muss dabei beachten, wie das Gespräch in die Story passt und wie die Story dadurch weiterkommt. Dafür sind die Motivationen der einzelnen Personen, welche nicht immer durchsichtig sein müssen, wichtig. Dadurch entstehen hoffentlich auch Konflikte.
Ein Beispiel: In einer Szene in meinem Buch wollen die Personen A und B unbedingt in die Wohnung von Person C. Person A muss unbedingt darein, denn A will die für ihn wichtigste Person auf der ganzen Welt retten. Person B hilft ihm dabei, ist also auch sehr stark dran interessiert einen Fortschritt zu erzielen, aber nicht so stark wie Person A. Person C beherbergt in seiner Wohnung zwei ungewöhnliche Hobbys, die Person A und B auf keinen Fall sehen sollen. Das interessiert besonders Person A herzlich wenig, Person B ist schon ein wenig interessiert an den privaten Abgründen. Person C macht sich dadurch allerdings zunächst einmal sehr verdächtig, dass er den Zutritt zu seiner Wohnung verweigert, verweigert den Zutritt ja aber nur auf Grund von Lapalien im Vergleich zur eigentlichen Gefahrensituation..
Das sind die Hintergründe der Szene grob dargestellt, und dadurch entsteht ein Konflikt und auch Spannung für den Leser. Der Leser denkt natürlich auch das Person C etwas zu verbergen hat. Person C hat natürlich tatsächlich etwas zu verbergen, aber besonders Person A ist das völlig egal, weil es im Vergleich zum akuten Problem einfach unwichtig ist. Wenn man diese kleinen Hintergründe nicht aufzeigt, die man natürlich vorher schon entwickelt hat und in der Szene dann nochmal direkt ausspielt, dann kann eine Szene sehr langweilig sein:
Person A und B wollen in die Wohnung von C. C will sie nicht reinlassen.
Na super. Bei dieser Beschreibung der Situation werfen sich entweder sehr viele Fragen auf oder der Leser überliest das ganze eher ungerührt.

Veränderung.

Charaktere geraten in Situationen. Im wahren Leben passiert das meist aus einem plausiblen Grund, im Buch muss man diesen Grund erst einmal erschaffen. Ich möchte das meine Hauptperson, eine nette junge Frau, in einen Krimi verwickelt wird. Das passiert im realen Leben nicht vielen Leuten. Gut, da ist sie nun mittendrin, Menschen sterben auf einmal.
Ich sage nicht, dass sich im Laufe eines Buches, besonders in einem Krimi, jeder irgendwie verändern sollte. Aber Personen geraten in neue, gefährliche Situationen. Und das meistert jeder, genau wie im realen Leben, anders. Das Beispiel der netten Frau in meiner Geschichte:
Nie zuvor war sie in einer so gefährlichen Situation, jeder um sie herum ist potentiell ein Killer. Wie verändert sie sich dadurch? Ist sie immer noch nett zu allen Verdächtigen? Igelt sie sich komplett ein? Rennt sie weg? Rennt sie dem Killer hinterher? Wächst sie über sich hinaus?
Es wäre gähnend langweilig und wenig tiefgründig, wenn die unglaubliche nette junge Frau einfach in der Extremsituation noch genauso naiv und nett ist wie davor. Man sollte schon ein bisschen Angst haben und die Mitmenschen genauer unter die Lupe nehmen..

Fazit

Ich weiß nicht, ob ich euch jetzt nur Dinge erzählt habe die ihr eh schon wusstet. Natürlich weiß man das alles irgendwie schon, man hat ja selbst schon unzählige Bücher gelesen bevor man selbst eines schreibt (in den meisten Fällen). Mir ist nur wichtig euch zu sagen, dass eure Personen schon ein wenig durchdacht werden sollen. Wie genau ihr das macht, also welche Methode ihr anwendet und wie ihr das umsetzt, ist natürlich euer Problem. Ich hasse es jedenfalls, Bücher zu lesen in denen die (Haupt-)Personen austauschbar sind und keinerlei Charakter haben. Davon gibt es überraschend viele. Meine bevorzugte Vorgehensweise ist eindeutig die vorherige Planung der Charaktere (z.B. mit Flipchart, Charakterbogen etc.) im Zusammenspiel mit Flexibilität. Wenn man am Ende des Buches noch eine Person einbauen oder verändern möchte, damit die Geschichte schlüssiger ist… WARUM DENN NICHT? Schreibt man ein Buch, ist man der Schöpfer einer Geschichte. Damit geht sehr viel Freiheit, gleichzeitig allerdings genau so viel Verpflichtung dem Leser gegenüber einher.

Im nächsten Artikel geht es darum, wie man mit einem Schreib-Notizbuch viel Arbeit spart. Ich verbleibe bis dahin fröhlich und mit einem Zitat:
;“ />Zitat Wolf Schneider Schreiben