Mein Aushilfsgehirn: Das geheime Buch fürs Buch!

Ich wusste also worüber ich schreiben wollte, hatte Zettel für schnelle Einfälle an der Tür kleben und fing an zu schreiben.. Ende gut, Alles gut? –Nein!
Denn es gibt so viele Situationen, in denen man in seinem eigenen Buch zurückblättern muss. Denn man kann sich nicht alles merken. Ich zumindest konnte das nicht, vor allem durch die vielen Unterbrechungen die im Denk- und Schreibprozess auf mich zukamen. Denn mein „richtiger“ Job verschlingt eine Menge Zeit und kann mich auch dann brauchen, wenn ich gerade eine tolle Idee habe.

Mein Aushilfsgehirn - Das Schreibjournal

An welchem Tag fand der erste Mord noch einmal statt? Wie hieß der eine Ermittler noch mal? Wie lange ist es her, dass..? Wer saß in dem Bus, in dem der Mord passierte, genau neben dem Opfer?

Solche Fragen kamen bei mir ziemlich oft auf, denn ich will es ja gut machen. Ich möchte eine gute Geschichte konstruieren, bei der man mitraten kann. Ich muss also Hinweise verstreuen. Oder auch falsche Hinweise an den Leser bringen, damit er auf eine falsche Fährte gerät. Und grundsätzlich ist es hilfreich, wenn man weiß, welche Handlung an welchem Wochentag stattfindet. Oder was an dem ereignisreichen Tag WANN passiert. Nicht das man über den ersten Absatz „11.23 Uhr“ schreibt und dann über den nächsten Absatz „11.26 Uhr“ tippt obwohl im Absatz davor eine dreistündige Autofahrt stattfand.
Ich bin davon überzeugt, dass Leser solche kleinen Logikfehler merken. Denn ich merke es als Leser sehr wohl. Außerdem muss man sich ja irgendwie merken, wie seine nur kurz auftretenden Nebenfiguren heißen. Falls die dann doch ein zweites Mal vorkommen muss man ansonsten das Dokument nach genau der einen Stelle durchsuchen, in der die Person vor ein paar Wochen bereits erwähnt wurde..

Meine Lösung:
Mein Schreibjournal, mein Begleitbuch, mein Tagebuch fürs Buch, mein Aushilfsgehirn.. es gibt viele mögliche Namen. Bis jetzt hatte ich für das Buch noch keinen Namen gesucht, es war einfach da. Es ist ein einfaches Blanko Notiz-Buch mit niedlichen Cupcakes drauf. Ich hatte es noch da und fing ohne groß nachzudenken, einer plötzlichen Eingebung folgend, einfach damit an.

Die erste Seite zeigt alle Mitglieder meines fiktiven Basketball-Teams, die in dem Bus waren als der erste Mord geschah. Einer von denen muss es ja schließlich sein. Wie im letzten Artikel erwähnt, hatten sie alle Namen. Dann habe ich eine Sitzverteilung aufgemalt. So konnte ich beschreiben, wie sich das im Bus abspielte und anschliessend in den Verhören auch nochmal drauf zurückkommen, ohne einen logischen Fehler zu machen.
Da ich mir dann immer nicht merken konnte, an welchem Tag das von mir beschriebene Ereignis gerade spielt, gibt’s in meinem Aushilfsgehirn handschriftlich hingeschmiert ab Kapitel 1 fortlaufend einfach immer die Überschrift mit dem Datum und Wochentag. Darunter dann je nach Zeitpunkt des Geschehens eine Uhrzeit. Und wenn an einem Tag nur eine Sache passiert, dann steht sie da. So kurz wie möglich.

Ein Beispiel:
25.10.
16.25 Uhr: Der Selbstmord von Connor White
19.40 Uhr: Besuch von der besten Freundin Marie Fuchs

Das ist die Zusammenfassung des Tages, und man kann später jederzeit etwas streichen, ändern oder hinzufügen. Ich lasse dafür genug Platz. Dieses Schema ist quasi für jeden neuen Abschnitt des Buches, jeden Tag, fortlaufend in meinem Buch zu finden. Und es spart wirklich eine Menge Arbeit, kann ich rückblickend schon einmal sagen, bevor mein Buch überhaupt fertig ist!

An manchen Seiten dazwischen, denn es wird ja niemand dieses Buch jemals zu sehen bekommen, gibt’s auch ganz andere Dinge zu sehen:

Auf einer Seite plane ich die Zimmerbelegung in einem Hotel beim Auswärtsspiel, denn es müssen ja 10 Spieler auf Doppelzimmer so aufgeteilt werden, dass später der richtige Kerl über den Verdächtigen etwas interessantes aussagen kann.. oder ähnliches. Also habe ich da einfach Pärchen gebildet und es direkt aufgeschrieben. Damit ich mich später beim Verhör auch richtig dran erinnere wer mit wem ein Zimmer geteilt hat.

Auf einer anderen Seite sehe ich eine merkwürdige Zeichnung – ich hoffe mal ich habe währenddessen angestrengt nachgedacht, denn der künstlerische Wert der Zeichnung an sich strebt gegen 0,0.
Irgendwann zwischen den vielen Geschehnissen fasse ich nochmal mit allen Verdächtigen auf der Liste zusammen, wer ein Alibi hat. Nur für meine persönliche Übersicht und zum Überlegen, wer als nächstes umgebracht werden soll.

Mittendrin ein blaues Post-it mit Fragen, die mir beim Schreiben aufgefallen sind. Ich beschrieb gerade einen Mordschauplatz, als mir auffiel das ich manche Gegebenheiten vor Ort dringend Nachts überprüfen muss. Auf Wikipedia oder grundsätzlich im Internet konnte ich es nicht finden, aber es war gerade hellerleuchteter Tag. Also habe ich die Fragen aufgeschrieben und bin ein paar Tage später mal Nachts an der Cuxhavener Kugelbake herumspaziert (natürlich nicht allein, im realen Leben bin ich ein Schisser..) und habe meine Fragen mit eigenen Augen beantwortet.

Dann auf einer anderen Seite gibt’s Stichworte zu meiner Recherche im Bereich „Fußschellen“. Mögliche Synonyme wie „Fußfesseln“ oder „Fussmanschetten“(je nach Art der Fessel) sind ebenso aufgelistet wie ein paar Fakten sowie ein paar weitere Sätze und sogar eine kleine Zeichnung.
Im Nachhinein ist die Erkenntnis, dass man jede Figur die im Buch vorkommt auch in diesem Buch oder auf einer Liste erwähnen sollte. Den vollen Namen und ein kurzes Stichwort. Aber Hauptsache der Name! Damit habe ich erst in der Mitte des Buches angefangen, und es hätte mir wohl wirklich Zeit gespart.

Dieses Buch hat mir sehr geholfen und tut es immer dann, wenn ich schreibe. Besonders wichtig ist für mich, dass ich meine Abläufe und Ideen kompakt gesammelt habe. Denn ich bin zum Beispiel oft für eine Buch verreist, um meinen Freund (Fernbeziehung) zu besuchen. Dort hatte ich dann alles dabei und konnte weiterarbeiten.

»Ja, warum speichert sie sich das alles nicht auf dem PC???«, fragt sich jetzt sicherlich fast jeder Leser. Ganz einfach: weil ich auf dem PC schreibe, und dann von Dokument zu Dokument gehen muss. Und weil ich sehen will, was ich durchgestrichen habe. Ich möchte Post-Ist mit Fragen reinkleben, lose Zettel reinlegen können und vieles mehr. Und weil ich einfach mal eben blättern will. Ich will das in der Hand haben (Kinder mit nem Willen kriegen auf die Brillen, ich weiß- aber ich habe keine Brille ;-)). Man kann das aber sicherlich auch per PC machen. Ich würde es trotzdem ausdrucken und kompakt vor mir liegen haben, wenn ich schreibe. Aber das ist nur eine persönliche Vorliebe. Vielleicht ist das auch eine Idee für euch – Vielleicht auch nicht. Jeder schreibt anders. Aber vielleicht kann ich einem Nachwuchsautor, der jetzt gerade anfängt, ja einfach Zeit sparen. Viele Details die ihr im Laufe eures Buches erfindet, werden eventuell noch einmal wichtig.
An alle die das hier lesen und selbst schreiben: Wie habt ihr das gemacht? Geht es euch ähnlich oder merkt ihr euch die Details ganz anders? Guckt ihr jedes Mal im Dokument nach? Suchfunktion? Ich bin gespannt!

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