Rezension: Der Tod so kalt von Luca D`Andrea

Der Tod so kalt Luca D AndreaJeremiah Salinger, ein amerikanischer Drehbuchautor, produziert eine erfolgreiche Fernsehserie. Als er mit seiner Frau in ihr Heimatdorf in Südtirol zieht, ist er dort trotzdem nur ein Fremder. Er gehört nicht zur Dorfgemeinschaft, da er kein Einheimischer ist. Nachdem er eine neue Idee für eine Fernsehserie in Südtirol in die Tat umsetzt, passiert eine schreckliche Tragödie. Davon traumatisiert, schwört er sich und seiner Frau, Urlaub zu nehmen. Aber dann fesselt ihn ein brutaler Mord an drei jungen Leuten, welche 1985 an der Bletterbachschlucht brutal hingerichtet wurden. Nur durch diese Geschichte fühlt er sich wieder lebendig, aber nur durch diese Geschichte schweben er und seine Familie auch in Gefahr. Er kann trotzdem nicht mit der Ermittlung aufhören, bevor er das Rätsel gelöst hat. Und das Schicksal der drei Toten ist auch das Schicksal vieler anderer, die dran zerbrochen sind.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller ist ausschließlich in der Ich – Perspektive erzählt und bekommt so einen sehr persönlichen und realistischen Beigeschmack. Man fühlte sich tatsächlich mittendrin. Es tickt nicht –wie bei den meisten Thrillern – direkt eine Uhr durch die Seiten, es muss kein Täter gefasst werden um weitere Opfer zu retten. Es gibt einfach einen Mann in einem Dorf, der seine Neugier und Faszination nicht zügeln kann und so zu vielen Leuten zu viele Fragen über schlimme Dinge in der Vergangenheit stellt. Ich dachte oft: „Mein Gott Salinger, hör bloß auf, Fragen zu stellen“ und genau so oft „was ist damals bloß passiert?“.  Damit hatte mich der Autor wohl genau dort, wo er mich auch haben wollte.

Dieser Thriller ist recht dick und langatmig, aber trotzdem nicht detailüberladen und langweilend. Das Buch ist auch ein wenig Roman, welcher zwei Hauptstränge hat und dadurch viele Nebenhandlungen und Charaktere entwickelt. Einmal der Ich –Erzähler mit Frau, Tochter und Schwiegervater in der Gegenwart und dann die drei ermordeten Leute im Jahre 1985 und deren Leben, Probleme, Feinde sowie die Auswirkungen auf einige Zeitzeugen. Die Schreibweise des Autors ist fluffig und es gibt auch viele lustige und ironische Bemerkungen.

Ich hatte vor Jahren mal einen „Krimi“ aus Südtirol gelesen, der mehr einem begeisterten Reiseführer sowie einer Ötzi – Dokumentation glich als einem spannungsgeladenen Krimi. Dieser Thriller hier offenbart auch interessante Details aus dem Leben in Südtirol sowie der Landschaft, jedoch ist es interessant und geschickt in die Geschichte eingebaut. Auch Ötzi kommt kurz wieder vor, ohne Ötzi geht ein in Südtirol spielendes Buch wohl nicht. Aber hier stören mich die interessanten landestypischen, geologischen und historischen Fakten nicht – ganz im Gegenteil: Sie machen die Geschichte sehr realistisch.

Der Plot und die einzelnen Charaktere konnten mich überzeugen, auch das Ende war schlüssig und konnte sowohl überraschen als auch Action bieten.

Was lernen wir daraus?

Der Unterschied zwischen einem Reiseführer mit ein bisschen Krimi, der dann die Krimileser sehr enttäuscht und die am Reiseführer Interessierten niemals erreicht und einem spannenden Thriller, eingebettet in eine interessante Region ist definitiv nicht fließend. Wer einen Reiseführer schreiben möchte, kann das gern machen – darf den aber nicht Regionalkrimi nennen. In diesem Buch hier war die Geschichte wichtig, der Autor gab der Geschichte viel Raum, hatte einen tollen Plot und hat nebenbei Details der Umgebung geschickt eingebaut, damit die Geschichte einen realistischen Rahmen hat. Die Umgebung half der Geschichte – und nicht andersrum. Wer einen guten Regionalkrimi- oder Thriller schreiben möchte, sollte sich fragen ob Details der Geschichte helfen oder ob die Geschichte nur die regionstypischen Aspekte präsentieren soll. Oder ob er lieber einen Reiseführer schreiben sollte, denn das ist ja auch nicht schlecht. Dieses Buch hier zeigt, wie man viele lokale Dinge in eine spannende Geschichte einbaut, sodass man der Geschichte nicht die Spannung nimmt und trotzdem ein interessantes Setting erschafft.

Fazit

Ich vergebe fast 5 Sterne, sagen wir mal 4,5. Der Thriller hat alles, um mich zu fesseln. Ich habe nichts entdeckt, was mir nicht gefällt und sogar das etwas Langatmige gemocht, weil es interessant war und die Athmosphäre des Buches befeuerte. Für die Höchstpunktzahl fehlt noch das ganz Besondere, das Geniale.

Für Thriller- und auch Krimifans ist dieses Buch sicher eine gute Sache. Auch Südtirol – Fans oder Südtiroler dürften ihre Freude an der Geschichte haben, da viele regionale Aspekte gut in die Geschichte eingewoben sind. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Hier gibt es Details zu Buch und Autor auf der Verlagsseite!

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Rezension: Tödliche Jagd von Silvia Stolzenburg / Ein Regionalkrimi mit Tiger

Dieser Krimi hier hat besonders durch sein wunderbares Cover auf sich aufmerksam gemacht. Es ist wirklich eines der besonderen Cover, welches nicht in der Fülle meiner Bücher untergeht sondern einfach auffällt. Einzig meine Katze starrte etwas verstört in Richtung Buch, während sie beim Lesen meine Beine wärmte..

 

Der Inhalt
So ein Samstagmorgen könnte ja ganz schön sein, hätte man als Oberkommissarin nicht Bereitschaftsdienst und eine Leiche im Stuttgarter Schlossgarten. Es kann noch schlimmer kommen, denn die aufgefundene Leiche könnte einem nicht fremd sein. Der Alptraum aller Ermittler: Sie kommen an einen Tatort und kennen die Leiche. Die Kommissarin Anna Benz will den Fall natürlich unbedingt lösen, auch wenn sie befangen ist. Und der Fall ist merkwürdig, denn es gibt Verbindungen in die SM-Szene und in ganz andere Richtungen, die ich hier nicht verraten möchte. Ermittlungspartner Markus Hauer löst bei Anna Benz zunächst keine Jubelschreie auf Grund der drohenden Zusammenarbeit aus. Als dann in Zürich ein Toter im Tigergehege gefunden wird, taucht bald ein Zusammenhang der Fälle auf. Eventuell sind sehr viele Menschen in Gefahr. Aber der Tiger, der wollte nur spielen..

Stil, Machart, Meinung
Dieses Buch hatte mich von der ersten Seite an gepackt und ich hätte am liebsten alles am Stück durchgelesen. Dummerweise muss man dann ja auch noch arbeiten gehen und so.. Die zwei Fälle, die Verbindung, die Spannung, die Kommissare; all das war flüssig geschrieben und spannend.
Gut gelungen war meiner Meinung nach die Balance der Informationen für den Leser. Durch die Erzählperspektive des Killers hatte der Leser einen gewissen Wissensvorsprung, der aber so viel auch nicht nützte. Durch die Perspektive von Kommissarin Anna Benz gab es einen sehr guten und realistischen Einblick in die Ermittlungsarbeit und die vielen kleinen Hinweise, die nach und nach auftraten.
Die Ermittlerin Anna ist ganz klar die Hauptperson im Buch und auch ihr privates Problem, die Verbindung zum Opfer und die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist sehr gut gemacht. Für meinen Geschmack ist es vielleicht einen Tick zu viel Anna. Es störte mich eigentlich nie wirklich, aber manchmal fragte ich mich dennoch, ob man (oder in diesem Fall: Frau ) die eine oder andere Sache hätte schreiben müssen. Aber das ist die Freiheit der Autorin und die Ermittlerin ist definitiv eine sehr interessante Persönlichkeit. Ich möchte auch unbedingt wissen wie es da weitergeht!
Ein besonderes Lob geht an die Recherchearbeit bzw. die realistische Darstellung der Ermittlungsarbeit. Silvia Stolzenburg hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und man merkt ab der ersten Tatortbegehung, dass hier wirklich alles auf realen Fakten basiert und es in Wirklichkeit auch so abläuft. Ich habe hier noch ein paar Details gelernt und bin einfach begeistert über die realistische Darstellung. Der Krimi ist ein Regionalkrimi und spielt in 3 Städten, Tübingen, Stuttgart und Zürich. Die Beschreibungen sind gelungen, stören den Lesefluss nicht und sind sicherlich auch realistisch (Ich war mal im Stuttgarter Zoo, mehr kann ich zu den Örtlichkeiten nicht sagen ).
Ein erwähnenswerter Punkt ist das aktuelle Thema des Buches. So erwähnenswert die Erwähnung dieses Thema auch wäre, hier muss ich jedoch schweigen. Ich möchte nicht spoilern und vorgreifen, und das würde ich hier in gravierender Weise tun. Es ist auf jeden Fall brandaktuell.

Was lernen wir daraus?
Vor allen Dingen eine Sache: Schon bei dem Buch „Das stumme Kind“ von Michael Thode hatte mich das detaillierte Wissen über die Kriminaltechnik und die gute Beschreibung dessen begeistert. Hier ging es mir genauso. Die Autorin lässt das Wissen nicht angeberisch heraushängen, sie beschreibt die Ermittlungsarbeit sehr gut und streut weitere Informationen beiläufig ein. Dadurch wirkt das ganze sehr realistisch, glaubwürdig und sogar lehrreich. Natürlich darf man bei einem Krimi das Wissen nicht unnütz raushängen lassen(dafür gibt’s ja Fachbücher..), da langweilt man nur den Leser. Und Angeber sind ja im Allgemeinen wenig beliebt. Hier muss man also eine gute Balance finden – so wie in diesem Buch hier. Wenn man nun den eigenen Krimi schreibt, sollte man sich vielleicht ein bisschen über für das Buch wichtige Abläufe in der Handlung auch informieren. Klar, wie eine geheime Operation stattfindet, wird man als Normalsterblicher wohl eher nicht herausfinden. Aber man sollte nicht einfach schreiben „da war so ein Gift, und dann war er tot“ sondern da vielleicht ein bisschen recherchieren..  Ich habe tatsächlich eine Menge über Gifte recherchiert, bis ich ein passendes Gift für meinen ersten Krimi gefunden hatte.

Die Autorin
Ich will euch gar nicht lange mit Fakten langweilen, die ja jeder bei Bedarf selbst schnell herausfinden kann. Die Homepage der Autorin ist allerdings sehr sehenswert und eine gute erste Anlaufstelle für alle Informationen zu der Arbeit von Silvia Stolzenburg:
www.silviastolzenburg.de

Fazit
Ich gebe dem Regionalkrimi mit Tiger und dem tollen Cover 4 von 5 Sternen.Plot, Ermittler und Ermittlungsarbeit finde ich sehr gelungen. Ich hätte mir etwas mehr Chance gewünscht, aus einigen Verdächtigen selbst darauf zu schließen wer denn der Täter ist, am Ende ging mir das dann im Vergleich zum Tempo davor dann etwas zu sehr Schlag auf Schlag (aber das ist Geschmackssache..). Ansonsten ein wirklich Spannender Fall und eine tolle Reihe. Den nächsten Fall von Anna und Markus (der im März 2016 erscheinen soll) werde ich auf jeden Fall lesen und kann dieses Buch wirklich empfehlen!

Rezension: Tod in der Hofburg von Beate Maxian ( Wien – Krimi )

Beate Maxian, Wien - Krimi

Beate Maxian, Wien – Krimi

Der Inhalt
In Wien ist einiges los. Erst sprengt sich eine Frau mit einer Handgranate im Sissi-Museum in die Luft und dann schießt ein Heckenschütze auf die Besucher des weltberühmten Neujahrskonzert der Philharmoniker. Journalistin Sarah Pauli schreibt für den Wiener Boten eigentlich nur eine Kolumne über Aberglauben, ist aber durch ihre Anwesenheit am Tatort wie gefesselt von dem Fall. Gefesselt ist auch die mysteriöse Cellistin, die vor dem Attentat etwas beobachtet zu haben scheint und nun gesucht wird.

Stil, Machart, Besonderheiten und meine Meinung
Das Buch ist ein Regionalkrimi und ich bin sicher, dass die Wiener, Österreicher, Wien-Fans und Touristen großen Gefallen an diesem Buch finden werden. Es beschreibt mit Liebe zum Detail die Wiener Orte, sodass sich schon dagewesene sicherlich wohlig und heimatlich fühlen. Für mich, ich stehe ja nicht so auf Geschwafel, war es etwas zu viel. Grundsätzlich kann ich damit jedoch leben, nur an manchen Stellen ufert die Heimatverbundenheit bzw. die detaillierte Beschreibung etwas zu sehr aus. Aber hier sind die Geschmäcker sicherlich verschieden.

Die Journalistin Sarah Pauli ist ganz gut getroffen und scheint in Band 1-4 dieser Reihe schon einiges erlebt zu haben. Sie ist die Hauptperson im Buch und durch ihre Augen erfahren die Leser alles. Warum sie ermittelt, also quasi die Motivation, wird mir gut klar. Sie war selbst beim Attentat zugegen und ist dem Tod demnach knapp entkommen. Klar, da ist man persönlich betroffen und möchte Licht ins Dunkel bringen. Gut finde ich auch, dass sie ihre Ermittlung aus der Sicht einer Journalistin und auch mit der Priorität auf die nächste Berichterstattung unternimmt, das ist mal was anderes. Manchmal bekommt sie von einem Kommissar einen Wink in die richtige Richtung. Störend ist für mich jedoch, dass ihre Ermittlungserfolge allesamt eher dem altbekannten „Kommissar Zufall“ zugeschrieben werden können und sie das gesamte Buch hindurch zufällig immer gerade da ist, wo sich etwas Wichtiges abspielt. Auch, dass Angehörige und Zeugen ihr relativ bereitwillig alles sofort berichten, kommt mir etwas unrealistisch vor. Klar, die Hauptperson der Reihe soll sympathisch bleiben und zu keiner Zeit miese Tricks zur Beschaffung von Informationen anwenden – aber realistisch ist es nicht so recht.

Toll finde ich die ausbalancierte Sprache, in der für mich (als deutsches Nordlicht) so manche Österreichische Begriffe vorkommen, von denen ich noch nie gehört habe aber die ich trotzdem gut einordnen kann. Das finde ich sehr gelungen.

Die Spannung blieb bei mir leider zumeist auf der Strecke. Klar, man will wissen wer da geschossen hat, was die beiden Fälle miteinander zu tun haben und noch vieles mehr. Der Plot an sich ist eigentlich wirklich gut, aber viele Zufälle und viele Ausschweifungen (Mythologie, Lokales) haben meinen Lesefluss nicht so wie gewünscht entstehen lassen. Der Leser wird gekonnt im Unklaren gelassen und es gibt viele mysteriöse Personen und Verstrickungen, aber so richtig mitraten kann man anhand der Informationen dann auch wieder nicht. Bei mir war es leider nicht so, dass ich das Buch vor lauter Aufregung nicht aus der Hand legen konnte. Es war für mich eher so, dass ich das Buch endlich beenden wollte. Gelangweilt wiederum war ich auch nur auf kurzen Strecken, ich denke also es hat mich einfach nicht so richtig gepackt.

Die extra Kategorie „was lernen wir daraus?“ ist dieses Mal nicht von der Partie, da ich die Besonderheiten schon in diese Richtung beschrieben habe und weiterhin keinen Punkt in diese Richtung festmachen kann. Wir wollen es ja nicht erzwingen..

Zielgruppe
Natürlich sind die lokal am nächsten Stehenden auch die Hauptzielgruppe, würde ich sagen. Für den Österreicher, den Wiener und den Wiener Touristen oder ehemaligen Wiener ist dieses Buch sicherlich ein Muss. Die Handlung spielt teilweise an den Hotspots von Wien und die Autorin beschreibt diese Orte liebevoll. Ansonsten einfach erwachsene Krimileser, vielleicht etwas mehr Frauen als Männer.

Informationen
Die Autorin Beate Maxian ist Österreicherin und scheint eine Menge im Bereich von Film, Medien und Literatur auf die Beine zu stellen. Ihre Wien Krimis sind laut der Autorenbeschreibung im Buch Bestseller in Österreich. Dieser Krimi ist ihr fünfter Krimi und auch Band 5 in der Reihe um die Journalistin Sarah Pauli. Außerdem ist sie Initiatorin und Organisatorin des ersten österreichischen Krimifestivals. Mehr auf ihrer Homepage: http://www.maxian.at

Fazit
Die Krimireihe um Sarah Pauli ist von der Idee her gut und ich bin sicher, in Wien/Österreich ist sie wirklich ein Renner. Auch, da sie neben den liebevoll beschriebenen realen Örtlichkeiten zusätzlich aktuelle Themen aufgreift. Aber all das hatte ich eher nicht im Sinn, als ich auf der Rückseite des Buches von Doppelmord, Heckenschütze usw. las. Ich hatte mir das wohl etwas anders vorgestellt, hätte damit aber auch noch gut leben können. Wenn Kommissar Zufall nicht die Ermittlungen geleitet hätte..

Ich kann dieses Buch wirklich allen empfehlen, die aus der Gegend kommen, schon einmal da waren oder sonst einen Bezug haben. Für mich war das ganze eher nichts und nicht spannend genug, weil der eigentlich ganz gute Plot irgendwie nicht immer zu richtig zur Geltung kam. Ich werde kein weiteres Buch der Reihe lesen, aber die von mir umschriebene Zielgruppe sollte es unbedingt tun!Von mir gibts 3 Sterne.

Mehr Fakten und Lesermeinungen gibt es hier auf Amazon, einfach aufs Cover klicken :

Rezension von „Apollonia: Schatten der Vergangenheit“ von Verena Rot

Verena RotHeute Berichte ich über ein Buch, welches mit Create Space veröffentlicht wurde. Es ist als Taschenbuch für 7,90€ und als Ebook für 2,99€ bei Amazon erhältlich und der Auftakt einer 4teiligen Krimireihe um die Hauptperson Apollonia. Wie es bei Selfpublisher-Werken so ist, können sie ja tatsächlich ein echter Geheimtipp oder ein ziemlicher Flop sein. Schauen wir mal..

Der Inhalt
In Förde an der Ostsee möchte sich Apollonia Seidel erholen, denn sie hat in der Vergangenheit etwas Grausames erlebt. In der kleinen Pension von Gilla möchte sie Abstand gewinnen und ihre Seele baumeln lassen, nur leider ist das mit den Plänen ja immer so eine Sache. Denn meistens kommt irgendwie das Leben – oder in diesem Fall der Tod- dazwischen.
Der Fischer Knut wird tot aufgefunden und in der kleinen Hafenstadt geht es dann für die Hauptperson drunter und drüber. Denn in der Pension wohnt auch der attraktive Marc, der Apollonia eigentlich nur das Dorf zeigen möchte, als die Leiche geborgen wird. Durch die Freundschaft von Mark und dem örtlichen Dienststellenleiter Pit finden sich Apollonia und Marc auf einmal mitten in den Mordermittlungen und helfen, wo sie können. Und dann geschieht noch mehr..

Der Stil, die Machart
Dieses Buch ist zu meiner Freude sehr flüssig und schnörkellos geschrieben. Glücklicherweise fehlte die zeilenlange Beschreibung des rauschenden Meeres oder sonstiger Naturschauspiele. Manchmal war mir die wörtliche Rede vielleicht etwas prompt und direkt, aber ich habe mich schnell dran gewöhnt und konnte alles erfreulich flüssig lesen.

Die Personen in Förde sind sehr gut beschrieben, nicht zu ausführlich aber doch genau so, dass man sich die einzelnen Akture merken kann und sie auch direkt ein wenig einordnen zu können. Dieses Buch eignet sich in meinen Augen sehr gut für den Lesequickie unterwegs, da die Kapitel eine gute Länge (oder eher Kürze) aufweisen und die Personen halt einfach gut im Gedächtnis bleiben. Ich habe das Buch gern in der Handtasche gehabt und in der Bahn mal eben ein paar Kapitel gelesen. Das Ende war dann so spannend, da habe ich dann den Rest zuhause in einem Rutsch durchgelesen.
Wie der vorherige Absatz schon besagt, war das Buch spannend. Als Leser wird man am Anfang erst einmal mit der Hauptperson bekannt gemacht, aber dann gibt es auch schnell den Leichenfund. Von diesem Zeitpunkt an geht es natürlich darum, wie der Fischer ums Leben kam. Zum Ende hin wird’s dann auch wirklich turbulent.

Dieser Krimi ist ein Cosy-Krimi. Das Wort cosy steht ja für behaglich und gemütlich, dieses Krimi-Genre verspricht ein gemütlicheres Erzähltempo und wenig gruseligem Blutvergießen oder actionreichen Szenen. Dieser Krimi hier passt perfekt in dieses Genre und ist für mich als Agatha-Christie- Fan gut gemacht. Man hat eine Menge Verdächtige und durchschaut im Laufe der Geschichte die Motive und Beziehungen der Dorfbewohner. Am Ende wird die Geschichte gut aufgelöst. Ich hatte schon ab Mitte des Buches eine Ahnung, wer denn da der Mörder ist, und lag richtig. Aber ich bin natürlich auch erfahren auf diesem Gebiet(ja, ich weiß, ich klinge jetzt wie ein Angeber..). Die Auflösung war dennoch überraschend und es fügte sich alles gut zusammen.

Ein bisschen fragwürdig fand ich die Art, wie einfach Apollonia und Marc in die Ermittlung eingebunden waren. Klar, Marc ist wohl Journalist und hat früher auch schon mit seinem Freund ermittelt, aber das ging doch nun sehr plump direkt zur Mitarbeit. Auch das Apollonia, eine Fremde in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft, direkt mit in die Ermittlung eingebunden wird und dann sogar Antworten auf ihre Fragen von den Dorfbewohnern bekommt, fand ich etwas überraschend. Auch an Tatorten dürfen die beiden ein- und ausgehen. Wenn man davon mal absieht, ist das ganze aber gut konstruiert.

Die Reihe
Teil 1 und 2 dieser 4teiligen Krimireihe sind schon veröffentlicht. Dieser erste Teil hier macht Lust auf mehr und hat definitiv Potential zu einer guten Reihe. Ich werde Band 2 auf jeden Fall lesen.

Die Gestaltung
Das mit Create Space gestaltete Buch gefällt mir gut. Da ich selbst überlege, meinen ersten Krimi so zu veröffentlichen, bin ich begeistert über die Qualität und bestärkt in meinem Vorhaben. Die gesamte Gestaltung gefällt mir gut. Das Cover vermittelt die passende Athmosphäre zum Buch und auch sonst sind Kapiteleinteilung und Schrift gelungen.

Was lernen wir daraus?

-ich für meinen Teil habe auf jeden Fall gelernt, dass selbstverlegte Bücher einen sehr guten Eindruck bei der Gestaltung machen können. Und das es unter Selfpublishern eine Menge talentierter Autoren gibt, die eine Chance verdienen.
-Cosy-Krimis kommen, zumindest bei mir, nie aus der Mode. Natürlich, der Trend geht zu immer mehr Blut in immer kürzerer Zeit und teilweise eine verschwenderische Menge an Leichen, die in meinen Augen nicht sein muss. Die Autorin schafft es, mit auf den Punkt gebrachten, dennoch nicht zu detaillierten Beschreibungen der Toten und Tatorte, genug Informationen zu liefern aber niemals anstößige, eklige Szenen zu kreieren. Klar, mal so ein CodyMcFadjen oder Stefan Ahnhem zwischendurch ist auch was feines, aber grundsätzlich kann man das ja nicht oft aushalten..
-Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Diese Geschichte konzentriert sich auf die Basics des Krimis, die einfache Gleichung geht auf:

Leiche + Dorf voller Verdächtige + Ermittler + Verstrickungen + mehr Unheil +schlüssige Auflösung = guter Krimi

Fazit
Diese Autorin und auch diese Krimi-Reihe müssen sich Krimileser einfach merken. Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Schnörkellos und doch treffend beschreibt Verena Rot die Personen und das Geschehen und schafft gleichzeitig Atmosphäre. Auch das Format und die Eignung für den „mobilen Gebrauch“ finde ich gut.

Zum Schluss verweise ich noch auf die nette Internetseite der Autorin, dort kann ja mal gestöbert werden: www.verenarot.de
Details zum Buch gibt’s hier noch einmal mit direktem Link zur Produktseite auf Amazon, ich hoffe ihr gebt dem ersten Krimi von Verena Rot eine Chance:
Apollonia: Schatten der Vergangenheit

Rezension: Rennsteig-Schwalben von Klaus Jäger – Ein Thüringen-Krimi.

Rennsteig-SchwalbenHeute berichte ich erneut von einem Regionalkrimi aus dem Emons Verlag, dieses Mal allerdings aus Thüringen. Der Titel Rennsteig-Schwalben sagte mir zunächst wenig, erschließt sich dann aber später.
Zunächst möchte ich den Teaser der Buch-Rückseite zitieren, um den Inhalt zu verdeutlichen:
„Im beschaulichen Riedburg bricht ein Mann nach einer Verfolgungsjagd tot zusammen. Hat die Polizei zu hart zugegriffen? Noch während Polizeireporter Peter Hartmann den ersten Theorien nachgeht, wird die Leiche geraubt – und die beiden Bestatter werden regelrecht hingerichtet. Wenig später findet man im Thüringer Wald einen weiteren Toten. Hartmanns Recherchen führen ihn auf die Spur eines Rudels menschlicher Wölfe..
Realistisch, authentisch, aufrüttelnd: ein mitreißender Kriminalroman aus Thüringen.“
Dann wird noch ein Zitat aus einem anderen Buch des Autors und eine Empfehlung zu diesem Buch aufgeführt – das ist irritierend und irgendwie fehl am Platz.

Meine Inhaltsangabe..
..finde ich hier dennoch angebracht, denn ich denke nicht das der oben zitierte Ausblick aufs Buch dem potentiellen Leser verrät, ob das Buch etwas für ihn ist. Denn das Hauptthema des Buches wird nicht so ganz deutlich und so könnte man in die Irre geführt werden.

Ich würde das ganze so zusammenfassen, ohne zu spoilern:
Direkt zu Beginn des Buches findet sich der Leser in einer Verfolgungsjagd wieder, die für den von der Polizei verfolgten Mann ein tödliches Ende nimmt. Während interne Ermittlungen beginnen, um die Todesursache und die Schuld der Polizisten zu klären, kommt jedoch die Leiche abhanden. Die Bestatter wurden auf dem Weg vom Tatort zur Pathologie überfallen und brutal hingerichtet. Reporter Peter Hartmann war zufällig am ersten Tatort und steht nun unter Druck – um gute Artikel zu präsentieren muss er selbst ermitteln. Dabei stößt er auf ein unglaubliches Netz aus Menschenhandel und Prostitution. Der Leser erfährt schockierende Details über den Weg armer Mädchen von Weißrussland nach Thüringen und in die Prostitution. Was hat das mit der geraubten Leiche zu tun?
Stil, Machart, Besonderheiten
Ich muss sagen, die spannende Situation direkt zu Beginn verspricht so einiges. Der Leser steigt mitten in der Verfolgungsjagd ein, ohne zu wissen worum es geht. Und da ist der Verfolgte auch schon tot. Das finde ich gut.
Dann leider geht der Spannungsbogen zunächst nach unten. Hier kam mir zwischenzeitlich die Lust zum Weiterlesen abhanden, wenn ich ehrlich bin. Zunächst ist man auch noch nicht vollständig drüber im Bilde, das ein Großteil der „Ermittlungsarbeit“ aus der Perspektive von Reporter Hartmann stattfindet und nicht aus Reihen der Polizei. Da manchmal allerdings auch aus der Polizeiperspektive eine Entwicklung geschildert wird, ist das ganze etwas doppelt gemoppelt und keiner der Ermittler wird dem Leser so richtig sympathisch bzw. wächst ans Herz.
Zwischendurch war ich tatsächlich von mehreren Ausschweifungen gelangweilt, beispielsweise gibt es anfangs ein paar Seiten zum Thema „Fahren auf deutschen Autobahnen“, welches wohl jeder schon selbst erlebt hat und noch nicht einmal lustig beschrieben ist. Das hätte ich mir selbst unterhaltsamer erzählt. Solche Ausschweifungen mögen bei manchen Lesern sicherlich gut ankommen. Ich mag so etwas auch, aber nur wenn es lustig, interessant oder für den Fortgang der Geschichte hilfreich ist. So ging es mir wie gesagt an einigen Stellen. Während andere, spannende Stellen durchaus detaillierter hätten sein können, war es bei den unwichtigen Dingen dann manchmal einfach zu lang. Die Balance hat mir irgendwie nicht gefallen – ist aber sicherlich auch Geschmackssache.
Das Thema. Ich wusste zunächst nicht, dass dieser Regionalkrimi in Richtung Prostitution und Menschenhandel gehen wird. Das ist schade! Denn ich glaube nicht, dass mich das Buch mit diesem Thema so sonderlich interessiert hätte. Organisierte Kriminalität ist einfach nicht mein Lieblingsthema in Sachen Krimi. Trotzdem, und das finde ich eine der großen Stärken dieses Krimis, konnte der Autor dieses sensible und erschreckende Thema hervorragend beschreiben und dem Leser näherbringen. Der durchschnittliche Leser dürfte in der Realität eher wenig mit Prostituierten und Menschenhandel in Verbindung gekommen sein, und jeder hat sicherlich so seine Vorurteile in Sachen Rotlichtmilieu. Der Autor schafft es, anhand einer konkreten Situation die unglaubliche Brutalität dieses Geschäftes und den Leidensweg der hoffnungsvollen Mädchen aufzuzeigen, die dann doch nicht wie erwartet in eine bessere Situation gelangen. Die Schilderung ist sehr gut gelungen und interessant sowie bedrückend. Im weiteren Verlauf schafft Klaus Jäger es außerdem, die Prostituierten menschlich und normal erscheinen zu lassen. Sie behalten ihre Würde und das Milieu wird besser dargestellt als sein Ruf. Diesen Einblick möchte ich nicht missen.
So gelungen die Darstellung des Hauptthemas auch ist, richtig spannend wurde es für meinen Geschmack nicht. Man wusste irgendwie immer schon vorher, was passieren wird. Überraschende Wendungen gab es nicht wirklich (na gut, eine, am Ende, aber die war nach der Klärung des Falles..). Irgendwie konnte man sich sehr viel schon vorher ausmalen und war dem ermittelnden Reporter immer eine Nasenlänge voraus. Da fühlte ich mich irgendwie etwas verschaukelt und gelangweilt. Dieses Buch war für mich einfach kein Pageturner, ich musste mich eher zum Weiterlesen zwingen.
Ich denke, es wäre besser gewesen, wenn die Ermittlung nur aus Richtung der Polizei beschrieben wurde, von einem oder zwei Ermittlern. Da hätte man sich besser konzentrieren können und die Hauptperson lieb gewonnen. Aber bei diesem Durcheinander und dem Versuch von der Kombination der polizeilichen und berichterstattenden Perspektiven ist eine Menge Zwischenmenschliches Abhanden gekommen.
Ein paar merkwürdige Bezeichnungen fielen mir auf und manche Sätze ließen mich kurz stocken. Ich denke aber, das liegt vielleicht an dem regionalen Slang. Ansonsten war der Krimi flüssig geschrieben, wenn auch –wie schon geschrieben- die Balance der Darstellung nicht nach meinem Geschmack war.

Der Titel
Zunächst wusste ich mit dem Titel nix anzufangen. Als ich dann beim Lesen irgendwann drauf kam, dass die gefährlichen Wölfe vom Klappentext dann Menschenhändler sind, konnte ich mir auf das Wort „Schwalben“ dann schon einmal einen Reim machen. Dann recherchierte ich, dass „Rennsteig“ folgendes ist: „Vom Mittellauf der Werra bis zum Oberlauf der Saale zieht der Rennsteig als Höhenweg über den Kamm des Thüringer Waldes und des angrenzenden Thüringer Schiefergebirges, bis in den nördlichen Frankenwald.“ (vgl.www.thueringen.info)
Unter diesem Aspekt ist der Titel sehr gelungen, anstatt Bordsteinschwalben (als anderes Wort für Prostituierte) ist mit Rennsteig-Schwalben das Gebiet gemeint, in dem der Krimi spielt.
Zielgruppe
Wie es mit Krimis meistens so ist, sind hier ganz klar Erwachsene die Zielgruppe. Ich würde eher sagen, dass dieser Krimi etwas für Männer ist als für Frauen. Das kann aber auch an mir liegen, für mich als Frau war es thematisch nicht so ganz das richtige. Die zwischenmenschlichen Dinge zwischen Ermittlern usw fehlten mir bzw. waren nicht sehr ausgereift und das Thema hatte grundsätzlich irgendwie eher ein männliches Flair für mich. Natürlich, da bin ich sicher, werden Menschen aus Thüringen das Buch viel interessanter und besser finden als Menschen aus ferneren Regionen.
Was lernen wir daraus?
-Also ich für meinen Teil habe daraus gelernt, dass die Balance der Erzählung wichtig ist. Für die Handlung unwichtige Dinge sollten hochinteressant, lustig oder einfach grandios sein, sonst haben sie für mich wenig in der Geschichte zu suchen. Die Spannung darf nicht auf der Strecke bleiben, für meinen Geschmack allerdings darf das ganze gern humoristisch aufgelockert werden.
-Man sollte dem Leser vorher einen Hinweis geben, in welche Richtung eine Erzählung so geht. Wenn ich im Klappentext lese, dass bei einer Verfolgungsjagd einer stirbt und dann geklaut wird, dann ist das für mich interessant. Darum geht’s ja im Buch tatsächlich auch, aber es hängt eben alles mit Menschenhandel zusammen. Und Menschenhandel, oder weiter organisiertes Verbrechen ist nicht so meins in Sachen Krimi. Ich möchte raten wer der Mörder ist und warum, möchte zwischenmenschliches Zusammenspiel (oder Abgründe) und Spannung, Wendungen und Nervenkitzel.
Fazit
Ich hatte mir wohl was anderes versprochen und das Ganze war nicht so richtig mein Thema. Wer aus Thüringen kommt und Krimis über organisiertes Verbrechen toll findet: Kauft das Buch! Für mich jedoch ist das Buch gerade so 3 von 5 Sterne gut und ich werde sicherlich kein Buch des Autors mehr lesen. Man sollte sich wohl eher auf einen Ermittler konzentrieren, der irgendwie was besonderes ist oder mit dem sich ein Leser identifizieren kann, anstatt zwei Ermittlungsperspektiven so halbwegs zu kombinieren. Positiv war wie bereits erwähnt die Darstellung vom Weg eines Mädchens zur Prostituierten, das war harter Tobak aber einfach gut gemacht. Das ist wie gesagt alles Geschmackssache, und diese Rezension war meine persönliche Meinung.

Rezension: Der tote am Gletscher von Lenz Koppelstätter – Ein Regionalkrimi mit Ötzi

Der Inhalt:
In dem Südtirol-Krimi auf dem KiWi-Verlag ermittelt Commissario Grauner mit seinem Kollegen Saltapepe. So recht viel war in letzter Zeit nicht los, aber dann wird im Scharlstal kurz vor Weihnachten plötzlich eine Leiche entdeckt. Skipisten Toni muss bei der Entdeckung fast selbst dran glauben und rennt schreiend ins Dorf. Ganz in der Nähe würde vor einiger Zeit auch die berühmte Steinzeitmumie Ötzi entdeckt. Und der Zusammenhang zwischen den beiden Leichen scheint noch etwas größer zu sein, denn der Tote wurde mit einem Pfeil getötet, der einer von Ötzis Pfeilen gewesen sein könnte. Auch die Lebensweise des Toten wirft Rätsel auf, denn der „Sattler Peppi“ hatte es sich in einer wenig wohnlichen Höhle im Wald als Einsiedler bequem gemacht und hinterließ ein paar merkwürdige Hinweise und eine faszinierende Ex-Frau..

Der Stil, die Aufmachung

Dieser Krimi ist ein Regionalkrimi. Ich finde Regionalkrimis immer toll, wenn die richtige Mischung zwischen Lokalkolorit und Handlung gefunden wird. In dieser Geschichte nimmt das Wort Regional im Begriff Regionalkrimi allerdings einen so großen Raum ein, dass man für die erste Hälfte des Krimis auch „Reiseführer für Südtirol mit einem Hauch bizarren Ötzi-Krimis“ als Bezeichnung etablieren könnte. Einige regionale Schilderungen sind echt interessant, andere nerven mich und nehmen zu viel Raum ein. Bei mehreren Büchern, die ich zuvor rezensiert habe, war die Mischung zwischen Regionalkrimi und spannendem Krimi beispielsweise perfekt: Mainleid, Herzsammler, Beisha -Getötet, Bullet Schach.

Dieser Regionalkrimi ist auch ein Ötzi-Krimi. Ich denke, jeder der sich für den Ötzi-Fund interessiert, muss dieses Buch lesen. Da führt eigentlich gar kein Weg dran vorbei. Es geht in diesem Buch um Ötzi, und zwar nicht mal kurz nebenher. Teilweise spielt die Handlung im Museum, in dem Ötzi liegt. Die aktuelle Leiche auf dem Gletscher hat auch etwas mit der vorherigen Leiche (Ötzi) zu tun. Ich hatte da bis jetzt eher wenig Interesse, aber mal ein bisschen was gehört. Als Ötzi gefunden wurde, war ich ja schließlich noch ein Kind. Daher finde ich es ganz gut, nun mal etwas Wissen zu diesem Thema erworben zu haben.

Der Regional-Ötzi-Krimi ist mit zwei Hauptsträngen interessant kombiniert: Auf der einen Seite gibt’s eine Menge Dorfklatsch und die kleinen zwischenmenschlichen Probleme in der Dorfgemeinschaft. Auf der anderen Seite geht es mit dem Ötzi-Fund und dadurch mit Archäologie und internationalem Kunsthandel dann geschichtlich und international zu. Das finde ich gut gemacht.
Der Krimi ist schon irgendwie klassisch, man lernt eine Menge Personen kennen und muss diese schon irgendwie einordnen. So ein richtiges Miträtseln wie in den klassischen Agatha Christie Krimis oder meiner Neuentdeckung vom letzten Blogeintrag, Mainleid von Anja Mäderer, kommt irgendwie nicht auf, dafür ist das Feld zu weit und die Informationen zu lückenhaft.

Die Geschichte selbst nimmt für mich viel zu langsam Fahrt auf, wohl gerade durch die massigen Nebeninformationen zu regionalen Gegebenheiten. Ich hatte zwischenzeitlich keine große Lust weiterzulesen und habe erst einmal ein anderes Buch begonnen. Das einzige, was den gutmütigen Leser bei der Stange hält, ist der skurrile Mord auf dem Gletscher. Wieso liegt nahe der Ötzi-Fundstelle ein komischer Kauz, der ein Einsiedlerleben im Wald führte, mit einer uralten Pfeilspitze im Nacken im Schnee? Und die Frage, ob es noch besser wird, interessierte mich natürlich auch.

Ein guter Ansatz bei der Geschichte sind die beiden Ermittler Grauner und Saltapepe. Sie sind wirklich so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Der einheimische Kommissar betreibt neben seinem eher eintönigen Job (wenn nicht gerade eine Leiche am Glescher auftaucht) einen Bauenhof und ist mit seinem Landleben sehr zufrieden. Saltapepe hingegen wurde aus Neapel strafversetzt und hat Probleme mit der Sprache, der Langeweile und will eigentlich viel lieber Mafiosi hinter Schloss und Riegel bringen. Die Gegensätze ziehen sich durch die Geschichte, der eine isst um Punkt 12 Uhr Mittag, der andere niemals vor 13 Uhr. Der eine will Knödel mit Haxn, der andere Saltimbocca. Diese Gegensätze sind lustig und bei der Ermittlung auch interessant. Jeder hat Vor- und Nachteile.

Die Nebenfiguren sind auch gut gemacht. Vom Skipisten- Toni bis hin zum unsympathischen Bürgermeister sind die Charaktere alle irgendwie klischeehaft und doch originell dargestellt, ich denke jeder kennt zu den Charakteren in der Geschichte auch jemanden aus seinem Umfeld, der so ähnlich ist.

Was lernen wir daraus?

-Regionalkrimis. Sie sind was tolles, denn wenn eine spannende Geschichte in einem stimmigen Flair spielt, dann macht das Lesen einfach Spaß. Ich lerne auch gern andere Umgebungen, Städte und Länder kennen und bin interessiert an den Eigenarten. Wenn es allerdings zu überladen rüberkommt und der Geschichte nicht dienlich ist, dann schreckt es mich ab. Wenn man in seine Geschichte in einer bestimmten, genau definierten und real existierenden Umgebung schreibt, dann sollte man die richtige Mischung finden und das Ganze auch durchziehen. Wenn in München alle Menschen „Moin“ zur Begrüßung sagen, dann stimmt da was nicht. Letzteres hat dieses Buch erfüllt, es scheint stimmig – aber es ist einfach zu viel. In diesem Sinne: die Mischung machts!

-Ermittlerduos sind schon lange im Trend und werden es wohl noch lange sein. Dieser Krimi hier ist ein gutes Beispiel für eine explosive, aber erfolgreiche Kombination zweier Ermittler. Da steckt Potential drin! So etwas muss man finden, und diese zwei unterschiedlichen Charaktere sollten auch beide auf ihrer Art zur Lösung des Falles beitragen, finde ich.

Fazit

Ich bin mir unsicher, ob ich einen weiteren Fall der beiden Ermittler Grauner/Saltapepe lesen würde. Wahrscheinlich eher nicht. Die Ermittler selbst fand ich toll, der Mordfall war auch nicht schlecht. Aber der bis zur Hälfte des Buches andauernde, sehr schleppende Anfang machte es mir wirklich schwer. An Ende nahm die Geschichte dann Fahrt auf, aber so ein richtiges Lesevergnügen mit nervenzerreißender Spannung, das ist dann doch noch etwas anderes. Für Leser aus dieser Region und solchen, die an Ötzi interessiert sind, ist dieses Buch wahrscheinlich ein 5Sterne Geheimtipp. Ich jedoch vergebe 3 von 5 Sternen für diese Ötzi-Mordgeschichte.