Rezension: Der Federmann von Max Bentow. Ein Berlin – Psychothriller

federmann

Endlich habe ich es geschafft, mit der Thriller- Serie um Nils Trojan zu beginnen. Da der Teaser auf der Rückseite des Buches dieses Mal weitestgehend zutrifft, spare ich mir eine eigene Inhaltsangabe und dir Zeit. Hier der Inhalt laut der Buchrückseite:

Er tötet Vögel – und Frauen mit blondem Haar. Niemand kennt sein Gesicht. Außer einem kleinen Mädchen. Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord: Wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der Federmann einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Unterstützt von der Psychologin Jana Michels macht sich Trojan an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele.
Stil, Machart, Meinung
Zunächst einmal das Wichtigste: Das Buch liest sich flüssig weg. Es beginnt spannend und man will jederzeit wissen, wie es denn weitergeht. Am Ende ist es ein spannender Wettkampf gegen die Zeit, und auf einmal ist das Buch auch schon vorüber. Wann immer es mir bei einem Buch so geht, dann war es gut.
Die Geschichte spielt in Berlin und ist durch die vielen Straßenangaben und sonstigen Anhaltspunkte auch eine Art Regionalthriller. Berliner dürften sich an den vielen realen Gegebenheiten sehr erfreuen, Ortsunkundige (wie ich) werden sich davon nicht gestört fühlen.
Der Autor legt den Hauptaugenmerk bei seinen Schilderungen auf den Akt des Tötens und die Art und Weise, wie die Opfer aufgefunden werden. Wer ein zu zartes Gemüt für die detaillierten Beschreibungen der doch recht kranken Art der Morde und die schonungslose Beschreibung der Leichen hat, sollte sich vielleicht eher nicht an dieses Buch heranwagen. Es birgt definitiv einige Elemente für alptraumreiche Nächte. Ich bin nur froh, dass meine Haarpracht nicht blond ist.
Die Auflösung, wie es in Thrillern ja im Vergleich zu Krimis meistens ist, findet eher durch die (rasanten) Geschehnisse statt und nicht durch den Leser. Man kann die Lösung nicht wirklich selbst erraten sondern liest mit, wie Kommissar Trojan durch teilweise gutes Kombinieren und natürlich auch ein paar wirklich gewagte Vermutungen ans Ziel gelangt. Am Ende denkt man dann vielleicht „ach ja, ok, macht Sinn.“ Was man natürlich erahnen kann, sind so manche Szenen. Man ahnt irgendwie, wer noch in Gefahr gerät und in einzelnen Szenen natürlich auch was gleich passieren wird. Grundsätzlich also sehr gut gemacht, der Autor spielt geschickt mit der Angst und Vorahnung des Lesers. Ein bisschen mehr Chance, auf die Lösung selbst auch zu kommen, hätte ich mir vielleicht noch gewünscht. Dieses darf ich allerdings nicht bemängeln, denn wenn das unbedingt sein muss, hätte ich mir wohl eher einen klassischen Krimi aussuchen sollen.
Etwas schade finde ich, dass das Hauptaugenmerk, wie im vorherigen Absatz beschreiben, nicht etwas mehr auf der Psyche des Killers liegt. Die Bezeichnung „Psychothriller“ auf dem Titel finde ich etwas unpassend, denn so viel Psycho ist trotz Therapeutin in der Geschichte nun auch nicht zu finden. Die Motive und damit verbundene Hinweise auf den Thriller hätten mich schon während der Erzählung interessiert, die Aufklärung samt Hintergründe erfolgt dann aus der Sicht des Täters aber erst ganz am Ende. Ehrlich gesagt stört mich dieser Punkt jetzt aber auch nicht sehr stark, denn ich war wie schon gesagt das gesamte Buch über gut unterhalten, blätterte die Seiten in Windeseile um und somit hat das Konzept offensichtlich funktioniert.
Ein weiterer, kleiner Kritikpunkt ist die Beschreibung der „Actionszenen“ am Ende. Ich bin mit reichlich Fantasie gesegnet (sonst hätte ich wohl auch nicht so viel Spaß am Lesen und Schreiben), muss allerdings zugeben das ich am Ende etwas verloren war. Ich möchte nun natürlich nichts vom Ende verraten, deshalb nur so viel: Bei der rasanten Beschreibung hatte ich mehrmals einfach nur Fragezeichen im Kopf, eine Sprechblase von mir lesend in einem Comic hätte einfach nur die ungenau formulierte Frage „Häää?“ erhalten, und das mindestens 5 Mal.

Der Ermittler und die Reihe
Der Ermittler, Nils Trojan, ist eine interessante Figur. Auf der einen Seite entspricht er dem mittlerweile recht gängigen Ermittlertypus des geschiedenen, alleinlebenden Kommissars. Irgendwie sitzt er dann doch jeden Abend allein mit Alkohol in der Wohnung, wenn er nicht gerade an einem Tatort ist. Für seine Tochter hat er auch nicht wirklich viel Zeit. Andererseits geht er regelmäßig zu einer Therapeutin und versucht, seine Probleme zu bekämpfen. Das ist ja eher ungewöhnlich, für so einen harten und einsamen Wolf. Vielleicht liegt es allerdings auch daran, dass die Therapeutin sehr attraktiv ist. In dieser Richtung entwickelt sich natürlich etwas..
Die Gedankengänge des Kommissars, besonders die privaten, nehmen einen großen Raum ein –stören aber nicht. Irgendwie sind die privaten Gedanken auch oft mit dem Fall verknüpft oder erweisen sich als hilfreich, das finde ich durchaus gelungen. Trotzdem muss ich mich wundern, dass am Ende trotz der vielen privaten Empfindungen und auch der Erzählperspektive des Ermittlers nicht so viel Sympathie für Nils Trojan bei mir ankam, wie es wohl vorgesehen war. Er war mir schon sympathisch und ist definitiv ein Held, aber so ganz mein Typ Mensch war er dann vielleicht doch nicht.
Dieses Buch (Originalausgabe erschien 2011) ist das erste Buch, welches ich von Max Bentow gelesen habe und Teil 1 der Thriller-Reihe um Nils Trojan. Die Personen in seinem Leben und seine Person selbst bieten definitiv eine Menge Stoff für weitere Fälle, und da es bis jetzt auch schon weitere Bände gibt hat der Autor das Potential sicherlich gut ausgeschöpft. Neidvoll muss ich anerkennen, dass ich von der Effektivität des Autors begeistert bin. 2011 erschien Teil 1 und nun liegt bereits der 5. Teil auf meinem SuB.
*Achtung, Spoiler!*
Der 5. Teil auf meinem SuB, „Das Dornenkind“, soll davon handeln das der Federmann (also der Killer aus diesem, dem ersten Band) zurückkehrt. Ich wusste es vorher, da es ja groß auf dem 5. Buch steht, und wusste damit auch, dass das Ende dieses Buch noch nicht alles war. Ich werde jetzt, und das ist wirklich untypisch für mich aber auch gleichzeitig mal ein Experiment, vom ersten Band direkt zum fünften Buch springen und mal schauen, wie es sich so macht. Ich werde dann sicherlich einiges im Leben des Ermittlers verpassen, steige dafür aber direkt nach Band 1 ein, was den Federmann betrifft. Da ich sonst immer die Reihenfolge einhalte, will ich mal schauen wie das so klappt. Und wenn das Buch dann genau so gut war, überlege ich mal ob ich nicht Band 2-4 auch noch anschaffe..

Was lernen wir daraus?

Ich würde sagen, erstaunlich und motivierend ist auf jeden Fall die Tatsache, das Max Bentow Band 1 dieser Reihe 2011 veröffentlicht hat und nun, ende 2015, bereits der 5. Band erschienen vor mir liegt. Das ist vorbildliches Arbeiten!

Ausserdem werde ich die Actionszenen in meinem Krimi noch einmal genauer überprüfen und schauen, ob sich die Leser auch wirklich die rasanten Szenen gut vorstellen können – das diese Szenen sehr schwierig sind, habe ich beim Schreiben übrigens auch schon gemerkt. Mein Mann musste eine Szene mit mir vor dem Schlafzimmerspiegel nachstellen, um Klarheit bei der Beschreibung zu schaffen (Nein, es war nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst..).

Fazit
Dieser Thriller hat mir gut gefallen, denn ich wollte zu jedem Zeitpunkt unbedingt weiterlesen und fühlte mich demnach sehr gut unterhalten. Der Plot ist gut, die Ideen von Max Bentow sind gut (und gruselig), es ist flüssig geschrieben und zu keiner Zeit kommt Langeweile auf. Ein bisschen mehr Tiefgang in Sachen Tätermotiv hätte mir gefallen und etwas mehr Hilfe fürs Kopfkino bei den Actionszenen hätte auch nicht geschadet, aber ich vergebe gern 4 Sterne und lese jetzt wie gesagt direkt das nächste Buch von dem Autor. Für zarte Gemüter ist der Thriller vielleicht nicht so geeignet, wenn diese Gemüter dann auch noch blondes Haar und Angst vor Vögeln haben, rate ich vom Lesen eher ab. Ansonsten kann ich es den Lesern von Krimis und Thrillern wärmstens empfehlen und bin sicher, diese Reihe ist mit Recht so erfolgreich und in aller Munde.

PS: Für mehr Informationen schaut doch gern mal auf der Homepage von Max Bentow vorbei, sie ist sehr schön gestaltet und dort gibts auch die Informationen über alle 5 Bände und natürlich den Autor selbst.

 

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Ein Gedanke zu “Rezension: Der Federmann von Max Bentow. Ein Berlin – Psychothriller

  1. Pingback: Rezension: “Das Dornenkind” von Max Bentow (Nils Trojan Teil 5) | Die Tipperin schreibt,liest und freut sich.

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