Rezension: Mordskunst von Klaus Paffrath. Ein Thüringen – Krimi über die Kunstszene

MordskunstDieses Buch ist ein Regionalkrimi, Staatsanwalt Johannes Fielding beginnt seinen neuen Job in Erfurt und gerät direkt ins Geschehen. Es ist der zweite Fall für Fielding, den ersten habe ich nicht gelesen. Das muss man auch nicht, um dieser Geschichte ohne Einbußen folgen zu können. Los gehts, mit der Rezension! Und war lernen wir eigentlich daraus?

Zunächst der Teaser vom Buchrücken:
„Der Liebe wegen kehrt Johannes Fielding als Staatsanwalt von Berlin nach Erfurt zurück. Doch schon der erste Arbeitstag beginnt turbulent: Die Staatsanwaltschaft steckt mitten in einer Feuerwehrübung. Nur ärgerlich, dass einer der Komparsen, der einen Verletzten spielt, einfach nicht wieder aufstehen will. Noch ärgerlicher: Der Mann auf der Trage ist mausetot. Schnell steht fest, dass es sich um einen Amerikaner handelt, der gerade dabei war, einen Fall von Kunstfälschung anzuzeigen.
Kurze Zeit später erscheint der zuständige Staatsanwalt Peer Hildebrandt nicht zum Dienst. Als Fielding ihn zu Hause aufsucht, stößt er auf eine eingeschlagene Terrassentür, Blut am Türrahmen und sieht die Entführer Hildebrandts in einem Van flüchten. Beherzt nimmt Fielding die Verfolgung auf und bringt sich damit in größte Gefahr.“

Meine Meinung zum Teaser:
Schnell vorweg, in dem Text oben wird man nicht in die Irre geführt, all das passiert wirklich. Jedoch ließ ich mich dadurch für das Buch begeistern und musste dann feststellen, dass es irgendwie nicht so ganz meins ist. Erst einmal sagt diese Zusammenfassung schon den Großteil der Geschehnisse im Buch aus. Hat man diesen Text vorm Lesen des Buches gelesen, dann wird man erst ab der Hälfte des Buches mit neuen Wendungen überrascht. Meiner Ansicht nach ist das etwas spät.
Ich hatte zwar auch das Wort Kunstfälschung im Teaser gelesen, ahnte aber nicht, dass dieser Aspekt in der Geschichte so viel Raum einnehmen würde. Hätte ich das gewusst… nun ja.

Stil, Machart, Meinung
Ich muss sagen, ich mochte den Anfang des Buches sehr. Darüber kann ich ja dank des vorgreifenden Klappentextes berichten, ohne dich der Spoiler-Gefahr auszusetzen. Der Leser bekommt direkt den Tod vom Amerikaner mit und hat dadurch einerseits einen kleinen Wissensvorsprung und andererseits eine lebhafte Szene vor Augen. Auch die Reaktion des Mörders, die Leiche bei der Feuerwehrübung als Komparsen zu drapieren, kam bei mir sehr gut an.

Auch die erste Begegnung zwischen Leser und Hauptperson Fielding verlief hoffnungsvoll, denn dieser fuhr direkt ins Geschehen (und das ist nicht übertrieben!) und brachte mich mit seiner ersten Aktion schon einmal zum Schmunzeln. Und genau damit kommen wir zum für mich besten Punkt dieses Regionalkrimis: den Humor! Denn wie schon mehrmals festgestellt, mag ich humoristische Elemente in den von mir ja eher ernsten Lieblingsgenres Krimi und Thriller sehr gern. Sie sind aber durchaus schwierig zu erzeugen. Denn die düstere Grundstimmung, immerhin ist ja in den meisten Büchern dieser Art etwas Schlimmes passiert oder im Gange, muss feinfühlig und passend aufgelockert werden. Klaus Paffrath gelingt es mehrmals ganz hervorragend. Sei es in der Anfangsszene, bei der Autopsie oder am Ende in der eigentlich gefährlichen Situation um Leben und Tod.
Für mich eher schwach ist die Beschreibung so mancher Gedankengänge der Hauptperson. Er vertraut sehr mysteriös wirkenden Typen, irgendwie denkt er immer sie haben sehr viel Dreck am Stecken und sitzt dann mit denen in einem Auto und führt Unterhaltungen. Mehrmals habe ich mich gewundert und fand Reaktionen oder Gedankengänge irgendwie unlogisch. Auch, das er seiner Freundin Tina nach einem Gespräch direkt alles Mögliche unterstellt, ist fragwürdig. Trotzdem muss ich da als Frau wohl drauf vertrauen, dass der Autor als Mann mehr Ahnung von den Reaktionen eines Mannes in solchen Situationen hat.
Ein weiteres Problem mit dem Lesestoff war die Ermittlungsleistung von Staatsanwalt Fielding. So unglaublich viel ermittelt hat er meiner Meinung nach nicht, die wichtigsten Durchbrüche gelangen zufällig und er lag auch meistens komplett falsch bei der Deutung des Geschehens. Gut, dass kann ich der Hauptperson nicht verübeln, man muss den Leser ja auch ein bisschen in die Irre führen. Trotzdem ist der Leser, ich war es zumindest, gedanklich wohl in den meisten Situationen schon mehrere Schritte weiter. Alles in allem kam mir der gute Herr Fielding irgendwie sehr naiv rüber und andererseits erinnerten mich die dramatischen Überinterpretationen in Richtung Freundin doch eher an eine hysterische Frau als einen abgeklärten Staatsanwalt.. aber das ist ja auch mal was anderes.

Die Schreibe von Klaus Paffrath gefällt mir, es liest sich gut und flüssig weg. Das Lob braucht wohl keine weiteren Worte.
Für mich eigentlich nicht interessant war der Fokus auf dem Thema Kunstmarkt und Kunstfälschung. Ich muss aber im Nachhinein sagen, ich habe einiges gelernt und es war eine interessante Erfahrung. Trotzdem fand ich es etwas einseitig, dass sich das Thema direkt so entwickelte und der Fall von Anfang an mit Kunst zu tun hatte – es hätte ja auch ein anderer Aspekt aus dem Leben des Opfers sein können, das Opfer selbst hatte irgendwie recht wenig Raum.
Der Regionalkrimi spielt wie schon erwähnt in Erfurt. Ich kenne mich in dieser Umgebung nicht sehr aus, finde aber die regionalen Aspekte wurden geschickt mit der Geschichte verknüpft. Ich bin sicher, das Leser aus dieser Umgebung begeistert sein werden – und das der Rest der Leser sich von der Beschreibung der Region nicht gestört fühlen werden. Die Mischung ist gelungen.
Was lernen wir daraus?
Zunächst habe ich gelernt, dass der Teaser eines Krimis sehr gut durchdacht sein muss. Er sollte nicht zu viel verraten, da sonst die Überraschungsmomente in der Geschichte verloren gehen. Natürlich darf dieser Text auch nicht langweilig sein, er soll ja das Kaufinteresse des Lesers wecken. Und, ganz wichtig, der Test sollte dem Leser unmissverständlich klar machen, was für eine Art Geschichte, in diesem Fall was für eine Art des Krimis, er bekommt. Damit meine ich nicht die komplette Handlung, sondern die Art der Geschichte. Hätte ich gewusst, dass es hier mehr um Kunsthandel und Fälschungen geht und weniger um Ermittlungsarbeit, dann hätte ich dieses Buch wahrscheinlich nicht erwählt. Der einfache Satz „und damit beginnt eine Ermittlung in der Szene illegalen Kunsthandels“ hätte da gereicht. Durch diese falschen Eindrücke, die man aus dem Text eventuell bekommt, stellt sich dann eine gewisse Unzufriedenheit bzw. enttäuschte Erwartungen ein, die eventuell dazu führen das der Leser nicht zur Bestnote greift. Genau so ging es mir schon beim Buch Rennsteig- Schwalben (von Klaus Jäger), komischerweise auch ein Thüringen- Krimi.
Gelernt habe ich auch, und das nicht zum ersten Mal, das mir Humor in Krimis und Thrillern sehr gefällt, wenn es richtig gemacht ist. Nicht jedem wird es gefallen und Humor ist ja immer auch Geschmackssache, deshalb muss man natürlich vorsichtig sein. Ich liebe es, wenn ein Autor in einer düsteren Handlung lustige Szenen oder Dialoge unterbringen kann. Ich versuche es in meinem Krimi auch, ob ich das dann so gekonnt aufs Papier gebracht habe wie Klaus Paffrath werden wir sehen, wenn der Krimi und die ersten Lesermeinungen veröffentlicht sind. Denn wenn der Autor es lustig findet, muss der Leser das noch lange nicht..

Fazit
Die Idee mit dem Mord und der Tarnung der Leiche als Komparse bei einer Feuerwehrübung ist genial. Daraus hätte sich auch eine andere Story machen lassen, die mir dann etwas mehr zugesagt hätte. Damit meine ich beispielsweise die Ermittlungsarbeit, genau zu gucken wer wann wo war und wer der Täter sein könnte oder so in der Art.
Die lustigen Situationen und einfach der Humor des Autors gefällt mir ausgezeichnet. Auch die Umgebungsbeschreibung ist gut gelungen, es ist ein gut gemachter Regionalkrimi. Die unlogischen Handlungen der Hauptperson störten mich aber schon, der Plot konnte nach dem gut erdachten Mord bei mir nicht wirklich punkten. Ich ahnte die Wendungen schon lange bevor sie eintraten und die Auflösung löste auch keinen Wow-Effekt aus. Gerade die humorvollen Dialoge aber auch die durch Actionszenen und gelegentlich gestreute Zweifel über Verdächtige haben mich dann doch durchhalten lassen. Ich bin allerdings nicht so begeistert von der Geschichte, dass ich da einen zweiten Teil lesen würde. Für Leute aus der Region Erfurt und auch für Interessierte im Bereich Kunst, Kunstmarkt, Kunstfälschung ist dieser Krimi wohl ein Muss. Ich möchte aber noch einmal betonen, dass andere Krimifans eventuell ganz begeistert von der Geschichte sind. Es ist halt weniger der klassische Whodunnit-Krimi sondern auch mit ein bisschen mehr Action und dem Augenmerk auf eine Bande von Kunstfälschern.
Von mir jedenfalls gibt’s 3 von 5 Sternen.

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