Rezension: Die Schatten von Edinburgh – Oscar de Muriel

Die Schatten von EdinburghWir schreiben (in diesem Buch) das Jahr 1888. Während in London Jack the Ripper sein Unwesen treibt, wird Inspector Ian Frey sowohl privat als auch beruflich zwangsversetzt. Er soll in Scottland einen Fall aufklären, dabei aber im Geheimen arbeiten damit die Engländer nicht durch die Nachricht von einem zweiten Ripper in Panik versetzt werden.

Der kultivierte Engländer Frey, aus gutem Hause und mit einem gesunden Hass auf die Schotten erzogen, macht in Schottland Bekanntschaft mit einer ganz neuen Welt.  Sein neuer Vorgesetzter ist ein ungehobelter, abergläubischer und ungepflegter Schotte – und bei dem soll er auch noch wohnen. Das neue Heim lässt ebenso zu wünschen übrig wie die Spelunke, in der er essen soll.  Auch der Fall hat es in sich: Ein Violinist wird in seinem Arbeitszimmer ermordet.  Das Dienstmädchen schwört, dass sie mindestens 3 Geiger in dem Musikzimmer gehört haben will, bevor die Musik verstummte. Und Niemand anderes hatte einen Schlüssel für den von innen verschlossenen Raum, in dem der tote Musiker liegt. Wo ist der Mörder hin? Was soll das Zeichen des Teufels auf dem Teppich? Und lastet wirklich ein Fluch auf den Violinen, die nach dem Tod des Musikers weitervererbt werden?

Stil, Machart, Meinung

Zunächst muss ich sagen, dass mich historische Bücher eher wenig interessieren. Dann muss ich einschränkend gestehen, dass ich sämtliche Werke von Agatha Christie oder Edgar Wallace liebe – und die sind mittlerweile ja auch schon als historisch zu betrachten.  Bei dem Jahr 1888 dachte ich auch gleich an Jack the Ripper. Vor einigen Jahren hatte es mir die Serie Ripper Street angetan, die in der gleichen Zeit spielte – und so klappte die zeitliche Einordnung bei mir super.

Beim Anblick des Covers fiel mir auf, dass keine Zuordnung der Geschichte als Kriminalroman oder Thriller erfolgte.  Im Inneren steht dann „Roman“.  Wenn ich auf der Buchrückseite Wörter wie „grausame Mordserie“ und „Ermittler“ lese, würde ich schon eher Krimi oder Thriller erwarten. Das schon dort versprochene Konzept des geschlossenen Raumes deutet dann stark in Richtung Krimi. Nachdem ich die Geschichte gelesen habe, wurde ich auch eher Krimi als Thriller sagen. Roman finde ich etwas unpassend, macht aber ein bisschen Sinn da natürlich auch Wert auf die historischen Details gelegt wird.

Die Story an sich knüpft mit dem Konzept des geschlossenen Raums an einige klassische Kriminalromane an, die von Mordhandlungen in geschlossenen Räumen berichten, zu denen kein anderer – oder viele andere- einen Schlüssel haben. Dazu hier (auf Wikipedia) mehr.

Die Hauptattraktion der Geschichte ist sicherlich der kultivierte, reiche Engländer, der ins raue Schottland versetzt wird.  Während ihm vor lauter Dreck bald die feinen Anzüge ausgehen und er die Annehmlichkeiten seines Lebens vermisst, muss er sich mit dem kompletten Gegenteil seiner selbst auseinandersetzen: seinem Vorgesetzten McGray.  Von Sympathie kann man bei den beiden Zwangskumpanen nicht sprechen, aber ihre Charaktere ergänzen sich für die Aufklärung des Falles optimal. Lustige Situationen aber auch interessante Details der damaligen Zeit werden anhand der Figuren erzählt.

Trotzdem bleibt die Geschichte düster und blutig, ist teilweise nichts für schwache Nerven.  Die Story mutet bis zum Ende wie ein halbherziges Whodunnit-Rätsel an, den Mörder erraten kann man aber nicht wirklich. Nüchtern betrachtet hat die Story eine tolle Idee als Ausgangssituation (geschlossener Raum, vererbte Geigen mit Fluch) –doch  je mehr es zum Ende geht, desto weniger bleibt davon übrig. Da machen eher die Charaktere, das Zusammenspiel einiger Charaktere und die interessanten historischen Details den Zauber des Buches aus –die Story rückt irgendwie im Laufe des Buches in den Hintergrund.

Was lernen wir daraus?

Mal wieder lebt die Story von dem Zusammenspiel sehr unterschiedlicher Ermittler. Dieses Rezept ist nicht neu aber auch nicht weniger erfolgreich als zuvor. Einen gelackmeierten Ermittler in feinen Anzügen mit einem verwahrlosten Haudegen zusammenzubringen, war eine gute Idee. Der besonders zwischen den Beiden aufblitzende Humor ist nett, und auch einige Nebenfiguren machten mir Freude.

Jedes Buch muss den Leser erreichen, um ihn zu begeistern. Je weiter die Story zeitlich vom Leser weg ist, desto universeller und interessanter muss sie geschrieben sein, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Story lässt sich zwar nicht wirklich in die heutige Zeit beamen, aber die Charaktere und deren Probleme sind so universell, dass das Konzept aufgeht. Ein bisschen Humor und Menschlichkeit helfen auch.

Roman, Krimi, Thriller.. Bei manchen Geschichten verschwimmen die Genres.  Es ist ein Roman, weil viel Wert auf die Charaktere und deren Geschichten gelegt wird. Es ist ein Krimi, weil ein Mörder gefasst werden muss, in dem mehrere Indizien und Gegebenheiten analysiert und eingeordnet werden. Und am Ende wird es auch ein bisschen Thriller, denn man konnte den Mörder nicht erraten und es gab eine wilder Verfolgungsjagd.

Fazit

Ich vergebe 3 Sterne. Es wären fast 4 geworden, aber wenn ich diese Geschichte mit anderen 4-Sterne-Büchern vergleiche, da ist geht das nicht. Ich habe die Geschichte zügig durchgelesen, es war stets interessant und ich hatte nicht nur meinen Spaß sondern habe auch einiges gelernt. Jedoch hat die sehr verheißungsvolle Story mich dann am Ende etwas enttäuscht. Dem Ermittlerduo würde ich jedoch noch eine weitere Chance geben, der Auftakt war -besonders als Erstlingswerk- vielversprechend. Dann erwarte ich aber etwas mehr Krimi und ein besser konstruiertes Verbrechen.

Hier gibt´s Details zum Buch und zum Autor auf der Verlagsseite:

Die Schatten von Edinburgh -Verlagsseite mit Details