Rezension: Die Telefonzelle am Ende der Welt – Laura Imai Messina

In Japan, am Hang des Kujirayama steht in einem wunderschönen Garten das Telefon des Windes. Viele Hinterbliebene, die einen geliebten Menschen verloren haben kommen dorthin, um mit ihnen zu sprechen. Als Radiomoderatorin Yui in ihrer Sendung davon hört, macht sie sich auf den recht langen Weg dorthin. Sie hat im Tsunami von 2011 ihre Mutter und ihre Tochter verloren und noch nicht wieder ins Leben gefunden. Beim Telefon des Windes trifft sie auf Takeshi, der seine Frau verloren hat und sich seitdem um seine Tochter Hana sorgt, die aufgehört hat zu sprechen. Die beiden Freunden sich an und kommen fortan zusammen zur Telefonzelle, Takeshi nimmt den Hörer ab und Yui nicht. Sie treffen nicht nur die beiden Besitzer des Gartens, sondern auch andere Hinterbliebene und alle nähern sich an.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Roman ist ein Liebesroman, der ohne kitschige Liebesszenen und dramatische Aufregung auskommt. The Times bezeichnete es als „bedeutungsvollen Minimalismus“, und besser kann ich es auch nicht sagen. Die beiden Hauptdarsteller verlieben sich ganz langsam ineinander, während sie ihren tragischen Verlust verarbeiten. Die Geschichte ist unglaublich romantisch, aber auf ganz unaufregende Weise dargestellt.

Die Autorin beschreibt im Wesentlichen 3 Dinge: Trauer, Liebe und Hoffnung. Diese Dinge hängen ja eh schon zusammen, hier aber nochmal ganz speziell. Schicksalsschläge werden im gleichen Atemzug traurig und hoffnungsvoll beschrieben und es gibt ein großes Happy End. Der Weg dahin ist voller Trauerarbeit und man leidet mit den Figuren, die einen ans Herz wachsen.

Die Schreibe der Autorin ist leicht und auch im Rahmen des schwierigen Themas fröhlich, sie kommt ohne Kitsch und mit kleinen Gesten wunderbar aus und streut immer wieder kreative Auflistungen passend zur Handlung ein, um das Buch etwas aufzulockern.

Diese Telefonzelle existiert übrigens tatsächlich!

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man wirklich grausame Erlebnisse und Gefühle vielleicht sogar noch eindringlicher beschreiben kann, wenn man es ohne reißerische Stilmittel versucht.

Fazit

Das ist wieder mal so ein Roman, der mir lange im Gedächtnis bleiben wird. Es ist viel mehr als „nur“ eine Liebesgeschichte und trotz des schwer verdaulichen Themas leicht, schön und unterhaltsam. Ein paar Tränen habe ich bei der Lektüre zwar vergossen, aber mein Lächeln hat überwogen. Ich kann nichts anderes vergeben als 5 Sterne und kann es gutem Gewissen jedem empfehlen. Besonders interessant dürfte dieses Buch sicherlich für Menschen sein, die einen geliebten Menschen verloren haben.

Hier geht´s zur Verlagsseite für die Details zum Buch

Hier geht´s zur Homepage vom Telefon des Windes (wer japanisch kann, ist klar im Vorteil – aber mit Englisch kommt man auch gut durch!)

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