Rezension: Die Nachbarin von Caroline Corcoran

Harriet und Lexie sind Nachbarinnen. Durch die Wand zur Nachbarwohnung bekommen sie voneinander sehr viel mit, ohne sich im anonymen Wohnkomplex je zu begegnen. Während Lexie mit ihrem langjährigen Freund Tom ein eigentlich tolles Leben führt, macht der unerwünschte Kinderwunsch einen anderen Menschen aus ihr. Aus der Nachbarwohnung hört sie meistens Musik oder Partylärm, sie stellt sich ihre Nachbarin beneidenswert toll vor. Besagte Nachbarin ist jedoch neidisch auf sie, da Harriet in ihrem einsamen Leben so gern das hätte, was Lexie hat. Und um das zu bekommen, geht sie untypische, gefährliche Wege..

Stil, Machart, Meinung.

Dieser Psychothriller (auf dem Cover steht nur Thriller) spielt mit hauptsächlich 2 Perspektiven. Beide Nachbarinnen kommen abwechselnd zu Wort und der Leser erfährt von den Geschehnissen auch aus zwei grundverschiedenen Perspektiven. Beide Frauen haben so ihre Probleme, und ich musste so oft denken: Warum treffen sich die beiden nicht einfach mal im Fahrstuhl, dann auf einen Kaffee und werden Freundinnen?

Das Buch ist recht dick, bis zum großen Finale passiert garnicht mal so viel – aber die Autorin baut die Geschichte sehr geschickt und detailreich auf. Die Story ist tiefgängig und enthält auch kritische Gedanken zu Social Media und Anonymität in Großstädten. Sicher, man hätte sich einige Seiten sparen können und ein paar kleine Sachen weglassen können – aber am Ende fügte sich alles so schön zusammen, und so richtig gelangweilt war ich nie. Es schwingt immer etwas unheilvolles mit und der Erzählstil ist auch gut,so liest man immer gern weiter.

Besonders gelungen ist neben dem Perspektivenwechsel auch das Thema Kinderwunsch und auch Leben in einer anonymen Großstadt. Gut, und das Innenleben einer kranken Persönlichkeit kommt auch sehr gut rüber..

Was lernen wir daraus?

Ich finde die Idee zu diesem Buch so einfach. Die Autorin hat in ihrer Vergangenheit in London durch die dünne Wand auch das Leben ihrer Nachbarin gehört, und so kam ihr die Idee zu diesem Thriller. Auf dem Gebiet, welches sich durchs Buch zieht, ist sie also Expertin und das merkt man irgendwie auch. Ich, mit ganz gut isolierten Wänden, höre zum Glück nicht viel von meinen Nachbarn und könnte das so nicht wirklich beschreiben. Und so stellt sich die Frage: Gibt es ein ganz alltägliches Gebiet, auf dem ich gewissermaßen ein Experte bin und aus dem heraus ich eine geniale Idee für eine Geschichte bekomme?

Fazit

Ich vergebe eher schwache 4 – oder sagen wir 3,5 Sterne. Die Geschichte habe ich gern gelesen, das Finale war gut aber ich musste insgesamt etwas zu lange drauf warten. Die geschickt verstrickten Perspektiven waren wirklich gut, deshalb eine Leseempfehlung an alle, die nicht so viel Action benötigen. Auf dem Cover hätte statt Thriler definitiv Psychothriller stehen sollen, ansonsten wurden die geschürten Erwartungen jedoch gut erfüllt. TRotzdem ist es nicht die unglaubliche Geschichte, die ich nie vergessen werde oder von der ich unglaublich überrascht wurde.

Es ist außerdem ein gutes Geschenk für Nachbarn, Menschen die den Kinderwunsch nach längerer Zeit erfüllen konnten, Menschen mit dünnen Wänden und natürlich generell Leser von Psychothrillern mit wenig Action und viel Psycho als Thriller..

Hier gibt’s die Details zum Buch auf der Verlagsseite.

2 Kommentare zu „Rezension: Die Nachbarin von Caroline Corcoran

Gib deinen ab

  1. Hallo Rike!
    Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich am Schwanken, ob mir das Buch gefallen würde. Deine Rezension ist zwar gut geschrieben, hilft mir persönlich aber auch nicht so richtig weiter. Einerseits stehe ich ja total auf Psychothriller und sie müssen bei mir auch nicht viel Action haben, aber andererseits klingt es manchmal so als wäre es etwas langatmig und das mag ich gar nicht in Büchern. Ich bin immer noch etwas hin und her gerissen.
    Liebe Grüße
    Diana

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    1. Moin Diana,
      Ja, das war auch genau mein Dilemma. Das ist immer so eine Sache mit den Erwartungen (Thriller Äther drauf..) und auch der Büchervergangenheit (die Story hat mich nicht total umgehauen und ragte nicht so heraus..). Andere finden das bestimmt grandios weil sie noch nie so etwas gelesen haben und auch etwas anderes erwarten..

      Gefällt mir

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