Rezension: Die Wälder von Melanie Raabe

Nina bekommt nach der Arbeit einen schlimmen Anruf. Ihr bester Freund Tim aus Kindertagen ist gestorben und dessen Mutter klingt auch etwas verwirrt. Dann fällt ihr wieder ein, dass Tim versucht hat sie zu erreichen – und sie vergessen hat zurückzurufen. Als Nina dann einen Brief von ihm bekommt, der sehr mysteriös klingt und sie auf eine Mission schickt, die sich die Freunde als Kinder geschworen hatten, steht ihr Leben Kopf und sie macht sich auf den Weg in ihr altes Heimatdorf. Der Weg ist ja manchmal das Ziel, und so spielt sich ein Großteil der Handlung auf dem Weg ins Dorf ab. Werden sie jemals ankommen?

Stil, Machart, Meinung

Nach dem Ende des Buches bis zu dieser Rezension ist etwas Zeit vergangen, da ich mir überhaupt nicht sicher war, was ich von diesem Buch halten soll. So richtig sicher bin ich mir immer noch nicht..

Es ist mein drittes Buch von Melanie Raabe, und wie gewohnt führt ein flüssiger Schreibstil und Spannung den Leser durchs Buch. Meiner Meinung nach hätte man manche Beschreibungen abkürzen können, aber es liest sich trotzdem recht flüssig. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, einmal Nina auf ihrer gegenwärtigen Mission und dann noch die Geschehnisse rund um eine Kinderbande.  Einige Bemerkungen hatten mich rund um den Zusammenhang er zwei Ebenen etwas irritiert.

Die Figuren sind eigentlich ganz gut gezeichnet, aber viele Aktionen und Entscheidungen verstehe ich bis heute nicht. Es fängt damit an, dass Nina nie wieder in ihr Heimatdorf zurück wollte. Warum eigentlich? (Die naheliegende Antwort kann ich hier nicht schreiben, aber das ist mir irgendwie zu stumpf..) Und die Frage „warum?“  zieht sich bei mir irgendwie durchs Buch. Die Figuren sind also gut gemacht, aber ein stilistisches Mittel der Autorin (spoilergefahr..) führte bei mir irgendwie dazu, dass mir die Figuren nicht wirklich ans Herz gewachsen sind.

Wenn man sich den Klappentext durchliest, dann schlägt bei jedem Thriller –Fan das Herz sicherlich einige Takte höher. Ganz auf sich gestellt im gefährlichen Wald, kein zurück mehr und so weiter..  zunächst muss ich einmal sagen: Es gibt die ganze Zeit über ein zurück. Und die spannenden Elemente, die ich erwartet habe, sind alle nur sehr dürftig vorhanden. Es geht mehr um Entscheidungen, ob man die Mission durchzieht. Und um die Aufarbeitung der Kindheit und Erwartungen, was in der Vergangenheit passiert ist. Klar, grundsätzlich gibt es einige spannende Fragen, die die Spannung bis zum Ende hochhalten. Aber die grandiose Spannung, die der Klappentext verspricht, habe ich vermisst.

Was mir in diesem Buch mit Abstand am besten gefallen hat, ist etwas was mit der Spannung und dem größten Teil des Buches gar nicht so viel zu tun hat: Tim, der verstorbene Freund. Die einzige Figur, die einem nur durch die Erzählungen sehr sympathisch ist. Das schönste an diesem Buch war für mich das Ende, gar nicht weil sich der spannende, verbrecherische Teil auflöste, sondern nur wegen seiner Beerdigung und dem Abschied.

Was lernen wir daraus?

Ich habe es schon öfter an dieser Stelle geschrieben und schreibe es leider wieder: Wenn der Klappentext beim Leser Erwartungen geschürt hat, die das Buch nicht einhalten kann – dann führt das meistens zu weniger Lesespaß und schlechteren Bewertungen.  Klar, man will das Buch verkaufen – aber möchte man nicht lieber glückliche Leser als unzufriedene Leser?

Fazit

Ich hatte andere Erwartungen an dieses Buch, welches in punkto Spannung zwar etwas zu bieten hatte, ein richtiger Thriller aber auch nicht war. Es gibt ganz interessante Entwicklungen bei den Figuren, die Autorin hat mehrere Überraschungen eingebaut und stilistisch einiges geboten. Aber ich war irgendwie enttäuscht,  obwohl das Buch durchgehend spannend war (nicht so dramatisch spannend, eher so plätschernd spannend..) und sich die Geschichte einigermaßen auflöst, bleiben bei mir viele Fragen offen.  Ich gebe 3 Sterne, weiß immer noch nicht so recht-und auch nicht wirklich, wem genau ich das Buch empfehlen kann. Melanie Raabe Fans dürften es sicher mögen, jedoch durch die anderen Bücher bereits eine Ahnung haben, wie sich die Geschichte entwickelt und den Figuren nicht alles glauben. Fans von seichten Thrillern, die eher auf den psychologischen Aspekt bauen. Oder Menschen, für die alles schwarz und weiß ist. Wie man da schon merkt, kann ich es einfach nicht recht einordnen. Es war nicht schlecht, aber auch nicht sehr gut. Ich habe nicht so den Drang gehabt, es wieder zur Hand zu nehmen – war aber beim Lesen auch nicht gelangweilt.

Hier geht’s zur Verlagsseite mit den Details zum Buch.

Meine Rezensionen zu Die Falle und Die Wahrheit von Melanie Raabe gibts, wenn man auf den jeweiligen Link klickt. Beide Bücher fand ich besser.

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