Rezension: Neuschnee von Lucy Foley

Über den Jahreswechsel möchten 9 Freunde wie jedes Jahr zusammen feiern. Dieses Mal in einer sehr abgelegenen Lodge in den schottischen Highlights, die dann durch Schneetreiben auch noch komplett von der eh so weiten Aussenwelt abgeschnitten wird. Betreut werden Lodge und Gäste vom Wildhüter Doug und Helen, der Frau für alles andere. Beide scheinen den so einsamen Job nur angenommen zu haben, um ihrer dunklen Vergangenheit zu entfliehen. Die Freunde sind alle eher die Londoner Oberschicht, der harte Kern kennt sich von der Elite- Uni. Je mehr die Gruppe aufeinander hockt, desto mehr Konflikte liegen in der Luft. Alte Geheimnisse, neue Geheimnisse und jede Menge Spannungen zeigen, dass diese Gruppe vielleicht lieber nicht zusammen in den Urlaub gefahren wäre. Das bestätigt sich besonders, als einer der Freunde erst vermisst und dann tot aufgefunden wird. War es ein Wilderer? Ein in der Gegend agierender Serienkiller? Oder war es einer der 11 Anwesenden?

Stil, Machart, Meinung

Dieser Thriller treibt den Leser zwar spannend durch das Buch, jedoch nicht so wie die „üblichen“ Thriller. Der Leser erfährt gleich zu Beginn, dass einer der Freunde tot aufgefunden wird – aber nicht wer und warum. Die Autorin benutzt mehrere Zeitebenen (ein paar Tage vor dem Ereignis bis zum Tag nach dem Ereignis) und mehrere Perspektiven (einige der Freunde und die beiden Angestellten kommen zu Wort). So weiß man von Beginn an, dass einer der Gäste sterben wird. Das hat etwas Unheilvolles. Im Laufe der Geschichte und den sich enthüllenden Beziehungen und Spannungen innerhalb der Gruppe fielen mir als Leser eine Menge Motive, Täter und Mordopfer ein. Trotzdem war ich mir schnell relativ sicher, wer dran glauben muss. Auch den Täter und einige andere Enthüllungen hatte ich bald in Verdacht, am Ende wurde ich dann jedoch mit einem Thriller- Showdown noch überrascht.

Es ist meiner Meinung nach eher ein Kriminalroman, ganz im Zeichen des Whodunnit. Oder, da man hier ja das Feld irgendwie von hinten aufrollt und den größten Teil der Geschichte über noch kein Verbrechen begangen wurde: Who will do it.  Der Leser darf nicht nur raten, wer der Mörder sein wird, sondern auch wer das Opfer sein wird. Das ist mal was Neues.

Die Charaktere muss ich noch mal besonders erwähnen: Von den 9 Gästen kommen nur 3 zu Wort. Von diesen Gäste und den Personen, die ihnen nahe stehen, hat man ein recht gutes Bild. Manche Gäste bleiben jedoch trotz der sehr langen Vorgeschichte zum Verbrechen erstaunlich blass. Die beiden angestellten wiederum sind sehr interessant angelegt und gut dargestellt. Und allgemein muss ich sagen, dass mir die Gäste insgesamt doch eher wenig sympathisch waren. Man versteht nicht recht, warum sie überhaupt noch befreundet sind, kann jedoch einige Mordmotive ganz gut nachvollziehen.

Was lernen wir daraus?

Die gute alte Krimi – Zutat funktioniert noch immer. Man nehme ein paar von der Aussenwelt abgeschnittene Leute und einen oder mehrere Morde und hat dann gleich eine Gruppe von Verdächtigen. Ich liebe die Storys von Agatha Christie, muss mich aber nach neuem Lesestoff umsehen, da von ihr sicher nichts mehr kommen wird. Da habe ich im Laufe der Jahre schon einige Geschichten mit diesem Erfolgsrezept gelesen, wurde aber auch schon oft enttäuscht. Hier konnte nicht so stark enttäuscht werden, da die Autorin das Rezept mit einigen neuen Zutaten aufgestockt hat. Die lange Vorgeschichte und der Perspektiven – sowie Zeitwechsel macht das alte Konzept neu und anders. Man muss nicht nur raten, wer der Mörder ist. Auch das Opfer bleibt bis zum Ende des Buches geheim.

Fazit

Die alte Geschichte von einem Mord in einem abgegrenzten Raum, der eine abzusehende Anzahl von Verdächtigen schafft, klappt auch hier. Sie wird durch mehrere stilistische Mittel jedoch ganz anders aufgezogen und ist daher etwas neues. Grundsätzlich ist es spannend und unheilvoll, sehr unblutig und lässt dem Leser Raum für eigene Vorhersagen. Die kalte Landschaft ist super beschrieben, er Schreibstil ist gut und man ist mitten im Geschehen. Ich vergebe 4 Sterne, empfehle das Buch gern weiter und werde niemals einen Partyurlaub in den verschneiten, schottischen Highlands buchen..

Hier gibts die Details zum Buch auf der Seite des Verlags.

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