Woher kommt der Hass? Die psychologischen Ursachen von Rechtsruck und Rassismus – Anne Otto

Heute starte ich direkt mit dem Klappentext, da ich das Buch nicht besser zusammenfassen kann (ich habe es versucht!):

Rassismus, rechtsextreme Gesinnungen und die aggressive Herabsetzung  „der anderen“ sind erschreckend salonfähig gworden. Wie ist das möglich? Woher kommt dieser Hass? Anne Otto fragt nach den psychologischen Mechanismen, die dazu beitragen, dass Menschen sich wieder offen rassistisch äußern, nach Autoritäten verlangen oder sogar überzeugt Blut – und – Boden – Ideologien vertreten.

Stil, Machart, Meinung

Aus der Richtung der Psychologie hatte ich zuvor überraschend wenig zu diesem Thema gehört, deshalb hat mich dieses Buch interessiert. Dieses Sachbuch, welches Psychologie und Politik mit einem leider äußerst aktuellen Thema verbindet, ist angenehm geschrieben.  Nicht viele hochtrabende Fachbegriffe – und wenn, dann gut erklärt. Es ist gut zu lesen und mit interessanten Beispielen und auch aktuellen Informationen gefüllt.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt. Teil 1 befasst sich unter dem Oberbegriff „Innen“ mit den Wurzeln der rechtsextremen Einstellungen. Da geht es um die Weitergabe von Einstellungen innerhalb der Familie, die Verbreitung der Gesinnung in allen sozialen Milieus , Sehnsucht nach Autorität und Gruppenzugehörigkeit.

Im zweiten Teil, „Aussen“, geht es um die Verstärkung rechtsextremer Einstellungen durch das soziale Umfeld, den Auftrieb des Rechtsextremismus durch Emotionen und die Entlarvung der Tricks der Rechten zur Manipulation.

Der dritte Teil, „Machen“, behandelt die Frage, was jeder einzelne gegen diese Entwicklung tun kann. Manche Leute kann man mit Argumenten noch überzeugen, bei anderen hat es keinen Sinn mehr. Es geht um Selbstreflexion und gibt am Ende ganz praktische Tipps, was man in Sachen gesellschaftliches und politisches Engagement tun kann.

Im dritten Teil hatte ich mir mehr rechte Argumente mit passenden Gegenargumenten gewünscht und erhofft. Die wenigen Beispiele waren richtig gut, aber da gibt es ja noch so viel mehr. Dafür hätte am Schluss bei der praktischen To-do-Liste dann doch ein paar Punkte etwas zu weit hergeholt (Beispiel: Punkt 29, Meditieren sie. Allein und mit anderen) und teilweise auch etwas wiederholen.

Erwähnenswert sind die vielen Perspektiven, die die Autorin auf die Problematik wirft – und das auch tiefgehend.

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass meine praktische Erfahrung sich ziemlich gut mit diesem Buch deckt. Beruflich komme ich mit vielen Menschen in Kontakt und oft wollen sie tatsächlich mit ihren rechten Überzeugungen auch mich überzeugen. Ich habe gelernt, dass es nicht nur die „alten weissen Männer“ sind, sondern kenne leider berufsbedingt auch die betagte, wohlhabende Lady mit ihrem Dackel und den NPD-wählenden Azubi, der mit allem unzufrieden ist und die Funktionsweise der Demokratie nicht wirklich zu begreifen scheint. Ich bin der Meinung, dass man rechtsextreme Aussagen nicht einfach hinnehmen soll, weil es die Menschen sonst nur bestärkt. In ihrer „Filterblase“ bekommen sie ja oft wenig Gegenwind. In Diskussionen, die ich sehr begrüße, bleibe ich immer ruhig und verlasse mich auf Nachfragen und Argumente (da kommt dann von rechts leider wenig brauchbares..) und bin gern auch mal ironisch. Laut Buch mache ich das genau richtig  – das ist doch schon einmal was.

Fazit

Ich finde dieses Buch super, da es meine Sorgen teilt, das Phänomen ansatzweise erklärt, gleichzeitig mit Vorurteilen aufräumt und praktische Tipps zum Gegensteuern liefert. Es ist kein staubiges Sachbuch, bei dem man nach 2 Seiten schon im Halbschlaf ist. Ganz im Gegenteil ist es gut geschrieben, nennt praktische Beispiele und gibt dann am Ende sogar ganz praktische Tipps, um dem Hass entgegenzuwirken. Und es ist momentan einfach wichtig, die Entwicklung in Sachen Rechtsextremismus mal von der Psychologischen Seite zu betrachten, um den Wurzeln des Übels möglichst weit entgegenzuwirken. Trotzdem werde ich, egal wie viele gute Bücher es zu dem Thema gibt, wohl nie wirklich verstehen, was Menschen an der Wahlurne dazu bewegt  ihr Kreuz einer rechten Partei zu geben. Und wie Menschen andere Menschen aufgrund von Herkunft, Hautfarbe oder anderen Merkmalen , die sich der betreffende ja selten selbst ausgesucht hat, verurteilen und sich über sie zu stellen. Aber da kann das Buch ja nix für, deshalb gebe ich 4 von 5 Sternen. Einer wird abgezogen, da ich gerne mehr Argumente der Rechten mit Gegenargumenten gehabt hätte – und dafür einige praktische Tipps etwas zu weit hergeholt fand.

Hier der Link zum Buch auf der Verlagsseite für die Details.

Hier ein Interview zum Buch mit der Autorin

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