Rezension: 10 Stunden tot von Stefan Ahnhem (Risk #4)

Fabian Risk ist zunächst beurlaubt, da er familiär einige Rückschläge verarbeiten muss. Irgendwie hat er mit jedem seiner Familienmitglieder ein Problem. Nebenbei ermittelt er an dem Mord eines Kollegen, ganz geheim in seinem Keller. Bald ist er aber auch auf der Arbeit nicht mehr entbehrlich. Mehrere Verbrechen erschüttern die schwedische Stadt Helsingborg: Eine Frau wird gestalkt, ein syrischer Junge stirbt auf brutalste Art und Weise, eine Kollegin gerät ins Visier von Rechtsextremisten, ein Mann wird an der Fleischtheke eines Supermarktes brutal ermordet, eine Kollegin aus Dänemark verschwindet und was war eigentlich mit der Frau, die tot, auf ein Brett genagelt auf einer Insel angespült wurde? Und auch sonst ist einiges los. Passend dazu erfährt der Leser vom Würfelmörder, der seine Opfer und deren Schicksal durch ein Würfelsystem ermittelt. Und von Rechtsextremisten, Pädophilen, einem Sexgott, 2 verdächtigen Polizisten und Jugendlichen, die Obdachlose anzünden..

Stil, Machart, Meinung

Wie man der Inhaltsangabe schon entnehmen kann, ist in diesem Buch eine Menge los. Es gibt viele Handlungsstränge. Zunächst war es für mich eine sehr gute Idee, mal viele Geschichten in einer zu erzählen, bei der der Leser dann quasi mitdenken muss, welcher Täter zu welchem Opfer passt. Sonst hat man ja für gewöhnlich einen Mordfall und sucht den Täter. Hier hat man mehrere Opfer, mehrere Täter und größtenteils keine Ahnung, wer nun wen auf dem Gewissen hat.

Die Handlungsstränge finde ich größtenteils tatsächlich interessant und spannend. Einige Dinge sind mir dann tatsächlich etwas zu krass gewesen. Da möchte ich nicht weiter spoilern, ich sage nur: Das ist nichts für schwache Nerven! Die Sprache und die Darstellung der Handlung fand ich gelungen und passend, mal sehr derbe, mal nicht. Die Kapitel hatten eine gute Länge und wechselten sich oft ab, sodass Abwechlung geboten – und Spannung aufgebaut wurde. Im Abschnitt „Die Reihe“ werde ich nochmal auf die Bände, das benötigte Vorwissen und die offenen Fragen eingehen.

Zu offenen Fragen werde ich allerdings auch in diesem Abschnitt meine Meinung sagen, denn davon bleiben nach der letzte Seite des Buches noch sehr viele übrig. Die von mir zunächst sehr geschätzten Handlungsstränge werden nämlich größtenteils nicht abgeschlossen und ließen mich irgendwie frustriert zurück.

Gut gelungen finde ich Fabian Risk, der ziemlich mit seiner Rolle in der Familie und als Polizist zu kämpfen hat. Die Situation finde ich sehr gut gemacht und sie ist irgendwie so realistisch, obwohl sehr dramatische Ereignisse die Familie in Atem halten. Ein weiteres Lob geht an den Autor dafür, dass er in einem Handlungsstrang quasi die Methoden der Rechtsextremisten beschreibt und kritisiert. In der heutigen Zeit finde ich das in einem Thriller, wenn es gut gemacht ist, sehr gut platziert um vielleicht doch einigen Menschen etwas aufzuzeigen, was sie gern verdrängen würden.

Die Reihe

  1. Und morgen du
  2. Herzsammler
  3. Minus 18 Grad
  4. 10 Stunden tot

Dieses Buch ist also Band 4. Ich hatte vor längerer Zeit „Herzsammler“ gelesen und nicht das Gefühl, etwas aus Band 1 verpasst zu haben. Herzsammler war in sich auch kompakt und abgeschlossen und ließ trotzdem Spielraum für eine Fortsetzung. Minus 18 Grad habe ich nicht gelesen, und damit fehlte mir eine Menge Vorwissen für Band 4. Man kann „10 Stunden tot“ trotzdem auch ohne das Vorwissen lesen, ich würde es rückblickend jedoch nicht empfehlen! Wenn man dann mit dem vierten Band fertig ist, dann weiß man sicher, dass es einen fünften Band geben wird. Die Frage ist nur, wie viele Leser nach dem Ende des Vorgängers verärgert sind und den Kauf des Nachfolgers prinzipiell verweigern. Ich bin auch noch unentschlossen, ob ich das lesen werde.

Was lernen wir daraus?

Ich mache es kurz: Man sollte seine Leser nicht verärgern! Wenn ich ein Buch kaufe, dann erwarte ich auch eine abgeschlossene Handlung – wenn mir auf dem Buchumschlag nichts anderes mitgeteilt wird. Auch wenn es sich um eine Reihe handelt, erwartet man doch einen in sich geschlossenen Band, der auch allein für sich sprechen kann. Man kann nicht unzählige Handlungsstränge eröffnen, dann am Ende nur einen davon abschließen und dann kommt plötzlich schon die Danksagung..

Fazit

Ich finde viele der Handlungsstränge gut und sehr spannend gemacht, bin aber sehr unzufrieden mit der Auflösung. Von „Auflösung“ kann man in diesem Fall nicht einmal wirklich sprechen. Es gab sogar eine Handlung, die ich ohne Vorwissen aus Band 3 überhaupt nicht verstanden habe, und die dann in Band 4 auch nicht aufgelöst wurde. Irgendwie hat der Autor sich da etwas verzettelt – oder es dient alles nur dem Zweck, mehr Bücher zu verkaufen. Letzteres geht glaube ich mit vielen frustrierten Lesern dann etwas nach hinten los. Ob ich den nächsten Band lese? Ich weiß es nicht..

Meine Rezension zu Herzsammler, Band 2 der Reihe, gibt es hier!

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