Rezension: The woman in the window von A. J. Finn

The woman in the Window

Anna Fox, „die Frau im Fenster“, hat nach einem traumatischen Erlebnis (mindestens) ein großes Problem: Sie kann das Haus nicht mehr verlassen. Sie ist schwer traumatisiert und wohnt seit dem Erlebnis allein in ihrem riesigen Haus. Um die Zeit totzuschlagen ist sie viel im Internet unterwegs, trinkt recht viel und hat die Einnahme ihrer Medikamente auch höchstens mittelmäßig im Griff. Sie beobachtet sehr gern die Nachbarn um sich herum. Als dann gegenüber die Russels einziehen, ist sie sehr interessiert an den neuen Nachbarn. Diese lernt sie dann auch bald live als Besucher kennen, bis sie dann im Zoom ihrer Nikon ein schreckliches Verbrechen beobachtet. Das glaubt ihr nur Niemand..

Stil, Machart, Meinung

Viele, die jetzt die Zusammenfassung von mir oder auch den Trailer, Teaser oder was auch immer von diesem Buch gesehen oder gelesen oder davon gehört haben, werden jetzt denken „dieser Plot kommt mir doch irgendwie bekannt vor“. Und richtig! Spontan erinnere ich mich jetzt an den Film Disturbia, eine Folge Soko Leipzig, eine Folge Castle, eine Folge Wilsberg und sogar eine Folge der Simpsons. Wenn ich weiter im Hirn graben würde, wäre da sicherlich noch mehr drin. Das Konzept ist ja auch einfach gut. Man hat eine Person, die aus verschiedenen Gründen an ein Haus gefesselt ist. Diese Person beobachtet einen Mord, wird aber nicht ganz ernst genommen und gerät dann entweder selbst in Gefahr oder muss irgendwie eingreifen, ohne das Haus zu verlassen. Hier wurde das Grundrezept gewürzt mit einer Menge Psycho im Thriller, denn die Hauptperson ist vom Leben so gebeutelt und von der Mischung aus Alkohol und Medikamenten so unglaubwürdig, das wohl jeder versteht warum ihr nicht geglaubt wird. Das viele Psycho in dem Thriller bezieht sie allerdings auch auf die Verdächtigungen der anderen Beteiligten, welches neben der Frage „hat sie das wirklich gesehen oder ist sie komplett durchgeknallt?“ einen Hauch Whodunnit (wenn es stimmt: wer war es dann?) in die Sache bringt.

Die Herangehensweise an das bekannte Rezept in diesem Buch ist stark auf die Hauptperson konzentriert. Anna Fox, selbst vor dem Trauma eine Psychologin, berichtet alles aus ihrer Perspektive. Der Leser guckt das gesamte Buch lang ihr über die Schulter und hat so eine gewisse Verbinung. Man ist schon geneigt ihr zu glauben, wird aber immer wieder auf eine harte Probe gestellt und mehrmals mit Wendungen überrascht. Da die Berichterstattung der etwas unglaubwürdigen Berichtenden den Leser auch in gewisser Weise fordert, sich immer wieder zu überlegen wie das denn nun alles wirklich abgelaufen ist, kommt Spannung auf und man wird – langsam aber sicher – in die Story hineingezogen. Langsam aber sicher habe ich hier bewusst noch einmal eingefügt, da ich am Anfang nicht so wirklich in die Geschichte hinein kam. Die Berichterstattung hat teilweise echt Längen, die nicht hätten sein müssen. Ich verstehe trotzdem, warum diese eher unnötigen Details sein mussten – man hätte da aber sicherlich einiges kürzen können. Der beobachtete Mord, der vielleicht wirklich geschehen ist, der passiert nämlich –grob geschätzt- erst nach einem Drittel des Buches.

Durch diese Längen wird die Hauptperson wirklich gut erfasst und ist der Spannung und der Geschichte auch absolut dienlich. Viele Nebenfiguren bleiben meiner Meinung nach jedoch erstaunlich blass.

Was lernen wir daraus?

Wir nehmen also das altbekannte Erfolgsrezept: eine Person eingesperrt in einem Haus (Trauma, gebrochenes Bein, Hausarrest usw.), ein Fernglas (oder eine gute Kamera oder gute Augen), ein Mord (oder der Verdacht, dass ein Mord geschehen ist).. und eine Prise Unglaubwürdigkeit bei dem Beobachter und ordentlich Spannung drauf. Fertig ist der „Fenster zum Hof – Kuchen“ J

Das Konzept scheint sehr erfolgreich zu sein und lässt offensichtlich viele Freiheiten und Variationen. Die riesige Marketing – Kampagne bei diesem Buch zeigt, dass die Geschichte anscheinend immer noch großes Erfolgspotential hat. Nun muss man als Autor nur noch seine Version finden und das ganze genauso und doch ganz anders angehen. Aber nach diesem Buch hier muss man damit wohl erst noch ein paar Jahre warten..

Fazit

Das Buch ist mit der großen Marketing – Kampagne ja wirklich überall, als Fan von Thrillern kommt man wohl nur schwer dran vorbei. Dabei ist das alte Erfolgskonzept einfach nur mit einem großen Fokus auf die eingeschlossene Hauptperson und ein bisschen Whodunnit gewürzt. Trotzdem vergebe ich knappe 4 Sterne. Fast wären es nur 3 geworden, weil ich echt Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte reinzukommen und manche Längen doch etwas viel waren. Trotzdem ist der Plot mit den Protagonisten und Wendungen gelungen und ich war gut damit beschäftigt, zu überlegen was da denn nun eigentlich los ist. Also, 4 Sterne von mir . Eine Leseempfehlung für alle, die sich von den Längen nicht abschrecken lassen und besonders für alle, die das von mir beschriebene Konzept vielleicht noch nicht kennen. Kann man definitiv gut lesen, muss man aber auch nicht unbedingt. Wer die Zeit für den dicken Wälzer aufbringen kann, wird dann ab dem zweiten Drittel wirklich gut unterhalten.

Hier gibt’s die Details zum Buch auf der Verlagsseite!

Was sagt ihr zum Buch? Und welche anderen Adaptionen der Geschichte fallen euch noch ein?

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Ein Kommentar zu „Rezension: The woman in the window von A. J. Finn

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