Rezension: Das Inselhaus von Leonora Christina Skov

29830706_10160442030445724_1466105105_o7 Menschen,  die sich vorher noch nie begegnet sind, treffen auf einer unbekannten dänischen Insel für einen Arbeitsaufenthalt aufeinander. Jeder erhielt eine Einladung eines Unbekannten, der sie wegen ihrer herausragenden Künstlerischen Leistungen für den Staat Dänemark erbracht haben. Da wären die etwas nervige Anne mit ihren Scherenschnitten, Krimiautor Joachim, Reisejournalistin Robin, Autor Kevin, Pfarrer Paul Erik, Duftkünstlerin Greta und Sophie mit der Arbeit an einem Gedichtband. Schon bei der Vorstellung der neuen Inselbewohner merkt man, dass bei den „herausragenden Leistungen“ für Dänemark etwas faul ist, im Staate Dänemark (das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen). Auf der Insel wartet ein Haus aus Glas die Gruppe, in dem merkwürdige Porzellanfiguren, keine Internetverbindung und einige Überraschungen warten. Was ist faul an der Sache? Wer steckt dahinter? Warum wurden diese Personen eingeladen? Und wird jeder diesen Aufenthalt überleben?

 

 

Stil, Machart, Meinung

Schon meine Inhaltsangabe dürfte so manchen Leser an Agatha Christies „Und dann gabs keines mehr“ oder auch in älterer Fassung „Zehn kleine Negerlein“ erinnern. Bingo! Die Autorin streitet keinesfalls ab, dass diese Geschichte sie inspiriert hat, sie erwähnt es sogar im Epilog. Sie schlägt bei diesem Kriminalroman jedoch eine etwas andere Richtung ein: Sie lässt in den verschiedenen Kapiteln die verschiedenen Inselbewohner zu Wort kommen und der Leser bekommt so einen umfassenden Einblick in das Haus. Es gibt keinen Ermittler. Die jeweiligen Bewohner machen sich natürlich so ihre eigenen Gedanken über die Situation und ihre Mitbewohner, denken eventuell andere Dinge als sie sagen und haben auch ihre eigene Geschichte. Durch viele Perspektivenwechsel und viel Zeit für die Gedanken der einzelnen Charaktere wird der Leser mit der Zeit seine eigenen Gedanken zur Situation entwickeln.

 

Dieser Kriminalroman lässt den Figuren viel Raum für ihre Gedanken und ist an einigen Stellen etwas ausschweifend, meistens jedoch unterhaltsam. Besonders gefallen hat mir die eigentlich sehr griesgrämige Greta, die sich sehr sarkastische Gedanken und oft fiese Bemerkungen macht. Mehrere der Personen auf der Insel sind mir relativ unsympathisch bzw. trotz der ausschweifenden Beschreibungen auch nicht ganz so tiefgründig. Ich verstehe einfach viele Entscheidungen der Personen nicht, obwohl es so detailliert dargestellt wird.

Mir sind dann doch auch einige Statements in diesem Buch etwas merkwürdig vorgekommen. Wieso zum Beispiel sollte man heutzutage keine Informationen über so eine Insel im

Internet finden? (Stichwort: Google Earth?!) Die anderen Merkwürdigkeiten kann ich leider nicht verraten..Spoilergefahr.

Was lernen wir daraus?

Ich habe gelernt, dass man sich bei der Kopie eines erfolgreichen Konzepts auf jeden Fall mit dem erfolgreichen Konzept messen lassen muss. Generell finde ich es immer gut, wenn man die Storys meiner Lieblingsautorin Agatha Christie adaptiert. Es kommt natürlich immer drauf an, was man dann draus macht. Hätte ich von Agatha Christie noch nie gehört (nicht auszudenken..!), dann hätte ich diese Geschichte wahrscheinlich viel besser gefunden. Fände ich das Original nicht so grandios, könnte ich diese Geschichte eventuell besser finden. Blöd nur: Das Original von Agatha Christie ist der meistverkaufte Kriminalroman aller Zeiten und auch bei den meistverkauften Büchern aller Zeiten ganz vorne mit dabei. Und das meiner Meinung auch noch zu Recht. Das heißt natürlich einerseits, dass dieses Konzept in anderer Form durchaus noch einmal super sein kann. Aber das heißt andererseits, dass viele die Dinge wie Porzellanfiguren in jedem Zimmer doch etwas sehr stark kopiert wirken werden.  Und das sehr viele Leser diese Geschichte mit der Geschichte von Agatha Christie vergleichen werden. Wer jetzt denkt, dass ich da vielleicht etwas zu hohe Erwartungen hatte und dem Werk keine Chance gegeben habe, der irrt. Ich empfehle den Film Mindhunters (ist schon ein paar Jahre alt), der das Konzept verwendet aber mit einem Trainingswochenende für FBI- Anwärter auf einer Insel ganz anders aber doch ähnlich mit der Vorlage umgeht. Ich finde den super, obwohl ich weiß das es nicht das Original ist.

Fazit

Wer eine herausragende Geschichte kopiert, muss seinen eigenen, anderen Weg finden. Besonders wenn es ein weltbekanntes Werk einer großartigen Autorin ist. Die Autorin hier hat das tatsächlich getan, jedoch nicht ansatzweise auf diesem Level. Sie legt Wert auf die eigenen Gedanken und Perspektiven aller Personen, und das finde ich auch gut. Nur leider konnte sie mir die Personen nicht wirklich nahe bringen und der Plot ist zwar ganz gut konstruiert, mit dem Original leider nicht zu vergleichen. Und da der Vergleich sich aufdrängt, kann dieses Buch nur verlieren. Ich vergebe 3 Sterne, und ohne die unterhaltsame Greta wären es wohl nur 2 gewesen, denn es gab doch einige Ungereimtheiten. Trotzdem ist das Buch gut zu lesen. Wer das Original nicht kennt, wird hier wahrscheinlich großzügiger Sterne verteilen.

Wer kennt andere empfehlenswerte Bücher oder Filme mit ähnlichem Konzept? Empfehlungen und Warnungen gern als Kommentar 🙂

Hier gehts zu den Buchdetails auf der Verlagsseite!

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2 Kommentare zu „Rezension: Das Inselhaus von Leonora Christina Skov

Gib deinen ab

  1. Hallo,

    ich muss zugeben, das ich das Original noch nicht gelesen habe (ich schäme mich auch deswegen ein bisschen), aber mich konnte Inselhaus auch nicht so wirklich überzeugen.
    Die Grundidee ist sehr gut, aber für mich fehlt der finale Schliff. Greta fand ich auch als Charakter am besten, aber ansonsten gibt es eigentlich keinen Sympathieträger.
    Ich habe damals zwei Sterne an das Buch vergeben.
    Vielleicht greife ich aber jetzt doch mal zum Original. 😉

    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

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