Rezension: Sonntags Tod von Carla Berling

Sonntags Tod Carla BerlingIra ist Lokalreporterin und muss zu einer Beerdigung, denn Ihre Schulfreundin wurde von ihrem Mann ermordet. Auf der Beerdigung in ihrem alten, westfälischen Dorf trifft sie viele Menschen aus ihrer Vergangenheit wieder. So auch Andy. Als sie dann wieder in ihrem Alltag als Reporterin unterwegs ist, entdeckt sie bei einem Polizeieinsatz eine Leiche in einer Messi-Wohnung. Als sie dann eine Verbindung zu ihrem alten Dorf aufdeckt, ermittelt sie plötzlich auf eigene Faust in einem Verbrechen und gerät in eine Familientragödie ungeahnten Ausmaßes.

Stil, Machart, Meinung

Dieser Kriminalroman legt einen großen Fokus auf die Ermittlerin Ira und die Vergangenheit in ihrem westfälischen Heimatdorf. Bald befindet sich der Leser inmitten einer großen Familie, in der jeder ein Geheimnis zu haben scheint. Nebenbei gibt´s eine Menge Lokalkolorit.

Ich mag solche Geschichten eigentlich, aber mir war beim Lesen oft nicht klar, wieso Ira da jetzt eigentlich ermittelt und was das genau bringen soll. Ich fühlte irgendwie nicht, dass da so dringlich etwas aufgeklärt werden musste –was komisch klingt, aber tatsächlich so passierte.  Dazu muss ich erst einmal einen Kritikpunkt anbringen: Den meisten Anteil an der Ermittlung in dieser Geschichte hat nicht die Ermittlerin Ira, sondern Kommissar Zufall. Die Zufälle häufen sich, der Haufen ist mir am Ende zu groß.

Mit Hauptperson Ira bin ich leider auch nicht recht warm geworden. Sie trägt gern rote Kleidungsstücke und hat einen Pudel. Neben diesen wenig beeindruckenden Eigenschaften mag ich ihre Art auch in vielen Situationen nicht recht. Sie soll auch die Gabe haben, Menschen durch zuhören allerlei Geheimnisse zu entlocken. Für mich sieht es jedoch eher so aus als würde sie ziemlich plump überall einfallen und direkt simple Fragen stellen, welche dann auf einmal wundersame Weise zu vielen vertraulichen Informationen führen. Vielleicht ist es ja auch die Anwesenheit des Pudels..

So etwas ist ja immer Geschmackssache und es gibt durchaus auch Positives zu berichten: Wir haben hier eine Familie mit vielen Familienmitgliedern und ich konnte mir die Personen schnell merken. Die Schreibweise ist flott und flüssig. Der Plot dröselt sich am Ende auch ganz sinnig auf und die einzelnen Personen und deren Handlungen machen Sinn. Ein besonderes Lob gilt der Einbettung des Lokalkolorits: interessante lokale Besonderheiten werden charmant und in guter Balance ins Geschehen eingebracht, auch etwas Gesellschaftskritik bzw. Gegenwartsbeschreibung ist gut untergebracht.

*Spoileralarm in Sachen Spoiler..*

Eine Anmerkung: Auf der Rückseite des Covers werden die Hauptpersonen kurz steckbriefartig vorgestellt. Andy, der erst im letzten Drittel der Freund der Hauptperson ist, wird dort bereits als ihr Freund bezeichnet. Das ist natürlich blöd gemacht, weil es die Spannung nimmt ob aus den beiden dann am Ende was wird.

Was lernen wir daraus?

Ich habe mir durch diesen Kriminalroman Gedanken darüber gemacht, dass zivile Ermittler in Krimis wesentlich schwerer in die Geschichte einzubetten sind. Ein Polizeibeamter wird einfach auf einen Fall angesetzt und ist direkt mitten im Geschehen. Eine Journalistin kann natürlich auch auf ein Verbrechen stoßen und dann so fasziniert sein, das sie recherchiert und somit ermittelt. In diesem Fall war es für mich eher schwierig, die Beweggründe der Ermittlung nachzuvollziehen. Zivile Ermittler haben für den Autor natürlich den Vorteil, dass man für eine real wirkende Ermittlungsarbeit nicht Polizist, Staatsanwalt etc. gewesen sein muss. Zivile Ermittler können vom Wissensstand genau so geschult sein wie der Autor selbst –und es wirkt real. Dieser große Vorteil des zivilen Ermittlers bringt einen Nachteil mit sich: Die Hauptperson muss so in die Ermittlung rein gezogen werden, dass der Leser es nachvollziehen kann. Dazu muss er wohl entweder irgendwie persönlich betroffen -oder von einem Fall so fasziniert sein, dass er die Finger nicht davon lassen kann. Wenn ich nichts zu tun habe so wie Miss Marple in ihrem Englischen Dorf, und in meinem unmittelbaren Umfeld gibt es eine Leiche und mehrere Verdächtige, und ich bin so unglaublich neugierig und stelle für Niemanden eine Bedrohung beim unauffälligen Verhör da.. warum nicht? Wenn ich selbst unter Mordverdacht stehe, ein mir nahe stehender Mensch ermordet wird, ich selbst fast ermordet worden bin oder ich Jemandem unbedingt helfen muss, dann würde auch ich vielleicht ganz ungeschult in einer Sache ermitteln. Es muss einen triftigen, nachvollziehbaren Grund geben, und dieser sollte den privaten Ermittler antreiben. Was in diesem Buch die wichtige Triebkraft ist, habe ich nicht so ganz verstanden. Mein Anspruch beim Schreiben einer Geschichte ist in diesem Punkt also noch einmal bestärkt.

Fazit

Man konnte die Geschichte gut lesen, der Plot und der Lokalkolorit waren gut und zu meiner Freude wurde nicht ausschmückend herumgeschwafelt. Das Setting mit einem Dorf, einer Familie mit vielen Geheimnissen in Verbindung mit einem Mordfall – das mag ich sehr gern. Nur leider wurde ich mit der Hauptperson Ira und deren Motivation für die Ermittlung nicht warm. Ich las zwar nicht gelangweilt weiter, habe jedoch streckenweise wenig Sinn in der Ermittlung gesehen. Ich vergebe 3 Sterne und denke, dass meine subjektive Bewertung eventuell etwas von der allgemeinen Bewertung dieses Buches abweichen wird – wahrscheinlich liegt die durchschnittliche Bewertung um die 4 Sterne, aber mich persönlich hat neben positiven Aspekten auch einiges gestört. Deshalb werde ich ein nächstes Buch dieser Reihe wohl auch nicht lesen. Schlecht ist das Buch jedoch keinesfalls.

Mehr Infos zum Buch gibt es hier auf der Verlagsseite

 

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