Rezension: Dark Memories – Nichts ist je vergessen von Wendy Walker

Dark MemoriesDas Buch beginnt mit der unvorstellbar brutalen Vergewaltigung von Jenny. Als sie danach ins Krankenhaus kommt, müssen die schockierten Eltern eine wichtige Entscheidung treffen: Soll Jennys Erinnerung an die Vergewaltigung mit einem Medikament ausgelöscht werden?
Die beiden Eltern gehen sehr unterschiedlich mit der Situation um, entscheiden sich dann jedoch gemeinsam dafür, die Erinnerung ihrer Tochter an die wohl schlimmste Nacht ihres Lebens zu löschen. Die Folgen der Vergewaltigung machen nicht nur Jennys Leben zur Hölle, sondern auch das Leben ihrer Familie. Als klar wird, dass Jenny nur mit der Erinnerung an die schlimmen Dinge ihre Gefühle verarbeiten kann, begibt sich die Familie in die Behandlung von Doktor Alan Forrester. Dieser gerät selbst immer tiefer in die Therapie und steht bald vor einer wichtigen Entscheidung..

Stil, Machart, Meinung
Zunächst möchte ich die wichtige Frage klären, was man von diesem Buch erwarten kann. Denn die angepriesenen Genres haben mich und einige andere Leser etwas getäuscht. Auf dem Taschenbuch selbst findet sich die Bezeichnung „Roman“. Das mitgelieferte Lesezeichen spricht vom „Thriller des Jahres“ und auch ein gelber Sticker auf einer Abbildung des Covers im Internet versprach „Thriller“. Schon vor dem Lesen fand ich das etwas merkwürdig. Als dann die erste Hälfte des Buches auch wirklich nur auf der Couch des Therapeuten stattfand und nur die Auswirkungen der Vergewaltigung auf die gesamte Familie und sogar die Stadt beschrieb, war ich schon recht gelangweilt. Thriller war das überhaupt nicht. Und dann passierte etwas, was alles änderte. Auf einmal wurde es sehr spannend, einfach nur auf Grund einer Entdeckung die den Therapeuten in eine heikle Lage bringt. Nun wird es interessant, eine neue Dynamik kommt in die Geschichte. Es wird etwas mehr Thriller, Psychothriller. Alle Informationen die mich am Anfang langweilten, machten jetzt Sinn und wurden irgendwie gebraucht. Daher an alle, die mit dem Gedanken spielen, dieses Buch abzubrechen: die zweite Hälfte wird super, durchhalten!
Die Erzählweise ist sehr interessant. Der Ich-Erzähler ist der Therapeut Alan, der auch einfach eine sehr gute Perspektive in der Geschichte einnimmt. Er erfährt in seinen Sitzungen von Jenny, ihren Eltern und auch einem weiteren Patienten mit ähnlichem Problem alles, was man wissen muss. Nebenbei hat er einen guten Draht zu dem ermittelnden Detective und sein Privatleben spielt auch eine Rolle. Ich mag diese Idee, dass ein Problem von verschiedenen Personen ganz unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet wird. Die haben dann auch alle noch ihre eigenen Probleme.
Interessant ist auch die Aufmachung der Dialoge. Davon gibt es natürlich verhältnismäßig viel, denn die Handlung spielt, wie schon gesagt, zu 90% auf der Couch des Therapeuten. Ein Großteil der Geschehnisse wird dem Leser über die Dialoge vermittelt. Und so gibt es kein ständiges „er sagte“ und „sie sagte“, sondern einmal die Erzählung des Therapeuten und dann die Erzählungen bzw. Aussagen in den Dialogen der anderen Personen in kursiv. Ich finde das mal was neues, musste mich nur kurz dran gewöhnen und finde diese Lösung für den großen Anteil von Dialogen an der Geschichte eine sehr gute Idee. Die Umsetzung gefällt mir , wobei ich mir auch vorstellen kann das einige Leser sich daran vielleicht stören werden.
Der Thriller, der nicht so ganz einer ist, bekommt durch die Geschehnisse noch ein paar Krimi-Elemente dazu (wer ist der Vergewaltiger?) und beschreibt wie ein Roman anschaulich und (zu?) ausführlich die Auswirkungen einer Vergewaltigung auf eine Familie. Ab der Hälfte ist es dann ein Psychothriller..

Was lernen wir daraus?
Ich lese schon lange und auch recht viel, und ich muss sagen das mir in letzter Zeit  auffällt, wie mich eine Genrebezeichnung in die Irre führen kann. Daher möchte ich noch einmal betonen, dass man ein Buch so gestalten und betiteln sollte, dass der Leser weiß, was ihn beim Lesen erwartet. Cover, Genrebezeichnung, Klappentext, alles sollte natürlich neugierig machen und verkauft ein Buch. Aber es sollte auch realistische Erwartungen schüren. Denn wenn ein passionierter Thriller-Leser in einem ausführlichen Gewirr aus Gesprächen das Interesse verliert, dann bricht er vielleicht ab. Oder er hat eine schlechte Meinung vom Buch. Vielleicht gibt es schlechte Bewertungen und sicherlich keine positiven Empfehlungen an andere potentielle Leser. Manche lesen vielleicht gern seichte Romane und sind dann schon bei der brutalen Vergewaltigung am Anfang abgeschreckt. Ich als Leser möchte durch Titel, Cover und Klappentext herausfinden, ob das Buch etwas für mich ist. Ich war in der ersten Hälfte auch kurz davor, abzubrechen. Aber ein paar unheilvolle Andeutungen hier und da und tatsächlich auch die positive Kritik von Karin Slaughter auf der Rückseite haben mich bei der Stange gehalten, da ja noch etwas grandioses kommen musste..
Eine weitere Lektion: Man kann ruhig auch mal mit den traditionellen Regeln brechen, wenn es der Geschichte förderlich ist. Hier gibt es so viele Dialoge, dass ständige wörtliche Rede meiner Meinung nach sehr ermüdend wäre. Und die oben schon beschriebene Lösung der Autorin finde ich genial gewählt. Natürlich wird es aber immer Leser geben, die mit einer so neuen Beschreibung von Dialogen ihre Probleme haben werden. Hier muss man noch einmal über die Zielgruppe nachdenken, ich finde neue Ideen in dieser Beziehung erfrischend.

Fazit
Dark Memories scheint erfolgreich zu sein bzw gemacht werden sollen. Es wird anscheinend in 17 Ländern erscheinen und von Hollywood sogar verfilmt. Ich habe mich zwar durch die langweilige erste Hälfte gekämpft, war aber ab circa der Hälfte des Buches von einer ganz neuen Entwicklung total gefesselt und fand die weiteren Handlungen sehr spannend und interessant. Ein Buch, welches zur Hälfte langweilt, finde ich jedoch nicht gut. Hier muss ich jedoch anmerken, dass alle Informationen aus der ersten Hälfte die Handlungen und Gefühle der Personen in der zweiten Hälfte erklären. Die Einführung ist irgendwie nötig, um die sich überschlagenden Ereignisse so dramatisch einzuleiten. Da ich neben Krimi und Thriller gern auch mal einen Roman lese und die Schreibweise und der Plot mir gefielen, so vergebe ich dann doch noch knappe 4 Sterne. Als Hollywood – Film wird sich die Geschichte sicherlich auch gut machen, da muss sie ja von Anfang an Fahrt aufnehmen..
Wer knallharte Action, ein ab der ersten Seite fesselndes Buch oder auch eine Menge Mord und Totschlag erwartet, der sollte vielleicht ein anderes Buch zur Hand nehmen. Wer gern Psychothriller, Krimi, und Romane liest und sich auf die Geschwindigkeiten der Geschichte einstellen kann, der wird hier eine interessante Geschichte lesen, die wirklich auch mal etwas anderes ist.

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7 Gedanken zu “Rezension: Dark Memories – Nichts ist je vergessen von Wendy Walker

  1. Pingback: [Rezension] Wendy Walker: Dark Memories – Nichts ist je vergessen | serendipity

  2. Du schreibst genau die Sachen auf, die ich auch im Kopf hatte 🙂 Ich mag deine Rezension zu diesem Buch, auch wenn ich das Buch nicht so gut bewertet habe. Für mich war das Buch schlicht zu anstrengend zu lesen, auch wenn ich so psychologische Thriller eigentlich gerne mag.

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    • Ja es war schwierig, irgendwie fand ich ab der Mitte (du weißt wahrscheinlich warum) die Sache sehr spannend und das Verhalten von Alan sehr interessant, und dann steuerte alles auf ein dramatisches Ende zu, das irgendwie doch für alle noch sehr gut gelöst war 😀 zuerst musste ich mich zum lesen zwingen, und dann zwang das mübuch mich zum lesen 😀

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  3. Hallo,
    ich muss sagen, dass mir das Buch leider gar nicht zugesagt hat und ich es auch noch ganzen 185 Seiten abgebrochen habe. :/ Ich habe dazu auch einen Post geschrieben, der am 06. August online kommen wird und ich wollte dir schon einmal sagen, dass ich dort deine Rezension verlinkt hat und ich hoffe, dass das für dich okay ist. 😀 Damit meine Leser mal noch eine Meinung von jemandem lesen können, der das Buch auch beendet hat. ^^

    Liebst, Lotta

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  4. Die Verwirrung um das Buch in Bezug auf Roman oder Thriller gab bei mir schon mal einen fetten Punktabzug. Ich wollte einen Thriller lesen. Als solcher wird es ja auch beworben. Hätte ich einen Roman gewollt, hätte ich das Buch vielleicht anders bewertet.
    Insgesamt war es nicht schlecht. Für mich aber eher durchschnittlich.

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  5. Pingback: Wendy Walker: Nichts ist je vergessen - Lottas Buecher

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