Mein Problem mit den Testlesern..

Testleser, mit denen ist das ja so eine Sache.
Wie die meisten von euch wissen (oder auch hier auf dem Blog nachlesen können:Mein Krimi ), schreibe ich einen Krimi. Mein Debüt, mein erster Versuch, endlich fertig (geschrieben) nach langer Zeit. Geschrieben neben einem stressigen Job; Nachts oder wenn ich einen Tag Ruhe hatte.
Ich muss jedoch sagen, ich bin enttäuscht und mein gesamtes Projekt stagniert gerade. Eigentlich wollte ich schon längst fertig sein und es als Selfpublisher veröffentlicht haben, aber ich hatte die Testleser zu blauäugig eingeschätzt. Nachdem ich den fertigen Krimi nun wochenlang in der Schublade hatte, um mich gedanklich etwas zu distanzieren, komme ich nun nicht weiter. Denn meine Testleser, eigentlich vertrauenswürdige Leute, kommen einfach nicht zu Potte. 2 Ausnahmen muss ich machen, denn ich bekam 2 gute Feedbacks mit hilfreichen Anregungen und der grundsätzlichen Aussage, dass die Geschichte gut konstruiert ist, sie Spaß beim Lesen hatten und Spannung aufkam. Aber dieser Testleser haben halt wirklich nur testgelesen und nicht über Rechtschreibung und Grammatik geschaut. Meine private Lektorin, einst war sie Feuer und Flamme für den Job, reist andauernd fröhlich durch die Weltgeschichte für Praktika etc. Ich nehme es ihr nicht übel, dass sie da wenig Zeit findet. Aber sie hatte sich doch wirklich für den Job angemeldet und war auch meine beste Wahl. Mein Vater, auch ein perfekter Kandidat für Lektorat und Korrektorat, hat nun seit Monaten meinen Kindle zum Lesen gebunkert, kommt aber auf Grund beruflicher Verpflichtungen zu nix. Auch eine andere Freundin, passionierte Krimi- und Thrillerleserin, die mit mir immer gern über den Plot diskutierte und Anregungen gab, ist irgendwie raus aus der Sache. Sie hat sich getrennt, zieht gerade um und so weiter. Andere Leute waren direkt ganz aufgeregt und drängten sich als Testleser teilweise auf, aber seit dem Schicken des Krimis kommt wenig. Ein Testleser bemängelte nach 2 Kapiteln Dinge, die einfach zeigen, dass er sonst wohl eher Sachbücher liest. Mein Mann, Amerikaner, würde zu gern meinen Krimi lesen und hat es auch schon mit dem Google-Translater versucht, da sein Deutsch nicht ausreichend ist. Interessant war es ja, denn selbst ich hatte nach der Übersetzung keine Ahnung, welcher Satz in meinem Manuskript da gerade übersetzt wurde..

Tja, was mache ich jetzt? Lektorat, so richtig professionell, das wäre schön. Aber dafür kann ich im Moment einfach kein Geld ausgeben. Da meine Zukunft im Moment etwas ungewiss ist und ich in ein paar Wochen eventuell in einem ganz anderen Land neu anfangen muss, spare ich einfach jeden Cent. Beim ersten Werk kann man nur mehr Geld reinstecken als rauskriegen, wenn man es gerade ganz Dicke hat. Den Testlesern in den Arsch treten? Geht auch schlecht, denn ich will ja eine Gefälligkeitsleistung von ihnen. Wahllos irgendwelche Testleser rekrutieren? Nein, das traue ich mich nicht. In der Geschichte stecken mein Herzblut und unglaublich viel Zeit, die schicke ich nicht einfach an Leute, die ich nicht wirklich kenne. Ich muss meinen Testlesern vertrauen, nicht das jemand meine Geschichte einfach kurz ändert und dann selbst veröffentlicht. Oder sonst irgendwas damit macht, man weiß es ja nicht.
Grundsätzlich scheinen also die Testleser, die es drauf haben, einfach keine Zeit zu haben. Die, die es gern machen würden und Zeit hätten, haben anscheinend keine Ahnung und sind wenig hilfreich. Man braucht gute Freunde oder Familienmitglieder, die wirklich gern in dem Genre lesen. Und sie sollten wirklich gut sein, was Rechtschreibung und Grammatik angeht. Vor allem aber sollten sie hochmotiviert sein und sich auch wirklich Zeit nehmen. Das ist wohl in der heutigen Zeit das härteste Kriterium, denn die wirklich guten Leute sind natürlich immer im Stress..
Ich überlege, ob ich mein Manuskript jetzt vielleicht doch an Verlage schicke. Ich war auf Grund der langen Wartezeiten und geringen Erfolgsaussichten ja eher nicht so heiß drauf und wollte es selbst packen, aber jetzt in der Zwischenzeit kann ich ja auch genauso gut mein Glück versuchen, es dauert ja eh alles länger als gedacht. Erst einmal werde ich jetzt erneut meinen Krimi lesen und korrigieren, aber ich weiß bereits eines: meine Betriebsblindheit hat mich bereits so einiges übersehen lassen.
Und dann könnte ich auch noch mit einem neuen Projekt anfangen, für das ich im Job schon seit Monaten recherchiere. Meine Notizen sind zusammengetragen, und es wäre etwas ganz anderes. Aber eigentlich bin ich ja ein Fan davon, erst mal ein Projekt abzuschließen. Nur anscheinend geht es jetzt nicht mehr nach meinem Zeitplan, sondern dem Zeitplan von anderen Leuten..

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8 Gedanken zu “Mein Problem mit den Testlesern..

  1. Tut mir Leid ist alles gerade so frustrierend. Ich würde mich ja gerne selbst anbieten, da ich wirklich gerne Korrektur lese, aber wie du schon erwähnt hast, gibst du das Manuskript nicht an unbekannte weiter, was ich auch vollkommen verstehe! Ich hoffe du kommst bald Vorwärts!

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  2. Ich verstehe dich nur zu gut. Es ist verdammt schwer jemanden zu finden, der zuverlässig und dabei auch noch gut ist.
    Einen guten Tipp kann ich dir leider auch nicht geben. Und unabhängig, dass ich auch GAR KEINE Zeit habe, bin ich in Sachen Rechtschreibung eher eine Niete und brauche auch dringend jemand, der das für mich überprüft.

    Aus meiner Erfahrung heraus kann ich aber sagen, dass meist das Erstlingswerk zwar ganz toll für den Verfasser ist – vor allem, weil man so verdammt stolz ist, es geschafft zu haben – aber leider oft noch nicht das Beste, was man in der Lage ist zu schreiben.
    Ich habe ja nun schon 10 Romane geschrieben und ich sage immer noch beim Letzten, dass ich geschrieben habe, es sei das Beste, was ich je geschrieben habe. Wenn ich mir heute meine Erstlingswerke ansehe, dann ist mir das eigentlich sogar richtig peinlich und ich weiß, warum ich nie einen Verlag gefunden habe.
    Heute will ich das auch gar nicht mehr.
    Hier kann ich dir raten, wenn du es versuchen möchtest, dich an einen Agenten zu wenden. Die lesen dein Exposé auf jeden Fall. Bei einem Verlag bekommst du nach drei Monaten, wenn überhaupt, eine Standartabsage.
    Das ist äußerst frustrierend. Außerdem ist das Schreiben eines Exposés echt schwierig. Viel schlimmer, als einen Roman zu schreiben. Das muss man auch können und es verdammt gut machen, damit sich jemand dafür interessiert (das gilt leider auch für Agenten).
    Lass den Kopf nicht hängen und mach einfach weiter.
    Sonst veröffentliche es einfach und schau, was passiert.
    Beim zweiten Roman wird ohnehin alles viel einfacher werden.

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  3. Oje, das hört sich nicht gut an… Unzuverlässigkeit ist nie schön. Und du bist dann hinterher der Depp – wenn ich das mal so formulieren darf…
    Richtig helfen kann ich dir leider auch nicht – aber drück dir trotzdem die Daumen und hoffe, dass sich das alles wieder regelt. Viel Glück!

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  4. Kenne ich. Sowas ist dann sehr ärgerlich und verzögert alles Mögliche, aber es ist nichts zu machen. Man kann die Testleser auch nicht zwingen, dann werden sie bockig (wie ich nur zu gut weiß ^^).
    Hm, wenn gerade wirklich alle Testleser keine Zeit haben, dann arbeite es doch noch einmal selbst durch, lasse es dann noch mal ruhen und gehe inzwischen das andere Projekt an.
    Genau das kann dir auch – falls auch nach einer Weile niemand Zeit findet – dann auch eine größere Distanz zu deiner überarbeiteten Fassung geben. Wie ich inzwischen dank meiner Erfahrungen mit Lektorat weiß – auch die braucht man.

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  5. Oh je das hört sich wirklich schlimm an … :\ Gerade wenn es ein Projekt ist, das mit Herzblut gemacht und geschrieben ist und von dem man möchte, dass es nun auch endlich Leute lesen können. Es ist sehr schade, dass es Menschen gibt, die sich ihrer Verantwortung einfach nicht so richtig bewusst sind.
    Ich studiere ja Germanistik und achte da schon sehr (aber jeder macht mal Fehler) auf Rechtschreibung/Grammatik, aber mit Krimis habe ich leider nicht so viel am Hut/Erfahrung! Ich hoffe, dass sich deine Situation noch zum Guten wendet! LG 🙂

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  6. Das geht leider vielen so … aber hast du es mal mit einem Fragebogen versucht? Ich habe mal darüber geschrieben …: https://schreibretreat.wordpress.com/2013/04/10/hilfreiches-feedback-mit-einem-fragebogen-fur-testleser/
    Ein Fragebogen ist oft einfacher und bringt mehr Feedback als wenn der Testleser gar nicht weiß, wonach er Ausschau halten soll. Dann bleibt es meist nur bei der Verbesserung der Grammatik und der Rechtschreibung.

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