5 Sterne- Thriller ! Racheherbst von Andreas Gruber

RacheherbstWir schreiben das Jahr 2016, Andreas Gruber schrieb Racheherbst, wir haben jetzt Winter. Und so habe ich bei der neuen Eiseskälte dieser Tage ganz fix diesen Thriller ausgelesen, nachdem ich es über die Weihnachtsfeiertage nicht wie geplant geschafft hatte. Irgendwie bereitet man dann doch so viel vor, isst eine Menge und macht was mit der Familie. Deshalb nun ein neues Jahr und eine neue Rezension:

Der Inhalt
Im Buch Racheherbst (2015), der zweite Teil um die Ermittler Walter Pulaski und Evelyn Meyers, geht es um einen gerissenen und wahnsinnigen Killer. Die Story beginnt in Leipzig bei Pulaski, der die übel zugerichtete Leiche einer 19jährigen Prostituierten aus einem Gewässer fischt. Die weiteren Ermittlungen sind eigentlich gar nicht sein Arbeitsbereich, aber als die wild entschlossene Mutter des Opfers auftaucht, gerät sein geruhsames Leben aus den Fugen. Die jüngere Schwester der Toten wird vermisst und die Mutter der beiden Mädchen will auf eigene Faust ermitteln. Die zuständigen Ermittler hingegen scheinen sich in den Fall nicht besonders reinzuhängen, denn eine tote Prostituierte und Drogenabhängige scheint nicht sehr dringlich. Die Mutter der beiden hat eine sehr direkte und gefährliche Art der Ermittlung und ist selbst auf der Flucht, während Pulaski eher bedacht die Schadensbegrenzung betreibt. Da die Hinweise in mehrere Länder deuten, begeben sich die beiden auf eine internationale Spurensuche.
Zeitgleich bekommt Evelyn Meyers in Wien einen ganz merkwürdigen Fall auf den Tisch. Ihr neuer Klient, Arzt, ist Verdächtiger in einem Mordfall und gerät durch seine kleinen Lügen immer weiter ins Schlamassel. Evelyns Lebensgefährte, Privatdetektiv, scheint noch dazu gegen den Mandanten zu ermitteln und die beiden geraten in einen Interessenskonflikt.

Teil 1 und Teil 2
Ich habe Teil 1 (Rachesommer) nicht gelesen und hatte bei dem Lesen von diesem Buch, es ist Teil 2 und nun bereits Racheherbst, keine Probleme. Evelyn Meyers und Walter Pulaski haben auch schon in Teil 1 zusammengearbeitet und ein paar private Entwicklungen hat es wohl gegeben, aber ich habe in meiner Unwissenheit nichts vermisst. Racheherbst hat mir allerdings so gut gefallen, dass ich Teil 1 wohl doch noch lesen werde. Und auch einen eventuell folgenden Teil 3, ich tippe mal stark drauf das dieser Teil Rachewinter heißen wird, würde ich auch sehr gern lesen.
Stil, Machart, Meinung
Besonders gelungen finde ich schon die Steckbriefe von Meyers und Pulaski ganz am Anfang. Die Steckbriefe verraten ein paar wichtige Fakten und auch ein paar unwichtige, die dennoch ein passendes Bild der beiden Hauptpersonen zeichnen. So richtig gepackt hatte mich das Buch dann auch gleich am Anfang. Denn bereits der Prolog, in dem ein gruseliger Mord geschieht und Fragen aufgeworfen werden, ist spannend. Teil 1 beginnt dann 1 Jahr später, als Walter Pulaski zu einem Tatort gerufen wird. Gepackt war ich ja schon, aber die zynische Art des Ermittlers ist sehr gut beschrieben und macht einfach Spaß. Als dann noch der Handlungsstrand in Wien mit Evelyn Meyers beginnt, ist man auch schon mittendrin im Geschehen und muss unbedingt herausfinden, was da los ist.
Wie schon gesagt, ich mag die Art von Pulaski. Andreas Gruber versteht es, Dialoge lebendig zu machen. Besonders die Gedanken, die manchmal doch auch sehr vom Gesagten abweichen, sind toll. Dass der eher ruhige und bedachte Pulaski dann auf einmal mit der direkten und unerschrockenen Frauenpower einer besorgten Mutter auf Mörderjagd konfrontiert wird, macht die besondere Chemie der Szenen aus. Evelyn Meyers in Wien ist jedoch eher auf sich allein gestellt und muss entscheiden, welche der ihr präsentierten Fakten und Aussagen stimmen und was das genau bedeutet. Es ist eine ganz andere Dynamik in den Kapiteln mit ihr als Hauptperson, und sie ist genau so gut. Natürlich werden sich irgendwann im Verlauf der Geschichte die Wege der Hauptpersonen kreuzen, aber ich möchte ja nicht zu viel verraten.
Andreas Gruber nimmt den Leser mit auf eine Ermittlungsreise, in der viele Perspektiven und Hinweise auftauchen, die sich am Ende sehr gut zusammenfügen. Der Leser weiß mal mehr, mal weniger, mal genau so viel und hat immer offene Fragen und eigene Vorahnungen. Man kann sich berieseln lassen und der teilweise auch rasanten Jagd nach dem Killer folgen, gleichzeitig ist man selbst aktiv dabei und hat seine eigenen Vermutungen. Es wird zu keiner Zeit langweilig, man ist mittendrin (so mittendrin, wie man es mit einem Buch in der Hand sein kann..) und der Plot ist gut ausgearbeitet. Alles macht am Ende Sinn und fügt sich gut zusammen.
Die Balance der Erzählung ist nach meinem Geschmack zu jedem Zeitpunkt sehr ausgeglichen und macht das Leseerlebnis perfekt. Wir haben in Leipzig, Wien und noch ein paar anderen Städten interessante aber auch nicht zu lange Beschreibungen der Umgebung, jedoch hat man auch ein kurzes Sightseeing. Die Eigenarten der jeweiligen Städte/Länder kommen kurz zur Geltung, nehmen der Geschichte jedoch nie die Spannung. Ich bin kein Fan von langen und langweiligen Beschreibungen und bin sehr zufrieden mit dem Erzählstil des Autors. Er beschreibt alles ohne lange Ausschweifungen so gut, dass man mich alles gut vorstellen kann. Und genau so soll es sein.
Was lernen wir daraus?
Besonders lehrreich fand ich die Dynamik zwischen Pulaski und der Mutter der Toten Prostituierten. Sie hatten andere Voraussetzungen, eine andere Motivation und komplett andere Herangehensweisen und haben wahrscheinlich gerade deshalb erfolgreiche und auch Unterhaltsame Ermittlungen geführt. Bei den beiden gibt es nicht nur Sonnenschein in der Zusammenarbeit sondern auch oft Misstrauen und unvorhergesehene Wendungen, aber am Ende arbeiten sie doch gut zusammen. Das finde ich sehr gelungen und ich überlege, wie ich einen Funken davon eventuell auch für mein Schaffen übernehmen kann.
Sehr gut gelungen ist, wie bereits erwähnt, auch das Spiel mit dem Leser. Der Leser erfährt genau die richtige Menge an Informationen um selbst Vermutungen anzustellen und auch überrascht zu werden. Ich kann jetzt nicht sagen „im nächsten Buch werde ich das genau so auch machen“, aber ich werde definitiv vermehrt drauf achten ob der Leser die richtige Menge an Informationen für das bestmögliche Leseerlebnis hat.

Fazit
Irgendwie hat mich meine Rezension jetzt gerade auch ein wenig überrascht. Ich wollte vor dem Schreiben eigentlich 4 Sterne für das Buch geben, nun werden es aber doch 5. Denn ich habe absolut nix zu meckern. Die gute Erzählweise und die Ausgewogenheit in Sachen Information für den Leser, Beschreibungen und Wettlauf gegen die Zeit sind einfach gelungen. Der Plot ist super, alles fügt sich zusammen und man wird nicht mit unlogischen Dingen oder unbeantworteten Fragen zurückgelassen. Auch der am Ende oft so plump auftauchende „Kommissar Zufall“ als zusätzlicher Ermittler ist absolut nicht übertrieben sondern das Ende ist einfach gut gelöst und alle Personen kommen unterschiedlich und individuell zu einem Ergebnis.. (mehr darf ich nicht verraten)
Ich jedenfalls habe Andreas Gruber zwar das erste- aber sicherlich nicht das letzte Mal gelesen und kann ihn nur weiterempfehlen und weitere Bücher auf meine Wunschliste setzen. Chapeau!

Hier geht´s direkt zum Buch auf der Verlangsseite: Hier klicken!

PS: Frohes neues Jahr und viel Erfolg, viele gute Bücher und Erlebnisse fürs Leben in 2016!

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6 Gedanken zu “5 Sterne- Thriller ! Racheherbst von Andreas Gruber

  1. Ach ja…Andreas Gruber ist zu meinem Lieblingsthrillerautor mutiert! und seitdem ich ihn auch noch persönlich getroffen habe, sowieso =) Seine Bücher sind toll und ich freue mich auf seinen nächsten thriller, der im Augsut rauskommt und zur Marten S. Sneijder Reihe gehört!
    Liebe Grüße
    Martina

    Gefällt 1 Person

  2. Danke für die ausführliche und gute Rezi, hat mir gefallen wie Du das Buch beschreibst.

    Ich habe bisher noch kein Buch von Andreas Gruber gelesen, aber „Rachesommer“ und „Die Engelsmühle“ habe ich in meinem SUB.
    Werde den Rachesommer auf jeden Fall in diesem Jahr noch lesen. Die Engelsmühle ist der 2. Band einer Reihe, da werde ich dann mal schauen ob ich mir die Schwarze Dame vorher ausleihen kann.
    Herzliche Lesegrüße
    Agnes

    Gefällt 1 Person

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